LinkedIn entwickelt sich zur Content-Plattform

Obwohl LinkedIn als Social Network gehandelt wird, will es genau dies gar nicht sein – die Plattform ist längst dabei sich in eine Content Plattform zu entwickeln. Linked in ist doch auch nur ein weiteres Social Network für Arbeitssuchende oder Menschen, die sich mit anderen Branchenköpfen vernetzen wollen. So ungefähr hört sich die landläufige Meinung an. Doch LinkedIn befindet sich schon seit einiger Zeit im Umbruch und will sich ganz stark von anderen Social Networks unterscheiden. Es will eigentlich gar kein Social Network sein, sondern ein ‚Professional Network‘ und eine Plattform für Content.

Sinn und Zweck

Vor knapp zwei Wochen erhielt ich eine Kontaktanfrage von einer Freundin bei LinkedIn. Natürlich nahm ich an und sah auf ihrem Profil, dass sie gerade erst ihr Profil erstellt hat. Als ich sie am letzten Wochenende darauf ansprach gab sie sich desinteressiert. Sie habe sich nur angemeldet, weil sie gerade auf Jobsuche ist und ihr geraten wurde, sich dort anzumelden. „Aber was ist eigentlich der Sinn von LinkedIn? Das ist doch auch nur ein weiteres Social Network, das einem die Zeit stiehlt oder„.

LinkedIn ist durchaus bewusst, dass es dringend notwendig ist, eine eigene Identität zu finden. Zwar gibt es inzwischen über 300 Millionen angemeldete Nutzer, doch die Zahl der monatlich aktiven Nutzer liegt eher bei 200 Millionen. Dabei gehen die Besuche über die Desktop-Besucher und –Seitenzugriffe stetig zurück, wohingegen die mobilen Zugriffe deutlich steigen. Die meisten Nutzer greifen nur auf die Seite zu, wenn sie auf Jobsuche sind – LinkedIn muss also einen Anreiz für diese Nutzer finden, öfter wiederzukommen. Der resultierende Findungstrip scheint durchaus erfolgreich gewesen zu sein, wie die Entwicklungen der letzten Zeit deutlich machen.

The Times They Are a-Changin‘

Das Ziel von LinkedIn ist es, den Social Network-Charakter hinter sich zu lassen. Nach eigener Aussage war LinkedIn ohnehin nie ein Social Network, sondern ein ‚Professional Network‘. Content soll nun in den Fokus rücken, und den Nutzer dazu bewegen, den LinkedIn-Newsfeed künftig am Morgen so zu konsumiert, wie in vielen Fällen den Twitter- oder Facebook-Feed. Gewisse Ähnlichkeiten bleiben also doch bestehen, allerdings sollen statt Buzzfeed-Artikeln und Katzenvideos professionelle Inhalte erstellt und geteilt werden.

Mit dem stärkeren Fokus auf Inhalte sollen die Nutzer nicht nur zur häufigeren Wiederkehr bewegt werden, sondern auch dazu sich stärker auf der Seite zu engagieren. Die reine Zahl der Neuanmeldungen lässt sich schließlich schlecht monetarisieren. Sobald die Nutzer aber viel Zeit auf LinkedIn verbringen und Inhalte konsumieren, wird das Portal auch für Werbekunden interessant. Zwar bietet LinkedIn schon die Möglichkeit Werbeanzeigen zu schalten, allerdings ist deren Anteil am Umsatz bisher gering und sogar rückläufig, während Recruiter und Premium-Abos den Löwenanteil ausmachen.

Content is King

Der Content soll also eine prominentere Rolle einnehmen – doch wie will LinkedIn dies bewerkstelligen? Zunächst einmal wurde bereits 2011 LinkedIn Today eingeführt, was dann wiederum im April 2013 mit der Übernahme der Newsreader-App Pulse nochmals verfeinert wurde. Der Konsum von relevanten News, die im Übrigen auch von LinkedIn kuratiert werden, ist also schon mal gesichert. Doch noch wichtiger ist es, dass auch eigene Inhalte auf LinkedIn erstellt werden, um die Plattform nicht nur zum Link-Umschlagplatz zu machen.

Im Februar wurde dann die Blog-Plattform, die bisher nur für wenige auserwählte Branchengrößen zugängig war, für die Allgemeinheit geöffnet. Nun kann jeder seine Gedanken über bestimmte Aspekte und Entwicklungen seines Berufsfeldes oder der Branche direkt an die vernetzten und potenziell interessierten Nutzer teilen. Das ehrgeizige Ziel sind übrigens die nächsten 3 Milliarden Nutzer, was zwar aus derzeitiger Sicht mit 300 Millionen Nutzern in weiter Ferne scheint – die massiven Zuwächse in Indien sowie dem gerade erschlossenen chinesischen Markt lassen das Ziel wiederum realistisch erscheinen. Ob all dies allerdings ausreichen wird, um meine Freundin doch von der Plattform zu überzeugen wird sich erst noch zeigen.


 


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Daniel Kuhn

Daniel Kuhn

ist Wahl-Berliner mit Leib und Seele und arbeitet von dort aus seit 2010 als Tech-Redakteur. Anfangs noch vollkommen Googles Android OS verfallen, geht der Quereinsteiger und notorische Autodidakt immer stärker den Fragen nach, was wir mit den schicken Mobile-Geräten warum anstellen und wie sicher unsere Daten eigentlich sind. Mitglied des Netzpiloten Blogger Networks.

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