All posts under Wandel

Out of Office: Über den Wandel der Arbeit

Arbeit verändert sich. Automatisierung und Künstliche Intelligenz führen dazu, dass wir Menschen vielleicht bald gar nicht mehr arbeiten müssen. Oder was anderes machen und das dann Arbeit nennen. Vielleicht kommt es aber auch ganz anders, denn manchmal sind es gerade die Kleinigkeiten, die den Unterschied machen. Wie zum Beispiel die Elektrizität.

Als ich Ende Februar das Hamburger Museum der Arbeit besuchte, war diese Kleinigkeit kurz weg und schon ging kein Gerät mehr. Power is the new Wi-Fi, witzelt man gerne im Berliner St. Oberholz. An diesem Tag führte die Abwesenheit der Elektrizität dazu, dass ich kein Ticket für das Museum kaufen konnte und umsonst in die Ausstellung „Out of Office“ durfte.

Im dritten Stock der 1871 gebauten ehemaligen Fabrik der „New-York Hamburger Gummi-Waaren Compagnie“ in Barmbek, wird sich noch bis zum 19. Mai 2019 dem digitalen Wandel der Arbeitswelt angenommen. In 11 Stationen können sich Museumsgäste der Dimension der Veränderung und den damit einhergehenden Diskussionen unserer Gesellschaft widmen.

Wir sind mitten im Wandel – wie immer

1996 konnte der Schachweltmeister Garry Kasparov noch gegen den Schachcomputer „Deep Blue“ gewinnen, ein Jahr später schon nicht mehr. Die Maschine hatte den Menschen besiegt. Heutzutage nutzen wir Künstliche Intelligenz in Übersetzungsprogrammen, für bessere Bilder mit unserem Smartphone und auch, um besser von A nach B zu kommen.

Dies verändert nicht nur unsere Leben, sondern auch, wie wir arbeiten. Technische Entwicklungen gab es aber schon immer in der Arbeitswelt. Sie sind nicht neu und auch Technologien brauchen stets ein bisschen, bevor sie Alltag in Orten der Arbeit werden. Der Wandel, den wir momentan erleben, ist nur der Wandel unserer Zeit. Mehr auch nicht.

Bisher haben wir allerdings den sozialen Aspekten dieses Wandels nicht die Bedeutung eingeräumt, die sie haben. Dabei drehen sie sich vermutlich um die besten Antworten auf den Wandel, wie uns die Geschichte der Technik selbst lehrt. Die Antwort auf die Industrielle Revolution, der letzten großen Veränderung der Arbeitswelt, war nämlich der Sozialstaat.

Das Eisenwalzwerk (Moderne Cyklopen)“ von Adolph von Menzel, 1872 – 1875, Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin

Es braucht Orientierung im Wandel

Anstatt sich also am Technikdiskurs abzuarbeiten, wie das viel zu viele Panik-Bücher verkaufende Autor*innen gerne machen, bedarf es Orientierung in Zeiten des Wandels. Die Ausstellung „Out of Office“, die mit Adolph von Menzels „Das Eisenwalzwerk“ beginnt und mit Fragen nach nötigen Fähigkeiten in der neuen Arbeitswelt endet, schafft dies ganz hervorragend.

Die Ausstellung belehrt einen nicht, sondern schafft auf angenehme Weise, manchmal mit Anekdoten der technologischen Entwicklung, eine Wissensgrundlage zum Thema. Darauf aufbauend werden auch die gesellschaftlich relevantesten Fragen mitgegeben, die es zu klären gibt. Als ich da war, sah ich auch drei intensiv diskutierenden Schulklassen. Ein schönes Bild der Jugend.


Image: „Tagging Robot“ by Banksy, picture alliance, via Stiftung Historische Museen Hamburg)

Weiterlesen »

Netzpiloten @hub.berlin

Die hub.Berlin und der Big.Data.AI Summit machen das Konferenz-beliebte Berlin am 10. und 11. April wieder zum Treffpunkt für Zukunftsarbeiter. Es geht wie immer um Technologie, Big Data, Startups und Gesellschaft. Wir Netzpiloten sind zum dritten Mal als Medienpartner mit dabei und freuen uns auf die Begegnung mit 1.000 Startups, 350 Speakern und zahlreichen Besuchern in der Station Berlin.

Welche Speaker werden da sein?

Zu den Speakern gehören unter anderem Sabine Bendiek, Vorsitzende der Geschäftsführung von Microsoft Germany. Auch Bitkom-Präsident und Beiratsvorsitender von FlixBus, Achim Berg, referiert auf der hub.Berlin. Startups werden auf den Bühnen unter anderem von Kitchen Stories-Gründerin Verena Hubertz und Dr. Anna Lukasson-Herzig von der visuellen Suchmaschine Nyris vertreten. Für wissenschaftliche Erkenntnisse sorgt außerdem Prof. Andreas Dengel vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI).

Welche Themen und Formate erwarten dich?

Diese Bühnen erwarten euch auf der hub.berlin:

  • Red Arena & Black Arena: Die großen Köpfe der Branche teilen ihre Visionen und Erfahrungen in Keynotes, Panels und Interviews auf den großen Bühnen der Red Arena und der Black Arena. Freut euch auf Impulse zu smarten Technologien, modernisierter Gesellschaft und weiteren, spannenden Themen.
  • Innovation Stage & Discovery Stage: Innovative Produkte und Best Practise der Digitalisierung findet ihr hier. Auf den beiden Bühnen gibt es unter anderem spannende Vorträge über digitale Transformation und neuste Trends.
  • Auf vier großen Bühnen geht es im Rahmen des parallel stattfindenden Big-Data.AI Summit rund um die KI-zentrierte Zukunft.

Darüber hinaus bietet die hub.berlin einen großen Ausstellungsbereich, Networking-Spaces, sowie das Digital Arts Lab, einen kreativen Spielplatz für Besucher und Kreative.

Und sonst noch?

Alle Tickets enthalten sowohl Zugang zur hub.berlin, als auch zum Big-Data.AI Summit. Die Tickets sind übertragbar oder nicht übertragbar (dann mit günstigerem Preis). Für den halben Preis gibt es zudem den Second Day Pass. Nur noch kurze Zeit profitiert ihr von den Early Bird-Preisen, bei denen ihr bis zu 30 Prozent spart.

Bitkom-Mitglieder erhalten über den Promo-Code „bitkom-special“ übrigens 20 Prozent Rabatt. Startups können sich außerdem für einen kostenlosen Startup Pass bewerben. 

 

Weiterlesen »

Netzpiloten @solutions.hamburg

„Digitalisierung ist Teamsport!“ – Wir finden, das ist ein super Motto unter dem in diesem Jahr die solutions.hamburg vom 12. bis zum 14. September stattfindet. Wir Netzpiloten sind gerne mit dabei wenn sich drei Tage lang in einer von Hamburgs besten Locations – der internationalen Kulturfabrik Kampnagel – alles um die große digitale Transformation dreht. Veranstaltet vom Silpion Team werden in verschiedenen Vortragsräumen und Hallen alle Digitalisierungsinteressierten jede Menge Wissenswertes, Trends, Strategien und Lösungsansätze für Unternehmen im digitalen Wandel erfahren.

Was die solutions.hamburg so spannend macht? Das ausgefeilte Programm! Die drei Kongresstage sind unterteilt in drei Themenbereiche, sodass jeder auf seine Kosten kommt. Erlebt den Mittwoch im Zeichen des Strategy Day. Lasst euch hier zeigen, wie digitale Schlüsseltechnologien auf strategischen Ebenen zu erfassen sind. Der Donnerstag widmet sich ganz dem Thema innovative Technologien und Lösungsansätze aus den Bereichen Künstliche Intelligenz oder Virtual Reality. Den Freitag verbringt ihr mit Themen rund um die Technologie. Blickt gemeinsam mit Experten in die Gegenwart und Zukunft und erlangt praktisches Wissen für eure Arbeit im Unternehmen.

Welche Speaker werden da sein?

Die solution.hamburg fährt rund 500 tolle Experten auf. Das macht sie ganz klar zu einem der größten Digitalisierungskongresse. Wir sind gespannt auf inspierende Vorträge wie etwa vom Wissenschaftsjournalisten und Autor Ranga Yogeshwar, der seine Keynote direkt am Mittwoch halten wird. Zudem wird uns Dr. Markus Durstewitz – Innovation Manager bei Airbus – etwas zum Thema Design Thinking erzählen. Spannend wird auch der Vortrag von Jenny Kornmacher, der Projektleiterin der Hamburg Kreativ Gesellschaft, die uns neue Impulse für die Industrie liefern wird. – Und wir freuen uns natürlich auf unseren Blogger-Freund Sascha Lobo!

Welche Formate und Themen erwarten dich?

  • Erfahrungsberichte, Impulsvorträge, Workshops und Netzwerkveranstaltungen
  • Zukunft Kundenkommunikation
  • KI Revolution
  • New Work & Digital Collaboration
  • Blockchain
  • AI in Brand Management
  • Mensch und Technik im Wandel

Und sonst noch?

Mit mehr als 5.000 Besuchern und mit über 400 Sessions, erwartet die Teilnehmer ein immenser Input. Haushaltet schön mit euren Kräften und wählt gut aus ;) Tickets gibt es hier! Wir seh’n uns auf Kampnagel!

Weiterlesen »

Guilty Pleasure: Wirtschaftswandel-Bücher schmökern!

Ich gehöre zur Generation der Digital-Unternehmer, die um die Jahrtausendwende angefangen haben ihre Firmen zu starten. Mein guilty pleasure ist es von jeher, dass ich Artikel, Dokumentationen und Bücher verschlinge, die den großen Wandel der Arbeitswelt zum Thema haben.

Vermutlich auch deshalb, weil ich ganz unbescheiden hoffe, dass wir als Pioniere der sogenannten New Economy viele Akzente gesetzt hatten, die heute schließlich die Transformationsprozesse großer Firmen mitbestimmen. Wir wollten uns Mitte der 90er Jahre in absolut allem absetzen von der Old Economy. Wir kamen angezogen wie coole Fahrradkuriere in unsere Büros und spazierten in genau demselben Outfit in die holzgetäfelten Notarräume zur Millionen-Unterschrift.

Nichts konnte uns lässig genug sein, alles musste unkonventionell und total unverstellt daherkommen. Hohen EU-Beamten wurden beim Bürobesuch Sitzbälle angeboten. Meetings fanden im Stehen statt, im Treppenhaus, im Cafe, auf der Parkwiese. Sehr schnell ging uns die Selbstinszenierung in Fleisch und Blut über. Die begeisterte Ungläubigkeit der Old-Economy erfüllte uns mit Genugtuung. – Ich bin ganz froh, dass diese naive Zeit vorbei ist ;)

Selbstvergewisserung für die eigene Arbeitsbiographie

Wie gesagt: Wenn mir heute ein Buch in die Hände kommt, wo vorne draufsteht „12 überraschende Lösungen für Menschen, Wirtschaft und Gesellschaft“, bin ich sofort neugierig. Als wollte ich insgeheim nachschauen, ob aus dem gefeierten Work- und Lifestyle unserer Anfangsjahre etwas Sinnvolles geblieben ist.

Stefanie Kuhnhen und Markus von der Lühe, zwei sympathische Media-Macher (sie ist Geschäftsführerin einer Hamburger Kreativagentur und er macht ein Digitalisierungsfestival in München) spielten mir ihren neuesten Meta-Trend-Reader in die Hände. Sie haben in großer Fleißarbeit „Das Ende der unvereinbaren Gegensätze“ nachgewiesen. Ich fand das Buch inhaltlich sehr anregend, als Publikation aber etwas schwerfällig und recht altmodisch ediert. Empfehlen will ich es mit ein paar O-Tönen der beiden Autoren zu ihrem Wurf:

Markus von der Lühe und Stefanie Kuhnhen; Fotografie von Engels Uli Schneider
Hallo Stefanie, hallo Markus! Vorab eine Frage zur Form eures Buches: Was genau habe hier gelesen? – Ihr hantiert mit vielen wissenschaftlichen Erklärmodellen, ihr führt akribische Quellennachweise. Liest sich streckenweise wie eine Doktorarbeit.

Gute Frage! Was wir geschrieben haben, ist ein Ratgeber mit zwölf Handlungsanweisungen. Wir haben bewusst eine Mischung aus Theorie und Praxis gewählt. Denn der Metatrend, den wir beschreiben, basiert auf harten Fakten, Sekundärstudien und bekannten Theorien. Und um in die konkrete Beweisführung zu gehen, haben wir diese bewusst mit lebendigen und persönlichen Stories aus unserer Lebenswelt kombiniert. So hoffen wir, die beiden Pole Lesespaß und Seriosität auf neue Art und Weise zusammen zu führen.

Eure Beobachtung ist, dass große Spannungsfelder sich derzeit auflösen (z.B. Arbeit – Privatleben, Mensch – Technologie). Eure Schlussfolgerung daraus ist, dass wir alle uns ganzheitlicher wahrnehmen und integrativer agieren müssen. Richtig verstanden?

Richtig verstanden. Wir glauben daran, dass die digitale Transformation nicht damit getan ist, sich einfach systematisch zu digitalisieren. Sie wird die Verflechtung von „allem mit allem“ nach sich ziehen. Das heißt, man muss auch sich selbst ganzheitlicher wahrnehmen, um der Ganzheitlichkeit überhaupt Raum geben zu können. Das Leben besteht aus Ying und Yang, aus Entspannung und Dynamik, aus Hartem und Weichem, aus Natur und Technologie. Es gilt, dem allen viel mehr, viel multioptionaler gerecht zu werden. Das geht nur über Wahrnehmung, Werte und sich immer wieder neu fragen, was jetzt Sache ist. Also, was im Moment das Wichtigste ist. Wir plädieren für eine multioptionale, integrierte Denkweise, die unserem Leben in der ganzheitlichen Welt gerechter wird.

Jetzt meine geltungssuchende Frage: Würdet ihr den Startups der Jahrtausendwende zuschreiben, dass sie die Auflösung vieler der von euch beschriebenen Gegensätze eingeleitet haben?

Wir glauben nicht, dass die Startup-Bewegung sie alleine eingeleitet hat. Startups sind vielmehr das Symptom einer komplexer werdenden Welt, bei denen die Veränderungen besonders stark und frühzeitig zum Ausdruck kommen. Das ist auch ein Phänomen der neuen Gesellschaftsordnung, die gerade entsteht: Ursache und Effekt stehen in keinem klaren Zusammenhang mehr. Wir glauben aber, dass Startups ein wichtiger Teilbereich dieser Bewegung sind, die sich durch unsere Gesellschaft wie ein roter Faden zieht.

So gerne ich eurem harmonischen Leitbild folgen würde, kann ich die Auflösung der Gegensätze auf der großen Weltbühne nicht sehen. Die Trumps und Putins und die ganze Weltmacht Chinas stehen mit genau dem gegenteiligen Verhalten in vollem Saft. Macht mir eher bange. Euch nicht?
Image by Springer Verlag

Im Gegenteil: Trump, Brexit, Erdogan, AfD, Putin und die Datenschutzdebatte sind für uns eher Symptome einer sich radikal verändernden Gesellschaft und somit Übergangsphänomene. Wir spüren alle, dass die Welt, so wie wir sie kennen, für immer der Vergangenheit angehören wird. Das ist es, was den Menschen Angst macht.

Für uns sind die aktuell negativen, nationalistischen, despotischen Symptome jedoch auch Hoffnungsboten für eine neue Zeit. Denn wir sehen sie als Zwischenschritt auf dem Weg in das neue Integrierte, mit dem wir die großen Probleme der Zeit dann auch lösen können. Ganz bestimmt ist das eine Betrachtungsweise in einem 50-Jahre-Zeitraum – so, wie es bei Metatrends der Fall ist. Wir wollen bestimmt nicht sagen, dass alles gut und harmonisch ist. Wir wollen uns alle aber dazu aufrufen, uns für diese integrierte Sicht.

Das Buch „Das Ende der unvereinbaren Gegensätze“ ist erschienen im Springer Verlag und z.B. per Amazon zu bestellen (Provisionslink)

 

Weiterlesen »

@ Native Advertising Konferenz

Partnergrafik_2018_800x800_nativeads-camp

Es geht in die dritte Runde! Die Native Advertising Konferenz öffnet am 19.04. bereits zum dritten Mal seine Pforten. Die Konferenz lädt Fachleute, Interessierte, Brancheninsider und Neueinsteiger herzlich ein. Informiert euch über die aktuellen Trends des Native Advertising, deren Entwicklungen und Perspektiven. Tauscht euch über eure Erfahrungen aus und erlebt einen ganzen Tag voller spannender Themen rund um Native Ads im Kino Cinenova im Kölner Stadtteil Ehrenfeld. Hier werden Speaker die Kinoleinwände nutzen, um allen Teilnehmern ihre Vorträge zu präsentieren. Alles, was die Teilnehmer dafür tun müssen, ist, sich in den gemütlichen Kinosesseln zurückzulehnen und die Native Advertising Konferenz genießen.

Spannende Vorträge erwarten euch

Lernt an diesem Tag alles Wissenswerte über aktuelle Studien, Trends, Strategien und innovativer Platzierung von Content in Form von spannenden Vorträgen in den Kinosälen und den Podiumsdiskussionen. Euch erwarten Vorträge wie unter anderem:

  • Evolution! Transformation! Revolution? Über den Wandel im Bereich der Premium-Vermarktung
  • Kongruent oder Komplementär? Eine Studie zum emotionalen und inhaltlichen Fit
  • Podiumsdiskussion: Verlage oder Agenturen – Wer macht die besten Inhalte für Native Advertising?
  • Für Native Advertising texten wie ein „richtiger Texter“
  • Podiumsdiskussion: Native Advertising der Zukunft

Lasst euch von namhaften Speakern wie beispielsweise Kim Robertz vom Ebner Verlag, Nina Kennedy von VICE Media oder Matthias Wesselmann von fischerAppelt interessante Einblicke und Cases in ihren Bereichen geben. Euch erwarten die unterschiedlichsten Eindrücke aus zahlreichen Unternehmen. Zudem liefern Fallbeispiele, Anleitungen, Erfolgsgeschichten, Neuigkeiten und Analysen viel Inspiration. Ein umfangreiches Programm bietet für jeden die Möglichkeit das Beste mit in sein Unternehmen zu nehmen, um dies direkt in den Projekten und Kampagnen zu integrieren.

Schnell zugreifen

Wer Native Advertising aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten und ein Teil dieser informativen Konferenz sein möchte, der sollte sich hier unbedingt Tickets sichern. Ihr habt die Möglichkeit noch ein Early Bird-Ticket abzugreifen. Schnell sein lohnt sich, denn in diesem Jahr ist die Teilnehmeranzahl auf 250 Personen begrenzt. Also, ran an die Tickets!

Weiterlesen »

Handwerk 4.0: Die digitalen Klempner kommen

Workbench and Tools (adapted) (Image by Jeff Sheldon [CC0 Public Domain] via Unsplash) Handwerk 4.0

Die beste Autowerkstatt online finden? Den Fahrradreparaturdienst per Twitter anheuern? Klimaanlage im Netz planen? Die Digitalisierung der Handwerksbranche, auch Handwerk 4.0 genannt, läuft in Deutschland auf Hochtouren.

Handwerk 4.0 – was ist das eigentlich?

Angelehnt an das Prinzip der Industrie 4.0, heißt dies, dass Abläufe und Arbeitsprozesse im Handwerk zunehmend digitalisiert werden. Sprich: Was vorher Menschen erledigt haben, übernimmt nun ein Computer, beziehungsweise eine Software und irgendwann wahrscheinlich ein Roboter. Die Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz definiert den Begriff folgendermaßen:

„Handwerk 4.0 beschreibt Betriebsstrukturen, Arbeitsprozessabläufe, Produkte und Dienstleistungen von Handwerksbetrieben, die in einem bisher noch nicht dagewesenen Maß digital vernetzt, adaptiv wissensbasiert und aus Kundensicht höchst intelligent in Erscheinung treten.“

Ganz klar, die Handwerksbranche ist im Wandel. Das hat auch die Politik erkannt, und sieht offensichtlich Handelsbedarf. So hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie als Teil der Förderinitiative „Mittelstand 4.0 – Digitale Produktions- und Arbeitsprozesse“ das Kompetenzzentrum „Digitales Handwerk” ins Leben gerufen. Von Infoveranstaltungen über Webinare bis hin zu Lehrvideos. Hier können traditionelle Handwerksbetriebe wie Dachdecker oder Bäckereien Informationen rund um die Digitalisierung ihres Fachfelds bekommen.

Auch ein Blick auf die Branchenpublikation handwerksblatt.de bestätigt, dass Handwerksbetriebe sich zunehmend digitalisieren. Viele Veröffentlichungen widmen sich explizit dem digitalen Wandel der Branche. Neben einer ganzen Serie „Handwerk 4.0” werden zum Beispiel regelmäßig Artikel mit Titeln wie „Cyberangriffe auf Handwerksbetriebe” oder „Online-Shops lohnen sich auch für Handwerker” veröffentlicht.

Der starke Fokus auf die Digitalisierung des Handwerks ist jedoch keine Einbahnstraße. Sie ist auch eine Antwort auf verändertes – digitales – Kundenverhalten. Nach einer Umfrage der Gelbe Seiten Marketinggesellschaft läuft beispielsweise das Suchen und Finden von Diensten, auch von Handwerkern, zunehmend im Internet ab. Demnach:

  • recherchieren 80 Prozent der 18 bis 39-Jährigen im Web
  • suchen 42 Prozent der Deutschen nach Handwerkern zuerst online statt Bekannte zu fragen
  • werden 25 Prozent aller Anfragen ab 2020 online gestellt

Startups stürmen die Handwerksbranche

Gerade junge Gründer sind sich darüber im Klaren, dass die nächste Welle von Kunden die Digital Natives sind. Und die suchen, wie diese Zahlen belegen, nicht mehr im Telefonbuch nach einem Klempner. Das Handwerk 4.0 ist für diese Kunden keine Entwicklung. Es ist bereits die grundsätzliche Erwartungshaltung an die Branche.

Bastian Scherbeck, Andreas Schmidt und Peter Pawlitzek gründeten zum Beispiel ihr Startup Livecycle, weil ihnen der Service bei Fahrradreparaturen gelinde gesagt, „unterirdisch” erschien, wie sie im Interview verrieten. Der Kunde sei bisher kaum ernst genommen worden. „Wenn dein Fahrrad kaputt ist, musst du es selbst in die Werkstatt bringen und dann auch noch lange auf die Reparatur warten. Wenn das dein Haupttransportmittel ist, ist das eigentlich nicht akzeptabel“, sagt Bastian Scherbeck.

Bei Livecycle drehen die Gründer daher das Prinzip um: Die Handwerker kommen zum Kunden und reparieren das Fahrrad vor Ort. Alles von der Terminvereinbarung über die Preisfrage wird vorab online geregelt. Schneller, zeitsparender, billiger ist auch das Motto von Caroobi. Das Berliner Startup bringt auf einer Online-Plattform Autowerkstätten mit Autobesitzern zusammen. User geben hier ein, welche Reparaturen sie benötigen und können anschließend verschiedene Angebote online vergleichen – und direkt über die Webseite buchen. Damit wollten sie Autoreparaturen übersichtlicher, transparenter, flexibler und einfacher gestalten, sagen die Gründer.

Ein Wandel der klassischen Handwerksdienste

So machen gerade viele klassische Handwerksdienste wie das Bodenhandwerk, Malerbetriebe oder Dachdecker eine digitale Wandlung durch, oft angetrieben durch junge Gründer.

Robin Lanzer ist einer dieser Gründer. Der gelernte Farben- und Lackentwickler mit BWL-Studium arbeitet seit 17 Jahren im Handwerk. Mit seinem Startup Jeez will er den lästigen Baumarkt-Besuch überflüssig machen. Seine Idee ist dabei ähnlich wie der Ansatz von Livecycle. Wenn es für Kunden zu umständlich ist zum Baumarkt zu gehen, kommt eben der Baumarkt zum Kunden. Statt also selbst stundenlang von einer Abteilung zur anderen zu rennen, Farben, Bodenbeläge, Regale und Nägel zu suchen, kommen die Experten von Jeez zu den Kunden in die Wohnung. Die Beratung findet in den eigenen vier Wänden statt. Auch hier wird der Service im Netz gebucht, sodass Kunden so wenig Zeit und Nerven wie möglich verlieren.

Das ist ebenfalls der Ansatz von Stegimondo. Das Startup mit Sitz in Berlin positioniert sich selbst wiederum als „Der Online Dachdecker“ und wirbt mit Attributen wie Schnelligkeit, Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit um seine Dienste.

All diese Beispiele zeigen: Das Handwerk 4.0 ist keine Zukunftsvision, es ist bereits Realität. Einige Brancheninsider sind daher der Meinung, dass traditionelle Handwerksbetriebe nur zwei Optionen haben: Voll in die Digitalisierung einsteigen – oder untergehen.


Image (adapted) „Workbench and Tools“ by Jeff Sheldon (CC0 Public Domain)

Weiterlesen »

Können sich alte Industriekonzerne zu Plattformen wandeln?

Automobilindustrie(adapted)(Image by MikesPhotos[CC0 Domain] via Pixabay)

Das autonome Fahren sei nicht alleine beherrschbar, zitiert Spiegel Online den BMW-Chef Harald Krüger. Genauso sehe es bei neuen Mobilitätsdiensten aus, also bei der Frage, wie die Menschen sich künftig jenseits des eigenen Autos und des bekannten öffentlichen Nahverkehrs fortbewegen, etwa mit selbstfahrenden Shuttlebussen.

„Das Automobil als Wirtschaftsfaktor reicht nicht mehr. Die Branche muss sich neu erfinden. Denn künftig werden die Autokäufer von heute dank autonom fahrenden Fahrzeugen eher neue Mobilitätsdienste nutzen, um ihr Ziel zu erreichen – und diese verstärkt mit anderen Nutzern teilen“, schreibt Spiegel Online-Redakteurin Kristina Gnirke. Gerade bei der Entwicklung autonom fahrender Autos zeige sich jedoch, wie knifflig dieser Wandel für die Autohersteller wird. Bislang würde jeder Konzern lieber seinen eigenen Weg ausprobieren.

Abwehrschlachten nach alten Rezepten

Und nicht nur das. Die Lobbyisten, wie VDA-Präsident Matthias Wissmann ergehen sich in überflüssigen Abwehrschlachten zur Bewahrung alter Konzepte. Da werden dann mahnende Stimmen sogar als „Feinde des Verbrennungsmotors“ tituliert. Auf diesem Diesel-Niveau sollte man nicht weiter agieren und seine Zeit mit Software-Updates verschwenden, kritisiert D2030-Geschäftsführer Klaus Burmeister bei der Vorstellung des Memorandums ‚Der Zukunft eine Stimme geben‘ in Berlin.

‚Es geht nicht um den Diesel. Es geht darum, bis 2030 ein vernetztes Mobilitätssystem zu erfinden, welches intermodal mit allen Verkehrsträgern in der Lage ist, weltweit zu konkurrieren. Wie bekommen wir einen Wandel hin‘, fragt Burmeister.

Die Gestern-Orientierung von Auto-Lobby und Politik lässt sich auch am Bundesverkehrswegeplan ablesen.

Teer, Beton und keine Infrastruktur für autonome Mobilität

„Da werden bis 2030 fast 300 Milliarden Euro in Teer und Beton investiert. Nur 500 Millionen Euro gehen in die vernetzte Infrastruktur für autonome Mobilität. Da stimmt das Bild nicht“, so Burmeister.

Aber können die Industriekonzerne mit ihrer alten Ego-Logik überhaupt anders agieren? Das bezweifelt Professor Martin Kornberger im Netzpiloten-Interview. „Die Prinzipien des Marktes gelten unternehmensintern nicht.“ Da setze man auf Hierarchie, Fließband-Fertigung und Kommandowirtschaft. Es seien zwei Systeme, die parallel laufen. „Das Versprechen des Marktes soll durch das Gegenteil eingelöst werden. Dieser Widerspruch steckt tief in der marktwirtschaftlichen Theorie und kann nur schwer überwunden werden“, erläutert Kornberger.

Plattformen als Ausweg

Die Auseinandersetzung mit Plattformen sei ein Ausweg. „Es gibt dort Marktelemente, Freiheitsgrade und sogar starke soziale Bindungen. Es gibt Nutzer, die freiwillig mitmachen. Die Autoindustrie braucht ein Ökosystem, das insgesamt Mobilität erzeugt. Diese Herausforderung wird in Wirtschaftskreisen fast überhaupt nicht diskutiert. Das ist aber die komplementäre Seite zur Veränderung der Technologie“, betont der Organisationswissenschaftler. Man könne das nicht nur auf neue Antriebsverfahren reduzieren.

Die Verschiebung in diesem alten Machtgefüge wolle keiner angehen. Man verharrt in der überkommenden Logik. Uber sei vom Ansatz her richtig gewissen. In der Ausführung wirke das allerdings monopolisierend und sei genauso limitierend wie die etablierten Konzepte. Es wäre tausendmal spannender, wenn es dabei Pluralität geben würde. Können die alten Industriekonzerne die Transformation zu Plattformen überhaupt bewerkstelligen?

Kornberger ist skeptisch: „Die Beispiele aus der Wirtschaftsgeschichte belegen eher das Gegenteil. Die Kutscher haben nicht das Automobil erfunden. Genauso wenig waren die Eiswürfel-Lieferanten die Wegbereiter für Kühlschränke. Es steckt unendlich viel Beharrungsvermögen und Macht in den Strukturen. Da ist es einfacher, bis zur letzten Minute Schreibmaschinen herzustellen als zu versuchen, ins Computer-Business einzusteigen. Es passiert relativ selten, dass sich große Unternehmen neu erfinden.“ Das ist ein dystopisches Szenario für die Platzhirsche. Von Einzelakteuren erwartet Kornberger keine Änderungen.

Kollektives Handeln organisieren

Relevant seien einzig und allein organisatorische Stellschrauben. „Das ist etwas Kollektives und das stimmt mich optimistisch, weil man zum ersten Mal kollektives Handeln durch das Internet anders organisieren kann. Es ist viel einfacher geworden, sich zu vernetzen. Projekte wie Wikipedia sind dafür die besten Beispiele. Die Kreativität der Crowd kann schon sehr beeindruckend sein, wenn man sie richtig organisiert.“ Wie kann das traditionelle Management dort hinkommen? Unternehmen wie BMW operieren doch noch nach Methoden des 19. Jahrhunderts. Sie sollten sich diese Methoden anschauen und damit experimentieren. „Das ist nicht Rocket Science. Die Top-Manager sollten endlich ihre Kontrollverlust-Ängste ablegen“, empfiehlt Kornberger von der Lyion Business School. Ob die alte Führungsgarde die dafür nötige Imagination mitbringt, darf bezweifelt werden.

Anstellen und Einstellen – da liegt das Problem im Personalmanagement

Müssen Nachwuchskräfte mit einem anderen Denken rekrutiert werden? „Die ganze Idee mit Anstellen und dann Einstellen ist der Kern der Hierarchie. Der oder die Richtige soll für einen genau definierten Job gefunden werden. Im Netzwerk läuft das anders.“ Wann werde dort jemand mit seinem Wissen relevant? Das sei abhängig von der Resonanz, vom Kontext und nicht vom Organigramm. „Die individualisierte Personalauswahl in Unternehmen tut sich damit schwer. Auf Plattformen ist diese Frage ausgelagert. Die behandeln das sehr viel flüssiger und dynamischer“, resümiert Kornberger im Vorfeld der Kölner Fachmesse Zukunft Personal. Das Notiz-Amt wird dort am 19. und 20. September in Halle 3.1 Stand F27 zum #StudioZ verwandelt und in Interviews mit Experten des Personalmanagements weiter diskutieren.


Image(adapted)„Automobilindustrie“by MikesPhotos [CC0 Public Domain]


Weiterlesen »

Die Netzpiloten sind Partner des Digital Transformation Summit

Partnergrafik_DTS-2017

In Berlin findet am 26. und 27. September der Digital Transformation Summit statt. Im Zentrum stehen dabei die Durchbrüche, vor denen Unternehmen stehen, die unsere Welt revolutionieren werden und die Digitalisierung der Wirtschaft, die viele Marktteilnehmer zur Neuausrichtung ihrer Geschäftsmodelle zwingt. Beim Wandel in das digitale Zeitalter können dem deutschen Unternehmertum die Disruption, Innovation und die Etablierung einer digitalen Führungskultur helfen, um nur einige Schlagwörter zu nennen.

Der Digital Transformation Summit, ins Leben gerufen durch die WirtschaftsWoche, begleitet Unternehmer auf dem spannenden Digitalisierungsweg mit inspirierenden Praxisbeispielen und Best Cases, die die digitale Transformation beispielhaft vorangetrieben haben, ergänzt durch frische Energie der „jungen Wilden“.

Abwechslungsreiches Programm

Auf dem zweitägigen Programm stehe Vorträge, Panel-Talks, Fishbowl-Talks, Workshops und ein Digital
Playground. Die Redaktion der Wirtschaftswoche ist vor Ort und moderiert die Veranstaltung, außerdem könnt ihr das Geschehen live in Social Media verfolgen. Vor Ort sein werden Vorstände, Geschäftsführer und Inhaber bekannter Großunternehmen, marktführender Mittelständler und inspirierender Startups sowie Spitzenpolitiker und Experten aus Wissenschaft und Gesellschaft, die für den Blick über den Tellerrand sorgen.

Spannende Speaker und interessante Themen

Zu den Speakern, auf die ihr euch beim Digital Transformation Summit freuen könnt, gehören:

Die Location ist das zentral gelegene Microsoft Atrium in Berlin-Mitte. Hier kommt ihr zur Anmeldung.

Weiterlesen »

Netzpiloten sind Partner beim Global Digital Leaders Summit

Partnergrafik_logo_digital

Am 12. und 13. Juni 2017 findet in Berlin zum dritten Mal der Gipfel Global Digital Leaders Summit statt. Hierher kommen geladene Führungskräfte aus aller Welt, um von erfahrenen digitalen Führungskräften zu lernen. Der Veranstalter ist die Management Circle AG

Beim 3. Global Digital Leaders Summit erfahren Führungskräfte, wie sie dem digitalen Wandel sowie dem Management dieser Veränderungen Herr werden und wie sie ihre Führungskraft im Digitalen verbessern können. Außerdem lernen sie dort neue Strategien im Mobilen kennen und machen Kundenerfahrung neu erlebbar, um Wettbewerbsvorteile zu erzielen.

Sechs digitale Aufgaben und Kernthemen des Gipfels

  • Zukunft der Bereiche Marketing & Sales
  • Digitale Strategie & Transformation
  • digitale Marktführung
  • disruptive Innovation
  • Kulturmanagement & Änderungsverwaltung
  • Kundenerfahrung & der mobile Sektor

Die Besucher können an der renommierten Think Tank Acadamy teilnehmen. Außerdem öffnet das Open Dialogue Forum seine Tore, wo pulsierende Podiumsdiskussionen geführt werden können. Der 3. Global Digital Leaders Summit ist außerdem die perfekte Gelegenheit, um auf höchstem Niveau mit digitalen Experten zu netzwerken.

Die Location ist das Hotel Waldorf Astoria in Berlin.

Weiterlesen »

Windhunde und Cargo-Kulte schaden dem digitalen Wandel

network-1762507_960_720 (adapted) (Image by geralt [CC0 Public Domain] via pixabay)__

Gestern habe ich mich zum wiederholten Male über Berater-Luftpumpen geäußert, die einem jeden Tag irgendwelche Tschakka-Botschaften zum digitalen Wandel an den Kopf knallen. 

Es sind merkwürdige und zumeist nicht sehr geistreiche Gestalten. Sie hämmern Begriffe, PowerPoint-Folien, Best Practice-Beispiele, Benchmarks, Empfehlungen für das Prozessmanagement und technokratisch-ganzheitliche Werkzeuge in den Raum und bleiben dabei Diener des alten Systems. In ihrer Wissensanmaßung vermitteln sie Gewissheiten und goldene Erfolgsregeln mit der Halbwertzeit von Hustinetten-Lutschpastillen. Allein bin ich mit diesem Hilferuf nicht. LinkedIn sortierte den Beitrag zumindest in die Kategorie „Favoriten der Redaktion“ ein. Ein Bruder im Geiste ist auch der Capital-Kolumnist Martin Kaelble, dem das disruptiv-transformatorische-Startup-Gemurmel in Deutschland auf die Nerven geht. 

Hurra, wir haben ein Kreativ-Lab

Bald dürfte wirklich jedes größere Unternehmen eine Digital-Konferenz veranstaltet oder ein Kreativ-Lab etabliert haben. Kein Zweifel: Der Innovations-Hype ist in vollem Gange. Genau genommen hat er seinen Peak längst erreicht. Und ich bin mir ziemlich sicher: viele Manager haben langsam die Nase voll von dem ganzen Alles-Neu-Machen-Gequatsche.“ Die Digital-Dauerschwätzer hinterlassen verbrannte Erde. Und das ist eine gefährliche Gemengelage. Denn es ist ja nicht weniger wichtig geworden, sich damit auseinanderzusetzen.

Was macht man gegen den digitalen Flachsinn?

Gunter Dueck macht sich in seinem neuen Buch „Flachsinn – Ich habe Hirn, ich will hier raus“ Gedanken, wie man das ändern könnte. So einfach ist das nicht, denn jeder giert nach Aufmerksamkeit: „Berater verkünden uns den Segen ihrer Patentrezepte, die absolut nur sie selbst gegen Geld erklären können“, bei sich selbst aber nicht zur Entfaltung bringen. Shops wollen verkaufen, auch wenn es nur Luftmatratzen in Form von Orangen sind. Propheten und Idealisten missionieren uns. Event-Manager locken uns. Trolle hassen uns. Hohepriester retten uns. Einzelkämpfer bitten um Unterstützung, um das eigene Personal Branding nach vorne zu bringen. Motivationskünstler bringen auf Facebook Appetithäppchen, die man in voller Blüte nur in einer eBook-Serie mit 30 Folgen erlebt.

In Etappen kann man dann noch Zertifikate erwerben und sich zum Master der Motivation ausbilden lassen in sündhaft teuren Workshops in Schweizer Nobelhotels. Erste Qualifikationsstufe „Fürst“, dann folgt „König“, dann „Kaiser“, „Papst“ und irgendwie das Universum. Klar ist, der Mentor und Guru erfindet immer wieder neue Kategorien, um an frisches Geld der Jünger zu kommen, die auf der Suche nach dem Heiligen Gral der Coaching-Laufbahn sind und passives Einkommen in einer 4-Stunden-Woche verdienen wollen. Motto: „Lass andere arbeiten und werde reich im Schlaf“.  Es wimmelt von Opportunisten, „denen jedes Mittel recht ist, naive Marktteilnehmer auszunehmen“, kritisiert Dueck.

Jeder hat das gleiche Musterbeispiel-Unternehmen

Eine besondere Spezies sind die Prediger der so genannten „Cargo-Kulte“, die der Physik-Nobelpreisträger Richard Feynman in seinem Opus „Sie belieben wohl zu scherzen, Mr. Feynman“ metaphorisch einsetzt. Die neu-religiösen Heilsbewegungen der Südsee gehen mit diesen Kulten schon etwas tiefsinniger um. In der Auslegung von Feynman kennzeichnet es Versuche von Menschen, bestimmte Umstände genau so einzurichten, wie sie einmal waren, „als ein Wunder geschah“. Dann erwartet sie ein Wiedererscheinen des Wunders, was aber nicht eintritt, weil etwas Wesentliches beim Beobachten des Wunders nicht beachtet wurde. Also die Verwechslung von Ursache und Wirkung.

Im Kampf der Meinungen und Gegenmeinungen im Netz wimmelt es von Cargo-Kulten. Hoch bezahlte Berater leben von dieser Täuschung. Sie definieren zusammen mit dem Top-Management beispielsweise einen Soll-Status. „So soll es sein! Die hoch bezahlten Berater kennen nämlich irgendein kleines oder großes Unternehmen, wo es mit einer neuen Methode recht gut läuft. Den dortigen Status empfehlen sie allen anderen Unternehmen als ‚BEST PRACTISE“. Ich bin jetzt ein bisschen gallig, weil die verschiedenen Beratungsfirmen alle gleichzeitig auf dasselbe Musterbeispiel-Unternehmen verweisen“, schreibt Dueck.

Helden der Arbeit im Jahres-Kick-off

Schon hier müsste man stutzig werden. Gibt es wirklich nur dieses eine Unternehmen? Kennen alle Berater dieses eine Beispiel oder schreiben sie nur voneinander ab? Irgendwann geht es dann um ein Reifemodell, um Ist-Analysen in unendlichen Workshop-Sitzungen. Zum Schluss winken dann Strategie-Meetings mit folgenden Punkten: Wellness – Work-Life-Balance – Positives Umgehen mit Stress – Begeisterung für das Unternehmen empfinden – Erfolg macht glücklich und sichert die Arbeitsplätze. Im Jahres-Kick-off wird dann die Begeisterung in den Mittelpunkt des Managements gestellt, dazu werden Trommler und Paralympics-Sieger eingeladen, die den Mitarbeitern demonstrieren, wie praktisch jeder trotz extremer Widrigkeit noch Gold gewinnen kann. „Glückliche Helden der Arbeit werden im Video festgehalten. Die Gesundheit wird in Newslettern thematisiert. Jeder Woche erklärt ein gesunder Mitarbeiter, wie er sich durch begeisterte Leistung fit hält und selbst motiviert“, so Dueck. Auf den neuen Kaffeepötten in den Büroküchen steht „Success makes cool & happy“.

Digitales Placebo-4.0-Management

Man wird überflutet mit Placebo-Maßnahmen, die nichts anderes sind als billig Taschenspieltricks oder eben Cargo-Kulte. Datenbanken mutieren zu Big Data, alles Externe ist Cloud, gemeinsames Arbeiten tauft man „Collaboration“ und neue Jobtitel wie „Leader Mobile Work 4.0“ untermauern die weltweit führende Ausrichtung des Unternehmens. Jede Kritik an der digitalen Camouflage wird mit Nebel- und Blendgranaten bekämpft. Politik, Unternehmen und Beratung sind mit Cargo-Priestern durchsetzt, „mit Leuten, die sich als Auserwählte eines Cargo-Kults empfinden und ständig auf dem Tower zu ihren Ahnen beten“, führt Dueck in seinem neuen Buch aus. Dabei sei es nicht so einfach, die Windhunde zu erkennen. „Die professionellen Signalisierer sind oft schon verdammt gut.

Stream Smarts suchen

Dueck liefert Vorschläge, wie man sich von diesem sinnentleerten Wettlauf um Aufmerksamkeit verabschieden kann. Beispielsweise über „Stream Smarts“. Das sind Menschen, die gewisse Netzzentren von Diskursen bilden. „Sie stehen in dauerhafter Verbindung mit einer größeren Community und tauschen Wissen und praktische Erfahrungen aus. Wer sich in einem ‚Stream’ an den Diskussionen beteiligt und vielen anderen hilft, wenn diese Probleme haben, macht sich langsam einen Namen – in dieser Region des Netzes.

Gute Stream Smarts seien so etwas wie Vereinspräsidenten oder Gildenmeister im Netz, ohne dass je ein Verein, eine Zunft oder Gilde gegründet worden wäre. „Am besten spannen mehrere ‚Community Meister’ ein Netzwerk von tief Interessierten auf.“ Leider sind solche Stream Smarts rar. Aber man bekommt ziemlich schnell ein Gefühl dafür, in welchen Netzwerken solche Qualitäten geboten werden.

Ein weiterer Gedanke, den Dueck ins Spiel bringt,  ist viel schwieriger zu realisieren. Er gilt jenen Protagonisten, die mal schnell ein Digital Hub ins Leben rufen, subventionierte Büroflächen für Gründer freischaufeln und irgendwelche Startup-Kolonien in neuen Gewerbegebieten erschließen. Alle bauen irgendwelche Landebahnen und reden aufgeregt über die kommenden Flugzeuge. Es werde planlos mit Hoffnungen gehandelt. „Wir stehen natürlich noch am Anfang, aber die ersten Schritte sind gemacht. Die Richtung stimmt. Dies ist natürlich erste die erste Konferenz, wie wollen noch viel verbessern.“. Blablablub. Ohne Goethe und Schiller wäre aus Weimar nichts geworden. Ohne die Modersohns und Mackensens gelingt kein Künstlerdorf Worpswede. Ohne Qualität und digitale Exzellenz schafft man halt nur profane Cargo-Kulte. Hektischer Aktionismus – hohl und folgenlos. Das Notiz-Amt wird das weiter dokumentieren.


Image (adapted) network by geralt (CC0 Public Domain)


Weiterlesen »

FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

Follow me
  • RECHT heise: EU-Parlamentsausschuss billigt Verbot anonymer Online-Zahlungen: Der Innenausschuss (LIBE) und der Wirtschafts- und Finanzausschuss (ECON) im Europäischen Parlament haben dem Entwurf für die 5. Anti-Geldwäsche-Richtlinie zugestimmt, laut dem unter anderem anonyme Online-Zahlungen innerhalb der Europäischen Union verboten werden sollen. Die Grenze bei Transaktionen mit anonymen Prepaid-Karten wird auf 150 Euro herabgesetzt. Überdies müssen alle Transaktionsdaten bei Finanzdienstleistern mindestens fünf Jahre gespeichert werden. In den Ausschüssen wurde ein Änderungsantrag abgelehnt, mit dem die Höchstgrenze von 250 Euro bei Prepaid-POS beibehalten werde sollte. In einem nächsten Schritt wird das Parlament abschließend im Europäischen Rat mit den Mitgliedsländern verhandeln.

  • BUZZWORD t3n: Digitale Transformation erfordert einen Paradigmenwechsel: Unter dem Begriff Digitale Transformation, der häufig auch mit Digitaler Business Transformation gleichgesetzt wird, versteht man die Wandlung eines Unternehmens und der vorherrschend noch analogen Tools und Prozesse hin zu einer weitestgehend digitalisierten Abwicklung durch Nutzung modernster Technologien, wobei dieser Shift zum Teil massive strukturelle, prozessseitige- und auch mitarbeiterrelevante Auswirkungen haben wird und demnach aus drei Hauptkomponenten besteht: IT-Infrastruktur, Prozesse und Mitarbeiter. Diese Komponenten können auf zwei Bestandteile reduziert werden, da Mitarbeiter und Prozesse sehr eng miteinander verknüpft sind.< p>

  • APP Welt: Die Zeit der App ist vorbei – außer in Deutschland: Die App-Nutzung in Deutschland hat von Januar 2014 bis Dezember 2016 um 13 Prozent zugelegt. Das geht aus einer Erhebung von Adobe Digital Insights hervor, die das Unternehmen im Rahmen des Mobile World Congress (MWC) in Barcelona vorgestellt hat. Deutschland sei damit „Weltmeister in der Mobile-App-Nutzung“, heißt es in der Mitteilung von Adobe. Damit läuft die Entwicklung in Deutschland klar gegen den internationalen Trend: Weltweit ging die Zahl der App-Neuinstallationen der Erhebung zufolge im selben Zeitraum nämlich deutlich zurück.

  • DATA zeit: Internet der Kuscheltiere: Nach Sicherheitslücken bei Hello Barbie und dem umstrittenen Verbot der Puppe Cayla gibt es erneut Aufregung um vernetztes Kinderspielzeug mit Sicherheitsproblemen. Betroffen ist ein Teddy aus der Cloudpets-Reihe, der mit Kindern diskutieren kann. Leider entschied sich der US-Hersteller Spiral Toys dazu, sämtliche Account-Daten in einer offenen MongoDB-Datenbank abzulegen, wie der Sicherheitsforscher Troy Hunt berichtet. MongoDB-Datenbanken werden immer wieder falsch konfiguriert und ermöglichen dann den unbegrenzten Zugriff auf die Daten. Mittlerweile haben Erpresser die ungesicherten Datenbanken als Geschäftsmodell erkannt. Im Falle von Cloudpets fanden sich Daten zu 800.000 Accounts. Außerdem wurden Sprachsamples der Nutzer, in den meisten Fällen also von Kindern, abgelegt. Nach Angaben von Hunt enthält die Datenbank Verweise auf fast 2,2 Millionen solcher Audiodateien.

  • GOOGLE GoogleWatchBlog: Google startet versehentlich neue Plattform für Business-Videokonferenzen: Was wären große Unternehmen ohne Videokonferenzen? Nicht wenige Menschen mit einem Büro-Job befinden sich mittlerweile zu einem großen Teil ihrer Arbeitszeit in Videokonferenzen und nutzen die Möglichkeiten dieser neuen Technologien. Bisher dominiert vor allem Microsoft mit Lync und Skype diesen Markt, aber Google hat diesen Bereich schon vor längerer Zeit für sich selbst entdeckt und greift nun mit einem neuen Angebot an. Meet by Google Hangouts ist seit gestern Online und wurden von Google offensichtlich nur versehentlich angekündigt, denn sowohl die Ankündigung als auch die dazugehörige iOS-App sind wieder verschwunden. Das Angebot selbst steht aber noch offen bzw. es kann zumindest die Webseite besucht werden. Die Webseite erinnert aber weniger an einen Messenger als viel mehr an einen Desktop, den man durchaus den ganzen Tag auf einem großen Bildschirm geöffnet haben könnte.

Weiterlesen »

Netzpiloten sind Partner des Digital Advisory Board Summits 2017

Am 1. Februar 2017 findet zum zwdab-summit-cribb-posteiten Mal der Digital Advisory Board Summit in Hamburg statt.

Auf der eintägigen Konferenz dreht sich alles um das Thema „Transformation statt digitale Frustration. Das Ob ist beantwortet, aber das Wie stellt Herausforderungen“. Die Veranstaltung soll Unternehmenslenkern und Digitalexperten als Wissensplattform dienen, auf der fachlicher Austausch rund um die Hürden des digitalen Wandels ermöglicht werden soll. Erfolge und Schwierigkeiten der digitalen Transformation werden in Gesprächen, Vorträgen und Panel-Diskussionen von hochkarätigen Referenten beleuchtet und analysiert.

Insbesondere wird auf Fragen wie: „Wie erfolgt Wissenstransfer zwischen Startups und Konzernen“, „Wie erschafft man eine Unternehmenskultur für den digitalen Wandel“ und „Wie Führung in der digitalen Transformation funktioniert“ eingegangen. Des Weiteren wird die Relevanz der Datenfrage erläutert und Leadership-Modelle sowie Innovationsmethoden für die digitalen Neuerungen werden vorgestellt.

Veranstaltet wird der Digital Advisory Board Summit von Cribb, der Personalberatung für die Besetzung von Führungspositionen mit ausgeprägter Digitalkompetenz.

+++ RABATTAKTION +++

Für euch als treue Leserschaft der Netzpiloten gibt es mit diesem Code 20 Prozent Rabatt auf den regulären Ticketpreis: DAB17NETZPILOTEN

Einfach hier den Rabattcode eingeben und dabei sein! 

Weiterlesen »

Abschied von der Erbsenzähler-Ökonomik: Vom Wagnis des schöpferischen Studiums

Image Calculate by Peggy_Marco

Die Mainstream-Ökonomen markieren eine merkwürdige Kampflinie gegen die pluralen Ökonomen: Für einige Professoren ist es eine Horrorvorstellung, dass die „Pluralen“ in ihr Fach nun Marxismus, Gender-Theorie oder Postwachstums-Ideen einschmuggeln könnten.

„Die Vertreter der sogenannten Pluralen Ökonomen wollen die Wirtschaftswissenschaft sturmreif schießen“, sagt Joachim Weimann von der Universität Magdeburg nach einem Bericht der FAZ. Viele Pluralismus-Vertreter hätten einfach keine Ahnung. „Sie beherrschen die Sprache und die Methoden der Ökonomen nicht, obwohl sie diese ständig kritisieren“, sagt Weimann. Etwas ärmlich scheint die Replik, die sich immer noch in Kategorien der politischen Gesäßgeografie bewegt. Dabei gibt es gute Gründe, dass naturwissenschaftliche Gehabe der neoklassischen Wirtschaftstheorie mit ihrem pseudo-neutralen Habitus in Frage zu stellen.  

Wirtschaftswissenschaft auf Excel-Tabellen-Niveau

Das Notiz-Amt sieht die Notwendigkeit für eine Radikalkur an wirtschaftswissenschaftlichen Fakultäten. Die von den pluralen Ökonomen geforderte thematische Ausweitung des Studiums reicht dabei nicht aus. Es muss etwas anderes geben als die ökonomische Erbsenzählerei, bei der man die Bäume vor lauter Wald nicht erkennt. Es erscheint eine Flut von Fachartikeln, die alle im gleichen Stil verfasst werden: Diagramme, Excel-Tabellen, statistische Daten und pseudo-wissenschaftliche Prognosen durchfluten die Aufsätze, um an der akademischen Karriere zu feilen. Es fehlen sprachmächtige Analysen, großartige Monografien, verständliche Essays, diskursfördernde Utopien und geistreiche Einwürfe. Traditionelle Ökonomen sind nur noch langweilige Buchhalterseelen, die mit ihrer Empirie in den Rückspiegel schauen und Erkenntnisse für den Altpapier-Container produzieren.

Studium ohne Unterricht

BWL- und VWL-Studiengänge sollten wie Kunstakademien gestaltet werden. Diesen Vorschlag machte der Innovationsexperte Jürgen Stäudtner im #NEO16x Käsekuchen-Diskurs:

„Man hat an den guten Kunstakademien gar keinen richtigen Unterricht mehr. Es gibt ein Orientierungsjahr, in dem versucht man, seinen Weg als Künstler herauszufinden. Es wird erwartet, dass man sich die dafür notwendigen Fähigkeiten selber beibringt. Im Hauptstudium geht es dann rund drei bis vier Jahre nur darum, eigene Projekte durchzuführen, besser zu werden und an der Verbesserung seiner Fähigkeiten zu arbeiten.“

Leidenschaft für Veränderungen

Was an wirtschaftswissenschaftlichen Fakultäten fehlt, ist die Vorbereitung auf Unvorhergesehenes und die Leidenschaft für Veränderungen. Studierende an Kunstakademien brennen für ihre Themen: „Beste Voraussetzungen also, um eine Disziplin zu lehren, die junge Menschen zur eigenen schöpferischen Arbeit und künstlerischen Identität finden lässt?—?Kunst ist nicht lehrbar, wohl aber künstlerische Techniken, Methoden und Forschungsstrategien“, sagt Stäudtner. In drei bis endlos langen Jahren gehe es nur darum, eine eigene künstlerische Position zu beziehen und gegenüber seinem professoralen Mentor zu verteidigen. Viel Zeit, um Themen zu erproben und die Gesellschaft zu verändern.

Bestehende Grenzen und Beschränkungen des Denkens, Wollens und Handelns müssen gesprengt werden. Nur so kommt Neues in die Welt, ohne dem Gipsabdruck von karrieristischen Erbsenzählern der Ökonomik zu folgen.


Image „calculate“ by Peggy-Marco (CC0 Public Domain)


Weiterlesen »

Das war der Kindermedienkongress 2016

Am 14. November 2016 fand im Literaturhaus in München der Kindermedienkongress 2016  der Akademie der Deutschen Medien statt. Unter dem Hashtag #kimekon wurde während der Veranstaltung fleißig getwittert. Zum siebten Mal wurde dieses Event einberufen, es stand dieses Mal unter dem Motto „Snapchatter, Pokémon GO-Jäger und … Leser? Wie Content Kids auch morgen noch überzeugt“.

Erwachsene sind häufig besorgt über den Umgang, den schon kleine Kinder mit digitalen Medien haben. Zum Auftakt der Veranstaltung erklärte Prof. Karl Heinz Brisch vom Haunerschen Kinderspital der Ludwig-Maximilians-Universität in München in seinem Vortrag dazu, es sei für Kinder kein Problem, Umgang mit digitalen Medien zu haben. Voraussetzung sei aber, dass sie eine gesunde Bindung zu ihren Bezugspersonen entwickelt haben, also dadurch auch gelernt haben, in Verbindung und in Kommunikation mit ihrem Umfeld zu treten und Empathie zu entwickeln. Wenn Kinder keine gesunde Bindung zu ihren Bezugspersonen entwickeln konnten, kompensieren sie dies häufig durch Suchtverhalten, insbesondere Mediensucht. Der Umgang mit Medien ist für Kinder vor allem dann problematisch, wenn diese als Ersatz für die Betreuung, die Kommunikation und den Kontakt zu Bezugspersonen eingesetzt werden.

Lieblingsthemen von Jungen und Mädchen früher und heute

Axel Dammler, Geschäftsführer von iconkids & youth, dem größten deutschen Spezialinstitut für Kinder- und Jugendforschung, führte als Moderator durch den Kongress und gab den Zuhörern auch einen Überblick aus der Marktforschung über die Mediennutzungsvorlieben von Kindern und ihre Lieblingsthemenwelten. Generell lässt sich sagen, dass Unisex-Themen wie die Kinderserie Wickie nicht mehr so gut funktionieren. Die Disney-Heldin weist zwar auch klassisch weibliche Merkmale wie Mädchenhaftigkeit und Schönheit auf, sie verbindet sie aber mit einem rebellischen Charakter und einer Auflehnung gegen weibliche Stereotype. Auch die Eltern haben sich verändert. Sie sehen Problemen wie der Genderthematik, Süßigkeiten und digitalen Medien entspannter ins Auge. Eine spannende Anekdote, die der Jugendforscher erzählte, war der Fall Lego Friends. Für Mädchen bietet Lego im Handel spezielle Lego-Steine in mädchenfarben an. Dafür wurde das Unternehmen stark kritisiert. Der Markt der Devices, berichtete Alex Dammler, verschiebt sich in Richtung des Handys, Spielekonsolen rücken zunehmend in den Hintergrund, mit Ausnahme der Sony PlayStation, die multifunktional nutzbar ist.

Ebenfalls zu Gast auf dem Kindermedienkongress war Jörg Risken, Publishing Director Magazines der Firma Egmont Ehapa Media, die in Deutschland u.a. Magazine wie Barbie, Benjamin Blümchen und Micky Maus herausgibt. In seinem Vortrag rät er dazu, auf starke Marken, also starkes Storytelling zu setzen, um Marken und Lizenzen optimal zu nutzen.

Alex Dammler, Redner, Bühne, Speaker, Mikrofon
Axel Dammler, Geschäftsführer von iconkids & youth, führt als Moderator die Zuschauer durch das Programm.

Pixie-Bücher treffen auf Conny-Apps

Als nächstes schlug Mareike Hermes vom Carlsen-Verlag eher vertraute Töne an: das Hauptzugpferd der Carlsen Kindermedien seien nach wie vor die Pixie-Bücher in Print. Im digitalen Bereich konnte der Verlag mit den Conny-Apps Erfolge feiern, die als mobiles Vorreiterprojekt die Bestseller-Listen im App Store anführten. Aktuelles Digitalprojekt: Die Apps The Dark Ride und Mission X, die den Fokus auf den Text und hohe Storyqualität legen und die optimal auf das Lesen auf Smartphones mit vielen Unterbrechungen abgestimmt sind. In den Apps können Leser zwischen neun verschiedenen Storylines wählen. Permanent ist die Entscheidung gefragt, welche Storyline der Leser weiter verfolgen will. Damit bleibt er am Ball. Auf weitere Features wird weitestgehend verzichtet. Die App ist in mehreren Sprachen zu haben, aktuell nur für Apple aus technischen Gründen, Android folgt so bald wie möglich.

Mit Violetta aus den Kinderschuhen ins Erwachsenenleben

Nach dem Vortrag von Mareike Hermes begann Nico Wohlschlegel von Disney seine Präsentation. Für die Firma stehen die Community und Social Media an oberster Stelle. Nico Wohlschlegel sprach über Violetta, die erste Telenovela für Kinder und Tweens, die in den Jahren 2012 bis 2015 produziert wurde. Violetta ist auch ein spezielles Angebot für den Übergang von Kindheit zu Pubertät und hilft Kindern, in die neuen Gefühlswelten einzutauchen, die auf sie warten. Das wird in den Social-Media-Kommentaren deutlich.

Den vorerst letzten Vortrag vor dem Roundtable zum Thema „Internationale Best Cases für innovative Kindermedien“ hielt Louise Carleton-Gertsch. Die geborene Engländerin war u. a. ein Jahr als Chefredakteurin für das Kinder-Internetportal www.4kidz.de tätig und arbeitet nun freiberuflich in München. Sie präsentierte dem Publikum ein Best-of der internationalen, digitalen und interaktiven Kindermedien. Den Schwerpunkt legte sie auf Augmented Reality, was in etwa so viel bedeutet wie „erweiterte Realität“ und eine computergestützte Erweiterung der menschlichen Wahrnehmung bezeichnet. Weitere Kernthemen waren Storytelling, Branding und Kampagnenstrategien.

Nachgefragt: Ist YouTube das neue Fernsehen?

Anschließend stand auf dem Programm eine Kindertalkshow unter der Fragestellung: Welche Medien wünschen sich Kinder wirklich? Vier Jungen und vier Mädchen, alle zwischen acht und zwölf Jahren alt, sprachen über ihre Wünsche, ihren Alltag und welche Rolle Medien in dem Zusammenhang spielen. Leser und Nicht-Leser sich die Waage hielten. Während Fernsehen passee zu sein scheint, interessieren sich die Kinder heutzutage mehr für YouTube. Zwar findet sich in Kinderzimmern nach wie vor oft ein Fernsehgerät, es wird jedoch eher für Amazon Prime, Netflix & Co. genutzt, Kinder haben heute ebenfalls Zugang zu den genannten Streaming-Diensten und benutzen den Fernseher ebenfalls für Gaming. YouTube dient nicht nur der Unterhaltung, sondern wird von den Kindern auch als Informationskanal genutzt, beispielsweise um Rezepte mit Anleitung oder Basteltipps zu finden. Beliebt ist dabei außerdem die Funktion des Vorschlagens empfehlenswerter Videos. Dennoch stehen auch analoge Hobbys weiter hoch im Kurs, wie zum Beispiel basteln, malen, kochen und Sport.

Den abschließenden Vortrag hielt Astrid Kahmke vom Bayerischen Filmzentrum. Sie ging der Fragestellung nach, was es schon im Bereich Augmented Reality und Virtual Reality gibt. Weiterhin informierte sie die Zuhörer über alle Neuigkeiten von Tilt Brush, also das dreidimensionale Malen mit entsprechender Brille und Werkzeug, bis zur Playstation VR.

Weiterlesen »

D2030 – Die Initiative für ein gemeinsames Zukunftsbild

d2030-logo-image-by-klaus-burmeister

Wie in den meisten anderen Ländern Europas haben auch wir in Deutschland mit unseren Krisen zu kämpfen. Sei es die Flüchtlingskrise oder ein Berg voller Schulden, den es zu bezwingen gilt. Auch das leidige Thema des umstrittenen Datensammelns ist allgegenwärtig und lässt heikle Debatten über unsere Privatsphäre immer wieder aufkochen.

Wichtig ist es, dabei nicht nur die jetzigen Probleme vor Augen zu halten, sondern auch die Zukunft zu beachten. Beispielsweise ist das Thema Arbeit und Bildung ein sich immer verändernder Prozess, der neben den vielen Problemen in unserem Land nicht außer Acht gelassen werden darf. Wie wird der Berufsmarkt in Zukunft eigentlich aussehen? Wie wird er sich verändern und welche Berufe werden entstehen? Was hat der Wandel für Auswirkungen auf unsere Gesellschaft? Gerade für die nächsten Generationen ist es wichtig, auf diese Fragen einzugehen, denn diese lebt schließlich die Zukunft.

Allerdings ist das gar nicht immer so einfach, denn wir wissen nicht, welche Herausforderungen auf uns warten und welche Handlungsalternativen wir künftig haben werden. D2030 – eine politisch unabhängige Initiative – hat da eine ganz eigene Lösung für die Gesellschaft: Eine Landkarte für Deutschlands Wege in die Zukunft in Form einer Umfrage, die von der Initiative ins Leben gerufen wurde. Ziel war es, gemeinsam ein Bild von Deutschland für die Zukunft zu schaffen.

Klaus Burmeister, Gründer des foresightlab, beschäftigt sich eingehend mit den Herausforderungen für die Wirtschaft und Gesellschaft und gehört zudem zum Kernteam der Initiative D2030. Im Interview hat er uns genauer erklärt, wofür genau die Initiative steht, was sie auch für uns bedeutet und warum es vor allem so wichtig ist, dass wir uns alle Gedanken darüber machen:

Jennifer Eilitz: Kannst du uns bitte in wenigen Worten erklären, worum es sich bei D2030 handelt und wie es zu dieser Initiative gekommen ist?

klaus-burmeister-profilfoto

Klaus Burmeister: Wir wollen gemeinsam Nachdenken im Voraus. Wir wollen uns der Vielfalt und Komplexität von Deutschlands langfristiger Zukunft stellen und einen Beitrag leisten für ein vernetztes Denken. Wir, das sind Freunde und Organisationen aus unserem Netzwerk, die in unterschiedlichen Praxisbereichen tätig sind und dort jeweils ihre Erfahrungen gesammelt haben und diese einbringen.

Erstaunt waren wir, dass alle immer mal wieder über Zukunft reden, aber jeder über seine eigene. Es gibt schon viele Szenarien, aber keines, das mal Deutschland als Ganzes in den Blick nimmt. Behandelt werden jeweils einzelne Themen wie der demographische Wandel, die Ökologie, die Mobilität, die Energie, die Industrie oder jetzt die Migration. Wir finden aber, wir müssen versuchen, alles zusammenzudenken, um nämlich Antworten auf die dahinter liegende große Frage zu bekommen: Was macht Deutschland nach innen und außen zukunftsrobust? Alleine schaffen wir das nicht, dass war uns klar, deshalb haben wir die Initiative D2030 gestartet.

Wir sehen sie als eine Einladung zu einer gemeinsamen Zukunftsreise. Das Ziel heißt Deutschland 2030, und alle Reisebegleiter steuern ihr Wissen bei. Wir liefern mit der Szenariotechnik ein geeignetes Tool, um zukunftsrelevantes Wissen einzusammeln, zu sortieren und zu analysieren, um es schließlich als Open Source allen zur Verfügung zu stellen. Die Szenarien zeigen, wie die Zukunft aussehen kann, sie werden fundiert und plausibel Möglichkeitsräume aufspannen und eignen sich damit für eine Diskussion von alternativen Zukünften.

Welches Ziel verfolgt die Initiative mit dem Projekt und wieso sollten die Menschen an eurem Online-Dialog teilnehmen?

Wir möchten der Zukunft eine politisch unabhängige Stimme geben, Zukunft wieder verbinden mit den ganz einfachen Fragen, die so schwer zu beantworten sind, wie zum Beispiel die Frage danach, wie wir leben und arbeiten werden. Der Dialog ist eine Einladung dazu, er zeigt schnell, wie voraussetzungsvoll Zukunft ist. Er zeigt auch deutlich die Grenzen von Online-Dialogen, er ist ein Experiment. Es gibt nicht Gutes, außer man tut es, sagte schon Erich Kästner. Wir werden im nächsten Schritt dazu einladen, konkrete Zukunftsbilder bzw. Szenarien von Deutschland zu kommentieren und zu erweitern, um dann die Frage zu beantworten: Wenn dass die Zukunft wäre, was müssten wir dann tun?

Das Projekt D2030 läuft ja bis zur Bundestagswahl 2017. Wenn man aber mal weiter als 2017 denkt, dann würden wir gerne einen solchen Prozess alle paar Jahre wiederholen. Genau mit Fragen wie: Was haben wir falsch eingeschätzt? Was haben wir übersehen? Warum kam diese und jene Entwicklung viel schneller? Und wie kann man die Beteiligung besser ermöglichen? Eigentlich wird es dann erst richtig interessant, aber das ist noch Zukunftsmusik.

Ist der Anspruch, fundierte und plausible Zukunftsszenarien zu entwickeln, nicht zu hoch gegriffen für einen Online-Dialog, der jedem zugänglich ist?

Ist er, einerseits. Nur, was sollte die Alternative sein? Wir machen einen Anfang und wollen dabei den Blick auf das Ganze richten, soweit es geht jedenfalls. Andererseits liefert das methodische Vorgehen plausible Szenarien und unterstützt systematisches und vernetztes Denken. Dabei ist es wichtig, sich bewusst zu machen, dass Szenarien keine Prognosen sind. Szenarien vermessen und leuchten Möglichkeitsräume in der Zukunft aus, sie laden zur Diskussion ein und regen das Zukunftsdenken an. Wenn man über Zukünfte redet, so denken wir, sollte man wissen, über was man redet. Szenarien bieten Leitplanken für einen rationalen Diskurs, gerade in postfaktischen Zeiten.

Online geschaffene Meinungsbilder haben selten etwas mit der Realität zu tun (siehe Pegida, Trump, Social Bots, etc.). Wie schützt ihr euch vor Manipulation?

Schutz vor Manipulation? Nun, wir reden, wir argumentieren miteinander und der direkte Dialog, ist der beste Schutz davor. Wir verbinden bei D2030 so verschiedene Arbeitsformen und vernetzten viele Bürger, die an der Erarbeitung der Zukunftsbilder für Deutschland mitwirken. Neben den Online-Dialogen gibt es auch Offline-Formate wie Workshops und eine Konferenz. Es gibt das Kernteam, das entstanden ist aus den Initiatoren von D2030 und Menschen, die sich nach und nach dazu gesellt haben.

Zunächst haben wir einen Aufruf unter den Menschen gestartet, von denen die Initiatoren annahmen, diese könnte so ein Projekt interessieren. So haben wir gut 250 Zukunftsbotschafter, Experten und Bürger gewonnen, die die Idee gut fanden. Jeder der Lust hat, kann immer noch mitmachen. Wir setzen auf das Schnellball-System, was bisher schon ganz gut funktioniert hat. Auch die Netzpiloten tragen dazu bei. Dann haben wir Experten an Board, die uns inhaltlich und methodisch beraten. Wir sind ja keine Vollzeit-Aktivisten, sondern machen unsere Arbeit neben unseren Jobs. Die drei Online-Dialoge sind der Versuch, mehr Menschen die Möglichkeit einer Teilhabe zu ermöglichen.

Jetzt, im ersten Dialog, geht es darum, die Einflussfaktoren zu identifizieren und zu beschreiben, die die Zukunft von Deutschland maßgeblich bestimmen werden. Wer sich einmal den Dialog anschaut, sieht, da steckt viel inhaltliche Vorarbeit drin, und sie ist noch unvollständig. Deshalb kann man alles kommentieren, verwerfen und auch Faktoren benennen, die fehlen. Die Ergebnisse werden nach jedem Schritt veröffentlicht. Natürlich fließen die Antworten in die weiteren Prozessschritte auf dem Weg zu ganzheitlichen und in sich stimmigen Zukunftsbildern ein.

Im Anschluss an den ersten von insgesamt drei Online-Dialogen werden wir die kommentierten Einflussfaktoren zu sogenannten Schlüsselfaktoren verdichten. Hier helfen uns auch unsere Beiräte. Wir werden in jeder Veröffentlichung aufzeigen, wie wir dabei methodisch vorgegangen sind. Anfang 2017 werden wir – ganz klassisch mit der Szenariomethode – auf Basis der Schlüsselfaktoren Rohszenarien, in sich schlüssige Zukunftsbilder, entwickeln.

Die werden dann im zweiten Online-Dialog zur Diskussion gestellt. Die Beiträge und die Kritik fließen dann ein in eine anschauliche Beschreibung mehrerer alternativer, prinzipiell möglicher Szenarien. Diese Zukunftsbilder werden, wie die Wirklichkeit, auch Konflikte enthalten. Hier ein reines Öko-Szenario, dort ein Hightech-Szenario wäre zu stereotyp und unwirklich. Öko und Hightech könnten vielleicht auch gut zusammenpassen, genauso wie eine dezentral organisierte Maker-Community mit einem globalisierten Handel von Produkten und Lösungen. Bitte verstehe das als Beispiele, die einzelnen Bestandteile der Szenarien liefert unter anderem jetzt der erste Online-Dialog.

In den Szenarien werden Sie Deutschland mit seinen Herausforderungen, Konflikten und Optionen wiedererkennen, aber in die Zukunft des Jahres 2030 versetzt. Wir werden die Szenarien dann wiederum in einem beteiligungsorientierten Prozess diskutieren: Wenn das die Erwartungen sind, was kommt dann auf uns zu? Wie können wir darauf reagieren? Sind wir vorbereitet?

Wir kommen von den großen Treibern, den Schlüsselfaktoren, zu den plausiblen Zukunftsbildern, werden dabei immer konkreter und möchten zum Schluss gemeinsam beispielsweise darüber debattieren, was die Szenarien für die Arbeit und Bildung bedeuten, ob uns Industrie 4.0 die Wettbewerbsfähigkeit erhält, wie wir den Zuzug nach Deutschland bewältigen, in Zukunft die Energieversorgung regeln, uns fortbewegen, uns informieren und was hält das Land zusammen hält. Es liegt auf der Hand, dass wir nicht auf alle Fragen Antworten finden werden. Aber mit den Szenarien fokussieren wir den Blick auf 2030 und sehen, welche Handlungsfelder weiter oder neu gedacht werden müssen, wo es fehlt, aber auch welche Chancen wir haben.

Das tun wir dann im dritten Online-Dialog und auf der Zukunftskonferenz im Juli. Die zentralen Ergebnisse möchten wir in einem „Memorandum“ zusammenfassen und dieses vor der Bundestagswahl veröffentlichen. Es sollte nicht die aktuelle Tagespolitik kommentieren, sondern kompakt die Felder und Themen enthalten, die aus unserer Sicht langfristig behandelt werden müssen.

Ohne etwas vorwegnehmen zu wollen, werden es sicher auch Themen sein, wie wir mit den Veränderungen der Arbeitswelt umgehen, wie die Sozialversicherungssysteme zukunftsfest gemacht werden können oder wie Deutschland lern- und wandlungsfähig bleibt. Es kann dabei nicht um einseitige Forderungen an die Politik gehen. Es geht vielmehr um ein neues Denken, neue Kooperationsformen (Unternehmen und Makern), Experimente (lokale Smartgrids auf Basis von Blockchain), Diskurse (Was bedeutet Künstliche Intelligenz für die Zukunft der Arbeit), um einen Aufbruch, der im besten Sinne eigeninitiatives Handeln fördert und unterstützt.

D2030 ist eine Ansammlung von deutschen Männern mit akademischem Hintergrund. Kann ohne Diversität die Zukunft überhaupt erahnt werden?

Wenn ich mir die Welt malen könnte, sie sähe bunt und schillernd aus. So lange alte Männer etwas in Gang setzen, das Vielfalt nicht nur anstrebt, sondern als elementar versteht, so lange ist mir nicht bange. Aber es stimmt, die meisten von uns haben einen akademischen Hintergrund, und die Männer sind in der Mehrheit, leider. Wenn Sie sich aber die Liste der mittlerweile mehr als 250 Initiatoren, Fachbeiräte, Zukunftsbotschafter, Experten und Bürger ansehen, die D2030 unterstützen, sind darunter auch zahlreiche Frauen. Aber wir wünschen uns sehr, dass es noch mehr werden.

Wieso lohnt es sich deiner Meinung nach, eine auf Deutschland beschränkte Landkarte in Zeiten der Europäischen Union und Globalisierung zu zeichnen?

Eine völlig verständliche Frage. Wir haben Deutschland gewählt, weil wir hier leben und weil hier wichtige Entscheidungen getroffen werden. Beispiele: Der gerade mit Ach und Krach verabschiedete Klimaschutzplatz der Bundesregierung oder die Entscheidung von Daimler, drei Milliarden Euro in ein neues Dieselmotorenwerk zu investieren. Solche Entscheidungen weisen weit über Deutschland hinaus, genau so wie unser Blick, der natürlich global sein muss. Unsere Landkarte und die Szenarien sind der Versuch, die jeden Tag erlebbare Komplexität und Dynamik nicht zu ignorieren, sondern sie aufzugreifen.

Deutschland ist als ein gestaltbarer Zukunftsraum zu verstehen. Wir befinden uns in diesem Reallabor. Wir müssen die Laborausstattungen kennen, um überhaupt angemessen reagieren zu können. Es wird nicht den einen großen Versuch geben, die Zukunft zu beeinflussen, sondern viele und in ganz unterschiedlichen Versuchsanordnungen. Wenn man weiß, wohin die Reise gehen sollte, man eine Landkarte hat, ist das von großem Vorteil. Wir wissen aus eigener Erfahrung, wie es ist, wenn der eine fährt und die andere die Karte liest. Wir liefern deshalb auch nicht den Masterplan, den es auch nicht gibt, wir liefern den Konfliktstoff für den Zukunftsdiskurs und die Leitplanken, damit wir nicht aus der Bahn getragen werden.

Was ist für dich selber das wichtigste Thema, das du in eurem eigenen Online-Dialog angesprochen hast? Was hast du auf die Landkarte gesetzt?

Mich beschäftigt sehr viel. Ich werde unruhig, wenn ich mitbekomme, dass keine Diskussion darüber stattfindet, dass der Verkehrsminister mit dem Verkehrswegeplan 2030 rund 300 Milliarden Euro in Teer und Beton investiert. Wo bleiben da die Mittel für intelligente Mobilitätsinfrastrukturen, für postfossile, intermodale, Verkehre? Brauchen wir 2030 überhaupt noch diese Straßendichte? Wie könnten die Städte neu gestaltet werden, wenn durch beispielsweise Carsharing einfach weniger Fahrzeuge benötigt werden? Ich sage nicht, dass nicht auch Infrastrukturen erneuert werden müssen, ich weise nur daraufhin, dass wir bei begrenzten Mitteln bewusst in die Zukunft investieren müssen.

Aber wenn selbst die Automobilindustrie und sämtliche Innovationsexperten der Forschungsunion schweigen, macht mich das unruhig. Robert Jungk hatte der deutschen Politik bereits Anfang der 60er Jahre „Zukunftsblindheit“ attestiert, die Situation heute ist nicht besser. Auch die Rentendiskussion zeigt deutlich den Bedarf an einer langfristig angelegten Politikgestaltung. Wenn man dann noch die Automatisierungsdiskussion in den Blick nimmt, die meist unter dem Label „Industrie 4.0“ geführt wird, in der die einen die Position vertreten, Roboter schafften Arbeit, die anderen erwidern, sie vernichteten Arbeitsplätze, vermisse ich doch eine Debatte zur Zukunft der Arbeit auf der Höhe der Zeit. Es geht eben nicht um Industrie 4.0 allein. Wenn, dann geht es um eine Wirtschaft 4.0. Es geht um einen grundsätzliche Wandel der oft postulierten „Arbeitsgesellschaft“, der sich jetzt anschickt, Realität zu werden.

Den Unterschied zu früher sehe ich in der Automatisierung der Wissensarbeit. Sie trifft – das hat gerade David Autor in der Neuen Zürcher Zeitung noch mal deutlich gemacht – jetzt immer stärker den Mittelstand. Des Weiteren sind es die Fortschritte der Wissenschaft und hier der Künstlichen Intelligenz, die in Deutschland zu wenig diskutiert werden. Ich meine damit keine Kassandra-Diskussion, sondern eine, die die Vielfalt der systemischen Veränderungen zur Kenntnis nimmt und sich fragt, wie eine Gesellschaft darauf reagieren kann. Der Heizer auf der E-Lok wäre sicher eine unterkomplexe Antwort und das bedingungslose Einkommen nicht die Lösung für alle Fragen. Ja, das beschäftigt mich!


Image by Klaus Burmeister


Weiterlesen »

20 Jahre Forschung im Fraunhofer-Institut: Über die Zukunft der Arbeitswelt

Das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) feiert Geburtstag. Seit 1996 hat das Institut zusammen mit Partnern aus der Wirtschaft das Verbundforschungsprojekt Office 21 vorangetrieben. Die zentrale Frage war und ist dabei stets: Wie sieht die Zukunft unserer Arbeitswelt aus? Um diese Entwicklungen nicht nur in wissenschaftlichen Publikationen sichtbar, sondern auch tatsächlich erlebbar zu machen, wurde 1998 das Informations- und Demonstrationszentrum Office Innovation Center in Stuttgart gegründet.

Damit haben wir erstmals nicht nur ein Demonstrationszentrum für die Präsentation neuer Konzepte und Produkte zum Thema Bürogestaltung geschaffen, sondern auch eine Spielwiese, um die Tauglichkeit innovativer Bürolösungen im Detail zu evaluieren und weiter zu entwickeln“, sagt Professor Wilhelm Bauer, Initiator des Projekts und Leiter des IAO. Seit seinen Anfängen versucht das IAO damit am Puls der Zeit zu sein und Arbeitsszenarien der Zukunft zu erdenken. Hier ein Überblick über Meilensteine aus 20 Jahren IAO-Forschung.

2000: Von der Industriegesellschaft ins Wissenszeitalter

Die Zeit der Industriegesellschaft ist vorbei – wir befinden uns auf dem Weg ins Wissenszeitalter.  Mit dieser Prognose legt die erste Forschungsarbeit von Office 21 den Grundstein für den Weg in die digitale Ära. Die Autoren Hans-Jörg Bullinger, Wilhelm Bauer, Peter Kern und Stephan Zinser diagnostizieren in ihrer Publikation ‚Büroarbeit in der dotcom-Gesellschaft gestalten‘ einen Umschwung in der Arbeitswelt. Kohle und Stahl sind von gestern, die Rohstoffe der Zukunft heißen nun Wissen und Information. Kreativität löst das Fließband als Produktivitätsfaktor ab.

Damit werden auch Angestellte von isolierten Einheiten zu „Knowledge-Workern“,  die sich wie Nomaden in Netzwerken bewegen. Ihre neue Heimat ist ein Büro mit stetem und schnellen Zugang zu Wissen und Information. In ‚Büroarbeit in der dotcom-Gesellschaft gestalten‘ geben die Autoren Tipps für Unternehmen, wie sie diesen Wandel kreativ mitgestalten können – und wie ein Büro für den Wissensnomaden im neuen Jahrtausend aussehen könnte.

2003: Der Mitarbeiter als wichtigste Ressource

Der Faktor Mensch rückt in den Mittelpunkt der Arbeitswelt. Dies ist die zweite große Prognose, die das IAO macht. ‚Mehr Leistung in innovativen Arbeitswelten‘ lautet der Titel des Handbuchs, mit dem das Institut sich vor allem an Unternehmen richtet. Diese finden hier praktische Hilfen und erprobte Praktiken, um Mitarbeiter in Unternehmen zu motivieren. Dahinter steckt die Erkenntnis, dass der Mensch zur wichtigsten Ressource in Unternehmen geworden ist. Allein die Motivation, das Wissen und die Kreativität der Mitarbeiter entscheidet über Erfolg und Produktivität des Unternehmens. Das bedeutet auch, dass die Bedürfnisse der Mitarbeiter ernst genommen werden müssen. Ein netter Firmenwagen reicht dabei als Belohnung nicht mehr aus. Mitarbeiter fordern mehr Flexibilität, mehr Gestaltungsraum und mehr Entscheidungsfreiheit im Job.

„Change Management“ lautet das Zauberwort, das Office 21 in seiner zweiten großen Publikation vorantreiben möchte. Ausgelöst von neuen Büroformen, von bahnbrechenden Fortschritten in der Informations- und Kommunikationstechnologie und dem Wissen um den „Erfolgsfaktor“ Mensch, müssen Unternehmen umdenken. Wer in der Arbeitswelt der Zukunft erfolgreich sein möchte, muss demnach den „Wohlfühlfaktor Mensch“ ins Zentrum setzen.

2010: Büros werden grün

Unternehmen wollen nachhaltige Arbeitsplätze schaffen. In einem weiteren Meilenstein ihrer Büroforschung stellen die Wissenschaftler des IAO fest: „Es bestehen noch enorme Ausschöpfungspotenziale, um die ökologische Nachhaltigkeit im Unternehmen und in der Büroarbeit zu steigern.“ In ihrer Studie ‚Green Office‘ haben die Forscher deutsche Unternehmen nach ihren Vorstellungen zu nachhaltigen Arbeitsräumen befragt. Dabei antworten 42 Prozent der befragten Unternehmen, dass ihnen umweltfreundliche und ressourcenschonende Technologien sehr wichtig seien.

Das zeigt einen Wandel von rein profitorientierten zu ökologisch engagierten Unternehmen. Der Arbeitsort wird damit auch zu einem sozialen Ort. Mitarbeiter und auch Kunden ist es nicht mehr egal, wo sie arbeiten und welche Produkte sie kaufen. Der bewusste Konsument und Mitarbeiter will genau wissen, welchen gesellschaftlichen Beitrag ein Unternehmen leistet. Das entscheidet oft über den Kauf eines Produkts oder die Mitarbeit in einer Firma.

Wir identifizieren uns mehr mit unserer Arbeit und verlangen deshalb auch mehr Engagement von Unternehmen. Die Prognose für den Arbeitsplatz der Zukunft im Jahr 2010 war also sozial engagiert und ökologisch.

2012: Visionäre Arbeitswelten

Wie sieht unsere Zukunft in zehn Jahren aus? Dieser Frage gehen die Forscher im Office 21 in ihrer Studie ‚Arbeitswelten 4.0 – Wie wir morgen arbeiten und leben‘ nach. Die klare Vision: Unsere Welt wird digitaler. Das wirkt sich nicht nur auf unsere Arbeit aus, sondern auch auf unser digitales Selbst. Unser Erscheinungsbild im Netz ist unsere zukünftige Visitenkarte. Die Forscher sprechen von einer „digitalen Aura“.

Eine weitere Prognose ist die Dominanz von Cloud-Technologien. Unsere mobilen Technologien versorgen sich selbst mit Informationen. Je nachdem, wo wir uns befinden und wer wir sind, werden wir permanent mit für uns relevanten Infos versorgt. Auch wenn das für manche ein wenig zu stark an „Minority Report“ erinnert, sprechen die Forscher optimistisch davon, wie alles „nahtlos und drahtlos“ laufen wird.

Darüberhinaus gehen die Wissenschaftler voraus, dass ältere Arbeitnehmer weiterhin aktiv sein werden – gerade im Berufsleben. Ihr Know-how gilt demnach als wichtige Ressource für Unternehmen. Auch der Arbeitsplatz verändert sich: In zehn Jahren haben wir keine steifen Großraumbüros mehr, unser Schreibtisch ist dynamisch, arbeitsfreundlich und auf jeden Mitarbeiter individuell abgestimmt. Willkommen in der Arbeitswelt der Zukunft!

2014: Das Büro wird zum Coworking Space

Nachdem die Forschung des Office 21 sich sehr intensiv mit der Entwicklung des Büroraums beschäftigt hat, stellen die Forscher einen völlig neuen Trend fest: Weg vom klassischen Schreibtisch, hin zum gemeinsamen Arbeiten im Coworking Space. In ihrer Publikation ‚Faszination Coworking‘ gehen die Forscher auf das Erfolgsmodell Coworking ein.

Gerade die Offenheit solcher Arbeitsräume und die lose Organisation zieht immer mehr Unternehmen und Freelancer in Gemeinschaftsbüros. Hier scheint sich der Trend nach mehr Entfaltungsspielraum wiederzufinden. Arbeitnehmer können ihre Arbeitszeiten individueller gestalten und sich viel dynamischer mit Kollegen austauschen. Doch nicht nur das – gerade der Austausch mit branchenfremden Coworkern scheint die Kreativität in ganz neue Bahnen zu lenken. Es entstehen neue Businesskonzepte und ungeahnte Kooperationen. Der Coworking Space wird so zur kreativen Bastelstube der Arbeitswelt.

2016: Der Abschied vom Papier

In ihrer aktuellen Untersuchung ‚Digitales Arbeiten. Motive und Wirkungen papierarmer Arbeitsweisen‘ widmen sich die IAO-Forscher einem neuen Zukunftsthema, dem papierlosen Büro. Besonders im Augenmerk sind dabei die Zusammenhänge zwischen digitalem oder papiergestütztem Arbeiten und persönlicher Leistung. Also: Sind wir erfolgreicher, wenn wir alles mit Stift auf Papier notieren und Dokumente ausdrucken oder arbeiten wir produktiver, wenn unsere Notizen und Informationen digital bleiben?

Mit diesem Thema ist das Office 21 erneut einem Trend auf der Spur. Denn immer mehr Unternehmen haben die Vorteile des papierlosen Büros erkannt. Sie sparen damit nicht nur Druckkosten und schonen die Umwelt. Digitales Abspeichern von Informationen spart auch Zeit. Mitarbeiter können so ganz einfach und jederzeit per Cloud-Technologie auf Informationen zugreifen – von überall. So bleibt das Wissen in Unternehmen auch viel länger erhalten und ist für alle zugänglich. Die Forscher sind sich sicher: Das papierlose Büro kommt. Die Frage ist nur noch, wann es soweit ist.

Office 21-Forschung: Rückblick und Zukunftsperspektive zugleich

In 20 Jahren hat das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation die Entwicklung unserer Arbeitswelt sehr genau erforscht und dabei wichtige Zukunftstrends ausgemacht. Doch gerade auch im Rückblick lässt sich daran erkennen, wie wir langsam aber sicher den Wandel von der Industriegesellschaft zur digitalen Gesellschaft vollziehen.

Der Trend zur Wissensgesellschaft, die Digitalisierung unserer Welt und die Entwicklung von neuen Arbeitsformen sind dabei nur einige neue Trends in unserer Arbeitswelt. Die Forschung des IAO ist und bleibt damit auch weiterhin ein spannendes Barometer unserer aktuellen und zukünftigen Arbeitswelt.


Image “office” by Unsplash (CC0 Public Domain)


 

Weiterlesen »

Ohne bessere Finanzierung der Zivilgesellschaft scheitert der digitale Wandel

SAVE THE DATE Wir müssen über Geld reden - Unconference für die (digitale) Zivilgesellschaft - by Sebastian Haselbeck

Wann haben Sie das letzte mal für eine digitalpolitische Initiative gespendet? Wissen Sie, welche Mittel die digitale Zivilgesellschaft in Deutschland hat, im Vergleich mit Tierschutzorganisationen, dem ADAC oder ihrem Sportverein? Weil die Digitalisierung so rapide und tiefgreifend in unsere Gesellschaft eingreift, darf diese nicht nur von politischen und wirtschaftlichen Interessen alleine getrieben sein, es braucht auch eine starke Zivilgesellschaft, damit Deutschland die digitale Transformation erfolgreich und fair gestalten kann. Eine starke Zivilgesellschaft sichert Teilhabe großer Teile der Bevölkerung und schützt die Grundrechte. Dafür braucht sie eine solide Finanzierung, doch daran mangelt es.

Die Zivilgesellschaft aggregiert gesellschaftlichen Willen und Expertise abseits parteipolitischer Zwänge und wirtschaftlicher Interessen. Diese meist ehrenamtliche Arbeit kostet Geld. Die Vorstellung, der Motor unserer lebhaften Zivilgesellschaft würde allein von der Motivation und dem Schweiß selbstloser Idealisten angefeuert, ist ein Trugschluss. Gleichwohl mischen sich heute so viele Menschen ein wie nie zuvor. Viele ehrenamtlich engagierte Menschen tun dies zusätzlich zu einer Erwerbstätigkeit und haben oft mehr als nur ein gemeinnütziges Amt inne. Den meisten Organisationen der digitalen Zivilgesellschaft mangelt es an Ressourcen, um ihrer gesellschaftlichen Rolle nachhaltig und konsequent nachzugehen. Dabei ist eine aktive Zivilgesellschaft neben einer unabhängigen Presse ein ganz wesentlicher Bestandteil von Demokratie und Pluralismus, vor allem in Zeiten des Wandels.

Ohne Ressourcen keine Ideen

Mangelnde Ressourcen für die politische Arbeit und für Herausforderungen bei der kritischen Durchleuchtung der Treiber und Profiteure des Wandels der Gesellschaft, fehlende professionelle Koordination, Ressourcenmangel bei der Sicherstellung der Nachhaltigkeit von zivilgesellschaftlichen Engagement, Talentschwund und brachliegende Projektideen oder verpuffende Wirkung großartiger Ideen sind nur ein paar der Folgen. Vor allem in neueren Themenbereichen wie der Digitalisierung tun sich Vereine, Stiftungen und Initiativen besonders schwer, nachhaltig Mittel zu akquirieren.

Dies hat fatale Folgen für unser Land, denn nur eine aktive Zivilgesellschaft kann der Politik als fähiger Partner zur Seite stehen, gesellschaftlich nicht wünschenswerte Tendenzen kontrastieren und Gegengewicht für kurzfristige kommerzielle Agenden sein. Die Zivilgesellschaft ist meist getrieben von Idealen und langfristigen Vorstellungen, während viele Politiker und Konzerne in der Regel kurzsichtig agieren und die gesamtgesellschaftlichen Interessen nicht in dem gebotenen Maß berücksichtigen.

Beispiel Frequenzauktion: Als Rundfunkfrequenzen durch die Abschaltung des analogen Fernsehens frei wurden, kamen bei der Auktion nur eine Handvoll großer Konzerne zum Zug, zivilgesellschaftliche Initiativen wie Freifunk nicht. Überlegungen, diese Bandbreiten zum Erschließen von vom Internet ausgeschlossener Regionen zu nutzen (wie es beispielsweise in der snv-Studie dargelegt wird), wurden ignoriert. Der digitale Wandel birgt reihenweise unglaublich wichtige Themen und Chancen, die für unsere Gesellschaft langfristig von immenser Bedeutung sind. Doch im Gegensatz zu etablierten Politikfeldern gibt es keine ausreichend einflussreiche Stimme aus der Zivilgesellschaft für die digitalen Themen, die so neu, abstrakt oder technisch sind, dass häufig noch keine klassisch institutionelle Kapazitäten dafür zur Verfügung stehen.

Die Interessensgruppen einbeziehen

Neben der Wissenschaft und Forschung legt die transparente und vielfältige Beeinflussung von Politik durch Interessengruppen die intellektuelle Basis für politisches Handeln. Zu letzterem gehört auch eine gesunde, starke Zivilgesellschaft ähnlich wie etwa in den Bereichen Naturschutz, Bildung oder Sport, um gesellschaftlichen Ideen und Wünschen politisches Gehör zu verschaffen oder verschaffen zu wollen – Deutschland hat beim digitalen Wandel viel aufzuholen. Das können wir nur zusammen mit den vielen in der Gesamtgesellschaft verstreuten Gestaltern schaffen. Politik und der Wirtschaft müssen diese Gestalter auch institutionell einbeziehen. Notwendig ist auch auf den traditionellen Feldern der Zivilgesellschaft mehr Bewusstsein für digitale Themen. Beides zusammen kann auch die Finanzierungsproblematik mindern.

Das Magazin Politik Digital hat 2014 exemplarisch eine Umfrage in der Vereinswelt Berlins gestartet und sich erkundigt, wie es um die Finanzierung der digitalen Szene bestellt ist. Das Ergebnis: schlecht. Zwei Jahre später sieht es kaum besser aus. Während sich in anderen Ländern auch im Bereich der Digitalen Transformation längst eine Professionalisierung der Zivilgesellschaft entwickelt, wie man sie in hierzulande noch am ehesten aus dem Sportbereich kennt, sieht es in Deutschland eher mau aus.

Kaum eine Chance für die digitale Szene

Es braucht aber dringend mehr Bewusstsein bei Geldgebern und Bürgern für die Notwendigkeit, den digitalen Wandel auch zivilgesellschaftlich viel stärker zu fördern, damit dieser Bereich langfristig arbeiten kann und die teils horrenden Belastungen einzelner Freiwilliger besser zu stützen vermag. Der digitale Wandel scheint den Deutschen aktuell einfach zu wenig Wert zu sein. Konrad Lischka hatte das mal pro Kopf umgerechnet, die Situation heute ist wohl noch nicht besser.

Auch wenn sich in Deutschland kurzfristig wohl kaum einzelne Großspender für abstrakte digitalpolitische Themen und Initiativen finden werden, ist es dennoch notwendig, die Suche nach Mäzenen nicht aufzugeben. Genauso wie sich diverse industriegetragene Stiftungen etabliert haben, um die heutige Bundesrepublik gesellschaftlich mit zu gestalten, brauchen wir auch in den “neueren” Wirtschaftsbereichen mehr, größeres und vielschichtigeres Engagement in den finanziellen Größenordnungen von Mohn, Quandt, Krupp oder Albrecht. Darüber hinaus müssen sich auch öffentliche Fördermittelstrukturen stärker wandeln und den neuen Gegebenheiten anpassen.

Die Digitalisierung verlangt schnellere Finanzierungsvehikel, mehr Flexibilitäten, interdisziplinäre Ansätze und ein höheres Maß an Riskofreudigkeit, egal ob Investitionen, Grants oder Kofinanzierung durch die öffentliche Hand. Zu viele Gelder sind heute an unflexible und starre Fördervorgaben der analogen Welt geknüpft, die weitgehend in den Logiken der 80er Jahre verhaftet sind. Ganz konkret müssen in diesem Zusammenhang auch gesetzliche Bestimmungen her, um den Umgang mit öffentlich geförderten Unterfangen zukunftssicher, fair und transparent zu gestalten. Dazu gehören mehr flexible Ressourcen, aber auch Regelungen, die öffentlich gefördertes Wissen und wissenschaftliche Erkenntnisse für alle zugänglich machen.

Profi-Kampagnen statt verschleierter Lobbyarbeit

Die Unabhängigkeit von gemeinnütziger Arbeit darf auch in den digitalen Politikbereichen nicht unter einseitig vorhandenen Mittelstrukturen leiden. Wie bei allen anderen Themen erleben wir auch bei der Digitalisierung starke Interessenskonflikte, institutionelle ausgetragene Eigeninteressen oder verpackte Lobbyarbeit. Ein wichtiges Gegengewicht dafür ist eine professionellere Kampagnenarbeit, größere Sponsoring-Bereitschaft bei Unternehmen jenseits der großen IT-Multis und vor allem Spendenbereitschaft bei Einzelpersonen. All dies hängt stark miteinander zusammen, denn ohne entsprechende Aufklärungsarbeit bleibt die Komplexität digitaler Themen weiterhin ein großes Hindernis für breite Zugänglichkeit. Diese Aufklärungsarbeit kostet Ressourcen.

Auf einem Barcamp Mitte August, initiert von den beiden Autoren dieses Artikels, Christian Heise (u.a. Open Knowledge Foundation Deutschland e.V. und Förderverein freie Netzwerke e.V.) und Sebastian Haselbeck, soll erstmals dezidiert darüber gesprochen werden, wie sich die digitale Zivilgesellschaft bei der Finanzierung nachhaltiger aufstellen kann und welche Folgen, Auswirkungen und Einfluss von Tätigkeiten im Spannungsfeld zwischen Ehrenamt und Beruf entstehen. Das Unconference-Konzept wird derzeit noch in einem Etherpad finalisiert. Darin heisst es aktuell:

„Auch wenn mit der (digitalen) Zivilgesellschaft meist der Raum zwischen Staat, Wirtschaft und Gesamtgesellschaft gemeint ist, ist dieser Bereich aus vielen Gründen nicht wirtschaftsfrei. Professionelles zivilgesellschaftliches Engagement braucht eine stabile Finanzierung, um politische und legislative Prozesse langfristig begleiten zu können. Verglichen mit Bereichen wie etwa dem Umwelt- und Naturschutz ist die Spendenbereitschaft und -kapazität der Zivilgesellschaft beim Thema digitale Bürgerrechte deutlich geringer. Jeder neue Akteur in diesem Feld verschärft den ohnehin bestehenden Wettbewerb um finanzielle Ressourcen noch weiter. Auf der Suche nach neuen Geldquellen rücken auch Wirtschaftsunternehmen in das Blickfeld digitaler Bürgerrechtsgruppen. Auf dieser Unconference soll sich alles um die Fragen nach den möglichen Grenzen, Auswirkungen und Folgen wirtschaftlicher Durchdringung der (digitalen) Zivilgesellschaft drehen. Fragen wollen wir auch nach den Folgen und Auswirkungen beruflicher und ehrenamtlicher Tätigkeit zivilgesellschaftlicher Akteure sowie nach ethischen Aspekten der ehrenamtlichen Arbeit im digitalen Zeitalter.“

Interessierte können sich zur Teilnahme bereits per Facebook Event, im Pad oder per E-Mail anmelden. Vorschläge für einen Tagungsort sind natürlich noch willkommen. Auf der Veranstaltung sollen idealerweise Diskussionen darüber stattfinden, welche ethischen Grundsätze beim Sponsoring wichtig sind, wie Ehrenamt, Beruf und Privatleben vereinbar sind, wie groß die potentielle Konkurrenz um die wenigen Finanzmittel ist, wie erfolgversprechend thematische Fokussierung von Organisationen sein könnte und vor allem, wie bessere Außenkommunikation beim Fundraising helfen kann. Besondere Aufmerksamkeit könnte auch der Frage zukommen, welche hybriden Modelle aus GmbHs, Investoren, Stiftungen und Vereinen möglicherweise zukunftsweisend sein könnten.

SAVE THE DATE: Wir müssen über Geld reden – Unconference für die (digitale) Zivilgesellschaft

Dieser Text steht unter einer Creative Commons BY (Sebastian Haselbeck und Christian Heise) 4.0 DE Lizenz.


Image by Sebastian Haselbeck


Weiterlesen »

Interview: Ältere Generationen im Wandel der Arbeitswelt

Hands (Image by stevepb [CC0 Public Domain], via Pixabay

Die Digitalisierung geht so schnell voran, dass es gar nicht möglich ist, alle Entwicklung mitzubekommen und zu verstehen. Für ältere Generationen, deren Jugend und Berufsanfangszeit noch von der analogen Welt stattgefunden hat, ist es meist noch schwieriger, sich zurechtzufinden. Wie gehen diese Generationen mit dem stetigen Wandel in der Arbeitswelt um? Laura Geiger von der Fachgruppe Arbeits- und Leistungsfähigkeit im Institut für angewandte Arbeitswissenschaft (ifaa) hat sich Interview unseren Fragen gestellt.

Marinela Potor (MP): Ist es für ältere Generationen schwerer, sich auf eine Digitalisierung der Arbeitsprozesse umzustellen?

Laura Geiger (LG): Hier gilt es, zwei verschiedenen Aspekte zu beachten: Zum einen ist die ältere Generation nicht in diesem Maße mit Technik aufgewachsen, wie es die sogenannten „Digital Natives“ sind. Den Umgang mit digitalisierten Prozessen sind ältere Arbeitnehmer daher eventuell weniger gewohnt. Zum anderen spielt das kalendarische Alter eine Rolle: Gerontologen stellten fest, dass sich die Bedingungen und das Ausmaß effektiven Lernens mit zunehmendem Alter verändern. So kommt es beispielsweise vor, dass ältere Personen länger brauchen, um etwas Neues zu lernen. Dennoch gibt es für Lernen keine Altersgrenze. Beachtet man altersspezifische Besonderheiten, ist Lernen lebenslang möglich.

Hier kommen außerdem auch die Technik bzw. die digitalen Produkte/Arbeitssysteme selbst ins Spiel: Wenn diese so konstruiert wurden, dass sie intuitiv bedienbar und möglicherweise individualisierbar sind, dann sollten sie für Beschäftigte jeder Altersgruppe unkompliziert nutzbar sein.

MP: Sind Arbeitsplätze für ältere Arbeitnehmer, die sich eventuell nicht schnell genug umstellen können, eher gefährdet oder gibt es hier möglicherweise durch die Digitalisierung auch ganz neue Chancen für diese Generationen?

LG: Durch – in welchem Maße auch immer – digitalisierte Arbeitsplätze ergeben sich auch neue Möglichkeiten für ältere Beschäftigte: Im Alter verändern sich die sensorischen Fähigkeiten einer Person wie etwa Tasten, Hören und Sehen. Die Technik bietet die Chance, Arbeitsmittel an diese veränderte Sensorik anzupassen. Arbeitnehmer, die altersbedingt körperlich eingeschränkt sind, können durch bestimmte Hilfsmittel bei der Arbeit physisch unterstützt werden.

MP: Einige Experten sagen voraus, dass mit der Digitalisierung und Prozessen der Arbeit 4.0 ein Wandel viel schneller von Statten gehen wird als bisher. Das bedeutet: Wissen ist schneller überholt und wir müssen uns stets an neue Technologien anpassen. Heißt das, dass traditionelle Ausbildungen oder das Wissen, das ältere Generationen mitbringen schon bald überholt ist?

LG: Die Halbwertzeit von Wissen verkürzt sich, dies aber nicht erst im Zuge der Digitalisierung, sondern bereits seit längerer Zeit. Vor der „Industrie 4.0“ gab es auch eine „Industrie 3.0“. Es ist aber durchaus denkbar, dass sich Kompetenzprofile von Beschäftigten im Rahmen der Digitalisierung stark verändern werden. Die ifaa-Studie „Industrie 4.0 in der Metall- und Elektroindustrie“, welche im Sommer 2015 in Unternehmen der Branche durchgeführt wurde, zeigt: Die Befragten erwarten zunehmende Qualifikationsanforderungen für Akademiker und Facharbeiter.

Diese sich verändernden Kompetenzbedarfe sollten identifiziert werden, um dann Ausbildungsinhalte anzupassen.
Allerdings: Durch die fortschreitende Digitalisierung kann auch das Lernen im Prozess der Arbeit selbst immer besser stattfinden. Das informelle Lernen wird im Rahmen der Digitalisierung zunehmen. Dies bietet auch neue Chancen für Geringqualifizierte.

MP: Wie kann man die älteren Generationen auf diesen Wandel vorbereiten?

LG: Da die Digitalisierung keine ad hoc-Veränderung darstellt, sondern einen Prozess, ist eine Schritt-für-Schritt-Heranführung an Neuerungen möglich, wenn Unternehmen sich frühzeitig mit diesen Entwicklungen auseinandersetzen und ihre Mitarbeiter einbinden.


Image „Hands“ by stevepb (CC0 Public Domain)


Weiterlesen »

Bürgermeister schauen nach Konzepten außerhalb der Stadtgrenze

Los Angeles City Hall and sister cities signs(image by Cesarexpo(CC BY-SA 4.0))

Heutzutage sind Bürgermeister Botschafter des guten Willens, wirtschaftliche Schlichter und Vertreter des globalen Wandels. Als unser lieber Kollege und Mitbegründer des “Initiative für Städte”-Programms an der Universität von Boston, der ehemalige Bostoner Bürgermeister Tom Menino verstarb, erreichten uns viele Briefe in unseren Büros an der Universität von Boston. Ein inniges Beileid aus vielen Vierteln Bostons – Hyde Park, Roslindale, Dorchester – war erwartet worden. Aber die Briefe und liebevollen Erinnerungen von Staatsoberhäuptern, Gouverneuren, Botschaftern und zahllosen in- und ausländischen Bürgermeistern überraschten uns. Beide waren ein Testament für den Mann und den Anführer, zu dem er wurde, und eine Erinnerung, dass moderne Bürgermeister mehr als Helden ihrer Heimatstadt sind.

Meisterhafte Netzwerker im In- und Ausland

Die Bürgermeister sind heutzutage enger miteinander vernetzt, als es sich ihre Wähler vorstellen können.

Hier in den Vereinigten Staaten umfassen die nationalen Mitgliedsorganisationen für lokal gewählte Amtspersonen sowohl die United States Conference Of Mayors (USCM) als auch die National League Of Cities (NLC). Jeweils in den Jahren 1933 und 1926 gegründet, dienen beide als Lobbyisten auf Bundesebene und als Veranstalter und Abrechnungsstelle für Best-Practice-Methoden, obwohl sie sich im Aufbau ihrer Mitgliederstrukturen unterscheiden.

Die beeindruckenden Kameradschafts- und Verwandtschaftsbeziehungen, die es zwischen den Bürgermeistern gibt, werden auf diesen nationalen Konferenzen zur Schau gestellt, wobei informelle Gespräche unter vier Augen, das Netzwerken sowie die Beratung der Kollegen, gleichsam Teile des Tagesprogramms wie formale Präsentationen sind.

Die globale Zusammenarbeit zwischen Städten ist zudem nichts Neues. Es gibt hunderte von globalen Netzwerken, die Städte mit gemeinsamen Interessen und Zielen miteinander verbinden.

Das Partnerstadtprogramm wurde zum Beispiel durch den US-Präsidenten Dwight Eisenhower im Jahre 1956 gegründet und basierte auf der Vorstellung, dass die formale Bindung zwischen Städten über die Kontinente hinweg das kulturelle Verständnis fördert. Der Austausch zwischen Partnerstädten wurde über die Jahrzehnte fortgeführt. Die United Cities And Local Governments (UCLG) geht heute davon aus, dass 70 Prozent der Städte und ihrer Verbände an internationalen Partnerstadtprogrammen teilnehmen.

Die themenbezogenen Netzwerke sind eine mehr zeitgenössische Sache, die Themen von der Gegnerschaft zu Kernwaffen, zur Gegnerschaft zu Schusswaffen bis zu der Förderung von Kultur und Handel abbilden.

Am University College London zeigte Michele Acuto in seiner wissenschaftlichen Veröffentlichung “Stadtführung und Lokale Regierung” aus dem Jahr 2013 auf, dass es die Gegnerschaft zur nuklearen Aufrüstung war, die zur Gründung des weltweiten Netzwerks “Bürgermeister für den Frieden” im Jahre 1982 führte.

In den Vereinigten Staaten fanden die Bürgermeister Menino und Bloomberg, und hunderte ihrer Kollegen, ein gemeinsames Ziel um die Gewalt durch Schusswaffen zu bekämpfen und zu mindern und gründeten im Jahre 2006 “Bürgermeister gegen illegale Schusswaffen”.

Aber es war die Umwelt, die ein beständiges, katalysierendes Problem war.

Wie Acuto hervorhob, sind die Vereinten Nationen ein entscheidender Befürworter der Betrachtung der Umweltproblematik auf urbaner und lokaler Ebene. Heute gibt es eine Fülle von kommunalen Netzwerkern, die sich dem Klimawandel und der Nachhaltigkeit widmen: von dem weltweit aktiven International Council For Local Environmental Initiative (ICLEI) bis zu dem EU-zentrierten Konvent der Bürgermeister.

Ein in der Öffentlichkeit stehendes Beispiel ist C40, ein weltweites Netzwerk von Städten, das von Londons Bürgermeister im Jahre 2005 ins Leben gerufen wurde und sich gezielt für die Reduzierung von Treibhausgasen verpflichtete. Ursprünglich war C40 eine Zusammenkunft von sogenannten Megastädten – Städte mit einer Bevölkerung von über 10 Millionen Einwohnern – inzwischen ist die Mitgliedschaft auf 80 Städte angewachsen, inklusive 12 Städte aus den USA.

Das wohl neueste Bürgermeisternetzwerk ist das globale Parlament der Bürgermeister und das geistige Produkt von Ben Barber, einem Politiktheoretiker der City University von New York. Eine globale, selbstregierende Organisation, die vergleichbar mit der Konferenz der Bürgermeister ist (und tatsächlich damit verbunden) und sich agnostisch bei Problemen verhält und alle Bürgermeister ohne Bezug auf deren Prioritäten in der Politik begrüßt.

Aber eine kritische und wenig erforschte Frage bleibt: Wann sind diese Maßnahmen erfolgreich und warum? Unsere Forschung blickt auf eine eng verwandte Frage: Wie sehen die Beziehungen zwischen den Bürgermeistern selbst aus?

Eine Gemeinschaft der gegenseitigen Bewunderung

In einer Studie über die Bürgermeister in den Vereinigten Staaten, die wir im letzten Jahr an der Universität von Boston mit meinen Kollegen Katherine Levine Einstein und David Glick durchführten, fragten wir Bürgermeister nach ihrer Hauptquelle bei der Informationsbeschaffung für ihre Politik, nach Städten, bei denen sie nach Konzepten suchten, nach bestimmten Konzepten, die sie übernahmen und nach ihren Arbeitsbeziehungen.

Wenn Nachahmung die ehrlichste Form der Schmeichelei ist, dann strahlen Bürgermeister in gegenseitiger Bewunderung. Anders als Geschäftsführer sind Bürgermeister begeisterte Nachahmer und ahmen eher Verbündeten denn heftigen Konkurrenten nach.

Nur von in ihrem eigenen Stab übertroffen, verlassen sich Bürgermeister auf andere Bürgermeister bei der Informationsbeschaffung für die Politik. Gleichzeitig liegen ihre stärksten Arbeitsbeziehungen in denen mit den umliegenden Städten. Diese werden nur von den Arbeitsbeziehungen zur Geschäftswelt übertroffen.

Wenn sie konkret nach den Namen von Städten gefragt werden, wo sie ihre Konzepte und zudem die Art der Maßnahmen, die sie von anderen Städten übernahmen, gefunden haben, schrieb jeder Bürgermeister mit Leichtigkeit eine Liste. Die Bereitschaft der Bürgermeister Bindungen jenseits der Stadtgrenze und oft weiter als die unmittelbaren Sorgen der Wählerschaft zu schaffen, ist bezeichnend.

Was ist ihre Motivation für das regionale, nationale und weltweite Netzwerken? Wir würden behaupten, dass der Kontakt mit guten Konzepten, die in der Heimat nachhallen könnten, die bürgermeisterlichen Kooperationen weiter anregen.

Nach bestem Wissen ist unsere Studie mit US-amerikanischen Bürgermeistern, die wir kürzlich als Menino-Bürgermeisterstudie Bürgermeister Menino widmeten, die einzige mit dem systematischen Ansatz, eine repräsentative Stichprobe von Bürgermeistern und den Quellen ihrer Inspiration und den spezifischen Konzepten, die sie von ihren Kollegen übernahmen, zu erheben.

Tatsächlich waren die Bürgermeister, mit denen wir sprachen, äußert begierig die Ergebnisse dieser Studie kennenzulernen, da diese die einzigen Fragen beinhaltete, die wir in den Menino-Studien von 2014 und 2015 wiederholten. (Die Ergebnisse der Studie von 2015 werden am Treffen der “Konferenz der Bürgermeister der Vereinigten Staaten” im Januar 2016 herausgegeben)

Welche Konzepte überschreiten die Grenze?

Die geliehenen Konzepte rangieren dabei von großformatigen Investitionen wie in Nahverkehrsprojekt wie den Bus-Rapid-Transit (bei dem Busse ausschließlich auf speziellen Busstrassen fahren) und erhöhten Parks bis zu bescheideneren Anstrengungen, wie den Treffen von Bürgermeistern aus der Region oder Sommerarbeitsprogramme für Jugendliche.

Vielleicht war es jedoch wichtiger, dass wir herausfanden, dass jene Städte bei denen US-amerikanische Bürgermeister nach Konzepten suchen, sich enorm in der Größe der Stadt, in der Parteizugehörigkeit des Bürgermeisters und im Reichtum der Stadt, unterscheiden und sowohl inländische als auch ausländische Städte von Boston zu Dublin bis Hyderabad mit einschließen.

Unsere Studie zeigte interessanterweise, dass es keine einzige Stadt gibt, die überproportional die Politikkonzepte der Bürgermeister beeinflusst.

Eine weitere Frage bleibt: Können Städte und Bürgermeister erreichen, was die Nationalstaaten nicht können?

Die Zusicherung der Städte den Klimawandel zu bekämpfen – so auch der recht neue Bürgermeisterpakt – beinhaltet enorme Versprechen, die der Rolle, die die Städte bei den Emissionen spielen, entsprechen. Jedoch könnte es schwierig sein, die Wirkung dieser Versprechen ohne bessere Werkzeuge zur Feststellung der Reduktion von Emissionen, zu messen.

Wie bereits eine weitere Kollegin der Universität von Boston, Lucy Hutyra, mit ihren Kollegen in einem kürzlich erschienenen Kommentar im Nature-Magazin herausstellte, ist die Setzung von Emissionszielen nur ein erster Schritt. Sie und ihre Mitautoren argumentieren, dass Städte umfangreiche und vergleichbare lokale Emissionsdaten und Werkzeuge brauchen, die das Kartieren von Emissionen auf genauere Maßstäbe von Raum und Zeit ermöglichen und die die menschliche Dimension bei Karbonemissionen wiederspiegeln. Denken Sie an Straßen, Parks oder einzelne Gebäude.

Nur dann können Städte die Wirkung einzelner Methoden abschätzen, gezielte Einflussnahmen fördern und Fortschritte überwachen. Nur dann werden sie wissen, ob die Konzepte, die sie austauschten und die Anstrengen, die sie unternahmen, wirklich bedeutsam waren. Bürgermeister können große Ziele haben und Teil der globalen Agenda sein. Aber sie werden danach beurteilt, was sie zu Hause erreichen.

Bürgermeister Menino hatte den berühmten Spitznamen: der “Städtische Mechaniker”. Er beurteilte sich selbst nach den Wegen, inwiefern er das Leben der Leute verbesserte, wie sauber die Straßen und Wasserstraßen blieben, und wie die Qualität der Schulen war. Er wusste, wie viele seiner Kollegen, dass es die menschliche Dimension war, die am wichtigsten war.

Dieser Artikel erschien zuerst auf “The Conversation” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Teaser & Image “Los Angeles City Hall and sister cities signs”(adapted) by Cesarexpo (CC BY-SA 4.0).


The Conversation

Weiterlesen »

Facebook-Nutzer wechseln zu Instagram

iPhone (adapted) (Image by helloolly [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Die jüngeren Nutzer von Facebook finden Zuckerbergs soziales Netzwerk schon lange nicht mehr trendy. Eine neue Umfrage ergab, dass in den USA immer mehr Nutzer Facebook für andere Anbieter verlassen. Die Facebook-Tochter Instagram lockt immer mehr Nutzer an. Die Studie der Firma Frank N. Magid Associates zeigt, dass Facebooks Popularität in den letzten zwei Jahren um zehn Prozent gesunken ist. Als Reaktion wurden von der leitenden Mitarbeiterin Sheryl Sandberg Durchhalteparolen ausgegeben. Sie kommentierte, dort soll sich noch immer tagtäglich ein Großteil der Jugendlichen aufhalten.

Facebook: Für Minderjährige nicht zeitgemäß

Facebook altert vor sich hin. Was viele Medien in den letzten Monaten immer wieder behauptet haben, wurde nun von einer Umfrage aus den USA belegt. Instagram soll die jüngere Generation einfach besser für sich einnehmen. Zuckerberg hat den Trend vor einigen Monaten erkannt und versuchte neben Instagram auch die Sexting-App Snapchat zu kaufen. Die haben aber abgewunken. Google wollte Facebook im November letzten Jahres überbieten. Sie boten den Eigentümern statt drei sogar vier Milliarden Dollar an. Die Übernahmepläne von Google wurden aber nie offiziell bestätigt.

Entwicklung erstmals vor 14 Monaten erkannt

Einer der Finanzmanager von Facebook, David Ebersmon, soll die Abwanderung der jüngsten Teilnehmer bereits im Oktober 2013 erkannt haben. Seine Kollegin Sheryl Sandberg weist dies zurück. Nach ihren Erkenntnissen melden sich die meisten Minderjährigen bis heute tagtäglich bei Facebook an. Die drei größten Netzwerke weltweit sind übrigens Facebook, deren Tochter Instagram und last, but not least Twitter. Die drei Giganten scheinen dauerhaft bezogen auf die Anzahl der Nutzer stabil zu laufen. Auch sonst gehen Mark Zuckerberg kaum Kunden verloren, weil dem Konzern auch der Instant-Messaging-Dienst WhatsApp gehört. Diverse Jugendliche hat es statt Instagram dort hin verschlagen.

Instagram: Wert steigt auf 35 Milliarden US-Dollar

Neu ist auch die Ankündigung der Citigroup, die den Wert des Foto-Netzwerks Instagram auf 35 Milliarden US-Dollar beziffert. Die Betreiber gaben kürzlich bekannt, man habe bei Instagram die Grenze von 300 Millionen aktiven Nutzern überschritten. Alleine am Tag der Veröffentlichung der Android-App wurden im April 2012 bei Google Play eine Million Downloads gezählt. Instagram rüstet auf um dauerhaft konkurrenzfähig zu bleiben. So wurden neue Maßnahmen zur automatischen Beseitigung von Spam-Accounts eingeleitet. Zudem erscheinen mehrere neue Filter für Bilder und weitere Features.


Image (adapted) „IPhone“ by helloolly  (CC0 Public Domain)

 


 

 

Weiterlesen »

Wie Manager in dynamischen System scheitern

Wie wichtig das Internet ist, haben die deutschen Unternehmen verstanden. Nur können sie mit dieser Erkenntnis überhaupt nichts anfangen. // von Gunnar Sohn

internet

Die Systemarchitektur der digitalen Netzwerke hat die Spielregeln der Wirtschaft schon längst verändert, bemerkt Professor Peter Kruse in einem Vortrag über den Wandel der Arbeitswelt.

Der Organisationswissenschaftler spricht von einer nicht mehr überschaubaren Vernetzung vieler Teilnehmer, die zu hohen Spontanaktivitäten und Aufschaukelungseffekten führt. Neue Geschäftsmodelle wie WhatsApp können etablierte Geschäftsmodelle in kürzester Zeit pulverisieren. Ablesbar an den sinkenden SMS-Umsätzen, die vor allen Dingen die liebwertesten Gichtlinge der Telekommunikation in den Wahnsinn treiben. Da kann sich Günther Oettinger als „digitaler Irrläufer“ der EU-Kommission noch so viele Maßnahmen ausdenken, um den Netzbetreibern ein Ruhekissen zu verschaffen. Vorhersagen kann man solche Entwicklungen nicht.

Weiterlesen »

Weiterlesen »

Eine innovative Gesellschaft muss die Digitalisierung nutzen

Working offline, sort of (adapted) (Image by dhaun [CC BY 2.0], via flickr)

Vor einigen Tagen saß ich mal wieder mit zwei Laptops und meinem Smartphone auf dem Sofa, vertieft in Tablet-Testberichte. Kein ungewöhnlicher Abend für mich, muss ich gestehen. Bei Treffen mit Kollegen ist der größte Konflikt oft die Steckdosenverteilung. Wenn jemand vorbeikommt und nach einem Stift fragt, durchsuchen wir meist erfolglos unsere Taschen. Keiner von uns erinnert sich, wann er das letzte Mal mehr als ein paar Stichworte per Hand geschrieben hat. Diesmal aber hielt ich inne, um über mein Technikverhalten nachzudenken. Warum? Kurz vorher, war ich zu Besuch in einer Parallelwelt gewesen.

Digitaler Kulturzusammenstoß – Innovation braucht Smartphone und Bleistift!

Natürlich war mir immer klar, dass ich mich in einer digitalen Extremsphäre bewege. Und genauso weiß ich, dass nicht jeder morgens nach dem Aufwachen direkt seinen Newsfeed checkt und dass es Menschen gibt, die den Preis von Briefmarken kennen. Ich schreibe ständig über digitale Spaltung, über (N)Onliner und unterschiedliche Internet-Nutzertypen. Wie können wir möglichst von allen Gruppen unserer Gesellschaft Ideen erfragen und zusammenbringen? Wie können wir gemeinsam Probleme lösen und politische Prozesse gestalten? Bei der Antwort auf diese Fragen ist ein Element immer vorhanden: Die Kombination von Online- und Offline-Methoden. Kein Problem dachte ich bisher. Solange wir es schaffen, Ergebnisse aus verschiedenen Kanälen zu integrieren, sollte der gesellschaftlichen Innovation nichts im Wege stehen.

Doch das ist zu einfach gedacht. Ich hatte unterschätzt, wie groß diesbezüglich die Kulturunterschiede sind in unserer Gesellschaft und was das für Konsequenzen hat für die Zusammenarbeit – auch auf derselben Seite klassischer digitaler Gräben. Richtig bewusst geworden ist es mir erst, als ich durch einen Konferenzbesuch einen Tag außerhalb meiner Digitalblase verbrachte.

Digitale Blasen und analoge Parallelwelten

Meistens bin ich auf Veranstaltungen, auf denen ein Großteil der Teilnehmer mich wie einen digitalen Gelegenheitsnutzer aussehen lässt. Es gibt mehr Twitter-Accounts als Personen. Oft brechen WLANs unter dem Ansturm zusammen. Nicht so dieses Mal. Erstes Indiz: kein WLAN. Und das heißt nicht: kein WLAN, weil es gerade kollabiert war. Das heißt: kein WLAN, weil keines vorgesehen war.

Ich fing an mich zu wundern, als ich beim abendlichen Zusammensitzen die einzige war, die sich nach dem Veranstaltungshashtag erkundigte. Dass ich in einer anderen Welt gelandet war dämmerte mir, als ich in einer Debatte gefragt wurde: Und wieso braucht man dazu jetzt unbedingt Computer? Als ich irgendwann meinen Blick umherschweifen ließ und feststellte, dass ich in einem Saal voller Menschen die einzige war, die einen Laptop auf dem Tisch hatte, wurde mir klar, dass ich meine gewohnte Umgebung weit hinter mir gelassen hatte. Prompt wurde mir der Kulturclash bestätigt: „Entschuldigen Sie, aber das macht mich ganz nervös, wenn Sie da immer mit Ihrem Telefon rumspielen.“ – „Oh, das tut mir leid. Ich schreibe gerne an meinem Laptop weiter mit, wenn Sie das weniger stört.“ – „Ach, Sie schreiben mit. Nein, dann … also, kein Problem.

Digitale Ignoranten und Facebook-Tralala

Ich war verdattert. Das letzte Mal, dass ich mich für meinen Technikeinsatz so ungerecht zurechtgewiesen gefühlt habe, war auf der Schule in Frankreich, als mir eine Lehrerin meinen Übersetzer in der Annahme abnahm, ich würde auf meinem Handy spielen. Gleiche Situation – 10 Jahre später. Der Unterschied: Es handelte sich hier nicht um eine Interaktion zwischen einer Lehrerin kurz vor der Rente und einer Jugendlichen. Es ist ein kurzer Dialog zwischen Wissenschaftlern. Und auch wenn nach diesem Austausch vernünftigerweise kein Grund zu Beschwerde besteht – von beiden Seiten ist die Beziehung durch eine gewisse emotional verankerte Skepsis geprägt.

Was sagt es über unser ständiges Streben nach Interdisziplinarität und fächerübergreifender Arbeit aus, wenn schon Barrieren aufgebaut werden, bevor es um den wissenschaftlichen Austausch geht? Scheitert unser Dialog schon, bevor er überhaupt angefangen hat? Und zwar nicht an anderen Fachausdrücken, Methoden oder wissenschaftstheoretischen Überlegungen, sondern am Zuhör-Verhalten.

Und es betrifft nicht nur die Wissenschaft. Wie sollen wir gemeinsam daran arbeiten, gesellschaftliche Probleme zu lösen, wenn wir uns gegenseitig nur als analoge Hinterwäldler und hyperaktive Spielkinder betrachten? Auch wenn wir offiziell sagen: „Ne, finde ich total gut, dass du nicht bei Facebook bist.“ Finden wir es dann nicht trotzdem merkwürdig, wenn diejenige nicht das Video der beiden Hintergrundtänzer beim Orkan-Bericht gesehen hat? Und auch wenn wir wissen, dass die Menschen im Publikum auf ihren Laptops mitschreiben? Denken wir nicht trotzdem, dass sie unaufmerksam sind und nicht alles mitbekommen? Es wird dringend Zeit, dass wir uns bewusst werden, welche Vorurteile im Dialog zwischen den Welten mitschwingen.

Das gilt auch für die Politik. Wollen wir wirklich, dass in unseren Verwaltungen und Parlamenten das „digitale Ignorantentum“ beleidigt und der Gegenseite „Facebook-Tralalaan den Kopf wirft? Oder wollen wir, dass möglichst viele verschiedene digitale Nutzertypen miteinander reden und Lösungen entwickeln?

Innovation statt Trennstrich

Ständig diskutieren wir über digitale Gräben zwischen den Generationen, zwischen Einkommens- und zwischen Bildungsschichten. Wir müssen erkennen, dass a) es auch einen Graben gibt, der nicht dieser klaren Grenzziehung folgt und b) welche Auswirkungen er auf uns hat. Unterschiedliche Präferenzen für Arbeitsweisen, unterschiedlicher Umgang mit Technik – die Grenze zwischen diesen Welten sollte eine dünn gestrichelte Linie sein und nicht ein dicker Trennstrich, hinter dem beide Seiten jeweils einen ernstzunehmenden Problemfall vermuten. Wenn wir unser Rufen nach Partizipation und Zusammenarbeit ernst meinen, wenn wir eine offene, moderne und innovative Gesellschaft sein wollen, dann müssen wir ohne unterschwellige Skepsis miteinander reden, unabhängig davon, ob wir auf einem Touchscreen tippen oder mit Füllfederhalter schreiben.


Image (adapted) “working offline, sort of“ by dhaun (CC BY 2.0)


Weiterlesen »

Öffentlichkeit im Wandel: Podcasts und kostenloser Leseband

Über zwanzig Autorinnen und Autoren haben sich zum Wandel und den neuen Chancen unserer Öffentlichkeit in Bezug auf Medien, Internet und Journalismus geäußert. Die Stimmen hat die Heinrich Böll Stiftung in dem kostenlosen und zum Download freigegebenen „Band 11 der Schriften zur Kultur und Bildung“ zusammgeführt und mit den folgenden Worten beschrieben:

Öffentlichkeit im Wandel

    „Das veränderte Medienverhalten und der Schwund der Werbeeinnahmen in den Printmedien führen bei den Verlagen und den Sendern zu einer intensiven Suche nach neuen Verwertungs- und Distributionsmodellen. Die Öffentlichkeit ist im Wandel – nicht ohne gravierende Folgen für den Journalismus. Neue Akteure – meist ohne Zertifikat der Journalistenschulen – treten im Internet auf und verändern den professionellen Journalismus durch neue Formen. Die vierte Gewalt demokratisiert sich. Auf Kosten der Qualität?“

Mit Beiträgen von Sabria David, Gemma Pörzgen, Stephan Weichert, Robin Meyer-Lucht, Peter Glaser, Geert Lovink, Markus Beckedahl, Mercedes Bunz, Katrin Rönicke, Christiane Schulzki-Haddouti, Christoph Kappes, Tabea Rößner, Leonhard Dobusch, Karsten Wenzlaff, Anne Hoffmann, Matthias Spielkamp, Marcel Weiß, Jessanne Collins, Kai Biermann, Martin Haase, Hans Hütt uvm.

Zum Thema wurden auch verschiedene Podcasts konzipiert die Ihr euch im Folgendem anhören könnt. Wer den Band downloaden möchte, der wird hier fündig.

Weiterlesen »

Weiterlesen »

Ideenlos im Netz

Noch befindet sich die digitale Technik im Embryonenzustand, wie es Christoph Kappes ausdrückt, aber schon jetzt verspüren Wirtschaft, Politik und Gesellschaft die Eruptionen der neuen Netzwirklichkeit. In der Musikindustrie bleibt kein Stein auf dem anderen. Politische Machtkünstler ergeben sich den Shitstorms im Internet, Informationstechnologie wandert in die Computerwolke, Hardware-Produzenten erleben die Pulverisierung ihrer Geschäftsgrundlage und die klassische Telefonie verliert den Boden unter den Füßen, weil Skype und die verschriftete Kommunikation in sozialen Netzwerken die Oberhand gewinnen.

Ideenlos im Netz

„Vergleicht man den Lebenszyklus mit anderen Techniken, befinden wir uns in einem vermutlich noch sehr unausgereiften Stadium. Zehn Jahre nach Erfindung der Radiowellen gab es noch sogenannte ‘Knallfunkensender’, die ohrenbetäubenden Lärm machten und nur wenige Kilometer Reichweite hatten. Der elektrische Strom kam erst in den 1930er Jahren in deutsche Haushalte, 60 Jahre nach der Erfindung des Dynamos durch Siemens und 250 Jahre nach der Entdeckung elektrischer Ladung. Die Automobilindustrie macht auch seit 1970 noch gewaltige Fortschritte bei der Sicherheit, sogar die Schifffahrt wird in den letzten 40 Jahren durch Containerschifffahrt enorm verbessert“, schreibt Kappes in seinem Papier für  Enquete-Kommission „Internet und digitale Gesellschaft”.

Weiterlesen »

Weiterlesen »