Seid ihr bereit für die Jobs der Zukunft?

Die Welle der Artikel über die Auswirkungen der Automatisierung, die meist negativ dargestellt wird, reißt nicht ab. Der neueste stammt von StartupAUS, Australiens staatliche Anlaufstelle für Startups. Dieser Artikel folgt der inzwischen vertrauten Linie, welche durch die Phrase „exponentielle Technologien“ verdeutlicht wird: Exponentielle Verbesserungen bei Rechnerleistung und Fortschritte in Technologien wie künstlicher Intelligenz, Robotertechnik, Big Data, Cloud Computing und dem Internet der Dinge werden einen tiefgreifenden Einfluss auf künftige Arbeitsplätze haben. Derzeit gibt es in Australien fast fünf Millionen Arbeitsplätze – das wären etwa 40 Prozent der Erwerbstätigen, die bis 2030 überflüssig werden.

Diese Berechnung folgt einem detaillierten CEDA-Bericht aus dem Jahr 2015, der die Modellbildung, die von StartupAUS genutzt wird, begleitet hat. Reden wir hier vom Untergang? Es ist sicherlich richtig, dass die Technologie seit Jahrhunderten im Zentrum des Wandels und der Verbesserung in der Wirtschaft steht. In diesem Prozess hat sich das Wesen vieler Berufe dramatisch verändert. Manche Berufe sind ganz verschwunden, viele neue wurden geschaffen. Jeder Wandel beinhaltete ein gewisses Maß an Spannungen, wenn Menschen einen Nutzen daraus ziehen konnten, während für andere schwere Zeiten anbrachen. Wirtschaftlicher Fortschritt konnte also nie ohne Schmerzen für einige Beteiligte erreicht werden.

Die große Frage lautet, ob wir noch mehr dieser Veränderungen durchmachen müssen, oder ob die exponentiellen Technologien einen noch dramatischeren Wandel einleiten. Wenn man die Vorhersage von Arbeitsplatzverlusten bedenkt, müssen wir beachten, dass der Verlust dieser Stellen nahezu immer mehr Aufmerksamkeit erreicht als die Schaffung neuer Stellen. Der Verlust alter Stellen tritt zudem oftmals geballt auf (wie im Fall der australischen Automobilindustrie), während neue Stellen eher verstreuter und systemgeneriert geschaffen werden.

Im CEDA-Bericht hat Phil Ruthven den Verlust von 146.800 Stellen von Beginn der Untersuchungen im Jahr 1999 bis zum Juni 2014 dokumentiert, im Vergleich zur Schaffung von 944.500 neuer Stellen im selben Zeitraum. Bernhard Salt zufolge hat die Schaffung neuer Stellen den Stellenabbau seit 2000 um zehn zu eins überflügelt. Daher sollte unser Augenmerk vielleicht lieber auf den Fähigkeiten und den nötigen Bedingungen für zukünftige Arbeitstätigkeiten liegen.

Im Alleingang

Der Bericht von StartupAUS bringt zwei weitere wichtige Argumente an. Das erste lautet, dass „selbstständiges Arbeiten“ für unsere wirtschaftliche Struktur zunehmend wichtig wird. Es verändert unsere Sichtweise darauf, was wir als Arbeit ansehen. Dies ist ein Teil des Trends weg von Zugehörigkeit eines Arbeitnehmers zu einer einzigen oder nur einigen wenigen Firmen im Laufe unseres Arbeitslebens. Stattdessen starten wir unabhängig durch als Berater, Gewerbetreibende oder in kurzfristigen Beziehungen mit Kunden oder Klienten.

Die zunehmende Spezialisierung von Firmen in Verbindung mit der durch das Internet dramatisch angestiegenen Möglichkeit, spezifische individuelle Fähigkeiten zu erkennen und sich auf diese einzulassen, unabhängig vom physischen Aufenthaltsort, erlaubt es deutlich mehr Menschen, freiberuflich tätig zu werden. Man denke an die „Revolution des Einzelhandels“, jedoch wird diese Idee übertragen auf Manager und Verwaltung, im Grunde genommen auf alle Anbieter von wissensbasierten Dienstleistungen.

Wie werden also die Berufe der Zukunft aussehen? Es gibt regelmäßige Wettbewerbe, sich die verrückteste neue Berufsbezeichnung auszudenken. Man versuche es mit Bot-Lobbyist, Produktivitätsberater, Meme-Berater, Big Data-Doktor oder Corporate Disruptor.

Aber die meisten Stellenbezeichnungen werden dieselben wie heute sein. Es wird immer noch Zimmerleute, Krankenschwestern, Straßenbauer und sogar Lehrer geben. Das Wesen dessen, was sie zu tun haben und die benötigten Fähigkeiten werden sich jedoch verändern – genauso, wie sie es in den vergangenen 20 Jahren getan haben.

Die zweite Behauptung der Untersuchung lautet, dass „Innovation Hubs“, die dafür ausgelegt sind, Cluster von Startup-Unternehmen zu fördern und anzuziehen, der Schlüssel sind, um die durch digitale Technologien gestellten Herausforderungen anzugehen. Demzufolge „ist die Entwicklung eines harten Kerns an Innovationsberufen entscheidend für das Erfassen und das maximale Ausnutzen von Gelegenheiten, die sich durch die digitale Verwandlung ergeben“.

Wir können uns darin einig sein, dass das Phänomen der Startups ein zunehmend wichtiger Bestandteil unserer Wirtschaft ist, dass es ein angemessener Behelf des Wandels durch digitale Spaltung ist, und dass es ein neues und aufregendes Werkzeug darstellt, um Innovation voranzutreiben und zu erreichen. Es ist jedoch offensichtlich, dass es weder den Einfluss noch das Ausmaß hat, welches nötig wäre, um unsere Wirtschaftsentwicklung nach der Zeit der Schwerindustrie und des Tagesbaus zu verändern. Mehr und besser finanzierte Innovation Hubs können einen wertvollen Beitrag leisten, aber es ist viel mehr nötig.

Ich schlage schlussendlich zwei Handhabungen für schnell umsetzbare Aktionen vor: Die erste ist die Umgestaltung unseres Bildungssystems in Richtung der Entwicklung von Fähigkeiten, die in Zukunft benötigt werden. Das betrifft nicht nur (oder sogar alleinig) das Programmieren, obwohl dies einen wichtigen Teil der digitalen Bildung ausmacht – Fähigkeiten im MINT-Bereich werden hier aber ebenso entscheidend sein.

Außerdem werden allgemeinere Fähigkeiten wie die intuitive Mustererkennung, Flexibilität und das Erlernen und Tolerieren von Uneindeutigkeit, das Sichten und Bewerten von Informationen sowie persönliche Ausdauer und Mobilität wichtig sein.

An zweiter Stelle steht das Anerkennen der entscheidenden Rolle, die Regierungen bei der Vorbereitung und der Gewährleistung von Veränderungen spielen. Dies könnte durch die Schaffung eines Bewusstseins, das neue Vorbilder von Arbeit mit einschließt, erreicht werden. Zusätzlich sollte die Neugründung von Unternehmen gefördert werden und es muss ein soziales Sicherheitssystem entstehen, das für die, die sich in den Komplikationen der Veränderungen nicht zurechtfinden, einfach zugänglich sein muss.

Dieser Artikel erschien zuerst auf “The Conversation” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image „Future“ by thehorriblejoke (CC0 Public Domain)


The Conversation

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Prof. Ron Johnston

Prof. Ron Johnston

ist Executive Director des Australian Centre for Innovation ( ACIIC ) und Professor an der Fakultät für Maschinenbau und Informatik der Universität von Sydney. Als Wissenschaftler in Australien, Großbritannien und den USA hat er den größten Teil seiner Karriere dafür gewidmet, zu erforschen, dass Wissenschaft und Technologie zur wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung beitragen.

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