Know-How und Coolness kosten viele Millionen Dollar

Für 90 Millionen US-Dollar hat das amerikanische Firmen- und Geschäftsnetzwerk LinkedIn vergangene Woche die Newsreader-App Pulse übernommen.

Kurze Zeit, nachdem die mobile Nachrichten-App Summly, die Texte mittels eines Algorithmus kürzen kann, von Yahoo für 30 Millionen US-Dollar gekauft wurde und Flipboard mit seiner Version 2.0 an den Markt ging. Social News-Apps scheinen aktuell also schwer im Trend zu liegen.

Mit Pulse kann man sich – ähnlich wie mit Flipboard – ein eigenes Nachrichtenmagazin aus individuellen Quellen nach den eigenen Interessensgebieten zusammenbauen und so via App stets up-to-Date bleiben. Mit über 20 Millionen Nutzern und über vier Milliarden bisher gelesenen Stories ist es wenig verwunderlich, dass große Unternehmen die reichen Arme nach Pulse ausstrecken – den Zuschlag hat nun LinkedIn für 90 Millionen US-Dollar erhalten. Geld, das LinkedIn versucht, in den weiteren Geschäftsauf- und -ausbau zu investieren.

Schon Ende 2012 hat der amerikanische Konkurrent des deutschen XING ordentlich zugelegt. Der Umsatz konnte im letzten Quartal um 81% auf umgerechnet etwa 227 Millionen Euro hochgeschraubt, der Gewinn um 66 Prozent auf über 9 Millionen Dollar angehoben werden. Inzwischen hat LinkedIn über 200 Millionen Nutzer, während XING bei knapp über sechs Millionen Nutzern weit abgeschlagen dahinter liegt.

Gekaufte Coolness

Mit einer Präsenz in über 190 Ländern weltweit und 10 Millionen gelesenen Stories pro Tag schafft Pulse ein neues Geschäftsfeld für LinkedIn: Die Social News. Im mobilen Markt liegt die Zukunft – das hat auch Mark Zuckerberg schon früh erkannt. Und so steigen viele Unternehmen aktuell bei jungen und kleinen App-Entwicklern ein, um von deren Know-How und – wie es „SPIEGEL ONLINE“ so schön formulierte – Coolness zu profitieren.

„Wir sind begeistert, das beachtliche Talent, die Technologie und Produkte von Pulse zu unserem wachsenden Ökosystem von Content-Angeboten hinzuzufügen“, sagte Deep Nishar von LinkedIn zu dem Kauf. Und weiter: „Unsere Vision ist es, LinkedIn zu einer professionellen Publishing-Plattform auszubauen. Pulse ist eine perfekte Ergänzung zu dieser Vision.“

Das wird sich auch Yahoo gedacht haben, als es einem 17-jährigen Schüler dessen App Summly abkaufte. Mit Summly war es durch einen neuen Algorithmus möglich geworden, lange Texte von Nachrichtenseiten auf wenige Wörter zu komprimieren. Eigentlich keine große Sache, doch waren die Texte auch komprimiert noch lesbar – angepasst ans Smartphone-Display. Yahoo wird die App wohl schon bald einstellen, hat den 17-jährigen Nick D’Aloisio für anderthalb Jahre verpflichtet und profitiert ein wenig von seinem Talent.

Spannende Zukunft erwartet

Es ist spannend zu beobachten, was sich aktuell auf dem mobilen Markt tut. Auch Facebook will mit seinem Android-Launcher Home noch mehr Anteile auf diesem Gebiet beanspruchen. Apps wie Flipboard oder Pulse sind stark im Trend und große Unternehmen werden auch weiterhin versuchen, von deren Talenten und Ideen zu profitieren. Der mobile Nachrichtenmarkt boomt, der soziale ebenso.


 


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Tobias Gillen

Tobias Gillen

ist freiberuflicher Medien- und Technikjournalist und Blogger. Nebenher schreibt er Bücher und E-Books und ist bei Twitter, Facebook und Google+ zu finden.

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