Gigaset GS280 im Test: Ist das Streaming-Smartphone aus Deutschland ein Kauftipp?

Mit dem GS280 will der deutsche Hersteller Gigaset insbesondere Fans von Video-Streaming ansprechen. Für diesen Zweck verfügt das Smartphone über ein großes und hochauflösendes Display sowie einen weit überdurchschnittlich großen Akku. Wie das Mittelklasse-Smartphone Gigaset GS280 im Test abschneidet, habe ich in der Praxis geprüft.

Hardware: starkes Display, langsamer Fingerabdruckscanner

Das GS280 fertigt der Hersteller wie das GS185 im Werk in Bocholt. Daher darf es das Etikett „Made in Germany“ tragen. Um Hightech handelt es sich dabei aber nicht. In puncto Design bietet Gigaset GS280 überwiegend Standardkost. So besteht nur die Rückseite aus Metall, der Rahmen aber aus Plastik. Außergewöhnlich ist die Gehäusefarbe. Mein Testgerät kam in der Farbe „Coffee Brown“. Das ist mal etwas anderes und gefällt mir nach einigen Tagen Nutzung immer noch recht gut. Derzeit gibt es das GS280 noch in Schwarz, später soll das Smartphone auch in einer goldenen Version auf den Markt kommen.

Auf der Vorderseite befindet sich eines der beiden Highlights des Telefons: Das 5,7 Zoll große Full-HD-Display. Dieses bietet eine in diesem Preissegment hohe Auflösung von 2160 x 1080 Pixeln und kommt somit auf eine Pixeldichte von 427 ppi.

Gigaset GS280 Rückseite
Kaffeebraun nennt Gigaset die Farbe dieses Gehäuses. Image by Timo Brauer

Um keinen Platz auf dem Display zu verschwenden, verzichtet Gigaset auf eine Notch und verbaut die Frontkamera sowie diverse Sensoren in dem Rahmen über dem Display. So steht das komplette Display für das Streamen von Videos zur Verfügung.

Zwar kann das Display den 1080p-Standard auflösen, doch durch eine fehlende Widevine-Zertifizierung (L1) können Kunden von Netflix und Amazon Prime Video Inhalte nur mit maximal 720p streamen. Dies macht sich auf einem Smartphone-Display zwar nicht wirklich bemerkbar, bei einem Gerät, das explizit diese Zielgruppe anspricht, wäre diese Unterstützung jedoch wünschenswert.

Auf der Rückseite befindet sich ein Fingerabdrucksensor. Dieser ist leicht in das Gehäuse eingelassen und gut mit dem Finger zu erfühlen. Im Vergleich zu anderen Smartphones ist er jedoch eher langsam.

Akku: läuft und läuft

Das zweite Highlight des Gigaset GS280 im Test ist der 5.000 mAh große Akku. In meinem Test verbrauchten zwei Stunden Streaming von Netflix-Sendungen über WLAN 11 Prozent Kapazität und über LTE 12 Prozent. Diese Werte sind ziemlich gut und werden nur von wenigen Smartphones erreicht.

Aufladen lässt sich der Energiespeicher über das mitgelieferte 18-Watt-Netzteil mit USB-C-Anschluss in ungefähr zweieinhalb Stunden. Auch das ist ein guter Wert.

Als kleines Extra lässt sich das Smartphone unterwegs als Powerbank verwenden, um andere Geräte wie zum Beispiel Kopfhörer mit Strom zu versorgen. Mit meinen Modell Beats Studio 3 hat dies problemlos geklappt.

Leistung: Streaming ohne Wartezeiten

Ein Grund für die gute Akkulaufzeit des Gigaset GS280 dürfte der genügsame Prozessor vom Typ Snapdragon 430 sein. Er verbraucht vergleichsweise wenig Energie. Zusammen mit 3 GB Arbeitsspeicher sorgt der Achtkern-Prozessor dennoch für genug Leistung, um problemlos Full-HD-Videos zu streamen oder alltägliche Aufgaben wie das Browsen im Web oder Senden von Nachrichten zu erledigen. Bei aufwändigeren Anwendungen wie zum Beispiel 3D-Spielen benötigt das Smartphone allerdings die ein oder andere Gedenksekunde.

Kamera: Für Schönwetter-Schnappschüsse

Bei gutem Licht macht die 16-Megapixel-Kamera des Gigaset GS280 im Test brauchbare Bilder. Wie bei allen preisgünstigen Smartphones verrauschen die Aufnahmen jedoch stark, wenn es etwas dunkler wird. Selfies gelingen mit der 13-Megapixel-Frontkamera bei Tageslicht gut. Die Kamera-App ist simpel gestaltet. Auf Features wie eine Bokeh-Simulation oder Nachtaufnahmen verzichtet Gigaset.

Software: Pur und ohne Schnick-Schnack – aber veraltet

Das Gigaset GS280 kommt mit purem Android. Das ist prima für alle, die die Oberflächen der Handy-Hersteller nicht mögen und denen das Betriebssystem von Google so gefällt, wie es ist. Nachteil: Gigaset liefert das Gerät in der nicht mehr ganz aktuellen Version 8.1 aus. Für ein im Februar 2019 vorgestelltes Smartphone wäre Android 9 angemessen – selbst in dieser Preisklasse.

Ein Update auf Android 9 wurde noch nicht bestätigt, sollte jedoch relativ sicher sein. Dennoch hat Gigaset beim Thema Updates keinen guten Ruf. Bei einem Test der Update-Praxis verschiedener Hersteller durch die Stiftung Warentest belegte Gigaset den letzten Platz und erhielt die Bewertung „absolut nachlässig“. Zumindest ein Sicherheitsupdate hat mein Testgerät jedoch erhalten. Wie regelmäßig diese erscheinen, verrät Gigaset allerdings nicht.

Anschlüsse: Klinkenstecker, USB-C und zwei SIM-Karten

An Anschlüssen mangelt es dem Gigaset GS280 nicht. Neben einem modernen USB-C-Port ist auch ein Klinkenstecker vorhanden. So könnt ihr auch eure lieb gewonnenen Kabelkopfhörer anschließen. Der 32 GB große interne Speicher kann mittels einer MicroSD-Karte um bis zu 256 GB erweitert werden. Zusätzlich lassen sich zwei SIM-Karten in dem Gerät verwenden. Man muss sich also nicht wie bei den meisten aktuellen Smartphones zwischen einer zweiten SIM-Karte oder einer Speicherkarte entscheiden. An Funkverbindungen unterstützt das Gigaset GS280 alle gängigen Standards wie WLAN 5 (ac), LTE und Bluetooth 4.2.

Fazit: Nur der Akku des Gigaset GS280 ragt im Test wirklich heraus

Ein Smartphone für Fans von Video-Streaming – das soll das Gigaset GS280 sein. Das ist natürlich ein sehr zugespitztes Produktkonzept. Trotzdem eignet sich das Gerät auch für andere Nutzer, die Wert auf einen großen Akku legen. Dieser konnte mich im Test wirklich überzeugen. Auch das Display ist buchstäblich sehenswert, ragt aber aus dem Wettbewerb nicht heraus. Hingegen die nachlässige Update-Politik von Gigaset trübt den guten Eindruck. Gerade Sicherheitsupdates sollten auf jeden Fall regelmäßig über einen gewissen Zeitraum ausgeliefert werden. Dass das Gigaset GS280 im Jahr 2019 noch mit Android 8 erscheint, ist unzeitgemäß.

Für die gebotene Leistung ist der aufgerufene Preis von 250 Euro meiner Meinung nach etwas zu hoch angesetzt. Wenn das Handy in den nächsten Wochen oder Monaten jedoch im Preis sinkt, ist es auf jeden Fall einen Blick wert. Für 250 Euro gibt es aktuell aber einfach zu viele Smartphones, die insgesamt ein besseres Ausstattungspaket bieten. So kommt beispielsweise das Nokia 7.1 im Test mit aktuellem Android und regelmäßigen Updates oder das Honor 8X mit einem extra-großen Full-HD-Display.

An die Akkulaufzeit des GS280 kommen jedoch beide Alternativen nicht heran. Zu berücksichtigen ist außerdem, dass Gigaset das Gerät im deutschen Werk schneller reparieren kann als andere Hersteller. In den ersten drei Monaten nach dem Kauf repariert er Schäden durch Glasbruch oder Feuchtigkeit sogar gratis.

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Gigaset GS280 Made in Germany
Wie beim Gigaset GS185 findet auch die Montage des GS280 in Deutschland statt. Das hat Vorteile beim Reparieren. Image by Timo Brauer

Images by Timo Brauer

Timo Brauer

beschäftigt sich mit jedem Technikprodukt, das ihm unter die Finger kommt. Besonders Gadgets fürs Smart Home haben es ihm angetan. Wenn er nicht gerade mit Technik herumspielt, ist er auf Reisen - Smartphone und Kamera immer dabei.


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