BuzzFeed gibt es jetzt auch in Japan

Seit Kurzem gibt es eine japanische Version von BuzzFeed. Der Launch wäre ohne Yahoo nicht möglich gewesen. Anders als bei den früheren Erweiterungen, die voll und ganz BuzzFeed gehören, ist BuzzFeed Japan eine gemeinsame Partnerschaft mit Yahoo Japan. BuzzFeed hat 51 Prozent Beteiligung und Yahoo Japan 49 Prozent Beteiligung an dem Projekt. Die Financial Times berichtete im vergangenen August, als die neue Seite angekündigt wurde.

Yahoo Japan ist eine der größten Seiten in Japan. Laut der Firma werden monatlich 88 Prozent aller japanischen Internetnutzer erreicht, monatlich kommt das Portal auf 56 Milliarden Seitenaufrufe. In einem Artikel, der letzten Sommer veröffentlicht wurde, fasst Präsident Greg Coleman zusammen, wie die Partnerschaft funktionieren kann und erklärt außerdem, dass BuzzFeed hofft, Kapital daraus zu schlagen, dass Yahoo seinen eigenen Markt zu Hause gut genug kennt:

“Wir werden ein gemeinsames Projekt mit der Marke BuzzFeed anbieten. Dazu gehören die eigene technische Plattform, und die Idee sowie das Verfahren, um redaktionellen Inhalt zu entwickeln, und Native Advertising. Yahoo! Japan wird das gemeinsame Unternehmen in kulturellen Fragen beraten, die Besucher auf die Webseite BuzzFeed Japan lenken und den Verkaufskanal inne haben, um BuzzFeed Japan auf den Markt zu bringen.”

Was ist also anders, wenn man in Japan neu anfängt? Das Teilen auf den sozialen Netzwerken ist der Schlüssel zum Wachstum und Geschäftsmodell von BuzzFeed. Außerdem haben die Benutzer in Japan andere Social-Media-Gewohnheiten als wir in den USA oder Westeuropa. Laut einer Studie von Klout aus dem Jahr 2015 sind Facebook-  und Twitternutzer in Tokio eher außerhalb ihrer Arbeitszeiten aktiv, während hingegen in New York, San Francisco, Paris und London die meisten Beiträge in den sozialen Netzwerken während des Arbeitstages zustande kommen. BuzzFeed startete seine erste internationale Seite im Vereinigten Königreich im Jahr 2013 und expandierte dann rasch weltweit.


Das Unternehmen hatte ursprünglich geplant, die japanische Seite schon 2014 aufzubauen, aber in einem Interview aus dem letzten Frühling sagte mir Scott Lamb, BuzzFeeds Vizepräsident für Internationales, dass das Unternehmen mehr Zeit brauche, um die beste Strategie für Japan zu entwickeln:

“Ich denke, dass wir uns zwei Herausforderungen stellen müssen. Die erste ist eine interne. BuzzFeed wächst sehr schnell und die internationalen Start-Prozesse, verbrauchen viele Ressourcen. Wir haben den größten Teil des ersten Halbjahres damit verbracht, mehr interne Mitarbeiter einzustellen und eine Struktur innerhalb BuzzFeed zu generieren, die wir anpassen können, so dass wir all diese Dinge geschickter und schneller erledigen können.

Aber es gibt auch konkrete Herausforderungen in den unterschiedlichen Märkten. Als wir nach Deutschland kommen wollten, war es ein wenig einfacher für uns. Ich hatte dort vorher schon gearbeitet und hatte somit einige Verbindungen. Es gibt viele Leute bei BuzzFeed, die die Märkte in Frankreich und dem Vereinigten Königreich ähnlich gut kennen. Japan war einer der Märkte, von dem wir im Unternehmen sehr wenig wussten, und es hat einfach eine längere Zeit gedauert, um herauszufinden, welche die richtige Marketingstrategie für uns sein wird.”

BuzzFeed vertritt auch international sein typisches Modell. Angefangen hat es mit einem kleinen Team, das sich schnell verbreitende Geschichten, für die BuzzFeed berühmt ist, produziert, bevor es sich auch auf die traditionelle Berichterstattung ausgeweitet hat. Im Vereinigten Königreich wurde BuzzFeed zum Beispiel nur mit drei Mitarbeitern gestartet. Heute sind sie im Besitz einer ganze Nachrichtenzentrale in Großbritannien und haben am Sonntag zusammen mit der BBC die Ergebnisse einer jahrelangen Untersuchung über Spielmanipulation im Tennis veröffentlicht.

Allerdings berichtet BuzzFeed Japan schon seit Anfang an über Neuigkeiten. Am Dienstag veröffentlichte man eine japanische Übersetzung der redaktionellen Richtlinien, die der Chefredakteur Shani O. Hilton im letzten Jahr geschrieben hatte. Der Aufmacher und der am meisten aufgerufene Beitrag der Seite war der Bericht über das Atomkraftwerk Fukishima Daiichi rund fünf Jahre nach dem dortigen Unglück.

Es werden auch Artikel wie den über die Spielmanipulation auf Japanisch übersetzt. “Der Grundgedanke war, dass wir internationale Büros nicht nur als Begleiter betrachten wollten, sondern dass diese auch ihre eigene Anziehungskraft entwickeln”, teilte mir BuzzFeed-Entwicklungsmanager Luke Lewis im vergangenen Frühling mit, der auch der erste Redakteur der britischen Ausgabe von BuzzFeed war.

Dieser Artikel erschien zuerst auf “Nieman Journalism Lab” unter CC BY-NC-SA 3.0 US. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Teaser & Images by BuzzFeed Japan


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Joseph Lichterman

Joseph Lichterman

schreibt für das an der Harvard Universität angesiedelte Nieman Journalism Lab über Innovation in der Medienbranche. Davor arbeitet er für die Nachrichtenagentur Reuters und berichtete über den wirtschaftlichen Niedergang von Detroit.

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