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Kann man per App die Welt retten? Was Spenden-Apps alles können

Waise (adapted) (Image by WenPhotos [CC0 Public Domain] via pixabay)

Helfen ist super, Apps sind einfach. Helfen per App ist super einfach. Nach diesem Motto haben auch in Deutschland in den letzten Jahren viele Startups sogenannte Spendenapps ins Leben gerufen.

Mit einem Klick den Welthunger stoppen helfen

Das Prinzip dahinter ist simpel und basiert auf derselben Idee wie die Spendenmarathons im Fernsehen um die Weihnachtszeit: Wenn viele Menschen auch nur wenig Geld spenden, kommen am Ende bedeutende Summen zusammen. Doch anders als die jährlichen TV-Shows kann eine App viel geschmeidiger in den Alltag integriert und häufiger abgerufen werden. Potentiell können so viel mehr Menschen erreicht werden.

Eine der bekanntesten Spendenapps aus Deutschland heißt ShareTheMeal. ShareTheMeal bezeichnet sich selbst als die erste App der Welt gegen globalen Hunger. Dahinter stecken die Berliner Gründer Sebastian Stricker und Bernhard Kowatsch. In Zusammenarbeit mit dem Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen soll die App dabei helfen, hungernden Kindern auf der ganzen Welt eine Mahlzeit zukommen zu lassen. „Was kostet es, Welthunger zu stoppen?“ heißt es im Promo-Video des Startups. Die Antwort: 50 US-Cent. Damit kann demnach ein Kind einen ganzen Tag lang ernährt werden.

Über 12 Millionen Mahlzeiten wurden so laut ShareTheMeal seit der Gründung im Jahr 2014 schon finanziert. Ein Klick, eine kleine Spende und damit ohne viel Aufwand sehr viel Gutes tun. Auch für Nutzer ist das eine attraktive Art, um Menschen in Not zu helfen. Spendenapps sind unkomplizierter, ansprechender und direkter als die gängigen Offline-Spendenaktionen. Wer von uns wird schon gerne beim Einkaufen in der Fußgängerzone unterbrochen oder füllt freudig Spendenformulare für Fremde vor der Haustür aus? Spendenapps dagegen können viel geschickter in unsere täglichen Aktivitäten integriert werden.

Joggen gehen, Haus entrümpeln – und dabei etwas Gutes tun

Zum Beispiel beim Entrümpeln. Bei dem Münchner Startup SWOP haben die Gründer entsprechend das Nötige mit dem Hilfreichen verbunden. Nutzer machen Fotos von Gegenständen, die sie nicht mehr brauchen und verkaufen möchten. Diese Artikel werden dann über die SWOP-Plattform online gestellt und für andere Nutzer sichtbar. Diese können die Gegenstände dann direkt erwerben, die Bezahlung läuft per App. Ein Teil der Einnahmen geht an soziale Projekte wie Kick ins Leben oder an die Paria Stiftung.

swop
Screenshot by Marinela Potor

Andere Apps wiederum verbinden das Spenden mit Sport. „Stell dir vor, du gehst joggen und rettest dabei die Welt“ , heißt es etwa bei movingtwice, einem Startup aus St. Gallen in der Schweiz. Das Spenden hier funktioniert etwas anders als bei ShareTheMeal oder SWOP. Nutzer laden sich die kostenlose App auf ihr Smartphone und wählen dann ein Hilfsprojekt, das sie unterstützen möchten. Das kann eine Grundschule in Zimbabwe oder die Stiftung Rechnen in Quickborn sein. Jedes dieser Projekt wird von einem Unternehmen unterstützt. Zu den Investoren bei movingtwice gehören aktuell unter anderem die comdirect Bank oder Bahlsen. Sobald Nutzer die App in ihr Laufprogramm integrieren und ein Hilfsprojekt wählen, gibt es für jede gelaufene Strecke einen kleinen Geldbetrag von den Investoren.

Spendenapps als Werbeplattform

Apps wie movingtwice, SWOP oder ShareTheMeal haben dabei klar die Smartphone-affinen Millenials als Zielgruppe vor Augen. Denn auch wenn die Spendenbereitschaft von Menschen unter 40 Jahren in den letzten Jahren gestiegen ist, sind es nach wie vor ältere Spender, die das meiste Geld geben. Wie die Volkswirtin Angela Ullrich von betterplace-lab herausgefunden hat, kamen im Spendenjahr 2015 in Deutschland rund 54 Prozent der Geldspenden von Personen, die über 60 Jahre alt waren. Gerade bei den Millenials besteht also noch großes Potential.

Das ist auch für Investoren solcher Startups ist das interessant, denn die Spendenapps liefern ihnen einen direkten Kanal zu den jungen Nutzern. Prinzipiell sei das lobenswert, sagt etwa Björn Lampe, Vorstand der Spendenplattform Betterplace.org gegenüber dem Bayrischen Rundfunk: „Wenn eine App richtig viele Nutzer erreicht, dann kann das sehr gut funktionieren und ein spannender Kanal sein.

So entsteht ein interessantes Zusammenspiel zwischen Startups, Investoren und der Hilfsbereitschaft von Nutzern. Denn nicht alle Charity-Apps haben wie etwa ShareTheMeal große Hilfsorganisationen wie die UN hinter sich stehen und finanzieren sich deshalb stattdessen über Investoren. Diese wiederum nutzen die Apps, um Werbung zu schalten. Diese kann entweder organisch integriert sein wie bei movingtwice oder der eigentliche Kern der Spendenaktion sein. Bei der Spendenapp smoost etwa sammeln Nutzer Geld, nicht indem sie joggen, sondern indem sie auf ein Werbebanner klicken. Für jeden Klick, spenden Investoren Geld an gemeinnützige Projekte.

Für Unternehmen sind solche Werbeplattformen über Apps auf Smartphones mittlerweile mindestens genauso interessant wie klassische Werbebanner oder Fernsehwerbung. So wurde beispielsweise 2015 in Deutschland ein Umsatz von 204 Millionen Euro netto allein über mobile Display-Werbung erzielt. Im Vergleich zu den beiden Vorjahren ist das ein Zuwachs von 116 Millionen Euro, heißt es im OVK-Report des Bundesverband Digitale Wirtschaft. Kein Wunder also, dass Investoren Spendenapps als Imagekampagne und Werbekanäle zugleich nutzen möchten.

Spenden ohne Geld?

Nutzer wiederum können über diese Art von werbefinanzierten Spendenapps helfen, ohne tatsächlich jemals Geld in die Hand nehmen zu müssen. Ob das jedoch so hilfreich sei, bezweifelt etwa Jürgen Schupp. Als Direktor des sozioökonomischen Panels im Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung Berlin hat er unter anderem auch das Spendenverhalten von Menschen untersucht. Er sieht die Spendenapps eher skeptisch. Seine Befürchtung: Das geldlose Spenden durch die Apps könnte dazu führen, dass Nutzer gar kein Geld mehr für den guten Zweck in die Hand nehmen und in Zukunft direkte Geldspenden für karitative Projekte gänzlich einstellen.


Image (adapted) „Waise“ by WenPhotos (CC0 Public Domain)


 

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Warum Deutschland dringend mehr Tech-Coaches braucht

cloud-computing (adapted) (Image by wynpnt [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Was ist eine Cloud? Wie speichere ich eine PDF-Datei aus dem Internet? Was ist ein Gigabyte? Für Menschen, die sich tagtäglich im Internet bewegen und mit digitalen Prozessen arbeiten, scheinen diese Fragen absolut lächerlich. Doch viele Menschen in Deutschland tun sich mit der Digitalisierung immer noch sehr schwer.

Technologie: Die große Unbekannte

Auch wenn die meisten Deutschen Computer und Smartphones nutzen, verstehen nur wenige wirklich alle Funktionsweisen und noch weniger interessieren sich dafür. Das kam unter anderem bei einer gemeinsamen Umfrage des Versicherungsunternehmens Gothaer und dem Marktforschungsinstitut forsa heraus.

Das Problem dabei: Die Entwicklung in der digitalen Welt geht rasant weiter, während immer mehr Nutzer nicht hinterherkommen. So wird die Schere zwischen technologischen Neuerungen und Verbrauchern, die diese nicht verstehen, immer größer. Christopher Krause ist wohl einer der ersten, der dieses Problem erkannt hat – und Menschen seine Hilfe anbietet.

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Christopher Krause; Image by Miesh Photography

Als Tech-Life-Coach hilft Krause im US-Bundesstaat Utah Privatpersonen sowie Unternehmen dabei, die digitale Welt zu verstehen. Der Bedarf dafür ist überraschenderweise auch in den USA riesig, erklärt Krause im Gespräch mit den Netzpiloten. „Es ist wirklich ein Irrtum, zu glauben, hierzulande seien die Menschen technikaffiner als anderswo auf der Welt. Ich bekomme täglich Hunderte von Fragen von 20-Jährigen sowie von 60-Jährigen.“

Auch seine Erfahrung ist: Die Menschen nutzen moderne Technologien, verstehen sie aber nur teilweise. „Menschen haben Smartphones, wissen aber nicht, wie sie Applikationen darauf nutzen sollen. Andere verstehen nicht, dass man einen Bluetooth-Lautsprecher nicht per Kabel anschließen muss.

Tech-Firmen haben ein Kommunikationsproblem

Aus seiner eigenen Technologie-Begeisterung hat der gelernte Fotograf so seit 2008 ein zweites berufliches Standbein aufgebaut. Auch wenn sein Service 100 Dollar pro Stunde kostet, kann er sich vor Nachfragen kaum retten. In Utah ist er mittlerweile DER Tech-Coach und hat beim Fernsehsender ABC 4 ein wöchentliches Technologie-Segment, „Tech Time Tuesday“, in dem er Zuschauerfragen beantwortet.

Seine Erläuterungen sind dabei so klar und simpel wie möglich. Das kommt besonders an, hat Krause festgestellt. „Gerade Menschen, die viel in der Tech-Welt unterwegs sind, leben in einer Bubble. Sie vergessen schnell, dass andere Menschen unsere Fachsprache gar nicht verstehen. Das ist wirklich wie eine Fremdsprache. Deswegen setze ich immer ganz unten an und gehe davon aus, dass mein Gegenüber wirklich keine Ahnung hat. So kann man sich Schritt für Schritt vorarbeiten und auch komplizierte Prozesse verständlich machen.“ Das große Unwissen um technologische Prozesse hat er dabei nicht nur im überwiegend ländlichen Utah, sondern auch in Technologie-Zentren wie Kalifornien oder New York City beobachtet.

Mittlerweile kommen sogar große Technologieunternehmen auf ihn zu und bitten um Hilfe. Denn auch sie haben erkannt, dass sie ein Kommunikationsproblem haben. Sie entwickeln ausgefeilte Produkte, die aber viele Verbraucher völlig überfordern. Sie hoffen deshalb darauf, dass Krause ihnen dabei helfen kann, diese Kommunikationslücke zu schließen. Obwohl es also, laut Krause, einen großen Markt für Technologie-Erklärbären wie ihn gibt, kennt er in den USA gerade mal eine Handvoll anderer Tech-Coaches.

Tech-Coaches in Deutschland? Fehlanzeige

Auch in Deutschland ist das Konzept bislang nahezu unbekannt. Wer sich im Netz umschaut, findet zwar Technologieexperten, diese beraten aber eher Startups oder große Konzerne bei ihrer IT-Strategie. Sie arbeiten nicht mit Privatpersonen oder kleinen Firmen, um ihnen zu erklären, wie sie Dateien von ihrem USB-Stick auf der Festplatte speichern können.

Ein solcher Technologiexperte ist Arndt Schwaiger. Er hilft Unternehmen und Startups beim Planen und Umsetzen von digitalen Geschäftskonzepten. Als Tech-Coach würde er sich selbst wahrscheinlich nur am Rande bezeichnen. Auch wenn ein Teil seiner Arbeit darin besteht, Mitarbeitern moderne Technologien zu erklären. Der mehrfache Gründer spricht über sich vielmehr als „Lead-Coach für digitale Geschäftsmodelle“. Sein Fokus liegt also darin, Unternehmen mit seinem Expertenwissen im Bereich mobile Technologien und Onlinemarketing beim Aufstellen eines Businessplans oder eines IT-Marschplans zu helfen. Doch selbst als jemand, der Menschen Technologie von der Geschäftsseite her näher bringt, hat er in Deutschland etwa ähnliches festgestellt wie Christopher Krause in den USA. 

Arndt Schwaiger
Arndt Schwaiger; Image by Frank R. Gutacker

Es herrscht ein gewisses Misstrauen gegenüber der Digitalisierung, vor allem gegenüber neuen agilen Prozessen – und das häufig aus Unwissen heraus. So hat Schwaiger bei seiner Arbeit erlebt, dass sich manche, vor allem ältere Mitarbeiter vor neuen Technologien und den damit verbundenen Änderungen in ihrer Arbeit scheuen: „Manche sperren sich dagegen, weil sie fürchten, sie seien zu alt, um die Technik zu verstehen. Andere wiederum sind skeptisch, weil sie Angst haben, dass ihr Job durch eine Software ersetzt werden könnte.“ Obwohl Schwaiger also kein reiner Tech-Coach ist, besteht ein guter Teil seiner Arbeit ebenfalls darin, Menschen technologische Grundkonzepte wie die Cloud oder ein Business-Konferenz-Tool wie Slack zu erklären.

Dennoch ist es natürlich so, dass Schwaiger seine Erklärungen auf einer viel abstrakteren Ebene ansetzt als Christopher Krause. Den Beruf Tech-Coach an sich scheint es also in Deutschland bisher – zumindest offiziell – nicht in dieser Form zu geben. Das liegt sicher nicht daran, dass es weniger Bedarf gibt als in den USA, sondern wahrscheinlich einfach daran, dass sich dieser Job in Deutschland bislang noch nicht etablieren konnte.

Angesichts von Berichten, die zeigen, dass Deutschland in vielen Bereichen der Digitalisierung europäisches Schlusslicht ist, ist das bedenklich. Es könnte sicherlich nicht schaden, auch in Deutschland mehr Tech-Coaches wie Christopher Krause zu haben. Krause selbst scheint das allerdings nicht allzu tragisch zu finden: „Das Gute an diesem Beruf ist ja, dass man ihn von überall ausüben kann, per Skype, per E-Mail oder indem man über eine Software auf den Computer einer Person zugreift. So kann ich theoretisch nicht nur Kunden hier in Utah helfen, sondern auch in New York, England – und sogar in Deutschland!“


Image (adapted) „cloud-computing“ by wynpnt (CC0 Public Domain)


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Wie das Internet noch mehr Barrierefreiheit bieten kann

Learn sign language at the playground (adapted) (Image by Valerie Everett [CC BY-SA 2.0] via Flickr)

Dieser Beitrag ist Teil einer Artikelreihe im Vorfeld eines gemeinsamen Events und Hackathons von Microsoft und der Aktion Mensch für mehr Inklusion und Teilhabe im Netz.


Inklusion, was ist das eigentlich? Wie kann Inklusion im Internet umgesetzt werden und wie im Leben offline? Kann das Internet ein Instrument sein für Inklusion im Alltag? Ich meine: ja. Aber der Reihe nach.

Im Jahr 2006 wurde die Behindertenrechtskonvention von der Generalversammlung der Vereinten Nationen (UN) verabschiedet. Sie fordert die gleichberechtigte Teilhabe aller Menschen am gesellschaftlichen Leben. Inklusion ist Menschenrecht. Deutschland und 158 andere Länder bekennen sich darin zur UN-Konvention und haben sich mit ihrer Unterzeichnung dazu verpflichtet, sie umzusetzen.

Soweit, so gut. Doch möchte ich mich mit meiner Freundin Anastasia auf einen Kaffee treffen, geht das nicht überall. Anastasia ist mit einem Rollstuhl mobil. Vor meinem Lieblingscafé: Stufen. Im Internet können wir uns immer treffen. Stufen gibt es dort nicht – allerdings andere Barrieren. Wege zur Barrierefreiheit online und offline sind behindertengerechte Räume, barrierefreie Internetseiten und die Etablierung von Gebärdensprache, Untertiteln, Blindenschrift und leichter Sprache.

Im Artikel 21 der UN-Behindertenrechtskonvention heißt es, Systeme der Informationsverarbeitung, akustische und visuelle Informationsquellen sowie Kommunikationseinrichtungen sind barrierefrei, wenn sie für behinderte Menschen ohne besondere Erschwernis und grundsätzlich ohne fremde Hilfe zugänglich und nutzbar sind.

Doch bis zur Umsetzung ist der Weg noch weit. Ein aktuelles Beispiel? Vor einigen Tagen, bei einer Anhörung zum neuen Teilhabegesetz im Bundestagsausschuss für Arbeit und Soziales, fehlte im Livestream die Gebärdensprachdolmetschung. Hörbehinderte Menschen konnten also nicht teilhaben an der Diskussion, in der es auch um ihre Rechte ging.

Das Internet bleibt dabei ein Instrument für die Öffentlichkeitsarbeit und auch eine Möglichkeit, nicht nur für Inklusion zu sensibilisieren, sondern gezielt Projekte zu initiieren, die für das gleichberechtigte Leben von Menschen mit und ohne Behinderungen sorgen – oder auch einfach für ein gutes Zusammenleben. So schlug die Aktivistin Laura Gehlhaar vor einigen Wochen augenzwinkernd bei einer Podiumsdiskussion vor, eine App zu starten, mit der Menschen ohne Behinderung kostenlos mit Menschen mit Behinderung öffentliche Verkehrsmittel nutzen können. Der Aktivist Michel Arriens sucht aktuell über Twitter Menschen, die eine App programmieren können, die ihm auf seinem Weg vorab die Barrieren zeigt, die er überwinden muss, um zum Ziel zu kommen: Bordsteine, Stufen, defekte Fahrstühle. Beim Neue Nähe-Hackathon können solche Ideen gesponnen und umgesetzt werden.

Ein ähnliches Beispiel ist die App Bureaucrazy, die von syrischen Geflüchteten gemeinsam mit Teilnehmenden der ReDI School of Digital Integration entwickelt wurde. Die App soll geflüchteten Menschen die oft Kräfte und Nerven raubende Bürokratie in Deutschland erleichtern. Aktuell suchen die Entwickler*innen noch Unterstützer*innen.  Bei einem Hackathon arbeiteten bereits 30 Menschen an der Umsetzung. Nun fehlt noch Geld – und mal wieder steht die Bürokratie im Weg, denn Privatpersonen können crowdgefundetes Geld nicht annehmen und eine gGmbH muss gegründet werden – für geflüchtete Menschen in Deutschland nicht die leichteste Aufgabe.

Gut für alle Menschen – im Sinn einer inklusiven Haltung – sind Technologien, die bei der Entwicklung nicht an die Mehrheit der Gesellschaft denken, sondern an die Bedürfnisse von gesellschaftlichen Minderheiten. Oft sind die Ergebnisse dieser Denkweise dann Produkte, die für alle Menschen gut sind. Tom Bieling arbeitet am Design Research Lab der Universität der Künste in Berlin genau so und hat durch den Perspektivwechsel schon viel gelernt. Zum Beispiel über die Vorteile von Gebärdensprache. „Wenn du auf der anderen Straßenseite auf dem Balkon sitzt und ich hier im Raum vor dem Fenster, können wir uns über Lautsprache nicht unterhalten“, erklärt er. Mit Gebärdensprache sei das kein Problem.

Das Internet ist ein Raum, in dem wir für diese Art von Perspektivwechseln sensibilisieren können. Die Technik können wir nutzen, am besten gemeinsam – für mehr Miteinander statt Nebeneinander.


Image (adapted) „Learn sign language at the playground“ by Valerie Everett (CC BY-SA 2.0)


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Uber zerstört die Share Economy mit seinen fahrerlosen Autos

Taxi Cabs vs Uber (adapted) (Image by Aaron Parecki [CC BY 20] via Flickr)

Die Ankündigung von Uber, dass das Unternehmen in Pittsburgh, USA, fahrerlose Autos einführen will, stellt nicht nur die Zukunft der Share Economy, die auch durch Ubers Hilfe etabliert wurde, sondern auch die Zukunft von Beschäftigungsverhältnissen im weiteren Sinne in Frage. Eines ist aber sicher: Obwohl sich Uber verändert, wird die Art, wie es unsere Arbeitsweise verändert hat, bestehen bleiben.

Uber ist praktisch zum Synonym für Ideen für neue Geschäftsmodelle geworden. Es ist so bekannt, dass tatsächlich sogar ein neues Wort daraus entstanden ist – „ubersation“ – das die Art von Arbeit beschreibt, die über Online-Plattformen in sogenannten Share Economies verwaltet wird. Die Firma ist in vielerlei Hinsicht ein Sinnbild des flinken Ideenreichtums, mit dem der Kapitalismus es schafft, von der Technologie gestützt Wirtschaftskrisen zu überleben, neue kreative Lösungen für alte Probleme zu finden und sich am laufenden Band selbst neu zu erfinden.

Fahrerlose Autos sind nur ein weiteres Beispiel dafür. Nachdem es 2009 gegründet wurde, ein Jahr nach Airbnb und Taskrabbit, war Uber eines der ersten Serviceunternehmen, das einen Weg fand, Investitionen großer Mengen in abwertenden Anlagen zu vermeiden, wie zum Beispiel einen Fuhrpark, spezielle Werkzeuge oder teure Immobilien. Die Lösung? Das Risiko wurde ausgelagert und die Vermögenswerte anderer Leute genutzt.

Im Original-Modell von Uber fielen die Kosten des Kaufens und Wartens der Autos den Fahrern, beziehungsweise Eigentümern, zu, nicht der Firma. Die Einstellung gegenüber Arbeitern war ähnlich: wieso in die eigene Arbeitskraft investieren, mit all der Verantwortung die damit einhergeht, ein Arbeitgeber zu sein, wenn man den Service von Menschen nutzen kann, die für ihre eigene Ausbildung, ihre Ferien und ihre Rente zahlen und die Verantwortung für ihre Ausfallzeit selbst tragen?

Onlineplattformen behaupten, dass sie keine Arbeitgeber seien – sie seien nur ein Hightech-Gesprächspartner zur Bereitstellung und Anforderung von Diensten. Sie profitieren, indem sie bei allen Transaktionen Reduzierungen durchführen. Und sie können mit minimalen Investitionen schnell in neue Märkte expandieren.

Vorteile nutzen

Einer der Gründe, warum Uber so viel mehr öffentliche Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat als andere Plattformen die Arbeit auf Abruf anbieten (wie Taskrabbit, Handy, Upwork oder PeoplePerHour) ist, dass es einen Bereich betreten hat – den der Taxiservices – wo die Arbeiter bereits organisiert waren. Taxifahrer in vielen Städten haben eine lange Geschichte des Zusammenschlusses vorzuweisen, um Regeln festzulegen und mit öffentlichen Behörden über Dinge wie Standardtarife, die Standorte der Taxistände und die Bedingungen für den Erhalt einer Lizenz zu verhandeln.

Das steht im Gegensatz zu Menschen, die Dienstleistungen wie das Putzen von Fenstern, Gartenarbeit, Kinderhüten oder Möbelmontage zur Verfügung stellen, wie es andere Plattformen anbieten. Londoner Taxifahrer der „Black Cabs“ verbringen normalerweise 4 Jahre damit, sich das „Wissen“ anzueignen, also alle möglichen Routen durch die Stadt zu kennen. Dies ist eine Voraussetzung für den Erhalt einer Lizenz. Es ist daher nicht überraschend, dass der Einstieg von Uber in ihren Markt einen Proteststurm hervorrief.

Der Erfolg von GPS machte vieles von dem hart erarbeiteten Wissen obsolet und öffnete das zuvor wohlgehütete Gebiet des Taxifahrens jedem Menschen mit einem Auto und einem Smartphone, der sich etwas dazuverdienen wollte. Niedrigere Preise machten private Fahrten außerdem für die Menschen erschwinglich, die früher eine Taxifahrt als gelegentlichen Luxus angesehen haben.

Diese Vorteile konnten aber nicht für immer anhalten. Wettbewerber erschienen auf der Bühne. Öffentliche Behörden wurden für die Notwendigkeit, diese neue Art von Taxiservice zu reglementieren, sensibilisiert – was, wenn es einen tödlichen Unfall gäbe? Was, wenn der Fahrer oder der Fahrgast angegriffen würden? Wer wäre für die Versicherung zuständig? Auch die Fahrer fingen bald an, sich wie ausgebeutete Arbeiter zu fühlen, statt unbeschwerte Unternehmer sein zu können.

Wenn Uber schon die Gebühren festlegte und vorschrieb, wie sie zu arbeiten hatten, sollten sie dann nicht auch anfangen, die Verantwortungen eines Arbeitgebers zu übernehmen? Uber war deshalb sowohl in den USA als auch in Großbritannien mit gerichtlichen Verfahren konfrontiert. Manche der Uber-Fahrer aus den USA haben sogar als Alternative ihre eigene Kooperation mit Fahrern von Lyft, einem ähnlichen Service, aufgebaut.

Ruhig bleiben und weitermachen

In der Zwischenzeit ist Uber zu einem riesigen Unternehmen mit weltweiter Ausbreitung und einem Umsatz von 1,5 Milliarden US-Dollar im Jahr 2015 geworden. Sein letzter Versuch, sich selbst neu zu erfinden, nimmt interessanterweise eine der klassischen Strategien der Industrie aus der Vergangenheit auf, um den Profit zu steigern – die Automatisierung. Während es den Plan der Vergangenheit, die Arbeiter die Investitionen allein machen zu lassen, beiseite schiebt, steckt Uber sein eigenes Geld in eine neue Technologie: fahrerlose Autos. Wenn sich das Risiko auszahlt, wird dies wahrscheinlich mehrere Auswirkungen haben.

Die Position traditioneller Taxiunternehmen wird weiterhin unterminiert werden, indem günstigerer Service angeboten wird (möglicherweise auch die Stellen von Ubers eigenen Eigentümern oder Fahrern). Zudem werden auch Wettbewerber verdrängt werden. Neuanbieter auf diesem Markt der fahrerlosen Taxis würden in eine Flotte solcher Fahrzeuge investieren müssen. Dies könnte die Nahezu-Monopolstellung, die Uber schon in manchen Städten hat, festigen und den Namen Uber so zum Synonym für Taxiservice machen, wie es zum Beispiel Hoover für Staubsauger oder Kleenex für Taschentücher ist. Wenn uns die Geschichte eines lehrt, dann ist es, dass dies nicht zu Massenarbeitslosigkeit führen wird.

Bereits vorhandene Uber-Fahrer würden möglicherweise arbeitslos werden, aber diese Form von Restrukturierung verheißt nur, dass neue Jobs geschaffen werden, während und obwohl sie andere zerstört. Fahrerlose Autos könnten aus professionellen Fahrern das machen, was Waschmaschinen aus Wäschereiarbeitern machten. Der Kapitalismus aber, zerstörerisch wie immer, macht weiter wie zuvor.

Wenn das nun aber die Zukunft von Uber ist, was wird dann aus der Zukunft der ‚uberisation‘? Die Beweise sprechen dafür, dass es Teil eines großen Trends ist, der unaufhaltsam wächst. In allen Wirtschaftsbereichen wird Arbeit auf Abruf als neue Form für Jobs gelten, die von Aushilfslehrern über Agentur-Krankenschwestern und Supermarktkassierern bis hin zu Callcenter-Angestellten reichen.

Eine neue Studie mit 2238 Menschen, die wir an der Hertfordshire Business School durchführten, legte nahe, dass drei Prozent der erwachsenen Bevölkerung Großbritanniens „mindestens wöchentlich“ für Online-Plattformen arbeiten, während viele mehr (etwa elf Prozent) dies hin und wieder tun. Geschätzte 2,5 Prozent der Arbeitnehmer haben Null-Stunden-Verträge und sechs Prozent haben einen befristeten Vertrag.

Die letzten Statistiken der Regierung des Vereinigten Königreichs zeigen, dass mehr als eine Million Menschen einen Zweitjob haben und knapp fünf Millionen Menschen selbstständig sind. Uber mag sich verändern, solange es aber keine radikalen Veränderungen in der Arbeitsregelung und des Sozialsystems gibt, sieht es so aus, als wäre die ‚uberisation‘ gekommen, um zu bleiben.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Taxi Cabs vs Uber“ by Aaron Parecki (CC BY 2.0)


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Willkommen in Deutschland: Digitale Hilfe für Flüchtlinge

Welcome asylum seekers and refugees - Refugee Action protest 27 July 2013 Melbourne (adapted) (Image by Takver [CC BY-SA 2.0] via Flickr)

Die Flüchtlinge sind da. Und nun? Für viele von ihnen beginnt damit ein komplett neues Leben in Deutschland, weit entfernt von ihrer Heimat, in einem Land das ihnen noch fremd erscheint. “Wir wollen diesen Menschen Deutschland näher bringen und ihnen den Einstieg erleichtern”, haben sich da viele engagierte Bürger gedacht – und genau zu diesem Zweck zahlreiche Webseiten und Apps entwickelt. Was steckt hinter den Apps? Was können sie? Und: Was für Hilfe bieten sie den Flüchtlingen?

Die Stadt-Apps für das Smartphone oder Tablet

Die Dresdner Welcome App war eine der ersten Smartphone-Apps, die speziell für Flüchtlinge entwickelt wurde. Entwickelt wurde die App von den Dresdner IT-Unternehmen Saxonia Systems AG und der Heinrich & Reuter Solutions GmbH. Welcome to Dresden hilft neu angekommenen Flüchtlingen in Dresden zum Beispiel bei der Arztsuche oder gibt Tipps zu ersten Schritten im Asylverfahren.

Viola Klein, Geschäftsführerin von Saxonia Systems AG sagt, die Idee zur App war eine ganz natürliche Entwicklung: “In unserem Unternehmen haben wir 230 Mitarbeiter aus 11 Nationen und sind es einfach gewohnt mit fremden Kulturen zu arbeiten. Ich finde das wunderbar, das bereichert!” Für Viola Klein gibt es viele Dinge vor denen wir Angst haben sollten, aber Flüchtlinge gehören für sie nicht dazu. Ganz im Gegenteil. So wurde die App auch gemeinsam mit Flüchtlingen entwickelt, um deren brennendste Fragen möglichst einfach und schnell zu beantworten. Die App gibt es mittlerweile für alle drei mobilen Betriebssysteme und soll bald in zehn Sprachen erscheinen. Auch andere deutsche Städte wollen die Welcome-to-Dresden-App übernehmen.

Der Witten City Guide folgt einem ähnlichen Prinzip. Die App bietet Flüchtlingen Informationstexte in verschiedenen Sprachen. Darüber hinaus können Nutzer über die “around me”-Suche wichtige Orte in ihrer unmittelbaren Nähe auf der Karte finden.

Die App war ursprünglich für Bürger und Touristen gedacht. Über den Witten City Guide konnten sie sich über alles Wichtige aus Witten informieren. Die Idee, diese App mit Informationen für Flüchtlinge zu erweitern, kam der Stadt da sehr schnell: “Natürlich fehlt es bei uns vor Ort an verständlichen Informationen und an Hinweisen in der Muttersprache von Asylbewerbern, die Neuankömmlingen wenigstens die ersten Schritte im neuen Land erleichtern”, erklärt Astrid Raith von der Stadt Witten. Schon war der Witten City Guide mit spezieller Hilfe für Flüchtlinge ins Leben gerufen.

Interaktive Stadtpläne: Afeefa Dresden und InfoCompass Berlin

Die beiden Webseiten Afeefa (kurz für: alle für einen und einer für alle) aus Dresden und InfoCompass Berlin arbeiten mit Stadtplänen, um Flüchtlingen das Navigieren in diesen beiden Städten zu erleichtern. Afeefa geht es dabei vor allem um die Vernetzung zwischen Behörden, Organisationen, engagierten Bürgern und Flüchtlingen. Die Webseite versteht sich als “Dreh- und Angelpunkt der zahlreichen und vielseitigen Angebote von und für geflüchtete und engagierte Menschen” in Dresden. Hier finden Flüchtlinge nicht nur praktische Informationen zum Aufnahmeverfahren, sondern auch aktuelle Veranstaltungen sowie eine Börse für Angebote und Gesuche für Flüchtlinge und Bürger, die helfen wollen.

Dresdner App für Flüchtlinge: afeefa – alle für einen und einer für alle
Dresdner App für Flüchtlinge: afeefa – alle für einen und einer für alle

Felix Schönfeld und Joschka Heinrich, verantwortlich für das Konzept und die Programmierung der Webseite, haben viele Stunden in die Entwicklung des Internetauftritts gesteckt. “Das Ganze fing erst als Gegenbewegung zu Pegida an und wurde dann zu einem Netzwerk engagierter Bürger. Jeder hat dabei viele Informationen über und für Flüchtlinge zusammen getragen. Da wurde schnell klar, dass wir eigentlich eine Softwarelösung brauchen.” So entstanden schließlich die Webseite, die mittlerweile in zehn Sprachen von Urdu bis Tigrinya verfügbar ist, sowie die Facebook-Kontaktseite zu Afeefa.

InfoCompass Berlin ist ebenfalls entstanden, weil sich engagierte Menschen in Berlin Reinickendorf gefragt haben: “Wie können wir Flüchtlingen vor Ort helfen?” Das Ergebnis ist eine Landkarte geworden, mit wichtigen Informationen für Flüchtlinge. Hier finden Flüchtlinge Sprachschulen, Kitas oder psychologischer Betreuung, sowie die InfoPoints von InfoCompass Berlin. Flüchtlinge können auf der Webseite oder per mobiler App alle InfoPoints in ihrer Nähe sehen. Diese Infopunkte werden drei Mal pro Woche geöffnet und engagierte Bürger verteilen hier Informationen für Flüchtlinge und stehen mit Rat und Tat zur Seite. Darüber hinaus gibt es auf InfoCompass auch InfoVideos zu wichtigen Themen.

Den Gründern war es dabei wichtig, dass sich so auch Migranten selbst einbringen können, um andere Flüchtlinge zu beraten oder selbst Veranstaltungen zu organisieren. Den InfoCompass Berlin gibt es mittlerweile in sechs Sprachen für Berlin Reinickendorf und Westend.

Hilfe bei der Jobsuche: SelfieJobs und Workeer

SelfieJobs hat einem etwas anderen Ansatz. Die App aus Schweden wurde eigentlich für junge Menschen entwickelt, um die Jobsuche einfach und vor allem schneller zu machen. Jobsuchende erstellen bei SelfieJobs ein Profil, laden ihren Lebenslauf hoch und stellen sich mit einem kurzen Bewerbungsvideo vor. Arbeitgeber können dann bei der Suche nach Bewerbern wie bei der Dating-App Tinder auswählen: Kandidaten, die ihnen gefallen werden in eine Richtung gewischt, Kandidaten, die ausscheiden in die andere.

Die in Europa kostenlose App gibt es für mehrere europäische Städte, unter anderem auch Berlin. SelfieJob-Erfinder Martin Tall möchte diese App nun gemeinsam mit der regierungsnahen Organisation Vinnova speziell für Flüchtlinge erweitern und einen Übersetzungsmechanismus einbauen. Die Idee dahinter: Flüchtlinge können die Jobangebote in ihrer Sprache lesen und ihren Lebenslauf etwa auf arabisch oder russisch hochladen. Arbeitgeber lesen diese Lebensläufe wiederum auf Schwedisch, Deutsch oder Englisch. Auch der anschließende Bewerbungsgespräch-Chat soll übersetzt werden. “Ich glaube, das ermöglicht Migranten mindestens einen ersten Kontakt, den sie sonst aufgrund der Sprachbarrieren gar nicht hätten”, sagt Tall. Er hofft, dass Auto CV im Dezember an den Start gehen kann.

David Jacob und Philipp Kühn haben mit Workeer ebenfalls eine Webseite kreiert, die Flüchtlingen und Migranten bei der Arbeits- und Ausbildungssuche helfen soll. Das Projekt ist als Abschlussprojekt in ihrem Bachelorstudium entstanden. Jacob und Kühn wollten nicht nur einfach eine Arbeit schreiben, die in der Schublade verschwindet. Kombiniert mit persönlichem politischem Interesse am Thema Integration und Migration entstand so Workeer. Über die Idee zu Workeer sagen die Macher auf ihrer Webseite: “Mit der Plattform soll ein geeignetes Umfeld geschaffen werden, in dem diese besondere Gruppe von Arbeitssuchenden auf ihnen gegenüber positiv eingestellte Arbeitgeber trifft.”

Die App Workeer möchte Arbeit- und Ausbildungsstellen vermitteln
Die App Workeer möchte Arbeit- und Ausbildungsstellen vermitteln

Sie hoffen also, dass Migranten und Flüchtlinge so schneller eine Arbeit in Deutschland finden – und somit auch schneller ein aktiver Teil der Gesellschaft werden können. Noch ist die Webseite allerdings nur auf Deutsch verfügbar, sie soll aber demnächst in weitere Sprachen übersetzt werden.

Apps für Flüchtlinge – bisher ohne Feedback

Die Apps und Webseiten für Flüchtlinge wollen ankommenden Flüchtlingen dabei helfen, sich in Deutschland besser zurechtzufinden. Sie wurden eigens dafür von engagierten Bürgern ins Leben gerufen und sie haben eine klare Botschaft: Flüchtlinge sind hier willkommen.

Die meisten Applikationen stecken allerdings noch in den Kinderschuhen. Einige sind zum Teil noch in der Beta-Phase, bei anderen gibt es noch die typischen anfängliche technische Pannen, und Auto CV von SelfieJobs steckt sogar noch in der Entstehungssphase. Derweil entwickeln viele andere Firmen wie zum Beispiel SAP derweil ihre eigenen Flüchtlings-Apps. Hier wird die Zeit sicherlich zeigen, welche der vielen Angebote den meisten Zuspruch bekommen.

Denn auch wenn viele Applikationen mit Hilfe von Migranten erstellt wurden, eins ist bei allen Apps noch absolute Mangelware: Feedback von den Flüchtlingen. Keiner weiß bisher genau, ob und wie viele Flüchtlinge ihre Apps nutzen – und ob sie ihnen überhaupt helfen.


Image (adapted) “Welcome asylum seekers and refugees – Refugee Action protest 27 July 2013 Melbourne” by Takver (CC BY-SA 2.0)

Screenshots by Marinela Potor


 

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Internet und Flüchtlinge: (Auch) ein Werkzeug zum Guten

Refugees (image by Haeferl [CC BY-SA 3.0] via Wikimedia)

Angesichts der sich immer mehr zuspitzenden Flüchtlingskrise wollen viele Menschen helfen. Dabei kann das Internet eine unterstützende Rolle übernehmen und hat dies auch bereits getan. Es dient der Vernetzung und Koordination von Freiwilligen ebenso wie der Schaffung von Aufmerksamkeit für das Schicksal der Geflüchteten. Das zeigt, was das Internet im besten Fall sein kann: ein Werkzeug, das Menschlichkeit und “altmodisches” zivilgesellschaftliches Engagement nicht verdrängt oder ersetzt, kein Ort von Zynismus und billigem Amüsement, sondern von der Art Wissen, die Mitgefühl schafft.

Die Flüchtlingskrise verlangt nach freiwilligen Helfern

Mit dem aktuellen Ansturm geflüchteter Menschen (vor allem aus Syrien, aber auch aus anderen von Konflikten oder extremer Armut heimgesuchten Ländern) zeigt sich die Politik überfordert. Europa arbeitet nicht zusammen, sondern versinkt in Abschottung, Chaos und einer bedrohlichen Sankt-Florians-Mentalität. Auch die nationalen Regierungen wissen teils nicht so recht, was sie tun sollen. Sie warten ab oder aber reagieren inkonsistent und aufgeregt.

Um so wichtiger ist es, dass die Bevölkerung sich in dieser Frage engagiert. Einerseits gilt es, politischen Druck aufzubauen, von den Mächtigen ein vernünftiges ebenso wie menschliches Handeln zu fordern. Andererseits kann auch ganz konkret geholfen werden, können “Normalos” Flüchtlinge mit dem Nötigsten versorgen, ihnen die Orientierung erleichtern und ihnen hoffentlich zumindest ansatzweise das Gefühl geben, sicher und willkommen zu sein.

Diese Krise kann auch eine große Chance sein. Eine Chance, in den letzten Jahren eher vernachlässigte Tugenden wie Hilfsbereitschaft, Eigeninitiative und Teamgeist wieder zu entdecken. Deutschland könnte ein wenig engagierter, ein wenig menschlicher werden – und ist, wie man mit Freude feststellen kann, derzeit auf dem besten Weg dahin. Daran können auch die “besorgten Bürger”, die geistigen Brandstifter und Facebook-Hassprediger, wenig ändern.

Das Internet kann ein Bewusstsein schaffen

Schon lange gibt es Medien, die uns darüber informieren, was in der Welt passiert, und uns, im besten Fall auch emotional ansprechen (natürlich sind Gefühle kein Ersatz für solide Fakten – aber Menschen, die von einem Vorgang auch emotional berührt werden, sind deutlich eher bereit, sich auch zu engagieren). Das Internet aber kann beides ungleich schneller bewerkstelligen und so eine zeitnahe Reaktion auf Krisen erlauben. Reine Informationen bewirken noch keinen gesellschaftlichen Wandel – aber fühlen sich die Menschen zudem emotional angesprochen, beginnen sie, mitzufühlen, dann ist der erste Schritt hin zum Handeln getan. Das zeigt das Bild des ertrunkenen syrischen Jungen Aylan Kurdi, das in Windeseile um die Welt ging, zum Symbol der Flüchtlingskrise wurde und für eine ganze Reihe von Menschen der Auslöser für ein Umdenken und auch für ein aktives Helfen wurde.

Zudem fallen im Internet auch Machtstrukturen bei der Berichterstattung weitgehend weg. Das macht es leichter, auch von den Mächtigen ungeliebte Inhalte zu verbreiten und so den oben angesprochenen politischen Druck aufzubauen. Wer wüsste das besser als Angela Merkel, die sich gegenüber dem geflüchteten, pakistanischen Mädchen Reem so ungeschickt verhielt, dass es zum eigenen Meme wurde und die Kanzlerin unter dem Hashtag #merkelstreichelt reichlich Hohn und Spott von der Netzgemeinde einstecken musste. Man möchte zumindest glauben, dass dies einen gewissen Einfluss darauf hatte, dass sich Merkel später durchaus lobenswerter verhielt. Immerhin ist Politikerinnen und Politikern die Meinung der Bevölkerung in aller Regel nicht gänzlich unwichtig – die nächste Wahl kommt bestimmt.

Werkzeug zur Vernetzung und Kooperation

Viele Menschen, die helfen wollen, wissen nicht so recht, wo sie anfangen sollen. Glücklicherweise kann vielen schon eine schnelle Google-Suche weiterhelfen – dafür sorgen eigens eingerichtete Websites wie “Wie kann ich helfen?”, das sogar mit einer praktischen Übersichtskarte von Hilfsprojekten in ganz Deutschland aufwartet. Natürlich können Menschen auch ohne Internet geeignete Hilfsprojekte finden. Geht es aber so schnell und einfach wie hier, fallen Hemmschwelle und Reibungsverluste weitgehend weg – ein begrüßenswerter Zustand, der dazu beiträgt, dass möglichst viele noch etwas unentschlossene Interessierte tatsächlich zu Helferinnen und Helfern werden.

Ähnlich ist es bei der Koordination der zahlreichen Freiwilligen. Viele Hilfsprojekte für Flüchtlinge wurden in den letzten Wochen von Unterstützungsangeboten und Spenden geradezu überrollt und stehen vor der herausfordernden Aufgabe, diese möglichst effektiv einzusetzen. Computer und das Internet sind gute Werkzeuge für die Koordination und Organisation aller Arten von Veranstaltungen und Projekten. Sie können auch hier helfen. Die meisten Helfenden – vom Chaos Computer Club bis zu lokalen Bürgerinitiativen – haben das bereits erkannt und entsprechende Systeme eingerichtet. Zu guter Letzt lassen sich im Internet auch ausgezeichnet Geldspenden sammeln – das zeigt derzeit unter anderem das prominente Beispiel von Google.

Auch zur Weiterbildung von Helfenden ist das Internet gut geeignet. Dazu zählen nicht nur die zahlreichen Artikel darüber, welche Besonderheiten im Umgang mit Flüchtlingen zu beachten sind (und in denen diese natürlich idealer Weise auch selbst zu Wort kommen), auch Übersetzungs-Hilfen im Netz, insbesondere für Arabisch, sind hilfreich.

Ein Werkzeug zum Guten

All diese Beispiele zeigen, was das Internet im besten Fall sein kann: ein Werkzeug, das das gesellschaftliche Zusammenleben, die gegenseitige Hilfe und das zivilgesellschaftliche Engagement nicht lähmt oder ersetzt, sondern sinnvoll ergänzt und vereinfacht. Ein Ort, an dem man nicht sinnlos seine Zeit vertrödelt und sich übereinander lustig macht, sondern an einem besseren Zusammenleben arbeitet. Eine Domäne nicht der Hassprediger, sondern derjenigen, die sich mehr Völkerverständigung wünschen und bereit sind, ihren Teil dafür zu tun.

Es liegt an uns, dass dieser Teil der (Netz-)Wirklichkeit derjenige ist, der zählt und an den man sich später erinnern wird.


Teaser & Image “Refugees” by Haeferl (CC BY-SA 3.0)


CHIEF-EDITOR’S NOTE: Wenn Ihnen unsere Arbeit etwas wert ist, zeigen Sie es uns bitte auf Flattr oder indem Sie unsere Reichweite auf Twitter, Facebook, Google+, Soundcloud, Slideshare, YouTube und/oder Instagram erhöhen. Vielen Dank. – Tobias Schwarz

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WG-Portal vermittelt Wohnraum für Flüchtlinge

Flüchtlinge Willkommen (Bild: Jean-Paul Pastor Guzmán [CC BY-SA 3.0], via Flüchtlinge Willkommen)

Mit dem eigenen Online-Portal „Flüchtlinge Willkommen“ suchen Ehrenamtliche freie Zimmer für Flüchtlinge in WGs. // von Franziska Türk

Flüchtlinge Willkommen (Bild: Jean-Paul Pastor Guzmán [CC BY-SA 3.0], via Flüchtlinge Willkommen)

Es gibt eine Menge praktischer Internetseiten. Manche zeigen, wie man mit einfachen Tricks die heimische Wohnung verschönert, andere machen den geneigten Beobachter zum Sternekoch – und wieder andere verändern ein ganzes Leben. Letzteres trifft auf die Website „Flüchtlinge Willkommen“ zu, die Flüchtlinge und WGs mit freiem Zimmer zusammenbringt.

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Was machen wir hier eigentlich?

Das Startup Proboneo bietet einem die Möglichkeit, seine Fähigkeit bei helfenden Organisationen für das Gemeinwohl einzusetzen. // von Felicitas Hackmann

Proboneo

Wann haben wir das letzte Mal die Welt ein Stückchen besser gemacht, und zählt ‘Müll trennen’ schon dazu? Es ist ja nicht so, als gäbe es da draußen keine Probleme, die man lösen könnte anstatt vor Kunden zu pitchen, die man eigentlich panne findet oder die das 500. me-too Produkt launchen wollen. Jetzt alles hinschmeißen und Gutmenschen werden? Wer bezahlt dann die Miete? Arbeiten müssen wir, aber vielleicht schafft Proboneo Licht in die Sinnkrisedunkelheit zu bringen.

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„Wir hoffen, dass Aurela noch eine Weile stabil bleibt“

Mithilfe der Möglichkeiten des Internets sucht Ulf Hundeiker auf eigene Faust nach Spenden für ein krankes Mädchen namens Aurela aus dem Kosovo. // von Tobias Gillen

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Sich um die Probleme dieser Welt zu sorgen ist das eine. Das andere ist, sich dafür einzusetzen, dass sich auch wirklich etwas ändert. Dabei muss man nicht immer die ganze Welt retten, manchmal reicht es schon, wenn man sich kleinere Ziele setzt. Kleiner, aber dafür nicht minder bewundernswert, ist, was Ulf Hundeiker mit seiner Initiative „Aurela darf nicht sterben“ seit eineinhalb Jahren umsetzt.

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An der Hilfe sollt Ihr sie erkennen…

Die Betreiberfirma des zerborstenen Atomkraftwerks Fukushima TEPCO beweist der Welt einen großen Dienst. Sie zeigt das Gesicht der Industrialisierung: Arbeitslose, Obdachlose und Gastarbeiter werden stundenweise verheizt, um der Welt zu zeigen, dass man irgendetwas tut. Hunderttausende Japaner frieren und hungern. Die Welt schaut gebannt dabei zu und kann sich glücklich schätzen als bessere Hälfte der Welt dazustehen.

Man könnte sich also beruhigt hinsetzen, per Click bei iTunes oder den vielen Hilfsorganisationen ein paar EURO platzieren und auf schnelle Besserung wetten. Aber mancher wird sich erinnern, wieviele Milliarden noch übrig sind von den Tsunami-Spenden die vor einigen Jahren in Thailand und Umgebung hätten niederprasseln können. In der Realität liegen diese Schätze noch immer auf diversen Konton der Banken und bringen schöne Zinsen ein. Es wäre also genug Geld da um ganz Japan drei Wochen zu ernähren. Angesichts des organisatorischen Chaos in Japan gewinnt man aber den Eindruck, dass nationaler Stolz weitaus schlimmere Folgen hat als das Ausliefern der Bevölkerung an gewissen- und hilflose Verantwortliche.

Wieso bitten Japaner über Facebook ihre Freunde im Ausland, ihnen Nachrichten über Fukushima zukommen zu lassen? Wieso lässt die Regierung keine Fachleute ins Land, die Erfahrung mit solchen drohenden nuklearen Katatrophen haben?

Aber angesichts des millionenfachen Konsums von apokalyptischen Bildern aus Japan fordert das Über-Ich der medialen Öffentlichkeit eine Teilnahme und Verantwortung… Weiterlesen »

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