Check-up Ireland: Das irische Startup-ABC (Teil 2) von M bis S


Seit 1997 lebe ich nun schon in der irischen Hauptstadt Dublin. Mein erster Job bei AOL hatte auch ein wenig mit Tech zu tun – wenn man die berüchtigten Freistunden-CDs als „Tech“ ansieht oder das Verbinden an die technische Hotline durchgehen lässt. Im November habe ich damit begonnen, die „Tech-Insel“ ein Jahr lang aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten. Nachdem ich schon im April ein paar Startups in verschiedenen Regionen Irlands vorgestellt habe, folgt heute der zweite Teil.


In Cork im Südwesten Irlands sind viele große Pharma-, Biotechnologie- und Medizintechnik-Unternehmen beheimatet. Kein Wunder also, dass sich auch Startups solchen Clustern angliedern. Ein Beispiel aus dem Bereich Medizintechnik ist die Firma „Mirai Medical„, ein junges Unternehmen, das sich der effektiven Behandlung von Krebs verschrieben hat. Firmengründer Dr. Declan Soden kann auf 15 Jahre Erfahrung in der Krebsforschung zurückblicken und ist zur Zeit auch General Manager des „Cork Cancer Research Centre„. Bei „Mirai Medical“ hat er eine Energietechnologie namens Electroporation entwickelt, die es möglich macht, minimal-invasiv gegen Krebs im Darmbereich vorzugehen. Klinische Studien der Technologie werden zur Zeit in der Uni-Klinik in Kopenhagen vorgenommen.

Cyber Security ist in aller Munde. Dass Hacker auch vor dem Bereich Gesundheitswesen nicht Halt machen, war beim globalen „WannaCry“-Angriff nur zu offensichtlich als die britische NHS besonders stark betroffen war und es auch einige Probleme beim irischen Gegenstück HSE gab. Das in Dundalk an der Ostküste ansässige Unternehmen „Nova Leah“ hat sich schon seit einer Weile dem Bereich Cyber Security in der Medizintechnik verschrieben. Das Nova Leah-Produkt „SelectEvidence“ ist ein System für Cyber Security-Risikoanalyse bei Geräten, die in Krankenhäusern eingesetzt werden. In einem Bereich mit stets größer werdender Vernetzung bei sich gleichzeitig rapide wandelnder Cyber Security sorgen die „SelectEvidence“-Lösungen dafür, dass Schutzmechanismen stets auf dem neuestem Stand sind, sodass Ärzte und Pfleger sich auf die Gesundheit ihrer Patienten konzentrieren können.

Von M wie „Mirai Medical“ bis S wie „Skytango“

Ein „Plynk“-Geräusch auf dem Smartphone bedeutet nicht immer eine gute Nachricht – bei „Plynk“ aber schon, denn hier hat die Nachricht mit Geld zu tun. Der Money Messenger des Startups ist eine App, die es Usern möglich macht, innerhalb eines Chats (1-2-1 oder in einer Gruppe) Geld zu verschicken oder zu erhalten. Wartezeiten und Gebühren sollen hierbei eliminiert werden, sodass die User Kontrolle über ihre Zahlungen haben. Bei diesem „Instagram meets Money“-Konzept verbindet sich „Plynk“ mit den Facebook-Kontakten des jeweiligen Nutzers, der dann die Möglichkeit hat, mit einer Zahlung Bilder zu senden oder zu empfangen. So kann eine Geschichte zum Geld erzählt werden und einer finanziellen Transaktion der notwendige Kontext gegeben werden.

Ein weitaus schrilleres Geräusch verbunden mit einem Smartphone-Alarm an Familie und Freunde kommt von „Run Angel“ in Cork. Jogger, die sich auf einmal in Gefahr befinden, lösen per Knopfdruck einen 120-Dezibel-Alarm aus und senden gleichzeitig über ihr Smartphone eine Nachricht mit ihrem Aufenthaltsort an Familie und Freunde. Die Idee zum Wearable-Tech „Run Angel“ kam Firmengründer David Caren beim Joggen. Caren wurde von jemandem über den Haufen gerannt, der eine Joggerin verfolgte.

Die Gründer von „Skytango“ haben gemeinsam 30 Jahre Filmerfahrung vorzuweisen. Von Susan Talbot und Steve Flynn, nach ihrer Rückkehr aus den USA im Jahr 2012 gegründet, bietet „Skytango“ Drohnen-Piloten eine Plattform, um ihre Arbeit zu kuratieren und zu verkaufen. Zuzüglich wird es durch die Partnerschaft mit „Audio Network“ noch möglich, die Filme mit lizensierter Musik zu verknüpfen. Das Thema Lizenzen wird bei „Skytango“ generell sehr ernst genommen – Flugdaten und Informationen zu bestehenden Lizenzen von Landbesitzern, die Piloten den Überflug erlauben, geben den Käufern die Garantie, einen legalen Film zu erwerben. Selbstredend muss jeder Pilot auch eine Lizenz besitzen. Am Himmel über Irland wird nicht aus der Reihe getanzt.


Image (adapted) „Bücher“ by jenikmichal (CC0 Public Domain)


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Rainer Kiebat

Rainer Kiebat

arbeitet als freier Journalist in der irischen Hauptstadt Dublin. Nach einem Rundflug über multinationale Unternehmen wie AOL und Google landete er 2013 wieder bei der “alten Liebe” Journalismus und berichtet seitdem für deutsche Medien wie die “Rheinische Post” und “Spiegel Online” aus Irland und Nordirland. Irische Medien wie die “Sunday Business Post”, der “Irish Independent”, sowie die “Sunday Times” & “The Times” (Irish Editions) gehören ebenfalls zu seinem Portfolio. Für die Netzpiloten wird Rainer von den Dubliner “Silicon Docks” - wo Google, Facebook, Twitter und zahlreiche Tech-StartUps sitzen – und aus anderen Tech-Clustern wie Cork, Galway oder Limerick berichten.

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