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Nach Androidpiloten-Kritik: Warum bei Lazeeva frauenfeindliche Sex-Apps künftig keine Chance haben

Smartphone (adapted) (Image by geralt [CC0 Public Domain] via pixabay)

Sexuell aufgeladene Inhalte finden in vielen Medienkanälen immer mehr Platz. Allerdings nicht in den von Google und Apple kontrollierten App-Stores. Mit einem alternativen Marktplatz für Sex-Apps will das Portal Lazeeva Android-Nutzern dennoch Zugang zu erotischen Inhalten auf ihrem Smartphone bieten. Der Anbieter möchte eine lifestylige Zielgruppe ansprechen und insbesondere auch Frauen adressieren. In meinem App-Test für Androidpiloten vom 23. Februar 2017 fand ich dennoch viele der üblichen pornografischen Dominanz-Fantasien für Männer. Einige Videotitel waren zum Teil sehr frauenverachtend.

Das Portal Lazeeva, das von der Nu Emotions GmbH aus München betrieben wird, hat die Kritik von Androidpiloten sehr ernst genommen. Daraufhin hat sie bedenkliche Inhalte entfernt. Zudem hat Lazeeva eine Rubrik namens „For Women“ eingeführt. Nun erklärte mir Gründer Nico Hribernik, wie er das Portfolio künftig so gestalten will, dass es tatsächlich Männer und Frauen gleichermaßen anspricht.

Lazeeva-Webseite-Androidpiloten
Screenshot by Julia Froolyks

Herr Hribernik, Sie haben unseren Artikel gelesen. Wir haben besonders auf die fragwürdigen Video-Titel aufmerksam gemacht. Wie haben Sie und Lazeeva darauf reagiert?

Nachdem Sie in Ihrem Artikel auf die negativen Video-Titel aus einer auf unserer Plattform gelisteten App aufmerksam gemacht haben, haben wir den betroffenen Publisher dazu veranlasst, diese Titel aus seinem Angebot zu nehmen. Das ist unseres Wissens auch geschehen. Der Lazeeva-App-Store ist ja genau wie Google Play oder der Apple App Store eine Plattform, auf welcher Drittanbieter ihre Apps anbieten. Deshalb ist es gerade bei Video-Apps mit Tausenden von Titeln sehr willkommen, wenn User auf Missstände, die unseren Werten widersprechen, hinweisen.

Wie stehen Sie zu unserem Eindruck, dass der Lazeeva-App-Store nicht das hält, was er verspricht, sondern durch die derben Titel eben doch härtere oder gewalttätige Inhalte suggeriert?

Es wird in unserem App Store zu 100 Prozent keine Gewalt an- oder dargeboten. Sie haben in Ihrem Artikel negativ formulierte Video-Titel aufgezeigt. Wir heißen diese Kritik definitiv gut und haben sofort gehandelt. Allerdings waren die betroffenen Video-Inhalte weder gewalttätig oder gewaltverherrlichend. Weiter beziehen Sie sich hier auf eine aus aktuell 30 Apps, was sicher eine zu viel ist, allerdings nicht auf das gesamte Angebot bezogen werden darf.

Die meisten eingereichten Apps fallen durch

Welche Voraussetzungen müssen Anbieter von Erotik-Apps denn erfüllen, um Inhalte im Lazeeva-App-Store zu platzieren?

Nico_Hribernik
Nico Hribernik. Image by Nu Emotions GmbH

Wir haben für den Lazeeva-Store Richtlinien für die Inhalte aufgestellt. Wir wollen keine Gewalt, Diskriminierung oder extremen Fetisch. Seit wir mit unserer Idee an den Start gegangen sind, wurden uns aus der Erotikbranche etwa 400 bis 500 Apps vorgeschlagen. Wir haben aktuell 30 Apps bei uns im Lazeeva-Store. Das liegt daran, dass der Großteil der vorgeschlagenen Apps an unseren Richtlinien gescheitert ist.

Sie haben mit Ihrem Team die Inhalte noch einmal auf Seriosität überprüft und die im Artikel kritisierten Inhalte aus dem Store genommen. Wie wollen Sie in Zukunft gewährleisten, dass Videos mit fragwürdigen Titeln nicht mehr den Weg in den Lazeeva-Store finden?

Wir haben einen feststehenden Prozess für den Upload und die Kontrolle von erotischen Inhalten. Wenn eine App hochgeladen wird, bekommt unsere Store-Managerin eine Benachrichtigung. Sie macht daraufhin eine inhaltliche Kontrolle der App und markiert die fragwürdigen Inhalte, die unseren Richtlinien nicht entsprechen. Das sind nicht nur die Videos sondern auch zugehörige Screenshots, App-Icons und Video-Titel. Der Anbieter muss die markierten Inhalte dann überarbeiten und an unsere Richtlinien anpassen. Wenn der Anbieter die Inhalte geändert hat, können diese in den Store geladen werden.

Zudem haben wir einen Tester-Pool von etwa 25 Frauen, die unseren Lazeeva-Store durchgehen und bewerten sollen. Dazu gehören auch unsere anderen Plattformen wie Social-Media-Kanäle oder unsere Website. Mithilfe dieses Feedbacks können wir unsere Inhalte besser bewerten und anpassen.

25 Frauen testen Lazeeva-Apps vor der Freigabe

Wie kam es dann dazu, dass die von uns kritisierten Inhalte, etwa die App Sky Angel, den Weg in den Store gefunden haben?

Die Video-App Sky Angel entsprach zu Beginn unseren Richtlinien. Hier war es so, dass anscheinend neue Videos vom Anbieter in die App geladen wurden. Da die Apps in unserem Store immer noch ihren Platz im Content-Management-System des Anbieters haben, und neue Inhalte via Streaming eingespielt werden, kann der Anbieter hier im Sekundentakt neue Inhalte aufspielen. Wir haben nun allerdings ein Filter-System für die Video-Streaming-Apps in unserem Lazeeva-Store eingeführt, mit dem wir jegliches Keyword sehr schnell finden können. So haben wir in den letzten Tagen alle Videos gefunden, die Begriffe wie „Whore“, „Schoolgirls“ und so weiter beinhalten. Der Anbieter muss diese dann entfernen.

In unserem Artikel haben wir besonders kritisiert, dass die versprochenen Inhalte für Frauen nicht auf den ersten Blick einsehbar sind. Planen Sie da Veränderungen?

Unsere Zielgruppe sind Männer, Paare und Frauen. Unsere Vision ist, dass unser Portfolio mindestens zu einem Drittel aus Inhalten speziell für Frauen besteht. Wir befinden uns momentan noch in der Beta-Phase – unsere Vision von Lazeeva wurde natürlich noch nicht zu 100 Prozent umgesetzt. Eine eigene Kategorie für Frauen soll allerdings zeitnahe folgen. Wir möchten hier auf jeden Fall noch mehr Inhalte nur für Frauen in unserem Lazeeva-Store haben, damit die Kategorie viele Inhalte bietet.

Noch mehr Inhalte für Frauen geplant

Wir haben auch eine App aus Ihrem Store kritisiert, die Virtual Reality (VR) nutzt. Dort sollten eigentlich auch Frauen ihren Spaß haben – leider bot sich nur die Perspektive eines Mannes. Sind auch in diesem Bereich Änderungen in Planung?

Screenshot-Lazeeva-For-Women
Screenshot by Berti Kolbow-Lehradt

Sie zeigen mit diesem Beispiel ganz klar eine der aktuellen Grenzen von „immersiver“ VR-Erotik auf. Nämlich dass die „Ich“-Perspektive oft eben auch die Bereitschaft zu einem geschlechtlichen Rollentausch mit sich zieht. Der Publisher der von Ihnen genannten App arbeitet gerade daran, dass in Zukunft User sich einen animierten Charakter mit unterschiedlichen Geschlechter- und Gender-Roles aussuchen und sogar selber editieren kann. Ich möchte hier außerdem auf einen der Vorreiter des feministischen Erotik-Genres Angie Rowntree in unserem Store aufmerksam machen. Mit „Empowering Ava“ hat sie in unserem Store nicht nur einen zu 100 Prozent auf ein weibliches Publikum zugeschnittenen Film, sondern den ersten feministischen VR-Porno der Welt veröffentlicht.

Wie sieht die Zukunft von Lazeeva aus?

Wir haben uns Ziele gesetzt, die wir erfüllen möchten, bevor die Beta-Version des Lazeeva-Stores live gehen soll. Hier steht vor allem das Portfolio an erster Stelle. Unser Ziel ist es, 50 bis 60 Apps anbieten zu können. Den Fokus setzen wir dabei vor allem auf Virtual Reality. Außerdem sollen vor allem „Sex-positive“-Inhalte vermehrt bei uns zu finden sein. Hier setzen wir vor allem auf die enge Zusammenarbeit mit Produzentinnen sogenannter Sex-positiver Inhalte, die für uns diese Inhalte in Form von Apps entwickeln. Wir möchten in Zukunft auch den Zugriff auf erotische Geschichten und Bücher bieten. Ein weiteres Ziel ist das Einleiten von Automatisierungsprozessen, damit Inhalte direkt gefiltert werden können, und keine Inhalte mehr zu finden sind, die unseren persönlichen Richtlinien nicht entsprechen.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Hribernik.

Dieser Artikel erschien zuerst auf Androidpiloten.


Image (adapted) „Smartphone“ by geralt (CC0 Public Domain)

Image by Nu Emotions GmbH, Screenshots by Julia Froolyks, Berti Kolbow-Lehradt


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App-Store Lazeeva: Hardcore-Porno statt Erotik für Frauen

Lazeeva-VR-Quickie (adapted) (Screenshot by Julia Froolyks)

Lazeeva heißt ein App-Marktplatz, der mit „positivem Sex“ um Nutzer von Android-Smartphones buhlt. Der alternative Store ermöglicht das Herunterladen von pornografischen Inhalten wie Games und Erlebnisse in Virtual Reality, die der Google Play Store nicht zulässt. Der Aufmachung und den Aussagen der Macher zufolge soll das Angebot frauenfreundlich sein. Ich habe mir den Marktplatz für Sex-Apps genauer angesehen und alles andere als frauenfreundliche Inhalte gefunden.

Website_Lazeeva (adapted) (Screenshot by Julia Froolyks)
Screenshot by Julia Froolyks

„Lebe ein Sexy.Sassy.Classy Lifestyle, wann immer du willst“ – mit diesen und weiteren „coolen“ Slogans wirbt die Firma Nu Emotions GmbH für den neuen alternativen App-Store Lazeeva. Eine Welt voll hochwertiger erotischer Unterhaltung soll sich mir nach der Installation offenbaren.

Tatsächlich sieht das Layout der Website auf den ersten Blick seriös und ästhetisch aus. Eine natürliche Schönheit liegt nackt mit ihrem Smartphone auf dem Sofa, der Hintergrund ist in schönen Pastellfarben gehalten. Auf der nächsten Seite zeigt sich ein Smartphone in den Händen einer Frau mit langen, gepflegten Fingernägeln. Die Zielgruppe für diese App scheint klar definiert: Frauen. Dieser Eindruck ändert sich mit der Installation von Lazeeva jedoch schlagartig.

Die APK von Lazeeva ist schnell installiert

Lazeeva lässt sich nicht über den Google Play Store herunterladen. Weil Android aber ein offenes Betriebssystem ist, funktioniert die Installation über einen Umweg dennoch. Das geht schnell und einfach. Die Installations-Datei ist auf der Webseite von Lazeeva zu finden. Vor dem Herunterladen muss ich das Installieren von Drittanbieter-Software in den Einstellungen meines Smartphones aktivieren. Danach kann ich die Store-App als APK-Datei speichern und ausführen.

Website_Lazeeva_2 (adapted) (Screenshot by Julia Froolyks)
Screenshot by Julia Froolyks

Zum Start muss ich ein Passwort und ein unauffälliges Icon (ich habe mich für „Reisen“ entschieden) auswählen. Die Diskretion gefällt mir auf jeden Fall schon mal sehr gut. Die eigentlichen Sex-Apps bekomme ich dann über den Store. Alles, was ich herunterlade, bleibt innerhalb des Lazeeva-Stores und ist dort über die Rubrik „Meine Apps“ abrufbar.

Was es in Lazeeva (angeblich) zu sehen gibt

„Gewaltverherrlichung, Sexismus und Prostitution gibt es bei uns nicht“, betont Gründer Nico Hribernik Ende Januar in einem Interview mit Gruenderszene.de. Darüber hinaus erklärt er, man frage sich bei jeder App, die in den Store aufgenommen wird, ob man sie seinen Schwestern oder Freundinnen zeigen würde. Nachdem ich den Artikel gelesen habe, habe ich genug Vertrauen geschöpft, mich wirklich in die Welt von Lazeeva zu begeben. Ich bin neugierig, welche frauenfreundlichen Inhalte Hribernik und sein Team „für mich“ ausgewählt haben.

Lazeeva-App-Startseite (adapted) (Screenshot by Julia Froolyks)
Screenshot by Julia Froolyks

Lazeeva bietet unterschiedliche Inhaltsformate an. Neben Video-Clips können hier auch animierte oder reale VR-Filme sowie erotische Spiele heruntergeladen werden. Dating-Apps sind ebenfalls mit von der Partie. Einige Inhalte sind gratis, andere kostenpflichtig. Das Zahlsystem in Lazeeva basiert auf den Kauf von App-Währung namens Pearls mit echtem Geld. Für Pearls lassen sich dann kostenpflichtige Apps herunterladen oder Inhalte innerhalb dieser Apps freischalten.

Ein Penis, wo er nicht hin gehört

Auf den ersten Blick sind die Apps hübsch aufgemacht. Leider finde ich bei längerem Stöbern jedoch nichts, was mich als Frau ansprechen würde. Stattdessen sehe ich unzählige „Lesbian“-Inhalte, und „asiatische“ Teenies in Hardcore-Sex-Positionen. Die VR-App „VR-Quickie“ (siehe Titelbild) zeigt mir eine kurze kostenlose Demo, die sich auf einem billig-animierten Campingplatz abspielt, und mir Sex mit einer monoton-stöhnenden VR-Comic-Figur suggerieren will. Als ich an mir herunterblicke, entdecke ich einen Penis – da ist wohl etwas falsch gelaufen.

Männer-Fantasien, keine hochwertige Erotik

Ich will weitersuchen, und die ansprechenden Fraueninhalte finden, die mir auf der Website versprochen wurden. Doch auch in der App „Asian Babes“ werde ich nicht fündig. Ganz im Gegenteil: Teens und noch mal Teens. Mit kleinen Brüsten, „saftigem“ Unterleib und unschuldigem Blick. Die Videotitel deuten fragwürdige Fantasien an: „Süßes, unschuldiges japanisches Schulmädchen verwöhnt ihren Lehrer bis er kommt“ oder „Süße asiatische Nutte gibt einen Blowjob“.

Lazeeva-Bubble-Spiel (adapted) (Screenshot by Julia Froolyks)
Screenshot by Julia Froolyks

Beim Stichwort „Nutte“ wechsle ich in den Internetbrowser zurück, und lese das Interview mit Nico Hribernik erneut. Ja, da steht deutlich: „Prostitution gibt es bei uns nicht.“ Gewaltverherrlichung auch nicht. Dafür sei extra eine Content-Editorin und Store-Managerin angestellt, führt Hribernik aus. In einer anderen App finde ich allerdings ein Video mit dem Titel „Mitarbeiter drängen großbrüstiges Büro-Mädchen zum F***“ – Auf dem Thumbnail des Videos wird besagte Frau von mehreren Männern festgehalten, und sieht dabei alles andere als „positiv“ aus.

Schnell wird mir bewusst, dass ich in dieser App keine „hochwertige erotische Unterhaltung“ finden werde, wie mir versprochen wurde. Lazeeva bietet neben den gewohnten Hardcore-Pornos schlecht animierte Spiele aus dem Bubble-Genre mit halbnackten Frauen im Hintergrund. Die VR-Erlebnisse sind offenbar ebenfalls nur an Männer gerichtet.

Falsch etikettierte Fleischbeschau

Was mich an Lazeeva nervt, ist nicht direkt der Inhalt der Apps. Diese Art von Pornografie gibt es ohne Ende im Internet – und das kostenfrei. Dort wird allerdings auch nicht mit gewaltfreien, frauenfreundlichen Sex-Inhalten geworben. Da wissen Nutzer recht genau, was sie erwartet. Die Macher von Lazeeva werben mit etwas, das sie innerhalb des Stores keinesfalls einhalten.

Das Traurige ist, dass es durchaus frauenfreundliche Pornos gibt. Das Genre „Heartcore-Pornos“ ist nicht neu, und bietet tatsächlich würdevolle, explizite Sexszenen für Frauen. Natürlich hat auch jede Frau einen anderen Geschmack – aber wer mit einem Store für „positiven Sex“ besonders Frauen ansprechen will, sollte zumindest eine App im Repertoire haben, die genau das erfüllen kann. Ich würde diesen App-Store meinen Freundinnen nicht empfehlen – und schon gar nicht meiner Schwester.

Dieser Text erschien zuerst auf unserer Schwesterseite Androidpiloten.


Screenshots by Julia Froolyks


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Wieso wir in der Schule über Sex und Pornos reden müssen

Madam keeps on eating while Mister is very busy ... (adapted) (Image by Gilles San Martin [CC BY-SA 2.0] via Flickr)

Sex und Pornos sind digital stets zugänglich, doch wie können Jugendliche im Umgang mit solchen Inhalten geschult werden? Vor Kurzem hat der Kinderschutzverein NSPCC Childline (Nationale Society for the Prevention of Cruelty to Children) eine Studie veröffentlicht, in der herausgearbeitet wurde, zu welchem Maße Kinder dargestellt, abhängig gemacht und für pornographisches Material ausgenutzt werden und diesen Zugang selbst nutzen. Die Studie zeigte, für wie viele Kinder und Jugendliche Pornographie ein Teil ihres Alltagslebens ist. Die Ergebnisse mögen schockierend sein, doch die neuen Möglichkeiten des Internets und der sozialen Medien, die zunehmende sexualisierte Umwelt, sowohl offline als auch online, zeigen auf, dass wir neue Wege finden müssen, um die Probleme anzupacken, wie wir momentan mit Sex umgehen und darüber reden.

Eine Möglichkeit, Kindern dabei zu helfen, Geschlecht und Sexualität besser zu verstehen, besteht in guter Bildung – aber während die hitzige Debatte anhält, ob Sexualkundeunterricht nun doch verpflichtend eingeführt werden solle, geht der Streit weit darüber hinaus: man sollte Pornographie und andere Themen wie Vergewaltigung in der Schule thematisieren.

Sexualkunde ist Teil des Fachbereichs “Personal and Social Health Education” und steht auf den Lehrplänen der Schulen. Sie soll “alle Themen und Fähigkeiten abdecken, die junge Menschen benötigen, um ihr Leben managen zu können, sich vor Gefahr zu schützen und als Individuen in unserer modernen Gesellschaft zu gedeihen.” Trotzdem findet der Unterricht im Fachbereich “Personal and Social Health Education” freiwillig statt. Er sollte verpflichtend eingeführt werden, und in dem Zusammenhang sollten sexuelle Abbildungen, Inhalte, Vergewaltigungsmythen und Probleme rund um Pornographie, in der Mittelstufe als Teil des Lehrplans aufgenommen werden.

Verlust der Unschuld und staatliche Kontrolle

In einem Artikel der Sunday Times hat Bildungsministerin Nicky Morgan den Fachbereich “Personal and Social Health Education” als einen Aspekt des Geschlechterkampfes und der Geschlechtergleichbehandlung gekennzeichnet. Ein Teil davon beinhaltete, die Mädchen darin zu unterrichten, “was eine gesunde Beziehung ausmachen sollte und wie man ‚Nein‘ zu sagen lernt.” Aber neben der Tatsache, dass man dies für den Schulunterricht einführen sollte, zögerte sie, über Sexualkunde zu sprechen und bezog sich dabei auf Untersuchungen von “Expertenorganisationen”, die “nicht in der Lage wären, oder deutliche Probleme damit hätten, die grundlegenden britischen Werte zu vertreten.” Stattdessen arbeiteten sie mit Experten für „Personal and Social Health Education” zusammen und hatten eine Liste zusammengestellt, die Material beinhalte, das “den Lehrern mehr Selbstvertrauen geben solle.”

Doch das Selbstvertrauen der Lehrer ist hierbei nicht der Punkt, und auch die Probleme nicht, die die Kinder eindeutig betreffen. Die Sicherheitsfilter sind eindeutig nicht sehr erfolgreich darin, die allgegenwärtige Zugänglichkeit der Pornographie zu verhindern. Und es kann behauptet werden, dass der Sexualkundeunterricht zwar eine gute Idee ist, aber wieso ist es so schwer, diese durchzusetzen?

Wir schrecken vor einem “moralischen Minenfeld” zurück

In einer kürzlich erschienenen Ausgabe der Sendung “Moral Maze” auf BBC wurde Sexualkunde als “moralisches, ethisches und emotionales Minenfeld“ bezeichnet. Die Kritiker hierzu zerfielen in zwei Lager. Die eine Seite stimmte für den Schutz der kindlichen Unschuld – die Kinder sollten so lange wie möglich von der erwachsenen Sexualität ferngehalten werden. Bringe man ihnen nun auch in der Schule etwas über Pornographie bei, könnte dies als legitim betrachtet werden. Dadurch würde der Sexualkundeunterricht das Problem der Übersexualisierung nur verstärken, gegen das er eingesetzt werden sollte.

Andere Stimmen geben der Sexualkunde selbst die Schuld. Junge Frauen wären mehr denn je sexuell selbstbewusst, und falls sie doch Scheu vor Sex hatten, würde diese Angst nicht durch Pornographie, sondern durch den Unterricht bestärkt. Der Bericht der “Personal and Social Health Education”-Vereinigung wurde kritisiert, übermäßig Besorgnis gegenüber Frauen und Gewalt zu erregen, und sei zudem scheinheilig: Die Definition der Zustimmung wäre übermäßig hoch und stelle menschliche Beziehungen als sehr kompliziert dar. Seine Vorschläge seien aufdringlich, präskriptiv und konformistisch. Würde er als verpflichtend eingeführt werden, laufe der Sexualkundeunterricht Gefahr, eine staatlich sanktionierte Sichtweise auf “gesunde” Beziehungen zu generieren und wäre im Grunde ein weiterer Schritt in Richtung sozialer Kontrolle.

Beide Kritiken bezichtigten Pornographie und die Pornoindustrie als unaufhaltsame Tatsache, und doch blieben die Aspekte der Misogynie und geschlechterspezifischen Machtfragen wie Zustimmung, Vergewaltigung und Pornos unangesprochen.

Pornographie im Unterricht

Christian Graugaard, ein dänischer Sexualwissenschaftler, erörterte, dass Pornographie unter kontrollierten Bedingungen, 15- und 16 Jährigen Schülern im Unterricht vorgeführt werden solle (seit den 1970ern ist Sexualkunde in Dänemark verpflichtend, zudem ist Pornographie in manchen dänischen Schulen Teil des Lehrplans).

Er beharrte darauf, dass wenn wir jungen Menschen nicht in eine kritische Diskussion über die frauenfeindlichen Aspekte der Pornographie einladen würden, wir ihnen keine Maßstäbe mitgeben würden, um Sex anders als von der Industrie präsentiert zu beurteilen. Ihnen Pornographie vorzuführen, ist eine Möglichkeit, ihnen beizubringen, dass Pornos nichts mit echtem Sex zu tun haben. Da Pornographie für Teenager ohnehin leicht zugänglich ist, wollte Graugaard sichergehen, dass sie “die nötigen Fähigkeiten besitzen, die Pornos konstruktiv zu betrachten” und “verantwortungsbewusste und kritische Konsumenten” werden zu können. Graugaard meint:

Pornos können auch feministisch sein, manchmal sogar Teil einer Demokratisierung der Sexualität, und [kann auch] Diversität bewerben. Sie können aber auch ausschließen – beispielsweise Körperformen, Geschlechter und Sexualität. Wir wollen, dass unsere Kinder ein aufregendes und befriedigendes Sexleben haben, also ist ein offener, konstruktiver Dialog die beste Art, um sicherzugehen, dass sie in der Lage sind, sinnvolle Entscheidungen für sich zu treffen.

Die anschließende Debatte nahm vorhersehbare Züge an: Wenn man den Kindern von Sex erzählt, würde ihre Unschuld zerstört; sie seien sowieso versiert genug, mit Medien umzugehen, und zu behaupten, sie seien nachteilig von Pornos beeinflusst, würde nur mehr die Ängste der Erwachsenen schüren.

Sexualkunde ist zum Teil ein Kampf für Geschlechtergerechtigkeit und Gleichheit. Graugaards Vorschlag, den 15- und 16 Jährigen Pornos vorzuspielen, bietet ein Forum, in dem dieses frauenfeindliche und größtenteils eher beschränkte Medium visuell vorgeführt und von den Teenagern kritisch diskutiert werden kann. Hier impliziert Graugaards Unterscheidung in “gute und schlechte” Pornographie, dass das Genre zumindest recht vielfältg ist. Dennoch ist der Großteil der Mainstreampornos recht ähnlich gestrickt, meist werden Hardcorethemen erzählt und mit Entmenschlichung und Degradierung der Frau gearbeitet.

Wir haben auch schlechte Angewohnheiten

Es ist nicht der Sex der Jugendlichen, der uns moralisch herausfordern sollte. Teenager haben starke, erotische Gefühle, die sie noch entdecken werden auszudrücken. Als Gegenbeispiel ziehe ich einmal die Besorgnis über den Tabakkonsum der Jugendlichen im späten 20. Jahrhundert heran. Nicht nur war es scheinheilig, sondern zudem auch recht wirkungslos, den jungen Leuten immer wieder zu sagen, wie ungesund Rauchen sei. Solange die Erwachsenen es als alleiniges Recht betrachteten, blieb Rauchen der Übergangsritus ins Erwachsenenleben schlechthin.

Inmitten der Aufregung, ob wir Themen wie einvernehmlichen Sex, Vergewaltigung und Pornos in den Unterricht einfließen lassen sollten oder nicht, sollten wir uns vielleicht zuerst an die eigene Nase fassen. Wenn Pornos nicht länger als Problem von männlichem oder weiblichem sexuellen Verlangen nach weiblicher Degradierung, sondern als Vergnügen für Erwachsene anerkannt ist, können junge Leute die Last unseres Erbes tragen.

Der Artikel ist zuerst auf theconversation.com erschienen und unter CC BY-ND 4.0 lizensiert. Übersetzung von Anne Jerratsch.


Image (adapted) „Madam keeps on eating while Mister is very busy …“ by Gilles San Martin (CC BY-SA 2.0)


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5 Lesetipps für den 24. Dezember

In unseren Lesetipps geht es heute um die Startup-Exits des Jahres, IT-Hilfe für die Familie, den Film „The Interview“ und die #Freiheit-Debatte. Ergänzungen erwünscht.

  • EXIT Inc.com: The 10 Biggest Exits of 2014: Auf Inc.com zeigt uns Jeremy Quittner noch einmal, für welche Startups im Jahr 2014 richtig Geld geflossen ist. Angeführt wird die Liste natürlich von WhatsApp, für das Facebook mehr als 19 Milliarden US-Dollar bezahlte. PLatz 2 nahm Trulla ein, dass von Zillow für vergleichsweise „nur“ 3,5 Milliarden US-Dollar gekauft wurde. Für 3,2 Milliarden US-Dollar erwarb Google dann Nest. Insgesamt waren die Top10-Akquisen alle sehr unterschiedlich: Technologie, etwas mobil, ein bisschen smart.

  • IT CROWD BR Puls: Rechtsklick hab ich gesagt!!!: Spätestens heute muss man sich der wohl härtesten Zeit im Jahr stellen und zum familiären IT-Crack der Familie werden, natürlich ohne ein Einkommen im oberen Bereich. Zu Weihnachten haben Eltern und Großeltern, neben Geschenken, noch jede Menge Computer- und Internetprobleme, die zwischen Familienessen und Großvaters Rumtopf gelöst werden sollen. David Württembeger vom BR war so nett, eine kleine Übersicht zu erstellen, um das Gröbste schneller in den Griff zu bekommen.

  • THE INTERVIEW I Spiegel Online: Sony zeigt „The Interview“ an Weihnachten: Zu Weihnachten wird „The Interview“ dann doch in den Kinos gezeigt. Auch wenn Sony das in öffentlichen Statements anders darstellt, bleibt festzuhalten, dass das Unternehmen dem öffentlichen Druck in den USA, unterstützt vom US-Präsidenten Barack Obama, nachgegeben hat und sich nicht von einem Diktator vorschreiben lässt, welche Filme gezeigt werden dürfen und welche nicht. Zwar bin ich überzeugt, dass die Komödie über Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un sicher nicht der beste Film aller Zeiten wird, aber sicher immer noch besser als „Team America“ von 2004, das leider damals wirklich nicht verhindert wurde.

  • THE INTERVIEW II Business Insider: Larry Flynt Making ‚The Interview‘ Into Porn: Regel 34: „Wenn es existiert, gibt es davon Porno. Keine Ausnahmen.“ Und so auch beim wohl schon meistdiskutiersten Film des Jahres 2014, den noch niemand gesehen hat: „The Interview“. Hustler-Chef Larrs Flint hat angekündigt, eine Porno-Version des Films zu drehen. Das läuft zwar entlang bekannter Muster, aber Flints Motivation ist diesmal nicht nur mit einem Porno Geld zu verdienen und dabei den Medien-Hype um den Film zu nutzen, sondern das Recht auf freie Meinungsäußerung durchzusetzen. Im Falle Flint, der dies wirklich stets vor Gericht ausfechtet, kann man ihm dieses politische Engagement sogar glauben, dass Aly Weisman im Business Insider erklärt.

  • #FREIHEIT Broadmark: 8 Fakten über #Freiheit: Die Debatte um den dramatisch initiierten Ausstieg des YouTube-Vlogger Simon Unge aus dem Multi-Channel-Netzwerk Mediakraft wirkt an sich wie die erste Lektion eines jungen Menschens, was es heißt, einen Vertrag abzuschließen. Doch die Zahlen scheinen eine andere Sprache zu sprechen. Unser Autor Lukas Menzel hat auf Broadmark.de insgesamt acht sehr beeindruckende Fakten zu diesem Fall zusammengetragen, die in den sozialen Netzwerken unter dem Hashtag #Freiheit diskutiert wird. Die Zahlen zeigen, dass hier etwas Größeres passiert zu sein scheint. Allein das Medieninteresse ist enorm.

Die morgendlichen Lesetipps und weitere Linktipps am Tag können auch bequem via WhatsApp abonniert werden. Jeden Tag informiert dann Netzpiloten-Projektleiter Tobias Schwarz persönlich über die lesenswertesten Artikel des Tages. Um diesen Service zu abonnieren, schicke eine WhatsApp-Nachricht mit dem Inhalt arrival an die Nummer +4917622931261 (die Nummer bitte nicht verändern). Um die Nachrichten abzubestellen, einfach departure an die gleiche Nummer senden. Wir werden, neben dem Link zu unseren morgendlichen Lesetipps, nicht mehr als fünf weitere Lesetipps am Tag versenden.

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5 Lesetipps für den 11. Juli

In unseren Lesetipps geht es heute um ein Interview mit Neelie Kroes, Zensur durch den an sich selbst glaubenden Riesen Google, Thilo Weichert sowie den Hack der Kommission für Jugendmedienschutz. Ergänzungen erwünscht.

  • NEELIE KROES IM INTERVIEW Luxemburger Wort: Roaminggebühren sollen bis Ende 2015 abgeschafft werden: Ein Interview mit EU-Kommissarin Neelie Kroes im Luxemburger Wort über das umfangreiche Gesetzespaket, mit dem die EU-Kommission den Telekommunikationsmarkt neu ordnen möchte. Ein Punkt wäre die noch in diesem Jahr mögliche Entscheidung der Abschaffung von Roaminggebühren.
  • ZENSUR PandoDaily: Even if you hate porn, Google’s ban on adult ads is nothing to celebrate: Pornographie und Werbung sind zwei Aspekte des Internets, die stets Beachtung finden und viel über das Internet einer Gesellschaft aussagen. Und die Sperrung von Porno-Werbung durch Google zeigt klar die Rolle von einzelnen Unternehmen und Lobbyorganisationen auf, die jegliche Inhalte sperren oder löschen, die ihnen nicht passen, selbst wenn sie legal sind. Und das ist mal ein wirkliches Problem, das wir mit Google & Co. haben.
  • GOOGLE Neunetz.com: Das Medienmärchen vom allmächtigen Google: Folgt man der deutschen Debatte über Google, könnte man den Eindruck gewinnen, der Konzern beherrsche jeden Markt, in den er geht und zerdrücke jeden Konkurrenten ohne Mühe. Google ist tatsächlich ein großer und mächtiger Digitalkonzern. Und Google ist auch der einzige Konzern, der die Hybris hat, sich alles zuzutrauen. Das heißt aber nicht, dass auch wir ihm alles zutrauen müssen.
  • DATENSCHUTZ Heise Online: Datenschützer Thilo Weichert nicht wiedergewählt: Das Theater um die Wiederwahl von Deutschlands wohl bekanntesten Landesdatenschützer ist um ein Kapitel reicher: für die Wiederwahl fehlte Schleswig-Holsteins Datenschutzbeauftragtem Thilo Weichert gestern im Kieler Landtag genau die eine Stimme der Regierungsfraktionen, die die Mehrheit garantiert. Wiederholt werden kann die Wahl erst im September.
  • JUGENDMEDIENSCHUTZ Netzpolitik.org: BPjM-Leaker im Interview: Auf Netzpolitik.org führt Andre Meister ein Interview mit dem oder der anonymen Hacker/in der geheimen Internetfilterliste der Kommission für Jugendmedienschutz. Die Person prallt darin, dass der Hack einfacher gewesen sein soll als Hausaufgaben im ersten Semester eines Informatikstudiums. Über anonyme Interviews kann man unterschiedlich denken, aber die seriös wirkenden Antworten geben einen vermeintlichen guten Einblick in die Beweggründe der Person.

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5 Lesetipps für den 28. Februar

In unseren Lesetipps geht es um die Internet-Macht China, das Wachstum von Tinder, einen WLAN-Virus, ein Gerichtsurteil gegen Google mit Wirkung und die Absage der Implosion von Facebook. Ergänzungen erwünscht.

  • CHINA DerStandard.at : Präsident Xi will China zur Internet-Macht ausbauen: Der chinesische Präsident Xi Jinping macht die weitere Entwicklung des Internets in seinem Land zur Chefsache. Er werde die Leitung eines Regierungsgremiums zur Koordinierung der Internet-Sicherheit übernehmen, sagte Xi nach einem Bericht der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua.
  • TINDER Marketing Land: Seit Dezember haben sich die „Macthes“ auf Tinder verdoppelt: Die Dating-App Tinder zählt derzeit 750 Millionen “Swipes” im Monat und rund 10 Millionen tatsächliche “Matches” zwischen den angemeldeten Nutzern. Das sind nach Tinder-CEO Sean Rad doppelt so viele im Vergleich zu Dezember 2013.
  • VIRUS CNET: Uh-oh, this computer virus can spread via Wi-Fi: Forscher an der englischen Universität von Liverpool haben einen Computervirus namens Chameleon entwickelt, der Eigenschaften eines Erkältungsvirus hat. Genauso beeindruckend wie besorgniserregend ist, dass sich der Virus über WLAN-Verbindungen verbreiten kann. In gesicherte Netzwerke konnte aber auch er noch nicht eindringen.
  • GERICHTSURTEIL PandoDaily: Can this copyright ruling against Google help revenge porn victims?: Ein Gericht in Los Angeles hat Google dazu verurteilt, den Anti-muslimischem Film „The Innocence of Muslims“ von seiner Video-Plattform YouTube zu löschen. Geklagt hatte die Schauspielerin Cindy Lee Garcia, die in dem Film mitspielt, der aber in Post-Produktion so geändert wurde, dass er sich vor allem gegen Muslime richtet. Damit wollte Garcia nichts zu tun haben. David Holmes glaubt, dass das Urteil auch Auswirkungen auf sogenannte „Rache-Pornos“ haben kann.
  • FACEBOOK Medienrauschen: Die Vorhersage der Implosion Facebooks als neuer heißer Scheiß?: Im Medienrauschen-Blog fragt sich Thomas Gigold, was an den Vorhersagen des Endes von Facebook dran ist und kommt zu dem Schluss, dass Facebook das Google unter den sozialen Netzwerken ist, also auch einen Misserfolg vertragen kann, denn das Unternehmen erfindet sich auf so vielen Ebenen immer wieder neu.

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Der Mann, der aufhörte, Online-Pornos anzusehen

erotikk-sjokk (adapted) (Image by soldatnytt [CC BY 2.0], via flickr)

In Zeiten, in denen vierzehn Prozent aller Web-Suchen Sex betreffen, vier Prozent aller Webseiten Pornografie zum Inhalt haben und man generell das Gefühl hat, im Netz ständig von Erotik umgeben zu sein, ist der Isreali Ran Gavrieli eine Ausnahmeerscheinung. Denn er hat in einem viel beachteten TEDx-Talk erklärt, warum er aufgehört hat, sich im Internet Pornos anzusehen. Im E-Mail-Interview erklärt er, welche Folgen seine Entscheidung für sein eigenes Sexleben hatte, was sich an der Sexualerziehung der Jugendlichen ändern muss und wie gute Pornografie seiner Meinung nach aussieht.

Ich habe aufgehört, mir Pornografie im Internet anzusehen, weil ich es einerseits süchtig macht und andererseits eine Verschiebung der von Sinnlichkeit hin zu Aggression passiert”, so Gavrieli in einem E-Mail zu mir. “Pornos haben auf verschiedene Art Einfluss auf mein Leben, aber hauptsächlich haben sie die Masturbationsgewohnheiten von natürlicher sexueller Erregung hin zu einer von Langweile getriebenen Aktivität verändert, die immer extremere Bilder benötigte, um zu funktionieren.” Das regelmäßige Betrachten von Sex-Clips hätte zum einen “Zorn und Gewalt” in seine Sexfantasien gebracht, und zum anderen wolle er nicht länger als Konsument die Nachfrage nach “gefilmter Prostitution” steigern. Der Effekt: “Das hat Wunder für mich bewirkt. Ich habe wieder nach und nach begonnen, Fantasien über echte Frauen und echte erotische Kommunikation zu haben.

Dass Gavrieli diesen außergewönlichen Schritt gemacht hat, hat aber auch viel mit seinem Studium und seiner Arbeit zu tun. Er hat an der Universität in Tel Aviv Gender Studies studiert und arbeitet derzeit an seinem PhD an der israelischen Bar-Ilan-Universität zum Thema.

Nebenbei arbeitet Gavrieli im dem kleinen Land im Nahen Osten mit Jugendlichen und Erwachsenen zusammen, um ihnen dabei zu helfen, ein positives Selbstbild in einer einer Welt zu geben, die, wie er sagt, “von sexuellen Bildern mit negativer Konnotation überschwemmt ist”. Und bei dieser Arbeit sei ihm etwas aufgefallen: “Pornos verändern unsere Wahrnehmung von Geschlechterrollen hin zu einem Modell der Unterordnung, einseitiger Freude, Macht und Gewaltherrschaft. Es ist ein großer Rückschritt für die Fortschritte der Frau in der modernen Welt”, sagt er in Bezug auf die Rollenverteilung von Männern und Frauen in einschlägigen Videos – und diese Rollenverteilung würden die Menschen lernen. “Die Mainstream-Kultur ist von Pornografie stark beeinflusst und wird draus zum Teil sogar konstruiert. Sex wird nicht länger mit Romantik verbunden. Die ungeschriebenen Gesetze der Coolness junger Menschen heute gebietet ihnen, Porno-Sex ohne menschliche Bindung nachzuahmen”, so Gavrieli. Deswegen müsse die Sex-Erziehung an Schulen dringend ausgebaut werden. “Sex-Erziehung braucht ein Update und muss wieder relevanter werden. In den meisten Schulen werden pro Woche vier bis sechs Stunden Englisch, Mathematik, usw. pro Woche unterrichtet, aber sie bekommen nur sechs Stunden pro Jahr für eines der wichtigsten Dinge im Leben – das muss sich ändern.

Was Gavrieli natürlich nicht will: die komplette Abschaffung sämtlicher Pornografie im Netz. Schließlich gäbe es auch eine positive Form von Pornos. “Gute Sex-Filme haben einen künstlerischen Anspruch und beuten niemanden aus. Der Film “Shortbus” zum Beispiel war bahnbrechend und brillant, weil er uns Sex gezeigt hat, indem er die Menschen und den emotionalen Kontext gezeigt hat. Es ist ein qualitativer Film, bei dem Menschen trotzdem vollen sexuellen Kontakt haben.” Gavrieli ist aber nicht der einzige, der etwas gegen den Einfluss von Online-Pornografie unternehmen möchte. Die britische Unternehmerin Cindy Gallop etwa hat mit der Webseite MakeLoveNotPorn.tv einen Online-Marktplatz für authentische, ehrliche Sex-Videos geschaffen. Hier können Privatleute ihre selbstgedrehten Clips hochladen und werden an den Einnahmen der Plattform beteiligt. Das schmeckt aber nicht allen, auch Gavrieli nicht. “Wenn MakeLoveNotPorn.tv eine Webseite für Exhibitionisten wäre, die ihr Privatleben einfach zum Spaß teilen, dann würde es etwas wert sein. Aber so weit ich weiß, ermutigt MLNP die Leute, es für Geld zu tun, wovon sie 50 Prozent nehmen. Das ist doch Zuhälterei!


Image (adapted) “eriktikk-sjokk“ by soldatnytt (CC BY 2.0)

Image by Ran Gavrieli


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Warum die Streaming Abmahnungen der Rechtsanwälte U&C unwirksam sind

Cat enjoys porn (adapted) (Image by magerleagues [CC BY SA 2.0], via flickr)

Im Zentrum der Kritik stand gestern das Landgericht Köln, das in den Auskunftsbeschlüssen, soweit von Kollegen bereits Akteneinsichten genommen werden konnten, von einem öffentlichen Zugänglichmachen (§ 19a UrhG) und von Tauschbörsen spricht. Das zeugt in der Tat von grobem Unverständnis, denn anders als beim Filesharing machen beim Streaming nicht die Nutzer etwas öffenttlich zugänglich, sondern ausschließlich der Portalbetreiber. Leider findet beim Landgericht Köln in derartigen Fällen keine wirkliche Einzelfallprüfung mehr statt. Die Beauskunftungsbeschlüsse werden seit Jahren nur textbausteinartig durchgewunken.

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5 Lesetipps für den 28. August

In unseren Lesetipps geht es um Apples neues Trade-in Programm, Tumblr zieht mit Twitter gleich, Gadget Porn und Facebook. Ergänzungen erwünscht.

  • iPHONE TechCrunch: Apple’s iPhone Trade-in Program Is Already Being Piloted: Apple hat ein Rückgabe-Programm entwickelt, bei dem Nutzer ihrer alten iPhones gegen einen Aufpreis in ein neues iPhone umtauschen können. Matthew Panzarino stellt das Konzept vor, dass Apple zufriedene Kunden mit der neuesten Technik bringt und eine Menge alter iPhones, die in Entwicklungsländer verkauft werden sollen.
  • TUMBLR Tumblr Staff: Tumblr was nearly as busy as Twitter: Bei den diesjährigen MTV Video Music Awards twitterte die halbe Welt ihre Meinung über die Videos, die Gewinner und natürlich Miley Cyrus. Neu war, dass das gleiche auch im vergleichbaren Ausmaß auf Tumblr passierte. Die Blogging-Plattform war fast genauso aktiv wie der Mikroblogging-Dienst.
  • GADGET PORN Medium: The Next iPhone and the True Meaning of Gadget Porn: Es ist kein Geheimnis, dass die neusten Gadgets die Zonen in unserem Gehirn aktivieren, die eigentlich für Liebe, Lust und Leidenschaft zuständig sind. Kein Zufall, meint Lux Alptraum, denn sie hat mehrere Parallelen zwischen Gadget Marketing und Pornographie entdeckt.
  • SAMMELKLAGE W&V: Facebook muss 20 Millionen Dollar an fünf Nutzer zahlen: Im Jahr 2011 haben 5 Facebook-Nutzer gegen die von Facebook eingeführten Sponsored Posts geklagt, da sie nicht ungefragt als Werbeträger benutzt werden wollten. Nun hat ein Gericht ihnen zusammen 20 Millionen US-Dollar zugesprochen.
  • FACEBOOK ReadWrite: Hey, Facebook! Connecting The World To The Web Isn’t Enough: Birnen und Äpfel soll man eigentlich nicht miteinander vergleichen. Selena Larson zeigt trotzdem auf, was Facebooks Internet.org von einem kleinen Chicagoer Projekt lernen, wenn es um die Vernetzung der ganzen Welt geht.

 

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5 Lesetipps für den 25. Juli

In unseren Lesetipps geht es heute um Diekmanns digitalen Masterplan für Springer, der erste Google Glass-Porno, Googles TV-Stick Chromecast, das TV-Studio der Berliner Factory und Telefonica kauft E-Plus. Ergänzungen erwünscht.

  • SPRINGER W&V: Diekmanns digitaler Masterplan: Springer baut die Redaktionen seiner Boulevardzeitungen um: Die Berliner „B.Z“. und „Bild“-Berlin kommen ab November aus einer gemeinsamen Redaktion. Mit der Zusammenarbeit entstehe die größte Regionalredaktion für Berlin. Das Korrespondentenbüro in Rom wird geschlossen, ein neues in Los Angeles eröffnet. W&V, leider ohne kritischen Blick auf die Auswirkungen für das Personal, gibt einen guten Überblick.
  • GOOGLE GLASS Dressed Like Machines: Der erste Porno gedreht mit Google Glass: Der auf Pornos spezialisierte App-Anbieter MiKandi hat in den USA mit den zwei Pornostars James Deen und Andy San Dimas den ersten Erotikfilm mit Google Glass gedreht. Dabei nehmen sie alles auf die Schippe, was mit dem Gerät möglich ist – von der Gesichtserkennung bis zum Schuh-Shopping während des Geschlechtsakts.
  • CHROMECAST Netzwertig.com: Googles Streaming-Stick Chromecast mischt die Karten neu: Google bringt mit Chromecast einen HDMI-Stick in die Läden, der Medieninhalte von Smartphones, Tablets und PCs drahtlos auf den Fernseher streamt. Mit seiner radikalen Niedrigpreisstrategie nimmt das Unternehmen laut Martin Weigert Konsumenten ohne existierende Set-Top-Box jedes Argument gegen einen Erwerb.
  • FACTORY Google Produkt-Blog: Ein Filmstudio für Startups in der Factory Berlin: Nur noch wenige Wochen bis zur offiziellen Eröffnung der Factory Berlin, dem neuen Startup-Zentrum in Berlin. Google und die Factory haben, um sich mit den komplexen und deshalb spannenden Technologien auseinandersetzen zu können, dem Factory-Zentrum ein eigenes Filmstudio spendiert, dass Startups benutzen können.
  • E-PLUS Heise online: Telefonica Deutschland (O2) kauft E-Plus: Telefonica Deutschland, dass in Deutschland schon O2 besitzt, übernimmt nun auch vom niederländischen Telekomkonzern KPN dessen deutsche Tochter E-Plus. KPN teilte am Dienstag mit, dass Telefonica Deutschland für E-Plus 5 Milliarden Euro sowie 17,6 Prozent an eigenen Aktien zahlt.

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Pornoverbot in der Microsoft-Cloud: Zwischen Porno und Rotkäppchen

Wenn es nach Microsoft-Chef Ballmer geht, ist die Freiheit in den Wolken wohl doch nicht grenzenlos. Sex und Gewalt soll künftig nicht mehr in der Cloud stattfinden. Eine Antwort.

Liebwertester Microsoft-Gichtling Steve Ballmer, in Zeiten der Sexualisierung, Eitelkeit, Machtgier, Angeberei, Spielsucht, der um sich greifenden Säkularisierung und des Spekulantentums verrichten Sie in Ihrer Konzernzentrale in Redmond ein schweres Wächteramt. Sie müssen für Moral, Sitte, Anstand, Hygiene, Recht und Ordnung in der Computerwolke sorgen und Pornografie, Obszönität, Anstößigkeit, Frevel, Hass, Fanatismus, Rassismus, Nacktaufnahmen, einschließlich vollständiger oder teilweiser Nacktaufnahmen von Menschen oder in Cartoons, Science Fiction oder Manga, aus dem Cyberspace verbannen.

Es sind ja nicht nur die abgelichteten Badeschönheiten auf Ibiza, die sich verführerisch an den Stränden tummeln und ihren blanken Busen der Weltöffentlichkeit darbieten, nein, es gibt eine Vielzahl von anstößigen Daten, die in den Cloud-Diensten des Netzes nichts zu suchen haben. Denken Sie nur an die illustrierte Ausgabe des Märchens Rotkäppchen, die aus gutem Grund in dem kalifornischen Städtchen Empire von der Polizei beschlagnahmt wurde. Digital lässt sich das im Internet unendlich reproduzieren und könnte zu mentalen Flurschäden führen.

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England kommt mit Porno-Filter

Der britische Premierminister David Cameron hat sehr gute christliche Berater in Sachen Medienpolitik. Und da man anthropologische Konstanten wie Gewalt und Sexualität nicht durch Askese und Beten heilen kann, werden nun die vier größten englischen Internet-Provider eine Opt-In-Funktion einbauen. Nur wer explizit Sex in seinem Internet sehen will, der kann das auch. Allen anderen wird das schon beim Provider ausgefiltert. Es lebe die Medienkompetenz des mündigen Bürgers. Noch toller allerdings wird die Website Parentport. Dort können dann Eltern sich über böse Werbung und schlechte Produkte für ihre Kinder beschweren. Ob sich die größten Einhandelsketten auf der Insel dann freiwillig dazu entschließen, die Produkte und Dienstleistungen aus dem Programm zu nehmen, steht zur Stunde noch nicht fest. Wahrscheinlich wird das dann der oberste anglikanische Kirchenherr entscheiden. Demokratie eben. Made in Great Britain. So lernt man also von den Chinesen…

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Kinder und das Schmuddelnetz

Katrin Viertel von medienlotse.com beantwortet Fragen rund ums Thema Erziehung und digitale Medien. Heute geht es um Schmuddeliges im Netz: Was tun, wenn ein Kind auf ungeeignete Inhalte stößt?


Frage:

Mein zehnjähriger Sohn kennt sich schon ganz gut aus im Internet und darf ab und zu alleine surfen. Meist spielt er dann kleine Browser-Spiele. Manchmal benutzt er aber auch Suchmaschinen. Dabei ist er vor kurzem auf eine Pornoseite gelangt und war geschockt. Dürfen diese Seiten eigentlich frei zugänglich sein? Und wie kann ich verhindern, dass so etwas noch einmal passiert? Weiterlesen »

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Legen Videos das Internet lahm?

Eine Studie sagte jüngst voraus, dass das Internet bis zum Jahr 2010 kollabieren wird. Schuld daran sollen vor allem die Massen von Onlinevideos sein. Der Ausbau der Kommunikationsnetze könne da nicht mithalten, allein in den USA seien Investitionen zwischen 28 und 27 Milliarden Euro nötig, um die nötige Infrastruktur zu schaffen.

Ganz objektiv dürfte die Studie aber nicht sein.

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