All posts under Snowden

NSA-Skandal: Ermittlungen offiziell eingestellt

The_dead_end (Image by Vaikoovery [CC by 3.0] via Pixabay)

Der Generalbundesanwalt hat die Ermittlungen wegen des NSA-Abhörskandals eingestellt. Er sieht keinen Anhaltspunkt dafür, dass die Behörden der USA und ihrer Verbündeten konkrete Straftaten gegen deutsche Bürger verübt haben. Die in den letzten Jahren aufgedeckte Massenüberwachung insbesondere der NSA reicht demnach nicht aus, um einen Anfangsverdacht zu rechtfertigen. Dieser Standpunkt ist in gewisser Hinsicht enttäuschend, aber ganz sicher nicht überraschend. Von Anfang an wurde der NSA-Skandal in Deutschland nur halbherzig aufgeklärt.

Kein konkreter Anfangsverdacht

Wie das Büro des Generalbundesanwalts in einer Pressemitteilung bekannt gibt, wurden die Ermittlungen gegen die Behörden der USA und ihrer Verbündeten, insbesondere Großbritanniens, eingestellt. Es hätten sich „keine belastbaren Hinweise für eine gegen die Bundesrepublik Deutschland gerichtete geheimdienstliche Agententätigkeit (§ 99 StGB) oder andere Straftaten“ ergeben, heißt es zur Begründung.

Zwar habe es massenhafte Überwachung durch die NSA und deren Verbündete gegeben, so die Erklärung. Es hätten sich aber weder in den Snowden-Dokumenten noch in anderen Quellen „konkrete Hinweise auf tatsächlich fassbare Spionagehandlungen der NSA in oder gegen Deutschland“ gefunden. Die Leaks hätten vielmehr nur die allgemeinen „Techniken und Fähigkeiten“ der Überwacher aufgedeckt. Diese seien den deutschen Behörden zudem bereits zuvor „als technisch machbar bekannt“ gewesen. Der NSA-Untersuchungsausschuss habe „keine Belege dafür gefunden, dass diese Techniken zielgerichtet gegen Deutschland eingesetzt worden sind“. Das gelte auch für die massenhafte Überwachung am Frankfurter Netzknotenpunkt De-Cix. Auch die Snowden-Dokumente könnten keine derartigen Beweise liefern. „Insbesondere geben die Dokumente keinen Aufschluss über konkret beschreibbare, tatsächlich durchgeführte Abhörmaßnahmen“, schreibt das Büro des Generalbundesanwalts weiter und kommt zu dem Schluss: „Vor diesem Hintergrund ist für weitere staatsanwaltschaftliche Untersuchungen von Gesetzes wegen kein Raum.“

Feigheit vor dem Verbündeten

Dem Buchstaben des Gesetzes wurde durch die nun für beendet erklärte Untersuchung wohl Genüge getan. Von einer umfassenden Aufarbeitung der bekannt gewordenen Grundrechtsverletzungen allerdings kann keine Rede sein. Rein technisch gesehen mag es stimmen, dass die Snowden-Dokumente und die anderen bekannt gewordenen NSA-Interna lediglich vorhandene Tools und technische Möglichkeiten aufzeichnen. Es bedarf aber keiner großen intellektuellen Leistung, sich auszurechnen, dass und in welch massivem Ausmaß diese Werkzeuge auch zum Einsatz kamen – gegen reale Menschen, darunter auch Bundesbürgerinnen und Bundesbürger, deren Rechte der deutsche Staat nicht verteidigt, da er Angst hat, sich den Unmut seiner amerikanischen Verbündeten zuzuziehen. Genau darauf läuft es nämlich bei aller Rhetorik und juristischen Spielerei hinaus.

Überraschend ist die nun getroffene Entscheidung des Generalbundesanwalts keineswegs. Von Anfang an ermittelte der NSA-Untersuchungausschuss eher halbherzig und oft unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Auch die Weigerung der Bundesregierung, Whistleblower Edward Snowden Asyl zu gewähren, spricht eine deutliche Sprache: Deutschland ist nur dann gegen Massenüberwachung, wenn dieser Widerstand nicht die Gefahr einer Meinungsverschiedenheit mit den USA birgt.

Einsatz für die eigenen Bürger wie auch für grundlegende freiheitliche Rechte sieht anders aus. Enttäuscht kann man kaum über diese Entscheidung sein, dazu ist sie zu vorhersehbar. Empörung und die Forderung nach Veränderung sind aber sehr wohl angebracht.


Image (adapted) „The dead end“ by Vaikoovery [CC by 3.0]


Weiterlesen »

FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

Follow me
    • IPHONEX Apple: iPhoneX: Apple hatte für die Präsentation des neuen iPhones gestern ein paar Überraschungen bereit: So ist das neue IphoneX vorne wie von hinten komplett aus Glas. Zudem wurde es so intelligent gemacht, dass nur ein Tippen, ein Wort oder ein Blick ausreicht, damit das Smartphone reagiert. Apple sagt dazu nur: Hallo Zukunft!

    • ÜBERWACHUNG Deutschlandfunk: China auf dem Weg in die IT-Diktatur: Die kommunistische Partei möchte den moralisch einwandfreien und ehrlichen Bürger schaffen: Dafür sammelt der chinesische Staat schon länger fleißig die Daten seiner Bürger, um sie dann zusammenzutragen und auszuwerten. Bis 2020 soll so ein landesweites Sozialkreditsystem entstehen, auf dem jeder Bürger ein Punkte-Konto hat und so je nach Stand belohnt oder bestraft werden kann.

    • BITCOIN Frankfurter Allgemeine: JPMorgan-Chef Dimon: Bitcoin ist Betrug: Es sieht nicht gut aus für die digitale Währung Bitcoin: Bei einer Rede auf einer Investoren-Konferenz in New York bezeichnete der Chef der amerikanischen Großbank JPMorgan Chase, Jamie Dimon, die Kryptowährung Bitcoin als Betrug. Schon in den vergangenen Jahren hatte Bitcoin Probleme mit Betrugsvorwürfen, Börsenpleiten und dem Verdacht auf Geldwäsche und Terrorfinanzierung. Und auch China scheint gegen Bitcoin vorzugehen zu wollen, Aufsichtsbehörden des Landes erwägen anscheinend die Schließung von Handelsplattformen für Devisen wie Bitcoin.

    • WHATSAPP Curved: WhatsApp kann bald Nachrichten zurückholen: Server werden schon vorbereitet: Jedem von uns ist das schon mal passiert: Aus Versehen hat man eine Nachricht abgeschickt, die noch nicht fertig formuliert war oder die Nachricht sollte eigentlich eine andere Person erreichen – ärgerlich. Doch laut WABetaInfo könnte sich dies bald ändern: Die Server sollen bald auf das Zurückholen versendeter Chat-Nachtrichten vorbereitet werden. Dieser Schritt kann in Zukunft wohl einige Streitigkeiten verhindern.

    • SNOWDEN SpiegelOnline: ‚There Is Still Hope – Even for Me‘: Den Namen Edward Snowden kennt man. Seitdem der wohl bekannteste Whistlerblower vor vier Jahren das von der National Security Agency (NSA) eingesetzte globale Überwachungssystem aufdeckte und die NSA-Affäre auslöste, wird er als Gegner der Vereinigten Staaten angesehen. Nun hat der Spiegel es nach einem Jahr Bemühungen geschafft, ein Interview mit ihm zu führen: Hier spricht er über sein Leben in Russland und seinen Kampf gegen staatliche Überwachung.

Weiterlesen »

Wann ist ein Leak moralisch vertretbar?

Haft (adapted) (image by babawawa [CC0] via pixabay)

Die fünfundzwanzigjährige Reality Leigh Winner bleibt im Gefängnis, nachdem ein Bundesrichter ihre Kaution in einem Fall verweigert hat, in dem sie angeblich geheime Informationen an die Medien weitergegeben hat. Winner hat 10 Jahre Gefängnis zu befürchten, wenn sie verurteilt wird.

Winners Strafverfolgung kommt zu einer Zeit, in der die Trump-Regierung mit zahlreichen Leaks von sensiblen Informationen konfrontiert wurde. Das Weiße Haus hat die Bemühungen verstärkt, Whistleblower zu identifizieren. Und auch die Justizbehörde hat geschworen, hart gegen sie durchzugreifen. Die Obama-Regierung fuhr einen ähnlich harten Kurs gegen Whistleblower und verfolgte sie aggressiver als jede andere Regierung in den letzten 40 Jahren. Winner ist der erste Mensch, der von der gegenwärtigen Regierung für das Leaken von Informationen verklagt worden ist.

Ohne Zweifel ist das Leaken geheimer Informationen gegen das Gesetz. Für bestimmte Einzelpersonen, wie zum Beispiel Anwälte, kann auch das Leaken von nicht als geheim eingestuften, aber dennoch vertraulichen Informationen einen Verstoß gegen berufliche Rechtsvorschriften darstellen. Aber wann ist es überhaupt moralisch vertretbar, Informationen zu leaken?

Enthüllungen, die von öffentlichem Interesse sind

Ich bin eine Wissenschaftlerin im Bereich der Rechtsethik, die ethische Entscheidungsfindung im politischen Bereich studiert hat. Die Forschung hat festgestellt, dass Menschen bereit sind, Informationen offenzulegen, wenn sie glauben, dass ihre Organisation ein „korruptes und illegales Verhalten“ an den Tag gelegt hat. Sie könnten sich auch Gehör verschaffen, um größere Bedrohungen für geschätzte Werte wie Demokratie und Rechtsstaatlichkeit abzuwenden. Die Rechtsprofessorin Kathleen Clark nutzt die Formulierung „Enthüllungen, die von öffentlichem Interesse sind“, um auf derartige Leaks zu verweisen.

Wissenschaftler, die sich mit Leaks beschäftigen, deuten an, dass es in der Tat moralisch richtig sein kann, Informationen zu leaken, wenn der öffentliche Nutzen der Informationen groß genug ist, um die Geheimhaltungspflicht zu überwiegen.

Ein beispielhafter Fall

Der Fall Jesselyn Radack veranschaulicht die moralischen Belange, die in die Entscheidung einfließen, wenn es um die Frage geht, Informationen öffentlich zu leaken. Radack diente als Ethikberaterin im Justizministerium unter Präsident George W. Bush. Als der Amerikaner John Walker Lindh im Dezember 2001 in Afghanistan gefangen genommen wurde, da er angeblich im Auftrag der Taliban kämpfte, gab Radack der Abteilung, die Lindh verhörte, ohne die Gegenwart eines Anwalts zu erlauben, zu verstehen, dass sie gegen die Ethikregeln verstieße und somit seine Anklage gefährden könnte. Ihr Rat wurde ignoriert.

Als Lindh verklagt wurde, sollten die Staatsanwälte alle internen Kommunikationen übergeben, die mit dem Fall in Verbindung standen. Aber Radack fand heraus, dass ihre früheren E-Mails, die feststellten, dass Lindhs Vernehmung rechtswidrig war, „aus der Akte verschwunden waren, obwohl die Justizbehörde per Gerichtsverfügung dazu verpflichtet war, sie vorzulegen“. Dies führte Radack zu der Annahme, dass die Abteilung der Pflicht zur Übergabe der Informationen nicht nachgekommen wäre.

Infolgedessen leakte Radack die betreffenden E-Mails an die Newsweek. Nachdem Radacks juristischer Rat öffentlich wurde, stimmte die Regierung einer Verständigung mit Lindh zu. Lindh würde 20 Jahre im Gefängnis sitzen – statt der „dreifachen lebenslänglichen Freiheitsstrafe plus weitere 90 Jahre“, die er hätte bekommen können, wenn er bei der Verhandlung verloren hätte.

Radack wurde infolge des Leakens mit erheblichen persönlichen Herausforderungen konfrontiert. Sie war Ziel einer strafrechtlichen Untersuchung (obwohl niemals formal angeklagt), wurde einer 10-jährigen beruflichen Disziplinaruntersuchung seitens der Anwaltschaft unterzogen und wurde sogar auf eine Sicherheits-Watchlist gesetzt, die „erweiterte Durchsuchungen an jedem Flughafen auslöste“.

Radack fuhr mit ihrer Karriere fort, in der sie sich auf die Bereitstellung von rechtlichem Beistand für andere Klienten, die der Verbreitung unautorisierter Leaks angeklagt waren, spezialisierte. Letztendlich hat Radack für ihre Arbeit im Bereich des Whistleblowings eine große Auszeichnung für den Schutz des ersten Zusatzartikels der Verfassung der Vereinigten Staaten erhalten.

Das Leaken größerer Datenmengen

Die Offenlegung von Radack beschränkte sich auf einen Einzelfall. Aber einige der umstrittensten Fälle von Leaking in den letzten Jahren enthielten, was Rechtsprofessorin Margaret Kwoka als „sintflutartige Leaks“ bezeichnet hat, die riesige Mengen an Daten auf einmal offenlegen.

Edward Snowden, um ein Beispiel zu nennen, hat „Hunderttausende von geheimen Dokumenten“ mit Bezug auf staatliche Überwachungsprogramme geleakt. Chelsea Manning leakte auch Hunderttausende von Dokumenten, darunter geheime Depeschen, „um zu enthüllen, was ihrer Meinung nach Gräueltaten seitens der US-Regierung“ waren. Manning verbrachte mehr als sieben Jahre im Gefängnis, während Snowden Zuflucht in Russland suchte, um die Strafverfolgung zu vermeiden.

Sowohl Snowden als auch Manning haben bekundet, dass sie sich moralischen Idealen verpflichtet fühlen. Allerdings würde ich argumentieren, dass die Offenlegungen aufgrund des breiten Umfangs ihrer Leaks das Potenzial haben, einen größeren Schaden zu verursachen als begrenztere Leaks – ein wichtiger Faktor, den die Wissenschaftler mit einbeziehen, wenn es um die Ermittlung der moralischen Vertretbarkeit von Leaks geht. Dem politischen Wissenschaftsprofessor Jason Ross Arnold zufolge könnten Mannings Offenbarungen zum Beispiel den Feinden geholfen haben, „Ziele zu planen und Strategien zu entwickeln“, um Amerikanern zu schaden. Die U.S.-Regierung investierte im Zuge der Offenbarungen von Snowden auch Millionen von Dollar bei dem Versuch, die Nachrichtendienste wieder aufzubauen.

Leaks bekämpfen

Rechtsanwalt General Jeff Sessions hat gesagt, dass „es wahrscheinlich einige Verurteilungen geben muss“, um den Leaks aus der Trump-Regierung ein Ende zu setzen. Aber ein Blick auf die Motivation der Whistleblower legt nahe, dass die Strafverfolgung allein das Leaken nicht stoppen wird.

Radack, Snowden und Manning haben alle gesagt, es sei ihnen bewusst, dass sie ernste Konsequenzen für das Leaken zu erwarten hätten. Aber sie waren bereit, ihre Chance wahrzunehmen, weil sie der Meinung waren, es sei wichtiger, das zu enthüllen, was sie als massives Unrecht angesehen haben. Die drohenden strafrechtlichen oder beruflichen Sanktionen haben sie nicht abgeschreckt. Die Förderung des internen Whistleblowing könnte ein effektiverer Weg sein, um Leaks nach außen zu verhindern.

Forscher haben festgestellt, dass ein solider interner Prozess ein wichtiger Faktor bei der Vermeidung von Leaks sein könnte. Üblicherweise versuchen die Leute, innerhalb des Systems etwas zu verändern, bevor sie Informationen an die Öffentlichkeit leaken. Erst wenn Vorgesetzte illegale Vorgänge bemerken, sich aber weigern, etwas dagegen zu tun, oder wenn Einzelpersonen attackiert werden, weil sie ein entsprechendes Anliegen an Vorgesetzte kommunizierten, dann neigen die Whistleblower dazu, eine Veröffentlichung der Vorgänge als einzige moralisch richtige Entscheidung anzusehen.

Wir wissen nicht, was Reality Winners Motivation zum Leaken war oder ob sie strafrechtliche Konsequenzen für ihre angeblichen Leaks zu erwarten hat. Aber wenn die Entscheidung, Informationen weiterzugeben, aus einem Sinn für moralische Verpflichtungen erwächst, werden Leaker oft ernsthafte persönliche Risiken akzeptieren, um diese Informationen an die Öffentlichkeit zu bringen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted)„Haft“ by babawawa (CC0 Public Domain)


The Conversation

Weiterlesen »

Privatsphäre nicht nur für Donald Trump

Video (adapted) (Image by endus3r [CC0 Public Domain] via pixabay)

US-Präsident Donald Trump beschuldigt seine demokratischen Widersacher, ihn während des Wahlkampfs abgehört zu haben. Damit reiht er sich in die Reihe von Politikern ein, die rechtswidrige Überwachung nur dann als Problem anerkennen, wenn sie selbst betroffen sind. Dabei hilft gegen derartige Bespitzelung nur eines: eine Gesellschaft, in der es nicht an der Tagesordnung ist, Menschen ohne den Nachweis eines konkreten Verdachts zu überwachen.

Überwachung auf Watergate-Niveau?

Donald Trumps Twitter-Account ist berüchtigt für spektakuläre Angriffe, Ausfälle und Rants. Anfang März erhob Trump auf dem Kurznachrichtendienst einen Vorwurf gegen die Vorgängerregierung unter Barack Obama, der für Aufsehen (nicht nur) bei Datenschützern sorgte: Obama, so Trump, habe sein Team und ihn während des Wahlkampfs abgehört. Trump verglich die Geschehnisse sogar mit dem Watergate-Skandal in den 1970er Jahren, der durch massiven Machtmissbrauch des damaligen Präsidenten Richard Nixon und unter anderem das Abhören von Journalisten gekennzeichnet war.

Einen Beweis für seine Vorwürfe blieb Trump bislang schuldig. So ist schwer zu sagen, ob es sich um die Wahrheit oder eher um eine der für Trump typischen „postfaktischen“ Aussagen – also Halbwahrheiten, Übertreibungen oder schlichte Lügen – handelt. Kritiker haben zurecht angemerkt, dass angesichts der vermeintlichen Schwere der Vergehen – der Watergate-Skandal, mit dem Trump den Vorfall vergleicht, führte immerhin zum Rücktritt der damaligen US-Regierung – bislang sehr wenig Taten gefolgt sind, was die Glaubwürdigkeit der Vorwürfe nicht gerade erhöht. Der bloße Vorwurf und die Diskussion darum allerdings sind in gewisser Hinsicht schon interessant.

Mit zweierlei Maß gemessen

Wie viele Politikerinnen und Politiker vor ihm scheint Trump der Ansicht zu sein, dass Überwachung nur dann ein Problem darstellt, wenn sie die Mächtigen selbst betrifft. Den Deutschen ist diese Argumentation wohl am besten vertraut von Angela Merkel, deren abgehörtes Mobiltelefon der einzige Teil des NSA-Skandals zu sein schien, der die Bundesregierung und auch Teile der deutschen Presse wirklich zu interessieren schien. Aber auch im Umfeld anderer Hacking- und Überwachungsvorfälle waren es stets die Angriffe gegen Politikerinnen und Politiker, insbesondere Regierungsangehörige, die als Skandal dargestellt wurden, während die Überwachung anderer Bürgerinnen und Bürger oftmals bagatellisiert wurde.

Nun ist das vermeintliche Opfer also Donald Trump. Nur geht es ihm, selbst wenn an seinen Vorwürfen etwas Wahres ist, nicht anders als einer Vielzahl anderer Menschen in den USA und andernorts, die anlasslos oder mit fadenscheinigen Begründungen zum Ziel der NSA wurden und deren Telekommunikation überwacht und bespitzelt wurde.

Grundrechte müssen uns alle schützen

Ob Donald Trump im Recht damit ist, der Obama-Regierung illegale Überwachung vorzuwerfen, muss sich noch herausstellen. Zweifellos ist er im Recht damit, zu fordern, dass sein Team und er nicht in dieser Weise überwacht werden. Um das zu gewährleisten, gibt es allerdings – wie auch NSA-Whistleblower Edward Snowden bemerkt – nur einen überzeugenden Weg: es muss eine Gesellschaft geschaffen werden, in der die Privatsphäre aller Menschen ebenso respektiert wird wie ihre sonstigen Grundrechte und in der die Geheimdienste nicht im Verborgenen, beinahe unkontrolliert und ohne Rechenschaft abzulegen, agieren können.

Wenn Donald Trump will, dass wir das hier ernst nehmen, muss er das Problem beheben, dass die Kommunikation von jedem Menschen in Amerika aktuell gesammelt wird, ohne Richterbeschluss, und in einen großen Eimer kommt und die Menschen nur durch sehr lasche interne Vorschriften geschützt sind, die einfach nicht ausreichen,“ erklärte Snowden zu diesem Thema, „Das Problem ist nicht ‚Oh, armer Donald Trump.‘ Sie sind der Präsident. Sie sollten Fragen stellen wie, ‚Warum war das überhaupt möglich?‘ und ‚Warum habe ich es nicht behoben?'“

Der Whistleblower trifft den Nagel auf den Kopf: Politiker, die ihre eigene Kommunikation schützen wollen, müssen das Problem grundsätzlich angehen. Ein teures Krypto-Handy – das wahrscheinlich die Mehrheit der Politikerinnen und Politiker angesichts ihrer bisherigen Kompetenz in diesen Dingen nicht oder falsch nutzen würde – ist keine Lösung. Die einzige Lösung, die uns langfristig weiter bringt, ist eine Gesellschaft, in der die Grundrechte weitaus effektiver als bisher geschützt werden. Wenn ausgerechnet Donald Trump diese Gesellschaft voran brächte, wäre dies zwar angesichts seines autoritären Verhaltens zutiefst ironisch, doch wäre es eine Ironie, aus der immerhin etwas Gutes erwächst. Wer weiß – in der Geschichte sind schon merkwürdigere Dinge geschehen.


Image (adapted) „Video“ by endus3r (CC0 Public Domain)


Weiterlesen »

Vault 7: WikiLeaks veröffentlicht Hackertool-Sammlung der CIA

It (adapted) (Image by blickpixel [CC0 Public Domain] via pixabay)

Die Whistleblowing-Website WikiLeaks hat unter dem Titel „Vault 7“ eine Sammlung von Hackertools und digitalen Überwachungswerkzeugen aus dem Fundus des US-Geheimdienstes CIA veröffentlicht. Diese machen klar: die Behörde kann in vielfältiger Weise ohne Wissen des Nutzers auf gängige elektronische Geräte zugreifen und diese überwachen. Eine große Überraschung ist das nicht. Der Umfang ist aber durchaus ebenso beachtlich wie beunruhigend. Vault 7 wirft eine Reihe von Fragen und Kritikpunkten auf, die kritische Menschen nun auch lautstark zur Sprache bringen sollten.

Vault 7: Das Rätselraten hat ein Ende

Im Falle von Vault 7 zeigte WikiLeaks wieder einmal seine Vorliebe für die große Inszenierung und das frühzeitige Etablieren einer Spannungskurve. Schon seit Monaten gab es auf dem Twitter-Account des Projekts immer wieder Andeutungen über ein spektakuläres Geheimnis zu lesen. Außer dem Namen „Vault 7“ wurden aber nur kleine Puzzleteile bekannt gegeben.

Mittlerweile hat das Rätselraten jedoch ein Ende – und WikiLeaks, in letzter Zeit auch mitunter durch eher enttäuschende Veröffentlichungen im Gespräch, hat diesmal eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass es auch noch spannende und relevante Leaks zuwege bringt. Die Vault-7-Veröffentlichung enthält eine große Menge von Material darüber, wie die CIA mit Hilfe von Hackertools auf handelsübliche elektronische Geräte (darunter Mobile Devices und Smart TVs) zugreifen und diese überwachen kann, ohne dass die Besitzer dies merken. Die Analyse des Materials durch Journalistinnen und Journalisten sowie Fachleute aus der IT-Branche hat bereits begonnen, wird aber wohl noch eine Weile andauern.

Überwachungstools für elektronische Geräte

Der erste Teil des Leaks, unter dem Titel „Year Zero“ veröffentlicht, enthält insgesamt 8761 Dokumente, wie aus der Pressemitteilung zur Veröffentlichung hervorgeht. Angeblich hat WikiLeaks damit erst knapp ein Prozent der insgesamt vorhandenen Vault-7-Dokumente veröffentlicht. Dennoch lassen sich schon einige interessante Einblicke gewinnen.

Das Fazit schon nach kurzem Studium der geleakten Dokumente: die CIA macht reichlichen Gebrauch von allen möglichen Hackertools und nutzt diese, um nichtsahnende Internet-Nutzer zu überwachen. Es ist davon auszugehen, dass der Behörde dabei kaum jemand genau auf die Finger schaut, schon weil wichtige Informationen geheim bleiben. So ist kaum auszuschließen, dass es auch zu Kompetenzüberschreitungen und juristisch fragwürdigen Aktionen kommt. Diese intransparente und keiner demokratischen Kontrolle unterworfene Vorgehensweise ist allen Geheimdiensten gemein und zutiefst problematisch.

Das Potential der gesammelten Daten ist unter Umständen erheblich. Es lassen sich alle möglichen Details über das Privatleben der überwachten Personen ableiten – schließlich nutzen die meisten Menschen ihre elektronischen Geräte fast täglich und integrieren sie in alle möglichen Aspekte ihres Lebens. Dementsprechend sensibel sind die Daten, die diesen Geräten anvertraut werden. Diese in die Hände einer Behörde geraten zu lassen, die kaum Rechenschaft über ihren Umgang mit den gesammelten Informationen ablegt, ist schlichtweg gefährlich.

CIA sammelte Zero-Day-Exploits

Laut WikiLeaks enthält der Daten-Fundus der CIA „Schadsoftware, Viren, Trojaner, waffenfähige Zero-Day-Exploits, Systeme zur Fernsteuerung von Schadsoftware und zugehörige Dokumentation“. Unter einem Zero-Day-Exploit verstehen IT-Sicherheitsfachleute eine Schwachstelle in einer Software, die dem Hersteller des Programms noch nicht bekannt ist. Für Angreifer, seien es Kriminelle oder staatliche Akteure, sind solche Sicherheitslücken sehr wertvoll, da sie einen Angriffsvektor ermöglichen, der kaum abgesichert werden kann. Die CIA sammelte laut Vault 7 Exploits unter anderem für Apples iPhone, Googles auf Smartphones und Tablets verwendetes Mobil-Betriebssystem Android, Microsoft Windows sowie Smart TVs der koreanischen Marke Samsung. Bei letzteren lässt sich mit Hilfe von der CIA entwickelter Schadsoftware das Mikrofon aktivieren und so der Besitzer belauschen

Neben den angesprochenen Problemen, die jede Form extremer staatlicher Überwachung mit sich bringt, birgt dieses Ansammeln von Software-Lücken auch noch ein weiteres, eher technisches Risiko.

Sicherheitslücken in Software gefährden alle Nutzer des betreffenden Programms oder Betriebssystems. Deswegen haben sich Expertinnen und Experten im Rahmen von „Responsible Disclosure“ darauf geeinigt, derartige Schwachstellen, die sie aufdecken, erst dem Hersteller der fraglichen Software zukommen zu lassen. Erst, wenn dieser Schritte zum Beheben des Fehlers unternommen hat, wird die Schwachstelle öffentlich gemacht – typischerweise durch das Ausliefern eines Software-Patches an die Nutzerinnen und Nutzer.

Die CIA geht indes ganz anders vor. In der Hoffnung, die gefundenen Sicherheitslücken selbst ausnutzen zu können, hält sie diese geheim, auch vor den Software-Entwicklern, wie unter anderem auch der IT-Sicherheits-Fachmann und NSA-Whistleblower Edward Snowden kritisiert. Damit nimmt der Geheimdienst billigend in Kauf, dass auch Dritte – von Internet-Kriminellen bis hin zu repressiven Regimes – die betreffenden Lücken ausnutzen können. Schließlich gibt es keinerlei Garantie dafür, dass nicht auch diese in der Lage sind, die Quellcode-Mängel zu finden und auszunutzen. So sinkt insgesamt das Sicherheitsniveau für die Nutzerinnen und Nutzer und diese sind vermehrt Angriffen mit möglicherweise ernsten Folgen ausgesetzt. Ein Handeln zum Wohle der Allgemeinheit sieht anders aus.

Fazit

Vault 7 ist ein höchst relevanter Leak, der Einblicke in die fragwürdigen Praktiken der CIA ermöglicht und aufzeigt, wie weit die Geräte, die wir nutzen, möglicherweise von den Geheimdiensten kompromittiert sind. Das ist eine erschreckende, aber sehr wertvolle Information. Wenn die weiteren Teile der Veröffentlichung halten, was „Year Zero“ verspricht, sind hier – eine umfassende und kompetente Analyse der Rohdaten durch Journalistinnen und Journalisten, Aktivistinnen und Aktivisten sowie Fachleute aus der IT-Branche vorausgesetzt – äußerst interessante Erkenntnisse zu erwarten. WikiLeaks hat sich eindrucksvoll zurückgemeldet.


Image (adapted) „It“ by blickpixel (CC0 Public Domain)


Weiterlesen »

NSAUA: Zwischen Aufklärung und Symbolpolitik

spying (adapted) (Image by mohamed_hamdy [CC0 Public Domain], via pixabay)

Der NSA-Untersuchungsausschuss hat seine Arbeit beendet. In den letzten drei Jahren sollte der Ausschuss aufdecken, wie und in welchem Umfang die westlichen Geheimdienste gegen deutsches Recht verstoßen haben und inwieweit die deutschen Behörden, insbesondere der BND, dabei mitwirkten. Im Ausschuss kamen einige interessante Erkenntnisse ans Licht. Dennoch hätte mehr getan werden können und müssen, wäre es um eine wirkliche Aufklärung gegangen. So bleibt der Ausschuss eher ein Feigenblatt.

Interessante Erkenntnisse in 66 Sitzungen

In insgesamt 66 Sitzungen beleuchtete der NSA-Untersuchungsausschuss (oder, wie er insbesondere auf Twitter gern abgekürzt wurde, „NSAUA“), die Verfehlungen der Geheimdienste. Dabei kamen einige interessante Fakten ans Licht.

Journalistisch wurde der Ausschuss sehr engagiert begleitet. Die Pressearbeit wird hoffentlich wegweisend. Insbesondere das Blog Netzpolitik – das hier eine zweistündige Zusammenfassung der Ausschuss-Arbeit in Form eines Podcasts anbietet – und die Journalistin Anne Roth sorgten unermüdlich dafür, die Bevölkerung über die Vorgänge im „NSAUA“ zu informieren – zumindest immer dann, wenn Geheimhaltungs-Vorschriften das nicht verhinderten, doch dazu später mehr.

Unter anderem wurde im Rahmen des NSA-Untersuchungsausschusses bekannt, dass der BND bereits seit 2009 den deutschen Internet-Knotenpunkt De-Cix in Frankfurt am Main in großem Rahmen überwacht. Diese Überwachung war seitdem immer wieder Thema und wird unter anderem auch im neuen BND-Gesetz thematisiert.

Auch die Fernmelde-Überwachung in Bad Aibling, bei der der BND unter anderem Wirtschaftsspionage gegen europäische Unternehmen auf Geheiß der USA betrieb, wurde im Ausschuss thematisiert. Nach massiver Kritik wurde diese Form der Geheimdienst-Kooperation zeitweise eingestellt.

Vom Scheitern und Gar-nicht-erst-Versuchen

An anderer Stelle allerdings waren dem NSA-Untersuchungsausschuss die Hände gebunden. Sei es aufgrund mehr oder weniger subtiler Drohungen der US-Bündnispartner (angeblich drohten die USA damit, die Geheimdienst-Kooperation einzustellen und ihrerseits keine Informationen mehr an Deutschland weiterzugeben, wenn der NSA-Untersuchungsausschuss durch zu gründliche Aufklärung „die nationale Sicherheit gefährdet“ hätte), aufgrund eines Mangels an Interesse am Offenlegen eigener Verfehlungen oder schlichtweg, weil die Bürokratie dagegen war – an vielen Stellen blieb die Aufklärung eher unvollständig und oberflächlich.

So gelang es dem BND teilweise mit leicht durchschaubaren Schutzbehauptungen, das Vorlegen von Beweisen zu umgehen. Auch das Bundesverfassungsgericht verhinderte dies nicht und entschied sich in einem enttäuschenden Urteil dagegen, den BND zur Herausgabe der sogenannten Selektorenlisten, anhand derer die Telekommunikation bei der Überwachung gefiltert wird, zu verpflichten.

Auch die umfassende Geheimhaltung erwies sich als Problem. Es ist kaum anzunehmen, dass in all den unter Ausschluss von Presse und Öffentlichkeit stattfindenden Sitzungen tatsächlich kompromisslos versucht wurde, Verfehlungen der deutschen Geheimdienste aufzuklären. Wieder einmal bewahrheitet sich der Grundsatz, dass die Möglichkeit, im Verborgenen und ohne öffentliche Kontrolle zu agieren, den Geheimdiensten nur allzu oft ermöglicht, einerseits ihre Kompetenzen zu überschreiten – oder stillschweigend auszudehnen – und andererseits eigenes Fehlverhalten zu vertuschen.

Zudem wurden selbst da, wo Fehlverhalten aufgedeckt wurde, nur allzu oft keine oder nur symbolische Konsequenzen gezogen. Die Überwachung am De-Cix ist mittlerweile durch das BND-Gesetz legalisiert. Eine Klage gegen diese Praxis läuft aktuell. Auch in Bad Aibling wurde die Überwachung einige Monate nach der Zwangspause stillschweigend und lediglich mit einigen offensichtlich nur pro forma eingeführten „Sicherheitsmaßnahmen“ wieder aufgenommen.

Edward Snowden: Bundesregierung zeigt Feigheit vor dem Freund

Am schwerwiegendsten ist wohl das Versäumnis des Ausschusses zu bewerten, Edward Snowden, den Whistleblower, der den NSA-Skandal ins Rollen brachte, zu befragen. Aus Angst vor den diplomatischen Implikationen war die deutsche Politik dazu nicht bereit und verzichtete so auf wertvolle Informationen.

Wir alle verdanken Edward Snowden sehr viel. Er hat Besseres verdient als die Feigheit der Bundesregierung – und auch wir, die Bevölkerung, hätten Besseres verdient gehabt als eine Regierung, die nur so tut, als wolle sie den Skandal aufklären, und ebenso nur so tut, als sei ihr am Schutz von Whistleblowern gelegen.

Zukunftsperspektiven dank mündiger Bürger

Der NSA-Untersuchungsausschuss bot einige spannende Einblicke in die Arbeit der deutschen Geheimdienste. Hochachtung gebührt den Journalistinnen und Journalisten, die diese komplexen Sachverhalte über Jahre hinweg unter Nutzung verschiedenster moderner Medien immer wieder beschrieben und erklärt haben.

Sein eigentliches Ziel, den NSA-Skandal lückenlos aufzuklären, hat der NSA-Untersuchungsausschuss jedoch nicht erreicht. Oder es wäre wohl eher zu sagen: das Ziel, das er im Sinne des Allgemeinwohls hätte haben sollen. Ziel der Bundesregierung war es wohl eher, die Bevölkerung zu beschwichtigen und so zu tun, als tue man etwas gegen die Exzesse der Geheimdienste. Ob das gelungen ist, sei dahingestellt. Ein Gutes nämlich haben die Geschehnisse der letzten Jahre: zunehmend mehr Menschen sind durch die Snowden-Enthüllungen auf die Themen Überwachung und Geheimdienste aufmerksam geworden und setzen sich kritisch damit auseinander. Das zumindest ist eine uneingeschränkt positive Entwicklung, die hoffentlich in den nächsten Jahren noch viel Gutes bewirken wird.


Image (adapted) Spying by mohamed_hamdy (CC0 Public Domain)


Weiterlesen »

Edward Snowden braucht Asyl in einer Demokratie

Schwarz und Weiß (adapted) (Image by Unsplash [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Wieder einmal gibt es beunruhigende Gerüchte über NSA-Whistleblower Edward Snowden. Es heißt, Russland wolle den IT-Fachmann, dessen Asyl gerade verlängert wurde, womöglich an die USA ausliefern, um sich bei der neuen US-Regierung unter Donald Trump beliebt zu machen. Der Wahrheitsgehalt dieser Behauptungen ist schwer feststellbar. Sicher ist jedoch: Es ist unwürdig, dass Snowden sich überhaupt in dieser gefährlichen Position befindet. Er braucht endlich eine sichere Bleibe in einem demokratischen Land.

Will Russland Edward Snowden ausliefern?

Edward Snowden harrt seit 2013 in Russland aus. Vor Kurzem wurde sein Asyl dort erneut verlängert. Allerdings ist er in Russland womöglich nicht so sicher, wie es zeitweise den Anschein hatte. Vor Kurzem tauchten neue Gerüchte über eine mögliche Auslieferung an die USA auf.

Die US-Geheimdienste, so berichtet der US-Fernsehsender NBC unter Berufung auf mindestens zwei verschiedene Quellen aus Behördenkreisen, haben Hinweise darauf gefunden, dass Russland erwägt, Snowden an die USA auszuliefern. Demnach sei eine Auslieferung Snowdens eines von mehreren Szenarien, die die russische Regierung in Erwägung zieht, um sich bei der neuen US-Regierung beliebt zu machen.

Politik und Spekulationen

Der Wahrheitsgehalt der aktuellen Spekulationen ist schwer zu beurteilen. Snowdens Anwälte zeigen sich skeptisch, ebenso wie viele Beobachter im Netz. Schließlich könnten derartige Behauptungen auch bewusst von den US-Behörden gestreut werden – oder schlichtweg ein Fall von Sensationsgier sein.

Es ist allerdings ebenso gut möglich, dass Russland tatsächlich einen solchen Schritt in Betracht zieht – zumal Edward Snowden in letzter Zeit lautstarke Kritik an russischen Plänen für neue Überwachungsgesetze äußerte, eine Tatsache, die er selbst als mögliche Ursache dafür sieht, dass Russland versuchen könnte, sich seiner zu entledigen.

Snowden bleibt gelassen

Edward Snowden selbst begegnet der Ungewissheit mit demonstrativer Gelassenheit – obwohl er sich der Gefahr durchaus bewusst ist, wie seine Aussage im Interview mit der Journalistin Katie Couric zeigt: „Nun, wem würde [eine Auslieferung an die USA] nichts ausmachen? Das ist offensichtlich etwas, das mir etwas ausmachen würde. Es wäre offensichtlich etwas, das meine Freiheit und mein Leben gefährden würde.“

Statt über diese Gefahr für Freiheit und Leben nachzudenken, betont Snowden lieber, dass das Verhalten der Russen seiner Ansicht nach beweist, dass er nicht mit Russland gemeinsame Sache macht. Seine politischen Gegner hatten ihm teilweise vorgeworfen, mit der russischen Regierung zu kooperieren oder ihr gar US-amerikanische Staatsgeheimnisse zu verraten. Indes: wäre das so, hätte Russland keinerlei Grund, Snowden ausliefern zu wollen. „Endlich: Ein unwiderlegbarer Beweis dafür, dass ich niemals mit den russischen Geheimdiensten kooperiert habe. Kein Land verkauft Spione ins Ausland, da der Rest befürchten würde, sie könnten die nächsten sein“, schrieb der Whistleblower auf Twitter.

In einem früheren Interview hatte Snowden außerdem gesagt, er sehe dem Risiko einer Auslieferung mit Gelassenheit entgegen, da er sicher sei, das Richtige getan zu haben. Ähnlich äußerte er sich auch jetzt noch einmal: „Ich weiß nicht, ob die Gerüchte wahr sind. Aber ich kann euch eines sagen: Ich habe keine Angst. Es gibt Dinge, die gesagt werden müssen, egal, wie die Folgen sind.“

Asyl für Snowden, Respekt für Whistleblower

Unabhängig vom Wahrheitsgehalt und davon, wie sich die russische Regierung letztendlich entscheidet, zeigt die aktuelle Situation auf, wie abhängig Snowden von Russland ist. Mangels Alternativen musste er in ein Land fliehen, in dem Demokratie und Pressefreiheit nicht eben großgeschrieben werden – und das nur, weil die europäischen Demokratien zu feige waren, die USA zu verärgern, indem sie Snowden Asyl gewähren. Die Wahl Donald Trumps hat die Situation weiter zugespitzt, da er einerseits ein großer Gegner Snowdens ist, andererseits eher als seine Amtsvorgänger versuchen wird, zu einem besseren Verhältnis mit Russland zu finden.

Edward Snowden hat uns allen einen großen Dienst erwiesen, indem er uns geholfen hat,denn zu erkennen, wie die moderne Überwachungsgesellschaft funktioniert. Er hat sein Leben riskiert und eine Vielzahl von Privilegien aufgegeben, um die Wahrheit ans Licht zu bringen. Im Gegenzug schulden wir ihm nun Sicherheit vor politischer Verfolgung. Denn um nichts anderes handelt es sich beim Verhalten der USA – Snowden ist ein Whistleblower, kein Verräter.

Schon seit Jahren fordern viele Aktivistinnen und Aktivisten Asyl für Snowden. Nun ist diese Forderung wieder dringlicher geworden. Es ist an der Zeit, Whistleblowern den Respekt entgegen zu bringen, den sie verdienen und im Falle Snowdens bedeutet dies, trotz eventueller Unannehmlichkeiten seine Sicherheit zu garantieren.


Image (adapted) „Schwarz und Weiß“ by Unsplash (CC0 Public Domain)


Weiterlesen »

Aufregende Zeiten für Edward Snowden

Die Diskussionen um NSA-Whistleblower Edward Snowden sind kürzlich neu aufgeflammt. In das politische und juristische Tauziehen um eine mögliche Aussage Snowdens vor dem deutschen NSA-Untersuchungsausschuss könnte nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs nun neue Bewegung kommen. Derweil wird in den USA über eine mögliche Begnadigung Snowdens diskutiert. US-Präsident Barack Obama lehnte diese aber in einem Interview ab. Auf die Trump-Regierung sollte der Whistleblower auch nicht hoffen: Michael Pompeo, heißer Kandidat für das Amt des CIA-Chefs, will die Todesstrafe für Snowden.

Befragung in Deutschland wird wahrscheinlicher

Einige Mitglieder des NSA-Untersuchungsausschusses, namentlich der als Netzpolitik-Experte bekannte Konstantin von Notz (Bündnis 90/Grüne) sowie Martina Renner (Die Linke) fordern, Edward Snowden eine Aussage vor dem NSA-Untersuchungsausschuss zu ermöglichen. Dieser soll aufdecken, inwieweit die NSA mit ihrer unter anderem durch Snowden aufgedeckten Telekommunikations-Überwachung gegen deutsches Recht verstoßen hat und in welchem Ausmaß die deutschen Geheimdienste sie dabei unterstützt haben. Snowden, so sind von Notz und Renner überzeugt, könnte dazu wichtige Hinweise liefern.

Eine Befragung in Russland, sei es durch eigens angereiste Vertreter des Ausschusses oder per Video-Konferenz, hat Edward Snowden bislang abgelehnt. Um allerdings in Deutschland befragt zu werden, müsste Snowden einerseits eine Aufenthaltsgenehmigung erhalten. Der zweite, schwierigere Teil der juristischen Formalitäten beinhaltet, dass dem Whistleblower zudem freies Geleit zugesichert werden müsste: Deutschland müsste sich verpflichten, Snowden nicht an die USA auszuliefern. Damit allerdings könnte sich die Bundesregierung beim mächtigen Bündnispartner unbeliebt machen – wohl einer der Gründe, weswegen die Regierungsparteien bislang zögern, eine Befragung Snowdens voranzutreiben. Ein weiterer ist wohl, dass viele einflussreiche Politiker aus den Regierungsparteien es gar nicht ungern sähen, wenn die Verfehlungen der Geheimdienste nicht allzu gründlich aufgeklärt würden….

Im NSA-Untersuchungsausschuss, so wollen es die Regeln, dürfen auch Minderheiten Anträge stellen. Deswegen haben von Notz und Renner geklagt, als ihr Antrag auf eine Befragung Snowdens nicht bearbeitet wurde. Zu Recht, wie nun der Bundesgerichtshof entschied.  Der Ausschuss ist nun gehalten, die Bundesregierung, wie von von Notz und Renner gefordert, um Amtshilfe in dieser Sache zu ersuchen. Die Regierung muss sich dann um die nötigen Formalitäten kümmern.

All das bedeutet noch nicht, dass Snowden tatsächlich nach Deutschland reisen wird. Es bringt aber zweifellos wieder Bewegung in diese Diskussion. Und ganz sicher hat Snowden in der traditionell starken deutschen Bürgerrechtsbewegung einen erheblichen Rückhalt. Nicht umsonst bieten zahlreiche entsprechend vernetzte Lokalitäten, von Jugendtreffs über Gewerkschafts-Tagungshäuser bis hin zu Hackerspaces, demonstrativ ein Bett für Snowden an.

Obama will Snowden nicht begnadigen

Im eigenen Land allerdings, so sagt es das Sprichwort, gilt der Prophet nichts. Das trifft in gewisser Weise auch auf Edward Snowden zu. Viele US-Bürger sehen in ihm nach wie vor eher einen Verräter als einen mutigen Whistleblower.

Dennoch hat Snowden auch in seinem Heimatland einige entschlossene Unterstützer. Diese fordern von US-Präsident Barack Obama, den Whistleblower zu begnadigen. Der Zeitpunkt wäre günstig: in den letzten Monaten seiner Amtszeit könnte sich Obama, wie viele seiner Amtsvorgänger, berufen sehen, noch etwas ‚für die Geschichtsbücher‘ zu tun.

In einem Interview mit der ARD und dem Spiegel-Magazin sprach sich Obama allerdings gegen eine Begnadigung Snowdens aus. Zwar habe der Whistleblower einige berechtigte Bedenken geäußert, ob das aber für eine Begnadigung reiche, könne er nicht sagen, ohne dass Snowden sich zuvor einer Gerichtsverhandlung stelle. „Ich kann niemanden begnadigen, der nicht von einem Gericht verurteilt wurde. Ich glaube, Herr Snowden hat einige berechtigte Sorgen angesprochen. Wenn Herr Snowden beschließen sollte, sich den Gerichten zu stellen und seine Anwälte ihre Argumente vorbringen, dann werden diese Fragen eine Rolle spielen“, so Obama.

Das klingt eher positiv für den Whistleblower, doch sollte Snowden das Risiko einer Gerichtsverhandlung jetzt ebenso wenig eingehen wie zu früheren Zeitpunkten, wo dies in der Diskussion war. Aber auch wenn Obama Snowden nun zumindest ansatzweise würdigt – die Bilanz seiner Amtszeit spricht in dieser Hinsicht gegen ihn.

In vielen anderen Punkten war Obama zweifellos ein sozialer und fortschrittlicher Präsident. Seine unerbittliche Härte gegen Whistleblower gereicht ihm jedoch nicht zur Ehre. Während seiner achtjährigen Amtszeit wurden mehr Whistleblower unter dem kontroversen Espionage Act von 1917 – der unter dem Eindruck des Ersten Weltkriegs geschaffen wurde, Spionage, Hochverrat und eine Schwächung der US-Streitkräfte ahnden soll und in den Augen vieler Kritiker verfassungswidrig ist – verurteilt als von sämtlichen Vorgänger-Regierungen zusammen.

Alleine die Behandlung der WikiLeaks-Informantin Chelsea Manning, die zu 35 Jahren Haft verurteilt, teilweise in Einzelhaft festgehalten und in anderer Weise drangsaliert wurde und mindestens zweimal versuchte, sich im Gefängnis das Leben zu nehmen, ist eine Schande für die USA und ihre Regierung. Dieser Tatsache sollte sich Snowden bei der Planung seiner nächsten Schritte sehr bewusst sein.

Kandidat für CIA-Vorsitz fordert Todesstrafe für Snowden

In den letzten Monaten kam es zu einer merkwürdigen Querverbindung zwischen den als „Alt Right“ bezeichneten neuen Rechten und Teilen der Whistleblowing-Szene. So mutmaßten viele Kritiker, dass es kein Zufall sei, dass WikiLeaks – dessen Chefredakteur Julian Assange bekanntermaßen keinerlei Sympathien für Hillary Clinton hegt und selbst bisweilen Ansichten ähnlich denen der US-amerikanischen „Libertarians“ äußerte – zwar zahlreiche kompromittierende Dokumente über die Demokraten und Hillary Clinton veröffentlichte, aber keinen einzigen Leak zu Donald Trump.

Wer allerdings gehofft hat, dass diese Allianz in den nächsten Jahren zu einer Chance für Edward Snowden wird, der wird wahrscheinlich enttäuscht. Michael Pompeo, Trumps Parteifreund und sein Favorit für den vakanten Posten des CIA-Vorsitzenden, als Kritiker des Whistleblowers zu bezeichnen, wäre euphemistisch. In einem Interview im vergangenen Februar sagte der Politiker, Snowden sei ein „Verräter“, der sensible Informationen „gestohlen“ habe. Pompeo will Snowden aus Russland zurückholen und ihm in den USA den Prozess machen.

Der von ihm gewünschte Ausgang dieses Prozesses: „Ich denke, der korrekte Ausgang wäre, dass er zum Tode verurteilt würde dafür, dass er Freunde von mir, Freunde von Ihnen, die kürzlich beim Militär gedient haben, extrem gefährdet hat, aufgrund der Informationen, die er gestohlen und anschließend an fremde Mächte weitergegeben hat“.

Von dieser Seite ist für Snowden also wohl keine Unterstützung zu erwarten. Pompeo klingt in dieser Hinsicht ganz wie ein konservativer Hardliner alter Schule. Es bleibt zu hoffen, dass ein Land, in dem Menschen wie er in den nächsten Jahren das Sagen haben werden, Snowden nicht in die Finger bekommt.

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Für Edward Snowden, das ist deutlich, wird das Leben derzeit nicht ruhiger und entspannter. In den USA ist keine deutliche Veränderung der Stimmung ihm gegenüber abzusehen, und um auf ein Happy End in Deutschland zu hoffen, ist es trotz des ermutigenden Urteils des BGH noch deutlich zu früh.

Allerdings ist Snowden im russischen Exil zwar fern der Heimat, aber nicht ohne Unterstützung. Zahlreiche solidarische Anhänger sorgen sich um sein Wohlergehen. Zudem kann Snowden immerhin die öffentliche Diskussion über die von ihm aufgedeckten Skandale, sowie über Netzpolitik und Datenschutz im allgemeinen, maßgeblich mitgestalten. Vor allem aber ist er (weitgehend) sicher vor Unverbesserlichen wie Michael Pompeo. So bleibt die Hoffnung, dass Snowden und anderen Whistleblowern eines Tages doch noch statt Diffamierungen und Drohungen der Respekt zuteil wird, den sie für ihre mutigen Taten verdienen.


Image “earth” by Unsplash (CC BY 2.0)


Weiterlesen »

FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

Follow me
  • APPLE t3n: Apples Airpods verzögern sich: Die Auslieferung von Apples neuen schnurlosen Kopfhörern Airpods wird laut eines Berichts von Techcrunch nicht mehr wie geplant im Oktober möglich sein. Apple teilte dem Webmagazin mit, dass die Ohrhörer noch etwas Zeit bräuchten. Wann sie auf den Markt kämen, ließ das Unternehmen offen und nannte auch keine Gründe. Auf der deutschen und englischsprachigen Website von Apple wird weiter ein Liefertermin im Oktober angegeben. Das Interesse an den Geräten soll einer Umfrage zufolge aber hoch sein.

  • GEHEIMDIENSTE golem: Snowden hält keine Verschlüsselung für absolut sicher: US-Whistleblower Edward Snowden hat Journalisten vor einem technischen Verschlüsselungswettlauf mit den Geheimdiensten gewarnt. „Ich kann Euch Tipps geben, Eure Kommunikation zu schützen. Aber Ihr lasst Euch dabei auf ein Wettrüsten ein, das Ihr einfach nicht gewinnen könnt“, sagte Snowden in einem Videointerview mit Investigativjournalisten bei der Süddeutschen Zeitung. Der Kampf um die Pressefreiheit müsse auf den Titelseiten ausgetragen werden. „Und er muss gewonnen werden, wenn Ihr in der Lage bleiben wollt, auf dieselbe Weise wie in früheren Jahrhunderten zu berichten“, fügte der frühere CIA- und NSA-Mitarbeiter hinzu.

  • SNAPCHAT handelsblatt: Snapchat plant den Börsengang: Snapchat, die App, die verschickte Fotos verschwinden lässt, ist ein Hit bei Jugendlichen und Mitzwanzigern. Wirtschaftlich will das dahinter stehende Start-up Snap künftig aber bei den ganz Großen mitspielen.Wie das „Wall Street Journal“ berichtete, plant das Unternehmen spätestens im März an die Börse zu gehen. Mit dem Gang aufs Parkett will Snap dem Bericht zufolge eine Bewertung von 25 Milliarden Dollar erreichen. Sprecher des Start-ups erklärten, sie wollten Gerüchte nicht kommentieren.

  • CYBER-ANGRIFF datenschutzbeauftragter-info: Von der Aufdeckung bis zur Aufklärung eines Delikts : Heutzutage steigt die Anzahl an Unternehmen, die von Cyber-Angriffen betroffen sind. Auch in den Medien wird das Thema immer präsenter. Laut dem Bundeskriminalamt Wiesbaden wird das Gefährdungs- und Schadenspotenzial ausgehend von Cybercrime auch in Zukunft weiterhin steigen. Vielen Unternehmen ist nicht bewusst, dass allein schon die Aufdeckung einer solchen Tat sehr lange dauern kann. Dadurch bleibt dem Täter eine Menge Zeit Schaden anzurichten. Die Aufdeckungsdauer variiert sehr stark und ist von mehreren Faktoren abhängig. Eine große Rolle spielen hierbei die Art des Angriffs und die internen Sicherheitsmaßnahmen eines Unternehmens zur Aufdeckung von Cyber-Attacken. Laut der M-Trends Studie 2016 dauert es circa fünf Monate bis eine solche Tat aufgedeckt wird.

  • INTERNET heise: EU-Parlament beschließt Richtlinie für barrierefreies Web: Das EU-Parlament hat am Mittwoch für einen Richtlinienentwurf gestimmt, wonach vor allem blinde, gehörlose und schwerhörige Menschen barrierefrei auf Webseiten und Apps des öffentlichen Sektors zugreifen können sollen. Behörden, Krankenhäuser, Gerichte, Universitäten, Bibliotheken oder andere öffentliche Stellen müssen es demnach den rund 80 Millionen Behinderten in Europa sowie älteren Menschen einfacher machen, ihre Web-Dienste und mobilen Anwendungen zu nutzen.

Weiterlesen »

Oliver Stones ‚Snowden‘ – ein Abbild des Internet-Sicherheitsstaates?

camera(image by staffordgreen0[CC0 Public Domain] via Pixabay)

Der neue Film über Edward Snowden, den Mann, der geheime Dokumente über eine umfassende Spyware der US-Regierung veröffentlichte, ist seit wenigen Tagen in den Kinos zu sehen. Damit setzte sich erneut eine Debatte um seine Person in Gange – inklusive einer erneuten Anfrage bei Präsident Obama, ihn zu begnadigen. Aber, wie auch Snowden selbst vielleicht sagen würde, was uns zum Innehalten bewegen sollte, ist die Macht der Geheimdienste der Regierung.

Das Ausmaß ihrer Fähigkeiten, Kommunikation abzufangen und Informationen zu sammeln, ist dabei verblüffend: Snowden stellt die Überwachungssysteme der NSA bloß, die kaum auf den Erhalt der Privatsphäre der Bürger ausgelegt ist, und die doppelzüngigen Aussagen der NSA über ihre Aktivität. Der Film erzählt Snowdens Geschichte in einer etwas dramatisierten und fiktionalisierten Art und Weise – von seinem Militärtraining über seine krankheitsbedingte Entlassung bis hin zu seiner Arbeit im Geheimdienst. Dem Laien liefert er einen Einblick darin, wie die Regierung die moderne Kommunikationstechnologie nutzt.

Der Film bietet keinen differenzierten Einblick in die Gründe, warum Geheimdienste tun, was sie tun. Er liefert auch keine Information darüber, was die Geheimdienste anderer Staaten machen. Die Darstellung der verwendeten Technologie und des Aufwands, den die US-Regierung betreibt, um Whistleblower festzunehmen, ist jedoch ziemlich präzise.

Sammeln: ja – begutachten: nein

Der Film greift drei verschiedene Aspekte der NSA-Aktivitäten auf: Datensammlung, Datenanalyse und die rechtliche Grundlage für Überwachung. Er zeigt auch ziemlich deutlich die Systeme der NSA auf, die große Mengen an Daten aus dem ganzen Land sammeln über direkte Verbindungen zur den großen Telefon- und Internetfirmen wie AT&T, Verizon, Google, Microsoft und Facebook. Was der Film suggeriert ist aber, dass die Daten aller Bürger nicht nur gesammelt werden, sondern er zeigt – fälschlicherweise – auch, dass die Bürger auch ständig unter Beobachtung stehen.

Wenn man die Menge an Kommunikation und die sich ständig verändernden Bedrohungen von außen bedenkt, ist auch verständlich, dass die Geheimdienste nicht auf jede Spur in Echtzeit anspringen können. Mit ihrem Programm PRISM sammelt die NSA Daten über jede Bürgerin und jeden Bürger – ihre E-Mails, ihren Suchverlauf, Aktivitäten auf sozialen Netzwerken, Aufzeichnungen von Sprach- und Video-Chats, Telefonanrufe, Textdokumente, Bilder und Videos.

Statt den immensen Datenstrom zu überwachen, werden die Daten archiviert, um später nach relevanter Information suchen zu können, wenn neue Hinweise hereinkommen und Ermittlungen beginnen. Der Film zeigt diesen klaren Unterschied zwischen der Möglichkeit und der tatsächlichen Umsetzung der Beobachtung jedes Bürgers nicht auf.

Data Mining vereinfachen

Der Film zeigt auch das XKeyScore-System, das auf alle gesammelten Daten zugreifen kann. Die Informationen, die Snowden enthüllt hat, beinhalten auch Details in die Funktionsweise von XKeyScore, das die massiven Datenmengen im Hinblick auf Verbindungen zwischen Menschen, Sprachmuster und noch viele weitere Parameter analysieren kann. Im Film finden die Analysten, die XKeyScore nutzen, immer sehr schnell und einfach, wonach sie suchen – die Eingabe eines Namens oder einer E-Mail-Adresse reicht aus.

In Wirklichkeit ist Data Mining viel anspruchsvoller, besonders, wenn man es mit so einer großen Datenmenge zu tun hat wie die NSA. Eine große Menge harmloser Daten schirmt die kleine Menge an verwendbaren Daten ab. Data Mining kann helfen, die große Fülle an Informationen auf kleinere Mengen herunterzubrechen. Aber nur menschliche Analysten – und keine computerbasierte Suche – sind der Schlüssel zur Auffindung relevanter Datensätze. Regeln und Beschränkungen beschränken den Zugang zu dieser Information. Was die Analysten machen, wird genau überwacht.

Außerdem sind wirklich gefährliche Personen vorsichtig damit, ihre Spuren zu verwischen – sie verwenden temporäre E-Mail-Adressen und starke Verschlüsselungen. Auch das beschränkt die Möglichkeit des Data Minings.

Was sagt das Gesetz?

Der Film transportiert, dass die von der NSA verwendeten Programme illegal sind. Die Programme sind mit Sicherheit kontrovers, die Gesetzmäßigkeitist unklar. Der Foreign Intelligence Surveillance Act (Geheimdienst-Überwachungsverordnung für das Ausland) von 1978 gibt rechtliche Prozeduren für physische und elektronische Überwachung und die Sammlung von Kommunikationsdaten zwischen ausländischen Einrichtungen und ihren Agenten in den USA vor. Es ermöglicht auch die Überwachung von amerikanischen Staatsbürgern und Personen, die ihren permanenten Wohnsitz in den USA haben, sofern diese der Spionage oder des Terrorismus verdächtig sind. Während die Verordnung gedacht war, um Daten von Einzelpersonen zu sammeln, rechtfertigt die NSA damit ihre Macht, massenweise Daten zu sammeln und zu analysieren.

Ein paar Bundesgesetze wurden nach Snowdens Enthüllungen geändert – in manchen Fällen wurden sogar rückwirkend Praktiken, die illegal gewesen wären, legalisiert. Die NSA selbst veränderte ihre Programme aufgrund des Aufschreis gegen sie, der nicht nur durch die Öffentlichkeit, sondern auch durch den Kongress ging. Als Resultat von Snowdens Enthüllungen hat die NSA aufgehört, massenweise Daten aus Telefongesprächen zu sammeln. Weiterhin haben sie die Überwachung ihrer ausländischen Verbündeten eingeschränkt. Die NSA bot dem Kongress auch eine erhöhte Transparenz bezüglich einiger ihrer Aktivitäten an und reduzierte die Speicherdauer der Informationen.

Der internationale Kontext

‚Snowden‘ gibt Details der Kooperation der NSA mit anderen Geheimdiensten preis und erzählt von der Überwachung ausländischer Staatsoberhäupter, wie der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel oder der brasilianischen Präsidentin Dilma Rousseff. In Wirklichkeit ist es so, dass jedes Land geheime Informationen über andere Länder herauszufinden versucht, um am internationalen diplomatischen Parkett einen Vorteil zu haben – sowohl mit Freunden als auch mit Feinden.

Snowdens Enthüllungen werden es dem US-Geheimdienst, nicht aber den Geheimdiensten anderer Länder erschweren, diese Art von diplomatischer Überwachung weiter durchzuführen. Die Aufmerksamkeit der Welt auf die US-amerikanischen Spionagetätigkeiten hat auch der Überwachung in weniger demokratischen Ländern wie China und Russland Tür und Tor geöffnet.

Gibt es überhaupt noch echte Privatsphäre?

Die Auswirkungen der publik gemachten Information war enorm – sowohl für die US-Regierung als auch für Snowdens Privatleben. Seit der Enthüllungen kam er in Russland unter – aber nur mit einer temporären Aufenthaltsbewilligung. Sein amerikanischer Pass wurde ihm entzogen. Er kann sich weder frei bewegen noch einfach kommunizieren, aus Angst, dass die Geheimagenten der US-Regierung ihn inhaftieren könnten – oder sogar Schlimmeres.

Der Film zeigt nicht viel über sein Leben in Russland. Eine Entscheidung dagegen, um nochmals die Message des Films zu bestärken, dass es keine Privatsphäre mehr gibt. Denn würde es mehr darüber preisgeben, wie Snowden heutzutage kommuniziert, könnte dies wertvolle Information liefern, die es Amerikanern – und anderen weltweit – ermöglichen könnte, verschlüsselte Software zu nutzen, um der Überwachung durch die Regierung zu umgehen.

Was der Film jedoch über sichere Kommunikation aussagt, ist ein guter Anfang. Wenig überraschend spricht sich Snowden dafür aus, Software zu verwenden, die das Verfolgen von Nutzeraktivitäten wie Internetsuche, Einkäufe und Kommunikation verhindern. Er empfiehlt auch das Tor-Netzwerk, das Daten anonymisiert, indem es sie durch eine ganze Reihe von verschlüsselten Computern schickt. Er schlägt anderen Whistleblowern vor, Tools wie SecureDrop zu verwenden, um anonym mit Journalisten kommunizieren zu können.

Der Snowden-Film zeigt den langen Arm des Gesetzes, der Daten über seine Bürger sammeln und den Kampf eines desillusionierten Bürgers gegen genau diese Praxis der unbeschränkten und unbemerkten Macht, die die Regierung besitzt. Er zeigt die Komplexität der Welt der Geheimdienste und die Herausforderung an die Datensammlung in einer vom Internet dominierten Welt auf. Außerdem stellt es die Herausforderungen im persönlichen Leben eines ambitionierten Individuums, das seinen Überzeugungen, die soziale Gerechtigkeit herauszufordern, folgte.

Ob er ein Patriot oder ein Geächteter ist, liegt wohl im Auge des Betrachters – aber er hat auf jeden Fall wichtige Diskussionen über Privatsphäre und Internetsicherheit für den Normalbürger, sowie über die freie Meinungsäußerung und die Macht, die Regierungen hinsichtlich der Überwachung ihrer Bürger hat, in Gang gebracht.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image „überwachung“ by staffordgreen0 (CC0 Public Domain)


Weiterlesen »

FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

Follow me
  • Startup gruenderszene: Wird Berlin nach dem Brexit zur Fintech-Metropole?: Schon vor dem Ergebnis des Referendums in Großbritannien dachten einige Londoner Startups über ihren Verbleib in der Hauptstadt des Vereinigten Königreiches nach. Es sind vor allem Fintech Startups, die darüber nachdenken in anderen Städte wie Berlin oder Paris zu ziehen, da die Zahlungsrichtlinien der EU für ihr Geschäft essenziell seien. Auch wenn es bis zum vollkommenen Ausstieg der Briten gute zwei Jahre dauern wird, ist sich Fintech-Experte Jochen Siegert sicher: „London als Europas führender Fintech-Standort hat gerade Selbstmord begangen.“
  • EXTREMISMUS reuters: Exclusive: Google, Facebook quietly move toward automatic blocking of extremist videos: Facebook und Google benutzen ein Programm, das extremistische Inhalten von jeglichen Plattformen der beiden Konzerne automatisch entfernt. Das Programm soll in kürzester Zeit in Videos und anderen Beiträgen erkennen, ob extremistisches Gedankengut propagiert wird. Ursprünglich wurde es geschrieben, um Videos zu erkennen, bei denen die Nutzer gegen Copyrights verstoßen. Sollte das der Fall sein, wurden diese Videos vom Programm entfernt.
  • SICHERHEIT sueddeutsche: „MacOS hat weniger Angriffe, aber Windows ist besser“: „Viele Dinge haben sich geändert. Wir sollten Snowden für sein Opfer dankbar sein. Er kann immer noch nicht nach Hause wegen der Opfer, die er für uns, die Nutzer des Internets, gebracht hat.“ Mikko Hypponen ist Leiter der Forschungsabteilung von F-Secure und ein Experte in IT-Sicherheit. Die jüngsten Veränderungen und Verschlüsselungen im IT-Bereich sieht er als direkte Folge auf die Enthüllungen des Whistleblower Edward Snowden. Und auch bei Microsoft sieht er Verbesserungen.
  • ADBLOCKER stadt-bremerhaven.de: OLG Köln urteilt: Whitelist in Adblock Plus verstößt gegen UWG: ‚Die Axel Springer AG hat bekanntlich gegen die Eyeo GmbH geklagt, es geht um den Einsatz von Adblockern, genauer geht es um Adblock Plus. Der 6. Zivilsenat des Oberlandesgerichtes Köln hat mit dem heutigen Urteil das klageabweisende Urteil des Landgerichts Köln teilweise zu Gunsten der Axel Springer AG abgeändert. Zwar sei ein Adblocker an sich nicht wettbewerbswidrig, wohl aber das Whitelisting, welches sich die Eyeo GmbH von den Werbern bezahlen lässt. Durch das neue Urteil, welches allerdings noch nicht rechtskräftig ist und nur durch Zahlung einer erheblichen Sicherheitsleistung von der Axel Springer AG vorläufig vollstreckt werden kann, ist es der Eyeo GmbH in Deutschland untersagt, Adblock Plus zu vertreiben oder bereits bestehende Versionen zu pflegen.‘
  • YOUTUBE nyctimes: YouTube Red Buys ‘Step Up,’ Its First Big-Budget TV Drama: Youtube will mehr mit Netflix konkurrieren und hat nun seine erste Big-Budget TV-Show. „Step Up“ soll über Youtube Red empfangen werden können. Die Streaming Plattform soll 10 Dollar im Monat kosten. Kevin Beggs, Lionsgates TV-Vorsitzender, sieht die neue Step Up Serie als ein Projekt, das von vielen Netzwerken gesucht wird.
Weiterlesen »

Chilling Effects: Neue Studie beweist Selbstzensur durch Überwachung

[132366] Hacker (adapted) (Image by Dwayne Bent [CC BY-SA 2.0] via flickr)

Eine neue Studie des Wissenschaftlers Jon Penney von der Universität von Oxford beweist, was Datenschützer und Bürgerrechts-Aktivisten schon lange betonen: massive Überwachung sorgt für Angst, Selbstzensur und konformistisches Verhalten. Sie schädigt die Meinungsfreiheit und den offenen, demokratischen Austausch von Wissen und Ideen. Nachdem es für dieses Phänomen nun derart aufwändig erhobene Beweise gibt, wird es Zeit, dass es endlich ernst genommen und vor allem entsprechend gehandelt wird. Überwachung muss eingeschränkt werden, um die Demokratie zu schützen.

Neue Studie: Wikipedia-Nutzer haben Angst vor Überwachung

Kürzlich wurde eine Studie des Forschers Jon Penney von der Universität Oxford veröffentlicht, die sich mit den Auswirkungen von Internet-Überwachung auf das Verhalten von Nutzern des Online-Lexikons  beschäftigt. In der Studie konnten Penney und sein Team beweisen, dass Überwachung tatsächlich massive Auswirkungen darauf hat, wie sich die Wikipedia-Nutzer verhalten. Nach dem bekannt werden der massiven NSA-Überwachung großer Teile des Internet (unter anderem durch das PRISM-Programm, das zu den ersten Snowden-Enthüllungen gehörte), wurden kontroverse Artikel weitaus seltener abgerufen. Laut Studie war nach den ersten Snowden-Leaks im Jahr 2013 – über die 87 % der US-Bürger informiert waren – „ein 20-prozentiger Rückgang der Seitenzugriffe bei Wikipedia-Artikeln, die mit Terrorismus zu tun haben, darunter jenen, in denen ‚al Qaida‘, ‚Autobombe‘ oder ‚Taliban‘ erwähnt wurden“, zu beobachten. Für das Lesen solcher Artikel gibt es natürlich eine Vielzahl vollkommen legitimer Gründe – von reiner Neugier über die Recherche für einen Roman bis hin zum Versuch, Strategien zur Terrorismus-Bekämpfung zu entwickeln – aber viele Nutzer fürchteten offenbar trotzdem, dass das Lesen dieser Artikel sie bereits verdächtig machen könnte (eine Befürchtung, die angesichts einiger der Terror-Panik der letzten 15 Jahre geschuldeter Hexenjagden keineswegs ganz von der Hand zu weisen ist). Penney drückte sich in seiner Zusammenfassung der Studie so aus: „Wenn Menschen davon abgeschreckt werden, etwas über wichtige politische Fragen wie Terrorismus und nationale Sicherheit zu lernen, ist das eine reale Bedrohung für eine echte demokratische Diskussion.

Ein wichtiges Argument für Überwachungs-Gegner

Penneys Erkenntnisse sind nicht neu oder überraschend, sondern wurden bereits von anderen Studien – beispielsweise der 2015 veröffentlichten Studie eines Teams von MIT-Forschern, die sich mit den Veränderungen von Google-Suchanfragen durch die Snowden-Enthüllungen befasste – in ähnlicher Form belegt. Dennoch ist Penneys Studie in ihrem Umfang und ihrer Aussagekraft ein wichtiges Argument für diejenigen, die der ständig zunehmenden Überwachung unserer Telekommunikation mit Besorgnis und Ablehnung gegenüber stehen. Penney beweist, was diese Mahner schon seit Jahren betonen: Überwachung ist Gift für die Demokratie, eine schleichende Gefahr für eine offene Gesellschaft, ein Feind freien Wissens.

Chilling Effects: Eine Bedrohung für die Demokratie

Es wird Zeit, dass gerade diese Problematik endlich ernst genommen wird. Nicht nur, weil Menschen einen privaten Rückzugsraum für das Wohlbefinden und die geistige Gesundheit brauchen, ist Privatsphäre ein Menschenrecht. Auch nicht allein das Risiko eines Missbrauchs erhobener Daten macht Überwachung so brandgefährlich. Die vielleicht größte Gefahr ist die Angst, die durch die Überwachung in unsere Gesellschaft Einzug hält, die Furcht vor offener Meinungsäußerung oder dem neugierigen Suchen nach Informationen und Wissen. Diese Angst hält uns zurück, sie macht unsere Gesellschaft unfreier und weniger zukunftsfähig. Die von Penney dokumentierten Chilling Effects sind eine ernst zu nehmende Bedrohung und könnten auf lange Sicht weitaus mehr Schaden anrichten, als der Terrorismus selbst. Es gilt, eine Überwachungs-bedingte Eiszeit, ein Zeitalter der Angst und Ignoranz, abzuwenden. Das Streben nach Wissen ist wichtig, nicht verdächtig, und kontroverse Diskussionen sind ein Grundpfeiler unserer Demokratie. Sie müssen bewahrt werden – und das geht nur durch eine Eindämmung von Überwachung und ständiger Kontrolle.


Image (adapted) „[132/366] Hacker“ by Dwayne Bent (CC BY-SA 2.0)


Weiterlesen »

5 Lesetipps für den 20. Februar

In unseren Lesetipps geht es heute um die Fokussierung der NYT auf den Online-Bereich, Startup-Trends, die neuesten Snowden-Enthüllungen, die Sharing Economy und Podcasts. Ergänzungen erwünscht.

  • JOURNALISMUS Poynter: Dean Baquet: NYT will retire ‘system of pitching stories for the print Page 1?: Im Kampf um das digitale Überleben macht die traditionsreiche Zeitung, The New York Times, Online zur obersten Priorität. Ab sofort soll der Kampf der Storys um die erste Seite in der Zeitung unwichtiger werden und stattdessen die Platzierung von guten Geschichten auf der Website an Priorität zunehmen. Die besten Storys kommen auf die „Deans List“ vom Chefredakteur Dean Baquet und werden online besonders prominent platziert. Hierbei sollen diese zwischen sieben Uhr morgens und sieben Uhr abends erscheinen, da in dieser Zeit die digitale Leserschaft ihren Höhepunkt habe. Somit macht die New York Times einen weiteren wichtigen Schritt für eine digitale Zukunft.

  • STARTUPS Gründerszene: Big Data und E-Health laufen E-Commerce den Rang ab: In den letzten fünf Jahren gehörten E-Commerce Startups zu den meist gegründeten Unternehmen im Technologie-Bereich. Im vergangenen Jahr zeichnete sich jedoch eine rückläufige Zahl an Finanzierungsanfragen von diesen ab. Der Grund hierfür sei, dass kaum noch eine Nische frei ist, wie Capnamic Ventures vermutet. Stattdessen wird lieber in anderen Bereichen gegründet. Im Technologie-Sektor liegen hierbei vor allem die Themen Datensicherheit, Fintech, Big Data und E-Health im Trend, wie eine Studie basierend auf 5.000 Finanzierungsanfragen ermittelt hat. Somit wird die deutsche Gründerszene immer innovativer und legt ihr Nachahmer Image immer mehr ab.

  • NSA Süddeutsche.de: NSA und GCHQ hackten SIM-Karten-hersteller Gemalto: Und wieder mal sind neue Enthüllungen von Edward Snowden an die Öffentlichkeit gelangt. Dabei sollen dieses Mal die NSA und das britische Pendant der GCHQ massenweise Verschlüsselungscodes des SIM-Karten Herstellers Gmalto gestohlen haben, die es den Geheimdiensten ermöglichten die Kommunikation von Handy-Nutzern unauffällig zu überwachen. Betroffen sein dürften jede Menge SIM-Karten, ist Gmalto eine der größten Hersteller auf diesem Gebiet und zählt unter anderem Verizon und AT&T zu seinen Kunden. Das Unternehmen möchte nun sehr genau untersuchen wie der Angriff entstehen konnte.

  • SHARING ECONOMY Unsere Zeit: Der Wolf im Sharingpelz – warum die gesellschaftliche Wirkung der Sharing-Ökonomie besser ist als ihr Ruf: Der Ruf der Sharing Economy ist nicht gerade sonderlich gut – zumindest in Deutschland. Vor allem Uber, das wohl aktuell prominenteste Beispiel, hat hierzu einen nicht allzu kleinen Teil beigetragen. Doch auch wenn der Ruf der Sharing Economy somit ausbaufähig ist, hat diese eine nicht zu verachtende gesellschaftliche Wirkung, wie Julian Leitloff erklärt. So ist für ihn die Sharing Economy eine Antwort auf die Veränderung unserer Gesellschaft. Nicht die Lebensumstände sollte an den Job angepasst werden, sondern anders herum. Gleichzeitig betont er aber auch, dass eine kontroverse Auseinandersetzung mit den neuen Angeboten sehr wichtig sei.

  • PODCASTS Digiday: Podcasters eye Android devices for next stage of growth: Mit Hits wie „Serial“ erleben Podcasts zurzeit eine Hochphase und steigende Beliebtheit beim Publikum und der Werbebranche. Treibende Kraft hierbei ist Apple mit der Podcas-Sektion in iTunes und der vorinstallierten Podcast-App auf dem iPhone und iPad. Doch auch wenn damit ein Bigplayer eine wichtige Rolle im Podcast-Markt spielt, könnte der Markt noch einmal einen deutlichen Schub erleben. Momentan bietet Konkurrent Google keine Podcast App oder ähnliches an. Sollte sich dies aber ändern und somit auch Android-Nutzer in den Genuss von Podcasts kommen, würden diese noch einmal deutlich gefördert werden. Bislang hat Google sich hierzu aber noch nicht geäußert.

Die morgendlichen Lesetipps und weitere Linktipps am Tag können auch bequem via WhatsApp abonniert werden. Jeden Tag informiert dann Netzpiloten-Projektleiter Tobias Schwarz persönlich über die lesenswertesten Artikel des Tages. Um diesen Service zu abonnieren, schicke eine WhatsApp-Nachricht mit dem Inhalt arrival an die Nummer +4917622931261 (die Nummer bitte nicht verändern). Um die Nachrichten abzubestellen, einfach departure an die gleiche Nummer senden. Wir werden, neben dem Link zu unseren morgendlichen Lesetipps, nicht mehr als fünf weitere Lesetipps am Tag versenden.

Nutze Netzpiloten 1-Klick: Mit nur einem Klick werden dir bequem alle 40 Sekunden die hier besprochenen Seiten „vorgeblättert“ START.

Weiterlesen »

Cyberwaffen – gefährliche Aufrüstung im Internet

Cyberwar (Bild: U.S. Air Force photo/Capt. Carrie Kessler [Public Domain], via wikimedia)

Jüngste Berichte belegen die Aufrüstung von Geheimdiensten wie NSA und GCHQ mit Cyberwaffen – eine gefährliche Praxis mit unberechenbaren Folgen. // von Annika Kremer

Cyberwar (Bild: U.S. Air Force photo/Capt. Carrie Kessler [Public Domain], via wikimedia)

Aktuelle Untersuchungen von IT-Sicherheits-Fachleuten legen nahe, dass die NSA und das britische GCHQ für die Entwicklung des kürzlich entdeckten Trojaners „Regin“ verantwortlich sind. Das ist nur eines der Indizien dafür, dass USA, Großbritannien und andere Länder auch im „Cyberspace“ aufrüsten. Diese Tatsache jedoch ist höchst Besorgnis erregend. Die Implikation eines „Cyberkrieges“ birgt nämlich logische Schwächen ebenso wie ethische Risiken.

Weiterlesen »

Weiterlesen »

Der Snowden-Effekt: Verschlüsselung fürs Volk

Verschlüsselt (adapted) (Image by 422737 [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Apple, Google und Facebook versuchen, das durch den NSA-Skandal verloren gegangene Vertrauen der Konsumenten mit mehr Datenschutz wiederzugewinnen – doch wie gut funktioniert das? Im Sommer 2013 ist der NSA-Skandal über die Welt hereingebrochen und hat das Vertrauen der Internetnutzer in die großen IT-Firmen nachhaltig erschüttert. Mit neuen und einfachen Verschlüsselungsmechanismen zum Schutz der Nutzerdaten wollen Apple, Google oder Facebook nun, etwa eineinhalb Jahre nach Prism, dieses Vertrauen zurückgewinnen. Doch wie gut funktioniert Kryptografie für die Massen?

Vertrauen durch Verschlüsselung

Es ist fast eineinhalb Jahre vergangen, seit Whistleblower Edward Snowden damit begann, mit kooperierenden Journalisten die Überwachungsaffäre rund um NSA und das britische GCHQ aufzudecken. Einige Monate später zeigte eine Studie der Cloud Security Alliance, der u.a. Microsoft, Google, Cisco, PayPal oder Amazon angehören, dass der Skandal der US-Internetindustrie in den nächsten drei Jahren 35 bis 45 Milliarden US-Dollar kosten würde, weil Privat- wie Businesskunden das Vertrauen in Cloud-Services verlieren würden. Seither bemühen sich die IT-Riesen dieser Welt, dieses Vertrauen wiederzugewinnen – und das Mittel dazu heißt Verschlüsselung.

Apple, das auf den Powerpoint-Folien interner NSA-Dokumente genauso auftauchte wie Google oder Facebook, hat sich „Privacy“ groß auf die Fahnen geschrieben. „We sell great products. We don’t build a profile based on your email content or web browsing habits to sell to advertisers“, ließ Apple-Chef Tim Cook die Öffentlichkeit wissen. „We don’t monetize the information you store on your iPhone or in iCloud. And we don’t read your email or your messages to get information to market to you.“ iMessages, FaceTime-Videotelefonate, Fotos, Kalendereinträge, Dokumente oder Kontaktadressen – diese und andere Daten würden so stark mit dem Passwort des Nutzers verschlüsselt werden, dass Apple die Daten nicht einmal dann rausrücken könne, wenn die US-Regierung das verlange, so Cook in einem TV-Interview. Eine eigene Webseite informiert Apple-Kunden darüber, wie sie ihre Daten auf iPhones und Macs besser schützen können.

Apple ließ es sich bei der Gelegenheit nicht nehmen, einige Seitenhiebe gegen Google und Facebook zu landen. Anders als „andere Firmen“ würde man keine E-Mails lesen oder Daten über das Surf-Verhalten an Werber verkaufen. Eric Schmidt, Vorstandsvorsitzender bei Google, konterte kürzlich und meinte, bei Apple hätte man da etwas falsch verstanden, weil man seit jeher einen viel besseren Datenschutz als viele andere Unternehmen, inklusive Apple, anbieten würde. Zudem hat Google bei der neuesten Version seines mobilen Betriebssystems Android, Lollipop 5.0, die Verschlüsselung der Daten vom ersten Aufdrehen weg aktiviert. Auch Facebook-Gründer Mark Zuckerberg reagierte auf Tim Cook, der in seinem offenen Brief unter anderem schrieb: „When an online service is free, you’re not the customer. You’re the product“ und damit wohl auch Facbook meinte. Zuckerberg bezeichnete das wiederum als “lächerlich” und verteidigte gegenüber dem Time Magazine sein werbefinanziertes Social Network: „Our mission is to connect every person in the world. You don’t do that by having a service people pay for.“ Apple solle lieber seine Produkte billiger machen, wenn sie wirklich nah am Kunden sein wollten.

Während sich die Chefs der IT-Riesen gegenseitig den Schwarzen Peter zuschieben, arbeiten ihre Programmierer intensiv neuen Möglichkeiten zur Verschlüsselung von Nutzerdaten. Die Facebook-Tochter WhatsApp etwa hat kürzlich die Open-Source-Software TextSecure der Non-Profit-Organisation Open Whisper Systems integriert, um Textnachrichten, die zwischen Android-Geräten verschickt werden, zu verschlüsseln – weitere Betriebssysteme (v.a. iOS) und Content-Arten (Foto, Video, Voice) sollen folgen. Weiters haben sich die Bürgerrechtsorganisation EFF, die Mozilla Foundation (Firefox), das CDN-Netzwerk Akamai (Kunden sind u.a. Apple und Facebook) und Netzwerkausrüster Cisco zusammengetan, um die „Let´s Encrypt„-Initiative zu starten. Das Ziel ist, ab Mitte 2015 jeder Webseite zu ermöglichen, einfach und kostenlos auf das sichere Hypertext-Übertragungsprotokoll HTTPS aufzurüsten. Das soll verhindern oder zumindest erschweren, dass Spione die Datenübertragung abhören.

Vom Saulus zum Paulus

Jene IT-Riesen, die in der Prä-Snowden-Ära noch unter stetiger Kritik standen, die Daten ihrer Nutzer kompromisslos auszuwerten, spielen sich nun als die großen Beschützer eben dieser Daten auf, die es gegen die bösen staatlichen Überwacher zu beschützen gilt. Dass Apple und Google ihre mobilen Betriebssysteme so stark absichern, schmeckt wiederum dem FBI nicht. FBI-Direktor James Comey sagte kürzlich, dass man die beiden Hersteller von mobilen Betriebssystemen per Gesetz zum Entschlüsseln zwingen könne. Außerdem sei Verschlüsselung für unbescholtene Bürger gefährlich, weil sie so nicht beweisen könnten, unschuldig zu sein. Weiter merkt The Economist in einer aktuellen Story an, dass Daten, die man in Cloud-Diensten wie Dropbox oder Google Drive ablegt, nicht mit eine vom User gewählten Schlüssel, sondern mit Schlüsseln der Unternehmen chiffriert werden – und Behörden könnten diesen Schlüssel sehr wohl anfordern. Fakt ist: Google, Apple oder Facebook werden von Quartal zu Quartal mit immer behördlichen Anfragen zu Nutzerdaten konfrontiert und müssen diese oft auch herausrücken.

Insgesamt bleibt es trotz der Anstrengungen von Google, Apple oder Facebook noch abzuwarten, ob sie die besten Hüter unserer Daten sein werden. Zusätzlich wird nach wie vor notwendig sein, auch auf rechtlicher Ebene etwas für Datenschutz und Privatsphäre zu tun – aber das ist eine andere Geschichte


Image (adapted) „Verschlüsselt“ by 422737 (CC0 Public Domain)

Weiterlesen »

Videokolumne vom 2. Februar 2014

Bildempfangsstörung (Bild Paulae [CC-BY-3.0], via Wikimedia Commons)

In der Videokolumne diese Woche: Das Medienmagazin ZAPP von zwei Seiten, die Macher des Guardians und das Leben des legendären Schriftstellers William S. Burroughs. // von Hannes Richter

Es ist so eine Sache mit den Mediatheken und Videoplattformen: Für viele Digital Natives sind sie schon Fernsehersatz – vieles ist überall abrufbar, manches aber nur auf Zeit: Gerade die öffentlich-rechtlichen Programme in den Mediatheken der Sender sind oft nach einer Woche wieder offline. Verlängertes Fernsehen statt digitales Archiv. Bevor sie verschwinden, fischt Hannes Richter die besten Perlen des TV-Vielfalt aus den Online-Archiven und präsentiert sie in seiner wöchentlichen Kolumne.

Weiterlesen »

Weiterlesen »

Videokolumne vom 29. Dezember 2013

Bildempfangsstörung (Bild Paulae [CC-BY-3.0], via Wikimedia Commons)

In der Videokolumne gibt es heute ein persönliches Best-of aus sieben Monaten Videoempfehlungen, meine Highlights des Jahres 2013! Na gut, und noch eines extra… // von Hannes Richter

screenshot banksy

Es ist so eine Sache mit den Mediatheken und Videoplattformen: Für viele Digital Natives sind sie schon Fernsehersatz – vieles ist überall abrufbar, manches aber nur auf Zeit: Gerade die öffentlich-rechtlichen Programme in den Mediatheken der Sender sind oft nach einer Woche wieder offline. Verlängertes Fernsehen statt digitales Archiv. Bevor sie verschwinden, fischt Hannes Richter die besten Perlen des TV-Vielfalt aus den Online-Archiven und präsentiert sie in seiner wöchentlichen Kolumne.

Weiterlesen »

Weiterlesen »

Videokolumne vom 1. Dezember 2013

Bildempfangsstörung (Bild Paulae [CC-BY-3.0], via Wikimedia Commons)

In der Videokolumne heute unter anderem: Ein Berliner Start-Up erobert das Silicon Valley und Gedanken zum modernen Journalismus. Dazu szenisch dargestellte Youtube-Kommentare (ja, genau das). //von Hannes Richter

Lock (Bild: Matheepan Panchalingam [CC BY 2.0])

Es ist so eine Sache mit den Mediatheken und Videoplattformen: Für viele Digital Natives sind sie schon Fernsehersatz – vieles ist überall abrufbar, manches aber nur auf Zeit: Gerade die öffentlich-rechtlichen Programme in den Mediatheken der Sender sind oft nach einer Woche wieder offline. Verlängertes Fernsehen statt digitales Archiv. Bevor sie verschwinden, fischt Hannes Richter die besten Perlen des TV-Vielfalt aus den Online-Archiven und präsentiert sie in seiner wöchentlichen Kolumne.

Weiterlesen »

Weiterlesen »