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Check-up Ireland: Steuern im Fokus – und vor Gericht?

Blue (adapted) (Image by andreistroe [CC BY-SA 2.0] via flickr

Irland und seine Multinationals werden kritisch beäugt

Vorab ein Eingeständnis – ich habe in so manch einer Ausgabe meiner Kolumne tendenziell eher positiv über Multinationals geschrieben als negativ. Das kann durchaus damit zusammenhängen, dass mir gleich mehrere dieser Unternehmen Jobs gegeben haben. Ich war somit stets bemüht, dem Argument, dass einige der Multinationals sich sehr effektiv ums Zahlen von Steuern drücken, das Argument entgegenzuhalten, dass zehntausende Mitarbeitern, die von diesen Firmen beschäftigt werden, schließlich selbst Steuern zahlen und zudem für Umsatz – und somit auch Umsatzsteuer – bei lokalen Unternehmen sorgen. War ich zu bemüht? Vielleicht. Hab ich mich zum Sprecher der Multinationals gemacht? Mit Sicherheit nicht.

Beim jüngsten EU-Gipfel in Tallinn ging es vordringlich um die Digitalisierung innerhalb der EU. Wenn man jedoch über Digitalisierung spricht, kommt man um Namen wie Google und Facebook nicht herum; und schon ist man beim Thema Steuern angelangt. Von daher durfte sich niemand wundern, dass eine schnelle Harmonisierung der Körperschaftssteuer innerhalb der EU dringlich geboten ist. Gleich mehrere Staatsoberhäupter klangen hier wie ein Echo der Rede, die Emmanuel Macron unmittelbar vor dem Gipfel gehalten hatte. Seine Vorstellung einer neuen, reformierten EU beinhaltete auch eben jene Forderung nach Harmonisierung im Bereich Körperschaftssteuer.

In diesen unruhigen Brexit-Zeiten mag Irland zwar generell besonders harmoniesüchtig sein, was aber das Thema Körperschaftssteuer anbelangt, so klingt der Begriff Harmonie für irische Ohren verdammt schief. In der absoluten Opposition der irischen Regierung gegen Körperschaftssteuer-Harmonisierung manifestiert sich die Furcht vor deutlich geringeren Steuereinnahmen, aber auch vor geringeren Investitionen von Multinationals. Taoiseach bzw. Ministerpräsident Leo Varadkar verteidigte seinen Kollegen gegenüber sowohl niedrige Besteuerung als auch „Regulierung Light“ für den digitalen Sektor.

Das war aber wohl ein wenig zu locker und leicht für Kommissions-Chef Jean-Claude Juncker, der in seiner Abschluss-Pressekonferenz, zwar ohne Irland direkt zu nennen, aber doch sehr deutlich, seiner Überzeugung Ausdruck verlieh, dass Steuern dort erhoben werden müssten, wo Gewinne erzeugt werden und nicht etwa dort, wo Unternehmen ihre europäischen Zentralen haben.

In einem Fall von „whoops – talk about bad timing“ wurden am Rande des Gipfels auch die neuesten Zahlen bekannt, die der staatliche Auditor zu den Steuereinnahmen Irlands veröffentlicht hat. Demnach zahlen 13 der Top 100 Firmen in Irland effektiv einen Körperschaftssteuer-Satz von nur einem Prozent – was mit dem offiziellen Körperschaftssteuer-Satz von 12,5 Prozent natürlich herzlich wenig zu tun hat. Wenn selbst die 12,4 Prozent, die effektiv im Durchschnitt von allen in Irland ansässigen Unternehmen gezahlt werden, anderen Staaten ein Dorn im Auge sind, muss klar sein, dass die ein Prozent der „Glorreichen 13“ wie ein Dornenkranz wirken müssen, den Irland seinen EU-Partnern ins Gesicht klatscht.

Zwar wurden die Namen der 13 Unternehmen im schlecht getimeten Zahlenwerk nicht genannt, aber eigentlich musste jedem klar sein, dass Apple dazugehört. Schon vergessen? Es ist gerade mal ein Jahr her, dass die EU-Kommission Irland dazu verdonnert hat, 13 Milliarden Euro an fälligen Steuern von Apple einzutreiben. Zwar hatten Apple und die irische Regierung sofort Widerspruch eingelegt, aber gleichzeitig der Kommission gegenüber versichert, zu Jahresbeginn das Geld bis zur endgültigen Entscheidung auf einem Escrow-Konto zu verwahren. Hat Irland DAS vergessen?

Nach Auffassung der EU-Wettbewerbs-Kommissarin Margrethe Vestager schon. Die hat nun die Geduld verloren und zerrt Irland vor den EU-Gerichtshof, wo heftige und nicht gerade billige Strafen drohen. Mit der Verteidung, dass das mit dem Escrow-Konto nur so lange dauere, weil der Vorgang laut EU-Regularien ausgeschrieben werden müsse – irisch für „Ihr seid selber schuld“ – macht sich der irische Finanzminister Paschal Donohoe sicher auch keine Freunde in der EU. Herr Donohoe gab sich beim Fernsehsender RTE ohnehin recht locker: „Wir regeln das zeitnah und vor das EU-Gericht wird das niemals kommen.“ Na dann.

Auf jeden Fall vor das EU-Gericht kommen wird aber der bedeutende Fall „Max Schrems gegen Facebook“. Facebook hat sein europäisches Hauptquartier in Dublin – und nein, wie viel oder wenig Steuern die hier zahlen interessiert hier am Ende meiner Kolumne grad mal nicht – was dazu geführt hat, dass Max Schrems seine Beschwerde über den Transfer seiner persönlichen Daten durch Facebook in die USA erneut beim High Court in Dublin vorgebracht hat. Schon seine erste Klage war von dem irischen Gericht an den Europäischen Gerichtshof verwiesen worden, der dann in Folge das transnationale Safe-Harbour-Abkommen beendete.

Schrems änderte seine Beschwerde daraufhin ab, die wieder auf dem Schreibtisch der für Facebook zuständigen irischen Datensicherheits-Beauftragten Helen Dixon landete. Da Dixon in der Beschwerde einige bedeutende Punkte erkannte, die EU-weiten Belang hätten, bat sie den Dubliner High Court, die Beschwerde zur Entscheidung an den Europäischen Gerichtshof zu verweisen. Der High Court gab der Bitte nach, so dass zumindest eine der Top 13 Firmen in Irland vor den Richtern in Luxemburg vorstellig werden muss.


Image (adapted) „Blue“ by andreistroe (CC BY-SA 2.0)


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Check-up Ireland: Das irische Startup-ABC (Teil 2) von M bis S

Bücher (adapted) (Image by jenikmichal [CC0 Public Domain] via pixabay

Seit 1997 lebe ich nun schon in der irischen Hauptstadt Dublin. Mein erster Job bei AOL hatte auch ein wenig mit Tech zu tun – wenn man die berüchtigten Freistunden-CDs als „Tech“ ansieht oder das Verbinden an die technische Hotline durchgehen lässt. Im November habe ich damit begonnen, die „Tech-Insel“ ein Jahr lang aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten. Nachdem ich schon im April ein paar Startups in verschiedenen Regionen Irlands vorgestellt habe, folgt heute der zweite Teil.


In Cork im Südwesten Irlands sind viele große Pharma-, Biotechnologie- und Medizintechnik-Unternehmen beheimatet. Kein Wunder also, dass sich auch Startups solchen Clustern angliedern. Ein Beispiel aus dem Bereich Medizintechnik ist die Firma „Mirai Medical„, ein junges Unternehmen, das sich der effektiven Behandlung von Krebs verschrieben hat. Firmengründer Dr. Declan Soden kann auf 15 Jahre Erfahrung in der Krebsforschung zurückblicken und ist zur Zeit auch General Manager des „Cork Cancer Research Centre„. Bei „Mirai Medical“ hat er eine Energietechnologie namens Electroporation entwickelt, die es möglich macht, minimal-invasiv gegen Krebs im Darmbereich vorzugehen. Klinische Studien der Technologie werden zur Zeit in der Uni-Klinik in Kopenhagen vorgenommen.

Cyber Security ist in aller Munde. Dass Hacker auch vor dem Bereich Gesundheitswesen nicht Halt machen, war beim globalen „WannaCry“-Angriff nur zu offensichtlich als die britische NHS besonders stark betroffen war und es auch einige Probleme beim irischen Gegenstück HSE gab. Das in Dundalk an der Ostküste ansässige Unternehmen „Nova Leah“ hat sich schon seit einer Weile dem Bereich Cyber Security in der Medizintechnik verschrieben. Das Nova Leah-Produkt „SelectEvidence“ ist ein System für Cyber Security-Risikoanalyse bei Geräten, die in Krankenhäusern eingesetzt werden. In einem Bereich mit stets größer werdender Vernetzung bei sich gleichzeitig rapide wandelnder Cyber Security sorgen die „SelectEvidence“-Lösungen dafür, dass Schutzmechanismen stets auf dem neuestem Stand sind, sodass Ärzte und Pfleger sich auf die Gesundheit ihrer Patienten konzentrieren können.

Von M wie „Mirai Medical“ bis S wie „Skytango“

Ein „Plynk“-Geräusch auf dem Smartphone bedeutet nicht immer eine gute Nachricht – bei „Plynk“ aber schon, denn hier hat die Nachricht mit Geld zu tun. Der Money Messenger des Startups ist eine App, die es Usern möglich macht, innerhalb eines Chats (1-2-1 oder in einer Gruppe) Geld zu verschicken oder zu erhalten. Wartezeiten und Gebühren sollen hierbei eliminiert werden, sodass die User Kontrolle über ihre Zahlungen haben. Bei diesem „Instagram meets Money“-Konzept verbindet sich „Plynk“ mit den Facebook-Kontakten des jeweiligen Nutzers, der dann die Möglichkeit hat, mit einer Zahlung Bilder zu senden oder zu empfangen. So kann eine Geschichte zum Geld erzählt werden und einer finanziellen Transaktion der notwendige Kontext gegeben werden.

Ein weitaus schrilleres Geräusch verbunden mit einem Smartphone-Alarm an Familie und Freunde kommt von „Run Angel“ in Cork. Jogger, die sich auf einmal in Gefahr befinden, lösen per Knopfdruck einen 120-Dezibel-Alarm aus und senden gleichzeitig über ihr Smartphone eine Nachricht mit ihrem Aufenthaltsort an Familie und Freunde. Die Idee zum Wearable-Tech „Run Angel“ kam Firmengründer David Caren beim Joggen. Caren wurde von jemandem über den Haufen gerannt, der eine Joggerin verfolgte.

Die Gründer von „Skytango“ haben gemeinsam 30 Jahre Filmerfahrung vorzuweisen. Von Susan Talbot und Steve Flynn, nach ihrer Rückkehr aus den USA im Jahr 2012 gegründet, bietet „Skytango“ Drohnen-Piloten eine Plattform, um ihre Arbeit zu kuratieren und zu verkaufen. Zuzüglich wird es durch die Partnerschaft mit „Audio Network“ noch möglich, die Filme mit lizensierter Musik zu verknüpfen. Das Thema Lizenzen wird bei „Skytango“ generell sehr ernst genommen – Flugdaten und Informationen zu bestehenden Lizenzen von Landbesitzern, die Piloten den Überflug erlauben, geben den Käufern die Garantie, einen legalen Film zu erwerben. Selbstredend muss jeder Pilot auch eine Lizenz besitzen. Am Himmel über Irland wird nicht aus der Reihe getanzt.


Image (adapted) „Bücher“ by jenikmichal (CC0 Public Domain)


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Check-up Ireland: Das irische Startup-ABC (Teil 1: Von A wie “AventaMed” bis L wie “Lowflo”)

Dogpatch Labs Dublin (adapted) (Image by Heisenberg Media [CC BY 2.0] via flickr)

Das Medizintechnik-Unternehmen AventaMed beweist, dass interessante Startups nicht unbedingt in Dublin beheimatet sein müssen. Die Firma hat ihren Sitz in Cork. Das Team um CEO Olive O’Driscoll und CTO John Vaughan hat es sich zum Ziel gemacht, den Bereich der Ohr-Chirugie zu transformieren. Bisher verlangten chirugische Eingriffe, um Infektionen oder Hörverlust zu behandeln, das Einführen einer Röhre unter Vollnarkose. Weltweit müssen sich jährlich zwei Millionen Kinder dieser Prozedur unterziehen – ein fünf Milliarden Euro-Markt. “AventaMed” hat ein Handgerät entwickelt, dass das Einführen der entsprechenden Röhre innerhalb weniger Minuten möglich macht – und das ohne Vollnarkose.

Ebenfalls in Cork zuhause ist “Blink”, ein Startup im Bereich Versicherungs-Tech, das trotz der Tatsache, dass es erst ein paar Monate alt ist, bereits ein Partnerschafts-Abkommen mit der Rückversicherungsgesellschaft Munich Re. abgeschlossen hat. Gemeinsam entwickeln die beiden Unternehmen nun eine neue Technologie für die britische Versicherungs-Industrie. Im Zuge dieser Kooperation wird “Blink” auch ein Büro in London eröffnen. Im Bereich Flugversicherung wird “Blink” schon in naher Zukunft ein Produkt auf den Markt bringen, das Kunden in Real Time signalisiert, wenn ein Flug verspätet oder gar abgesagt ist. Das System bucht auch gleich um – ohne dass Kosten für den Kunden anfallen und ohne dass ein Versicherungs-Anspruch geltend gemacht wird. Das Produkt wird in Zusammenarbeit mit Reisebüros, Geschäftsreise-Agenturen, Flugbuchungs-Plattformen und Fluglinien auf den Markt gebracht.

In Dublin, aber auch an den Flughäfen der Welt, ist “Coindrum” zuhause. Das Startup hat eine Maschine entwickelt, mit der Münzen, die nach einer Reise übriggeblieben sind, in Duty Free Gutscheine umgewandelt werden. Neben Dublin und Belfast findet man “Coindrum” auch an den Flughäfen in Venedig, Mailand Malpensa, Faro, Larnaca und Schönefeld. Das Team um Gründer Lukas Decker ist noch sehr klein und hat vom ersten Tag in 2014 an seinen Sitz im Coworking Space “Dogpatch Labs”, ist aber gut aufgestellt für die weitere Expansion. Im letzten Jahr wurden zwei Millionen Euro von Privatinvestoren eingesammelt und das Team um Lukas Decker hofft, demnächst auch den ersten US-Flughafen als Kunden gewinnen zu können.

In Irland kommt Tech nicht an Kühen vorbei. Der Agrarsektor exportiert, egal ob lebend, geschlachtet oder zu Milchpulver verarbeitet, Milliardenwerte in alle Welt. In Mullingar in der Grafschaft Westmeath hat “Efficient Farm Solutions” ein Produkt entwickelt, das Bauern die Kontrolle des Prozesses des Kalbens erleichtert. Das System beobachtet die Temperatur und die Fruchtbarkeit der Kühe und schickt dem Bauern ein Signal, wenn die Geburt eines Kalbs näher kommt. Das Produkt richtet sich vor allem an Teilzeit-Farmer, von denen es aufgrund der auf dem Land weiterhin angespannten wirtschaftlichen Situation immer mehr gibt. Viele Farmer sind gezwungen, Zweit- oder gar Drittjobs anzunehmen und können nicht immer nah bei ihren Kühen sein.

Was für “Immersive VR Education” in Waterford vor zwei Jahren mit einem Crowdfunding von 36.500 Euro begann, setzte sich vor kurzem mit einer Investitionsrunde fort, die eine Million Euro einbrachte. Das Unternehmen entwickelt VR-Lern-Produkte für Schulen und Universitäten, aber auch für Unternehmen und im Bereich Gesundheitswesen. Hier entwickelt man gemeinsam mit den Partnern “Royal College of Surgeons” in Dublin und der “Oxford University” VR-basierende Trainingsmethoden für Ärzte.

Wassergebühren sind hier seit Jahren ein Dauerthema. Die viel zu alten Leitungen lecken überall und laut des neuesten Kompromisses, der gefunden wurde, um Neuwahlen rund um das Thema Wasser zu vermeiden, sollen nur diejenigen bezahlen, die ihre Lecks nicht fixen lassen. Kein Wunder also, dass “Lowflo” mehrere Standorte über das ganze Land verteilt hat. Die Technologie des Unternehmens findet Lecks im Auftrag von Privatleuten, Stadtverwaltungen und Unternehmen.

Zu den namhaften Klienten, die auf “Lowflo”-Technologie setzen, zählt interessanterweise auch “Irish Distillers”, die den weltbekannten, köstlichen Jameson-Whiskey brennen. Whiskey heisst auf irisch “Uisce Beatha”, also “Wasser des Lebens”. Lecks bei Jameson? Das käme hier einer Todsünde gleich!


Image (adapted) „Dogpatch Labs Dublin“ by Heisenberg Media (CC BY 2.0)


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Check-up Ireland: Niamh Bushnell – die Zarin dankt ab

GRAND CANAL DOCK AREA OF DUBLIN [JUNE 2016]-117259 (adapted) (Image by William Murphy [CC BY-SA 2.0] via flickr)

Als ich die Dubliner Startup-Beauftragte Niamh Bushnell Ende 2015 zum ersten Mal besuchte, war „The Commish“ von einer irischen Zeitung gerade als Zarin bezeichnet worden. Da die Zarin gerade abgedankt hat, ist nun ein guter Zeitpunkt für ein „Netzpiloten revisited“.

Wenn es um Tech-Themen geht, ist Dublin nicht nur Hauptstadt, sondern gleichzeitig auch ein Dorf. Man hat oft das Gefühl, dass jeder jeden kennt und das ist meistens und eigentlich auch gut so. Kein Wunder also, dass seit Monaten viel geredet, spekuliert und in der Gerüchteküche gearbeitet wurde, was die Zukunft der Dubliner Startup Commission anbetrifft.

Was im Oktober 2014 als Pilotprojekt (oder laut Niamh Bushnell als „Experiment“) begann, wurde von Anfang an sowohl von der Ryan Academy der Dublin City University als auch von der Dubliner Stadtverwaltung tatkräftig und finanziell unterstützt. Hinzu kamen unzählige Unterstützer aus der Tech Community selbst.

Ein Jahr nach meinem Interview mit Niamh Bushnell in ihrem Büro an den „Silicon Docks“ fand an gleicher Stelle ein Boardmeeting statt, nach dessen Abschluss Veränderungen angekündigt wurden. Nicht etwa, weil die Kommission schlechte Arbeit geleistet hatte, sondern gerade weil Niamh Bushnell und ihre Mitarbeiter so viel bewegt hatten, machte es Sinn, Dinge zu verändern. Alle Beteiligten waren sich einig, dass „The Commish & Co.“ etwas erreicht hatten, was für Irland neu und wichtig war – den Charakter und die internationale Reputation Dublins einer Tech- und Innovationsmetropole zu verbessern. Zweifelsohne ein Erfolg vieler Mütter und Väter.

Mit dem Rückblick auf die Erfolge ging sofort der Ausblick auf die Zukunft einher. Zugleich mit ihrem Rücktritt Ende März begann Niamh Bushnell mit der Analyse der verschiedenen Tätigkeitsbereiche der Kommission, verbunden mit einem Plan zur weiteren Entwicklung der einzelnen Felder. Soviel war schon zu Beginn des Jahres klar – auch ohne Niamh Bushnell würden die Startups in Dublin nicht vernachlässigt und wertvolle Arbeit würde unter neuen Dächern fortgeführt werden. Die Publikationen Dublin Globe, The Brekkie und der Tech Concierge-Service gehören nun zum „Digital Hub“, während das Mentoring for Scale-Programm  Teil der DCU Ryan Academy wurde.

Niamh Bushnell (Image by Niamh Bushnell)
Niamh Bushnell (Image by Niamh Bushnell)

Fiach Mac Conghail, der als Geschäftsführer des „Digital Hub“ nunmehr auch die Arbeit von Niamh Bushnell fortführen wird, sprach vom „wichtigen Erbe“, das man angetreten habe. Man sei aber zuversichtlich, dass man der Verpflichtung gerecht werden würde. Niamh Bushnell selbst hat keinen Zweifel daran, dass die Erben um Fiach Mac Conghail weiterhin Erfolg haben werden: „Fiach hat die Visionen und die Energie dazu.“ Visionen und Energie – genau das, was zu spüren war, als ich Niamh Ende 2015 zum ersten Mal für „Netzpiloten“ interviewt habe. Damals sprach sie auch davon, wie sie im April 2014 eine Gruppen-E-Mail über einen „faszinierenden Job“ erhalten und sich sofort beworben hatte. Wie sagt man so schön? „And the rest is history.“

Im Rückblick nennt Niamh Bushnell die Frage, warum es Dublin sein sollte und nicht Startup-Beauftragte für Irland, als eine der am häufigsten gestellten. Heute wie auch damals ist sie davon überzeugt, dass ganz Irland davon profitiert, wenn Dublin in internationalen Rankings weit oben zu finden ist. Sie selbst wird in ihrer neuen Rolle bei TechIreland von ihrer Arbeit im alten Job profitieren können. TechIreland hat eine nationale Agenda – Innovation soll eine irische Marke werden – wie z.B. Kerrygold oder Guinness.

Bei einer der letzten Veranstaltungen, an der Niamh Bushnell als „Commish“ teilnahm, sprach Paschal Donohoe, der Minister für Öffentliche Ausgaben, unter anderem auch über den innovativen Geist Irlands. Sein Zitat aus einem Roman von Donal Ryan ist für sie so etwas wie ein Bogen zwischen alter und neuer Aufgabe: „Gerede ist doch irgendwie nichts anderes als Lügen. Nur, wenn man es wirklich macht, wird es zur Wahrheit.“ Sie habe als Startup-Beauftragte viel darüber geredet, wie toll Dublin doch sei. „Was jedoch als nächstes passiert – da geht es darum, Dinge zu tun. Es geht darum, etwas zu bewegen – für Dublin und zum Wohle des ganzen Landes.“ Große Worte, denen aber, da sie von Niamh Bushnell gesprochen wurden, mit Sicherheit auch Taten folgen werden.


Image (adapted) „GRAND CANAL DOCK AREA OF DUBLIN [JUNE 2016]“ by William Murphy (CC BY-SA 2.0)


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Check-up Ireland: Von Schlangenvertreibern und Rattenfängern – Gedanken zum St. Patrick’s Day

St Patrick's Day Shamrock on bald head (adapted) (Image by k4dordy [CC BY 2.0] via flickr)

Schon wieder Donald Trump! Mea culpa, aber selbst dann, wenn es hier eigentlich um den irischen Nationalfeiertag “St. Patrick’s Day” gehen soll, der am Freitag weltweit gefeiert wird, kommt man um den Rassisten und Rattenfänger von Washington nicht herum. Das gilt für mich und andere Kolumnisten, für Arbeiter und Angestellte von US-Multinationals in Irland und für zehntausende von illegalen, irischen Einwanderern in den USA. Die “undocumented Irish” blicken besorgt nach Washington und hoffen, dass der irische Ministerpräsident Enda Kenny am Rande der Feierlichkeiten zum Tag des Heiligen, der einst die Schlangen aus Irland vertrieb, Donald Trump davon abhalten kann, massenhaft Iren aus den USA zu vertreiben.

Gleichzeitig hofft “Ireland Inc”, dass die nationalistische Wirtschaftspolitik der neuen Administration nicht zu viele US-Unternehmen aus Irland zurück in die Heimat vertreibt. Als vor einigen Wochen HP seinen 500 Beschäftigten seiner Drucker-Sparte in Leixlip in der Grafschaft Kildare mitteilte, dass ihre Arbeitsplätze Opfer der globalen Sparmaßnahmen werden würden, sprachen manche Beobachter bereits von “Trumps ersten Opfern”, konnten aber schnell beruhigt werden. Dass die Druckersparte die problematischere bei HP ist, war schon lange klar und außerdem sind die rund 2.000 Arbeitsplätze nebenan bei Hewlett Packard Enterprise nicht gefährdet. Im Gegenteil – für einige der 500 Kollegen bestehen sogar gute Chancen, beim Schwesterunternehmen unterzukommen. Kein Grund zur “Panik auf der Titanic” wegen des Trump-Effekts? Die Titanic startete ihre letzte Reise in Cobh in der Grafschaft Cork. Cork ist heute Standort von zahlreichen Pharmafirmen. Dazu zählt auch Eli Lilly, die an sich 200 Millionen Euro in eine Erweiterung am Standort Cork investieren und hunderte von Arbeitsplätzen schaffen wollten. Das Investment liegt nun erstmal auf Eis. Der Grund ist zweifelsohne der Druck, den Trump auf Vertreter der Pharmaindustrie ausübt, Neu-Investitionen doch bitte patriotisch in den USA zu tätigen.

Bereits unmittelbar nach dem Wahlsieg von Donald Trump war der irische Finanzminister Michael Noonan nach Silicon Valley gereist, um mit Managern von Tech-Firmen sowohl über die Steuerreformen, die Trump angekündigt hatte, als auch die Steuersicherheit, die Irland weiter garantieren könne, zu sprechen. Die Tatsache, dass der Minister sich so schnell in den Flieger setzte, um persönlich Sicherheit zu vermitteln, zeigt wie wichtig die Investoren aus dem Silicon Valley für den Erhalt des Status Quo an den Dubliner Silicon Docks sind. Und mit der Hauptaufgabe, Sicherheit zu vermitteln, reisen in dieser Woche gleich mehrere irische Minister anlässlich der Feierlichkeiten zum “St. Patrick’s Day” in die USA.

Für den Ministerpräsidenten Enda Kenny, der schon seit dem Wochenende in den USA weilt, ist das Ganze auch so etwas wie eine Abschiedstour. Seine Ablösung als Chef der Haupt-Regierungspartei Fine Gael steht unmittelbar bevor und die Meuterer in Dublin haben ihm die Reise zu Trump “aus Respekt vor seinen Verdiensten” gerade noch gewährt. Viele glauben, dass Trump ihm zuhören wird, wenn es um die Zukunft sowohl der US-Investitionen in Irland als auch um die “undocumented Irish” in den USA geht. Dass Enda Kenny bereits in dem Brief, mit dem er Donald Trump zur Wahl gratulierte, Druck im Namen der vielen irischen Einwanderer ausgeübt habe, wie er der heimischen Presse gegenüber behauptete, wurde von dieser aber schon als FAKE NEWS entlarvt. Kein Wort fand sich darüber in dem Schreiben, das via “Freedom of Information”-Anfrage veröffentlicht wurde.

Aber wer erwartet schon ausgerechnet am Tag des Schlangenvertreibers Ehrlichkeit von Politikern? Von Trump schon mal gar nicht, aber wohl auch kaum von Kenny. Wie jeder irische Ministerpräsident vor ihm wird auch Enda Kenny aus illegalen Einwanderern “undocumented Irish” machen. Gleichzeitig bleiben tausende von Asylbewerbern, die oft seit über 10 Jahren in Auffanglagern leben und auf den Bescheid der irischen Ausländer-Behörde warten, für Kenny und seine Minister weiterhin illegale Einwanderer. “Undocumented” sind nur Iren. Auch das ist Rassismus. Zu Beginn dieser Kolumne sprach ich ja von Schlangenvertreibern und Rattenfängern. Der irische Agrarminister Michael Creed wird bei seinem “St. Patrick’s Day”-Besuch unter anderem nach Berlin, Stuttgart und Köln reisen. Hameln steht nicht auf der Liste.


Image (adapted) „St Patrick’s Day Shamrock on bald head“ by k4dordy (CC BY 2.0)


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Check-up Ireland: „BT Young Scientists“ – Vom Schulprojekt zum globalen Erfolg

Street (adapted) (Image by RyanMcGuire [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Seit 1997 lebe ich nun schon in der irischen Hauptstadt Dublin. Mein erster Job bei AOL hatte auch ein wenig mit Tech zu tun – wenn man die berüchtigten Freistunden-CDs als „Tech“ ansieht oder das Verbinden an die technische Hotline durchgehen lässt. Im Verlauf der kommenden zwölf Monate werde ich nun die „Tech-Insel“ aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten.

BT Young Scientist 2017 Shane Curran (adapted) (Image by BT Young Scientists Exhibition)
BT Young Scientist 2017 Shane Curran (adapted) (Image by BT Young Scientists Exhibition)

Als der 16-jährige Schüler Shane Curran vom Dubliner Terenure College vor wenigen Tagen zum Gewinner der 53. BT Young Scientists & Technology Exhibition (kurz BTYSTE) ernannt wurde, mag so manch einer „Na und?!“ gerufen haben, als die Preisverleihung live im Fernsehen übertragen wurde. Ähnliche Reaktionen folgten mit Sicherheit auch auf den Sieg eines gewissen Patrick Collison im Jahre 2005. Heute leitet Patrick gemeinsam mit seinem Bruder John in Silicon Valley das von ihnen gegründete Online Payment-Unternehmen Stripe mit über 1.000 Kunden weltweit und einem geschätzten Wert von fünf Milliarden US-Dollar: „Na, und was macht ihr so?!“

Mit seinem Projekt „qCrypt“, welches sich mit dauerhaft sicherer Datenspeicherung beschäftigt, konnte Shane Curran im vierten Anlauf den großen Preis erringen, der neben jeder Menge Neidern und Prestige auch einen Scheck über 5.000 Euro mit sich bringt. Der Weg zur Bühne mag zwar kurz gewesen sein, aber der Weg zum fertigen Produkt war umso länger. Zuerst kamen sechs Monate an Forschung, denen weitere fünf Monate folgten, um die Software seines „qCrypt“-Systems fertig zu entwickeln. Shane ist nach diesem Prozess fest davon überzeugt, dass die Software so sicher ist, dass sie nicht geknackt werden kann.

BT Young Scientist 2005 Patrick Collison (adapted) (Image by BT Young Scientists Exhibition)
BT Young Scientist 2005 Patrick Collison (adapted) (Image by BT Young Scientists Exhibition)

Wie kommt man überhaupt auf die Idee für dieses Projekt? Shane hatte einen Artikel darüber gelesen, wie das Boston College gerichtlich dazu gezwungen wurde, politisch brisante Interviews mit ehemaligen IRA-Terroristen freizugeben. Hätte das College dem Druck nicht nachgeben wollen, so wären die Daten – wenn sein „qCrypt“-System genutzt worden wäre – nach seiner Überzeugung selbst vor Geheimdiensten sicher gewesen.

Wie das? Das System beruht auf dem Prinzip, dass die Originaldaten aufgebrochen werden und die einzelnen Teile auf verschiedene Jurisdiktionen umverteilt werden. Somit würde es selbst unter massivem Druck eines Gerichts unmöglich, Datensätze wieder zum Original zusammenzubauen. Zweifelsohne wird dieser Ansatz in so manchem Tech-Unternehmen, das in Irland eines oder gar mehrere Datenzentren betreibt, als auch beim irischen Data Commissioner, wo so viele europäische Fäden zusammenlaufen, für Aufsehen sorgen. Diese Verantwortlichen haben mit Sicherheit ganz andere Fragen als „Na und?!“

Förderung benachteiligter Kommunen

In diesem Jahr wurde bei der „BTYSTE“ auch eine neue Initiative vorgestellt, bei der mit finanzieller Hilfe von BT das Active Communities Network (ACN) gemeinsam mit der Rio Ferdinand Foundation (RFF) des ehemaligen Manchester-United-Stars in benachteiligten Kommunen in Irland und Nordirland Projekte für Kinder und Jugendliche unterstützt. Gefördert werden sollen unternehmerische und technische Fähigkeiten sowie Führungsqualitäten. Das ACN ist bekannt für Projekte, bei denen junge Leute mittels Sport und Kultur Wissen in Erziehung, Mentoring und Training erwerben. Die RFF vermittelt berufliche Fähigkeiten, erhöht die berufliche Vermittelbarkeit und betreibt Beschäftigungsprogramme für Kinder und Jugendliche. Das Ziel der von BT unterstützten gemeinsamen Arbeit in Irland und Nordirland ist, Karrieren junger Menschen zu fördern, die bisher enorme Benachteiligung erfahren mussten was Zugang, Chancengleichheit oder Vorbilder anbetrifft.

Natürlich musste Rio Ferdinand bei seinem Auftritt in Dublin auch Fragen zu seinen Vorbildern auf dem Fußballfeld beantworten. Die eigentlich wichtigen Vorbilder – da waren sich der Star und das junge Publikum einig – sind aber Shane Curran und ehemalige Gewinner wie Patrick Collison, der bewiesen hat, dass für junge Menschen, die an Technologie interessiert sind, nichts unmöglich ist.


Image (adapted) „street“ by RyanMcGuire (CC0 Public Domain)


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Check-up Ireland: ein Blick zurück auf Dublin Tech und Wunschliste für 2017

Kalender, zuende, zu Ende, Ende, abgerissen, Jahresrückblick

Seit 1997 lebe ich nun schon in der irischen Hauptstadt Dublin. Mein erster Job bei AOL hatte auch ein wenig mit Tech zu tun – wenn man die berüchtigten Freistunden-CDs als “Tech” ansieht oder das Verbinden an die technische Hotline durchgehen lässt. Im Verlauf der kommenden 12 Monate werde ich nun die “Tech-Insel” aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten.

Ein letzter Blick zurück auf die Dublin Tech im Jahr 2016 und eine Wunschliste für 2017

2016 war zweifelsohne ein lautes Jahr. Es war auch ein Jahr der Abstimmungen mit Ergebnissen, die kaum jemand vorhergesagt, geschweige denn erhofft hatte. Brexit und Trump haben aber für die irische Wirtschaft besondere Konsequenzen, die ich mit Sicherheit im Jahr 2017 noch besonders beleuchten werde. Dennoch zeigte sich Martin Shanahan, der Chef der Wirtschaftsförderung IDA, deren Auftrag es ist, multinationalen Firmen die Ansiedlung in Irland schmackhaft zu machen, auch zuletzt sehr locker beim Rückblick auf 2016 und beim Ausblick auf 2017: „Es war ein gewohnt ruhiges und für uns durchaus normales Jahr.“

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Diese Karte der IDA zeigt, wie viele Tech-Firmen zum Jahresende in Dublin angesiedelt sind. Quelle: Google Maps

Doch selbst mit Trump im Weißen Haus und mit schwarzen Brexit-Wolken am Horizont rechnet Irland 2017 mit einem Wirtschaftswachstum von 3,5 Prozent. Besonders die Hauptstadt Dublin mit ihrem Tech- und Startup-Sektor kann selbstbewusst zurück und nach vorne blicken. 2016 war ein durchweg gutes und in manchen Bereichen sogar hervorragendes Jahr für Dublin. Dazu ein paar Zahlen:

775 Startups mitsamt ihrer Firmenzentrale; 230 globale, multinationale Tech-Firmen, von denen 23 Prozent von Dublin aus produzieren; 50 Startup-Hubs; drei Universitäten mit rund 3.000 Absolventen im Bereich Computer-Science.

Auch im Bereich Funding sind die Zahlen beeindruckend. Bereits Ende September hatten Tech-Firmen in Irland 734 Millionen Euro von Investoren erhalten – im Vergleich zu 522 Millionen Euro im ganzen Jahr 2015.

Auch die Engel, die jeder Gründer so sehr braucht, waren 2016 fleißiger als 2015. Laut John Phelan vom Halo Business Angel Network werden die Engel – von denen 15 Prozent mehr unterwegs sind – am Ende des Jahres 13 Millionen Euro investiert haben (10,8 Millionen Euro im Jahr 2015). Das Ziel sei es, bis 2020 die Schwelle von 20 Millionen Euro pro Jahr zu erreichen.

Rekordzahlen an Investment werden in Dublin in einem Tech- und Startup-Ökosystem erreicht, das laut Johnny Walker von Health Founders immer mehr an Struktur gewinnt und in dem kleine Startups mit großen Fischen der Techwelt kollaborieren. Aus einem kleinen Google Doc der Dubliner Startup-Kommission erwuchs die TechIreland-Plattform, bedeutende Firmen wie ESB, Dublin Airport, New Ireland Assurance oder veranstalteten Hackathons für Startups, etabliertere Firmen wie Ding, Openet oder Cartrawler gaben mittels Investment und/ oder Mentoring zurück an die Community; Übernahmen wie die von Fleetmatics durch Verizon (2,1 Milliarden Euro) und Movidius durch Intel (322 Millionen Euro) sorgten für große Schlagzeilen in allen Zeitungen.

Ein Trend im Ökosystem ist der, dass internationale Gründer, die einst von bedeutenden multinationalen Firmen für den Standort Dublin rekrutiert worden waren, nunmehr ihr eigenes Glück versuchen. Firmen wie Cesanta, Profitero oder Iguazu sind gute Beispiele dafür.

Zwei der Sektoren, die 2016 von besonderer Bedeutung waren, sind TravelTech und FinTech. Dabei fanden auch Veranstaltungen wie PhoCusWright und IATA & CAPA, die für den Sektor TravelTech wichtig sind, in Dublin statt, während Ryanair Labs mittlerweile 150 Leute in unmittelbarer Nähe des Dubliner Flughafens beschäftigt. Dublin war schon immer als Zentrum für FinTech bekannt. Der Sektor ist aber zweifelsohne auch einer der wenigen, die im Brexit große Chancen sehen. Wenn man der IDA und den Immobilienmaklern Glauben schenkt, mehren sich die Anfragen großer Banken aus London nach Büroraum in Dublin.

Die Multinationals haben 2016 zum Glück nicht nur in Sachen Steuervermeidung Schlagzeilen gemacht:

  • Equifax gab die Eröffnung eines neuen R&D-Zentrums bekannt
  • Facebook hat 200 neue Stellen geschaffen
  • PayPal hat 100 neue Stellen geschaffen
  • HubSpot gab die Schaffung von 320 neuen Stellen bekannt
  • Slack gab die Schaffung von 80 neuen Stellen bekannt
  • Amazon gab die Schaffung von 500 neuen Stellen bekannt
  • LinkedIn gab die Schaffung von 200 neuen Stellen bekannt
  • Deloitte entschied sich für Dublin als Standort für ein neues Blockchain Lab
  • PTC gründete ein IoT R&D-Zentrum
  • Kaspersky Lab eröffnete ein R&D-Zentrum
  • Fitbit eröffnete ein neues Gebäud

Was die Politik anbetrifft, so war 2016 ein eher ruhiges Jahr für den Tech-Sektor. Die Minderheitsregierung, die eh kaum große Initiativen starten kann, weil sie das Okay der größten Oppositionspartei benötigt, hat zum Beispiel im letzten Haushalt kaum Maßnahmen untergebracht, die irischen Tech-Firmen den Sprung in internationale Märkte merklich erleichtern würden. Demzufolge steht die Politik auch ganz oben auf der …

… Wunschliste für 2017

  • Politik: Aktienoptionen müssen sich lohnen, Gleichstellung für Gründer bei der Einkommenssteuer, Änderungen im Steuersystem, die es attraktiver machen, Firmen wachsen zu lassen, statt sie früh zu verkaufen
  • Fokussierung auf wichtige Cluster: Standorte wie Cork, wo multinationale Pharma-Giganten wie Pfizer eng mit Universitäten und Startups zusammenarbeiten, zeigen, wie wichtig Cluster sind
  • Verbesserung bei internationalen Rankings für Dublin: von Universitäten bis hin zu digitaler Infrastruktur.
  • Stärkere Mobilität von talentierten Arbeitskräften: weg von Multinationals hin zu Startups

Ich werde in meiner Kolumne im November 2017 noch einmal auf die Wunschliste schauen, um Bilanz zu ziehen, aber auch generell das dann fast abgelaufene Jahr durch die Tech-Brille betrachten.


Image „Blockplan“ by BRRT (CC0 Public Domain)


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Check-up Ireland: FoodCloud vertreibt dunkle Wolken der Essensarmut

Irland, Ireland, Natur, Sonne, Schnee, Frost, Winter, Sonnenstrahlen, Weihnachten

Seit 1997 lebe ich nun schon in der irischen Hauptstadt Dublin. Mein erster Job bei AOL hatte auch ein wenig mit Tech zu tun – wenn man die berüchtigten Freistunden-CDs als „Tech“ ansieht oder das Verbinden an die technische Hotline durchgehen lässt. Im Verlauf der kommenden zwölf Monate werde ich nun die „Tech-Insel“ aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten.

FoodCloud vertreibt dunkle Wolken der Essens-Armut

Wohltätigkeit wird nicht nur in Irland gerade in der Vorweihnachtszeit großgeschrieben. Es wird rege gespendet für Bedürftige in Haiti oder Syrien, aber auch für Obdachlose in der eigenen Stadt. Der Crash mag vorbei sein und die Wirtschaft mag wachsen, doch nicht überall ist die Wende zu spüren. Das hat die Regierung bei der Wahl erfahren, als trotz sinkender Arbeitslosigkeit aus einer satten Mehrheit eine wankende Minderheitsregierung wurde. Zu viele Erwachsene, aber vor allem zu viele Kinder werden in Dublin nicht satt. Das Gerede vom neuen Boom ist die alte Leier derer, die eh schon genug Geld haben. Statt des wiedererwachten keltischen Tigers sehen die Armen in Vororten wie Tallaght nur streunende Katzen – die aber wenigstens die Ratten vertreiben.

Nicht von ungefähr wurde Tallaght gewählt, um eine neue Initiative vorzustellen, die der Essensarmut den Kampf angesagt hat. „FoodCloud“, eine Online-Plattform, die Geschäfte, die überschüssige Lebensmittel haben, mit Wohltätigkeitsorganisationen zusammenbringt, hat sich mit der „Bia Food Initiative“ vereint, einem Betreiber von Depots in ganz Irland, über die Essen umverteilt wird. Deren neuer Name lautet „FoodCloud Hubs“ und im Sinne von „gemeinsam sind wir stark“ hilft man jetzt den Schwachen in Irland, Essensarmut zu überwinden. FoodCloud bietet Lösungen für überschüssige Lebensmittel bei jedem Schritt der Lieferkette an.

Neben Bedürftigen aus Tallaght und den unvermeidlichen Politikern fanden sich beim FoodCloud-Launch auch viele Mitglieder der Startup-Community, die sich auch bei „normalen“ Startup-Events über Technologien informieren oder Lösungen diskutieren. Das Wie, Wer und Wo zu Finanzierung und Talent-Aquise wurde bei diesem Anlass aber vom Was-kann-ich-tun und Wo-kann-ich-mich-einbringen in Bezug auf Social Enterprise ersetzt. Über der FoodCloud schwebten hier die Gedanken des Dubliner Tech-Kosmos zu Bereichen wie Umwelt, Verschwendung und Ernährung. Nichts fühlte sich hier abgehoben an. Für die Bodenhaftung sorgten allein schon die Menschen aus Tallaght und deren Schicksale, sowie die Lieder des High Hopes Choir, der aus Obdachlosen besteht.

So manch einer der anwesenden Gründer hat sich aber in Tallaght nicht zum ersten Mal mit Unternehmensvorsätzen beschäftigt. Mehr und mehr geht „Social“ mit „Enterprise“ einher – Startups und ihre Netzwerke diskutieren innovative Lösungen zu alten Problemen und sorgen somit dafür, dass Tech vollkommen neue Schichten der Bevölkerung durchdringt. Populistisches Gerede à la Trump von der „Tech-Elite, die nichts für die Zurückgelassenen tut“, würde zumindest in Tallaght nicht gut ankommen. Der Mann hat eh mit seinem Luxus-Golf-Ressort an der Westküste Irlands, wo die Elite Greenfees um die 200 Euro zu zahlen hat, genug zu tun.

Auch im Bereich Social Enterprise beweisen irische Initiativen und Unternehmen wie FoodCloud, dass die Lösungen, die lokal funktionieren, oft auch global eingesetzt werden können. CoderDojo oder ChangeX sind weitere Beispiele, die eine Würdigung verdienen – und das nicht nur zur Weihnachtszeit.


Image Irland by flesheatingbug (CC0 Public Domain)


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