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Der Kampf gegen die Handysucht – unsere fünf Top-Tipps

Symbolbild Kampf gegen die Handysucht

Das Smartphone zu jeder Zeit dabeizuhaben, ist inzwischen für viele Menschen normal geworden. Doch dort, wo viele 2015 und 2016 noch anprangerten, wir würden alle süchtig sein nach unserem Handy und die Außenwelt gar nicht mehr wahrnehmen, sind viele Kritiker mittlerweile verstummt. Es lässt sich aber nicht von der Hand weisen, dass Handysucht existiert und ganz reale Konsequenzen hat. Von dem Vernachlässigen des eigenen Schlaf-Rhythmus‘, über Eltern, die ihre Kinder aufgrund der Smartphones ignorieren, bis hin zu tödlichen Verkehrsunfällen. Ausgelöst, weil man noch eben schnell eine Nachricht abschicken wollte. Auch wenn es manchmal so scheint, als hätten wir uns als Gesellschaft damit abgefunden, dass das Smartphone wichtiger ist als die reale Welt, so macht uns die exzessive Nutzung vom Handy launisch und unaufmerksam. Wir müssen also anfangen, uns aktiv für den Kampf gegen die Handysucht einzusetzen.

Nun hat sogar Tim Cook, seines Zeichens CEO von Apple, quasi dem Erfinder des Prestige-Smartphones, vor den Folgen von Handysucht gewarnt. Und auf der TIME 100 Summit ausgesagt, dass wir alle ein besseres Verständnis für die Gefahren von Smartphones und Apps brauchen. Wir wollen mal mit gutem Beispiel vorangehen und eröffnen euch fünf Tipps, wie ihr eure Handyzeit reduziert.

Führt euch eure Handynutzung vor Augen

Nicht nur auf dem iPhone kann man inzwischen einsehen, wie viel Zeit man am Smartphone täglich verbringt. Sondern auch auf allen Android-Geräten, die mindestens Android neun installiert haben. Wir waren geradezu erschlagen und leicht beschämt, als wir uns unserer Statistiken ansahen. Nicht nur die schiere Menge an Zeit, die täglich für das Nutzen des Smartphones draufgeht, macht betroffen, sondern auch die Anzahl der Benachrichtigungen, die uns täglich erreichen. Bei uns waren das 83 Stück pro Tag und somit über 500 in der Woche. Wer braucht eine solche Reizüberflutung? Führt euch vor Augen wie viel ihr euer Smartphone täglich nutzt und analysiert, wofür ihr am meisten Zeit investiert. Ein guter Anhaltspunkt im Kampf gegen die Handysucht ist also, sich zu fragen: Was ist sinnvoll und wo kann Zeit eingespart werden?

Notifications ausschalten

Denn sie erregen immer sofort unsere Aufmerksamkeit und machen uns dementsprechend auf Dauer nervös. Jedes Mal, wenn das Handy surrt, blinkt oder aufleuchtet ,wollen wir sofort gucken: Hat uns wer geschrieben? Sollten wir darauf antworten? Gibt es einen interessanten Tweet? Ein Thema über das alle reden? Diese Angst etwas zu verpassen, auch genannt Fomo (Fear Of Missing Out), kann ein immenser Stressfaktor sein. Gerade, wenn sich die Nachrichten häufen, oder sie völlig irrelevant sind. Sortiert also sorgfältig aus, welche Benachrichtigungen Sinn machen und welche Apps ihr zum schweigen bringen könnt.

Bei Smartphone Sucht: Das Handy bewusst zur Seite legen

Auch wenn es zu Beginn schwerfällt. Legt für euch selbst Aktivitäten fest, wie Joggen, Lesen, oder sogar Fernsehen, bei denen ihr das Smartphone ganz bewusst zur Seite legt und am besten auch komplett stumm stellt. Gönnt euch eine komplette Auszeit von dem „ständig erreichbar sein“ und lernt wieder, euch auf Dinge bewusst zu konzentrieren und zu fokussieren. Wir wissen selbst, wie schwer es sein kann, bewusst abzuschalten. Denn natürlich bietet das Smartphone gerade bei Notfällen eine tolle Möglichkeit, miteinander in Kontakt zu bleiben. Dennoch ist das Abschalten im Kampf gegen die Handysucht essentiell. Und längerfristig betrachtet: wenn wir nicht lernen, uns bewusst von diesem Stressfaktor abzukoppeln, kann das psychische Folgen haben.

Apps reduzieren

Welche Apps brauche ich wirklich? Und welche nehmen nur unnötige Zeit in Anspruch? Auch eine gute Frage, die man sich stellen sollte, wenn man der eigenen Handysucht entgegenwirken möchte. Egal ob ihr fünf Shopping-Apps, oder zehn Social-Media-Apps auf dem Smartphone habt. Hinterfragt, welche Apps euch wirklich einen Mehrwert bringen und welche ihr regelmäßig verwendet. Und löscht die Apps, die euch nur unnötige Mitteillungen schicken und euch nur belasten.

Zeiten zur Nutzung festlegen

Dieser Tipp kann euch besonders helfen, wenn eure Handysucht von einer Social-Media-Sucht herrührt. Wenn ihr also ständig das Bedürfnis habt, Facebook, Instagram und Co zu checken. Legt euch bestimmte Zeiten fest, an denen ihr einmal die Feeds der entsprechenden Apps durchguckt und danach das Handy wieder zur Seite legt. Somit habt ihr meistens nicht nur einen besseren Überblick über eure Handy-Nutzung, sondern lernt auch Social Media wieder viel bewusster zu erleben.

Der Kampf gegen die Handysucht geht nur mit Selbstdisziplin

Dass das Smartphone mit vielen interessanten Ablenkungen lockt, wissen wir selber gut genug. Es ist so schön einfach, tollen Content zu den Themen zu finden, die einen wirklich interessieren. Oder wahlweise natürlich auch Streit mit wildfremden Menschen anzufangen. Das Internet ist Unterhaltungs- und Bildungsmagnet zugleich und das Smartphone bündelt das alles auf einem kleinen handlichen Gerät, das buchstäblich immer verfügbar ist. Aber trotzdem sollten und müssen wir lernen, dass unsere Zeit eigentlich zu kostbar ist, um sie nur vor einer virtuellen Welt zu verbringen. Das Handy bietet unerschöpfliches Material, aber das echte Leben ist es, das den Großteil unserer Aufmerksamkeit benötigt.


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In-Game Käufe – warum geben wir so viel Geld in Spielen aus?

In-Game Käufe sind in vielen Spielen etwas normales geworden. Aber wie kommt es, dass wir bereit sind Geld für etwas auszugeben, das uns oftmals keinen Nutzen verspricht.

Die Art, in der wir Videospiele konsumieren, hat sich in den letzten Jahren stark verändert. „Früher“ haben wir uns ein Spiel gekauft und es gespielt. Ganz vielleicht gab es irgendwann mal ein Addon und das haben wir uns dann auch gekauft und gespielt. Fertig. Mittlerweile gehören Microtransactions und In-Game Käufe gerade zu vielen Spielen dazu und schaffen es, ganze Titel zu finanzieren, die eigentlich kostenlos sind. Spieler geben dabei teilweise Unmengen an Geld aus. Häufig sogar nur für Gegenstände, die rein kosmetischer Natur sind und das Spiel als solches gar nicht erweitern.

Kosmetische Gegenstände – Seltenheit und Ansehen

Die Battle Royale Spiele Apex Legends und Fortnite beweisen momentan eindrucksvoll, wie sich Free-to-Play Spiele über In-Game Käufe finanzieren können. Aber auch ältere Spiele wie League of Legends bieten die Möglichkeit, kosmetische Gegenstände für die eigenen Avatare zu kaufen. In der Regel läuft das über eine In-Game Währung, die sich Spieler zwar auch erspielen können, was in der Realität aber meistens nahezu utopisch ist. Der einfachere Weg besteht darin, die In-Game Währung für Echtgeld zu kaufen und sich damit Skins, Emotes, Tänze oder andere Gegenstände zu kaufen.

Neben derartigen Möglichkeit gibt es in Fortnite und seit dem 19. März auch in Apex Legends einen Battle Pass. Dieser Battle Pass verspricht mit jeder Stufe kosmetische Belohnungen. Die Stufen schalten Spieler frei, indem sie viel spielen und in den einzelnen Runden Aufgaben à la „Erledige vier Gegner mit einer Handfeuerwaffe“ erledigen. Somit werden natürlich die höheren Gegenstände immer seltener und begehrter. Die Battle Passes selbst können dabei auch nur durch In-Game Käufe erworben werden und stehen nicht etwa kostenlos zur Verfügung.

Die Seltenheit der kosmetischen Gegenstände steigert außerdem das damit verbundene Prestige. Ein Spieler, der in Fortnite mit dem höchsten Battle Pass-Skin der aktuellen Season rumläuft, vermittelt automatisch den Eindruck, erfahren zu sein. Tatsächlich lassen sich die Battle Pass Stufen aber auch käuflich erwerben, ohne dafür zu spielen. Der Antrieb, sich mit kosmetischen Gegenständen Prestige zu erkaufen, scheint dabei groß zu sein. Einer Umfrage der Seite LendEDU nach zu urteilen, geben Spieler im Schnitt etwa 85 US-Dollar in Fortnite aus. Von den 1000 Befragten gaben beinahe 69 Prozent der regelmäßigen Spieler an, in Fortnite Geld ausgegeben zu haben. Laut der Seite Techcrunch hat Fortnite 2018 in etwa drei Milliarden US-Dollar Gewinn erwirtschaftet. Zur Erinnerung: Fortinte Battle Royale kann komplett kostenlos gespielt werden.

Die genannten Spiele sind aber bei weitem nicht die einzigen Spiele, in denen Spieler Echtgeld loswerden können. Es gibt etliche weitere. Von Candy Crush über Counter Strike: Global Offensive bis hin zu Blizzards Overwatch – In allen Spielen lassen sich Inhalte mit Echtgeld kaufen.

Ist das Glücksspiel?

In FIFA 19 und auch in dessen Vorgänger können sich Nutzer außerdem Spielerpacks für den Modus FIFA Ultimate Team kaufen. Die darin enthaltenen Spieler werden dann für das eigene Team verwendet. Besonders begehrt sind die Ikonen. Bekannte Spieler, die bedeutend besser und dabei extrem selten sind. Auch hier können die Packs durch eine erspielte Währung gekauft werden. Deutlich schneller kommt man in dem kompetitiven Online-Modus aber voran, indem echtes Geld investiert wird. So besteht auch hier die Möglichkeit, die nötige Währung durch In-Game Käufe zu erhalten.

Der einzige Unterschied: In diesem Fall bringen die Spieler aus den Packs mit Glück sogar einen aktiven Spielvorteil. Zusammenfassend kann man also sagen, Spieler geben hier Geld aus und erhoffen sich einen begehrten Gewinn. Die Wahrscheinlichkeit an diesen Gewinn zu kommen ist dabei wahnsinnig gering. Eine weltweite Debatte darüber, ob Lootboxen als Glücksspiel zu werten seien, hatte das Spiel Star Wars Battlefront 2 Ende 2017 ins Rollen gebracht. In Belgien beispielsweise gelten die Lootboxen einiger Spiele als Glücksspiel und sind damit nicht erlaubt. Der rechtliche Status der Boxen ist in vielen Ländern allerdings noch nicht geklärt.

Auf der Seite fifarosters gibt es sogar ein Tool, mit dem Nutzer die Packs aus Fifa öffnen können, ohne dafür Geld zu bezahlen oder die Spieler in FIFA nutzen zu können. Lediglich das beliebte Gefühl beim Öffnen eines Packs lässt sich hier erzeugen. Die Idee ist skurril aber irgendwie auch wieder genial.

Handyspiele, Belohnungen und Wartezeiten

Auch diverse Mobile-Games bieten die Möglichkeit, echtes Geld loszuwerden. Das Prinzip ist dabei häufig ähnlich. So gibt es gerade in Aufbauspielen die Möglichkeit, die Wartezeiten auf den nächsten Fortschritt durch eine besondere Währung zu verkürzen. Das perfide dabei ist, diese Wartezeit werden immer größer, je weiter fortgeschritten Spieler sind. Zu Beginn können beispielsweise Gebäude sofort gebaut werden und die damit verbundene Belohnung für den Spieler erfolgt sofort. Mit jedem weiteren Ausbau des Gebäudes verlängert sich allerdings das Warten auf den Abschluss des Gebäudebaus und die damit verbundenen Belohnung.

Über eine spezielle Währung lässt sich diese Wartezeit nun verkürzen. Häufig bekommen Spieler zu Beginn des Spiels eine geringe Menge dieser Währung. Ist diese aufgebraucht, heißt es warten oder ein paar Euro bezahlen, um weiterzukommen und die nächste Belohnung zu erhalten. Gerade anfällige Spieler können durch die anfängliche Belohnungsflut so angefixt werden, dass sie später eher bereit sind, Geld zu investieren.

Konditionierung!

Eine wichtige Rolle bei dem Erhalten eines Gegenstandes oder bei dem Erreichen eines Fortschritts, spielen auch die audiovisuellen Eindrücke, die dabei auf uns einwirken. Wer jetzt an den Pawlowschen Hund denkt, der denkt in die richtige Richtung. Der Wissenschaftler hat bei jeder Fütterung seines Hundes mit einer Glocke geläutet. Irgendwann brauchte er nur noch die Glocke zu läuten und der Hund kam trotzdem angerannt. Ähnlich konditionieren uns auch die Geräusche und Animationen beim Öffnen einer Lootbox. Zudem verstärkt sich durch die eingehenden Reize unser Belohnungsempfinden.

Twitch, YouTube und Co.

Viele Streamer und YouTuber spielen die besagten Spiele ebenfalls und kaufen natürlich auch die kosmetischen Gegenstände. Dabei wird das Öffnen von Packs und Lootboxen teilweise vor der Kamera zelebriert und als etwas extrem besonderes dargestellt. Auch das macht es gerade für jüngere Zuschauer noch attraktiver, dieselben Skins und Gegenstände zu besitzen, wie die Streamer, die oft eine Vorbildfunktion für ihre Zuschauer innehaben.

In-Game Käufe und Mikrotransaktionen können(!) süchtig machen

Beispiele wie das eines 19-jährigen aus den USA, der laut eigener Angabe um die 10.000 Dollar in In-Game Käufe steckte, zeigen, dass Mikrotransaktionen durchaus einiges an Suchtpotential bieten. Nichts liegt mir ferner, als den Entwicklern solcher Spiele pauschal zu unterstellen ihre Spieler in die Abhängigkeit zu treiben! Auch ist es zu einfach gedacht, die Spiele alleine für eine Sucht verantwortlich zu machen und noch weniger ist das Beispiel eines Betroffenen repräsentativ. Prinzipiell ist der Gedanke, in kostenlosen Spielen über andere Wege Geld zu verdienen ja auch verständlich.

Aktuelle Beispiele vermitteln jedoch manchmal den Eindruck, ganz gezielt Mechanismen anzusprechen, die gerade jüngere und damit beeinflussbare Spieler dazu verleiten sollen, ihr Geld In-Game auszugeben. Zu denken könnte einem auch geben, dass es für Nutzer, die große Mengen Geld in ein Spiel versenken, sogar einen extra Begriff gibt. Die nennt man „Whales“. Wie vertretbar solche Geschäftsmodelle sind, sollte man zumindest hinterfragen und bei der Alterseinstufung solche Gefahren noch etwas stärker miteinbeziehen.

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Image by Sergey Nivens via adobe.stock.com

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Phubbing: Die Sucht nach dem Smartphone

Phubbing-adapted-Image-by-Jacob-Ufkes-CC0-public-Domain-via-Unsplash-

Wir waren alle schon Opfer und sicherlich auch schon Täter: „Phubbing“ beschreibt das Phänomen, wenn wir unserem Smartphone mehr Aufmerksamkeit schenken als unserem Gegenüber. Der Begriff ist eine Symbiose aus den Worten „phone“ und „snubbing“, also vor den Kopf stoßen.

Gute alte Smartphone-Sucht

Gut 150 (!) Mal am Tag schauen wir auf unser Smartphone, um unsere Sucht nach sozialen Netzwerken zu stillen. Und auch wenn dieser Umstand das „Phubbing“ weniger überraschend macht –  es wird deutlich, dass etwas gewaltig schief läuft, wenn wir lieber Facebook oder Instagram checken, anstatt uns mit unserem Gegenüber zu unterhalten. Das dachte sich angeblich auch der Student Alex Heigh aus Melbourne. Deswegen rief er 2013 die Kampagne „Stop Phubbing“ sowie die Website stopphubbing.com ins Leben. Hier kann sich wunderbar satirische Statistiken durchlesen oder auch Anti-Phubbing-Plakate downloaden. Sätze wie „Wenn Phubbing eine Plage wäre, würde es sechsmal China dahinraffen“ oder „Während Sie ihren Status updaten, bedienen wir gerne die höfliche Person, die hinter Ihnen sitzt“ sind hier zu finden.

Und jetzt der Haken: Bei der Geschichte des australischen Studenten handelte es sich eigentlich nur um eine Werbekampagne für ein Wörterbuch. Die Werbeagentur McCann Erickson wollte mit der erfunden Initiative zeigen, dass Sprache lebt und immer neue Wörter entstehen. Und man sie somit irgendwo nachschlagen muss. Das Wort hat sich dennoch erfolgreich etabliert und der Nebeneffekt zündet ebenso.

So hat zum Beispiel Durex das Phänomen in seinem #DoNotDisturb-Video aufgegriffen und einen Viralerfolg gelandet. Fiktive Initative hin oder her, auch das Jugendwort des Jahres 2015 „Smombie“ (Symbiose aus „Smartphone“ und „Zombie“) macht die Message deutlich: Finger weg vom Handy und die echten Gespräche genießen!


Image (adapted) „Phubbing“ by Jacob Ufkes (CC0 Public Domain


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Macht das Arbeiten in Startups krank?

Es ist zwei Uhr morgens in Colorado. Sarah Jane Coffrey schreckt hoch und checkt panisch ihre E-Mails. Sie hat Angst, dass sie eine wichtige Nachricht verpasst hat – obwohl sie mal wieder bis in die Nacht gearbeitet hat. Sie ist nicht nur müde, sie ist erschöpft, am Ende ihrer Kräfte. So hatte sie sich das glamouröse Startup-Leben nicht vorgestellt. Rückblickend erinnert sie sich an ihre schlimmsten Momente ihrer ersten Startup-Erfahrung: „Bald fing ich an, bei der Arbeit zwei oder drei Mal die Woche auf der Toilette zu weinen. Es gab zwar manchmal konkrete Gründe für die Tränen, aber meistens weinte ich aus dem starken Gefühl der Überwältigung heraus.“

Wenn der Mythos Startup zu bröckeln beginnt

Das widerspricht eigentlich komplett dem Image der Gründerszene. Denn wohin man schaut, Startups sind der letzte Hype. Gründer sind die neuen Rockstars. Sie sind kreativ, verändern die Welt und durchbrechen festgefahrene Strukturen der Arbeitswelt. Wer möchte nicht in so einem Umfeld arbeiten?

Menschen wollen, dass ihre Arbeit bedeutungsvoll ist. Sie wollen etwas beeinflussen, ihre Talente nutzen, wertgeschätzt werden. Und sie wollen natürlich auch mit ihrer harten Arbeit die Karriereleiter schneller erklimmen als sie das je in einem klassischen Unternehmen könnten.“ So erklärt zumindest Sarah Jane Coffrey im Netzpiloten-Gespräch die Faszination, die die Gründerszene auf viele ausübt. Doch was, wenn dieser Mythos anfängt, zu bröckeln?                                           

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Sarah Jane Coffrey by Sarah Jane Coffrey

Sarah Jane Coffrey ist nicht die einzige, die mit viel Enthusiasmus bei einem Startup zu arbeiten anfing und dann, nach Monaten oder sogar Jahren, in denen 60-Stunden-Wochen die Norm sind, in ein tiefes Loch fällt. Miriam Goos, Neurologin und Gründerin von Stressfighter Experts, einer Burnout-Prävention-Firma, kennt viele solcher Beispiele aus ihrer täglichen Arbeit: „Je höher wir fliegen, desto tiefer können wir fallen“, sagt Goos. Was so poetisch klingt, ist für Betroffene aber alles andere als romantisch. Denn sie leiden meist unter Burnout, Depression, sozialer Vereinsamung – oder allem zusammen. 

Gerade Gründer haben nach Meinung von Goos diese große Fallhöhe. „Anders als Angestellte in einem langweiligen Bürojob, um es mal ganz platt zu sagen, wissen Gründer sehr genau, warum sie arbeiten. Sie verwirklichen ihre eigenen Ideen und oft steckt natürlich auch noch viel Eigenkapital im Startup. Da ist die Motivation natürlich sehr hoch“, erklärt Goos gegenüber den Netzpiloten.

Hohe Ideale, große Ziele und persönliche Investitionen sind natürlich riesige Antriebe, um voll durchzupowern. Das wäre an und für sich etwas sehr Positives. Problematisch wird es aber dann, wenn diese hohen Erwartungen nicht erfüllt werden. Gerade bei Startups, wo vieles noch im Anfangsstadium ist und Gründer sich selbst unter sehr viel Zeit- und Gelddruck setzen, können diese Erwartungen schnell enttäuscht werden. Die Folge: Burnout.

Wie eine Sucht

Deshalb vergleicht Miriam Goos die Vorgänge von Burnout im Gehirn durchaus mit einem Suchtverhalten. „Wenn Gründer ihre ersten Ideen umsetzen und Erfolge haben, wird das Belohnungszentrum im Gehirn aktiviert und es kommt zur Dopaminausschüttung. Dieses Glücksgefühl macht süchtig und ist so stark, dass Gründer weitermachen. Wenn dann aber die Stimuli überraschend ausbleiben, weil etwa der gewünschte Umsatz oder ein bestimmtes Ziel nicht erreicht wurden, sinkt die Dopaminkonzentration stark ab. Man fällt in ein Loch. Daraus entsteht eine Unsicherheit und auch Angst vor dem ausbleibenden Erfolg, das Immunsystem leidet und auch die emotionale Stabilität und die geistige Leistungsfähigkeit sinken ab.“

Nicht selten führt das bei Gründern tatsächlich auch zu Drogenkonsum. Vor allem Drogen, die die Performance steigern, seien bei Gründern beliebt, sagt Goos. Sarah Jane Coffrey hat in der Startup-Szene in Denver vor allem exzessiven Alkoholkonsum erlebt. Der eine oder andere Drink nach der Arbeit sei sicher okay, doch die Trinkkultur, die sie erlebt hat, deute darauf hin, dass man mit Alkohol tiefere Probleme kaschiere, sagt Coffrey: „Wenn das Team sich regelmäßig betrinkt und das Dampf ablassen nennt, weil alle kontinuierlich Überstunden schieben, dann ist das kein Stressventil, dann ist das ein Zeichen dafür, dass etwas gewaltig kaputt ist.“

Tabu-Thema Burnout in der Gründerszene

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Miriam Goos by Philipp Goos

Goos ist überzeugt davon, dass die Erlebnisse von Coffrey auch auf Deutschland zutreffen, auch wenn das Thema „Drogenproblematik“ in der Startup-Szene hierzulande noch absolut Tabu ist. Das ist nicht weiter verwunderlich, wenn man bedenkt, dass es zum Beispiel noch nicht mal eine offizielle Anlaufstelle für Gründer gibt, die über Probleme wie Stress oder Burnout sprechen möchten.

Dabei wäre es wichtig, die Burnout-Symptome früh zu erkennen. Zu Miriam Goos kommen die meisten Kunden erst, wenn sie am Ende sind. Sie leiden unter Schlaflosigkeit, hohem Blutdruck, ernähren sich mangelhaft, arbeiten ohne Unterlass und gehen dabei sehr hart mit sich selbst ins Gericht. Die meisten ihrer Klienten beschweren sich aber darüber, dass sie nicht abschalten können. „Sie haben eine ständige Autobahnfahrt ihrer Gedanken im Gehirn und müssen erstmal lernen, das Tempo wieder herauszunehmen. Ich nehme sie dann zum Beispiel mit zu einem Spaziergang und dann üben wir bewusst ganz, ganz langsames Gehen. Das allein schon fällt den meisten unglaublich schwer.“

Leider wird diese „Always-On-Mentalität“ selten als etwas Problematisches erkannt, sagt Coffrey: „Was das Ganze noch schlimmer macht ist ja gerade die Tendenz dazu, diesen sehr intensiven Lebensstil als etwas Glamouröses darzustellen. Ich zucke jedes Mal zusammen, wenn ich einen Tweet über die Arbeit um drei Uhr morgens mit dem Hashtag #startuplife sehe. Das ist doch nicht sexy, das ist  sehr traurig.“

Coffrey selbst hat ebenfalls lange gebraucht, um sich einzugestehen, dass ein solches Leben ungesund ist. Mittlerweile arbeitet sie bei Reboot, einem Unternehmen, das Startups coacht. Doch der Prozess der Selbsterkenntnis ist lang und schwierig. Daher wäre es wichtig, die Anzeichen von Burnout in Startups nicht zu verherrlichen oder zu ignorieren, sondern offen zu diskutieren.

„Manchmal reichen auch 80 Prozent“

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Susann Hoffmann und Nora-Vanessa Wohlert by Jennifer Fey

In Deutschland trauen sich mittlerweile, wenn auch noch sehr vereinzelt, die ersten Gründer, offen über die Schattenseiten von Startups zu sprechen. Dazu gehört auch Nora-Vanessa Wohlert, Mitgründerin des Webmagazins Edition F. Im ersten Unternehmensjahr versuchten sie und ihre Geschäftspartnerin Susann Hoffmann ein tolles Magazin auf die Beine zu stellen, ein kleines Team zu leiten, eine Unternehmenskultur aufzubauen und Investoren zu finden – und all das natürlich auf einmal. „Die Wahrheit ist: Gründen ist herausfordernd. Immer wieder kommen Zweifel. Ängste. Harte Entscheidungen. Die Sorge um das Geld. Die Sorge um den Erfolg. Erwartungen. Zeitmangel“, schreibt Wohlert über ihre eigene Erkenntnis, dass das Startup-Leben nicht immer so glamourös ist, wie es klingt. 

Etwa ein Jahr ging das so, bis Wohlert klar wurde, dass sie so nicht mehr weitermachen wollte: „Ich hatte in dem Jahr keinen Urlaub, habe mir kein Gehalt gezahlt und mir selbst auch einfach nichts gegönnt. Ich habe mir zum Beispiel in eineinhalb Jahren wirklich gar nichts für mich selbst gekauft“, erinnert sie sich im Gespräch mit den Netzpiloten. Erst als ein Unbekannter sie bei Facebook fragt, wann sie anfangen würde zu leben statt zu arbeiten, macht es Klick bei Nora-Vanessa Wohlert.

Sie hatte die Warnungen ihres Umfelds größtenteils ignoriert, sich selbst nie eine Pause gegönnt und sich selbst auch nie die Zeit genommen, sich zu den vielen kleinen und großen Erfolgen als Gründerin zu gratulieren. „Ich habe zum Glück mittlerweile einen Weg gefunden, mir selbst das Abschalten zu erlauben. Ich habe erkannt, dass ich ersetzbar bin – und dass das eine Entlastung ist. Auch habe ich meinen Perfektionsdrang etwas gedrosselt, manchmal reichen auch 80 Prozent.“ Das scheinen bei Wohlert keine leeren Worthülsen zu sein – sie bereitet sich gerade auf ihren Urlaub nach Thailand vor.


Image „burnout“ by moritz320 (CC0 Public Domain)


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FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

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  • ARBEIT4.0 zeit: Beschäftigte sind durch Digitalisierung stärker belastet: Der zunehmende Einsatz digitaler Technik bringt aus Sicht des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) für die Beschäftigten nicht automatisch bessere Arbeitsbedingungen. Im Gegenteil: Von den Arbeitnehmern, die in hohem oder sehr hohem Maße digitalisiert arbeiten, geben 46 Prozent an, dass ihre Arbeitsbelastung dadurch größer geworden sei. 45 Prozent sehen dagegen keine Veränderung, lediglich neun Prozent fühlen sich durch die Digitalisierung entlastet. Die Zahlen sind erste Ergebnisse aus einer repräsentativen Befragung des DGB.

  • ROAMING sueddeutsche: Keine Roaming-Gebühren in der EU für 90 Tage pro Jahr: Seit Jahren arbeitet die EU daran, das Telefonieren im Ausland billiger zu machen. Mittlerweile auch mit einigem Erfolg: Im Laufe des kommenden Jahres sollen die Roaming-Kosten für Telefonate im EU-Ausland wegfallen. Das ist zumindest der Plan, den die EU-Staaten und das Europaparlament bereits beschlossen haben. Doch aus Sicht der Industrie gibt es ein Problem: Wenn es keine Roaming-Gebühren mehr gibt, könnte sich ja ein Kunde einen günstigen Tarifvertrag im Ausland besorgen und damit womöglich weit unter den üblichen Tarifen in seinem Heimatland telefonieren.

  • IFA horizont: Haben wir einen Innovations-Gipfel erreicht?: Entwickelt sich die IFA in Berlin so langsam zu einer Messe des Altbewährten? Auch dieses Jahr gab es nicht wirklich Innovationen in den Bereichen. Stattdessen üben sich die Hersteller am Feintuning ihrer Fernseher oder Smartphones: größere Displays, leistungsfähigere Akkus, bessere Bildqualität. „Wir haben derzeit einen Innovations-Gipfel erreicht, denn es gibt nichts, was man tun könnte, das wirklich neu wäre.“ so Branchen-Experte Amir Tamannai. Haben wir aktuell einen Innovations-Gipfel erreicht?

  • THREEMA heise: Threema lockt WhatsApp-Nutzer mit Sonderpreis: „Für kurze Zeit“ gibt’s den Ende-zu-Ende-verschlüsselten Messenger deutlich verbilligt. Insbesondere iOS-User profitieren. Der Schweizer Instant-Messaging-Dienst Threema, der mit hoher Sicherheit dank Ende-zu-Ende-Verschlüsselung wirbt, versucht, von Facebooks neuen Datenschutzbedingungen gefrustete WhatsApp-User zu gewinnen: Noch bis Donnerstagabend kann man beim Kauf der App für iOS und Android kräftig sparen.

  • SMARTPHONE futurezone: Handy statt Tabak: Mehr Jugendlichen droht Internetsucht: Und ewig lockt das Smartphone: Eltern nehmen eine ausufernde Internetnutzung von Jugendlichen aus Sicht eines Suchtforschers noch zu selten als Problem wahr. „Man muss das Bewusstsein stärken, dass Online-Spiele und soziale Netzwerke eine hohe Bindungskraft haben können. Jugendliche kommen immer früher in Kontakt mit einem potenziell abhängig machenden Verhalten“, sagte Professor Falk Kiefer von der Deutschen Gesellschaft für Suchtforschung und Suchttherapie zum Auftakt des von ihm geleiteten Deutschen Suchtkongresses in Berlin. Dabei kommen von Montag an etwa 600 Suchtexperten zusammen.

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FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

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  • SMARTPHONE sz-magazin: Sechs Regeln gegen den Smartphone-Wahnsinn: Bei vielen Menschen hat man den Eindruck, sie seien zu Sklaven ihrer Smartphones geworden. Dauernd schlagen Mitteilungen von Freunden oder Apps auf dem Bildschirm ein. Minütlich wandert der Blick auf das Smartphone, um ja keine Nachricht zu lange unkommentiert zu lassen. Man scheint komplett auf dieses Leben im Netz fixiert zu sein. Einer SZ-Autorin wird es irgendwann zu viel. Unbewusst hart wirft sie ihre Tasche samt Smartphone auf den Boden – es geht kaputt. Sie greift zu einem alten Nokia Mobiltelefon und macht sich wieder auf in die Offline-Welt. Doch können wir ohne die Vorteile des Smartphones leben.
  • INSTAGRAM wsj: Publishers Flock to New Instagram Stories: Anfang August wurde ein neues Update von Instagram bereitgestellt, das eine neue Funktion in die App bringen sollte – Instagram Stories. Was eigentlich schon lange auf der App Snapchat zu sehen ist, lässt nun den Content auf Medienaccounts bei Instagram explodieren. Diese Entwicklung hilft auch Snapchat, weil die App professioneller aufgebaut ist und mehr Möglichkeiten bietet, um seine Fotos und Videos zu bearbeiten.
  • LYFT techcrunch: GM expressed interest in buying Lyft, but Lyft declined: Der US-amerikanische Autokonzern General Motors (GM) arbeitet schon länger mit dem kalifornischen Mitfahrdienst Lyft zusammen. 500 Millionen Dollar investierte GM dieses Jahr in das Startup, das mit Uber konkurriert. Uber wird allerdings immer stärker und Lyft braucht neue Investitionen. GM wollte Lyft nun übernehmen, was die Führung des Startups allerdings ablehnte. Man wolle mit neuen Finanzierungsrunden Investoren gewinnen, um einen erneuten Angriff zu starten.
  • SPACEX digitaltrends: Elon Musk landed his sixth Falcon 9 rocket after launching a satellite into orbit: Das Projekt SpaceX macht weiter Fortschritte. Nachdem ein Satellit in den Orbit geschossen wurde, konnte sich CEO Elon Musk nun auch über die erfolgreiche Landung einer weiteren Falcon 9 Rakete freuen. Das ist die sechste Rakete, die Musk mit seinem Luftfahrtkonzern unbeschadet auf den Boden zurück bringt.
  • ELEKTROAUTOS handelsblatt: Anschluss gesucht: Die großen deutschen Autokonzerne haben strickte Pläne vorgestellt, die sich auf die Elektromobilität beziehen. Geplante Milliardeninvestitionen bei VW, eine Submarke bei Daimler und auch BMW hat die Priorität des Themas erhöht. Man will sich der Pioniersarbeit des US-Konzerns Tesla anschließen, doch in Deutschland gibt es ein großes Problem. Es mangelt an Ladestationen, deren Ausbau nur stockend vorangeht.
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Wir Digitalsüchtigen: Die intimste aller Beziehungen

Tech (Image by TheHilaryClark [CC0 Public Domain), via Pixabay)

Wenn wir uns nicht gerade festhalten, sind wir uns zumindest immer nah. Wir teilen auch das Bett. Die intimsten Momente und den Alltag sowieso. Nach dem Aufwachen. Beim Zähneputzen. Auf dem Klo. In der Schule. Im Studium. Auf der Arbeit. In der Pause. Beim Essen. Unterwegs. Beim Sprechen. Beim Zuschauen. Beim Zuhören. Zuhause. Vor dem Einschlafen. Immer.

Mit unseren Smartphones führen wir längst die intimste Beziehung: Kein bester Freund, kein Partner, kein Mensch kommt uns näher. Vom Aufwachen bis zum Einschlafen begleitet uns das Smartphone. Jeden Tag. In nahezu jeder Lage, jeder Situation. Es liegt düdelnd unter dem Spiegel, während wir duschen. Oder ist maximal eine Kopfhörer-Kabel-Länge entfernt, wenn wir unterwegs sind. Es ist immer verfügbar – und wir Digitalsüchtigen sind es damit auch. Und ich nehme mich da nicht aus.

Reizüberflutet auf die offene See

Wir Digitalsüchtigen stürzen uns in die Gezeiten der Informationen, surfen vergnügt auf der Welle der Benachrichtigungen, der Mails und Messages, der Tweets und Posts. Und wenn uns bei Reiz-Ebbe das Wasser zu ruhig ist – dann warten wir nicht mehr darauf, dass die Reiz-Flut von allein zurückkommt. Sondern wir paddeln dann mit dem Daumen auf die offene See, raus in die Wellen.
Wir aktualisieren. Ständig. Reflexartig. Nicht mehr nur in den langweiligen Wartezimmern oder in der Tram, sondern auch nebenbei beim Zuhören und Zuschauen. Oft ist es sogar umgekehrt: Wir aktualisieren im Vordergrund, und beiläufig hören oder sehen wir dem zu, was da nebenbei passiert.

Es gibt kaum noch Tabus, wir haben das Smartphone nahezu ständig in der Hand. Das fällt nicht nur den Anderen oder den Älteren auf, sondern auch uns selbst. Es fällt uns nicht nur zunehmend schwerer, uns einfach treiben zu lassen. Auf die Flut zu warten und die Ebbe zu genießen. Nicht ständig digital zu rudern. Es fällt uns auch immer schwerer, einem Jemand oder einem Etwas unsere ungeteilte Aufmerksamkeit zu schenken.

Wie digitales Kettenrauchen

Rein rechnerisch schauen wir alle 18 Minuten auf den Smartphone-Bildschirm. Digitales Kettenrauchen sozusagen. Der Informatiker Alexander Markowetz vergleicht unsere Smartphone-Nutzung deswegen mit einer Sucht. Wir sind ständig verfügbar, zeitgleich analog und digital. Die doppelte Dauerpräsenz, sie frisst nach Markowetz unsere Pausen, unsere Aufmerksamkeit, unser Hirn, schließlich unser Glück auf. Der „Digitale Burnout“ drohe uns – und um ihn zu verhindern, dafür braucht es eine neue digitale Etikette.

Die Thesen von Markowetz kann man steil, digitalskeptisch oder kulturpessimistisch nennen, seine digitale Etikette kann man für überflüssig halten. Aber sein grundsätzliches Anliegen halte ich als bekennender Digitalsüchtiger für richtig.

Wir müssen den Daumen bewusster einsetzen

Wir Smartphone- und Digitalsüchtigen müssen zumindest darüber nachdenken, wie wir mit den digitalen Möglichkeiten umgehen. Uns der klettenhaften Beziehung zum Smartphone bewusst(er) werden. Und uns fragen, ob wir wirklich immer beiläufig Newsfeeds mit dem Daumen schubsen und anlasslos Bildschirme entsperren müssen, während wir eigentlich ganz andere Dinge tun wollen und sollen. Wir sollten uns fragen, ob wir wirklich permanent mit dem Daumen digital rudern müssen. Dürfen. Wollen. Sollten.

Wir müssten uns viel häufiger fragen, warum wir eigentlich gerade aktualisieren. Ob wir die Feeds von Instagram, Twitter oder Facebook manchmal nicht nochmal aus Gewohnheit durchpflügen, obwohl es ja doch nichts Neues gibt. Ob wir abends auf dem Kopfkissen noch im Smartphone-Licht scrollen müssen, obwohl wir längst schlafen wollen. Ob wir wirkliche jede Push-Benachrichtung brauchen. Mir geht es nicht darum, das Smartphone und seine zeitgemäße Nutzung zu verteufeln. Dafür nutze ich es selber zu gern. Aber die doch sehr intensiven Nutzungsgewohnheiten möchte ich hinterfragen, auch meine eigenen.

Traumurlaub auf der Offline-Insel

Kurioserweise schwärmen wir Digitalsüchtigen gerne von unserem letzten Urlaub auf der Offline-Insel. Wo wir nicht ständig mit dem Daumen paddeln konnten, weil uns ein Funkloch dazu gezwungen hat. Oder weil wir in einer selbstgewählten Auszeit nicht ständig aktualisieren wollten. Wir Digitalsüchtigen schwärmen gerne mal vom so erholsamen Offline-Urlaub, fernab der alltäglich gewordenen und selbstverursachten Informationsgezeiten. Meistens braucht es einige Zeit, bevor wir uns an diesen Urlaub gewöhnen – aber dann genießen wir ihn in vollen Zügen, egal ob wir ihn selbst genommen haben oder durch Umstände dazu gezwungen werden. Sind froh, aus dem Rhythmus zu sein. Aus dem Schlagrhythmus unserer Daumen, der den digitalen Alltag an unseren Augen und unserer Wahrnehmung vorbeiscrollen lässt. „Müsste man eigentlich viel öfter machen, so eine Auszeit.” Das nehmen wir uns immer wieder vor. Und danach scrollen wir erstmal durch das Verpasste in den sozialen Netzwerken. Wir Digitalsüchtigen.


Image „Tech“ by TheHilaryClark (CC0 Public Domain)


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Machen unsere Smartphones uns zu ADHS-lern?

Scream! (adapted) (Image by Marcin Grabski [CC BY 2.0] via flickr)

Wann war das letzte Mal, als Sie Ihren Laptop während einer Unterhaltung geöffnet oder Ihren Computer zum Esstisch mitgebracht haben? Lächerlich, oder? Falls Sie sich wie viele andere Amerikaner verhalten, haben Sie beides mit Ihrem Smartphone bereits getan. Weniger als ein Jahrzehnt nach der Einführung des ersten iPhone greifen morgens mehr Menschen zuerst nach ihrem Smartphone – und erst dann nach ihrem Kaffee, ihrer Zahnbürste oder dem Partner, der neben ihnen im Bett liegt. Während der Tag vorbeizieht, können wir mit einem Smartphone in der Tasche unsere E-Mails checken, während wir Zeit mit unseren Kindern verbringen oder einem Freund bei der Arbeit schreiben. Unabhängig davon, was wir tun, werden viele von uns mit Benachrichtigungen über neue Mitteilungen, Beiträge in sozialen Medien, den neuesten Nachrichten, Aktualisierungen von Apps und vielem mehr bombardiert. Anekdotische Evidenzen lassen vermuten, dass die Verbreitung von Smartphones uns zunehmend ablenkt und sogar hyperaktiv macht. Diese angenommenen Symptome einer konstanten digitalen Stimulation charakterisieren zufälligerweise eine gut bekannte Entwicklungsstörung des Nervensystems: Die Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung, oder ADHS. Könnte es sein, dass das Klingeln und Vibrieren unserer Smartphones selbst Menschen, die nicht unter ADHS leiden, mit einigen Symptomen dieser Erkrankung belastet? Als Verhaltensforscher untersuche ich diesen Gedanken in einem kontrollierten Experiment.

Erforschung Digitaler Interruption

Meine Kollegen und ich rekrutierten 221 Millenials – allesamt Studenten an der University of British Columbia – zur Teilnahme an einer zweiwöchigen Studie. Wichtig zu erwähnen ist, dass die Teilnehmer aus dem allgemeinen Teilnehmerverzeichnis der Universität rekrutiert wurden, statt aus einer Menge von Studenten mit diagnostiziertem ADHS. Während der ersten Woche baten wir die Hälfte der Teilnehmer, die Unterbrechungen durch ihre Smartphones zu minimieren, indem sämtliche Lautlos-Funktionen aktiviert wurden. Das Telefon sollte außerdem an einem Ort aufbewahrt werden, an dem sie es nicht permanent im Blick haben und darin nachschauen konnten. In der zweiten Woche haben wir die Instruktionen umgekehrt: Die Teilnehmer, die die Lautlos-Funktion benutzt haben, wechselten die Einstellungen auf Klingeltöne und Benachrichtigungen – und andersherum. Die Reihenfolge, in der wir die Angaben an jeden Teilnehmer weitergegeben haben, wurde zufällig durch einen Münzwurf bestimmt. Diese Gestaltung der Studie sorgt dafür, dass alles konstant gehalten wurde, außer der Häufigkeit der Störungen von Menschen durch ihre Telefone. Wir haben bestätigt, dass Menschen sich eher von ihren Telefonen gestört fühlen, wenn sie ihre Klingeltöne aktiviert haben, als wenn sie diese abgeschaltet haben.

Messung von Unaufmerksamkeit und Hyperaktivität

Wir haben die Unaufmerksamkeit und Hyperaktivität gemessen, indem wir die Teilnehmer baten, zu bestimmen, wie oft sie die 18 Symptome der ADHS über die beiden Wochen hinweg verspürt haben. Diese Betrachtungseinheiten basieren auf den Kriterien für die Diagnose von ADHS bei Erwachsene, wie sie von der American Psychiatric Association Diagnostic and Statstical Manual (DSM-V), spezifiziert wurden. Die Fragen zur Unaufmerksamkeit haben eine große Menge an potentiellen Problemen abgedeckt: von Flüchtigkeitsfehlern über vergessene Rechnungen bis hin zu Problemen, dem Gegenüber aufmerksam zuzuhören. Die Fragen zur Hyperaktivität waren ähnlich breit gefächert und untersuchten Dinge wie Herumzappeln, Ruhelosigkeit, erhöhtes Redebedürfnis und dem Unterbrechen des Gegenübers. Die Ergebnisse waren eindeutig: Erhöhte Störungen durch Telefone machte Menschen weniger aufmerksam und mehr hyperaktiv. Da ADHS eine nervliche Entwicklungsstörung mit komplexen neurologischen und entwicklungsbedingten Ursachen ist, lassen diese Ergebnisse keineswegs vermuten, dass Smartphones ADHS tatsächlich verursachen können. Zudem kann nicht bestätigt werden, dass eine Reduzierung der Smartphonenutzung ADHS kurieren kann. Jedoch haben unsere Ergebnisse Folgen für jeden, der sich durch sein Telefon gestört fühlt.

Allgegenwärtigkeit von Smartphones stellt ein Risiko dar

Diese Erkenntnis sollten uns beschäftigen. Smartphones sind das verkaufsstärkste elektronische Gerät der Geschichte – in den 22 Sekunden, die zum Schreiben dieses Satzes benötigt wurden, sind bereits 1000 Smartphones an ihre neuen Besitzer ausgeliefert worden. Wenn nur bei einem dieser 1000 Benutzer die Wahrscheinlichkeit steigt, einen Flüchtigkeitsfehler zu begehen, einen Freund während einer Unterhaltung zu ignorieren oder während eines Meetings abzuschalten, können Smartphones einen schädlichen Einfluss auf Produktivität, Beziehungen und das Wohlergehen von Millionen haben. Wie bei allen Störungen stellen die Symptome von ADHS ein Kontinuum vom Normalen zum Pathologischen dar. Unsere Erkenntnisse lassen vermuten, dass die unaufhörliche digitale Stimulation zu einem problematischen Aufmerksamkeitsdefizit der modernen Gesellschaft führt. Denken Sie also darüber nach, ihr Telefon stumm zu stellen – selbst, wenn Sie nicht im Kino sind. Ihr Kopf wird es Ihnen danken. Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image „Scream!“ by Marcin Grabski (CC BY 2.0)


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Süchtig nach sozialen Medien? Wie wäre es mit E-Fasten?

Text On The Beach (adapted) (Image by Pete [Public Domain Mark 1.0] via Flickr

Soziale Medien sind ein zweischneidiges Schwert, das sowohl Vor- als auch Nachteile hat.

Um miteinander in Verbindung zu bleiben, sind viele von uns zunehmend fasziniert von den weit verbreiteten Tools. Ein Bericht über soziale Medien von Sensis aus dem Jahr 2015 legt dar, dass nahezu die Hälfte aller Australier täglich auf eines oder mehrere soziale Netzwerke zugreift.

Der Bericht hat ebenfalls herausgefunden, dass Australier im Durchschnitt 8,5 Stunden pro Woche allein auf Facebook verbringen und dass 24 Prozent ihre sozialen Medien mehr als fünf Mal pro Tag kontrollieren. Sieben von zehn Personen nutzen ein Smartphone, um auf ihre Nutzerkonten zuzugreifen.

Wenn man oft wiederholt und ziellos übermäßig viel Zeit in sozialen Netzwerken verbringt, kann dies als eine Sucht angesehen werden. In der Tat könnte man sagen, dass soziale Medien zu einer nationalen Besessenheit geworden sind und die Australier süchtig danach zu sein scheinen. Diese Sucht beschränkt sich nicht nur auf Australien, sondern betrifft die ganze Welt.

Wer sich nicht sicher ist, ob seine Nutzung der sozialen Medien in eine Sucht verwandelt hat, sollte einmal den Test mit dem Facebook Addiction Scale von Bergen ausprobieren, um es herauszufinden.

Welches Ausmaß hat diese Abhängigkeit? Schwache soziale Beziehungen und Isolation, Zwanghaftigkeit, Viktimisierung, Stress, Depressionen und Ängste, Exhibitionismus und eine Präferenz für Online- anstelle von realen Interaktionen.

Durch die steigende Nutzung sozialer Medien werden diese Probleme in der näheren Zukunft nicht verschwinden. Schon jetzt spricht man darüber, wie man sich von sozialen Medien befreien kann.

Vor ein paar Jahren hat sich das unten stehende Video von Coca Cola über unsere Sucht nach sozialen Medien lustig gemacht und eine neuartige Lösung präsentiert.

 

Das Halsband ist vielleicht nicht ganz so praktisch, aber das Verständnis von der Nutzung sozialer Medien hilft dabei, die Sucht zu kontrollieren und wieder Macht über die Zeit wiederzuerlangen.

Es gibt auch kostenpflichtige Möglichkeiten, um die eigene Zeit zurückzugewinnen. Ein Online-Unternehmen bietet sogar ein zwölfwöchiges Therapiepaket zur Abhängigkeit von sozialen Medien an, welches dabei hilft, exzessive Mediennutzung zu kontrollieren und dadurch die mentale Gesundheit zu verbessern.

Besser – und kostengünstiger – ist es allerdings, selbst dagegen vorzugehen. Soziale Medien mögen in unserem Leben immer allgegenwärtiger werden und in die Abhängigkeit führen, aber anstatt Trost in den sozialen Medien zu suchen, können wir unsere Zeit viel effektiver für erfüllendere Aktivitäten im Leben nutzen.

Deshalb sind so manche rehabilitativen Maßnahmen gerechtfertigt. Vielleicht sogar das „E-Fasten“.

Wie man sich aus den sozialen Medien ausstöpselt

Fasten wird definiert als die Praxis, nichts zu essen. Elektronisches Fasten (E-Fasten) kann als Abstinenz von elektronischen Geräten und Services, wie Smartphones und sozialen Netzwerken, verstanden werden. Um dem obsessiven Verhalten gegenüber sozialen Medien ein Ende zu setzen, ist es wichtig, zu versuchen, sich davon fernzuhalten oder die Nutzung zumindest gelegentlich zu regulieren.

Komplette Abstinenz von sozialen Medien mag nicht möglich sein, aber die folgenden fünf Tipps (in keiner bestimmten Reihenfolge) könnten dabei helfen, in Form von E-Fasten die Abhängigkeit von sozialen Medien zu reduzieren.

1. Fernhalten von sozialen Medien

Man legt einen bestimmten Tag fest, den man frei von sozialen Medien verbringt. Dies könnte das Angstgefühl kurzzeitig verstärken, die freie Zeit macht es jedoch möglich, anderen Aktivitäten nachzugehen.

Schafft man es einen Tag lang, probiert man beim nächsten Mal zwei Tage oder ein Wochenende lang aus. Wenn man die sozialen Medien dann wieder nutzt, schafft man möglichst eine diszipliniertere Routine für die Nutzung.

2. Sich selbst regulieren

Man setzt sich Regeln, die es einem erlauben, nur zu bestimmten Tageszeiten auf soziale Medien zuzugreifen. Beispielsweise am Abend für eine beschränkte Zeit oder nicht im Bett zu surfen.

3. Kontrolle der sozialen Medien beschränken

Es ist keine gute Idee, ohne konkretes Ziel Seiten in den sozialen Medien anzuschauen. Die Algorithmen der Feeds sozialer Medien sind so konzipiert, dass die Nutzer ständig verleitet werden, online zu bleiben, indem bestimmte Informationen, basierend auf vergangenen Interaktionen der Nutzer, an höherer Stelle im Feed platziert werden. Beim Drang nach dem ständigen Nachsehen sollte man überlegen, ob es wichtig ist oder vielleicht doch noch warten kann.

4. Klingelzeichen und Benachrichtigungen ausschalten

Das bedeutet, dass man nicht mehr ständig an Nachrichten auf Social-Media-Plattformen erinnert wird. Die Anwendung eines pull-basierten anstatt eines push-basierten Ansatzes für Benachrichtigungen wird auch zu weniger Unterbrechungen führen. Dies sollte die Lust senken, ständig die sozialen Netzwerke zu checken.

5. Apps der sozialen Netzwerke vom Smartphone entfernen

Falls das Ausschalten der Klingelzeichen und Benachrichtigungen nicht zum gewünschten Ergebnis führt, sollte man in Erwägung ziehen, Apps der sozialen Medien komplett vom Smartphone zu löschen. Da die meisten Leute per Smartphone auf soziale Medien zugreifen, würde das Löschen dieser Apps in weniger Bequemlichkeit resultieren. In diesem Fall ist es nur über den PC möglich, auf soziale Medien zuzugreifen.

Balance

Das Ziel des E-Fastens ist es, sich selbst zu ermöglichen, sein Leben zurückzugewinnen, eine Balance im Leben zu erreichen und keine Geisel der sozialen Medien zu sein.

Wie bei jeder Diät oder Fastenkur gibt es keine allgemeingültige Formel, aber die genannten Tipps zur Selbstkontrolle und Disziplin sollten die Abhängigkeit von sozialen Medien zumindest ein bisschen reduzieren. E-Fasten hat das Potenzial, als neues Mittel die Sucht nach sozialen Medien zu behandeln und das eigene Leben zu entgiften.

Dieser Artikel erschien zuerst auf “The Conversation” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Text On The Beach“ by Pete (CC0 Public Domain)


 

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Internetsucht – gibt es das wirklich?

Addicted to the Internet (adapted) (Image by Michael Mandiberg [CC BY-SA 2.0] via Flickr)

In einer neuen Studie von Phil Reed und weiteren Kollegen werden verschiedene experimentelle Nachweise erbracht, dass Internetsüchtige möglicherweise von dem, was sie auf dem Bildschirm sehen, konditioniert werden.

Ich war der erste, der bereits im Jahr 1996 eine wissenschaftliche Abhandlung zum Thema Internetsucht veröffentlicht hat. Es tut gut zu sehen, dass die Anzahl der Studien zu diesem Thema in den vergangenen 20 Jahren stetig gewachsen sind und die Krankheit aus vielen verschiedenen Perspektiven untersucht wird. Jedoch erweist es sich, unabhängig von den zunehmenden wissenschaftlichen Erkentnissen, als schwierig, jemanden tatsächlich als “süchtig” nach dem Internet zu bezeichnen.

Bei der aktuell veröffentlichten Studie handelt es sich um eine der wenigen im Bereich Internetsucht, die das Thema anhand von Experimenten untersucht, statt die Teilnehmer nur dazu zu befragen oder die Vorgänge in den Köpfen von Personen, die sehr viel Zeit online verbringen, zu messen.

Die Forschung von Reed, die im “Journal of Clinical Psychiatry” veröffentlicht wurde, bezog sich auf 100 freiwillige Erwachsene, denen der Internetzugang über einen Zeitraum von vier Stunden verweigert wurde. Das Forschungsteam forderte die Teilnehmer dann auf, an irgendeine Farbe zu denken und sie zu benennen. Die Teilnehmer erhielten danach für 15 Minuten Zugang zu ein paar von ihnen selbst gewählten Internetseiten.

Das Team beobachtete alle Internetseiten, die die Teilnehmer besuchten und forderte sie nach weiteren 15 Minuten erneut dazu auf, an eine Farbe zu denken und die erste, die ihnen einfiel, zu benennen. Die Teilnehmer wurden zudem darum gebeten, verschiedene psychometrische Fragebögen, einschließlich des “Internet Addiction Test” (IAT), auszufüllen.

Der IAT ist ein aus 20 Fragen bestehender Test, bei dem jede Frage zwischen 0 (nicht zutreffend) oder 1 (selten) bis zu 5 (immer) bewertet werden kann. Die Fragen lauten beispielsweise: “Wie oft rufen Sie zuerst Ihre E-Mails ab, bevor Sie ihre eigentlichen Aufgaben erledigen?” In vorangegangenen IAT-Studien wurden Probanden, die einen Wert von 80 oder mehr (von insgesamt 100) erreichten, mit hoher Wahrscheinlichkeit als internetabhängig eingestuft.

Diejenigen, die gemäß des IAT als “hochproblematische [Internet-] Nutzer” eingegliedert wurden, wählten mit höherer Wahrscheinlichkeit eine Farbe, die besonders häufig auf der aufgerufenen Internetseiten vorkam, die sie anwählten, nachdem sie 15 Minuten Internetentzug hatten. Dies kam bei denjenigen nicht vor, die als nicht internetsüchtig eingestuft wurden.

 

Bei Reed heisst es hier:

Die Internetsüchtigen wählten eine Farbe, die im Zusammenhang mit der zuvor besuchten Internetseiten stand. [Und das] wiederum zeigt an, dass die Eigenschaften der angesehenen Internetseiten in dem Zeitfenster ohne Internet als positiv bewertet wurden.

Er fügt hinzu:

Ähnliche Erkenntnisse wurden bei Personen entnommen, die abhängig von verschiedenen Substanzen waren. In vorangegangenen Studien wurde gezeigt, dass ein Zeichen, das im Zusammenhang mit einer Droge, die die Entzugserscheinungen lindert, als positiv gewertet wird. Obgleich dies das erste Mal ist, dass eine solche Wirkung bei einer verhaltensbezogenen Abhängigkeit wie problematischer Internetnutzung erkannt wurde.

Das Problem mit dem Begriff “Sucht”

Während sich diese Erkenntnisse als interessant erweisen, zeigen sich jedoch methodologische und konzeptionelle Defizite.

Die Anzahl der hochproblematischen Internetnutzer, denen für vier Stunden der Internetzugang vorenthalten wurde, belief sich lediglich auf zwölf Personen, sodass die Testgruppengröße sehr klein war. Die Personen, die als hochproblematische Internetnutzer eingestuft wurden, hatten IAT-Werte zwischen 40 und 72, woraufhin es sehr unwahrscheinlich ist, dass einer der Teilnehmer tatsächlich internetsüchtig war.

Auch wenn der IAT der wohl am häufigsten genutzte Test in diesem Bereich ist, ist die Verlässlichkeit und Validität doch fragwürdig. Zudem ist er bereits im Jahr 1998 entwickelt wurden und somit bereits enorm veraltet. Er verwendet außerdem nicht die in der neusten (fünften) Ausgabe des von der Amerikanischen Psychiatrischen Vereinigung herausgegebenen Diagnostischen und Statistischen Handbuches für psychische Erkrankungen (DSM-5) empfohlenen Kriterien. Werden aber neuere Instrumente, wie die unserer “Internet Disorder Scale” (dt.: Massstab zu Interneterkrankungen) anstelle des IAT benutzt, könnten möglicherweise einige dieser Probleme überwunden werden. Dies kann geschehen, da die Kriterien, die eine Internetsucht beschreiben, auch denen der neun Codes der DSM-5 Ausgabe entsprechen.

Es gibt zudem noch viele weitere Probleme bei der Nutzung des Begriffs “Internetsucht”: Auch wenn die Anzahl der Studien zum Thema Internetsucht mit Sicherheit angestiegen ist, haben die meisten sich doch eher mit Süchten, die im Internet stattfinden als mit der Internetsucht selbst beschäftigt. Beispielsweise handelt es sich bei Personen, die süchtig nach Online-Minispielen, Online-Glücksspiel oder Online-Shopping sind, nicht um Menschen, die internetsüchtig sind. Sie sind Glücksspielsüchtige, Spielsüchtige oder Kaufsüchtige, die nur das Medium Internet zur Ausübung ihrer Sucht benutzen.

Es gibt natürlich einige Aktivitäten – wie die Nutzung sozialer Netzwerke – die als eine einzigartige Art von Internetsucht bezeichnet werden könnten, da diese Aktivitäten nur online stattfinden. Diese Sucht bezieht sich jedoch eher auf eine Anwendung als auf das Internet selbst und sollte daher nicht als Internetabhängigkeit, sondern als Abhängigkeit zu sozialen Netzwerken bezeichnet werden.

Kurz gesagt, die überwiegende Mehrheit der sogenannten Internetsüchtigen sind ebenso wenig süchtig nach dem Internet, wie ein Alkoholiker nach der einen Flasche Alkohols süchtig ist, die er gerade in der Hand hält.

Dieser Artikel erschien zuerst auf “The Conversation” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted)  “Addicted to the Internet” by Michael Mandiberg (CC BY-SA 2.0)


The Conversation

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Was mit uns passiert, wenn wir betrunken sind

Alkohol (Teaser by jarmoluk (CC0 Public Domain), via Pixabay)

Es gibt immer einen Grund, zu feiern – und dabei lehnt man meist das eine oder andere Gläschen nicht ab. Dass Alkohol nicht ungefährlich ist, weiß man längst. Aber was im Hirn und mit dem Körper genau passiert, wenn wir betrunken sind, wirkt individueller als bisher vermutet.

Die Beziehung zum Alkohol ist kompliziert. Es ist wie ein kompliziertes Muster, das in unserem Bewusstsein gesellschaftlich verwoben ist. Betrachtet man die reine Chemikalie, ist Alkohol ein einfach gestricktes Molekül, seine Effekte auf das Gehirn sind jedoch sehr komplex. Unterschiedliche Menschen reagieren in unterschiedlichen Situationen auf unterschiedliche Arten und Weisen auf Alkohol.

Nimmt man ihn oral zu sich, gelangt der Alkohol über den Magen-Darm-Trakt in den Blutkreislauf. Die Menge, die absorbiert wird, variiert hierbei von Mensch zu Mensch. Das ist abhängig von seinen Erbanlagen und seinem Gesundheitszustand. Zudem kommt es darauf an, ob sich bereits etwas zu Essen im Magen befindet, da dies die Absorption in den Blutkreislauf reduziert.

Die Größe der Person und das Verhältnis von Muskeln und Fett beeinflussen darüber hinaus, wie stark die Konzentration des Blutalkohols mit dem Konsum steigt. Da Alkohol wasserlöslich ist, wird bei zwei gleich schweren Personen die Person mit mehr Muskeln und weniger Fett eine geringere Blutalkoholkonzentration aufweisen als die Person mit mehr Fett und weniger Muskeln, – immer vorausgesetzt, die gleiche Menge an Alkohol wurde konsumiert.

Einmal in den Blutkreislauf gelangt, beeinträchtigt Alkohol viele unserer Organe, jedoch ist nur das Nervensystem (einschließlich des Gehirns) der Schlüssel in Bezug auf die verhaltenstechnischen Auswirkungen. Alkohol agiert als Beruhigungsmittel im Nervensystem. Das heißt, es senkt die Frequenz, mit der die Gehirnzellen und andere Nerven im Körper miteinander kommunizieren.

Einige Leser wird es überraschen, dass Alkohol ein Beruhigungsmittel im zentralen Nervensystem ist, da eine geringe Dosis oft stimmungserhellend wirkt und als eine Art soziales Schmiermittel verwendet wird.

Geringe Dosen

Der Grund, warum Alkohol als soziales Schmiermittel dient, ist, dass er die Funktionsfähigkeit des limbischen Systems im Gehirn herabsetzt. Das limbische System ist für die Produktion von Gefühlen wie Unruhe und Angst verantwortlich. Daher denken wir nach ein paar Drinks, dass wir sozial ungeschickt erscheinen.

Zusätzlich schränkt Alkohol die Funktion des präfrontalen Kortex ein – einem Teil des Gehirns, der für höhere kognitive Verarbeitung zuständig ist (einschließlich der Argumentations- und Urteilsfähigkeit). Das kann dazu führen, dass Menschen nach einigen Drinks weniger gehemmt und impulsiver sind. Eine weitere Gefahr der reduzierten Hemmschwelle und des eingeschränkten Urteilsvermögens ist, dass die Menschen manchmal mehr Alkohol konsumieren als sie ursprünglich beabsichtigt hatten.

Höhere Dosen

Mit steigender Alkoholdosis steigen die Auswirkungen auf das Gehirn. Die Funktion des präfrontalen Kortex wird zunehmend eingeschränkt, sodass das menschliche Verhalten noch weniger gehemmt und das Urteilsvermögen weiter geschwächt wird. Folglich wird unser Verhalten zunehmend von primitiveren Teilen des Gehirns gesteuert. Daher steigt das Aggressionspotenzial und der sexuelle Trieb.

Alkohol wirkt sich zudem auf das Kleinhirn aus – die Region im Hinterkopf, die die Muskelaktivitäten koordiniert. Die Koordination des Bewegungsapparats fällt zunehmend schwer, je höher die Alkoholdosis ist. Dies geht mit Schwindelgefühlen einher, die Übelkeit und Erbrechen zur Folge haben können.

Hohe Dosen Alkohol können zusätzlich die Geschwindigkeit reduzieren, mit der Nervenzellen in den Gehirnregionen kommunizieren, die essentiell für die Kontrolle der vitalen Funktionen wie Herzschlag und Atmung sind (die Brücke – ein Teil des Hirnstamms, der Nachrichten an das Kleinhirn übermittelt). Im Falle einer Alkoholüberdosis wird die Person vollständig aufhören zu atmen, was schließlich zum Tode führt.

Verfassung und Umfeld

Während die Pharmakologie des Alkohols in den subjektiven Auswirkungen eine bedeutende Rolle spielt, sollte der Einfluss des Umfeldes, in dem eine Person trinkt, und der psychischen Verfassung vor dem Konsum ebenfalls nicht unterschätzt werden.

Hinsichtlich des Umfelds kann man sich den Unterschied zwischen dem Alkoholkonsum auf einer Hochzeit und dem nach einer Beerdigung vorstellen. Die Wirkung der Droge bleibt die gleiche, das Umfeld hat jedoch einen großen Einfluss auf die Art und Weise, wie wir diesen Effekt wahrnehmen.

Alkohol kann negative Stimmungen verschlimmern. Daher sollten Sie das Trinken in einer schlechten seelischen Verfassung vermeiden. Die Kraft der Gedanken ist hier enorm wichtig. Die Menschen zeigen erste Anzeichen einer Alkoholvergiftung, sogar wenn sie ein Placebo erhalten.

In Studien, in denen Probanden unter dem Vorwand, es sei Alkohol, mit einem Placebo versorgt wurden, legten diese ein genauso risikobereites und sensationslüsternes Verhalten an den Tag, fühlen sich sexuell erregt und zugleich beruhigt. Dies kann teilweise durch die Konditionierung erklärt werden, in der der Körper gelernt hat, eine chemische Reaktion auf einen bestimmten Stimulus zu zeigen.

Die Erwartung des Menschen an die Art des Getränks beeinflusst also auch die subjektive Erfahrung. Sie haben eventuell gehört, dass Gin depressiv macht – also fühlen Sie sich deprimierter, wenn Sie Gin trinken. Zum Jahresende sollten Sie also nur etwas trinken, wenn Sie in Feierlaune sind – und den Gin vielleicht gegen einen Eierlikör tauschen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf “The Conversation” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image “Alkohol” by jarmoluk (CC0 Public Domain)


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Kinder mit Smartphone: Gefahren und Nutzen

Close up of smartphone in hand (adapted) (Image by Japanexperterna.se [CC BY-SA 2.0] via flickr)

Anstatt zur Playstation oder zur Fernbedienung, greifen Kinder und Jugendliche immer häufiger zum Smartphone. Müssen sich Eltern deshalb Sorgen machen? Nicht zwingend. Gefährlich wird es erst, wenn ein stabiles Umfeld fehlt.

Smartphones sind heute aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Das gilt nicht nur für Erwachsene – Kinder nutzen den mobilen Internetzugang ebenso: 85 Prozent der zwölf bis 13-Jährigen besitzen ein Smartphone, bei den Jüngeren sind es rund die Hälfte. Das kann positive wie auch negative Auswirkungen auf das Leben der Kinder und deren Familien haben. Wichtig dabei ist, wie Pädagogen und Eltern mit dem Thema umgehen.

Das soziale Umfeld ist entscheidend

Gabriella Küll kennt sich aus mit Kindern. Als Lehrerin sowie Kinder- und Jugendpsychotherapeutin beschäftigt sie sich mit den Befindlichkeiten und Alltagsproblemen von Heranwachsenden. Immer häufiger kommen Eltern mit ihren Kindern zu Küll in die Sprechstunde und suchen Rat – der Sohn werde immer schlechter in der Schule, könne sich nicht mehr gut konzentrieren. Und dann ist da noch das Smartphone. Er hänge ständig an seinem Smartphone. In solchen Momenten pocht die Psychologin immer auf eine differenzierte Betrachtungsweise: Eine Sucht verdeckt in der Regel etwas, ein anderes Problem, welches das Kind verdrängt. Küll sagt dazu:

Kinder und Jugendliche, die im realen Leben kommunikative und soziale Fähigkeiten zeigen, können Online-Kommunikation für ihre Entwicklung gut nutzen. Kinder, die in diesen Bereich allerdings eher Schwierigkeiten haben, kommen auch im Internet, egal ob über Smartphone oder PC, nicht weiter. Sie werden eher Opfer der negativen Auswirkungen.

Die negativen Auswirkungen machen sich vor allem im Kontakt mit der Umwelt bemerkbar: Die Angst, etwas zu verpassen, wenn sie nicht ständig ihr Smartphone im Auge haben, lähmt die Kinder. Das hindert sie daran, sich über einen längeren Zeitraum hinweg anderen Dingen zu widmen. “In der Gruppe kommunizieren die Kinder nicht mehr unmittelbar, sondern – wenn überhaupt – nur noch unter Einbeziehung ihrer Smartphones.

Aber nicht nur der Kontakt mit anderen verändert sich, Cybermobbing und andere Phänomene sind auch beim mobilen Internetzugang da. Pädagogen und Schulen reagieren auf diese gängigen Probleme mit Computerkursen und Medienpässen. In Suchtfragen sei es laut Küll wichtig, nicht nur die Häufigkeit des Gebrauchs im Auge zu haben, sondern die sonstigen Lebensumstände der Kinder zu sehen. Viele Kinder und Jugendliche können den Gebrauch gut regulieren. “Wer viel online chattet und spielt, seinen Alltag aber geregelt bekommt, weil er gute soziale Kompetenzen besitzt, ist wesentlich weniger gefährdet, wirklich süchtig zu werden, als jemand ohne ausreichende soziale Kompetenzen und Kontakte”, sagt Küll. Eine differenzierte Betrachtungsweise sei daher wichtig.

Medienkompetenz durch sinnvolle Erziehung

Wo fängt problematisches Verhalten also an? Wenn Eltern mit ihren Kindern nicht mehr ins Gespräch kommen können, wenn die Kinder unruhig, zappelig und wütend auf zeitweisen Entzug vom Smartphone oder Computer reagieren, wenn der Kontakt zu anderen Kindern und sonstige Aktivitäten eingeschränkt oder aufgegeben werden. Das seien die ersten Alarmzeichen, sagt Küll. Was also tun, wenn dies auf das eigene Kind zutrifft? Eine Psychotherapie sei in vielen Fällen hilfreich, denn: sehr oft ist das Eltern-Kind-Verhältnis schon gestört. Eltern können trotzdem erst einmal selbst aktiv werden und versuchen, den Konsum ihres Kindes in geregelte Bahnen zu lenken – nicht durch Kontrolle, sondern durch gezieltes Beleben anderer Interessen. “Man kann Kindern problematisches Verhalten nicht abgewöhnen. Man kann nur daran arbeiten, wieder andere Interessen zu wecken, Kreativität und Phantasie zu beleben, die Freude an Bewegung und Gemeinschaft zu reaktivieren”, sagt Küll. Entwicklungsbedingte Schwierigkeiten, familiäre oder schulische Probleme sollten zusätzlich therapeutisch besprochen werden.

Eltern und Schulen können einiges tun, um es gar nicht so weit kommen zu lassen. Das Kind sollte sich gleich an klare Regeln im Umgang mit dem Smartphone gewöhnen – “Smartphone-freie” Zeiten seien laut Küll auch in Schulen wünschenswert. Die Vorbildrolle der Eltern sollte ebenfalls nicht vergessen werden: “Wichtig ist, dass die Eltern selbst ein angemessenes Verhalten im Umgang mit Medien haben.

Smartphones bergen aber nicht nur eine potentielle Suchtgefahr, sondern erleichtern – richtig genutzt – den Alltag vieler Familien: Laut der Studie der LfM lässt sich das Abendessen und andere familiäre Alltagserledigungen, zum Beispiel durch WhatsApp, sehr gut koordinieren. Auch für die persönliche Entfaltung des Kindes hat der Internetzugang einige Vorteile: Sie können beispielsweise mit Rollenbildern in Onlinespielen experimentieren und dadurch Affekte abreagieren. Aber auch der Kontakt untereinander kann verbessert werden: das gemeinsame Anschauen von Videos und Bildern wurde in der Studie als sehr positiv bewertet.

Am Wichtigsten ist es also, dass Kinder und Jugendliche in guten sozialen Umfeldern leben, genügend andere Interessen haben und mit sich und der Umwelt einigermaßen klar kommen. Dann ist das Smartphone nicht gefährlich, sondern nützlich.


Image (adapted) “Close up of smartphone in hand” by Japanexperterna.se (CC BY-SA 2.0)


 

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5 Lesetipps für den 3. November

In unseren Lesetipps geht es heute um Nomophobia, selbstfahrende Autos von Google, Push-Benachrichtigungen, Netzneutralität und Star Trek. Ergänzungen erwünscht.

  • NOMOPHOBIA Fusion: Are you afraid of being away from your phone?: Es gab den Hype um die vermeintliche Angst etwas auf dem Smartphone zu verpassen, nun gibt es wohl die Angst von seinem Smartphone an sich getrennt zu sein. Nomophobia betitelt Kristen Brown ihren Artikel darüber für Fusion.net und nennt es auch gleich eine moderne Horror-Geschichte. Es gibt zwar bereits einige Studien mit gewissen Erkenntnissen, aber die Forscher geben zum Glück zu (statt schon verurteilend anzuklagen), dass man noch kaum etwas über das Phänomen weiß. Dass es Nomophobia geben könnte, ist vielleicht ein guter Anlass, um einmal über sein eigenes Verhältnis zum Smartphone nachzudenken.

  • SELBSTFAHRENDE AUTOS The Next Web: Google had nearly 50 self-driving cars on the road in October: Google hat einen Bericht über seine selbstfahrenden Autos im Monat Oktober veröffentlicht, der zumindest einen kleinen Einblick in das Programm gewährt. Insgesamt hat Google zurzeit 48 selbstfahrende Autos auf den Straßen von Kalifornien und der texanischen Stadt Austin. Die Autos haben bereits 10.000 bis 15.000 Meilen zurückgelegt. Diesen Monat testet Google das Verhalten und die Fähigkeiten der Autos, wenn Kleinkinder im Straßenverkehr sind.

  • PUSH-BENACHRICHTIGUNGEN Digiday: Inside the New York Times‘ new push notifications team: Lucia Moses wirft für Digiday einen Blick in das neue Team für Push-Benachrichtigungen der New York Times, in der Medienwelt eine Inspirationsquelle für vieles, dass andere dann woanders kopieren. Wie also die New Yorker demnächst ihre Leser mobil über Nachrichten informieren, könnte weltweit Verbreitung finden. Wie überhaupt mehr Benachrichtigungen, denn das hat die New York Times schon heraus gefunden, mehr Leser kommen zu dem Medium, wenn sie persönlich auf dem Smartphone erreicht werden.

  • NETZNEUTRALITÄT The Economist: A multi-speed Europe: Der Economist vergleicht den US-amerikanischen und den europäischen Telekommunikationsmarkt und deren Verhältnis zur Politik, die in beiden Regionen neue Regeln für diese Märkte aufgestellt hat. Wie sehr die neuen Regeln für eine vermeintliche Netzneutralität in Europa durch den Lobbyismus der verschiedenen Telekoms schon vor Verabschiedeung geschwächt waren, berichteten sogar hierzulande alle größeren Medien und der Chef der Deutschen Telekom machte das ja gleich einen Tag nach Verabschiedung mit seinen Vorstellungen von neuen Geschäftsmodellen deutlich. Europa wird wohl, für den Profit einiger weniger Firmen, seine digitale Wirtschaft opfern und gegenüber den USA weiter zurückfallen.

  • STAR TREK Vox.com: Star Trek is returning with a new TV series — on a streaming service nobody uses: Es wird eine neue Serie von Star Trek geben und Matthew Yglesias bringt es bei Vox.com auf den Punkt, warum das eine tolle Nachricht ist: mehr Utopie! Star Wars hat schon immer inspiriert – die erste Serie damals die ersten Internetunternehmen, die zweite Serie dann die heutigen Internetunternehmer. Zwar konnte nicht jede Serie von Star Wars diese Wirkung erzielen, aber erst einmal kann man ja hoffen, dass die eue Serie es schafft. Einziges Problem dabei ist, dass es erst einmal wohl für ZuschauerInnen außerhalb der USA keinen legalen Weg geben wird, das zu schauen (aber es gibt ja Dutzende andere Wege).

CHIEF-EDITOR’S NOTE: Wenn Ihnen unsere Arbeit etwas wert ist, zeigen Sie es uns bitte auf Flattr oder indem Sie unsere Reichweite auf Twitter, Facebook, Google+, Soundcloud, Slideshare, YouTube und/oder Instagram erhöhen. Vielen Dank. – Tobias Schwarz

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Social-Media-Sucht: Ein Tag im Leben einer Twittersüchtigen

Twitter Bird Logo Sketch, New (adapted) (Image by Shawn Campbell [CC BY 2.0] via Flickr)

Das Internet bietet nicht nur ungeahnte Möglichkeiten, es kann auch zu neuen Problemen führen. Eins davon ist die Social-Media-Sucht. Diese Sucht ist ein relativ neues Phänomen in unserer vernetzten Welt, das aber nicht nur die Abhängigen selbst betrifft, sondern auch ein Bild unserer Gesellschaft zeichnet. Die Sucht nach sozialen Netzwerke ist nicht nur die Sucht, ständig online zu sein. Facebook, Twitter, Instagram oder Whatsapp sind nicht nur ein Teil unseres Alltags und unseres Beruflebens, sie geben auch vielen Nutzern das Gefühl, mit dem Rest der Welt verbunden zu sein. Ein Gefühl, das abhängig machen kann.

Hallo! Ich bin @marinalapotor und ich bin #twittersüchtig.

Dies ist mein erstes öffentliches Outing. Es ist mir wichtig, dass die Netzwelt mehr über meine Sucht erfährt. Denn ein Tag in meinem Leben verläuft nicht nach morgens, mittags und abends. Mein Tag folgt nur Tweets, Retweets und Followern:

7:15 Uhr

Mit dem Weckerklingeln greife ich nach dem Handy und öffne bereits meinen Twitter-Account. Ein kurzes Scannen der Tweets der letzten Nacht. Denn während ich geschlafen habe, hat die andere Hälfte der Welt fröhlich weiter gezwitschert.

7:23 Uhr

Mein erster Tweet des Tages:

„Die da draußen“ sind eine schwammige Masse aus Tweetern, Followern und Nachrichten-Updatern. Ich kenne vielleicht gerade mal 10 meiner Twitter-Freunde aus dem echten Leben. Dennoch habe ich das Gefühl, dass wir wirklich miteinander kommunizieren. Über Twitter bin ich stets mit Menschen verbunden, ein Nutzer aus Japan oder aus Australien ist für mich nur einen Klick entfernt.

8:43 Uhr

Eine solche Twitter-Freundin schreibt gerade, dass ihr kalt ist. Ich stehe auf und mache ein Foto von meiner sonnigen Fensteraussicht, um sie etwas aufzumuntern.

Twitter ist meine Verbindung zur Welt. Ohne die, fühle ich mich einsam und verloren. Ich kann es nicht viel länger als eine Stunde ohne Twitter aushalten. Bereits nach wenigen Minuten werde ich unruhig, meine Fingerspitzen kribbeln. Automatisch suche ich nach der Twitter-App auf meinem Handy und erst wenn ich sicher bin, dass ich wirklich alles Tweets der letzten Minuten gesehen habe, kann ich wieder aufatmen. Damit bin ich, nach einer Studie der Universität von Maryland, eine der vielen jungen Social Media Süchtigen.

Einige Studien gehen sogar davon aus, dass 18 Prozent der Social-Media-Nutzer, es nicht länger als zwei Stunden ohne ihre sozialen Netzwerke aushalten. Während einige stundenlang auf Facebook surfen und andere wiederum nicht von Whatsapp loskommen, kann ich mich nicht von Twitter trennen. Dabei gehöre ich nicht zu denjenigen, die wie @MileyCyrus alle zwei Minuten einen Skandal mit ihrem Tweet auslösen. Ich bin auch nicht der @KimKardashian-Typ, der sein Privatleben in 140 Zeilen preisgibt. Für mich befriedigt Twitter die Sucht, permanent auf dem neuesten Stand zu sein. Alle zwei Sekunden wird etwas neues getweetet und ich könnte die erste sein, die DIE Neuigkeit des Tages liest.

9:32 Uhr

Zwischen Kaffee und Frühstücksbrötchen schiele ich ununterbrochen auf meinen Newsfeed.

Im Zeitalter der Information ist der schnelle und ununterbrochene Zugang zu Neuigkeiten Macht. Wer nicht auf dem neuesten Stand bleibt, geht unter. Wer bis zum ersten Meeting im Büro nicht das virale YouTube-Video des Tages gesehen hat, gilt als Loser. Wer seinen Chef nicht mit den aktuellsten Statistiken aus dem Netz beeindrucken kann, ist unten durch. Social Media ist längst nicht mehr nur für den Feierabend. Fast jedes Unternehmen braucht mittlerweile Facebook, Twitter, Instagram, Pinterest, Google+ und am besten noch Tumblr. Wer den Hashtag des Tages bestimmt, macht das Rennen. Twitter bietet wie kein anderes soziales Netzwerk unmittelbaren Zugriff zu Informationen. Bevor die Nachricht ins Fernsehen kommt oder auf der Webseite publiziert wird, wird darüber getweetet.

10:00 Uhr

Skype-Termin mit einem Kunden. Es geht um die Gestaltung seines Blogs. Zu welchen Themen sollen wir heute schreiben? Ein kurzer Blick auf die Hashtag-Trends des Tages und meinen Newsfeed zeigen, dass der Tod von Schauspieler #HarryRowohlt heute in aller Munde ist. Wir einigen uns daher auf ein Porträt über Harry Rowohlt.

12:00 Uhr

Während ich den Artikel in die Tasten haue, vibriert mein Handy. Jedes Mal, wenn jemand einen meiner Tweets weitergibt, favorisiert oder mir folgt, schlägt mein Telefon Alarm. Gerade jetzt habe ich einen neuen Follower bekommen – für mich ein Adrenalinkick. Neben der Sucht nach ständigen Neuigkeiten, fühle ich mich durch Twitter wichtig. Was ich sage wird gelesen, kommentiert, weitergeleitet. Ich bin nicht nur am Puls der Zeit, ich bestimme den Puls der Zeit mit.

13:30 Uhr

Beim Mittagessen nutze ich die Zeit, um auf die Top-Tweets auf meinem Bildschirm zu antworten. 140 Zeichen, um spontan, schnell, clever und hippe Kommentare zum Weltgeschehen abzugeben. Der chilenische Filmdirektor Alejandro Jodorowsky hat Tweets die Haikus des 21. Jahrhunderts genannt. Für mich sind die 140 Zeichen jedes Mal eine neue Herausforderung. 140 Zeichen, um zu zeigen, dass ich auf dem neuesten Stand bind. 140 Zeichen, um zu zeigen, dass ich bestens informiert bin. 140 Zeichen, um zu zeigen, wie geistreich ich bin.

15:00 Uhr

Ich habe einen Interviewtermin. Bis mein Gesprächspartner Zeit für mich hat, checke ich fanatisch alle Tweets zu seiner politischen Agenda. Unwissen ist einfach keine Option mehr. Wer Zugang zu allen Datenbanken dieser Welt hat und etwas mal nicht weiß, gilt sofort als unprofessionell.

18:16 Uhr

Kaffeeklatsch mit Freunden. Es fühlt sich fast wie ein entspanntes Beisammensein an – abgesehen von meinem ständigen Schielen auf’s vibrierende Handy und heimlichen Posten von Tweets.

Twitter ist wie pausenloses Koffein. Man ist ständig auf Draht, immer wachsam, rutscht stets unruhig auf dem Stuhl herum und zwingt sich, seinem Gesprächspartner zuzuhören, bis man endlich wieder erleichtert auf’s Twitter-Konto gucken kann. Jeder neue Tweet gibt mir einen Adrenalinstoß, der aber nur kurze Zeit anhält – bis zum nächsten Tweet.

Auch wenn die Social-Media-Sucht als „weiche“ Sucht gilt, entwickeln Betroffene ähnliche Symptome wie Drogensüchtige:

  • Süchtige sind nur auf den Konsum von Social Media fokussiert und werden aggressiv, wenn sie nicht online sein können.

  • Einige bekommen ohne Social Media Entzugserscheinungen, fangen an zu schwitzen, zittern und werden rastlos.

  • Sie vernachlässigen ihren Freundeskreis und ihre Familie und vergessen auf essentielle Bedürfnisse wie Essen, Trinken oder Schlafen zu achten.

18:28 Uhr

Wann habe ich eigentlich das letzte Mal gegessen? Ich koche mir mein Abendessen. Doch selbst mit zwiebeltränenden Augen und spülmittelnassen Händen, kann ich es nicht lassen, meine Twitter-App wieder zu öffnen.

Ein Foto mit dem Handy schießen und sofort online posten, macht unseren Alltag noch schnelllebiger, noch direkter. Es gab mal eine Zeit, in der ich Twitter tatsächlich nur ab und zu auf dem PC genutzt habe. Diese Zeit vor Smartphones und Apps scheint eine Ewigkeit her zu sein. Der Gedanke, nicht ständig Zugang zu Twitter zu haben und nicht sofort alles loswerden zu können was ich sagen will, ist mittlerweile unvorstellbar.

21:00 Uhr

Es wird Zeit meinen Newsfeed wieder abzurufen. Abends habe ich nicht nur Zeit für die Nachrichten des Tages, sondern kann auch bei Tweets von Bloggern und Stars verweilen.

21:26 Uhr

22:06 Uhr

0:53 Uhr

Wo ist die Zeit geblieben? Ich konnte mich mal wieder den ganzen Abend nicht von meinem Handy losreißen.

Ab ins Bett – morgen ist schließlich wieder ein neuer Twitter-Tag!


Image (adapted) „Twitter Bird Logo Sketch, New“ by Shawn Campbell (CC BY 2.0)


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