iOS 6 ist da – kein großer Sprung, dafür noch mehr Konkurrenzkampf

iOS 6 glänzt kaum mit Neuerungen und geht im Konkurrenzkampf gegen Googles Android unpopuläre Wege. Ausbaden müssen das die Nutzer. Wie so oft.

ios 6Da ist es endlich! Am Mittwoch um Punkt 19 Uhr MESZ hat Apple sein neues Betriebssystem iOS 6 auf den Markt geworfen. Millionen iPhone-, iPad-, und iPod Touch-Nutzer luden sich die zwischen 700 Mb und 950 Mb große Datei wie am Fließband herunter. Zwar sind in iOS 6 erneut über 200 Neuerungen enthalten, der große Sprung wie letztes Jahr bei iOS 5 ist Apple damit aber nicht gelungen.

Kleinvieh macht auch Mist

Es sind eher die kleinen Funktionen, die die Nutzer begeistern. So gibt es nun eine „Nicht stören“-Funktion, die Benachrichtigungen jeglicher Art unterdrückt, besonders hilfreich bei der Arbeit oder in der Nacht. Außerdem ist der Ausbau der Telefon-Funktionen gelungen. Mit iOS 6 ist es nun möglich, auf Anrufe direkt mit einer „Ich kann gerade nicht sprechen…“-SMS zu antworten oder sich an den Rückruf erinnern zu lassen. Zudem ist Siri nun wieder ein bisschen schlauer, Facebook vollends integriert und mit Passbook kommt eine Anwendung standardmäßig auf das iOS-Gerät, die es ermöglichen soll, Eintrittskarten, Flugtickets oder Coupons zu bündeln. Bei Passbook gibt es zumindest in Deutschland aber noch einen Haken: Es wird von fast keinem Unternehmen unterstützt und somit ist es hierzulande momentan so gut wie unbrauchbar.

Die nächste Runde

Die größte Veränderung im neuen iOS ist aber keine Optimierung, keine Erweiterung und keine Neuschöpfung. Vielmehr ist es ein großer Verlust für alle videoliebenden Nutzer: Mit iOS 6 sagt dieser nämlich „goodbye YouTube, welcome Safari“. Wer unter iOS 6 YouTube-Videos schauen möchte, kommt nun nicht mehr um m.youtube.de, die mobile YouTube-Seite, herum. Das Fehlen der YouTube-App ist im Grunde nur ein weiterer Schritt im Konkurrenzkampf zwischen Apples iOS und Googles Android auf dem Smartphone-Markt.

Die apokalyptische Horror-Show

Doch nicht nur YouTube fehlt, auch Googles Kartendienst Maps steht nun nicht mehr als Standard-App zur Verfügung. Diesen konnte Apple bereits mit seiner Eigenproduktion „Karten“ ersetzen. Groß und breit auf der iOS 6-Keynote vorgestellt, scheint „Karten“ aber noch nicht wirklich ausgereift zu sein. „Basic Thinking“-Blogger Jürgen Vielmeier stellte bei seinem Test überrascht fest, dass Apple in der Standard-Ansicht wohl den Kölner Dom vergessen hat, Kyle Wagner von „Gizmodo“ sammelte zudem die besten 3D-Fehler der neuen App. Von abgerissenen Brücken bis zur fehlenden Freiheitsstatue: Alles ist dabei, in Wagners „Apocalyptic Horror Show“. Wer auf Googles Karten aber auch unter iOS 6 nicht verzichten möchte, der kann auch hier auf die mobile Seite maps.google.com ausweichen.

Schnelle Nachbesserung

Es ist zumindest fraglich, ob sich Apple und Google einen Gefallen damit getan haben, die Nutzungslizenzen auslaufen zu lassen. Für den bequemen Smartphone-Nutzer ist ja bekanntlich jeder Tap zu viel und mobile Seiten nicht immer wirklich praktisch. Es bleibt zu hoffen, dass Google die angekündigten Apps für YouTube und Maps schnell bei Apple einreicht und Apple anders als bei Googles VoiP-App nicht ein Jahr mit der Freigabe wartet. Außerdem sollte Apple schnell an der „Karten“-App nacharbeiten, wenn es verhindern will, dass die Nutzer wieder zurück zu Google wechseln. Schon mit iMessage ist der Versuch durch schlechte Usability und kleinere Bugs gescheitert, dem Mitstreiter „WhatsApp“ Schaden zuzufügen.

Fazit

Alles in allem ist iOS 6 ein vergleichsweise kleiner Sprung. Zwar wurde an manchen Ecken gut nachgebessert und es gibt kleinere, nützliche Tweaks. Die großen Baustellen wurden aber nach wie vor nicht behoben. So fehlt beispielsweise immer noch die Möglichkeit, den Lockscreen sinnvoller zu nutzen oder eine Verbindung mit anderen Smartphones herzustellen. Der Verlust der YouTube-App ist gerade auf dem iPhone ein großer, da dort die mobile Seite wenig Spaß bereitet. Wer auf eine funktionierende 3D-Ansicht der Karten verzichten kann und wer Facebook nun auch in der Mitteilungszentrale nutzen möchte, der dürfte sich mit iOS 6 dennoch gut upgedatet fühlen.

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Tobias Gillen

Tobias Gillen

ist freiberuflicher Medien- und Technikjournalist und Blogger. Nebenher schreibt er Bücher und E-Books und ist bei Twitter, Facebook und Google+ zu finden.

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