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Netzpiloten @ Digital Innovators Summit

Die digitale Revolution hält die Medienbranche schon mehr als zwei Jahrzehnte im Transformationsstress. Auf dem renommierten Digital Innovators Summit kommen deshalb auch dieses Jahr wieder über 600 Führungskräfte aus mehr als 35 Ländern zusammen, um bei der Entwicklung der Medienwelt am Ball zu bleiben. Wir sind am 25. und 26. März wieder als Medienpartner in Berlin mit dabei und lauschen den Experten.

Welche Speaker werden da sein?

Den ersten Vortrag auf dem Digital Innovators Summit hält Stephanie Caspar vom Axel Springer Verlag. Es geht um nichts weniger als „Reinventing media“. Scott Havens von Bloomberg Media und James Hewes von FIPP folgen mit einer Gesprächsrunde über Erfolgsstrategien in der heutigen Medienlandschaft. Mit Heart Media-CEO Oliver Burlot geht der Blick nach Singapur auf den dortigen Wohlstand durch Kryptowährungen. Weitere Speaker sind Sören Karlsson und Robin Govik . Thema ihres Beitrags: Wenn Bots Redakteure werden!

Welche Themen erwarten euch?

Das Programm des Digital Innovators Summit ist in mehrere Themenblöcke unterteilt, zu denen es jeweils mehrere Programmpunkte gibt. Unter anderem erwarten euch auf der Konferenz folgende Themen:

  • Das große Ganze
  • Neue Ertragsströme
  • Vertrauen erarbeiten
  • Trends und Strategien
  • Künstliche Intelligenz in den Medien
  • Innovation im Journalismus
  • Realitätscheck 

Und sonst noch?

Beim Kauf der Tickets könnt ihr bis einschließlich 12. März noch 200 Euro sparen. Für Gruppen gibt es außerdem attraktive Rabatte: 

  • 3-4 Personen: 10 Prozent
  • 5-9 Personen: 15 Prozent
  • 10+ Personen: 20 Prozent

Außerdem können Startups für nur 490 Euro pro Person teilnehmen. Kommt zahlreich nach Berlin um die Innovation zu leben. Wir freuen uns schon auf den Digital Innovators Summit.

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All doors in Flight @NKF Summit, Jan Thomas?

Am 15. November geht in Berlin wieder der NKF Summit an den Start. Wir Netzpiloten sind als Medienpartner mit dabei, wenn sich wieder alles um Inspirationen für die erfolgreiche Digitale Transformation drehen wird. Mitten in der heißen Vorbereitungsphase erwischen wir Jan Thomas, den Gründer und Chef der NKF Media noch schnell für drei Fragen:
Ihr habt euch in kurzer Zeit mit euren NKF Summits gut etabliert. Glückwunsch! Wie laufen die Vorbereitungen für Volume 4?

Vielen Dank! Eine Konferenz ist natürlich immer etwas Besonderes, auch in der Vorbereitung. Aber wir freuen uns, dass wir nach dem Ausflug nach Düsseldorf (NKF Summit Vol.3, Anm. der Red.) nun wieder ein Heimspiel haben. Das Radialsystem in Berlin war ja bereits Austragungsort für unsere zweite Konferenz. Hier gibt es für uns also keine Überraschungen. Zeitgleich ist garantiert, dass ausreichend Platz für unsere beiden Bühnen, die Startup-Expo und die Matchmaking Sessions vorhanden ist. Und dank der vielen spannenden Speaker freuen wir uns auf viele Impulse, Case Studies und Insights.

Wie helft ihr euren Teilnehmern, den Transformationsstress abzubauen?

Tja, so ganz wird man den Transformationsstress nicht abbauen können. Das ist aber auch gut so, denn viele etablierte Unternehmen müssen sich gerade komplett neu erfinden. Und das geht nicht über Nacht. Der NKF Summit soll dabei sinnvolle Impulse liefern. Wir präsentieren Lösungen unterschiedlicher Branchen und fragen unsere Speaker und Panelisten „Was hat bei Euch funktioniert? Was nicht? Und was waren die Gründe (und die Kosten)?“ Nicht jedes Modell passt zu jedem Unternehmen und viele der aktuellen Buzzwords und Modelle werden in unterschiedlichen Unternehmen völlig unterschiedlich praktiziert. Und auch das Commitment und die finanzielle Ausstattung der Projekte variieren oft stark. All das durchleuchten wir und versuchen, ein paar Lösungsansätze zu zeigen.

Was sind deine persönlichen Highlights für den 15. November? Was sollten wir nicht verpassen?

Wie bei all unseren Medien und Aktivitäten stehen natürlich Startups im Mittelpunkt. Daher freue ich mich über die vielen Bewerbungen, die wir für die Startup-Expo hatten. Hier gibt es insgesamt knapp 40 Aussteller, die von einer Jury ausgewählt wurden und die spannende Lösungen, größtenteils aus dem B2B-Segment zeigen. Darunter sind auch zehn Startups aus der in Kürze erscheinenden Ausgabe von „the Hundert – Startups of Germany“, wo wir die 100 innovativsten Startups des Jahres vorgestellt haben. Diese werden auch in einem großen Finale auf der Bühne pitchen.

Neben vielen hochinteressanten Rednern, z.B. von Daimler, Kodak, Bosch, Telekom, EY, UniCredit und Conrad Electronic freue ich mich ganz besonders auf das Panel zum Thema „Was bringen die Digitalberater?“, wo u.a. die Digitalberatungen TLGG, McKinsey und Etventure mit dem Chefredakteur von Capital, Horst von Buttlar, über Kosten und Nutzen ihrer Projekte sprechen. Und zu guter Letzt haben wir unser Programm gerade noch erweitert und den Ecosia-Gründer Christian Kroll eingeladen, seine Unternehmensmission zu präsentieren. Christian ist der aktuelle Cover-Star von Berlin Valley, weil er sein Unternehmen, die Suchmaschine Ecosia, der Allgemeinheit gespendet hat. Zur Erinnerung: Ecosia ist eine gemeinnützige Suchmaschine, die bis 2020 insgesamt eine Milliarde Bäume pflanzen möchte. Christian ist ein leidenschaftlicher Unternehmer mit einer Mission, dem wir gerne eine Bühne zur Verfügung stellen möchten.

Tickets für den NKF Summit am 15. November in Berlin gibt es hier.

WEITERE INFORMATIONEN ZUM EVENT

In nur kurzer Zeit hat sich der NKF Summit zu einer festen Größe unter der inspirierenden und vernetzungsstarken Digital-Events entwickelt. Allein die Speed-Networking Sessions sind perfekt für alle Startups und deren Bewunderer. Am 15. November geht’s in Berlin ins beeindruckende Radialsystem direkt an der Spree. Wir Netzpiloten sind zum dritten Mal dabei, wenn das Team der NKF Media wieder Corporates und Startups in vielfältigen Konferenzformaten zusammenbringt und uns alle fit machen wird für die Digitalisierung.

Welche Experten werden teilnehmen?

Zu den Speakern des Tages gehören beispielsweise Aleš Drábek, Geschäftsführer der innovativen Conrad Connect. Er wird über die Digitalisierung des Elektronik-Riesen sprechen. Conrad Fritzsch, der Leiter im Digital Marketing bei der Daimler AG hat bereits einige Startups gegründet und wird von der Förderung digitaler Innovationen bei Daimler berichten. Thomas Bachem, Gründer der CODE University of Applied Sciences, ist mit dabei und wir freuen uns auf den Tausendsassa Florian Heinemann von Project A Ventures.

Das erwartet dich auf dem NKF Summit

  • Fallstudien von Unternehmen im digitalen Wandel
  • Panel-Diskussionen
  • Workshops
  • Matchmaking-Sessions
  • Speed-Networking Sessions

Und sonst noch? – Netzpiloten Rabatt Code!

Es wird sicher wieder ein super Tag werden. Wir sehen uns. Tickets erhältst du hier. Mit folgendem Netzpiloten-Code gibt es eine Ermäßigung: 490€ statt 790€ netto: NKF4-NP 

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@ Native Advertising Konferenz

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Es geht in die dritte Runde! Die Native Advertising Konferenz öffnet am 19.04. bereits zum dritten Mal seine Pforten. Die Konferenz lädt Fachleute, Interessierte, Brancheninsider und Neueinsteiger herzlich ein. Informiert euch über die aktuellen Trends des Native Advertising, deren Entwicklungen und Perspektiven. Tauscht euch über eure Erfahrungen aus und erlebt einen ganzen Tag voller spannender Themen rund um Native Ads im Kino Cinenova im Kölner Stadtteil Ehrenfeld. Hier werden Speaker die Kinoleinwände nutzen, um allen Teilnehmern ihre Vorträge zu präsentieren. Alles, was die Teilnehmer dafür tun müssen, ist, sich in den gemütlichen Kinosesseln zurückzulehnen und die Native Advertising Konferenz genießen.

Spannende Vorträge erwarten euch

Lernt an diesem Tag alles Wissenswerte über aktuelle Studien, Trends, Strategien und innovativer Platzierung von Content in Form von spannenden Vorträgen in den Kinosälen und den Podiumsdiskussionen. Euch erwarten Vorträge wie unter anderem:

  • Evolution! Transformation! Revolution? Über den Wandel im Bereich der Premium-Vermarktung
  • Kongruent oder Komplementär? Eine Studie zum emotionalen und inhaltlichen Fit
  • Podiumsdiskussion: Verlage oder Agenturen – Wer macht die besten Inhalte für Native Advertising?
  • Für Native Advertising texten wie ein „richtiger Texter“
  • Podiumsdiskussion: Native Advertising der Zukunft

Lasst euch von namhaften Speakern wie beispielsweise Kim Robertz vom Ebner Verlag, Nina Kennedy von VICE Media oder Matthias Wesselmann von fischerAppelt interessante Einblicke und Cases in ihren Bereichen geben. Euch erwarten die unterschiedlichsten Eindrücke aus zahlreichen Unternehmen. Zudem liefern Fallbeispiele, Anleitungen, Erfolgsgeschichten, Neuigkeiten und Analysen viel Inspiration. Ein umfangreiches Programm bietet für jeden die Möglichkeit das Beste mit in sein Unternehmen zu nehmen, um dies direkt in den Projekten und Kampagnen zu integrieren.

Schnell zugreifen

Wer Native Advertising aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten und ein Teil dieser informativen Konferenz sein möchte, der sollte sich hier unbedingt Tickets sichern. Ihr habt die Möglichkeit noch ein Early Bird-Ticket abzugreifen. Schnell sein lohnt sich, denn in diesem Jahr ist die Teilnehmeranzahl auf 250 Personen begrenzt. Also, ran an die Tickets!

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Die Netzpiloten sind Partner vom Online Handel 2018

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Unter dem Motto „Picking up speed“ könnt ihr beim Online Handel 2018 am 6. und 7. Februar in Berlin alles über die neusten Trends, Tools, Methoden und Innovationen sowie spannende Best Cases der Branche erfahren, die euch für die Transformation eures Online-Kanals inspirieren können.

Euch erwarten zwei wissensreiche und spannende Networking-Tage mit DEM Jahres Kick-Off der E-Commerce Branche, exzellenten Speakern mit spannenden Themen, Networking mit dem Who is Who der Branche und der Verleihung des 7. Online-Handel-Awards.

Unter anderem dürft ihr euch auf diese Top Themen freuen:

  • New Tech – Artificial Intelligence meets Online Handel, Chatbots & Robotics, AR/VR
  • International Trends 
  • Social + Mobile – Wachstumsfaktor Social Selling & Mobile Commerce
  • Digital Marketing – Storytelling & Content Creation
  • Customer Centricity – Personalisierung für die Online Shopping Experience

Unter den Referenten werden Denis Burger, Mitglied der Geschäftsleitung und Senior Director Seller Growth von eBay Deutschland und Kai Herzberger, Director of eCommerce & Transformational Retail DACH & EMEA und Mitglied der Geschäftsleitung Deutschland Facebook, vor Ort sein.

Also worauf wartet ihr? Hier findet ihr die Anmeldung und weitere Informationen.

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Die Netzpiloten sind Partner des Digital Transformation Summit

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In Berlin findet am 26. und 27. September der Digital Transformation Summit statt. Im Zentrum stehen dabei die Durchbrüche, vor denen Unternehmen stehen, die unsere Welt revolutionieren werden und die Digitalisierung der Wirtschaft, die viele Marktteilnehmer zur Neuausrichtung ihrer Geschäftsmodelle zwingt. Beim Wandel in das digitale Zeitalter können dem deutschen Unternehmertum die Disruption, Innovation und die Etablierung einer digitalen Führungskultur helfen, um nur einige Schlagwörter zu nennen.

Der Digital Transformation Summit, ins Leben gerufen durch die WirtschaftsWoche, begleitet Unternehmer auf dem spannenden Digitalisierungsweg mit inspirierenden Praxisbeispielen und Best Cases, die die digitale Transformation beispielhaft vorangetrieben haben, ergänzt durch frische Energie der „jungen Wilden“.

Abwechslungsreiches Programm

Auf dem zweitägigen Programm stehe Vorträge, Panel-Talks, Fishbowl-Talks, Workshops und ein Digital
Playground. Die Redaktion der Wirtschaftswoche ist vor Ort und moderiert die Veranstaltung, außerdem könnt ihr das Geschehen live in Social Media verfolgen. Vor Ort sein werden Vorstände, Geschäftsführer und Inhaber bekannter Großunternehmen, marktführender Mittelständler und inspirierender Startups sowie Spitzenpolitiker und Experten aus Wissenschaft und Gesellschaft, die für den Blick über den Tellerrand sorgen.

Spannende Speaker und interessante Themen

Zu den Speakern, auf die ihr euch beim Digital Transformation Summit freuen könnt, gehören:

Die Location ist das zentral gelegene Microsoft Atrium in Berlin-Mitte. Hier kommt ihr zur Anmeldung.

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Wer denkt wirklich an die große Transformation? #D2030

business (adapted) (image by mhouge [CC0] via pixabay)

Führen wir in Deutschland die richtigen Diskussionen, wenn es um Digitalisierung und die Herausforderungen der kommenden Jahre geht? Diese Frage diskutierten rund 150 Teilnehmer auf der Zukunftskonferenz D2030 und in den begleitenden FutureHubs-Diskursen im Vorfeld der Berliner Tagung. Vieles geht an den Menschen vorbei. Ein breit angelegter gesellschaftlicher Austausch findet nicht statt. Entweder ist er wie beim NewWork-Geklingel zu elitär angelegt oder er findet gänzlich hinter verschlossenen Türen statt, wie bei den CETA- und TTIP-Verhandlungen.

Bringschuld für das Neue

Medien, Politik, Wirtschaft und soziale Initiativen haben aber eine Bringschuld des Neuen, sagte Professor Jutta Allmendinger, Präsidentin des Berliner Wissenschaftszentrums für Sozialforschung (WZB). Das müsse mit einer viel größeren Ernsthaftigkeit und mit einem viel größeren Respekt gegenüber den Menschen ablaufen. „Uns fehlt die Ernsthaftigkeit des ordentlichen Diskurses“, kritisiert Allmendinger. Es fehlt vor allem der Blick auf die Herausforderungen, die in der Agenda 2030 der Vereinten Nationen und im Pariser Klimaabkommen stehen, sagt Professor Dirk Helbing von der ETH Zürich. Der Planungshorizont von 13 Jahren ist dabei geringer als beim Bau einer neuen Straße. Wenn wir eine kohlenstoffarme Wirtschaft mit einer Reduktion des Kohlendioxid-Ausstoßes um 40 bis 50 Prozent erreichen wollen, muss die Organisation der Volkswirtschaften neu erfunden werden.

Zwei Tage #D2030 Zukunftskonferenz in 45 Minuten

Kompakte Zusammenfassung der #D2030 Zukunftskonferenz

Posted by Ichsagmal.com-Gespräche on Montag, 10. Juli 2017

Zwei Tage #D2030 Zukunftskonferenz in 45 Minuten

Kompakte Zusammenfassung der #D2030 Zukunftskonferenz

Posted by Ichsagmal.com-Gespräche on Montag, 10. Juli 2017

Nachhaltigkeit braucht richtige Innovationen

Und das gelingt nur mit der Einbeziehung der Zivilgesellschaft. „Soll der Staat das alles regeln und Ressourcen als wohlwollender Diktator zuweisen? Das ist ein Szenario, was wir nicht haben wollen. Wenn wir in Zukunft in Freiheit und Demokratie leben wollen, dann müssen wir das Nachhaltigkeitsproblem anders lösen“, betont Helbing in Berlin. Das gelingt nur mit echten Innovationen und nicht mit dem Wahn der Optimierung. Und Innovationen brauchen Freiheit, sie brauchen einen Strukturwandel und eine Veränderung des Wirtschaftssystems.

Transformation ohne technokratischen Weihrauch

„Das gelingt nur mit einer gesellschaftlichen Organisation im partizipativen Sinne. Wir können das nur gemeinsam bewältigen“, erläutert Helbing. Hier ist eine viel größere Transformation zu bewältigen, die über den digital-transformatorischen Weihrauch hinausgeht, der von selbst ernannten technologischen Evangelisten auf Gadget-Niveau verbreitet wird. Die ganze Gesellschaft und nicht nur ein Kreis von Eingeweihten muss befähigt werden, diesen Kraftakt innovativ zu bewältigen. Dafür braucht man Labore für die Zivilgesellschaft, Städteolympiaden, Open Innovation und eine Kompetenzoffensive für den Einsatz von digitalen Werkzeugen. Nicht morgen, sondern heute. „Dafür ist eine neue Art des Denkens, der Kultur und des Zeitgeistes für die gewünschten Szenarien erforderlich. Sie müssen in Geschichten übersetzt werden, die uns helfen, von dieser Zukunft zu träumen. Das muss sich in unseren Köpfen wie ein gutes Musikstück festsetzen. Etwas, was uns voranträgt. Da müssen auch Kunst und Kultur aktiviert werden, dass das für alle Menschen vorstellbar wird“, fordert Helbing.

Von der Reparaturökonomie zur Orientierungswissenschaft

Hausaufgaben hat zudem die Wirtschaftswissenschaft zu machen: Vonnöten sei eine transformative Ökonomie, die sich von ihren Rechtfertigungserzählungen löst, erläutert Professor Uwe Schneidewind, Präsident des Wuppertal-Instituts. Sie müsse sich von einer Reparaturökonomie zur Orientierungswissenschaft weiter entwickeln:

„Plötzlich haben wir mit Null-Grenzkosten-Produkten und Produktivitätssprüngen zu tun, die das Maß vorangegangener technologischer Metamorphosen deutlich übertreffen. Jetzt würde man sich eine Ökonomie wünschen, die dazu Antworten entwickelt. Wie organisieren wir unseren Sozialstaat, was passiert mit der Geldwirtschaft im Zeitalter von Bitcoin, wie finanziert sich der Staat? Wo sind die Ökonomen als öffentliche Intellektuelle? Sie verkriechen sich lieber in ihren Boxen und machen tolle Experimente und wundern sich über die zunehmende Kritik an der Visionslosigkeit der Wirtschaftswissenschaften.“

Ethos ganzer Systeme

Reinhard Pfriem spricht im Interview, das auch auf Facebook nachzuschauen ist, zu Recht von der Ökonomie als Möglichkeitswissenschaft, um Szenarien für die Zukunft zu entwerfen.

„Es gibt immer noch zu viele Sandkastenökonomen Mein akademischer Lehrer Peter Ulrich hat das mal so schön gesagt: Wir brauchen ein Ethos ganzer Systeme. Wir müssen das immer auf einer höheren Ebene beurteilen“, so Lutz Becker, Studiendekan der Hochschule Fresenius. Gleiches gelte auch für die Politik, sagt der Ökopionier und Unternehmer Jörg Heynkes in der FutureHubs-Diskursreihe. „Es wird zwar von einer vierten industriellen Revolution gesprochen. Man ist ständig darum bemüht, das abzuleiten, was bei den vergangenen Ereignissen passiert ist. Eine ernsthafte Auseinandersetzung über das, was in den nächsten zehn bis zwanzig Jahren auf uns zurollt, findet nicht statt.“

Das Notiz-Amt sieht die Notwendigkeit für weitere überparteiliche Dialog-Formate. Die Initiative D2030 sollte weitermachen.


Image (adapted) „business“ by mhouge (CC0 Public Domain)


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„Digital Factory Talk“ der Beiersdorf AG: Prof. R. May Lee über Digitalisierung in China

City of Lights (adapted) (Image by Maher Najm [CC0 Public Domain] via flickr)

Eine Sache über China, die komplex ist, stellt seine Größe dar – es gibt nicht wirklich ein China”, betonte Prof. May Lee bei ihrem exklusiven Vortrag Mitte März bei der Beiersdorf AG in Hamburg. Im Rahmen des Digital Factory Talks, der für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Unternehmens abgehalten wird, referierte sie über die Problematik des Verstehens des chinesischen Marktes. Ein gerade für die Beiersdorf AG wichtiges Thema, möchte das Unternehmen doch noch in diesem Jahr neue Produkte für den asiatischen Markt launchen.

May Lee (Image by Beiersdorf AG)
Prof. R. May Lee. Image by Beiersdorf AG

Mit Frau Lee als Referentin hatte sich das Unternehmen eine hervorragende Rednerin nach Hamburg eingeladen. Sie ist Dekanin der Fakultät für Unternehmertum und Management an der ShanghaiTech University und eine Expertin für Themen wie Innovation, Geschäftsführung und bi-kultureller Bildung. Sie betonte vor allem die von Außenstehenden unerwartete Komplexität und vielen Gegensätze Chinas. „Nur sehr wenig ist in China einfach oder uniform“, so May Lee.

Vor allem im Westen wird China als allgemein reiches und mächtiges Land angesehen. Dies stimmt zwar, trotzdem leben aber noch heute rund 650 Millionen chinesische Bürger in Armut – rund die Hälfte der Gesamtbevölkerung. Derartig markante Unterschiede zeichnen das Land wie kein anderes aus. Reichtum existiert neben Armut, urbane Superlativen neben ländlicher Simplizität, Tradition trotz Moderne und sogar analog wie auch digital – China ist ein Land der Gegensätze.

Polarisierender Populismus, wie wir ihn zurzeit in der politischen Landschaft der USA beobachten, faszinieren zwar die chinesische Regierung ebenso wie den Westen, zwingen aber auch zu einer Politik der Stabilität, um den in Armut lebenden Teil der Bevölkerung ruhig zu halten, genau wie die Menschen in den städtischen Metropolregionen, denn für die wachsende Mittelklasse wird das Leben in den Städten immer teurer. Schon jetzt orientieren sich viele Richtung Land.

Existiert Innovation in China?

Denkt man an die chinesische Industrie, ist dieser Gedanke oft negativ mit dem Vorwurf des ‚copycatting‘ konnotiert. Ein Produkt kommt auf den Markt und wird in Windeseile in China kopiert, hergestellt und schamlos weitervertrieben. Auch May Lee sieht das Fehlen von Entwicklung neuer, innovativer Produkte noch als großes Problem, gleichzeitig sei es aber eine Stärke, existierende Produkte in einer solch immensen Geschwindigkeit herzustellen oder zu ändern.

Gibt es aber dann überhaupt noch Innovation in China? Ja – meint May Lee, den größten Innovationsfaktor sieht sie bei neuen Geschäftsmodellen. China könne wie kein anderes Land Modelle kombinieren und verbessern und sich so regelrechte Imperien aufbauen. Ein weiteres Talent sei es, dieses Geschäftsmodell auch in Windeseile wieder anzupassen. Das Adaptionsvermögen des chinesischen Marktes ist auch eine seiner unverwechselbaren Stärken.

Ein Beispiel dafür ist das chinesische Vorzeigebeispiel WeChat – eine Mischung aus Twitter, WhatsApp, Facebook und Instagram mit 800 Millionen Nutzern – das mit dem Feature ‚WeChat Wallet’ mittlerweile auch ein chinaweites Mobile-Payment-System anbietet. Auch die großen BAT-Firmen Baidu, Alibaba und Tencent stehen für den Fortschritt in der chinesischen Internet- und Big-Data-Branche und zeugen von Chinas Innovationsvermögen im Bereich Geschäftsmodelle.

Was man über den chinesischen Markt wissen muss

Nach dem Vortrag hatte ich exklusiv für die Netzpiloten die Gelegenheit, Prof. May Lee nach einer eigenen Zusammenfassung ihres Vortrages bei der Beiersdorf AG zu bitten und die ihrer Meinung nach drei wichtigsten Haupterkenntnisse zusammenzufassen. Sie betonte, „dass man, um China und dessen Unterschiede in seiner Gesamtheit zu verstehen, es unter Einbezug der Historie betrachten muss“.

Es muss verstanden werden, dass China ein Land der Gegensätze ist. Viele Menschen begreifen das nicht, denn wenn sie von China sprechen, denken sie an eine Milliarde Menschen, die alle gleich aussehen und sind“. Dabei ist China „heutzutage in vielen Aspekten, wie beispielsweise Alter, Geschlecht, Vermögen, Geografie oder Einstellung, sehr unterschiedlich“, wie May Lee in ihrem Vortrag aufgezeigt hat.

Und May Lee plädiert für eine angstfreiere Betrachtung des Landes: „China bewegt sich immer noch rasend schnell nach vorn. Man sollte versuchen, nicht so viel Angst vor China zu haben. Es ist immer noch separiert genug, dass wir im Westen uns nicht davor sorgen müssten, dass sie plötzlich ‚die Führung übernehmen’. Ich denke, es ist viel wichtiger, darüber und davon zu lernen und darüber nachzudenken, was das für uns bedeutet.

Die Digital Factory von Beiersdorf

Zu unserem Besuch in der „Digital Factory“ der Beiersdorf AG werden wir noch gesondert berichten – wer sich schon mal einen Überblick verschaffen möchte, wie das Unternehmen dort mit digitalen und innovativen Methoden arbeitet, schaut sich am besten dieses Video an:

 


Image (adapted) „City of Lights“ by Maher Najm (CC0 Public Domain)


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Wie technokratische Metaphern das Denken vernebeln

light-1365093_1920 (adapted) (Image by bykst [CC0 Public Domain] via pixabay)

Den Predigern des Managements sollte man mal die Frage stellen, was denn die ganzen Empfehlungen, erfundenen Modelle, Regeln und empirisch nicht nachprüfbaren Thesen wert sind, wenn es um die Rolle von Glück und Zufall geht? Malte Buhse widmete sich in der Wirtschaftswoche vor einigen Wochen dem neuen Buch von Michael Lewis, in deutscher Übersetzung unter dem Titel „Aus der Welt” erschienen. Es ist wohl kein Zufall, dass sich der amerikanische Sachbuchautor dem Leben von Daniel Kahneman und Amos Tversky widmet, den Begründern der Verhaltensökonomie. Er beschreibt darin die Geschichte ihrer Freundschaft und Zusammenarbeit, die das Wissen über Entscheidungsprozesse veränderte. In den USA ist das Werk ein Bestseller:

Es wäre für Lewis ziemlich verlockend, seinen Erfolg vor allem Ehrgeiz, Fleiß und harter Arbeit zuzuschreiben; oder irgendeinem besonderen Talent, das ihm nun mal mit auf den Lebensweg gegeben wurde. Doch Lewis verleugnet nicht, dass auch noch etwas anderes eine Rolle spielte ? der pure Zufall. Denn vor Jahrzehnten hatte er eine dieser Begegnungen, bei denen man erst hinterher erkennt, dass sie letztendlich über das eigene Leben entschieden”, führt Buhse aus.

Psychologen und nicht allzu viele Ökonomen beschäftigen sich wieder intensiver mit einer uralten Frage: Wie viel Einfluss hat der Mensch auf sein Leben? Und sollte Erfolg nicht besser mit Glück gleichgesetzt werden statt mit Ehrgeiz, Fleiß und Disziplin? Ob ein neuer CEO ein Unternehmen zum Erfolg führen wird oder nicht, lässt sich nur selten zuverlässig vorhersagen.

Wackelpudding-Managementmodelle

Schon gar nicht beim Einsatz von irgendwelchen Wackelpudding-Managementmodellen, die sich in keiner Weise überprüfen lassen oder die sich sogar explizit einer Überprüfung entziehen. Für das Ego von Beratern und Führungskräften ist das natürlich schlecht:

In einer Studie kamen die Managementforscher Chengwei Liu (Warwick?Universität) und Mark de Rond (Business School der Universität Cambridge) Anfang 2016 zu dem Schluss: „Über Glück spricht man unter Managern nur ungern. Das Duo wertete für seine Übersichtsstudie knapp 2000 Studien aus 60 Jahren aus. Nur zwei Prozent davon beschäftigten sich mit dem Einfluss des Glücks auf den Unternehmenserfolg oder die Leistung von Führungskräften”, schreibt Buhse.

Manager leiden nach Auffassung von Liu unter einer Illusion, „sie halten die Welt für kontrollierbarer und vorhersehbarer, als sie wirklich ist.” Das sei keine Lappalie, sondern hat negative Folgen: Führungskräfte und auch der Management-Nachwuchs neigen zur Selbstüberschätzung.

Zumutungen für die Modellschreiner im Management

Die beiden Forscher machen in ihrer Studie einen radikalen Gegenvorschlag: Spitzenpositionen in Unternehmen sollten einfach in einem Kreis von geeigneten Kandidaten verlost werden. Das sei günstiger, schneller und am Ende genauso erfolgreich wie langwierige Bewerbungsprozesse. Das ist für die Modellschreiner im Management, in der BWL und in der VWL natürlich eine Zumutung. Sie verstecken sich lieber hinter technokratischen Metaphern, um die Dürftigkeit ihrer theoretischen und praxisrelevanten Ansätze zu vernebeln. Technokratische Metaphern und Begriffshubereien sind ein bequemer Ersatz für das Denken. Sie verankern sich im Gedächtnis. Da man sie nicht ohne weiteres einer kritischen Analyse unterziehen kann, haben sie unter Umständen selbst dann beträchtliche Auswirkungen auf das Urteilsvermögen, wenn sie unangemessen, nutzlos oder irreführend sind. Sie setzen semantische Zweideutigkeit an die Stelle echter Unsicherheiten im Hinblick auf die Welt. Sie sind nichts anderes als ein Deckmantel. Nachzulesen im Schrifttum des leider viel zu früh verstorbenen Psychologen Amos Tversky.

Ökonomistische Fabriklogik hinter modernen Begriffen

Hinter dem Schleier von modern anmutenden Begriffen wie Arbeiten 4.0, Lean Management oder Digitale Transformation steckt häufig die alte ökonomistische Fabriklogik, um Organisationen auf Effizienz zu trimmen, ob man nun bunte Knöpfchen nach Gamification-Muster in der Fabrikhalle drückt oder am Laptop E-Mails nach Zeitvorgabe bearbeitet. In nahezu jeder öffentlichen Diskussion über die Zukunft der Arbeit oder über Vereinbarkeit werde man nach Ansicht von Robert Franken mit den gleichen Buzzwords konfrontiert. Da ist die Rede von „vollzeitnaher Teilzeit“, von „Wiedereinstieg“ oder „Flexibilisierung“. Wir sprechen von „Minderleister_innen“, „Leistungsreduzierten“ und „Human Resources“. „Was dabei völlig aus dem Blick gerät, ist das, was  diese ‚ökonomisierte Distanz’ in der Sprache mit den Menschen macht, geschweige denn: was diese Menschen denn überhaupt wollen und brauchen“, so Franken. Sein Blog „Digitale Tanzformation“ hebt sich erfrischend von den digital-transformatorischen Langweilern ab, die einem jeden Tag über den Weg laufen.

Digitales Fließband im Büro

Johannes Böhme hat die digitale Management-Semantik-Sauce  in der Märzausgabe der Zeitschrift brandeins aufs Korn genommen und bezieht sich dabei auf eine Studie des Soziologen Andreas Boes:

Die Arbeit im Büro ähnele immer mehr der Arbeit in der Fabrik: Kleine, standardisierte Arbeitsschritte würden unter Zeitdruck wie an einem ‚digitalen Fließband‘ am Computer abgearbeitet und von Software protokolliert.

Der „Wandel“ trage dabei verschiedene Namen wie „lean“ oder „agile“. Immer gehe es darum, die Arbeit in den Büros schneller, besser und effizienter zu machen. „Lean“ sei vor allem ein Mittel, um aus den Leuten mehr rauszuholen, so Bettina Seibold vom Institut für Medienforschung und Urbanistik in Stuttgart

Jeden Tag treffen sich die Mitarbeiter vor einer Tafel, auf der ihre Arbeit in verschiedenen Farben abgebildet wird. Jeder muss kurz sagen, wie es bei ihm steht, und dann wird das übersetzt in Rot oder Grün. Rot heißt, dass Deadlines nicht eingehalten, Kosten überschritten, Probleme nicht gelöst werden“, schreibt Böhme.

Das Notiz-Amt verweist auf die desaströsen Zufriedenheitswerte, die jährlich vom Gallup-Institut zur Arbeitswelt publiziert werden. Was wir bei der Digitalisierung der Ökonomie erleben, ist eben vielfach nur Dressur-Management im Hamster-Käfig. Für viele Beratungs-Gurus ist das eine unerträgliche Schlussfolgerung. Was Seibold und Co. forschen, sei nach Ansicht einiger Protagonisten der Lean-Szene natürlich alles nur Bullshit. 

Die haben das Modell nicht verstanden, es fehlen repräsentative Stichproben und Praxiserfahrungen. Bei einigen Debattenteilnehmern fehlt es allerdings an Kenntnissen über wissenschaftliche Methoden, wenn noch nicht einmal der Unterschied zwischen qualitativen und quantitativen Umfragen erkannt wird.


Image (adapted) „light-1365093_1920“ by Jamjar (CC0 Public Domain)


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Von der Lust am digitalen Experiment – Zwischenlösungen ohne Gewissheiten

Hände (adapted) (Image by geralt [CC0 Public Domain] via pixabay)

Wenn man den digital-transformatorischen Vordenkern mit ihren 4.0-Gesängen folgt, gewinnt man den Eindruck, irgendwann ins Land der Netzbeglückung zu gelangen und alles ist gut. Folge dem Pfad der Vernetzung und Deine Unternehmung ist gerettet. Schlusspunkt, Erkenntnis, Umsetzung und schon stellt sich der Erfolg ein. Du startest und gelangst an ein Ziel. Das Denken dieser Zeitgenossen ist statisch, ihre Sprache leer und langatmig. Dabei benötigen wir doch Erzählungen, die uns aus diesem mechanistischen Gefängnis der Erfolgsformel-Laberei befreien.

Auf der Suche nach Bruchstellen

In der digitalen Sphäre geht es um Vorläufigkeit und Nichtlinearität. Wir zerlegen, bearbeiten und verschieben Projekte und Formate, um an den Bruchstellen, den Knicken, den Faltungen und Lockerungen nach neuen Anschlussmöglichkeiten zu suchen, an denen wir dann weiter experimentieren sowie neue Ideen einhaken und weiter entwickeln können. So hat es Stephan Porombka, Professor für Texttheorie und Textgestaltung, in seinem Futurepublish-Vortrag in Berlin zum Ausdruck gebracht.

Man arbeitet nicht an letzten Lösungen oder Verheißungen für die Ewigkeit, sondern beschäftigt sich mit Zwischenlösungen.

Achtung, digital-transformatorische Scharlatane

Die von uns in die Wege geleiteten Veränderungen erreichen kein Plateau, auf dem dann wieder eine Zeit lang Ruhe einkehrt. Das vermitteln Scharlatane: die digitale Transformation wurde nach Maßgabe des Beraters realisiert, jetzt können wir wieder zur Tagesordnung übergehen. „Allem ist eingeschrieben, dass nichts so bleibt, wie es jetzt schon angekündigt wird, sondern eben nur eine Zwischenstufe auf dem Weg zum Nächsten ist“, sagt Porombka.

An die Stelle von Gewissheiten rückt das Experiment. Man schaltet um von einer recht großen Formen- und Formatsicherheit, die auf Marktsicherheit berechnet ist, auf die Unsicherheit des Experiments, ohne zu wissen, ob es dafür überhaupt einen funktionierenden Markt gibt.

Nicht-Experimentieren ist keine Option

Das gilt auch für die Wissenschaften, wie es Uwe Schneidewind, Präsident des Wuppertal-Instituts, im Utopie-Podcast #KönigvonDeutschland erläutert. Die modernen und hoch komplexen Gesellschaften können nur noch als experimentierende Gesellschaften existieren. Der Versuch der Wissenschaften, in sich geschlossene analytische Modelle auf den Weg zu bringen, ist zum Scheitern verurteilt. Wir brauchen die Organisation von verteilten Experimenten. „Nicht-Experimentieren ist keine Option. Erstarrungshaltungen sind das Fatalste, was passieren kann“schn, so Schneidewind.

Das Bedürfnis nach mathematischer Genauigkeit zur Steuerung und Kontrolle von Wirtschaft, Politik und Gesellschaft führt in die Irre. Wir bekommen die Unberechenbarkeit doch jeden Tag zu spüren. Die Kinder fressen selbst die digitalen Revolutionäre von gestern. Heute werden Online-Redaktionen mächtiger und sammeln symbolisches Kapital im Verhältnis zu den Print-Redaktionen, die immer stärker unter Rechtfertigungszwang stehen.

Auch Online-Redakteure sehen irgendwann alt aus

Doch selbst in den Online-Redaktionen sieht Porombka wieder eine Ausdifferenzierung zu neuen Akteuren, die sich dem Mobile Reporting verschrieben haben. Die Revolutionäre von gestern warnen mittlerweile vor den Folgen eines einseitig auf die sozialen Medien ausgerichteten Journalismus. Alles sei zu schnell, zu oberflächlich, zu sehr auf Klicks und Likes bedacht. Die mobile Fraktion, die etwa beim Livestreaming Akzente setzt, spürt den Druck von neuen Akteuren, die sich dem 360-Grad-Journalismus mit Videos und Fotos verschreiben. Künftig werden es Kontextprofis sein, die personalisierte Szenarien in Kombination mit Algorithmen und Bots realisieren und sich zur neuen Avantgarde des Digitalen aufschwingen. Wir werden überholt von Phänomenen, die wir selbst in Gang gesetzt haben.

Gestaltung im Fluss der Zwischenstände

„Wenn man weiß, dass sowieso alles anders wird, dann ist damit noch nicht entschieden, wie es anders werden könnte“, betont Porombka. Sagen, wie es richtig anders werden könnte, ist wohl die wichtigste Herausforderung im Fluss der Zwischenstände. Welche Öffentlichkeit eine freiheitlich-demokratische Grundordnung braucht, wäre so eine Gestaltungsaufgabe. Wie gehen wir mit den populistischen Anstachelungen des Twitter-Präsidenten Donald Trump, der seine Timeline mit Propaganda flutet und offene Plattformen des Netzes instrumentalisiert, um die offene Gesellschaft abzuschaffen, um? Was machen wir mit Bots, die vorgestanzte Meinungen unablässig wiederholen? Wir müssen endlich merken, wie wichtig es ist, darüber nachzudenken, was eine Öffentlichkeit ist – so profan das auch klingen mag.

Einen Überblick im Digitalen zu bekommen, ist nach Auffassung von Porombka unmöglich. Wir können das Ganze auch nicht mehr rückgängig machen oder einen zentralen Zugriffspunkt erhaschen, um Dinge zu regeln. „Unter den gegenwärtigen Bedingungen wird deutlich, dass es nicht mehr bloß um den Hype des Forschritts geht – es gibt den linearen Fortschritt nämlich gar nicht. Es geht auch nicht darum, einfach nur Content auf eine möglichst innovative Weise in Umlauf zu bringen. Es geht um die Gestaltung von Öffentlichkeit“, so Porombka.

Das kann nicht mehr der große Wurf sein. Die Entdeckung oder Wiederentdeckung einer kritischen Geste würde schon reichen. Kleine Schritte im Alltag ohne Besser-Wisser-Attitüde und Formel-Idiotie zur Bewältigung von Komplexität. Das Notiz-Amt sieht sich da als Experimentierstube. Das gilt auch für Interviews.

+++ Livestream vom 22. Februar um 18:00 Uhr +++


Image (adapted) „Hände“ by (CC0 Public Domain)


 

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Die Netzpiloten sind Partner des Deutschen Innovationsgipfels 2017

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Am 9. März findet in diesem Jahr zum zehnten Mal der Deutsche Innovationsgipfel in München statt.

Auf dem Deutschen Innovationsgipfel am 9. März 2017 dreht sich in diesem Jahr alles um das Thema digitale Transformation bei der Arbeit und Kulturwandel. Die branchen-, fach- und technologieübergreifende Veranstaltung soll euch und euer Know How vernetzen und als Plattform zum Wissensaustausch dienen. 

Lasst euch von interaktiven Workshops, den Veranschaulichungen von „Best Cases“ und internationalen Top-Speakern zu Themen wie Kulturwandel, kreative Freiräume in einer digitalen Welt und digitale Ökosysteme inspirieren. 

Wer seine Arbeit optimieren, Geschäftsmodelle mit Zukunftsperspektive entwickeln und vom exklusiven Wissenstransfer profitieren möchte, sollte sich das nicht entgehen lassen! 

+++Ticketverlosung+++

Als treue Leserschaft der Netzpiloten könnt ihr hier insgesamt vier Tickets für den Deutschen Innovationsgipfel 2017 gewinnen. 

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Netzpiloten sind Partner der IDC ‚The Workplace of the Future‘ Konferenz 2016

Am 3. November dreht sich bei der IDC ‚The Workplace of the Future‘ Konferenz in Frankfurt alles um die Transformation des Arbeitsplatzes: Mobilität, Flexibilität und IT-Sicherheit sind in einer digitalisierten Gesellschaft nicht mehr wegzudenken. Mobile Technologien für schnellere Verfügbarkeit von Informationen sind wichtig für Unternehmen, aber auch die Mitarbeiter wünschen sich mehr Flexibilität.
Smart Devices und der Zugriff auf sichere Applikationen dürfen dafür auf keinen Fall fehlen.
Der Veranstalter IDC hat die Notwendigkeit der Entwicklung neuer Technologien und Strategien am Arbeitsplatz schon früh erkannt und bietet euch auf der Konferenz Informationen zu Trends und neuen Möglichkeiten zum Ausbau des Workplace of the Future.
Die Konferenz offeriert euch außerdem eine Plattform zum Informationsaustausch, Kontakteknüpfen und besonders zur Inspiration. Freut euch auf eine eintägige Veranstaltung mit interessantem Programm, anregenden Gesprächen und spannenden Aussichten!  

IDC hat sich mit seiner Arbeit gleich mehreren Bereichen verschrieben: Marktforschung, Beratungsdienstleistungen sowie Veranstaltungen für Telekommunikation, Informations- und Verbrauchertechnologien.

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Mit einem Schatten in der Birne misslingt die digitale Transformation

Konferenz (Image by Unsplash (CC0 Public Domain) via Pixabay)

Unternehmensführer haben angeblich längst persönlich Verantwortung für das Gelingen der digitalen Transformation übernommen. Das behauptet zumindest eine Studie des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW).

Für die Untersuchung wurden ausschließlich CEOs und Aufsichtsratsvorsitzende von 78 der umsatzstärksten Unternehmen aus Deutschland ausgewählt – frei nach dem Motto „Frag den Bäckermeister, wie er seine Brötchen beurteilt“.

Führungskräfte wollen den Kontrollverlust „organisieren“

„In der Studie artikulieren die Manager deutlich, dass jetzt vor allem die richtige Führung und die richtige Kultur zum Ziel führen. Denn es ist nicht trivial, den Kontrollverlust zu organisieren. Es braucht einen Mentalitätswandel, lieber früh zu scheitern, um zielstrebig die Richtung zu ändern. Dazu gehören Offenheit und Flexibilität, um stärker als bisher auf Kooperationen mit Wettbewerbern zu setzen“, schreiben die Studienautoren.

Mitarbeiter nicht transformationsbereit?

Die größten Defizite beim digitalen Wandel ihrer Organisationen, sehen die Manager in den Chefetagen übrigens nicht bei sich selbst, sondern – welch eine Überraschung – bei ihren Mitarbeitern. Auch die Wettbewerber werden durchgehend schlechter beurteilt als das eigene Unternehmen. „Keiner nennt in diesem Zusammenhang aber potenzielle Disruptoren aus der digitalen Welt, beispielsweise Startups, alle achten bisher nur auf klassische Konkurrenten.“ Für den eigenen Führungsstil wird zwar auch Nachholbedarf konstatiert, allerdings sehen hier die Umfrageteilnehmer die kleinste Transformationslücke.

Digitale Kompetenz bei Vorständen zweitrangig

Bei Vorstandsbesetzungen spielen die Aspekte der digitalen Transformation keine dominante Rolle, obwohl das Thema von existenzieller Relevanz für Unternehmen ist. Bei Aufsichtsratsbesetzungen ist die Lücke noch größer. Das überrascht nicht wirklich, wo doch die wichtigsten Posten in Unternehmen eher im Verborgenen ablaufen. Da zählt eben Habitus mehr als die Qualifikation, wie der ehemalige Konzernvorstand Thomas Sattelberger im ichsagmal-Sommerinterview konstatierte.

Sonst würden sich nicht so viele Psychopathen durchsetzen. Viele von denen haben nach Erfahrungen von Sattelberger einen Schatten in der Birne: Sie sind neurotisch, aggressiv und machiavellistisch – also machtbesessen. Siehe auch den Netzpiloten-Beitrag „Top-Manager und die dunklen Hinterzimmer der Macht

Wie wollen die narzisstischen Old Boys in einer vernetzten Welt überleben?

In dieser Gemengelage wollen die Old Boys der Wirtschaft die Digitalisierung und den Kontrollverlust in einer vernetzten Welt stemmen? Das kann nicht gutgehen.

Es reicht halt nach Auffassung des Kölner Ökonomen Thomas Vehmeier nicht aus, einige TED-Konferenzen zu besuchen, mal rüber ins Valley zu reisen, die Krawatte gegen einen Schal zu tauschen, um andere zu belehren, wie man das mit dem Digitalen richtig zu machen habe. Nicht die Mitarbeiterschaft blockiert die Transformation, sondern der Manager-Narzissmus. „Demut und Lernen wären angebracht“, fordert Vehmeier. Das passt allerdings nicht zur machiavellistischen Persönlichkeitsstruktur vieler CEOs und Aufsichtsratsbosse.

Unlogische Netzstrukturen sind Gift für Firmenbosse

Wenn autoritäre und egozentrische Organisationsprinzipien in Unternehmen auf die anarchischen und unlogischen Strukturen des Internets prallen, erfahren die Steuermänner und Steuerfrauen der Wirtschaft sehr schnell, dass die alten Kontrollmechanismen nicht mehr funktionieren. Ob sie aus diesen Erfahrungen lernen oder die beleidigte Leberwurst spielen, wäre eine interessante Frage für empirische Untersuchungen. Ich befürchte, dass die Lernkurve ziemlich flach verläuft. Hier liegt wohl der Kern des Problems beim Umgang mit der digitalen Transformation. Es liegt nicht am Unverständnis gegenüber technologischen Veränderungen. Die Organisationssysteme in Konzernen und vielen mittelständischen Unternehmen sind in der digitalen Sphäre nicht mehr tragfähig. Unternehmensführer sehen ihre Organisation aber immer noch als kontrollierbare Entität – auch im Netz:

„Genau das funktioniert nicht mehr, auch wenn man strikte Social Media-Guidlines formuliert oder Regeln festlegt, wer in der Außenwelt etwas sagen darf und was er sagen darf. Auch hier versucht man, das Ganze in Kontrollstrukturen einzugliedern, damit krampfhaft das Bild einer einheitlichen Entität gewahrt wird. Das kostet unglaublich viel Energie und funktioniert am Ende doch nicht“, resümierte der Kontrollverlust-Blogger Michael Seemann schon vor ein paar Jahren.

Schönwetter-Denke der Egomanen

Folgt man den Erkenntnissen der IW-Studie, läuft das immer noch nach dem Prinzip „Wasch mich, aber mach mich nicht nass.“ Reflexionsfähig sind die wenigsten Protagonisten in der Unternehmenswelt. Solange sich an den Kaminkarriere-Mustern nichts ändert, bleiben Narzissten auf den Chefsesseln. Die Wesenszüge dieser Führungspersönlichkeiten stehen dem Umgang mit Kontrollverlust entgegen: Überhöhte Anspruchshaltung, unkritische Selbsteinschätzung und Egoismus. So etwas wird man mit normalen Umfragen nicht ans Tageslicht befördern. Das Notiz-Amt plädiert für Couch-Interviews beim Psychiater.


Image „Konferenz“ by Unsplash (CC0 Public Domain)


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FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

Follow me

  • SNAPCHAT Digiday: NBC is using BuzzFeed for its Olympics Snapchat: Das US-amerikanische Hörfunk- und Fernseh-Network National Broadcasting Company (NBC) beauftragt das Medienunternehmen Buzzfeed und Influencer für die Snapchat Vermarktung der Olypischen Spiele in Rio. NBC plant insgesamt mehr als 6.700 Stunden zu streamen. Mit Materien bespielt wird unter anderem auch Snapchat, womit NBC vor allem die Zielgruppe im Alter zwischen 12-34 Jahren erreichen will. Gezeigt werden sollen aber nicht nur die Spiele selbst, sondern auch behind-the-scenes Eindrücke, wofür ein Snapchat Discover Channel während der Spiele eingerichtet wird.

  • FACEBOOK N24: Maas hat genug von Facebooks laxer Haltung: Bundesjustizminister Heiko Maas zufolge, zeigt Facebook bei der Bekämpfung von Hasskommentaren zu geringes Engagement, weshalb dieser nun indirekt mit einer Regulierung auf europäischer Ebene droht. Vor einigen Monaten verpflichtete sich Facebook freiwillig für ein strenges Vorgehen bei Hasskommentaren und Terror-Propaganda. Für den intransparenten Umgang bei der Löschung solcher Kommentare erhielt Facebook bereits einen Negativpreis von der Journalistenvereinigung Netzwerk Recherche.

  • AUTONOME AUTOS t3n: Bundesregierung will autonome Autos schnell erlauben: Verkehrsminister Dobrindt will noch im Juli diesen Jahres eine Reform des Straßenverkehrsrechts vorlegen. Damit wird der notwenige Rechtsrahmen für den Bau von selbstfahrenden Autos und deren Einführung in Deutschland geschaffen und dafür gesorgt, dass deutsche Autohersteller den Anschluss betreffend autonome Autos nicht verlieren. Neben dem Eingreifen in das System seitens des Fahrers in brenzligen Situationen soll außerdem eine Blackbox in die Autos eingebaut werden, die Daten aufzeichnet.

  • DIGITALISIERUNG t3n: Warum digitale Zerstörung manchmal besser ist als digitale Transformation [Kolumne]: In Anbetracht einer sehr raschen Entwicklung von neuen Technologien und einer damit verbundenen Digitalisierung stehen zunehmend mehr Unternehmen vor einer Herausforderung. Sie fühlen sich verpflichtet ebenfalls auf den Zug der digitalen Revolution aufzuspringen und eine Transformation zu meistern. Der Kolumnist Alain Veuve hat sich mit der Problematik detaillierter auseinandergesetzt und im folgenden Artikel zusammengefasst.

  • APPLE Mashable: Video shows possible new iPhone 7 without headphone jack: Zahlreiche Spekulationen über das Design des neuen IPhone 7 gab es bereits. Am Sonntag tauchte nun ein Video auf YouTube auf, welches das vermeintlich neue IPhone 7 von Apple präsentieren soll. Das Video zeigt einen Vergleich zwischen dem aktuellen IPhone Model 6s und dem neu designten IPhone 7. Neuerungen soll es vor allem betreffend der Kamera und dem Kopfhörer Anschluss geben.

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Über Leerformeln in digitalen Erzählungen – Netzdiskursen fehlt die theoretische Fundierung

DTO-GOV-AU_Misc-8 (adapted) (Image by adrian yee [CC BY 2.0] via flickr)

Der Kölner Soziologe Klaus Janowitz hat sich der Herkules-Aufgabe gewidmet, in der vernetzten Welt für etwas mehr Klarheit zu sorgen. Erinnert sei an seine Überlegungen zur Hashtag-Ökonomie als als Gegenentwurf zur durchorganisierten Gesellschaft. Es geht dabei um Verbindungen von Neigungen und Interessen. Es geht um vernetzten Individualismus fernab von Reports, Indikatoren, Kennzahlen und Excel-Tabellen, die nur Ausdruck der Hilflosigkeit in einer vernetzten Welt sind. Jetzt versucht sich Janowitz an der Einordnung des Begriffes der Digitalen Transformation, der seit einigen Jahren den Diskurs im Netz beherrscht und Veränderungen in Unternehmen und Organisationen beschreibt.

Die heiße Luft der Digital-Darwinisten

Dabei findet er eine Menge heiße Luft, etwa im jüngsten Buch der so genannten Digital-Darwinisten Karl-Heinz Land und Ralf Kreuzer: „Mit dem Begriff digitale Transformation wird der zielgerichtete Einsatz von digitalen Technologien bezeichnet, um die eigenen Wertscho?pfungsprozesse unter Einsatz von digitalen Technologien neu- oder umzugestalten.“ Zerpflückt man diesen Satz in seine Einzelteile, bleibt wenig Substanz übrig. Was heißt denn „zielgerichteter Einsatz“? Was sind eigene Wertschöpfungsprozesse? Als Antipoden zitiert Janowitz den Kolumnisten Alain Veuve: „Transformation impliziert einen Prozess, der einen Anfang und ein Ende hat.“ Unternehmen machen sich fit für die digitale Transformation. Veränderungen sind nicht nur von den Informationstechnologien getrieben, auch anderswo gibt es Fortschritt.

Eingaben ohne Ziel

Das Notiz-Amt sieht sich näher bei der Position von Alain Veuve und verweist auf das Schrifttum des Systemtheoretikers Niklas Luhmann. Wie kann überhaupt noch etwas zielgerichtet laufen, wenn die Eingabe von Daten und das Abrufen von Informationen soweit getrennt werden, dass keinerlei Identität mehr besteht. Wer etwas eingibt, weiß nicht, was auf der anderen Seite entnommen wird. Die Autorität der Quelle wird entbehrlich, sie wird durch Technik annulliert. Ebenso entfällt die Möglichkeit, die Absicht einer Mitteilung zu erkennen und daraus Verdacht zu nähren oder sonstige Schlüsse zu ziehen, die zur Annahme oder Ablehnung der Kommunikation führen könnten. Die moderne Computertechnik greift die Autorität der so genannten Experten an. Fast jeder hat mittlerweile die Möglichkeit, die Aussagen von Wissenschaftlern, Journalisten, Unternehmern oder Politikern am eigenen Computer zu überprüfen.

Die Tautologien der digitalen Avantgarde

Was bedeutet das für die Tautologien, die uns von Digitalen Darwinisten oder sonstigen Digitalen Evangelisten inflationär um die Ohren gehauen werden? Solche Internet-Erklärer, die die Konferenzbühnen beherrschen, stellen sich nicht einer kritischen Überprüfbarkeit ihrer Erzählungen. Wo bleibt die theoretische Fundierung im Diskurs über die Wirkungen der Digitalisierung für Wirtschaft, Gesellschaft und Staat? Die vorherrschenden Erzählungen in Netz-Debatten, die sich mit Digitaler Transformation, Content Marketing, Storytelling, Plattformen oder Industrie 4.0 beschäftigen, bestehen aus „ganzheitlicher“ Phrasendrescherei. Das gilt für die Beraterzunft und auch für die betriebswirtschaftlich ausgebildeten Stichwortgebern.

Selbstkonstruierter Unsinn

Der Wissenschaftstheoretiker Hans Albert würde das Keynote-Gemurmel als selbstkonstruierten Unsinn abtun. Belastbar seien nur Aussagen, die sich anhand einer Auseinandersetzung mit uns umgebenden realen Welt überprüfen lassen. Es dominieren hypothesenlose Leerformeln, die ihre empirische Gehaltlosigkeit verschleiern. Man könnte sogar von Dogmen sprechen, da uns von vielen digitalen Vordenkern absolute Gewissheiten verkauft werden, ohne auch nur in Ansätzen empirische Einsichten zu vermitteln. Man fahndet nur nach Bestätigungen der eigenen Sichtweise und schließt von Einzelphänomenen auf die Allgemeinheit. Vermeintliche Wahrheiten wurden und werden von gläubigen Anhängern ohne Überprüfung der Fehlerhaftigkeit verteidigt. Wer nicht an sie glaubt, gilt als verstockt und rückwärtsgewandt. Eine kritische Urteilsfähigkeit kann so nicht entstehen. Selbst eine noch so oft wiederholte Beobachtung der regelmäßigen Verbindungen von Dingen oder Ereignissen rechtfertigt es nicht, daraus eine logisch zwingende Schlussfolgerung auf eine Gesetzmäßigkeit zu ziehen.

Die Überprüfbarkeit von Hypothesen

Jeder sollte daher immer kritische Widerlegungsversuche von Hypothesen anstellen, statt nur nach Bestätigungen des eigenen Gedankengebäudes zu suchen. Beim jüngsten netzökonomischen Diskurs im Kölner Startplatz wurden Ideen verhandelt, wie man den dominierenden digitalen Plattformen des Silicon Valley Paroli bieten könnte. Zur Sprache kamen Open Source-Ideen, die zu einer Dezentralisierung des Netzes taugen. Kann man sich überhaupt aus der häufig zu beobachtenden Pareto-Verteilung befreien, die in den meisten Netzwerken vorherrscht? 20 Prozent derer, die Einkommen haben, zahlen 80 Prozent der Einkommenssteuer; 20 Prozent der Produkte eines Supermarktes machen 80 Prozent des Umsatzes aus; 20 Prozent der Wissenschaftler bekommen 80 Prozent der Zitate ab; 20 Prozent der Wissenschaftler schreiben 80 Prozent der wissenschaftlichen Texte. Selbst für Wikipedia gilt: 20 Prozent der Autoren liefern 80 Prozent der Beiträge. Wie kommt man aus diesen Machtstrukturen raus?

Raiffeisen für die Netzökonomie

Letztlich plädierte die netzökonomische Fachrunde für einen stärkeren Schulterschluss, den vor allem kleine und mittelständische Unternehmen leisten müssen. Etwa über die Raiffeisen-Idee, die im 19. Jahrhundert begründet wurde: Solche Genossenschaften seien Netzwerke, die helfen, wenn eine Branche im Wandel und im Wachsen ist, erläutert die Volkswirtin Theresia Theurl von der Uni Münster gegenüber der Wirtschaftswoche: „Bist Du nicht groß oder besonders stark, musst du besonders schlau sein. Man kann sich Größe auch organisieren, ohne sich abhängig zu machen.“ Um das Problem der schlechten Bonität zu lösen, setzte der Sozialreformer Friedrich Wilhelm Raiffeisen auf das Prinzip „Hilfe zur Selbsthilfe„. Man könnte es auch nach dem Motto der „Vier Musketiere“ formulieren: „Einer für alle, alle für einen„.

Eine Gruppe Kreditbedürftiger schließt sich zusammen und stattet ihre Genossenschaften mit Haftungskapital aus. Für den Einzelnen ist die Einlage bezahlbar, doch unter dem Strich kommt ein ordentliches Kapitalpolster zusammen. Dadurch entsteht eine privat finanzierte Bank, die Geld an ihre Mitglieder verleihen kann, ohne bei Ausfällen einzelner Schuldner pleitezugehen.

Dies erläuterte die Wirtschaftswoche. Gleiches gilt für die Digitalisierung der Wirtschaft, etwa bei Investitionen in 3D-Drucker, beim Einkauf, bei der Vermarktung über Plattformen und beim Wissenstransfer. Bringt die Raiffeisen-Idee nun Impulse für die Netzökonomie in Deutschland? Das muss nun empirisch überprüft werden mit Rückgriffen auf die Wirtschaftsgeschichte und auf heutige Phänomene. Es steht eine Hypothese zur Disposition, die mit Daten aus dem 19. Jahrhundert und mit aktuellen Daten abgeklopft werden kann – ohne esoterische Quatschereien.


Image (adapted) „DTO-GOV-AU Misc-8“ by adrian yee (CC BY 2.0)


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Machteliten-Hacking für die digitale Transformation

Thomas Sattelberger (image by Dr. Bernd Gross [CC BY-SA 4.0] via Wikimedia)

Technologische Innovationen nutzen nach Auffassung von Lars Vollmer überhaupt nichts, wenn das Management veraltet ist. Aber genau da fangen nach Analysen des Notiz-Amtes die Probleme an. Big Data, Industrie 4.0 und die Digitalisierung der Geschäftsmodelle laufen ins Leere, wenn das Management in der Version 1.0 steckenbleibt: „Kästchen werden geschoben, neue Standard-Prozeduren erfunden (Six Sigma, ISO xxxxx, usw.) oder Abteilungsnamen geändert (Compliance Management statt Interne Revision – Sie wissen schon…). Also doch nicht Management 1.0, eher Management 1.378. Im Kern ist es aber immer noch eine paternalistische SOZIAL-Technologie auf Kenntnisstand des letzten und mit einem Menschenbild des vorletzten Jahrhunderts. Das kann natürlich nicht funktionieren“, so Vollmer in einem Gastbeitrag für die Zeitschrift Capital.

DAX-Konzerne im Sinkflug

Management-Denken 1.0 ist wohl eher die harmlose Beschreibung der Gemengelage der Deutschland AG. Man braucht sich nur die Keynote von Thomas Sattelberger auf der Next Economy Open in Bonn anzuschauen.

Als ehemaliger Personalvorstand in Unternehmen wie Daimler, Continental, Lufthansa und Telekom plauderte er im Rheinischen Landesmuseum aus dem Nähkästchen. 50 Prozent der DAX-Konzerne stecken in einer akuten Krise oder sind an die Grenzen ihres Geschäftsmodells gelangt. Aus der blühenden Bankenlandschaft ist eine am staatlichen Tropf hängende Commerzbank und eine um ihre globale Wirkung ringende Deutsche Bank geworden. Bei den ehemaligen Energie-Giganten E.ON und RWE werde an der Börse schon der Exitus durch spekuliert. Viele große Spieler stehen mit dem Rücken zur Wand und sind unfähig, sich zu transformieren.

Wie soll das in einem Inzucht-System auch gelingen, wenn Müller nur Müllerchen rekrutiert. Seilschaften sichern sich ihre Karrieren in den obersten Chefetagen ab. Die Denkschulen für Manager und Ingenieure sind auf Berechenbarkeit und Planungsillusionen aufgebaut. Sie scheuen Experimente und blockieren Investitionen in ungewohnte Territorien, die zu schlechteren Quartalszahlen führen könnten. Es geht um Effizienz sowie um die Bewahrung von Margen und nicht um neue Geschäftsmodelle.

Reaktionäre Denkmodelle und Altherren-Dünkel

Zu beobachten am maroden Telekom-Konzern, der sich als Avantgarde der Besitzstandswahrer jetzt sogar die Startup-Szene zur Brust nehmen will. Wer keinen Vorfahrtschein für den bevorzugten Datentransport im Internet einlöst, muss halt Geschäftsanteile an den ehemaligen Monopolisten abdrücken. Die Digitale Transformation zelebriert der Magenta-Laden nicht mit attraktiven Datendiensten, sondern mit einem dümmlichen politischen Lobbyismus.

Die reaktionären Denkmodelle aus der Zeit der Massenproduktion, in denen man ausgebildet und sozialisiert wurde, stellt man nur ungern auf den Kopf. Höttges, Zetsche & Co. wird es allerdings nicht gelingen, mit diesem Altherren-Dünkel über die Runden zu kommen.

Bei den DAX-Konzernen gibt es 29 Absteiger seit 1988, von denen 24 dauerhaft verschwunden sind. Der Lebenszyklus der deutschen Konzerne wird immer kürzer. Nur vier Prozent der DAX-Vorstände verfügt über unternehmerische Erfahrung. Da hilft dann auch der Silicon Valley-Tourismus nichts. Da kommt man hin, macht große Augen, kommt zurück, fällt in die alte Max Werberscher Bürokratie hinein und repetiert die alten Routinen“, moniert Sattelberger.

Alter Mittelstand

Im Mittelstand sieht es nicht viel besser aus. Nur sechs Prozent der sogenannten Hidden Champions wurden nach 1964 gegründet. 94 Prozent der Top-Mittelstandsfirmen sind älter als 50 Jahre. Konsequenz: Die Investitionsbereitschaft von Inhabern sinkt mit zunehmendem Alter rasant. Von den Unternehmern über 60 Jahren investiert laut einer KfW-Analyse nur noch rund jeder Dritte. Die anderen ziehen sich aus der Weiterentwicklung ihres Unternehmens zurück. Das gefährdet den künftigen Geschäftserfolg, bremst die Modernisierung und reduziert das gesamtwirtschaftliche Wachstum. Sinkt die Wettbewerbsfähigkeit, sind häufig auch Arbeitsplätze gefährdet.

Verschärft wird der Status quo durch die miserable Reproduktionsquote von neuen und frischen Unternehmen jenseits von Nagelstudios und Shops zur Haarverlängerung. In Europa sind wir bei den Firmenneugründungen fast das Schlusslicht. Nur Frankreich schneidet schlechter ab. Und nur acht Prozent der deutschen Startups hat mit Mathematik, Naturwissenschaften oder Technik zu tun.

Sattelberger wünscht sich den Tod der Personalfunktion

Was wir in Konzernen und im industriellen Mittelstand erleben, sind häufig reine Abwehrschlachten. „Der VW-Skandal ist geprägt von einem Endkampf des innovationsärmsten Automobil-Unternehmens um den Verbrennungsmotor“, sagt Sattelberger.

Die Dieselgate-Machenschaften seien beispielhaft für die Führungskultur in Konzernen und patriarchalisch geprägten Mittelständlern: „Filz wie bei der Fifa oder der Kommunistischen Partei. Zuvor waren es Siemens, ThyssenKrupp, Deutsche Bahn, Telekom, Münchner Rück/Ergo, Deutsche Bank, Infineon und Daimler. Das hat etwas mit den systemstabilisierenden Mechanismen geschlossener und einfältiger Organisationen zu tun, mit tradierten Machtkernen Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. Es hat leider auch etwas mit der Erfüllungsgehilfen-Politik des Personalmanagements zu tun“, erklärt Sattelberger, der sich als ehemaliger Personalvorstand in DAX-Konzernen den Tod oder das Ende der klassischen Personalfunktionen wünscht.

Nur so sei eine Revitalisierung der Wirtschaft möglich. Die noch nicht im Sozialprodukt messbare Schieflage vieler Firmen hängt auch mit der mangelhaften Koalitionsfähigkeit der Veränderer zusammen. Die Graswurzelbewegungen, die von außen Druck ausüben könnten, schottet sich in Silos ab. Sattelberger fordert deshalb eine Große Koalition von digitaler APO und Offline-Rebellen, um die geschlossenen Systeme zu knacken, die sich nur über Beförderungs- und Rekrutierungsmechanismen über Wasser hält.

Popper war ein Hacker der politischen Elite

Distanziert äußerte sich Sattelberger in Bonn über die Forderungen nach Leadership oder charismatischer Führung. Leider sei jetzt schon der kooperative Führungsstil auf dem Rückzug. Bevorzugt werde die autoritäre Seite, die zum Duckmäusertum wie bei VW beiträgt: „Wir haben es mit einer Verrohung von Führung zu tun.

Es sei ja wunderbar, wenn Arbeitsministerin Andreas Nahles schon von Arbeiten 4.0 spricht. Wir müssten aber erst einmal Reparaturen im alten Betriebssystem vornehmen. Menschen werden im Arbeitsleben leider immer noch wie Objekte behandelt wie in Zeiten der Dampfmaschine. Gefordert ist jetzt Diversität, um geschlossene Systeme aufzubrechen.

In einer Session der NEO15 plädierte Soziopod-Blogger Patrick Breitenbach im Streitgespräch mit dem Brightone-Analysten Stefan Holtel gar für ein Machteliten-Hacking. Man müsse Gegen-Narrative in die Organisation bringen. Die alten Eliten sind von einer Blase der Ja-Sager umgeben. Wie wäre es mit einer subversiven Injektion für kritisches Denken? Der Philosoph Karl Popper hatte eine sehr intensive Beziehung zum leider verstorbenen Altkanzler Helmut Schmidt. Das habe den früheren Regierungschef in seinem politischen Denken sehr stark geprägt.

Popper war indirekt ein Hacker der politischen Elite“, bemerkt Breitenbach. Man brauche zudem starke Metaphern, um bei den Entscheidern der Machtelite etwas anzurichten, ergänzt Holtel.

Um Peer-to-Peer-Prinzipien von Formaten wie der Next Economy Open in wirtschaftliche oder politische Organisationen zu bringen, braucht man also nicht nur digitale Werkzeuge.


Image „Thomas Sattelberger“ by Dr. Bernd Gross (CC BY-SA 4.0)


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Management by Internet ist keine Utopie

Schwarz-Weiß-Denken hilft bei der digitalen Transformation nicht weiter. Das beweist ein kleiner US-amerikanischer Autohersteller. // von Gunnar Sohn

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Vernetzung statt Hierarchie, Agilität statt lange Planung – Digitalisierung, Internet und soziale Netzwerke erfordern neue Führungsprinzipien, so die zentrale These des neuen Buchs „Management by Internet“ von Willms Buhse.

Die Technik stehe dabei gar nicht im Vordergrund. Viel wichtiger seien Änderungen jener Mentalitäten und Organisationsformen, die den Arbeitsalltag der meisten Menschen in Deutschland prägen. „Zentral gelenkte, hierarchische Organisationen sind in ihrer starren Verfasstheit kaum in der Lage, angemessen auf Veränderungen zu reagieren. Es geht darum, Unternehmen agiler zu machen, ihnen Freiraum für selbst organisiertes Arbeiten zu schaffen“, erläutert der Enterprise-2.0-Experte.

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Wie der New Yorker die digitale Transformation schaffen kann

New York (adapted) (Image by melissamahon [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Das 1925 gegründete Magazin New Yorker erfindet sich digital neu. Fünf Gründe, warum die Transformation gelingen kann. „Es ist schwer zu sagen, was der New Yorker im Internet macht. Sie posten die besten Texte nicht online – außer wenn sie es doch tun. Die besten Autoren bloggen nicht – oder doch„. Es war im Winter letzten Jahres, als das Literaturmagazin n+1 süffisant anmerkte, dass die Online-Strategie des New Yorker offenbar ist, keine Strategie zu haben. Das hat sich diese Woche geändert.

In einem „Brief an die Leser“ erklärt die Redaktion die Veränderungen: Alle Artikel seit 2007 sind online, teilweise auch Scans bis zurück ins Gründungsjahr 1925, es gibt zusätzliche Blogs. Dazu ein neues Design auf WordPress-Basis und bis zum Herbst ist alles frei zugänglich, danach kommt es eine Metered Paywall.

Fünf Gründe, warum es der New Yorker schaffen könnte, ein funktionierendes, digitales Geschäftsmodell zu finden:

1. Streber in Sachen Design

Die offensichtlichste Veränderung betrifft das Design der Webseite. Viele weiße Flächen, größere Schrift, fixe Navigation: Das Aussehen folgt den momentanen Design-Trends und gängigen Usability-Regeln, mit den typischen Schriftarten bleibt dennoch Individualität erhalten. Der Guardian schreibt metaphorisch: „Die Seite sieht immer noch aus wie der New Yorker, aber mit mehr Raum zum Atmen in der U-Bahn„.

Für die technische Umsetzung hat sich der Condé-Nast-Verlag für das Content-Management WordPress entschieden, wie schon bei Wired. Ein kluger Schachzug war dabei, den Webentwickler Michael Donohoe als Director of Product Engineering zu engagieren. Donohoe war bereits bei der New York Times tätig und zuletzt beim Launch des oft gelobten Wirtschaftsmagazins Quartz federführend dabei – auch dort wird WordPress genutzt.

Mit dem Redesign hat der New Yorker keine offensichtlichen Schnitzer in Sachen Usability erlaubt – auch weil sie dort genau wissen, dass das Auswirkungen auf den Erfolg der Paywall haben wird: „Es ist in unserem ökonomischen Interesse, das Lesen so leicht wie möglich zu machen, denn dann werden Leute lesen und die Texte teilen“, sagt Online-Redakteur Nicholas Thompson dem Magazin Capital.

2. Die Paywall hat mehrere Monate Vorlaufzeit

Ab Herbst soll eine Metered Paywall wie bei der New York Times gelten. Eine bestimmte Anzahl von Artikeln ist dann kostenfrei zu lesen. Wer mehr will, muss ein Abo abschließen.

Spannend ist dabei: In den kommenden Monaten will Condé Nast laut New York Times Daten sammeln, um die optimale Paywall zu installieren. Wie viele Texte sind frei? Sind nur Printartikel beschränkt oder auch Blogbeiträge? Was ist mit Podcasts oder Karikaturen? Sich mit dieser Entscheidung auf empirische Erhebungen zu verlassen, ist schlau.

Ökonomisch sind Metered Paywalls eine Preisdifferenzierung durch zwei verschiedene Versionen. Die Ökonomen Carl Shapiro und Hal Varian empfehlen in ihrem Standardwerk „Information Rules“ bei einer solchen Konstellation zwei Regeln: Erstens, den Preis für die kostenpflichtige Variante nicht zu hoch ansetzen, um das Abo relativ gesehen attraktiver zu machen. Und zweitens, die Qualität des kostenlosen Angebots schlechter zu machen – also weniger Texte pro Monate zur Verfügung stellen. Wo diese Schwelle genau liegen sollte, kann aus den in der Zwischenzeit erhobenen Daten gewonnen werden. Man kann gespannt sein, wie der New Yorker die Preise und die frei verfügbare Menge setzt.

3. Die Bezahlschranke ist gut für die Leser

Erst die konsequente Ausrichtung des Verlags auf das Internet macht es möglich, dass wirklich alle Texte auch online zu finden sind. Ein größeres Angebot – also gut für die Leser.

Natürlich handelt der New Yorker nicht selbstlos: Das Archiv soll neue, am besten zahlende Kunden gewinnen; ältere Texte können wiederverwertet werden. Für Konsumenten ist das trotzdem vorteilhafter als bisher, die bisher von der New York Times als „unberechenbar“ bezeichnete Auswahl der Texte aus der Printausgabe, die online gestellt wurden.

Dieses viel größere Angebot ruft die Kuratierer auf den Plan: In den letzten Tagen gab es bereits eine ganze Reihe von Listen, mit Texten, die man unbedingt lesen soll. Bei „The Awl“ sind mehrere solcher Auflistungen aggregiert.


Eine Session auf dem New Yorker Festival 2011 beschäftigt sich mit dem Alltag im Magazin:


4. Grenzen innerhalb der Redaktion weichen auf

Der neue Kurs hat auch Folgen für die Redaktion, deren Trennung zwischen Print und Online zwangsläufig aufbrechen muss. Denn laut Capital werde an einer neuen Gehaltsstruktur gearbeitet, um der neuen Strategie gerecht zu werden. Für festangestellte Redakteure sind in den bisherigen Verträgen alle Blogbeiträge abgegolten. Das verändert sich gerade: 250 US-Dollar zahle das Magazin pro Blogbeitrag mittlerweile.

Auch beim für sein Fact-Checking bekannte Magazin, herrscht ein bisher ein klaren Ungleichgewicht pro Print: Von 15 Faktenprüfern ist nur eine Person für die Online-Ausgabe abgestellt. „Das ist wahrscheinlich immer noch einer mehr als allen anderen„, sagt Redakteur David Remnick zu Capital. Wenn nun künftig alle Artikel automatisch auch online erscheinen, bricht diese strikte Trennung auf.

5. Die Kombination macht’s

Beim New Yorker haben sich die Verantwortlichen dafür entschieden, den Schritt Richtung bezahlte Inhalte zu machen – und zwar ganzheitlich: Eine Paywall ohne wirklich nutzerfreundliches Design hat wahrscheinlich wenig Sinn, genauso wie tolles Aussehen der Webseite ohne die Texte aus dem gedruckten Heft.

Das Traditionsmagazin könnte verschiedene Eigenschaften auf sich vereinen, um die digitale Weiterentwicklung zu schaffen: Reputation und Qualitätsinhalte, nutzerfreundliche Webseite, ein globales Publikum. Und nicht zu vergessen: Noch immer verkaufen sich mehr als eine Million gedruckte Hefte pro Ausgabe – aus finanzieller Not handelt der Verlag deshalb wahrscheinlich nicht, sondern aus Weitsicht. Way to go, New Yorker!


Image (adapted) „New York“ by melissamahon (CC0 Public Domain)

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