Sensorama – Virtual Reality in 1962

Virtual Reality wird immer einfacher. Die VR-Brillen sind immer ausgefeilter und angenehmer zu tragen. Im Falle der Oculus Quest nutzt man sie mittlerweile sogar unabhängig von PC oder Konsole. Wir stellen euch aber einen der ersten Virtual Reality-Pioniere vor: das Sensorama.

Beim Sensorama handelt es sich nicht um eine Margarine, sondern um ein umfassendes VR-Erlebnis, das seiner Zeit mehr als nur einen Schritt voraus war.

Filme, die man riechen kann

Die Idee, Filmerlebnisse noch greifbarer zu machen ist jedoch nicht ganz so neu. Auch wenn viele den 3D-Film erst mit Avatar so wirklich kennengelernt haben, gab es die erste große Welle bereits 1953. Erste Patente reichen sogar noch einige Jahrzehnte weiter zurück.

Doch man wollte den Zuschauer mit mehr locken. Geruchskino war der nächste große Trend. Gerüche sollen den Zuschauer noch mehr in das Leinwandgeschehen ziehen. Sogar auf dem Broadway wurde mit Düften experimentiert.

1955 spezifizierte der Kameramann Morton Heilig erstmals seine Vision des „Experience Theater“, einem multisensorischen Kino-Erlebnis. 1962 baute er den ersten Prototypen mit dem Namen, den er Sensorama nannte. Zusammen mit dem Sensorama produzierte er auch fünf Kurzfilme, die sich darüber schauen ließen.

So funktionierte das Sensorama

Beim Sensorama handelt es sich nicht um ein Kino für mehrere Personen, sondern um einen großen Kasten in der größe eines Spielautomaten, der einer Einzelperson, ein besonders intensives Filmerlebnis beschert. Dabei werden sämtliche Sinne des Nutzers angesprochen.

Weitwinkel in 3D

Das Sensorama steht nicht gerade für gemütlichen Filmgenuss. Das fängt schon damit an, dass der Zuschauer mit dem Kopf quasi in der Maschine steckt. Zum Glück sitzt er aufrecht, da der obere Teils aus dem großen Konstrukt hervorsteht. Dafür bekommt er Bilder aus zwei 35mm-Kameras mit 16-mm Optiken gezeigt, die dafür sorgen, dass sich nicht nur ein dreidimensionales, sondern auch ein weitwinkliges Bild ergibt. Damit deckte das Sensorama sogar das periphere Sichtfeld ab.

Stereo-Sound

Die Vorrichtung für den Kopf hatte noch einen weiteren Vorteil: Die Geräusche konnten über Lautsprecher ganz nah am Ohr wiedergegeben werden. Damit verfügte das System auch über Stereo-Sound.

Good Vibrations

Zwar sind 3D und der Sound für die damalige Zeit schon anspruchsvoll gewesen, wirklich revolutionär ist das Sensorama aber durch den Ansatz, Filme mit allen Sinnen erlebbar zu machen. Dazu sorgen unter anderem ein Sitz sowie zwei Griffe für die Hände, die mit Vibrationen für ein intensiveres Erlebnis sorgen.

Wind und Aromen

Bei Vibrationen hört es aber noch nicht auf. Der Kasten ist auch mit mehreren Ventilatoren ausgestattet, die auch den Wind der Filme simulieren. Und da die Nase nicht minder wichtig ist, kommen dem Zuschauer nicht nur Wind, sondern auch noch Gerüche entgegen.

Übersicht des Sensoramas
Das Sensorama bedient abgesehen vom Geschmack alle Sinne.

Die Filme des Sensorama

Um die Möglichkeiten des Sensoramas auszuschöpfen, handelte es sich bei den meisten seiner Filme um die Fahrt mit einem Fahrzeug aus der Perspektive des Fahrers. So unter anderem eine Motoradfahrt in Brooklyn. Mit vibrierendem Sitz und Fahrtwind war das sicherlich ein aufregendes Erlebnis.

Ein Film stach allerdings besonders hervor. Der Tanz einer exotischen Bauchtänzerin. Immer wenn sie näher an die Kamera kam, wurde der Film vom Sensorama mit Parfüm-Geruch untermalt.

Der Erfolg blieb trotzdem aus

So bahnbrechend Morton Heiligs Erfindung war, so sehr war sie trotzdem zum scheitern verurteilt. Dabei stellte Heilig sein Sensorama auch bei großen Unternehmen wie Ford vor. Die Maschine war aber auch sehr komplex und konnte nur von einer Person genutzt werden.

Heilig hatte jedoch auch größere Visionen. 1969 patentierte er ein Konzept, dass sein „Experience Theater“ zum Kinoerlebnis machen sollte. Jeder Sitz wäre in etwa wie ein Sensorama ausgestattet, allerdings mit einer riesigen, gebogenen Leinwand fürs Bild. Es wäre also wirklich auch ein gesellschaftliches Ereignis gewesen.

IT-Pionier Ivan Sutherland gilt heute als Vater des ersten VR-Brille „Sword of Damocles“. Was kaum bekannt ist: Morton Heilig hat sich bereits 1960 das erste Head Mounted Display, die „Telesphere Mask“ pantentieren lassen. Auch für Disney leistete er einige Arbeiten, etwa für VR-Erfahrungen in den Disney-Vergnügungsparks. Morton Heilig war einer der wichtigsten Impulsgeber für Virtual Reality, auch wenn sein Name fast vergessen ist.

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Stefan Reismann

Das Internet ist sein Zuhause, die Gaming-Welt sein Wohnzimmer. Der Multifunktions-Nerd machte eine Ausbildung zum Programmierer, entdeckte dann aber vor allem die inhaltliche Seite für sich. Nun schreibt er für die Netzpiloten und betreibt nebenher einen Let's Play-Kanal, auf dem reichlich gedaddelt wird.


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