Wie die Medien die COP21-Klimakonferenz auswerteten

Die Medien spielen eine entscheidende Rolle in der Erklärung der Klimakonferenz von Paris – eine Untersuchung der britischen und russischen Berichterstattung. Dem Pariser Abkommen wurde in der Presse im Allgemeinen viel Aufmerksamkeit zuteil. Die meisten Berichte im direkten Anschluss legten einen ähnlichen Fokus auf einige wenige Schlagzeilen: Dieser Sieg war ein „Meilenstein“, wenn auch verbunden mit einigen mahnenden Anmerkungen. Trotzdem zeigt eine nähere Betrachtung ein paar bemerkenswerte Unterschiede.

Der linksangehauchte Guardian nannte es ein „ehrgeiziges Übereinkommen” und ein „Ende der Erdöl-Ära”. Während auch Kritik herausgelesen werden konnte, war der Grundton überwiegend positiv, sogar euphorisch in seiner Hervorhebung der historischen Natur dieses Erfolgs. Es wurde erwähnt, dass NGOs „sich nie ein Abkommen hätten vorstellen können, das so ambitioniert sei” und, obwohl es immer noch nicht ehrgeizig genug sei, „Aktivistengruppen weitestgehend mit dem Ergebnis sehr zufrieden seien“. Nichtsdestotrotz wurde „die Abschwächung des Abkommens bezüglich des Umgangs mit dem irreparablen Schaden durch den Klimawandel” negativ angeführt.

Der gemäßigtere Independent betonte ebenfalls die historische und revolutionäre Natur des Moments, fügte allerdings strenger warnende Anmerkungen hinzu, so zum Beispiel von Chris Rapley (University College London), der betonte, dass nur „die Zeit die wahre Natur des Pariser Abkommens offenbaren wird“.

Auf der politisch rechten Seite, vertreten durch den Telegraph, war man sehr viel vorsichtiger. Dort wies man zwar auf den Erfolg des Abkommens hin, bevorzugte aber eine Schilderung dessen, was beschlossen worden war anstelle einer Betonung der historischen Wichtigkeit des Moments. Die Zeitung interessierte sich dafür, was dies für die Politik des Vereinigten Königreichs bedeuten wird und was die NGOs von dem Abkommen halten. Zu diesem Zweck verglichen sie die positive Beurteilung durch Christian Aid mit der negativen Bewertung durch Friends of the Earth.

Die Times und die Sunday Times waren dagegen weniger positiv eingestellt. Kurz vor der Bekanntgabe wurde das Abkommen in der Times als Erfolg für kleine Inselstaaten bezeichnet, indem das Vereinigte Königreich und der Rest der Welt stärker zur Verantwortung gezogen werden. Die Kosten technologischer Lösungen waren von größerem Interesse als das Betonen des bahnbrechenden Moments. Die Sunday Times (hier: die irische Ausgabe) des Folgetages schätzte das Abkommen als wichtiger ein, da hier geltend gemacht wurde, es wäre durchaus „historisch“, aber nicht so bedeutend, wie anderswo behauptet. Der Artikel betrachtet Technologie und Eigeninteresse als diejenigen Kräfte, die die globale Erwärmung bekämpfen werden.

Neben den praktischen Grundlagen des Abkommens – den Finanzierungsmechanismen, den getroffenen Versprechungen und so weiter – war eine der eindringlichsten Botschaften der Berichterstattung, dass Investoren und Regierungen nun Entscheidungen treffen könnten, die auf einer kollektiven Festlegung zur Reduktion der Emissionen basieren; dies wird als sehr positiver Schritt angesehen. Ein anderer Schwerpunkt war die Rolle der USA, die auf diese Vereinbarung drängten und die vermittelnde Rolle Frankreichs.

Zwei Arten von Negativität

Indes waren auf den Kommentarseiten stark skeptische/negative Stimmen zu hören, vor allem im Guardian. George Monbiot, der hochgeachtete Umwelt-Kolumnist der Zeitung, behauptete: „Im Vergleich zu dem, was es hätte sein können, ist es ein Wunder. Im Vergleich zu dem, was es hätte sein sollen, ist es ein Desaster.“ Ähnlich bewertete der frühere NASA-Klimaforscher James Hansen das Scheitern:

„Es ist wirklich ein Betrug, ein Schwindel. […] Es ist einfach Blödsinn, wenn sie sagen: Wir haben ein Erwärmungsziel von maximal 2°C und versuchen es dann alle fünf Jahre ein bisschen besser zu machen.“

Darüber hinaus gibt es Berichterstattungen, die der ganzen Idee eines großen Umweltgipfels feindlich entgegenstehen. Die Daily Mail zum Beispiel untersuchte den Einfluss der Konferenz selbst auf die Umwelt und kam zu dem Schluss, dies wäre „ein erstklassiges Beispiel dafür, was für ein verschwenderisches Leben die grüne Lobby führt“. Unterdessen verspottete der Journalist Christopher Booker im Telegraph den COP21 als den Moment, in dem „politische Panik“ über den Klimawandel mit der Realität einer auf Erdöl basierenden globalen Zivilisation zu kollidieren begann.

Diese Sorte der Verleugnung des Klimawandels – oder politischer “Realismus“ – ist allerdings zunehmend selten in den weltweiten Mainstream-Medien. Unsere Recherche beinhaltete auch einen Blick auf die Klima-Berichterstattung in Russland, einem der weltweit größten Kohlenstoffproduzenten und damit einem Land, das jeden Grund hat, öffentlichkeitswirksame Debatten zu vermeiden. Trotzdem finden auch dort Veränderungen statt. Die gewöhnlich eher zurückhaltenden Medien stimmten in die positive Berichterstattung über die Pariser Bekanntmachung überein, vielleicht als logische Konsequenz der starken Stellungnahme durch den russischen Präsidenten, Vladimir Putin, am ersten Tag des Gipfels.

So diskutierte zum Beispiel die staatliche Zeitung Rossiyskaya Gazeta die Erfolge der russischen Delegation, die alle ihre Ziele erreicht hat. Russische Reporter kritisierten die legalen Aspekte des Abkommens, während Aktivisten und NGOs Zweifel am Erfolg des COP21 äußerten, indem sie beispielsweise auf die erhöhte Wahrscheinlichkeit von kontroversen Richtlinien zur Kohlenstoffreduzierung (wie zum Beispiel Chinas möglichen Wechsel zu Nuklearenergie) und Russlands unklare Position zwischen entwickelten und entwickelnden Parteien hinwiesen. Diese Kritik ist aber eher als ein positives Zeichen des Auseinandersetzens mit dem Prozess zu werten als simple Verleugnung oder Fehlinformation.

Für die Kommunikation des Klimawandels war 2015 entscheidend – die Medien spielten eine wesentliche Rolle, als es darum ging, die Risiken für die Umwelt einem breiteren Publikum verständlich zu machen. Die Preise für die klassischen Helden und Bösewichte im Klimawandel-Kommunikationstheater sind noch nicht verteilt, aber die komplette Medienlandschaft verdient ein dickes Lob dafür, dass sie dem historischen Erfolg in Paris zumindest den verdienten Raum in der Berichterstattung gestatteten.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Teaser & Image „COP21″ (adapted) by Presidencia de la República Mexicana (CC BY 2.0)


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Marianna Poberezhskaya

Marianna Poberezhskaya

ist Dozentin für internationale Beziehungen an der Nottingham-Trent Universität und leitet das Fachmodul "Medien, Macht und Politik". Sie forscht zu politischen Diskursen der russischen Arktis und Energiesicherheit.

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