Hamburg, meine Startup-Perle

Dynamisch und vielfältig zeigt sich die Hamburger Start-Up Szene auf der diesjährigen Verleihung des Webfuture Awards im neuen Betahaus 2.0 in Hamburg. // von Florian Ertel

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Wer an deutsche Startup Unternehmen denkt, denkt zu allererst an Berlin. Millionenschwere Exits sprechen eine deutliche Sprache und schnell geraten vermeintlich kleinere Metropolen ins Hintertreffen. Auch Städte wie Frankfurt, München oder Hamburg verfügen über eine junge, vielversprechende Gründerszene – man muss ihnen nur eine Chance geben. Netzpiloten.de hat sich auf der diesjährigen Verleihung des Webfuture Awards in Hamburg einmal umgesehen.


Warum ist das wichtig? Startups sind ein wichtiger Träger von modernen und innovativen Ideen, die damit oftmals einen großen Einfluss auf unsere Mediennutzung und unsere Gesellschaft haben. Auch die Hansestadt möchte hier ein Wörtchen mitreden. 

  • Hamburg hat Potenzial, dass jedoch erst geweckt werden muss. Die Standortinitiative nextMedia.Hamburg hilft dabei. 
  • Der vergebene Webfuture Award 2014 wird bereits zum siebten Mal vergeben. 
  • Fotovermarktung, Maklersoftware oder soziales Carsharing – Hamburgs Startup-Szene ist vielfältig

Hamburg damals – heute Berlin

Hamburg ist das Tor zur Welt – so sagt man zumindest. Hier begann für viele Millionen Menschen ein neues Leben. Ein Leben voller Hoffnung, Zuversicht und dem Glauben daran, mit harter Arbeit und starkem Willen etwas Bedeutsames zu erreichen. Die Zeiten jedoch ändern sich.  Hamburg verändert sich. Heute verlassen hauptsächlich Container- statt Passagierschiffe den Hafen. Die Menschen, wenn es sich nicht gerade um Touristen handelt, bleiben häufig lieber hier. Mit ihnen: ihr Mut, ihre Innovationskraft und ihr Entdeckergeist. Eigenschaften, die sie mit den Menschen von damals verbinden und die zur Grundlage solider hanseatischer Kaufmannstraditionen und erfolgreich agierender Medienunternehmen geworden sind. Zwei wirtschaftliche Eckpfeiler mit denen Hamburg zu der Metropole gewachsen ist, die wir heute kennen.

Als ein Gründungszentrum für junge, innovative Unternehmen ist Hamburg bisher jedoch weniger in Erscheinung getreten. Platt gesagt: Wer ein Start-up gründen möchte, der tut dies in Berlin. Dem „Sillicon-Valley von Germany“. In der Stadt, in der es noch Freiräume zu besetzen gilt, in der die Menschen offener mit neuen Ideen umgehen und diese ausgefallener feiern. Die Stadt, die eine gewisse Anziehungskraft auf junge, kreative Menschen ausübt und ihnen einen vermeintlich nachhaltigeren Nährboden bietet, um sich entwickeln zu können. Hamburg hat in diesen Belangen viel an seiner Strahlkraft verloren. Hier wurden die Kämpfe um kreativen Raum schon vor langer Zeit gefochten. Vieles liegt nun eingebettet in festen Strukturen aus Stahlträgern und Glasfronten. Der Platz wird knapp. Trotzdem – oder gerade deshalb, bietet Hamburg ein immenses Potential für gute Ideen. Ein Potential, dass auf dem diesjährigen Finale des Webfuture Awards 2014 zu erkennen war.

Am Ende gewinnt die Familie

40 Ideen haben sich auf diesen Preis im Vorfeld beworben. Neun von ihnen wurden ausgewählt. Sie durften sich anschließend in einem sogenannten „Business-Idea-Speed-Dating“, fünf Minuten lang jedem einzelnen Jurymitglied vorstellen. Am Schluss dieser Runde standen drei Unternehmen für das Finale fest: WunderCar, Familonet und courtag.io. Sie durften ihre Konzepte am Abend noch einmal vor der Jury und einem zahlreich erschienenen Publikum vortragen. Am Ende gewann die Idee von Familonet den mit 5.000 Euro dotierten Titel, inklusive Beratungspakten von KPMG.

Familonet ist eine App, in dessen Mittelpunkt die Familie und die drei am häufigsten gestellten Fragen stehen: Wo bist du? Wie gehts dir und was machst Du? Mithilfe von vordefinierten Orten und einem Auto-Check-in via Smartphone, können diese Fragen schnell und unkompliziert, jedem ausgewählten Familienmitglied mitgeteilt werden. Ein Konzept, dass nicht als Überwachung gesehen werden soll, sondern vielmehr als eine schnelle und einfache Art der Übermittlung von Informationen, die aus eigener Erfahrung sowieso früher oder später erfragt werden. Ob und wie sich diese Idee im Endeffekt am Markt durchsetzen wird, wird sich zeigen. Die App hatte beim Start im Jahre 2012 bereits ein breites Medienecho hervorgerufen und trifft scheinbar einen Nerv der Gesellschaft. Von den bisher knapp 50.000 installierten Versionen werden im Schnitt zwischen 60- und 70 Prozent regelmäßig genutzt. Ein sehr respektabler Wert, der sicherlich auch zur endgültigen Juryentscheidung beigetragen hat.

Hamburg bleibt Medienzentrum

Ausrichter der Veranstaltung ist die Hamburger Standortinitiative nextMedia.Hamburg. Getragen durch den Senat der Hansestadt, die Hamburger Gesellschaft für Wirtschaftsförderung sowie Hamburg@work, hat sie sich zum Ziel gesetzt, ein „digitales Ökosystem“ zu errichten, dass die führende Rolle des Medienstandortes Hamburgs auch in der Zukunft sichern soll. Ein Vorhaben das bei den Jungunternehmern der Startup-Szene gut ankommt, denn Engagement aus der Politik ist für viele Existenzgründer ein durchaus berücksichtigenswertes Argument bei der Standortwahl für ihr Unternehmen. Für den Geschäftsführer und Gründer von METAFoto, Benjamin Tange, spricht auch der gute Mix aus etablierten Medienhäusern, Kreativagenturen und IT-Dienstleistern für Hamburg. Einem Mix, aus dem sich mit entsprechendem Netzwerk und Unterstützung von Seiten nextMedia.Hamburgs, wertvolle Synergieeffekte ableiten lassen.

Ganz klar: Hamburg bereitet sich auf den digitalen Wandel vor. Es versucht bei der Entwicklung innovativer Ideen und Konzepte einen wertvollen Rahmen zu bieten, um unterschiedlichsten Unternehmen den Start in eine erfolgreiche Zukunft in der Hansestadt zu erleichtern. Eine gute Grundlage dafür bietet die vorhandene wirtschaftliche Struktur, Menschen mit viel Engagement und dieser gewisse, fast schon familiäre Charakter der Hamburger Startup-Szene. Mit vielleicht ein wenig mehr Mut, Internationalität und Offenheit, kann Hamburg auch im digitalen Zeitalter das werden, was es schon vor hundert Jahren war: Das Tor zur Welt – für Menschen und Innovationen.

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Florian Ertel

Florian Ertel

/ Jahrgang 83, absolvierte eine kaufm. Ausbildung im IT-Bereich und arbeitete als Campaign-Manager in einer erfolgreichen deutschen Online-Marketing Agentur. Studierte praxisnah Multimedia Production in Kiel und half nebenbei in der Online-Redaktion von NDR1 Welle Nord aus. Ehemaliger Praktikant bei den Netzpiloten und Blogger über nachhaltige Dinge mit Charakter.

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