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Gigaset GS280 im Test: Ist das Streaming-Smartphone aus Deutschland ein Kauftipp?

Gigaset GS280 im Test

Mit dem GS280 will der deutsche Hersteller Gigaset insbesondere Fans von Video-Streaming ansprechen. Für diesen Zweck verfügt das Smartphone über ein großes und hochauflösendes Display sowie einen weit überdurchschnittlich großen Akku. Wie das Mittelklasse-Smartphone Gigaset GS280 im Test abschneidet, habe ich in der Praxis geprüft.

Hardware: starkes Display, langsamer Fingerabdruckscanner

Das GS280 fertigt der Hersteller wie das GS185 im Werk in Bocholt. Daher darf es das Etikett „Made in Germany“ tragen. Um Hightech handelt es sich dabei aber nicht. In puncto Design bietet Gigaset GS280 überwiegend Standardkost. So besteht nur die Rückseite aus Metall, der Rahmen aber aus Plastik. Außergewöhnlich ist die Gehäusefarbe. Mein Testgerät kam in der Farbe „Coffee Brown“. Das ist mal etwas anderes und gefällt mir nach einigen Tagen Nutzung immer noch recht gut. Derzeit gibt es das GS280 noch in Schwarz, später soll das Smartphone auch in einer goldenen Version auf den Markt kommen.

Auf der Vorderseite befindet sich eines der beiden Highlights des Telefons: Das 5,7 Zoll große Full-HD-Display. Dieses bietet eine in diesem Preissegment hohe Auflösung von 2160 x 1080 Pixeln und kommt somit auf eine Pixeldichte von 427 ppi.

Gigaset GS280 Rückseite
Kaffeebraun nennt Gigaset die Farbe dieses Gehäuses. Image by Timo Brauer

Um keinen Platz auf dem Display zu verschwenden, verzichtet Gigaset auf eine Notch und verbaut die Frontkamera sowie diverse Sensoren in dem Rahmen über dem Display. So steht das komplette Display für das Streamen von Videos zur Verfügung.

Zwar kann das Display den 1080p-Standard auflösen, doch durch eine fehlende Widevine-Zertifizierung (L1) können Kunden von Netflix und Amazon Prime Video Inhalte nur mit maximal 720p streamen. Dies macht sich auf einem Smartphone-Display zwar nicht wirklich bemerkbar, bei einem Gerät, das explizit diese Zielgruppe anspricht, wäre diese Unterstützung jedoch wünschenswert.

Auf der Rückseite befindet sich ein Fingerabdrucksensor. Dieser ist leicht in das Gehäuse eingelassen und gut mit dem Finger zu erfühlen. Im Vergleich zu anderen Smartphones ist er jedoch eher langsam.

Akku: läuft und läuft

Das zweite Highlight des Gigaset GS280 im Test ist der 5.000 mAh große Akku. In meinem Test verbrauchten zwei Stunden Streaming von Netflix-Sendungen über WLAN 11 Prozent Kapazität und über LTE 12 Prozent. Diese Werte sind ziemlich gut und werden nur von wenigen Smartphones erreicht.

Aufladen lässt sich der Energiespeicher über das mitgelieferte 18-Watt-Netzteil mit USB-C-Anschluss in ungefähr zweieinhalb Stunden. Auch das ist ein guter Wert.

Als kleines Extra lässt sich das Smartphone unterwegs als Powerbank verwenden, um andere Geräte wie zum Beispiel Kopfhörer mit Strom zu versorgen. Mit meinen Modell Beats Studio 3 hat dies problemlos geklappt.

Leistung: Streaming ohne Wartezeiten

Ein Grund für die gute Akkulaufzeit des Gigaset GS280 dürfte der genügsame Prozessor vom Typ Snapdragon 430 sein. Er verbraucht vergleichsweise wenig Energie. Zusammen mit 3 GB Arbeitsspeicher sorgt der Achtkern-Prozessor dennoch für genug Leistung, um problemlos Full-HD-Videos zu streamen oder alltägliche Aufgaben wie das Browsen im Web oder Senden von Nachrichten zu erledigen. Bei aufwändigeren Anwendungen wie zum Beispiel 3D-Spielen benötigt das Smartphone allerdings die ein oder andere Gedenksekunde.

Kamera: Für Schönwetter-Schnappschüsse

Bei gutem Licht macht die 16-Megapixel-Kamera des Gigaset GS280 im Test brauchbare Bilder. Wie bei allen preisgünstigen Smartphones verrauschen die Aufnahmen jedoch stark, wenn es etwas dunkler wird. Selfies gelingen mit der 13-Megapixel-Frontkamera bei Tageslicht gut. Die Kamera-App ist simpel gestaltet. Auf Features wie eine Bokeh-Simulation oder Nachtaufnahmen verzichtet Gigaset.

Software: Pur und ohne Schnick-Schnack – aber veraltet

Das Gigaset GS280 kommt mit purem Android. Das ist prima für alle, die die Oberflächen der Handy-Hersteller nicht mögen und denen das Betriebssystem von Google so gefällt, wie es ist. Nachteil: Gigaset liefert das Gerät in der nicht mehr ganz aktuellen Version 8.1 aus. Für ein im Februar 2019 vorgestelltes Smartphone wäre Android 9 angemessen – selbst in dieser Preisklasse.

Ein Update auf Android 9 wurde noch nicht bestätigt, sollte jedoch relativ sicher sein. Dennoch hat Gigaset beim Thema Updates keinen guten Ruf. Bei einem Test der Update-Praxis verschiedener Hersteller durch die Stiftung Warentest belegte Gigaset den letzten Platz und erhielt die Bewertung „absolut nachlässig“. Zumindest ein Sicherheitsupdate hat mein Testgerät jedoch erhalten. Wie regelmäßig diese erscheinen, verrät Gigaset allerdings nicht.

Anschlüsse: Klinkenstecker, USB-C und zwei SIM-Karten

An Anschlüssen mangelt es dem Gigaset GS280 nicht. Neben einem modernen USB-C-Port ist auch ein Klinkenstecker vorhanden. So könnt ihr auch eure lieb gewonnenen Kabelkopfhörer anschließen. Der 32 GB große interne Speicher kann mittels einer MicroSD-Karte um bis zu 256 GB erweitert werden. Zusätzlich lassen sich zwei SIM-Karten in dem Gerät verwenden. Man muss sich also nicht wie bei den meisten aktuellen Smartphones zwischen einer zweiten SIM-Karte oder einer Speicherkarte entscheiden. An Funkverbindungen unterstützt das Gigaset GS280 alle gängigen Standards wie WLAN 5 (ac), LTE und Bluetooth 4.2.

Fazit: Nur der Akku des Gigaset GS280 ragt im Test wirklich heraus

Ein Smartphone für Fans von Video-Streaming – das soll das Gigaset GS280 sein. Das ist natürlich ein sehr zugespitztes Produktkonzept. Trotzdem eignet sich das Gerät auch für andere Nutzer, die Wert auf einen großen Akku legen. Dieser konnte mich im Test wirklich überzeugen. Auch das Display ist buchstäblich sehenswert, ragt aber aus dem Wettbewerb nicht heraus. Hingegen die nachlässige Update-Politik von Gigaset trübt den guten Eindruck. Gerade Sicherheitsupdates sollten auf jeden Fall regelmäßig über einen gewissen Zeitraum ausgeliefert werden. Dass das Gigaset GS280 im Jahr 2019 noch mit Android 8 erscheint, ist unzeitgemäß.

Für die gebotene Leistung ist der aufgerufene Preis von 250 Euro meiner Meinung nach etwas zu hoch angesetzt. Wenn das Handy in den nächsten Wochen oder Monaten jedoch im Preis sinkt, ist es auf jeden Fall einen Blick wert. Für 250 Euro gibt es aktuell aber einfach zu viele Smartphones, die insgesamt ein besseres Ausstattungspaket bieten. So kommt beispielsweise das Nokia 7.1 im Test mit aktuellem Android und regelmäßigen Updates oder das Honor 8X mit einem extra-großen Full-HD-Display.

An die Akkulaufzeit des GS280 kommen jedoch beide Alternativen nicht heran. Zu berücksichtigen ist außerdem, dass Gigaset das Gerät im deutschen Werk schneller reparieren kann als andere Hersteller. In den ersten drei Monaten nach dem Kauf repariert er Schäden durch Glasbruch oder Feuchtigkeit sogar gratis.

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Gigaset GS280 Made in Germany
Wie beim Gigaset GS185 findet auch die Montage des GS280 in Deutschland statt. Das hat Vorteile beim Reparieren. Image by Timo Brauer

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Gigaset Smart Speaker L800HX: DECT-Festnetztelefon mit Alexa vorgestellt

Gigaset Smart Speaker L800HX

Mit Alexa-Lautsprechern lässt sich Musik streamen, Wissenslücken füllen, das Smart Home bedienen – und jetzt auch telefonieren. Zumindest mit dem neuen Modell Gigaset Smart Speaker L800HX. Bei dem Lautsprecher mit integrierten Mikrofonen handelt es sich um ein sprachgesteuertes Freisprechtelefon, das mit einer DECT-Basis oder einem Router verknüpft wird und dann jeden Festnetz- und Mobilfunk-Anschluss anrufen kann. Wie ein herkömmlicher Smart Speaker greift es per Alexa natürlich auch auf das Web zu. Musik soll außerdem ebenso gut klingen wie die Sprache des Telefonpartners. Auf diese Weise will Gigaset praktische Funktionen aus den Bereichen Telefonie und Smart Home vereinen. Der Gigaset Smart Speaker L800HX erscheint im Mai 2019 für 199 Euro.

Design: Mischung aus Amazon Echo Plus 2 und Libratone Zipp

Von außen sieht man dem Gigaset Smart Speaker L800HX diesen neuartigen Ansatz nicht an. Das Gerät mutet wie ein herkömmlicher, aber zugegeben schicker smarter Lautsprecher an. Uns erinnern die zylindrische Form und die Stoffoberfläche an eine Mischung aus Amazon Echo Plus 2 und Libratone Zipp. Mit 22 Zentimetern Höhe und rund 11 Zentimetern Durchmesser gehört das Gigaset-Modell zu den größeren Exemplaren eines Smart Speakers.

Soundqualität für Musikfans und Vieltelefonierer

Das große Gehäuse bietet immerhin viel Platz für einen kräftige Lautsprecher, die 76 Millimeter durchmisst und 15 Watt Nennleistung bringt. Auf diese Weise will Gigaset einen leistungsstarken Klang gewährleisten, der sowohl Musikfans begeistern als auch Vieltelefonierer nicht zu schnell anstrengen soll. Selbst in größerer Runde wie bei einer Familienkonferenz oder einer geschäftlichen Besprechungsrunde soll hohe Verständlichkeit gegeben sein.

Musikdaten nimmt der Gigaset Smart Speaker L800HX per Aux-Kabel, WLAN ac und Bluetooth 4.1 entgegen. Telefongespräche führt er über DECT und GAP+. Drei Mikrofone mit Richtstrahltechnologie und Geräuschunterdrückung sollen dabei für eine hochwertige Akustik sorgen.

Der Gigaset Smart Speaker L800HX als DECT-Festnetztelefon

Zum Freisprechtelefon wird der Gigaset Smart Speaker L800HX, wenn Nutzer ihn mit einer App von Gigaset und der Alexa-App mit WLAN und einer DECT-Basisstation verbinden. Ein WLAN-Router mit integriertem DECT wie die AVM Fritz!Box ist auch kompatibel. Eine zusätzlicher Verbindungsadapter wie die Echo Connect Box ist dagegen nicht nötig. Als eigenständiges DECT-Gateway fungieren kann der Smart Speaker aber nicht. Er ist stattdessen wie ein weiteres Mobilteil zu verstehen.

Sofern Nutzer ihre Kontakte vom iPhone oder Android-Smartphone mit Alexa synchronisieren, können Sie anschließend Telefonate per Sprachbefehl führen.

Typische Befehle lauten nach dem „Alexa“-Aktivierungswort dann:

  • „Rufe Tom an“
  • „Rufe Nummer 1234567 an“
  • „Annehmen“
  • „Auflegen“
  • „Anruf ablehnen“
  • „.Rufe das Arbeitszimmer an“

Letzerer Befehl ist möglich, wenn einem mit derselben DECT-Basis verbundenem Mobilteil ein entsprechender Name zugeordnet wurde. Haben Nutzer ein Gespräch mit einem Mobil eingenommen, können sie es an den Smart Speaker von Gigaset übergeben.

Gigase Smart Speaker L800HX
Keine Hand frei? Mit dem Gigaset Smart Speaker L800HX lässt sich ein Telefonat einfach per Sprachbefehl führen. Image by Gigaset

Das Telefonbuch von Gigaset-Festnetzmobilteilen übernimmt der Smart Speaker nicht. Mit einem universellen Online-Telefonbuch im Stil von Google Kontakte will Gigaset aber perspektivisch Abhilfe schaffen.

Als Freisprechanlage für Smartphones lässt sich der Lautsprecher ebenfalls nicht einsetzen. Vom Handy überträgt er nur Musik, Podcasts oder ähnliches per WLAN und Bluetooth.

Statt mit Sprachbefehlen können Nutzer den Smart Speaker auch mit den Tasten auf der Deckplatte steuern. Dort lassen sich Anrufe annehmen und beenden sowie Klingeltöne, Gespräche und Musik leiser und lauter stellen. Per Stummtaste deaktivieren Nutzer die Alexa-Mikrofone, wenn sie Privatsphäre wünschen.

Smart Home mit Alexa 

Wie alle Lautsprecher mit Amazons Sprachassistenz hat auch der Gigaset Smart Speaker L800HX vollen Zugriff auf die Alexa-Skills. Dadurch lassen sich alle verfügbaren Musikdienste wie Amazon Music, TuneIn und Deezer abspielen. Auskünfte zum Wetter und zur aktuellen Verkehrslage sind dadurch natürlich ebenfalls am Start.

Gigaset Smart Speaker L800HX Tasten
Statt per Sprache lässt sich der Lautsprecher auch mit den Tasten auf der Deckplatte bedienen. Image by Gigaset

Gigaset möchte mit eigenen smarten Heizkörperthermostaten, Sensoren und Steckdosen auch zunehmend einen Fuß in die Tür von Smart Homes bekommen. Deswegen sieht der Hersteller den Alexa-Lautsprecher als Ergänzung zu seinem wachsenden Geräte-Ökosystem. „Alexa, sag Gigaset, mach das Licht aus“ ist daher ein denkbarer Sprachbefehl für Nutzern von smarten Gigaset-Geräten.

Einen besonderen Mehrwert im Vergleich zu Nutzern von Geräten anderer Hersteller erhalten sie jedoch nicht. Der Smart Speaker bietet letztlich die gleichen Steuermöglichkeiten wie jeder andere Alexa-Lautsprecher. Beispielsweise kann er auch nicht als Gateway für DECT-Heizkörperthermostate von Gigaset fungieren, so wie der Lautsprecher Amazon Echo Plus 2 als Zigbee-Hub verfügbar ist. Hierfür ist weiterhin eine separate Smart-Home-Basis für Gigaset-Geräte nötig.

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Gigaset GS185: Kollege Roboter macht das erste Smartphone „made in Germany“ rentabel

Gigaset GS185 Smartphone-Fertigung

Technisch ist das Gigaset GS185 keine Besonderheit. Im Netzpiloten-Test überzeugt das Einsteiger-Smartphone als ein im besten Sinne unauffälliges Modell zum günstigen Preis für unter 200 Euro. Zum Smartphone-Star der Stunde machen es hingegen Art und Ort der Herstellung. Anders als praktisch alle anderen Mobiltelefone läuft es nicht in Asien vom Fließband, sondern entsteht in einem deutschen Werk. Diese Überraschung gelingt dem kleinen Hersteller, weil er zum großen Teil auf moderne, smarte Roboter und das Internet of Things setzt. Bei einem Werksbesuch in Bocholt nahe der niederländischen Grenze ermöglichte uns Gigaset Einblick in ein Musterbeispiel für die Industrie 4.0 und zeigte uns, wie das erste Smartphone „made in Germany“ entsteht.

Ein kleines Kapitel deutsche Industriegeschichte – ein sehr kleines

Ob Smartphones, Fernseher oder Kameras: Unterhaltungstechnik stammt nur noch ganz selten aus Deutschland. Bei Mobiltelefonen ist das nicht anders. Nokia und Siemens machten ihre Produktion hierzulande vor einem Jahrzehnt spektakulär dicht.

Die inzwischen unabhängige Ex-Tochter von Siemens bricht nun mit diesem Trend. In Bocholt, wo bis 2006 Siemens-Handys ohne Apps und modernes Internet das Werk verließen, baut Gigaset nun das erste Smartphone, dass das Siegel „made in Germany“ zieren darf. Zusätzlich bemerkenswert ist, dass es sich um kein Luxusprodukt handelt, bei dem sich hohe Lohnkosten rechnen, sondern eben ein günstiges Einsteiger-Gerät mit deutlich niedrigerer Marge. Egal wie dieses Pilotprojekt ausgeht, ist Gigaset daher ein Eintrag in der deutschen Wirtschaftsgeschichte sicher. Die Zuversicht ist aber so groß, dass der Hersteller uns am Rande der Werkstour bestätigte, noch im Laufe des Jahres ein zweites Smartphone in Bocholt zu produzieren.

Gigaset Smartphone Verpackungsstation
Rund 2.000 Exemplare des Gigaset GS185 verpacken die Mitarbeiter pro Woche in Bocholt. Image by Berti Kolbow-Lehradt

Trotz allem hebt der kleine Hersteller den weltweiten Smartphone-Markt damit wohlgemerkt nicht aus den Angeln. Denn vorerst verlassen die Fertigungsstrecke auf einer Etage in einem Nebengebäude des Werks pro Woche nur rund 2.000 Exemplare des Gigaset GS185, also etwas über 100.000 Stück pro Jahr. Bei entsprechender Nachfrage ließe sich die Produktion kurzfristig um zwei Schichten und einem Ausstoß von bis zu 6.000 Geräten pro Woche aufstocken. Im Verhältnis zu den 1,5 Milliarden Smartphones, die alle Hersteller zusammen im Jahr 2017 weltweit verkauft haben, ist das jedoch verschwindend gering.

Warum Gigaset das deutsche Smartphone-Experiment wagt

Gigaset verdient sein Geld überwiegend noch mit Festnetztelefonen für Privatkunden. Doch davon verkauft der Hersteller weniger und weniger, weil immer mehr Menschen auch von zuhause aus mit dem Smartphone telefonieren. Stattdessen setzt Gigaset Hoffnung in Sicherheitsprodukte für das Smart Home und mehr noch in Smartphones. Zur Premiere erwies sich High-End-Smartphone Gigaset ME im Jahr 2015 zwar als Flop. Hingegen Einsteiger-Smartphones wie das GS160 oder Mittelklasse-Geräte wie das GS270 und das GS370 finden Gefallen.

Gigasets Smartphone-Geschäft ist jedoch noch ein smartes Pflänzchen. Es droht von den Platzhirschen des Marktes zu zertrampelt werden, wenn der Hersteller nicht eine sichere Nische findet. Daher plant Gigaset sich im Smartphone-Wettbewerb einen Vorteil zu verschaffen, indem der Hersteller großen Mobilfunkprovidern und Händlern ermöglicht, sie ohne große Vorlaufzeit „just in time“ zu beliefern. Holt die Geräte ein Lkw von einem Werk in Deutschland ab, geht das einfacher und flexibler, als wenn asiatische Fabriken erst die Produktion ankurbeln müssen.

Vorteile für Kunden

Schnell und in kleinen Chargen produzieren zu können, versetzt Gigaset zudem in die Lage, Modelle nach Kundenwünschen zu konfektionieren. Großbesteller können schon jetzt Namen auf den Rückseiten eingravieren und eigene Apps auf das Gigaset GS185 aufspielen lassen. Bis diese Form der „Mass Customization“ aber einzelnen Endverbrauchern ermöglicht, ihr Gigaset-Smartphone so individuell zu designen wie etwa einen Sportschuh, braucht Gigaset noch Zeit, das Geschäft auszubauen.

Für Verbraucher am praktischsten an der deutschen Produktion ist aber, dass die Gigaset das GS185 auch in Bocholt repariert. Eine Etage unter der Smartphone-Fertigung beseitigen Beschäftigte Displaybrüche und andere Schäden innerhalb eines Tages. Dadurch müssen Kunden nicht wochenlang auf ein Ergebnis warten. Zudem erhalten sie ihr eigenes Gerät und kein Austauschgerät zurück, sodass alle Einstellungen und installierten Apps dableiben, wo sie waren.

Gigaset Kundenservice Bocholt
Vorteil von „made in Germany“. Gigaset repariert auch Geräte in Deutschland, und zwar innerhalb eines Tages. Image by Berti Kolbow-Lehradt

Der werbepsychologische Vorteil eines Smartphone „made in Germany“ ist laut Unternehmenssprecher Raphael Dörr nur ein Nebeneffekt und war nicht Vater des Gedanken. Nichtsdestotrotz macht sich das Marketing von Gigaset das Siegel gern zunutze und verwendet es auf dem Gerätekarton, Werbeanzeigen und der Webseite.

Ein 100-prozentiges Smartphone „made in Germany“ ist das Gigaset GS185 nicht

Die Bezeichnung „made in Germany“ sollten Käufer nicht auf die Goldwaage legen. Tatsächlich bezieht Gigaset fast alle Komponenten aus Asien. Die Bocholter Mitarbeiter fügen die Bauteile lediglich zusammen. Anschließend installieren sie die Android-Software, testen die Gerätequalität und packen das Smartphone in den Karton, der als einziger Produktbestandteil von deutschen Zulieferern stammt. Nur die Endmontage unterscheidet das GS185 von anderen Gigaset-Smartphones. Diese importiert Gigaset komplett aus Asien.

Die Voraussetzungen für das Siegel „made in Germany“ erfüllt das Gigaset GS185 dennoch. „Über 60 Prozent der Wertschöpfung rund um das GS185 entstehen in Deutschland. Dazu zählt zum Beispiel auch das äußere Design des Geräts und die Konzeption des Produkts, also, welche Funktionen es besitzen soll“ erklärt Jörg Wißing, Leiter Automatisierung bei Gigaset in Bocholt.

Ein vollständig in Deutschland gefertigtes Gerät ist aber utopisch. Beispielsweise bei Displays haben koreanische und japanische Herstellern die Nase uneinholbar vorn. „Ein 100-prozentiges Smartphone ‚made in Germany‘ wird es bis auf Weiteres nicht geben“, betont Jörg Wißing.

Gigaset Jörg Wißing
Gigaset-Smartphones sollen künftig mehr Komponenten aus eigenem Haus enthalten, Leiterplatten etwa. Eine 100-prozentige Fertigung ist dennoch nicht möglich, so Jörg Wißing von Gigaset.

Dennoch will Gigaset die Lücke verkleinern und den Anteil der Wertschöpfung auf 75 Prozent erhöhen. Denn Gigaset verfügt bereits über die Maschinen für die Kunststoff-Gehäuseschalen und für die grünen Leiterplatten. Noch sind diese zwar mit der Produktion für die DECT-Festnetztelefone ausgelastet, für die Smartphone-Fertigung aber bereits umgerüstet. Diese auch dort einzusetzen, wäre attraktiv. Weil die Anlagen soweit automatisiert sind, dass nur noch wenige Arbeitskräfte benötigt werden, kommt Gigaset eine Fertigung damit günstiger, als die Bauteile gegen Aufpreis bei Zulieferern einzukaufen und anliefern zu lassen.

Industrie 4.0: Roboter und Menschen arbeiten am Gigaset GS185 Hand in Hand

Einsteiger-Smartphones in Deutschland zu fertigen, rechnet sich für Gigaset, weil Roboterarme 60 Prozent der Aufgaben übernehmen. Dadurch kommt der Hersteller mit zehnmal weniger Arbeitskräften aus. „Wenn asiatische Auftragsfertiger 20 Menschen am Fließband benötigen, schaffen wir das in Bocholt mit zwei Beschäftigten“, erklärt Jörg Wißing.

Die Roboter übernehmen keinen Fertigungsschritt exklusiv, sondern arbeiten Hand in Hand mit den Beschäftigten. Es handelt sich nämlich um eine neue Generation „kollaborierender Roboter“, die kleiner, beweglicher und interaktiver sind. Sie müssen nicht in Glaskästen gesichert werden, wie ihre Vorgänger in der Festnetztelefon-Produktion.

Im Zusammenspiel erledigen Roboter stark standardisierte und sich wiederholende Tätigkeiten, die menschliche Mitarbeiter ermüden und langweilen würden. Stattdessen kümmern sich die Beschäftigten um komplexere Aufgaben. So greifen Roboterarme die Bauteile vom Vorratsstapel und halten sie in Position, damit die Beschäftigten sie montieren können. Auch die mechanische Qualitätskontrolle der Tasten und des Touch-Displays nimmt Kollege Roboter vor. Ein anderer Fall ist es, wenn die Schutzfolie vom Display zu entfernen oder Kabel in der Gehäuseschale zu montieren sind. Damit kommen menschliche Hände besser klar.

Gigaset Smartphone-Fertigung Bocholt
Diese kleine Fertigungsstrecke genügt für 2.000 Smartphones pro Woche, weil Mensch und Roboter zusammenarbeiten. Image by Berti Kolbow-Lehradt

Teilweise fußt die Smartphone-Fertigung zudem auf Ansätze der Industrie 4.0. So müssen die Mitarbeiter bei einigen Teilschritten nicht eingreifen. Stattdessen kommunizieren die Roboter untereinander über das lokale Netzwerk (Internet of Things), um ihre Aufgaben auszuüben. An einer Station, in der die Bauteile mit bis zu 15 winzigen Schrauben fixiert werden, stimmen sich zwei Roboterarme autonom ab, wer welche Schraube aus dem Vorrat entnimmt. Eine Mitarbeiterin fügt das Smartphone lediglich in die Vorrichtung und entnimmt es wieder.

Trotz der Unterstützung durch Roboter behalten die Mitarbeiter die Oberhand. Sie durchlaufen mit dem Gigaset GS185 alle Fertigungsphasen und bestimmen den nächsten Schritt. Dadurch tragen sie mehr Verantwortung als bei monotoner Fließbandarbeit. 

Gigasets Smartphone-Produktion in Deutschland wird wohl kein Jobwunder

Zu Spitzenzeiten arbeiteten im Bocholter Werk 4.000 Menschen, heute sind es noch über 500. Die Smartphone-Fertigung ermöglicht, Arbeitsplätze zu erhalten, wird aber voraussichtlich keinen Jobwunder den Weg bereiten.

An der Fertigungsstrecke des Gigaset GS185 selbst sind acht Männer und Frauen tätig. Zudem verschafft die Smartphone-Produktion 30 weiteren Menschen in der Produktionstechnik, im Produktdesign, Vertrieb und Kundenservice Aufgaben. Das ist die Größenordnung für menschliche Beschäftigung, für die in einer stark automatisierten Produktion hierzulande noch Bedarf ist.

Gigaset Industrie 4.0 Roboterarme
Industrie 4.0. Diese beiden Roboterarme, die die die Smartphones verschrauben, stimmen sich autonom über das Netzwerk ab. Image by Berti Kolbow-Lehradt

Dennoch stehen die Zeichen auf Wachstum. Die Fertigungsstrecke für das zweite Smartphone-Modell ist schon halb aufgebaut. Daneben bietet die Etage noch Platz für vier weitere Fertigungsstrecken. Mit der Massenproduktion aus vergangenen Jahrzehnten hat das natürlich nichts gemein.

Unser Werksbesuch bei Gigaset verdeutlich daher den neuen Charakter moderner Industrieproduktion. „Made in Germany“ ist im Bereich der Consumer Electronics wieder möglich und verschafft auch kleineren Technologie-Herstellern wie Gigaset Perspektiven im Weltmarkt. Genialer Einfallsreichtum von Erfinderunternehmen und der großflächige Einsatz von Fachkräften wie in vergangenen Zeiten sind dafür aber nicht verantwortlich. Stattdessen sind heute moderne, hochgradig digitalisierte und automatisierte Produktionsmethoden der Schlüssel zum Erfolg.

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Gigaset GS185 im Test: Starker Alltagsbegleiter für unter 200 Euro

Gigaset GS185

Vor kurzem hat Gigaset seine neuen Mittelklasse-Smartphones vorgestellt. Dabei zeigte der Hersteller seine Modelle GS180, GS100 und das GS185 welche schon für wenig Geld erhältlich sind. Um zu sehen, was genau das leistungsstärkste Modell der Reihe – das Gigaset GS185 – alles kann, habe ich das Smartphone in meinen Alltag integriert und es auf Herz und Nieren getestet. Wie das GS185 hergestellt, konnte die Netzpiloten-Redaktion übrigens während eines Werksbesuchs in Bocholt erleben.

Mein erster Eindruck

Nachdem ich das Smartphone aus dem Karton geschält habe, war ich freudig überrascht, denn ich hatte für so ein günstiges Smartphone – was gerade einmal um die 179 Euro kosten soll – nicht so etwas Schickes erwartet. Das Design erinnert an die Modelle von LG und sieht zudem sehr stylisch und elegant aus. Das Smartphone ist in verschiedenen Farben erhältlich: Midnight Blue und Metal Cognac in metallic-farbener Effekt-Lackierung. Mit seinem 5,5 Zoll IPS-Panoramadisplay im 18:9-Format, HD+-Auflösung und einem schmalen Rand, hat es für mich persönlich genau die richtige Größe und lässt sich gut bedienen.

Auf der Rückseite befindet sich ein Fingerabdrucksensor und meiner Meinung nach auf genau der richtigen Stelle, denn so lässt sich das Gerät handlich einschalten. Dieser reagiert zudem auch äußerst schnell. Dennoch kann man einstellen, dass neben dem Fingersensor noch eine andere Entsperrvariante gewählt werden kann, wie beispielsweise ein Muster eingeben oder eine PIN.

Das Einrichten verlief ganz schnell, unkompliziert und ohne Probleme. Das Smartphone läuft mit Android Oreo 8.1 und ist mit einem 425 Quad-Core Prozessor von Qualcomm ausgestattet.

Das Gigaset GS185 im vollen Einsatz

Ich habe das Gigaset GS185 sofort gegen mein altes Smartphone eingetauscht und voll in Betrieb genommen. Das bedeutet die Nutzung von sämtlichen Apps wie unter anderem Google Maps, Spotify, Facebook, oder auch WhatsApp. Auch mit meiner Fitbit konnte ich mich nach anfänglichen Verbindungsproblemen dann schließlich koppeln.

Die Nutzung des Smartphones hat mir von Beginn an sehr gut gefallen. Es lässt sich angenehm bedienen und besonders gut finde ich die Auflösung des Displays mit 1440 x 720 Pixel (HD+), die ich für ein günstiges Smartphone kaum erwartet habe.

Mein Smartphone ist bei mir viel im Einsatz, weshalb es mich umso mehr überrascht hat, wie standhaft der Akku ist. Mit einem 4.000 mAh fassenden Akku mit Fast-Charge-Technologie muss ich das Smartphone viel seltener an den Strom anschließen als ich es bei meinem Sony bisher machen musste. Je nachdem wie sehr ich es beanspruche hält dieser auch mal bis zu drei Tage.

Ein paar Auffälligkeiten gibt es dennoch

Negativ fällt mir allerdings auf, dass nach mehreren Tagen Nutzung das Gerät in allem etwas länger braucht. Drücke ich beispielsweise auf die Power-Taste, dauert es mehrere Sekunden, bis es sich einschaltet. Nachdem ich das Smartphone neu gestartet habe, läuft es allerdings wieder reibungslos und angenehm schnell. Was außerdem auffällt ist auch das ruckelige Verhalten, sobald ich mich auf Facebook herumtreibe. Beim Scrollen ist das Gerät manchmal eher zögerlich unterwegs und braucht seinen Moment, bis es sich wieder gefangen hat. Das ist auch nicht bei jeder Nutzung der Fall, sondern scheint tagesformabhängig zu sein.

Dennoch punktet das Smartphone in anderen Bereichen. Unter anderem macht es mit seiner 13-Megapixel-Kamera Fotos, die für den normalen Alltag absolut in Ordnung sind. Auch an der Frontkamera habe ich nichts zu meckern und selbst hier fand ich die Möglichkeit, auch einen Blitz zu aktivieren, sehr praktisch.

Hat man ein paar schöne Bilder gemacht, kann man diese auch noch bearbeiten. Dafür stellt das Smartphone eine ganze Reihe an Tools zur Verfügung, bei denen man sich ordentlich austoben und die Bilder bearbeiten kann.

Das Haar in der Suppe

Es gab hier und da ein paar kleine Auffälligkeiten, die ich mir bisher noch nicht erklären konnte. Die LED-Anzeige im oberen Bereich des Smartphones wollte irgendwie nicht so reibungslos funktionieren. Jedenfalls nicht bei meiner Web.de-App. Bei WhatsApp blinkt, sofern es nicht anders eingestellt wurde, das LED-Lämpchen normalerweise grün. Bis das so richtig lief, hat es eine ganze Weile gedauert, aber nach langem Hin- und Herstellen klappte es dann.

Bei meiner Mail-App, die üblicherweise gelb blinkt, wollte das einfach nicht ohne Probleme laufen. Anstelle eines gelben Lichts bekam ich vielmehr ein wirres Blinkgewusel in den Farben Grün und Rot. Als es mir nicht gelang, die Ursache dafür zu finden, habe ich mir einen LED-Manager auf das Smartphone geladen, doch auch hier drang die gelbe Farbe einfach nicht durch. Ich entschied mich dann für rot, was, wie sich leider herausstellte, auch die einzige Farbe war, die mir angezeigt wurde.

Ein treuer Alltagsbegleiter ohne viel Schnick-Schnack

Da ich täglich viel Zeit im Auto oder in der Bahn verbringe, höre ich auch dementsprechend viel Musik. Da ist mir ein angenehmer Klang ganz besonders wichtig. In dieser Hinsicht hat mich das Gigaset GS185 nicht enttäuscht. Der Sound ist absolut in Ordnung, bietet aber auch nichts Außergewöhnliches. Für meine täglichen Reisen reicht es jedoch allemal.

Wer Musik nicht via Spotify oder anderen Streaming-Diensten hört, der kann das Smartphone mit einer SD-Karten aufrüsten, falls der interne Speicher von 16 GB nicht ausreicht. Hierfür bietet das Gerät einen Dual-SIM und einen SD-Slot. Hier finden also zwei Dual-SIM-Karten und eine SD-Karte mit bis zu 256 GB Platz.

Für wen geeignet?

Das Smartphone hat seine Stärken und Schwächen und für mich überwiegen ganz klar die Stärken. Um auf sozialen Kanälen unterwegs zu sein, mit den Freunden und der Familie zu kommunizieren, nette Bilder zu schießen oder seine Emails im Blick zu behalten (wenn auch mit rotem Blinklicht) ist das Smartphone für einen Preis von 179 Euro mehr als ausreichend. Es reagiert schnell, hat eine angenehme Größe für diejenigen, die lieber ein größeres Smartphone in der Hand halten und sieht dazu noch sehr stylisch aus. Auch Spiele lassen sich ohne Umstände auf dem Smartphone gut spielen. Der Akku hat einen langen Atem und hält einiges aus.

Ja, das Smartphone weist hier und da ein paar kleine Macken auf, aber für das Geld sollte man eben auch nicht zu viel erwarten. Besonders gut eignet es sich für diejenigen, die nicht den ganzen Tag am Smartphone hängen und nicht den allerbesten Standard erwarten. Als Einsteigergerät empfinde ich es als ebenso gut geeignet. Ich persönlich arbeite viel mit meinem Smartphone und hab mich dabei nicht von den Kleinigkeiten stören lassen, zumal diese auf alle Fälle ausbaufähig sind. Wer also nach einem fähigen Mittelklasse-Smartphone sucht, der ist hier meiner Meinung nach genau an der richtigen Stelle.

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Gigaset GS185: Comeback für ein Smartphone „made in Germany“

Gigaset GS185 Metal Cognac

Die Zeiten, als Siemens Handys in Deutschland fertigte, sind lange vorbei. Der aus Siemens hervorgegangene Hersteller Gigaset will diese Tradition jetzt wieder aufleben lassen. Mit dem Gigaset GS185 stellt das Unternehmen derzeit ein Smartphone im Werk im nordrhein-westfälischen Bocholt her. Das ist eines von einst zwei Werken, aus dem früher Siemens-Handys stammten. Für 179 Euro soll es ab Anfang Juli in den weltmännisch betitelten Farben Midnight Blue und Cognac Blue im Handel erscheinen.

Das Gigaset GS185 soll für das Unternehmen der Auftakt zu einer ganzen Reihe von Produkten mit dem Siegel „made in Germany“ sein und dem Newcomer im Wettbewerb um Smartphone-Kunden einen psychologischen Vorteil bieten. Technisch ist das neue Gerät genauso wie die beiden anderen Modelle GS180 und GS100, die Gigaset heute vorgestellt hat, jedoch wenig aufregend und in der Einstiegsklasse einzuordnen. Wie das GS185 hergestellt wird, konnten wir während eines Werksbesuchs in Bocholt mit eigenen Augen erleben. Ausführlich getestet haben wir das Gerät inzwischen auch. 

Das Erbe der Siemens-Handys

Siemens hatte sich 2005 aus dem Handy-Geschäft zurückgezogen, weil sich die Mobiltelefone nicht mehr so gut verkauften und die Konkurrenz technisch davoneilte. Zwischenzeitlich führte die taiwanesische Firma BenQ die Handy-Fertigung fort, verhob sich damit aber spektakulär und ließ bei der Schließung der deutschen Produktion Ende 2006 einen Scherbenhaufen zurück. Die Handy-Produktion am Standort Kamp-Lintforth machte dicht und ließ tausende Mitarbeiter ohne Arbeitsplatz zurück. Bocholt überlebte, weil dort weiterhin Gigaset-Festnetztelefone das Werk verließen.

Die Marke Gigaset wurde Firmenname und steht unter neuem Eigentümer seit dem Jahr 2015 auch wieder auf Android-Smartphones. Branchenüblich wurden die Smartphones bis dato jedoch in Asien hergestellt. Das nun erfolgende Comeback für Mobiltelefone und die Schaffung neuer Arbeitsplätze in Bocholt hat also auch eine emotionale Komponente.

Roboter machen erschwingliche Produktion am Standort Deutschland möglich

Mehr als um Nostalgie geht es für Gigaset aber natürlich um Kaufmännisches. Produziert Gigaset hier und nicht in Fernost, kann es besser planen, schneller liefern und Großkunden mehr Varianten bieten. Ökologisch ist es natürlich auch sinnvoll, wenn Güter nicht mehr so weit transportiert werden müssen. Zudem ist der Werbeeffekt von Produkten „made in Germany“ gewichtig.

Und was ist mit den Produktionskosten? Dass die Lohnkosten in Asien günstiger sind als hierzulande, kann natürlich auch Gigaset nicht ignorieren. Daher geht die Firma einen anderen Weg und setzt auf eine neue Generation von Fertigungsrobotern. Sie übernehmen viele Aufgaben von Menschen, sodass die Anzahl der Arbeitskräfte in Bocholt überschaubar bleibt. 24 Menschen wird die Smartphone-Fertigung beschäftigen.

Gigaset Bocholt Smartphone Fertigung
Bei der Smartphone-Fertigung in Bocholt unterstützt Robotertechnik menschliche Arbeitskräfte, damit die Kosten niedrig bleiben können. Image by Gigaset

Die Fertigungsstrecke ist mit einer Kapazität von bis zu 6.000 Geräten pro Woche zudem vergleichsweise klein, weil Gigaset nur eines von derzeit fünf Smartphone-Modellen in Deutschland fertigt. Das andere Quartett kommt wie gehabt von Fertigungspartnern aus Asien. Dazu zählen neben den beiden neuen Geräten das GS270 und das GS370.

Selbst das GS185 entsteht nicht komplett in Bocholt. Viele Komponenten werden aus Asien angeliefert, weil sie dort entwickelt und gefertigt werden. Schließlich ist Asien längst nicht nur eine Werkbank, sondern auch ein Technologiestandort. Diese Strukturen kann Gigaset als kleiner Player in der Smartphone-Branche nicht mal eben umwerfen.

Abgesehen davon ist das Investitionsrisiko auch deshalb überschaubar, weil Gigaset sich mit dem technologisch durchschnittlichen Smartphone-Modell GS185 in bekanntes Terrain wagt und keine neuen Produktionsverfahren aus dem Boden stampfen muss.

Deutsche Hausmannskost: Gigaset GS185 mit solider Durchschnittstechnik

Vor diesem Hintergrund bietet das GS185 nicht mehr und nicht weniger als die biederen Leistungsdaten eines Einsteiger-Smartphones. So ist das Display mit einer Diagonale von 5,5 Zoll zwar schön groß und dank des trendigen Seitenverhältnisses von 18:9 auch angenehm kompakt in der Hand zu halten. Mit der Auflösung von 1.440 x 720 Pixeln (HD+) bleibt Gigaset aber am unteren Ende. Weil es sich um ein IPS-Display handelt, ist damit zu rechnen, dass es auch keine Grauschleier bildet, wenn man es von der Seite betrachtet.

Gigaset GS185 Midnight Blue
Das Gigaset GS185 ist zum Preis von 179 Euro ein durchschnittliches Einsteigergerät. Image by Gigaset

Aufgespielt hat Gigaset das aktuelle Android 8.1, ein Update auf Android P ist angesichts der Preisklasse ausgeschlossen. Unter der Haube rechnet der Mittelklasse-Prozessor Snapdragon 425 von Qualcomm, womit Gigaset erstmals nicht zum Zulieferer Mediatek greift. Dem Prozessor zur Seite stehen 2 GB Arbeitsspeicher. Diese Ausstattung ist stark genug für Alltagsaufgaben, aber nicht für aufwendige Spiele oder App-Multitasking geeignet. Zum Speichern von Apps, Musik und anderen Dateien stehen nur 16 GB zur Verfügung, was Nutzer schnell veranlassen dürfte, den Speicher um bis zu 256 GB durch eine Micro-SD-Karte zu erweitern.

In der Kamera-Abteilung lösen die Einheiten vorne und hinten jeweils mit 13 Megapixel auf, wobei die Hauptkamera noch einen Phasenautofokus für schnelleres Scharfstellen an Bord hat. Über 4G-LTE lassen sich die Bilder schnell im Social Web teilen. Ein schlankes Metallgehäuse kann Gigaset zu diesem Preis nicht realisieren. Das Chassis aus Kunststoff ist mit 8,8 Millimetern Dicke eher gut genährt.

Praktisch ist der Fingerabdrucksensor auf der Rückseite, weil er nicht nur das Display entsperren, sondern auch andere Funktionen steuern kann. Aus der Masse heraus sticht das Gigaset GS185 aber vor allem durch den starken Akku. Mit 4.000 mAh bietet er eine größere Kapazität als vergleichbare Smartphones. Weil das Gigaset GS185 zudem über einen Micro-USB-Anschluss mit On-The-Go-Technik verfügt, kann das Smartphone in der Rolle einer Powerbank andere Geräte aufladen.

Gigaset GS100 und Gigaset GS180: Budget-Modelle für Teenager

Parallel zum „deutschen“ Smartphone hat Gigaset zwei weitere Einsteigergeräte angekündigt. Das Gigaset GS180 für 149 Euro ist eine verbesserte Version des GS170 und GS160. Neu ist ein noch günstigeres Einstiegsmodell für 119 Euro – das Gigaset GS100. Beide liegen in punkto Preis und Leistung unter dem GS185. Sie richten sich an Jugendliche mit begrenztem Budget.

Gigaset GS180 Champagne
Das Gigaset GS180 hat im Vergleich zum GS185 einen kleineren Akku und ein kleineres Display. Image by Gigaset

Das GS180 bietet ein 5 Zoll großes HD-Display (1.280 x 720 Pixel) und ein klassisches Seitenverhältnis von 16:9. Das 5,5-Zoll-Display im günstigeren GS100 ist mit 18:9 länglicher und löst auf größerer Fläche nominell etwas höher auf (1.440 x 720 Pixel, HD+). In beiden Fällen handelt es sich um blickwinkelstabile IPS-Displays.

Beide Geräte rechnen mit einem vierkernigen Mediatek-Prozessor, der mit bis zu 1,3 Ghz taktet. Dem GS180 stehen zudem 2 GB Arbeitsspeicher zur Verfügung, dem GS100 nur die Hälfte davon. Für Mailen, Surfen und Social Media ist das ok. LTE-Internet unterstützen beide Geräte.

Beim GS180 löst die Hauptkamera mit 13 Megapixeln auf und schärft mit schnellem Phasenautofokus, die Selfie-Kamera knipst mit 8 MP. Weil das GS180 über einen Fingerabdrucksensor mit Multifunktion verfügt, lässt sich die Kamera über dessen Sensorpad auslösen. Im GS100 sind die Kameras mit 8 und 5 MP aufgelöst.

Gigaset GS100 Lemon Green
Für 119 Euro bietet das Gigaset GS100 nur einfachste Ausstattung aber bunte Gehäusefarben. Image by Gigaset

Das Duo ist jeweils mit 16 GB Nutzerdatenspeicher ausgestattet, der sich per Micro-SD-Karte um 128 GB erweitern lässt. Mit 3.000 mAh ist der Akku beider Geräte kleiner als beim Gigaset GS185, lässt sich aber wechseln. Das teurere Modell GS180 soll über einen für diese Preisklasse überdurchschnittlich lauten und verzerrungsfreien Lautsprecher verfügen.

Die beiden Kunststoffgehäuse sind mit 9 Millimetern in der Tiefe relativ wuchtig, dafür aber schick anzusehen. Das GS180 kommt in den Farbvarianten Silver Grey und Champagne, das GS100 erscheint im Vergleich dazu als bunteres Trio in Graphite Grey, Cobalt Blue und Lemon Green. Beide Geräte starten im Juni in den Handel.

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Gigaset Smart Home: Aktionsbundles öffnen Tür zum intelligenten Wohnen

Gigaset Smart Home

Smart Home für Alle, dachte sich Gigaset, und bringt jetzt vier günstige Aktionsbundles für ein vernetztes Zuhause auf den Markt. Dabei wird Heimautomation ohnehin immer beliebter. Ob smarte Lautsprecher mit virtuellen Assistenten, intelligente Heizungssteuerung oder vernetzte Rauchwarnmelder. Die Verbreitung von Smart-Home-Produkten ist in den vergangenen drei Jahren laut einer Deloitte Studie um bis zu 67 Prozent gestiegen. Demnach ist aber auch jedem Dritten die Anschaffung einer Smart-Home-Lösung noch zu teuer. Das System Gigaset Smart Home will hier punkten.

Mit den vier neuen Aktionsbundles bringt Gigaset nun also ein Smart Home-Angebot, das sich viele Mieter und Eigentümer leisten können. Denn bis 30. September erhalten Kunden für 79 Euro eines von vier Smart-Home-Bundles zum Schutz von Wohnungen und Häusern; das smoke pack, das elementary pack, das security pack sowie das Gigaset plug pack. Jedes Pack besteht aus einer Basisstation und zwei Sensoren und lässt sich entsprechend über die App für Android und iPhone steuern. Zusätzliche Kosten für die sichere Datenspeicherung in der Gigaset Cloud, fortlaufende Software-Updates oder die Nutzung des Systems entstehen nicht. Jedes Pack ist außerdem jederzeit erweiterbar.

Das Rauchwarnmelder Paket: Gigaset smoke pack

Rauchwarnmelder sind in Deutschland mittlerweile Standard und es gibt viele günstige Angebote, die dieser Pflicht genüge tun. Die beiden Rauchwarnmelder aus dem Gigaset smoke pack können aber mehr als die Standardgeräte. Sie warnen nicht nur lokal vor Feuer und Rauch sondern senden via Gigaset Cloud und Smartphone-App auch Nachrichten an jeden Ort der Welt. Das Bundle lässt sich außerdem mit der Gigaset Alarmsirene erweitern, die im Notfall mit rund 100 Dezibel vor Rauch warnt.

Rundumschutz gegen Wasser und Feuer: Gigaset elementary pack

Wer testen möchte, welche Möglichkeiten Gigaset Smart Home gegen Elementarschäden bietet, kann sich mit dem Gigaset elementary pack nicht nur vor Feuer, sondern auch Wasserschäden warnen lassen. Das Paket besteht aus einem Rauchwarnmelder und einem Wassersensor, der sich flexibel in der Wohnung positionieren lässt. Darüber hinaus kann man mit dem Wassersensor die auslösenden Faktoren für eine mögliche Schimmelbildung beobachten, denn der Sensor überwacht auch Temperatur und relative Luftfeuchtigkeit.

Einsteigerpaket für Einbruchsschutz: Gigaset security pack

Kompakten und unauffälligen Schutz gegen Einbrecher soll ferner das Gigaset security pack bieten. Türsensor und Alarmsirene an Wohnungs- oder Balkontüren können unterscheiden, ob eine Tür normal geöffnet oder ein Einbruchsversuch unternommen wird. Die Alarmsirene sollte den Täter verschrecken. Außerdem erhält der Nutzer via Gigaset Cloud ein Push-Notification und ist sofort informiert. Wer besonders viel Wert auf Überwachung legt, könnte das System überdies mit der Gigaset Überwachungskamera oder weiteren Fenstersensoren ergänzen.

Smarte Lichtsteuerung: Gigaset plug pack

Das Gigaset plug pack beinhaltet zwei Schaltsteckdosen, die sich von der Kaffeemaschine bis zur Sofalampe mit nahezu jedem Gerät kombinieren lassen. In Verbindung mit dem Gigaset Regelmanager in der Smart-Home-App lassen sich damit alle möglichen Steuerungskonzepte umsetzen. Gigaset Smart Home ist außerdem mit Amazon und Google, sodass sich das vernetzte Heim auch über Sprachebefehle fernsteuern lässt.

Die Aktionsbundles von Gigaset Smart Home im Überblick

  • smoke pack: Eine Basis und zwei Rauchwarnmelder
  • elementary pack: Eine Basis, ein Rauchwarnmelder und Wassersensor
  • security pack: Eine Basis, ein Türsensor und eine Sirene
  • plug pack: Eine Basis und zwei Steckdosen

Alle Bundles sind während der Aktion bis 30. September zum Preis von 79 Euro im Handel verfügbar. Dort finden sich auch alle anderen Produkte von Gigaset Smart Home.

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