Virables – ist Viralität planbar?

Wieder einmal wird ein Trend vom Marketing kommerzialisiert. Heute geht es also um Virables. Virables ist ein Tool, das am Dienstag von Sevenload in die Presche geschickt wurde und Videos dabei unterstützen soll zum Viral-Hit zu werden. Das Tool agiert dabei als Interface für ein weitreichendes Netzwerk, das die zukünftigen Virals mit angemeldeten Multiplikatoren verknüpfen soll. Klingt hochtragend, ist strukturell aber grundsätzlich nichts anderes als eine Art Affiliate-Netzwerk für Bewegtbilder, das Publisher und Advertiser zusammenführt…

Die Idee

Publisher und Advertiser melden sich gleichermaßen an und können dann jeweils in Ihrer Form entsprechende Funktionen übernehmen bzw. übergeben. Will ein Advertiser zum Beispiel sein aufwendig produziertes Video vermarkten, so kann derjenige dieses hier hochladen und bekommt gegebenenfalls Reichweite. Man bestimmt selber auf welchen Plattformen und Communities das Video gefeatured werden soll und sorgt damit per Click für eine gesteuerte Viralitiät. Im besten Fall.

Publisher hingegen können sich einfach die Embed-Codes der, von den Advertisern hochgeladenen, Videos ziehen und somit sogar selber noch Geld verdienen. Cost-Per-View könnte man das jetzt nennen. Ein Blogger ist dadurch in der Lage ein paar Euro mehr zu verdienen, wenn er das Video einbindet via Virables-Player und ein Leser es sich anschaut.

Es profitieren also alle. Nur das Viral-Video nicht. Denn mal ganz ehrlich. Wie viral ist ein Video, wenn die Streuung geplant wird? Nicht sonderlich.

Viralität planbar?

Ganz so kritisch sollte man es nicht sehen, meint Jürgen Vielmeier von BasicThinking. Seiner Meinung nach ist es doch bisher nicht anders gewesen. Videos die von Unternehmen gedreht worden, wurden gleichzeitig auch in ein bestehendes Netzwerk aus Partnern transferiert. Ein Unternehmen wie Audi produziert sicher nicht für den Zufall, wenn es sich dazu entscheidet einen aufwendigen Spot, wie diesen hier, für das Web zu konzipieren. Partner werden natürlich im Vorfeld bereits akquiriert.



Damit hat Vielmeier selbstverständlich recht. Was ich allerdings schade finden würde ist, dass durch die zusätzliche Bezahlung die Blogger/Publisher bekommen können, der ein oder andere unprofessionelle Viral, der nur durch Zufall zum Click-Hit wurde, zukünftig keinen Platz mehr findet auf Webseiten. Warum veröffentlichen wenn er keinen Verdienst mehr bringt, dürften sich viele fragen. Meisterwerke wie dieses Video hier, müssen dann vielleicht Spots, wie dem Obigen, weichen.



Ob und wie sich das bewahrheiten wird, werden wir sehen. Fakt ist allerdings, und das hat Jürgen Vielmeier ebenfalls angemerkt, dass Advertiser nicht darauf vertrauen sollten, dass deren eingestellten Stücke zum Hit werden. Denn, die Qualität des Videos wird unterm Strich weiter dafür sorgen, dass es fortlaufend viral verbreitet wird. Werber die glauben, dass allein das Netzwerk und der lockende Verdienst für die Publisher dahinter, den Clip zum Senkrechtstarter machen, werden sich täuschen. Die Rechnung wird nämlich nicht ohne den User gemacht, der im Endeffekt dafür sorgt, dass aus einem lustigen Clip ein echter Rekordhalter wird.

Also ist Viralität planbar? Auf keinen Fall. Aber das neue Netzwerk Virables kann dabei helfen, dass ein Video erfolgreich wird.

Andreas Weck

schreibt seit 2011 für die Netzpiloten und war von 2012 bis 2013 Projektleiter des Online-Magazins. Zur Zeit ist er Redakteur beim t3n-Magazin und war zuletzt als Silicon-Valley-Korrespondent in den USA tätig.


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