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Fund this! – Crowdfunding Tipps im April

Wir Netzpiloten durchstreifen regelmäßig die verschiedenen Crowdfunding-Plattformen im Internet. Uns begeistern vor allem Produkte und Aktionen, die durch diese innovative Finanzierungsform erst möglich gemacht werden. Hier unsere Auswahl des Monats. Huseyin Kocintar hat sich einige Projekte angeschaut, die bereits erfolgreich finanziert wurden.

Biomasseheizkraftwerk auf Kuba

Der deutsche Entwickler Prolignis möchte mit seinem Projekt ein Biomasseheizkraftwerk auf Kuba realisieren. Das neue Kraftwerk soll die veraltete Biomasseverbrennungsanlage einer Zuckermühle ersetzen, um künftig deren Energieversorgung mit Prozessdampf und elektrischem Strom sicherzustellen. Als Treibstoff dienen naturbelassene Bioabfälle. Der Standort befindet sich 250 km südöstlich von Havanna in der Stadt Lajas und ist gut vernetzt. Die Crowdfunding-Kampagne ist bereits super erfolgreich verlaufen. Seht selbst!

Biomasseheizkraftwerk auf Kuba @bettervest (Ziel: 250.000 Euro | Am Ende: 560.250 Euro)

Superkreuzburg. Alte Videobeispiele neu präsentiert

Zwei Freunde haben sich der Liebe zum Videospiel verpflichtet und produzieren mit moderner Technik Videos über alte Videospiele & Konsolen. Sie kaufen sich alte Konsolen und alte Spiele, um sie auf ihrem YouTube Kanal zu besprechen. Außerdem produzieren sie Podcasts, darunter den Filmpodcast Super 35. Damit eine angemessene Qualität gewährleistet ist, verwenden sie aktuelle Technik, was mit finanziellem Aufwand verbunden ist. Um das ganze weiterhin zu betreiben, benötigen die Jungs finanzielle Unterstützung.

Alte Videospiele neu präsentiert! @steadyhq (102,45 Euro monatlich)

OBSBOT Tail

Die OBSBOT Tail ist eine hochauflösende Kamera und die weltweit erste Auto-Director Kamera, die mit Künstlicher Intelligenz arbeitet. Die Kamera kommt ganz ohne Kameramann oder ständig wechselnde Einstellungen aus und ist mit einer 3-achsigen Kardanaufhängung und optischem Zoomobjektiv ausgestattet. Mit einem Knopfdruck werden anspruchsvolle Filmtechniken und das Filmen von schwierigen, komplexen Bewegungen zum kinderleichten Spiel für Jedermann/ Jedefrau. Es besteht die Möglichkeit das Projekt zu unterstützen.

OBSBOT Tail @kickstarter (Ziel: 45.230 Euro | Am Ende: 360.988 Euro )

ENERQI. Invisible Fast Wireless Charger

ENERQI ist die nächste Generation des kabellosen Ladens. Das Ladegerät wird unsichtbar mit einer Reichweite von 40mm unter der Oberfläche des Tisches, Schreibtischs oder der Möbel montiert und das Gerät einfach darüber gelegt. Es lädt praktisch durch die Zwischenfläche durch und macht das Laden einfacher, indem man das Gerät unterhalb der Fläche anbringt. Das Ladegerät ist kompatibel sowohl mit Android als auch Apple Smartphones. Wer diese Idee unterstützen möchte, kann das über die Crowdfunding-Plattform tun.

ENERQI @indiegogo (Ziel: 4.426 Euro | Am Ende: 301.270 Euro)

Hexbot

Der Hexbot ist ein Roboterarm für den Schreibtisch und enthält ein Lasergravurgerät. Außerdem kann es als 3D-Drucker eingesetzt werden, Schach und Gomoku spielen. Es ist in der Lage mithilfe von modularen Werkzeugaufsätzen einen Stifthalter zum Schreiben und Zeichnen zu führen, einen Laser zum Schneiden einzusetzen oder einen Greifer um Gegenstände auszurichten. Die vielseitige Funktionalität und ihr Preis von 580 Euro brachten dem Projekt übrigens innerhalb von 5 Minuten sein Finanzierungsziel von 50.000 Dollar ein. Eine Investition lohnt sich!

Hexbot@kickstarter (Ziel: 50.000 US-Dollar | Am Ende: 846.910 )

MESAY 3: AI Übersetzer

Das MESAY 3 ist ein Echtzeit-Übersetzer mit KI- Eigenschaften und einer Übersetzungsgenauigkeit von 97%. Das Gerät ist mittlerweile in der dritten Generation und somit bereits einfacher und intelligenter in der Anwendung. Es verfügt über gleichzeitige, bidirektionale Sprach- und Textübersetzung in 50 Sprachen und einer Standby-Zeit über 7 Tage. Es ist keine Verbindung zu Apps erforderlich und kann über WIFI einfach vernetzt werden. Wir finden, dass der Mesay 3 ein sehr nützliches Tool ist und ein toller Wegbegleiter auf Reisen.

MESAY 3 @indiegogo (Ziel: 3.000 US-Dollar | Am Ende: 4.811 US-Dollar)

 

 

Fund this! – Crowdfunding Tipps im März

Crowdfunding ist eines der digitalen Formate, die uns begeistern! Regelmäßig durchstreifen wir die aktuellen Angebote von Indiegogo, Kickstarter und Co oder bitten Experten um ihre Empfehlungen. Diesen Monat gibt uns der Crowdfunding-Berater Wolfgang Gumpelmaier-Mach seine persönlichen Favoriten. Er beschäftigt sich mit seiner digitalen Medienagentur gumpelmedia seit 2009 intensiv mit dem Thema Crowdfunding und hat bereits über 50 Projekte beraten, betreut, sowie auch mehrere eigene Projekte auf diese Weise erfolgreich finanziert. Auf seiner Webseite Crowdfunding-Service.com und im monatlich erscheinenden Crowdfunding-Newsletter informiert er über laufende Crowdfunding-Projekte, kommende Events und News aus der Crowdfunding-Branche. Hier ist seine Auswahl für uns:

Pomplamoose is creating weekly music!

Gerne schaue ich auf Plattformen wie Patreon oder Steady vorbei, um MusikerInnen oder journalistische Projekte zu entdecken, die dort in einer Art Abo-Crowdfunding regelmäßig Geld für ihre Werke erhalten. Immer wieder lande ich dabei bei Pomplamoose, einer US-Band, die jede Woche ein Musikvideo veröffentlicht. Die Songs in den Videos sind teilweise Eigenkompositionen, oft veröffentlicht die Kalifornische Band aber auch sehr eingängige Coverversionen und Mashups. Pro Monat verdienen Natalie und Jack damit über 8.000 Dollar und das ist gut so. Denn damit ist garantiert, dass sie uns auch in Zukunft mit ihrer Musik beglücken.

Pomplamoose @Patreon (8.300 Euro / Monat) 

Lumapod – The World’s Fastest Tripod

Als Crowdfunding-Berater habe ich vor einigen Monaten das Team rund um Martin Grabner begleitet. Als Konstrukteur und begeisterter Hobbyfotograf wollte Martin ein häufiges Problem vieler ReisefotografInnen und InstagrammerInnen lösen: die Zeit für den Aufbau des Stativs verkürzen und somit die Chance auf das perfekte Foto erhöhen. Das Ergebnis ist der Lumapod, ein leichtes, innovatives Reisestativ, das via Kickstarter vergangenes Jahr über 3.785 Menschen überzeugte. Über 500.000 Euro kamen dabei zusammen. Aktuell kümmert sich das Team um ein paar letzte Details und die Produktion. Bis zur tatsächlichen Auslieferung kann der Lumapod via Indiegogo weiter vorbestellt werden.

Lumapod @Indiegogo (Ziel erreicht: 571.391 Euro)  

Wolfgang Gumpelmaier-Mach beschäftigt sich seit 2009 mit dem Thema Crowdfunding und hat bereits mehr als 50 Projekte beraten und betreut. Image: Wolfgang Gumpelmaier-Mach

Keyfender – durable, waterproof car key case

Die beiden Hamburger KitesurferInnen Sylvia und Christoph Blöcker haben sich in der Vergangenheit oftmals die Frage gestellt: “Wohin mit dem elektronischen Schlüssel beim Wassersport?” Mangels attraktiver Angebote haben sie nun kurzerhand selbst eine Lösung entwickelt: den Keyfender. Der Keyfender ist ein wasserdichtes und stoßsicheres Gehäuse für elektronische Autoschlüssel, das für eine Vielzahl unterschiedlicher Autoschlüssel genutzt werden kann. Mit ihrem Produkt lösen sich nicht nur die oben gestellte Frage, sondern auch versicherungsrelevante Fragen bei Autodiebstahl. Noch bis Ende März kann man Keyfender via Crowdfunding unterstützen.

Keyfender @Indiegogo (Ziel erreicht: 7.893 Euro) 

RAVAGE – An Infernal Hannibal Anthology

Für Fans der Serie Hannibal und Dante’s Inferno empfehle ich die “RAVAGE ANTHOLOGY”. Es handelt sich dabei um ein Buch mit Fan-Art, das eine Sammlung von Texten und Kunstwerken enthält, die auf Bryan Fullers düsterer TV-Show Hannibal und den weltbekannten Kantaten von Dante Alighieri’s Inferno basieren. Das Projekt wurde vor wenigen Tagen erfolgreich via Kickstarter finanziert und erscheint demnächst. Ich habe die Herausgeberin Romina Nikolic für das Blog von Crowd-Fund-Port interviewt. Darin erfährt man noch mehr über das Projekt und sie sie erklärt darin u.a. wie Fan-Art und Crowdfunding zusammenpassen.

RAVAGE @Kickstarter (Ziel erreicht: 48.865 Euro)  

INTERACTION – No more boredom!

Die Kombination klassischer Brettspielelemente mit der Technik moderner Smartphones bietet nicht nur einzigartige Möglichkeiten, sondern auch ein unvergessliches Spielerlebnis. Mit INTERACTION hat das Linzer Start-Up rudy games vergangenes Jahr sein zweites, sogenanntes „combined game“ vorgestellt und via Kickstarter erste Vorbestellungen und Feedback gesammelt. Mittlerweile ist das Spiel am Markt und kann in vielen Online- und Offline Stores erworben werden. Ich selber habe das “völlig verrückte Partyspiel für bis zu 9 Spieler” bereits mehrmals gespielt und bin begeistert. Vor allem die Mini-Games kommen bei mir und meinen Kindern super an.

INTERACTION auf Kickstarter (Ziel erreicht: 20.973 Euro) oder über die Webseite oder über Amazon.

 

 

Fund this! – Crowdfunding Tipps im Februar

Roboter Little Sophia

Little Sophia ist ein KI-gestütztes Robotermädchen in Handpuppengröße für Kinder im Alter von 7 bis 13 Jahren. Sie ist in der Lage Gesichter zu erkennen und auf unterschiedliche Mimiken zu reagieren. Außerdem kann sie singen, einfache Konversationen führen, Witze und Geschichten erzählen, sowie auf AR-Spiele und Games zurückgreifen. Eine Fernsteuerung ist via App möglich. Kontrolliert wird der Roboter über das Smartphone oder Tablet. Die Hersteller betonen auch die Bedeutung von Wissenschaft und technischen Berufen, daher haben sie den Roboter darauf programmiert MINT-Fächer, Kodierung und KI auf unterhaltsame und interaktive Weise vorzustellen. Besonders Frauen sollen ermutigt werden in diesen Bereichen zu arbeiten. Die Crowdfunding-Kampagne ist bereits super erfolgreich verlaufen. Seht selbst:

Little Sophia by Hanson Robotics @Kickstarter (Ziel: 75.000 USD bis 31.März)

Polymeer

Die Erfinder von Polymeer stellen aus recycelten Plastikabfällen wiederverwertbare Produkte her. Sie haben eine Maschine entwickelt, mit deren Hilfe sie Kunststoff schmelzen und pressen können. Die Wiederverwertung einerseits und die Müllproblematik andererseits waren die Hauptbeweggründe für dieses innovative Projekt. Ziel des Projektes ist, einen nachhaltigen und umweltschonenden Umgang mit Kunststoff-Müll zu schaffen. In Zeiten des Klimawandels sind nachhaltige Ideen zur Verbesserung der Umwelt immer eine willkommene Abwechslung zu den sonst eher profitorientierten Gründungsprojekten. Wer diese Idee unterstützen möchte, kann dies über die Crowdfunding-Plattform tun.

Polymeer @Startnext (Ziel: 1.550 Euro bis 28.Februar)

Samaki Aquaponik

Das Projekt Samaki Aquaponik widmet sich ebenfalls einer wichtigen Aufgabe. In den ländlichen Gebieten Afrikas fehlt es meist an den grundlegenden Dingen. Ein geringes Einkommen, Mangelernährung und fehlende Infrastruktur tragen ebenfalls zu dieser Misere bei. 120 Studenten der RWTH und FH Aachen haben eine Fischanlage entwickelt, um den Bedürftigen wenigstens eine gewisse Selbstverpflegung zu gewährleisten. Die Bevölkerung ist dadurch in der Lage nachhaltig und ohne viel Aufwand, Fische für die Eigenversorgung zu züchten oder für Gewinn weiter zu verkaufen. Dadurch wird zum einen die Mangelernährung bekämpft und zum anderen die Möglichkeit geschaffen einen Lebensunterhalt zu bestreiten. Ökologische und ökonomische Nachhaltigkeit wird durch dieses Projekt wirklich gelebt. Daher haben die Studenten eine Crowdfunding eingerichtet und bitten um Spenden und Unterstützung.

 Samaki Aquaponik @Startnext (1.500 Euro bis 2.März)

Orkenspalter TV

Orkenspalter TV ist ein Video-Kanal für Rollenspieler und Comic Fans auf YouTube. Es versteht sich als ein unabhängiges und selbstverwaltetes Projekt. Seit 2009 dreht sich auf Orkenspalter TV alles um Pen and Paper, LARP oder Comics. Des Weiteren haben sie das Format „Late Nerd Show“ entwickelt, das über Rollenspiele, Comics und alles Nerdige handelt. Außerdem haben sie selber eine Show über Crowdfunding entwickelt, mit dem Namen „Shut Up And Take My Money“. Die Betreuung des Kanals, der technische Aufwand und neue Räumlichkeiten, erfordern ständigen finanziellen Beistand. Auf der Crowdfunding-Plattform Steady, kann man die verspielte Gruppe unterstützen.

Orkenspalter TV @Steady (Ziel: 100 Euro bis 28.Februar)

Piqo-Projektor

Piqo ist ein mobiler Mini-Projektor und ermöglicht durchschnittliche Medien in ein HD-Kinoerlebnis zu verwandeln. Mit Funktionen wie integriertem WLAN, Bluetooth, Hi-Fi-Lausprechern und Spiegelung des Bildschirms, bietet es in Golfballgröße alle notwendigen technischen Finessen. Der Beamer überzeugt mit außergewöhnlichen Leistungen: mit 1080p besitzt der kleine Projektor eine für seine Größe außergewöhnlich hohe Auflösung. Insgesamt überzeugt das Gerät durch seine Kompaktheit. Wen der coole Würfel überzeugt, kann ihn auf der Kampagnenseite vorbestellen zum Early Bird Preis.

Piqo-Projektor @Indiegogo (Ziel erreicht: 1,558,243 EUR )

Micro Drone 4.0

Diese Mini-Drohne stellt die nächste Generation von ferngesteuerten Flugkörpern dar. Bisher konnten nur große und teure Quadcopter flüssiges Bildmaterial liefern. Durch die Integrierung von intelligenter Hovertechnologie ist es den Gründern gelungen, die Drohne mit einer autonomen und fortschrittlichen Flugfähigkeit auszustatten. Eine weitere Neuheit ist der zweiachsige mechanische Kardanring, der für die Bildstabilisierung sorgt. Die Micro Drone gibt es bereits für erschwingliche 130 Euro als Vorbestellung.

Micro Drone 4.0 @Indiegogo (Ziel erreicht: 516,923 EUR )


Image by kickstarter.com (Press Kit)

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Crowd Juwel: Das Comeback des legendären Spoonfork Magazins!

Wir Netzpiloten durchstreifen regelmäßig die verschiedenen Crowdfunding-Projekte im Internet. Uns begeistern Produkte und Aktionen, die durch diese innovative Finanzierungsform erst möglich gemacht werden. Hier im Telegrammstil unser Lieblingsprojekt der Woche:

Was ist Spoonfork? – von 2005 bis 2012 begeisterte uns das preisgekrönte Online Magazin immer wieder mit seinen innovativen und spielerischen Ideen. Es ging um Musik, Design und viel Humor. Wir sind Fans der ersten Stunde. Schaut euch um im Spoonfork Archiv.

Wofür wird die Crowd-Finanzierung gebraucht? – Um das Schätzchen wieder zum Leben zu erwecken brauchen die beiden Spoonfork-Gründer Katja Neumann und Bashar Farhat das Geld für Entwicklung, Programmierung und Gestaltung. Dieses Jahr soll Spoonfork sein Comeback feiern!

Mitmachen! – Nicht nur um der alten Zeiten Willen finden wir, dass die Spoonfork einen glanzvollen Auftritt verdient hat. Das finanzielle Mindestziel von 10.000 Euro ist zum Zeitpunkt dieses Artikels ein ganzes Stück entfernt. Auf gehts! Bis 20.05.2018 ist noch Zeit.

Wo kann man mitmachen? – Auf der smarten Plattform von Startnext.

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Business as usual? Wieso wir Crowdfunding in die Gesellschaft bringen müssen

Ants (Image by culturalibre [CC0 Public Domain], via Pixabay

Rainald Grebe hatte Recht: es gibt kaum eine Küchenparty, in der nicht jemand von seinem neuen Business-Projekt spricht. Und wieso auch nicht? Mit dem Siegeszug des Internet ist eine Firmengründung, auch wenn man kein Großindustrieller ist, nicht mehr so exotisch – und doch ernten die Gründer häufig kritische Blicke. Die typischen Gründerfragen („Was soll das?“ „Wer kauft das?“ „Brauchen wir das überhaupt?“) sind daher meist schon im Schlaf und durch jahrelange Fragerunden von Bekannten und Verwandten erprobt und werden meist ebenso beflissen heruntergebetet. Metropolen wie Berlin gelten hierbei als hoffnungsvolles Pflaster, in denen sich noch viel bewegen kann und wird. Die Umsetzung der Projekte ist heute um vieles erleichtert, immer mehr Gründer setzen hierbei auf Crowdfunding oder Crowdinvesting als Finanzierungsmodell.

Eine Frage der Nachhaltigkeit

Im Mittelpunkt der Gründeridee steht vor allem der Gedanke der Nachhaltigkeit. Der Begriff stammt ursprünglich aus der Forstwirtschaft und ist auch ebenso zu verstehen, frei nach dem Motto ‚Fälle nie mehr Bäume, als du pflanzen kannst, sonst ist eines Tages der Wald nicht mehr da.‘ Dieser Gedanke lässt sich recht direkt auf die Startup-Szene übertragen: die Regenerationsfähigkeit eines Unternehmens muss bewahrt bleiben, so dass es sich schnellstmöglich selbst tragen kann.

Beispiele für diese selbsttragende Geschäftsideen im Gegensatz zum klassischen Raubtierkapitalismus gibt es viele, und die Crowdfunding-Plattformen gelten hier als hoffnungsvolle Innovation: das Projekt wird im Netz auf entsprechenden Plattformen vorgestellt, dann wird die Idee in die Welt hinausgetragen. Denn das Wichtigste ist hier bereits enthalten: eine innovative Idee und ein stimmiges Marketing, das man sich an anderer Stelle erst hätte teuer erkaufen müssen. Das Besondere: Es wird mithilfe der Crowd entwickelt, wohin es mit dem Produkt gehen soll. So haben auch Nischenprodukte und kleine Projekte eine Chance.

Diese Idee ist so nicht nur deutlich kundenfreundlicher, sondern sorgt auch dafür, dass nur produziert wird, was auch wirklich gebraucht wird: „Jede Crowdfundingkampagne ist daher zugleich eine Kommunikationskampagne, der Kunde wird direkt angesprochen und mitgenommen„, meint Markus Sauerhammer von der Crowdfunding-Plattform Startnext. Und die Finanzierung ist transparent: Man legt einen bestimmten Finanzierungsrahmen fest, mithilfe dessen das Projekt verwirklicht werden kann.

Ist die Crowd schließlich überzeugt, stehen die Chancen gut, dass man genug Geld zusammenbekommt und sein Vorhaben verwirklichen kann. Ist sie es nicht, ist das Scheitern nicht so schlimm: Immerhin hat man keinen Kredit aufgenommen, den man jahrelang mühsam zurückzahlen muss. Doch damit ist es nicht getan.

Die Idee ist nicht das Problem

Dieser Gründergeist herrschte auch beim Fachgespräch zum Thema Gründungsfinanzierung für nachhaltige und soziale Startups, das die Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen am 3. Juni 2016 im Bundestag ausgerichtet hatten. Neben bekannten Projekten wie der Crowdfunding-Plattform Startnext, die unter Anderem den innovativen Supermarkt „Original Unverpackt“ ermöglicht haben, haben sich auch Gründer in verschiedenen Stadien sowie Finanzexperten eingefunden. Es soll über die wahrscheinlich schwierigste Frage referiert werden: einen stimmigen Businessplan. Denn daran scheitern die meisten Startups.

 Image by Bündnis 90/Die Grünen

Zu Gast war unter anderem auch Dirk Kannacher, Generalbevollmächtigter der Gemeinschaftsbank Leihen und Schenken (GLS). Kannacher sieht zuerst einmal ein ernsthaftes Problem in der Blauäugigkeit der Kunden:

Es ist leider oft so, dass mir der ein oder andere Finanzplan vorgelegt wird, den man einem Banker nicht vorlegen sollte, weil der nicht aufgeht oder die Stärke nicht bei der Erstellung des Finanzplanes liegt. Wenn ich den Plan beurteilen muss und da über Jahre nur Minus steht, dann frage ich dann auch mal nach. Die meisten sagen dann ‚Ja, das wird schon‘. Und ein ‚Das wird schon‘ ist dann doch relevant für mich.

Die GLS-Bank kommt neben der Bremer Aufbaubank mit ihren sozialökologischen Grundsätzen dem Gedanken des nachhaltigen Startup-Gründen recht nahe und unterstützt so den Gemeinschaftsgedanken. Kannacher spricht sich daher auch deutlich für die Idee des Crowdfunding aus: „Ich glaube, dass es noch weitere, neuere und vielleicht auch besser plazierte Instrumente geben muss, um dieses endlose Geld oder diese Unmengen von Kapital, die ja da sind, einfach da hin zu bringen. Und wir versuchen, diese Wege anzubieten.

Die Gesellschaft überzeugen

So einfach und schlüssig sich das Prinzip des Crowdfunding anhört, umso schwieriger ist es jedoch in Deutschland durchzusetzen: Nur ein Bruchteil der Deutschen haben überhaupt je von Crowdfunding gehört, ein noch geringerer Teil kann sich vorstellen, bei einer solchen Finanzierung mitzuwirken. Der Erfolgsquote der Projekte beträgt im ersten Quartal 2016 etwa 51 Prozent. Die Investoren finanzieren derzeit weniger Projekte als in den Jahren zuvor, dafür sind diese aber höher angesetzt. Die Furcht vor dem Scheitern ist offensichtlich. Kannacher wundert sich:

Ich glaube schon, dass die Instrumente da sind. Die Frage ist, warum sie noch nicht gesellschaftlich akzeptiert werden. Das ist doch aber eine Mentalitätsfrage: Wo sind wir denn bereit, Risiken einzugehen?

Für die Unternehmer ist diese Haltung ein echtes Problem: nicht nur beteiligen sich immer die gleichen Menschen an Nischenprojekten, auch die Finanzierungsethik wird durch diese Praxis nicht verändert. Denn das ursprüngliche Gründerproblem bleibt bestehen: der deutscher Mittelstand ist langfristig gewachsen, in vielen Businessmagazinen hört man deutliche Skepsis heraus. Die Deutschen scheinen lieber in sichere Finanzanlagen zu investieren, außerdem möchte man vielerorts eine deutsche Innovation hervorbringen. Die Frage, wie sinnvoll ein noch weiter zerplittertes System hier sein soll, bleibt jedoch auch hier offen – und die Gründer auf der Strecke.

Wagniskapital ist zum Wagen da

Auch politisch kann hier noch einiges verbessert werden. Der sogenannte Gründungszuschuss, den man als Unternehmer beantragen konnte, war bis vor wenigen Jahren eine gesetzliche Pflichtleistung und sorgte dafür, dass Gründer ihre ersten Schritte mit einem neuen Unternehmen wagen konnten. Nach dem Scheitern der Ich-AGs wurde diese Pflichtleistung jedoch gestrichen und in eine „Ermessensleistung“ umgewandelt. Im Klartext: jemand fach- und branchenfremdes entscheidet über die Zukunft der Geschäftsidee, die, sollte sie durchgehen, danach von jemandem ausgeführt wird, dessen Branche gerade stirbt. Sauerhammer ärgert sich:

Das wäre grade so, als würden wir Bauern Geld für neue Ställe geben, aber Leuten, die neue Märkte schaffen wollen, geben wir nichts. Ist sowas gründerfreundlich? Nein, das ist verrückt. Wir müssen zusehen, dass zukunftsorientierte Gründungen gefördert werden dürfen.

Nicht nur die Digitalisierung, auch die Gesetzgebung und der Finanzsektor scheint in Deutschland wenig zukunftorientiert. Es ist also nur eine Frage der Zeit, bis man auch hier erkennt, dass man sich mit derlei Einschränkungen ein Bein im Wirtschaftssektor gestellt hat. Kleinere Unternehmen haben hier eine zukunftsorientiertere Idee entwickelt, hier längerfristig und mithilfe der Gemeinschaft zu bestehen. Was nun noch fehlt, fasst Kannacher schlüssig zusammen: „Wenn wir heut die Welt drehen wollen, müssen wir auch das Risiko wieder eingehen. Wir brauchen eine neue Mentalität.


Image by Bündnis 90/Die Grünen
Titelbild: Image „Ants“ by culturalibre [CC0 Public Domain]


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Lektionen aus einer gescheiterten Crowdfunding-Kampagne

Gina Schad ist zwar mit ihrem Crowdfunding-Projekt „Durchgedreht mit…“ gescheitert, doch die Erfahrungen haben ihr auch so weitergeholfen, wie sie uns in einem Gastbeitrag erklärt. // von Gina Schad

Gina Schad über ihr Crowdfunding-Projekt

Seit einiger Zeit blogge ich im Internet; angefangen bei meinem Blog medienfische und seit Anfang diesen Jahres bei den Netzpiloten. In meinen Artikeln habe ich mich immer auf schriftliche Interviews beschränkt, im Frühjahr hatte ich jedoch die Idee, eine neue Interviewreihe mit Video-Interviews zu starten: „Durchgedreht mit…“.

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„Live aus der Favela“ – Im Gespräch mit zwei Auslandjournalistinnen

Live aus der Favela (Foto: BuzzingCities)

Favelas sind Armenviertel und das zweite Gesicht von Rio de Janeiro. Armut, Waffen, Drogengangs und Polizei sowie das Zusammenleben auf engstem Raum gehören dort zum Alltag. // von Merle Miller

Live aus der Favela (Foto: BuzzingCities)

Die Auslandsreporterin Julia Jaroschewski, die in den 90ern in Brasilien zur Schule gegangen ist, möchte mit ihrem jüngsten Projekt, das auf Startnext unterstützt werden kann, auch nach Mega-Events wie der WM 2014 zeigen, was in den brasilianischen Armenvierteln geschieht. Zusammen mit Sonja Peteranderl, die als freie Auslandsreporterin für Medien wie Spiegel Online, Impulse Magazin, Stern.de und Zeit Online berichtet, lebt sie selbst immer wieder in einer Favela in Rio de Janeiro.

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Wortwalz: Über das Handwerk des Journalismus

Die freie Journalistin Jessica Schober will mit dem Projekt „Wortwalz“ und der Handwerkertradition der Walz den Journalismus im Lokalen entdecken. // von Tobias Schwarz

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Einen Sommer lang möchte die freie Journalistin Jessica Schober durch Deutschland reisen und wie ein Handwerker auf der Walz den Journalismus im Lokalen entdecken. So wie es sonst Dachdecker, Zimmerleute oder Bäckerinnen nach der Ausbildungszeit tun, zieht sie nach festen Regeln von Lokalredaktion zu Lokalredaktion und bietet ihre Arbeit als Reporterin gegen Kost und Logis an. Wir haben uns mit ihr über ihre Wortwalz unterhalten.

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Crowdfunding-Projekt: „Die Bildung und das Netz“

Im Interview mit Netzpiloten.de spricht Martin Lindner über sein Crowdfunding-Projekt „Die Bildung und das Netz. Wie leben und lernen wir im digitalen Klimawandel?“ // von Kristin Narr

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Bildung und Lernen verändern sich gerade tiefgreifend, aber wie genau? Wir wissen es noch nicht recht, aber Martin Lindner möchte mit dem Crowdfunding-Projekt „Die Bildung und das Netz“ untersuchen, welche Rolle die Digitalisierung dabei spielt und welche das Netz. Im Interview mit Kristin Narr erklärt Lindner, dass das Buch nicht für Fachleute und Insider bestimmt ist, sondern ein Sachbuch für alle werden soll, die sich Gedanken über Bildung machen.

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Crowdspondent sucht jetzt Unterstützung per Crowdfunding

Im Interview mit Tobias Gillen reden Lisa Altmeier und Steffi Fetz über neue Crowdspondent-Projekt: eine Deutschland-Reise // von Tobias Gillen

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Nach dreimonatiger Recherche-Reise durch Brasilien ist das zweiköpfige Team von Crowdspondent wieder auf der Suche nach neuen Themen – diesmal soll es um Deutschland gehen. Vorher muss allerdings noch Geld bei Startnext eingesammelt werden. Im Netzpiloten-Gespräch haben sich die Macherinnen, Lisa Altmeier und Steffi Fetz, den Fragen von Tobias Gillen  gestellt.
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Neues Crowdfunding-Modell für die Finanzbranche

Crowdfunding-Plattform sind international zu einem festen Bestandteil der Finanzwirtschaft geworden und auch in Deutschland ist der Gedanke einer genossenschaftlichen Finanzierung weit verbreitet. Nun versucht sich auch der Bankdnsektor auf diesem Gebiet.

Die erste Crowdfunding-Lösung für die Finanzbranche in Deutschland ist online. Für die Volksbanken Raiffeisenbanken haben der Internet-Dienstleister VR-Networld, Startnext Network und T-Systems die Plattform www.viele-schaffen-mehr.de entwickelt. Als erstes geht die Volksbank Bühl mit einer eigenen Plattform online. Weitere Volksbanken Raiffeisenbanken werden folgen.

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