2048 – Erfolgs-App punktet mit offener Lizenz

„2048“ rockt momentan die App Stores. Das Spiel punktet hauptsächlich mit einer offenen Lizenz und crowdbasierter Mitarbeit. // von Tobias Gillen

2048_android

Das Rechen-Spiel 2048 erinnert an den Kassenschlager Threes. Das Spiel aus der Feder eines 20-Jährigen entstand aber hauptsächlich durch die Mitarbeit der Crowd. Und wird inzwischen vielfach kopiert. Möglich macht das eine offene Lizenz, die die Entwickler für das Spiel gewählt haben.


Warum ist das wichtig? Der weltweite Erfolg des Spiels „2048“ beweist, dass die Wahl offener Lizenzen auch wirtschaftlich sinnvoll sein kann und welche Produktivkraft in der Crowd liegen kann.

  • Ungewöhnlich an dem Spiel „2048“ ist die Mitarbeit der Crowd – ermöglicht durch die Wahl einer offenen Lizenz für die Veröffentlichung.
  • Der Erfolg des Spiels widerlegt das veraltete Argument der Gegner offener und freier Lizenzen, dass Kopien schlecht fürs Geschäft sind.
  • Freigegeben wurde „2048“ unter der MIT-Lizenz, die viele Nutzungsrechte freigibt und so Weiterentwicklungen ermöglicht.

Einmal 2048, bitte!

Nicht, dass Apps nicht schon seit Jahren boomen und auch immer wieder mal der ein oder andere Hit dabei herausgesprungen wäre. Aber momentan scheint man mit der richtigen Idee zur richtigen Zeit gewaltige Begeisterungsstürme auslösen zu können. Was früher Doodle Jump oder Angry Birds war, die teils von großen Studios stammen, sind heute Apps wie Flappy Bird, Threes und – ganz aktuell – 2048.

Nein, „2048“ (Android | iOS) ist nicht die App zum neusten Roland-Emmerich-Weltuntergangs-Epos. Es handelt sich dabei um ein simples Mathe-Denk-Verrücktwerden-Spiel, bei dem man seine Nerven simpelster Mathematik aussetzen muss. Das Ziel: Auf einem quadratischen Spielfeld, bestehend aus 16 Feldern, muss man gerade Zahlen solange mit sich selbst addieren, bis man 2048 herausbekommt. Man schiebt also zwei Zweien aufeinander, dann die daraus resultierende Vier mit einer anderen Vier – und so weiter. Im besten Fall sieht das Ergebnis dann so aus:

2 + 2 = 4

+ 4 = 8

+ 8 = 16

+ 16 = 32

+ 32 = 64

+ 64 = 128

+ 128 = 256

+ 256 = 512

+ 512 = 1.024

+ 1.024 = 2.048

Quellcode auf GitHub veröffentlicht

Mit jedem Zug kommt eine weitere Nummer auf das Spielfeld, ist es voll und keine Bewegung nach links, rechts, oben oder unten mehr möglich, ist das Spiel beendet. Nicht aber für den jungen Entwickler. Der Italiener Gabriele Cirulli ist gerade mal 20 Jahre jung und dürfte durch den Erfolg schon seine ersten paar Tausend Dollar Werbeeinnahmen eingesammelt haben. Das eigentlich Spannende an dem Projekt ist aber seine Transparenz.

Denn 2048 ist nicht etwa in Eigenregie entstanden. Cirulli hat den Quellcode für das Spiel, das – man muss es leider anmerken – stark an den Erfolgsseller Threes erinnert, nämlich auf GitHub veröffentlicht und die Community daran mitarbeiten lassen.

Veröffentlicht unter CC-ähnlicher MIT-Lizenz

So stammt etwa die Speicherung des besten Ergebnisses von einem Nutzer, ein anderer hat den Code zum Swipen auf Smartphones beigesteuert und ein Dritter hat selbiges auf Windows-Phone-Geräten zum Laufen gebracht. Auch künftig bittet der Italiener um mithilfe, „Veränderungen und Verbesserungen“ seien „mehr als willkommen“, schreibt er. Damit geht der Entwickler einen ungewöhnlichen Weg. Schließlich sind Abwandlungen von Apps, man sieht es an der Überflutung von Flappy-Bird-Klonen, nicht gerade förderlich fürs Geschäft.

Das Spiel steht unter der MIT-Lizenz, die der CC-Lizenz CC-BY-SA ziemlich nahe kommt: „Hiermit wird unentgeltlich jeder Person, die eine Kopie der Software und der zugehörigen Dokumentationen (die „Software“) erhält, die Erlaubnis erteilt, sie uneingeschränkt zu benutzen, inklusive und ohne Ausnahme dem Recht, sie zu verwenden, kopieren, ändern, fusionieren, verlegen, verbreiten, unterlizenzieren und/oder zu verkaufen, und Personen, die diese Software erhalten, diese Rechte zu geben, unter den folgenden Bedingungen: Der obige Urheberrechtsvermerk und dieser Erlaubnisvermerk sind in allen Kopien oder Teilkopien der Software beizulegen.

Neuer und außergewöhnlicher Ansatz

Das führt nun dazu, dass 2048 in allen möglichen Abwandlungen erscheint, etwa als Tetris-Variante. Dem Entwickler scheint das egal zu sein. Er scheint das Spiel nicht, wie viele Entwickler, aus Ruhmeswillen zu betreiben. Geld verdient er an der Werbung in der App natürlich dennoch, ansonsten ist der Ansatz des 20-Jährigen aber so neu wie außergewöhnlich.

Ob ein solches Prinzip in Zukunft Schule macht? Wohl kaum. Viel zu sehr sind Urheberrechtsgedanken, Egoismus und das Streben nach Reichtum in unserer Gesellschaft verankert. Cirulli hält dem aber mit seinem Ansatz fein den Spiegel vor. 2048, das gesteht der Entwickler auf der GitHub-Seite, hat er übrigens selbst noch nie geschafft.

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Tobias Gillen

Tobias Gillen

ist freiberuflicher Medien- und Technikjournalist und Blogger. Nebenher schreibt er Bücher und E-Books und ist bei Twitter, Facebook und Google+ zu finden.

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