Smarter heizen: Gigaset Climate und Gigaset Smart Thermostat im Test

Wer ständig vergisst, die Heizung herunterzudrehen oder bei der Rückkehr nach Hause von der Wohlfühltemperatur begrüßt werden möchte – der greift am besten zu smarten Heizkörperthermostaten. Dank Elektromotor, Funkchip und Cloud-Verbindung lassen sie sich fernsteuern oder automatisch aus- und einschalten. Manche Hersteller wie Tado (zum Test) verlangen dafür bis zu 80 Euro pro Thermostat. Geht das nicht günstiger? Doch, zum Beispiel mit Gigaset. Der Telefonhersteller zieht jetzt auch ins Smart Home ein. Dessen Heizkörperregler kostet nur 50 Euro das Stück. Wie gut kann er dem Smart Home einheizen? Um das herauszufinden, hatte ich das Gigaset Smart Thermostat im Test. Und zwar im Zusammenspiel mit dem Raumklima-Sensor Gigaset Climate, der zum Preis von 50 Euro die Heizungssteuerung um eine wichtige Funktion ergänzt.

Erster Eindruck vom Gigaset Smart Thermostat im Test

Gigasets Heizkörperregler fällt mit den Maßen 56 x 68 x 89 Millimeter relativ kompakt aus. Ansonsten ist das Design des weißen Kunststoffgehäuses eher als zweckdienlich denn als ästhetisch zu beschreiben. Die drei Bedientasten lassen sich gut treffen und reagieren präzise. Weil das Display von unten beleuchtet ist, kann ich es auch im Dunkeln angenehm ablesen. Den Motor treiben zwei AA-Batterien an. Wie lange sie im Schnitt durchhalten, nennt Gigaset nicht. Das Ventil verstellt der Motor nicht gerade mucksmäuschenstill aber noch vergleichsweise leise. Die Lautstärke liegt damit auf dem üblichen Niveau der Technik von Zulieferer Eurotronic, die im Thermostat von Gigaset und vielen anderen Herstellern steckt.

Erst die Schaltzentrale, dann das Thermostat montieren

Bevor das Gigaset Smart Thermostat im Test seinen Weg an den Heizkörper findet, muss ich zunächst die Gigaset-Basisstation einrichten. Der kleine Schaltkasten steckt per LAN-Kabel am Internet-Router und leitet als Funkbrücke Steuersignale vom Smartphone per DECT-ULE-Funk an die Heizkörperregler weiter. Startklar mache ich die Basisstation mit der App namens Gigaset Elements, die für den Betrieb einen Cloud-Account bei Gigaset voraussetzt.

Die Gigaset-App ist auch mein erster Anlaufpunkt für die Installation des Gigaset Smart Thermostat im Test. Nachdem ich dieses mit den Batterien aus dem Lieferumfang bestückt habe, findet die App es sofort und fügt es dem System hinzu.

Anschließend folgt die Montage am Heizkörper. Sie geht so schnell wie bei allen Thermostaten. Alten Regler per Hand oder mit der Rohrzange abdrehen, das Gigaset-Modell handfest anschrauben, fertig. Für den Fall, dass das smarte Thermostat nicht auf Anhieb ans Ventil passt, gehören Adapter zum Lieferumfang. Zum Schluss justiert das Gigaset Smart Thermostat im Test die Ventilstellung. Dann ist es einsatzbereit.

Heizpläne einrichten und die Temperatur regulieren

Wie einen normalen Regler kann ich auch das Gigaset Smart Thermostat im Test von Hand bedienen. Per Plus- und Minus-Taste verstelle ich die Temperatur auf das halbe Grad genau oder heize den Radiator mit der Boost-Taste für kurze Zeit aufs Maximum, damit es schnell mollig warm wird.

Doch ich möchte es natürlich etwas smarter und greife daher zur Gigaset-App. Darin lässt sich das Gigaset Smart Thermostat im Test manuell schalten oder mit Heizplänen versehen. Die Browser-Ansicht von Gigaset Elements scheidet als Alternative aus, weil ihr das Menü für die Heizungssteuerung fehlt.

Statt mit Wochenplänen lassen sich die Heizphasen des Gigaset Smart Thermostat im Test nur mit kleinteiligen Regeln programmieren. Das ist umständlich, weil jede Aktion zwei Einträge benötigt. Neben der eigentlichen Regel nämlich auch eine Gegenregel, die die Heizphase zum gewünschten Zeitpunkt wieder beendet. Immerhin kann ich eine Regel auf mehrere Wochentage anwenden, sodass ich nicht für jeden Tag zwei neue Einträge anlegen muss.

Gigaset Smart Thermostat App-Funktionen
Mit der Gigaset-Elements-App das Gigaset Smart Thermostat im Test manuell zu regulieren geht einfach. Doch Heizpläne zu erstellen ist unnötig umständlich, weil es über Regeln und Gegenregeln statt über Wochenpläne geschieht. Images by Berti Kolbow-Lehradt

Generell erfordert die Gigaset-Elements-App eine recht große Lernkurve. Nicht nur wegen der unkonventionellen Heizphasenplanung an sich. Sondern auch, weil smartes Heizen nur eine Anwendung von vielen ist und Gigaset alles unter einen Hut zu bringen versucht.

So manche Einstellung ist nicht auf Anhieb zu finden. Dabei ist der Funktionsumfang gar nicht mal so groß oder gar vollständig. So lässt sich zwar manuell die Standby-Phase aktivieren, wenn man das Haus verlässt. Eine Geofencing-Option, die das automatisch regelt, fehlt jedoch. Auch Urlaubszeiten oder eine Sommerpause sind nicht hinterlegbar.

Andere gängige Funktionen des smarten Heizens lassen sich immerhin mit Zubehör nachrüsten. Etwa die Fenster-Offen-Erkennung durch zusätzliche Fensterkontaktsensoren oder die Offset-Anpassung der Temperatur durch den Raumklima-Sensor namens Gigaset Climate.

In der Raummitte ist es kühler? Automatisch anpassen mit Gigaset Climate

Der kompakte Raumklima-Sensor Gigaset Climate misst die Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Ob es Zeit zu Lüften ist und ob die Heizung auch die Raummitte genug erwärmt, kann ich damit leicht feststellen. Mit einer Kantenlänge von 55 Millimetern und einer Höhe von 27 Millimetern lässt sich der kompakte Sensor recht unauffällig platzieren. Entweder stellt man ihn auf eine Oberfläche oder klemmt ihn in eine Halterplatte und montierte diese an die Wand.

Gigaset Climate mit Gigaset Smart Thermostat
Der Raumklima-Sensor Gigaset Climate ergänzt das Gigaset Smart Thermostat im Test um die Funktion der Offset-Temperaturanpassung. Image by Berti Kolbow-Lehradt

Gigaset Climate ist schnell startklar. Knopfzelle einlegen, nahe an Gigasets Funkschaltzentrale und dann mit der App dem System hinzufügen. Das war es.

Mit dem weißen Kunststoffgehäuse passt Gigaset Climate gut zum Gigaset Smart Thermostat im Test und ergänzt es um eine wichtige Funktion. Denn ob es auf dem Sofa oder am Esstisch warm genug ist, kann der Temperaturfühler des Thermostats nicht feststellen, wenn sich der Heizkörper etwas weiter weg befindet. Der Climate-Sensor kann das schon und teilt die etwaige Differenz mit. Habe ich einen entsprechenden Schieberegler in der App aktiviert, dient künftig der Standort des Gigaset Climate als Maßstab für die Raumwärme. Das Thermostat orientiert sich daran und passt die Heizleistung automatisch an.

Die zweite Funktion des Gigaset Climate geht nicht von selbst, sondern erfordert prinzipbedingt mein Eingreifen. Ob die Luft zu warm oder zu trocken ist, teilt der Sensor zwar per Smartphone-Hinweis mit. Das Fenster muss ich dann aber schon noch selbst zum Lüften öffnen.

Gigaset Climate App-Funktionen
Ist der Schalter im linken Bild unten rechts aktiviert, wird der Raumklima-Sensor zum Temperaturfühler für die Heizung. Außerdem schlägt der Sensor per Smartphone-Hinweis Alarm, wenn die Luft so trocken ist, dass es Zeit zum Lüften ist (siehe Bild rechts). Images by Berti Kolbow-Lehradt

Wie gut sich Gigaset Elements sonst noch erweitern lässt

Die App und Basisstation von Gigaset Elements lassen sich auch für weitere Komponenten des Herstellers verwenden, etwa Sicherheitskameras, Alarmsirenen oder smarte Steckdosen.

Mit Geräten anderer Marken harmoniert Gigaset nicht, obwohl mit DECT ULE ein verbreiteter Funkstandard zum Einsatz kommt. Generell scheint sich der Hersteller mit der Integration in andere Plattformen schwer zu tun. Alexa-Sprachbefehle rüstete er erst mit Verspätung für die Thermostate zur aktuellen Heizsaison nach. An Google Home oder Apple HomeKit ist Gigaset gar nicht anschlussfähig. Mit dem Automationsdienst Conrad Connect ist der Hersteller zwar grundsätzlich kompatibel. Doch in den smarten Thermostaten gibt er nur den Zugriff auf den Batteriestatus frei. Eine herstellerübergreifende Heizungssteuerung ist so aber nicht möglich.

Fazit zu Gigaset Climate und Gigaset Smart Thermostat im Test

Ein optisches Highlight ist das Gigaset Smart Thermostat im Test zwar nicht, aber seine Funktion als fernbedienbare Heizungssteuerung erfüllt es einwandfrei. Das Zuhause am Thermostat oder per App manuell gradgenau temperieren geht mit dem Modell gut und einfach. Die automatische Heizungssteuerung ist aber wegen der komplizierten App nur umständlich zu realisieren. Und an automatische Abläufe mit Geofencing oder Szenen mit Licht- oder Rolllädensteuerung ist gar nicht nicht zu denken.

Wer diese smarten Funktionen nicht braucht, kann seine Heizung vor allem durch Mengenrabatte relativ günstig bestücken. Das Starterset mit zwei Thermostaten und der Basisstation kosten 100 Euro, für einen Dreierpack zusätzlicher Thermostate verlangt Gigaset 140 Euro.

Möchte man allerdings wichtige Funktionen des smarten Heizens nachrüsten, wird es wiederum verhältnismäßig teuer. Der Raumkima-Sensor Gigaset Climate, mit dem sich die Offset-Anpassung für der Temperatur vornehmen lässt, erledigt seinen Job prima, kostet aber mit 50 Euro genau so viel wie der Einzelkauf eines smarten Thermostats.

Geht es nur ums smarte Heizen, ist die Lösung von Gigaset damit weder Fisch noch Fleisch. Für das volle Programm smarter Funktionen lohnt sich dann doch wieder eine besser ausgestattete Alternative wie etwa die von Tado (Provisionslink). Und geht es nur um den Preis, empfiehlt sich ein Blick auf das Modell Eurotronic Comet DECT (Provisionslink), das zum Stückpreis von 33 Euro die Smart-Home-Funktionen einer vorhandenen Fritz!Box mit DECT-Modul nutzt.

Gigaset Heizungs-Starterset (Provisionslink)
Gigaset Climate (Provisionslink)


Images by Berti Kolbow-Lehradt

Berti Kolbow-Lehradt

ist Freier Technikjournalist. Für die Netzpiloten befasst er sich mit vielen Aspekten rund ums Digitale. Dazu gehören das Smart Home, die Fotografie, Smartphones, die Apple-Welt sowie weitere Bereiche der Consumer Electronics und IT. Mitglied des Netzpiloten Blogger Networks.


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