WLAN für alle – Freifunk verschenkt anonyme Netzzugänge

WLAN für alle – Freifunk verschenkt anonyme Netzzugänge

Kostenlose surfen wo man geht und steht. Das ist in Deutschland noch Zukunftsmusik. Doch es gibt Initiativen und Bürger, die sich diesem Ziel angenommen haben und kontinuierlich daran arbeiten, es zu realisieren. Eine dieser Initiativen ist Freifunk, ein nicht-kommerzieller Berliner Verein, der für Freifunknetzwerke einsteht und außerdem gegen die sogenannte Störerhaftung demonstriert.

In den kommenden Wochen wird der Verein rundum den Boxhagener Platz und dem Kottbusser Tor an die 100 Freedom-Fighter-Boxen verschenken, die es ermöglichen sollen, in der Nähe dieser Router kostenlos und anonym surfen zu können. Diese Geräte sollen vor allem in Cafes, Vereinen und Organisationen Platz finden, die einen hohen Publikumsverkehr aufweisen und die sich selber nicht trauen, einen offenen WLAN-Port anzubieten.

Die 100 Boxen dürften da bei weitem nicht reichen, denn ein offenes WLAN in Cafes und dergleichen ist ziemlich selten geworden. Schuld daran, ist zum einen das Filesharing, dass Besucher dieser Etablissements gerne in deren jeweiligen Netzwerken betreiben, zum anderen aber auch vordergründig die Störerhaftung, die die Betreiber in die Pflicht nimmt, sobald ein Delikt verfolgt wird.

Auf Grundlage eines 2010 erlassenen Urteils vom Bundesgerichtshof ist es nämlich der Inhaber des Netzwerkes, der etwaige Abmahnunggebühren leisten muss. Fatal für viele Gastronomen sowie Betreiber anderer entsprechender Lokalitäten, aber auch unfair meint der Freifunker Jürgen Neumann: „Die Unterscheidung zwischen einer Privatperson, die ihr WLAN anderen zur Verfügung stellt und einem Access-Provider, der das tut und dafür einen Freifahrtschein von der Bundesnetzagentur hat, ist willkürlich“.

Die Freedom-Fighter-Boxen sind indessen so programmiert, dass eine Kontrolle des Datenverkehrs und somit die Durchsetzung der Störerhaftung unmöglich wird. Über eine gesicherte Verbindung wird der Nutzer nach Schweden geleitet, wo er eine neue IP-Adresse bekommt, die nicht zu ihm zurückverfolgt werden kann. Der schwedische Internetanbieter Ipredator hat dafür eigens 100 VPN-Zugänge bereitgestellt.

Die geplante Protestaktion schlägt inzwischen auch schon erste Wellen z.B. im Berliner Senat, wo sich die große Koalition mit einer Bundesratsinitiative für eine Änderung der Störerhaftung einsetzt. Wohl an.

Andreas Weck

schreibt seit 2011 für die Netzpiloten und war von 2012 bis 2013 Projektleiter des Online-Magazins. Zur Zeit ist er Redakteur beim t3n-Magazin und war zuletzt als Silicon-Valley-Korrespondent in den USA tätig.


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4 comments

  1. Soweit ich dass verstanden habe, muss ein Betreiber einer solchen Box freuies wlan zur vewrfügung stellen:
    „In den kommenden Wochen wollen wir nun 100 FFF-Boxen (vor allem) in Kreuzberg und Friedrichshain verteilen. Die Boxen arbeiten ausschließlich im Access-Point Modus (mixed mode kann der Chip leider nicht) und bieten ein offenes WLAN an.“
    (http://blog.freifunk.net/2012/freifunkfreedomfighterbox-gegen-st%C3%B6rerhaftung-und-abmahnwahn)

    laut medienberichten besitzt die Brauererei hops and barley in der wühlischstrasse f’hain eine solche box.
    allerdings stellt sich nur ein wpa gesichertes wlan und wohl nur für gäste zur verfügung.

    falls dem so ist, bitte ich die inititive hier nochmals nachzuprüfen und gegebnenfalls eine karte oder liste anzulegen anhand jeder mensch leicht prüfen kann, wo die boxen stehen und ob sie auch frei zugänglich sind.

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