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Die Netzpiloten sind Medienpartner der dmexco 2017

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Sie verspricht Einblicke, spannende Speaker und viele Aussteller: am 13. und 14. September findet wieder die dmexco in Köln statt. Die Digital Marketing Exposition & Conference ist der Treffpunkt für die internationale digitale Branche, Marken, Medien, Agenturen, Influencer sowie Vertreter aus Industrie und Technik und viele Mehr. Der Kongress findet nun schon zum neunten Mal statt.

Auf den ingesamt 15 Bühnen stellen Unternehmen digitale Trends vor, egal ob Startup oder CEOs führender Unternehmen. Über 570 Speaker werden in den acht Formaten erwartet. Dieses Jahr unter dem Motto: Lightening the Age of Transformation. It’s not a Trend – it’s a Movement!

Die Digitale Transformation ist ein fortlaufender Prozess

Themen die unter diesen Bereich fallen sind zum Beispiel das Internet of Things, zunehmende Automatisierung, die Entwicklung von künstlichen Intelligenzen oder auch der Einsatz von Virtual Reality für alle. Aber was wäre eine digitale Transformation ohne die treibende Kraft dahinter: der digitalen Branche. Und so stellen die Speaker ihre Ideen und Vorschläge für die Zukunft in diesen Formaten vor:

  • Congress Hall:
    Hier ist der Ort für Keynotes, Interviews und Panels. Die Congress Hall wird der Mittelpunkt der Veranstaltung werden und spannende Insights zu allen aktuellen Themen und Trends geben. Dieses Jahr hat die dmexco erneut ein hochkarätiges Programm an Speakern zusammengestellt, unter anderem mit Sheryl Sandberg, CCO von Facebook, Jack Dorsey, CEO von twitter, Marc Pritchard, CBO von Procter & Gamble, Claudia Willvonseder CMO IKEA Global und dem ehemaligen ESA Astronaut Dr. Thomas Reiter.
  • Debate Hall
    Nah am Geschehen können Zuschauer in dieser Diskussionsarena Debatten zu aktuellen Themen verfolgen und sogar mitgestalten. Mit einem Voting Tool diskutiert das Publikum live mit.
  • Motion Hall
    Im letzten Jahr feierte die Motion Hall ihre Premiere, jetzt gehört sie schon zum festen Programm. In der Motion Hall dreht sich alles um die führenden Videoproduzenten, Bewegtbildtrends und innovative Marketingmöglichkeiten. In diesem Jahr wird es erneut 13 Casestudies geben zu internationalen Unternehmen, unter anderem CNN, Facebook, RTL, National Geographic, Walt Disney Company und YouTube.
  • Experience Hall
    Hier steht das Verbrauchererlebnis im Mittelpunkt. Hier treffen Visionäre und Vordenker zusammen um über die Zukunft zu sprechen. Unternehmen und Marken stellen innovative Kommunikationsmöglichkeiten und Technologien vor und berichten von ihren Erfahrungen. So können Trends veranschaulicht werden.
  • Außerdem:
    Über 100 Seminare, Work Labs, das Speakers Forum und das Startup Village für Business Pitches, Case Studies und nahen Austausch mit Unternehmen wie: Amazon, Facebook, Spotify, ebay, ProSiebenSat.1 Media, CNN, Snapchat, Gruner +Jahr, Twitter, Mozilla, BILD, Nestlé, BBC World News oder Google.

Dabei sein

Abends hat die dmexco ebenfalls ein Programm aufgestellt, mit der offiziellen dmexco Pure Partyin der Wolkenburg in der Kölner Innenstadt oder verschiedenen Standparties. 

Egal ob junger Unternehmer oder etabliertes Unternehmen, die dmexco hält für jeden etwas bereit. Alle die dabei sein wollen, können sich hier bis zum 29. August noch Frühbuchertickets sichern, danach geht der Verkauf in die nächste Preisstufe. Wir wünschen euch viel Spaß.

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Die Netzpiloten sind Partner des EBSpreneurship Forum

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Am 15. und 16. September findet nun schon zum 8. Mal das EBSpreneurship Forum statt. Es ist der größte von Studenten organisierte Kongress mit dem Schwerpunkt Gründerwesen. Investoren, Gründer und Studenten treffen auf dem Event aufeinander, dass auf dem Campus der EBS Universität im Rheingau stattfinden wird. Auf dem Programm stehen dieses Jahr wieder Panel Diskussionen, Keynotes von Unternehmern und eine Pitch Challenge.

Die vier Elemente des Forums

  • Speaker, Panels und Workshops:
    Eingeladen sind dieses Jahr wieder viele Gründerpersönlichkeiten, die von ihren Erfahrungen, Berufswegen und ihren Unternehmen erzählen unter anderem Ferry Heilemann (CEO FreightHub), Sebastian Diemer (CEO bezahlt.de) und Marcus Börner (Founder ReBuy). Ein weiteres Highlight wird die EBSpreneurship Idea Challenge, in dem Teilnehmer ihre Idee pitchen können und attraktive Preise gewinnen können.
  • EBSpreneurship Village
    Unternehmen presentieren ihre Produkte und Services. Für Interessierte oder Investoren eine Möglichkeit einen Einblick zu bekommen und mit jungen Unternehmen in Kontakt zu treten.
  • Exklusive Interviews
    Teilnehmern des Forums wird die Möglichkeit gegeben an exklusiven Interviews teilzunehmen. Diese Gespräche sind entweder zwischen Partnern oder auch anderen Teilnehmern der Konferenz.
  • Speed Networking
    Gründer und Investoren können sich in einer etwas anderen Art des Speed Dating in schnellen Runden kennenlernen und vernetzen. Ideen können diskutiert oder Geschäftsideen verhandelt werden. Besonders für junge Unternehmer mit großen Ideen ist das eine Chance, die man nicht verpassen sollte.

Warum dabei sein?

Das EBSpreneurship Forum richtet sich an alle, die Gründerluft schnuppern wollen, erfolgreiche Unternehmer und Investoren als Redner und in Workshops erleben möchte. In dem Zwei-Tages-Ticket sind außerdem Übernachtung bei einem Studenten vor Ort, Verpflegung, Shuttle Services und Eintritt zur Aftershow Party enthalten. Alle Informationen zu den verschiedenen Tickets sind hier zu finden. Wer sich vorab ein Bild von der Veranstaltung machen möchte, kann sich hier den Aftermovie vom letzen Jahr anschauen.

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Die Netzpiloten sind Partner der Jugendmedientage 2017

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In München finden vom 02. bis zum 05. November die Jugendmedientage 2017 statt. Das diesjährige Motto lautet „Behind the Scenes“. Die Teilnehmenden erwarten spannenden Diskussionen, Medientouren, Erzählcafés sowie praxisnahe Workshops und darüber hinaus intensives Netzwerken mit Medienprofis und Gleichgesinnten. Die Jugendmedientage werden seit 2002 von der Jugendpresse Deutschland, dem Bundesverband junger Medienmacher, in immer wechselnden Städten veranstaltet.

Hinter dem Motto verbirgt sich die Mission, hinter die Kulissen zu schauen und Vorhänge zu lüften. Einige Fragen, die wegweisend für den Kongress sein werden, sind: Sind wir noch Puppenspieler in der eigenen, medialen Welt oder zappeln wir bereits am Ende der Strippe herum? Wer zieht wie die Fäden? Was für Zukunftsvisionen gibt es? Und was für eine Rolle spielt Populismus im Medienbereich?

In Zeiten von alternativen Fakten

Laut Oskar Vitlif, Bundesvorstand der Jugendpresse Deutschland, sind Fake-News, alternative Fakten und stetig sinkendes Vertrauen in die Medien Entwicklungen, denen wir uns stellen müssen. Eine Möglichkeit, um das zu tun, ist Transparenz. Er freue sich daher sehr, „mit den Jugendmedientagen 2017 nach München zu kommen, um an einem der wichtigsten Medienstandorte Deutschlands gemeinsam mit den Teilnehmenden hinter die Kulissen der Medienlandschaft zu blicken.

Zu den Speakern, auf die ihr euch freuen könnt, gehören:

Die Location ist die Berufsoberschule Wirtschaft München (BOS).

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Kinder und Smartphones: Keine Angst vor der Technik!

Kind (adapted) (image by NadineDoerle [CC09 via pixabay)

Sollten einige besorgte Eltern Recht bekommen, wird Colorado einer der ersten US-Staaten sein, in dem der Verkauf von Smartphones an Kinder unter 13 Jahren verboten ist. Nachdem ein Vater aus Colorado einen, wie er es nannte, gewaltsamen Ausbruch eines seiner Söhne erlebte, nachdem diesem das Smartphone abgenommen wurde, engagierte er sich in der Gründung einer neuen Lobby: Eltern gegen Smartphones für Minderjährige (im Original: „Parents Against Underage Smartphones“, kurz PAUS). Die Gruppe bietet eine reichhaltige Sammlung an Untersuchungsmaterialien zu den negativen Effekten von Smartphones auf Kinder.

Dieses Engagement erscheint wohlmeinend und als Unterstützung einer gesunden, kindlichen Entwicklung. Von meiner Perspektive aus, als Medien-Psychologe mit Grundlagenwissen zum Nutzen und Auswirkungen von Kommunikationstechnologie, wirkt es so, dass die Sorgen der Gruppe in ein bekanntes Muster unbegründeter Furcht vor neuen Technologien hineinpassen. Menschliche Innovationen entwickeln sich in einem so rapiden Tempo, dass das Verständnis vieler Menschen nicht mit all den neuen Dingen und ihren Eigenschaften mithalten kann. Das Resultat ist ein Gefühl moralisch geleiteter Panik im Angesicht möglicher negativer Effekte auf die Menschen und die Gesellschaft.

Wie wir bereits aus der Sexualerziehung wissen, kann man sich nicht vor negativen Konsequenzen fernhalten, indem ein Thema mit Angst und Vermeidung besetzt wird. So wird der Ratschlag, als Teenager sexuell abstinent zu leben, keine Teenager-Schwangerschaften verhindern. Stattdessen steigen sogar die Fallzahlen. Moralisch begründete Panik in Bezug auf Technologie führt zu einer ähnlichen Vermeidungsstrategie, statt Auseinandersetzung und Verständnissuche im Umgang mit den heutigen Innovationen zu fördern. Die Sorge von Eltern und Gruppen wie der PAUS sind legitim, aber ihre Konsequenz sollte nicht die Verbannung moderner Technologie sein. Besser wäre es, Kinder und Erwachsene arbeiten gemeinsam an einem Verständnis der Innovationen und einer produktiven Umgangsweise.

Eine Geschichte von Technologie und Angst

Eines der frühesten Beispiele einer moralischen Technik-Panik findet sich in Sokrates‘ Ausführungen über die Schrift. In seiner „Phaedrus-Vorlesung“ – die uns ironischerweise schriftlich überliefert wurde – formuliert der griechische Philosoph, dass das geschriebene Wort für eine Loslösung von mündlichen Quellen und Informationen sorgen würde, und dass die Schreibfertigkeit über kurz oder lang das menschliche Gedächtnis schwächen würde. Diese Ängste mögen heutzutage unsinnig erscheinen, aber in einer Zeit, in der systematische Argumente und Debatten wichtige Werte der Gesellschaft waren, fanden sich hier die nennenswerten Kritikpunkte.

Um 1790 hatte die Gesellschaft Angst, dass die damals populären Abenteuerromane die Kinder lesesüchtig machen würden, statt dass diese ihre Hausarbeiten erledigten. In den 1920er Jahren gab es die Sorge, dass Kreuzworträtsel zu Analphabetismus führen würden. Um die 70er wurde das Videospiel „Death Race“ von Kritikern als „Mordsimulator“ betitelt, dadurch wurde eine andauernde Debatte zu Killerspielen losgetreten, die angeblich Gewalt verherrlichen würden.

Eine soziale Einstellung zur Technik wird selten durch direkten Kontakt oder eigene Erfahrung geformt. Sie stammen vielmehr aus Medienberichten, von Lehrern, Eltern und aus Hollywood. Dabei ist unsere Wahrnehmung von technischen Bedrohungen oft durch sensationsheischende Geschichten statt tatsächlicher Zusammenarbeit und Verständnis beeinflusst. Smartphones erscheinen hierbei als besonders schwer einschätzbar, auch weil das einzelne Gerät eine Vielzahl an Fähigkeiten und Möglichkeiten aufweist – sowohl gute als auch schlechte.

Panikmache und echte Probleme unterscheiden lernen

Eine gewisse Skepsis im Umgang mit Technik ist wichtig, so dass man sie nicht missbrauchen kann – beispielsweise kann man Röntgengeräte nutzen, um die Schuhgröße herauszufinden. Tatsächlich argumentiert der Philosoph Philippe Verdoux, dass technologischer Fortschritt eine desaströse Entwicklung wahrscheinlicher macht. Wie besorgniserregend Verdoux Warnung jedoch auch sein mag, er rät nicht dazu, die Innovationen komplett zu vermeiden. Stattdessen schlägt der Philosoph vor, ein tiefergehendes Verständnis für Nutzen und Potential der Neuentwicklungen zu entdecken – sowohl im schlechten als auch im guten Sinne.

Eine Panik aus moralischen Gründen hingegen wird durch die Vermeidung jeglichen technologischen Fortschritts als Lösung suggeriert. Diese Abstinenz mag manche Folgen verhindern, zwangsweise nimmt es den Menschen jedoch auch den Vorteil technologischer Innovationen. Zum Beispiel können Kinder und Jugendliche ihre Smartphones nutzen, um ihre schulischen Leistungen zu ergänzen. Des Weiteren nutzen vor allem junge Menschen die Geräte für zwischenmenschliche Kommunikation. Auch spielt die Sicherheit eine große Rolle: Im Angesicht von Amokläufen an Schulen werden Smartphone-Verbote oftmals aufgehoben und die Schüler dazu angehalten, ihre Telefone zu nutzen, sollten Notfallsituationen entstehen.

Technik sicher nutzen

Anstelle eines Komplettverbotes von Technik ist es ratsam, einen vorsichtigen Umgang zu erlernen. Für Kinder sollte dies unter elterlicher Anleitung stattfinden. Die amerikanische Akademie der Kinderärzte rät zu einem begrenzten Zugang zu Computer, Smartphone oder Fernsehen. Eltern wird auch statt eines Komplettverbotes geraten, gemeinsam mit ihren Kindern den Umgang mit Smartphones und anderen Geräten zu lernen.

Die moralische Panik und die Ablehnung einer Annäherung durch Lernen sorgt für Missverständnisse und Befremdung. Die sogenannten „Millenials“ verstehen die Technik, die sie umgibt, oft nicht so tiefgehend, wie ihnen gern zugeschrieben wird. Dies würde erklären, warum sie sich teilweise unsicherer im Internet bewegen als so manch älterer Erwachsener. Diese Wechselwirkung beruht auf Untersuchungen über die Korrelation von Angst und sozialen Überzeugungen: Die extreme Konzentration auf mögliche Bedrohungen ohne dabei die Möglichkeiten zu durchleuchten, führt zu Panik statt von Fortschritt.

In Bezug auf Smartphones wäre es verwunderlich und schlichtweg falsch, Kindern den Umgang mit Geräten zu verbieten, die ihre Generation bestimmen. Außerdem würde es sie in ihrer Vorbereitung auf ein digitales, informationsgesättigtes Leben und Arbeiten im 21. Jahrhundert behindern.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Kind“ by NadineDoerle (CC0 Public Domain)


The Conversation

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Das Netzwerkdurchsetzungsgesetz ist kurzsichtig und gefährlich

Zensur (adapted) (Image by stevepb [CC0 Public Domain] via pixabay)

Das kürzlich verabschiedete Netzwerkdurchsetzungsgesetz soll der effektiveren Bekämpfung von strafbaren Inhalten wie Fake News und Hate Speech in sozialen Medien und Kommentarspalten dienen. Während dies jedoch ein lobenswertes und wichtiges Ziel ist, ist das Endresultat, das eigentliche, nun verabschiedete Gesetz, ein höchst bedenkliches und problematisches Werk. Es steckt voller handwerklicher Schwächen und – versehentlicher oder gewollter – Unklarheiten. Zudem kommen Infrastruktur-Betreiber in eine Position, die sie, in ihrem eigene Interesse wie dem der Allgemeinheit, nicht haben sollten.

Ein Gesetz gegen Hass und Fake News

Das Netzwerkdurchsetzungsgesetz oder „Gesetz zur Verbesserung der Rechtsdurchsetzung in sozialen Netzwerken“ soll die Bekämpfung von strafbaren Äußerungen in sozialen Netzwerken und anderen Online-Diskussionsplattformen erleichtern. Insbesondere richtet sich das Gesetz gegen hasserfüllte, diskriminierende und verhetzende Äußerungen („Hate Speech“) sowie bewusste, manipulative Falschaussagen („Fake News“).

Wie viele Sicherheitsgesetze der letzten Zeit (darunter das neue Staatstrojaner-Gesetz) wurde auch das Netzwerkdurchsetzungsgesetz mit wenig öffentlicher Diskussion und zudem kurz vor der Sommerpause verabschiedet. Eine kritische Auseinandersetzung mit dem Gesetzesentwurf fand so kaum statt.

Eine problematische Diskussionskultur

Einige der im Gesetzesentwurf angebrachten Punkte sind durchaus richtig und bedenkenswert. So ist es leider tatsächlich zu beobachten, dass sich die Diskussionskultur im Internet in den letzten Jahren deutlich verschlechtert hat und viele beleidigende oder sogar verhetzende Aussagen ihren Weg auch auf Mainstream-Plattformen finden. Im Sinne des sozialen Friedens sollte für diese Problematik eine Lösung gefunden werden.

Auch auf die Verlässlichkeit von Nachrichten und scheinbar faktenbasierten Aussagen kann man sich häufig nicht verlassen. Von Beginn an fanden sich im Internet neben hilfreichen Wissensquellen auch Falschmeldungen, Hoaxes und wilde Verschwörungstheorien. In den letzten Jahren hat diese Problematik jedoch eine neue Qualität angenommen. Staatliche oder anderweitig politisch motivierte Akteure verbreiten ganz bewusst Falschaussagen und Propaganda, die sich als sachliche Berichterstattung tarnen, sogenannte „Fake News“. Für Laien ist der Unterschied oft kaum zu erkennen. Auch dieses Problem harrt einer Lösung.

Gefahr einer Überregulierung

Während jedoch die dem Netzwerkdurchsetzungsgesetz zugrunde liegende Problematik durchaus zutreffend beschrieben wird, ist die durch das Gesetz präsentierte „Lösung“ des Problems von der denkbar schlechtesten Sorte. Das Gesetz sieht vor, dass den Betreibern sozialer Netzwerke eine kurze Frist – 24 Stunden bei „offensichtlich strafbaren“ Inhalten, eine Woche bei weniger klaren Fällen – eingeräumt wird, problematische Inhalte zu löschen. Kommen sie dieser Pflicht nicht nach, drohen empfindliche Bußgelder.

Innerhalb dieser kurzen Frist ist es kaum möglich, jeden Fall einzeln mit der gebotenen Sorgfalt zu prüfen. Das gilt umso mehr, als es ja die Betreiber der Infrastruktur sind, die diese Prüfung vornehmen müssen. Ihnen fällt somit eine Rolle zu, die niemals vorgesehen war. Einerseits bedeutet das für die Diensteanbieter eine große zusätzliche Belastung, die nichts mit ihrer eigentlichen Aufgabe, nämlich eine Plattform bereitzustellen, auf der andere Menschen sich austauschen können, zu tun hat. Andererseits bringt es sie in eine unpassende Machtposition. Über die Strafbarkeit von Inhalten sollte normalerweise ein Richter entscheiden, nicht irgendein Angestellter eines Online-Diensteanbieters. Natürlich können und dürfen Plattform-Betreiber unerwünschte Inhalte löschen – sie dürfen dabei aber nicht, wie es mit dem neuen Gesetz der Fall sein wird, unter massiven Druck von außen kommen.

Ein wahrscheinliches Szenario, das auch viele Kritiker bereits angesprochen haben, ist, dass die Provider auf Nummer sicher gehen wollen. Um keine problematischen Inhalte zu übersehen und dafür belangt zu werden, könnten sie einfach alle auch nur potentiell anstößigen oder kontroversen Äußerungen löschen. Es ist bekannt, dass viele Unternehmen, wenn sie politischen Druck fürchten, in vorausschauendem Gehorsam auch legale, aber umstrittene oder politisch missliebige Inhalte löschen. Ein ähnliches Verhalten als Reaktion auf das Netzwerkdurchsetzungsgesetz ist also durchaus nicht unwahrscheinlich. So aber wird eine der großen Stärken des Internet, die Möglichkeit einer offenen, kontroversen Diskussion, stark beschnitten und somit das Potential des Mediums, Freiheit und Demokratie zu fördern, massiv eingeschränkt.

Ein hoher Preis für fragwürdigen Erfolg

Das Netzwerkdurchsetzungsgesetz ist, wie so viele deutsche Gesetze der letzten Jahre gerade im Bereich der Telekommunikation, kurzsichtig und gefährlich. Es versucht ein reales Problem durch ungeeignete und dabei übermäßig restriktive Maßnahmen zu lösen.

Eine alternative Patentlösung für den Umgang mit Hate Speech und Fake News gibt es nicht. Allerdings existieren sehr wohl einige lobenswerte Ansätze, die dabei die Meinungsfreiheit ungefährdet lassen. So erzielen einige Aktivistinnen und Aktivisten im Umgang mit Hate Speech gute Ergebnisse mit sachlicher, höflicher Gegen-Argumentation. So werden zwar selten die geistigen Brandstifter, aber in vielen Fällen doch die mitlesende, noch unsichere Mehrheit erreicht. Auch eine Strafverfolgung derartiger Äußerungen kann natürlich eine sinnvolle Antwort sein – aber unter Einhaltung rechtsstaatlicher Prinzipien und ohne Zensur oder eine verdachtsunabhängige Überwachung heranzuziehen. Gegen Fake News hilft Aufklärung und die Vermittlung von mehr Medienkompetenz, verbunden womöglich mit Einrichtungen wie einem Rating-System für die Verlässlichkeit bestimmter Quellen. Auch der im Netzwerkdurchsetzungsgesetz geforderte neue Posten eines Ansprechpartners, bei dem problematische Inhalte gemeldet werden können, ist eine gute Idee. Last but not least gilt es natürlich auch, die sozialen Probleme anzugehen, die derzeit eine Reihe von Menschen zur Flucht in dumme und hasserfüllte politische Positionen treiben.

Die genannten alternativen Lösungen können das Internet zwar nicht auf magische Weise von seiner problematischen Diskussionskultur befreien. Das aber wird das Netzwerkdurchsetzungsgesetz auch nicht. Dafür zahlen wir für die scheinbare Verbesserung, die das Gesetz bringt, den Preis einer problematischen Zensur-Infrastruktur, die das Potential hat, die Meinungsfreiheit im Netz massiv einzuschränken.


Image (adapted) „Zensur“ by stevepb (CC0 Public Domain)


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Staatstrojaner auch bei Alltagskriminalität?

Handschellen (adapted) (image by 3839153 [CC0] via pixabay)

Das neue Staatstrojaner-Gesetz – wieder einmal mit möglichst wenig öffentlicher Aufmerksamkeit durch die Gremien gewunken – ist ein höchst bedenklicher Eingriff in die Grundrechte. Der Einsatz invasiver und potentiell gefährlicher Schadsoftware soll demnach auch bei einer ganzen Reihe alltäglicher Straftaten zulässig sein, nicht mehr nur bei schwerer und schwerster Kriminalität. Dieses Vorgehen ist ein weiteres Beispiel dafür, wie Überwachungsmaßnahmen erst mit Verweis auf Ausnahmesituationen und schwere Verbrechen eingeführt und dann “durch die Hintertür” ausgeweitet werden.

Ein weiteres problematisches Überwachungsgesetz

Die aktuelle schwarz-rote Bundesregierung hat mit der Vorratsdatenspeicherung und dem BND-Gesetz bereits zwei extrem problematische Überwachungsgesetze verabschiedet. Nun, kurz vor dem Ende der Legislaturperiode, kommt ein drittes hinzu. Es soll den flächendeckenden Einsatz sogenannter Staatstrojaner erlauben. Darunter versteht man Schadsoftware, die von den Behörden gezielt auf den Geräten Verdächtiger installiert wird, um dort Daten abzugreifen.

Mit dem neuen Gesetz soll der Staatstrojaner-Einsatz immer dann erlaubt werden, wenn auch eine reguläre Telekommunikationsüberwachung – also beispielsweise ein Abhören des Telefons – zulässig wäre. Der Straftatenkatalog für diese Maßnahme ist sehr groß und umfasst unter anderem Betrug, Hehlerei und Bestechung.

Beschluss im stillen Kämmerlein

Die Verabschiedung des neuen Gesetzes fand weitgehend ohne öffentliche Diskussion statt. Das ist von der Regierung offensichtlich so gewollt. Die neue Regelung wurde erst diskret in einem vollkommen anderen Gesetzesentwurf versteckt und auch später kaum öffentlich diskutiert. Wie so oft bei derartigen Überwachungsgesetzen will sich die Bundesregierung offenbar keiner kontroversen Diskussion stellen.

Ein doppeltes Risiko für die Privatsphäre

Ein Staatstrojaner-Einsetz ist ein großer Eingriff in die Privatsphäre. Diese wird nicht nur durch die Ermittlungsbehörden kompromittiert. Das Installieren einer Schadsoftware auf dem betreffenden Gerät – meist entweder ein Computer oder ein Mobilgerät wie Smartphone oder Tablet – reißt zudem potentiell gefährliche Sicherheitslücken auf, durch die auch unbefugte Dritte leichter Zugriff auf private Daten haben. Das gilt auch, wenn die Schadsoftware keine gespeicherten Daten auf dem Gerät abgreift, sondern „nur“ im Rahmen einer sogenannten Quellen-Telekommunikationsüberwachung eingesetzt wird. Bei dieser Überwachungs-Variante wird der Staatstrojaner dazu eingesetzt, Anrufe und Textnachrichten des oder der Verdächtigen direkt auf deren Gerät mitzulesen, bevor diese übertragen und dabei verschlüsselt werden.

Untergraben der Grundrechte durch scheinbaren Ausnahmezustand

Das Vorgehen der Bundesregierung beim Staatstrojaner ist ein weiteres Beispiel dafür, wie Überwachungsmaßnahmen schrittweise und über den Umweg eines scheinbaren Ausnahmezustands eingeführt werden. Zunächst sollte diese Maßnahme laut Gesetz lediglich der Bekämpfung von schwerer und schwerster Kriminalität, beispielsweise von Terrorismus, dienen. Selbst, wenn dies nötig und effektiv gewesen wäre – worüber sich sicher streiten lässt – wäre der verantwortungsvolle Kurs gewesen, die Maßnahme immer wieder transparent zu überprüfen, um festzustellen, ob diese Notwendigkeit nach wie vor besteht, und sie abzuschaffen, sobald die Überwachung sich als überflüssig oder unverhältnismäßig herausstellt.

Stattdessen geschah – wieder einmal – das Gegenteil. Eine ursprünglich für den Notfall vorgesehene, äußerst invasive Überwachungsmaßnahme wurde stillschweigend auf eine ganze Reihe von Verbrechen, darunter auch eher alltäglicher Missetaten, ausgeweitet. Nicht nur steht dabei die Verhältnismäßigkeit der Maßnahme massiv in Zweifel. Es ist auch davon auszugehen, dass eine externe Prüfung und Kontrolle (etwa durch eine Richterin oder einen Richter) bei solchen Fällen angesichts von deren Häufung flüchtiger ausfällt als bei wenigen Einzelfällen, was wiederum die Gefahr eines Missbrauchs erhöht.

Schon seit Jahren ist dieser Trend in Deutschland – wie auch vielfach im Rest Europas und in den USA – zu beobachten. Problematische Sicherheitsmaßnahmen werden mit Verweis auf Ausnahmesituationen eingeführt, aber niemals zurückgenommen, sondern schrittweise und häufig ohne öffentliche Diskussion auf weitaus alltäglichere Situationen ausgeweitet.

In der Summe sorgt dieser ständige Ausnahmezustand für eine schrittweise Einschränkung der Grundrechte. Aufgrund der mangelnden öffentlichen Diskussion und des graduellen Charakters wird dies häufig kaum wahrgenommen. Mitunter werden sogar diejenigen, die davor warnen, als panische Bedenkenträger diffamiert. Doch die Gefahr ist real und sollte, beim Staatstrojaner wie bei ähnlichen Maßnahmen, entschlossen bekämpft werden.


Image (adapted) „Handschellen“ by 3839153 (CC0 Public Domain)


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Die Netzpiloten sind Partner der CUBE Tech Fair

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Die CUBE Tech Fair feiert vom 10. Bis zum 12. Mai 2017 Premiere in Berlin. Bei der Veranstaltung handelt es sich um eine Weltausstellung der Moderne. Prominente Gäste werden bei der Eröffnung dabei sein, darunter Apple Co-Founder Steve Wozniak, US-Schauspielerin Robin Wright und Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries. Ab 2018 wird die CUBE Tech Fair jedes Jahr in der Hauptstadt stattfinden.

Im Vorfeld der Veranstaltung konnten sich 200 der weltweit innovativsten Startups qualifizieren, um ihre Ideen einem geladenen Publikum zu präsentieren. Die Firmen kommen aus dem B2B-Bereich, unter anderem aus den Branchen Digital Health & Life Sciences, Infrastructure & Interconnectivity sowie Machinery & Manufacturing. Weiterhin sind auf der CUBE Tech Fair über 200 Konzerne auf C-Level vertreten, außerdem 100 internationale Journalisten und Blogger sowie insgesamt rund 3.000 Gäste.

Innovatives Live-Programm

Auf dem Programm stehen Vorträge, Diskussionsrunden und Interviews mit internationalen Experten aus Industrie 4.0, der Digitalbranche und der Start-up-Welt. Live auf der Bühne und an den Messeständen werden konkrete Innovationen vorgestellt:

  • StoreDot & DHL zeigen ihr gemeinsames Projekt erstmalig der Öffentlichkeit
  • der gedruckte 3D Olli Bus von Local Motors wird ausgestellt
  • Team Uniti wird ihre Kuka Robots auf der Tech Fair ausstellen

Ein weiterer Programmpunkt ist das Finale der CUBE Challenge, ein Wettbewerb, bei dem das innovativste Startup eine Million Euro gewinnt, einer der höchstdotierten Preise für Startups weltweit. Der Gewinner wird von einer Expertenjury gekürt, zu der unter anderem Steve Wozniak zählt.

Der Veranstaltungsort ist der CityCube in Berlin. Hier könnt ihr euch Tickets für die Veranstaltung sichern.

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Fabian Westerheide über Künstliche Intelligenz

Neural (adapted) (Image by geralt [CC0 Public Domain] via pixabay)

Dieser Beitrag ist Teil einer Artikelreihe im Vorfeld der Digitalkonferenz EXPLAINED von Microsoft Deutschland. Die Konferenz findet am 23. März 2017 in Berlin statt.


Künstliche Intelligenz (KI) und die Frage, was den Menschen und die Maschine zusammenbringt, treibt den Unternehmer, Venture Capitalist, Autor und Redner Fabian Westerheide um. Nachdem er in verschiedene Unternehmen investierte, ist er seit 2014 Geschäftsführer von Asgard – human VC for AI und leitet die KI-Konferenz Rise of AI. Außerdem ist er Koordinator für Künstliche Intelligenz beim Bundesverband Deutscher Startups. Ich habe mich mit ihm im Vorfeld zur Digitalkonferenz EXPLAINED von Microsoft Deutschland, bei der er als Speaker auftreten wird, zum Interview getroffen.

Was fasziniert Sie an Künstlicher Intelligenz?

Das war ein Prozess. Ich komme vom Land und habe schon immer an Computern herumgebastelt und mich für die Auswirkungen zwischen Mensch und Maschine interessiert. Dann bin ich Unternehmer geworden und habe in insgesamt 35 Firmen investiert, von denen die meisten aus dem Softwarebereich stammen. Irgendwann wusste ich, dass das Thema Künstliche Intelligenz, was mich durch Science-Fiction-Literatur schon seit den Achtzigern beschäftigt hat, endlich greifbar wurde. Mich fasziniert vor allem, dass es so ein komplexes Thema ist und wirtschaftliche, gesellschaftliche, militärische und politische Konsequenzen hat. Es betrifft sowohl Unternehmen als auch den einzelnen Menschen, es betrifft letztlich die ganze Menschheit. Das ist ein Thema, bei dem ich meine ganze Begeisterung für Politik und Gesellschaft einfließen lassen kann. Und ich fühle mich sehr wohl damit, weil es um mehr als Geldverdienen geht. Künstliche Intelligenz kann wirklich die Menschheit verändern – in die eine oder in die andere Richtung.

Was ist der nächste Entwicklungsschritt für die Künstliche Intelligenz?

Die Maschine muss noch besser lernen zu lernen. Das bedeutet, dass sie mit wenige Daten zurecht kommt und mit weniger Transferwissen arbeiten kann. Zum Beispiel kann man derzeit eine KI, die ein bestimmtes Auto fährt, nicht einfach in ein anderes selbstfahrendes Auto verpflanzen. Man kann sie auch nicht benutzen, um mit ihr mit Aktien zu handeln oder ein Flugzeug zu fliegen. Sie ist eigentlich ziemlich idiotisch angelegt und genau auf ihre Hardware programmiert. Innerhalb dieser Grenzen kann sie aber jederzeit weiterlernen. Wir müssen also den Schritt schaffen, dass die Software Hardware-unabhängig wird und Vorwissen aufbauen kann. Vor ein paar Wochen hat Google Deep Mind ein sehr interessantes Paper veröffentlicht, wo sie mit einer KI ein Spiel gespielt haben. Dieselbe KI wurde verwendet, um ein neues Spiel zu lernen. Die KI wurde also deutlich besser, weil sie über das Wissen verfügt, wie man so ein Spiel spielt. Sie konnte es auf ein anderes Spiel übertragen und dadurch besser werden als eine KI, die nur auf dieses eine Spiel hin programmiert wurde.

Ist das der Schritt zwischen einem gut funktionierenden Algorithmus und einem denkenden Wesen? Ich gebe zu, ich scheue mich etwas, diesen Prozess schon als Denken zu bezeichnen. Ich würde eher sagen, es ist eher ein Weiterverarbeiten. Oder fängt das Denken hier schon an?

Das ist schwierig zu sagen, hier fängt eigentlich eher die nächste Diskussion an: Denkt der Mensch wirklich, oder sind wir nicht viel eher hormon- und instinktgetrieben? Wie viel davon ist durch unser Unterbewusstsein bestimmt? Die meisten Menschen treffen Entscheidungen im Bruchteil einer Sekunde. Wir nennen das Bauchgefühl oder Instinkt. Eigentlich ist es aber eine Erfahrungskurve. Wir brechen unsere Erfahrungen herunter und denken nicht darüber nach, sondern handeln. So ist es bei der Maschine auch. Sie können noch nicht auf 20 Jahre Berufserfahrung zurückgreifen oder auf eine jahrelange Erziehung. Wir als Menschen hingegen haben ungeheuer viel Input verarbeitet und sind biologisch dafür ausgelegt, alles abzuspeichern. Seit es im Jahr 2012 den großen Durchbruch mit den neuronalen Netzen gegeben hat, haben die Maschinen auch ein Kurzzeitgedächtnis. Was noch fehlt ist ein Langzeitgedächtnis und das Abstraktionslevel. Und genau das passiert gerade: Wir bauen Schritt für Schritt ein kollektives Gedächtnis auf, eine Art Schwarmintelligenz. Wir müssen also noch nicht einmal eine menschenähnliche KI haben, um zu erreichen, dass sie denkt, sondern wir brauchen eine KI, die untereinander kommuniziert und kollektiv Wissen verarbeitet. Wenn ein Auto beispielsweise einen fatalen Fehler macht, wie es bei dem Tesla-Unfall mit dem LKW geschehen ist, dann passiert ihm das ein einziges Mal. Seit diesem Vorfall können alle hunderttausende Teslas da draußen LKWs erkennnen. Das ist eine Intelligenzleistung, die mehr schafft als ein einzelner Mensch.

Image by Fabian Westerheide
Image by Fabian Westerheide

Wir müssen die KI also nicht nur schulen, sondern auch erziehen?

Genau das. Der Hirnforscher Danko Nikolic sagt, wir brauchen einen KI-Kindergarten, eine Art DNA für künstliche Intelligenz. Ich finde diese These sehr interessant. Wir müssen es schaffen, diese Lernalgorithmen einer KI beizubringen. Sie muss lernen zu lernen, damit sie weiß, wie man selbst Wissen generiert. Das können wir Menschen besonders gut. Die KI kann das noch nicht, also wird der Durchbruch im Lernalgorithmus die nächste Stufe sein. Dann muss man sie trainieren, ausbilden und erziehen, wie man Kinder erzieht. Wenn das passiert, wird das, was wir jetzt haben, schneller und auch deutlich interessanter. Eine KI hat noch keine Eigenmotivation, ich weiß aber, dass Teams bereits daran arbeiten.

Welche Jobs sind bisher immer noch nicht vollständig durch Maschinen ersetzbar? Wo geht hier die Entwicklung hin?

Momentan sind es zwei: Menschen und Komplexität. Wir sind Menschen und wollen deshalb natürlich weiterhin menschliche Interaktion. Ich behaupte, dass ‚Made by Humans‘ irgendwann bei Produkten ein Qualitätsmerkmal sein wird, für das die Leute mehr bezahlen werden. Bei der Interaktion kann es zu einer Mischung kommen: In der Pflege werden wir Pflegeroboter haben, die uns beispielsweise dabei helfen, den schweren alten Mann zu wenden, aber die menschliche Komponente muss erhalten bleiben. Eine KI nimmt dich nicht in den Arm, sie kann aber konkrete Ergebnisse liefern. Das dauert wohl aber noch gut 10 bis 15 Jahre. Eine KI kann erkennen, wie Prozesse am besten durchzuführen sind, aber bei emotionaler Intelligenz muss sie eben passen. Wir brauchen keinen menschlichen Maler, aber einen menschlichen Innenarchitekten. Je einfacher der Job ist, desto eher können wir ihn durch die Maschinen erledigen lassen. Sie hat aber noch immer ein Problem mit der Motorik, das haben wir noch nicht gelöst. Softwaretechnisch hingegen ist sie uns natürlich haushoch überlegen, jeder Taschenrechner kann besser rechnen als du und ich.

Wir müssen der KI auch Kontext beibringen, damit sie uns wirklich helfen kann.

Bei Service-KIs funktioniert das sogar schon. Die KI kann erkennen, ob der Kunde gut oder schlecht gelaunt ist, ob er etwas umtauschen will und ob sie ihm noch mehr Angebote machen soll oder nicht. Das würde ich schon als Kontext bezeichnen. Jeder, der schon einmal Kundensupport gemacht hat, wird das kennen – man muss Zweideutigkeit erkennen und das kriegen schon wir Menschen manchmal nicht ordentlich hin. Wie wollen wir da erwarten, dass die KI es besser macht? Der erste Schritt ist also: Sie muss lernen, es zumindest schon einmal besser zu machen als der Schlechteste von uns.

Wenn man manche Artikel liest, werden die Maschinen oft sehr dystopisch als unser Untergang beschrieben, sowohl gesellschaftlich als auch arbeitstechnisch. Wie gehen Sie mit dieser Angst der Menschen um?

Ich erlebe es ab und zu, dass die Menschen bei einem gewissen Level fast schon technologiefeindlich sind und regelrecht Angst vor der KI haben. Aber ich finde, dass Probleme wie die globale Erwärmung, der Terrorismus oder auch nur zu viel Zucker im Blut viel gefährlicher für die Menschheit sind. Wir sollten wirklich versuchen, etwas unaufgeregter an das Thema KI heranzugehen. Ja, die Digitalisierung frisst eine Menge Jobs. Aber das ist doch super! Niemand muss mehr langweilige Jobs machen, wir haben viel mehr freie Zeit. Wir können die KI benutzen, um in unserer Tätigkeit noch produktiver zu sein. Wir können so sogar mehr Jobs nach Europa holen, weil es günstiger und effektiver ist, die Handgriffe an eine KI outzusourcen als an irgendwelche ausgebeuteten Clickworker in Indien. Das Ganze bringt einen enormen strukturellen Wandel mit sich, weil wir uns von der Industriegesellschaft zur Servicegesellschaft und auch zu einer Wissensgesellschaft wandeln.

Die Großkonzerne von heute haben bereits begriffen, dass sie sich entwickeln müssen, sie tun sich damit aber noch etwas schwer. Das sind reine Industrieunternehmen, die aus einer ganz anderen Hierarchie und einer anderen kulturellen Epoche kommen. Künstliche Intelligenz ist hier nur die Spitze des Eisberges, denn unsere Industrie ist nicht für digitale Umbrüche gerüstet. Wir sind an dieser Stelle in kultureller Hinsicht noch komplett falsch aufgestellt.

Wie steht es um die Entwicklung von Künstlicher Intelligenz in Deutschland?

Das deutsche Problem daran ist, dass wir mal wieder den Trend verschlafen. Es gibt kaum KI-Unternehmen hierzulande – wir sind eher auf den abgeschlagenen Plätzen zu finden. Im Moment sind die US-amerikanischen KI-Unternehmen besser finanziert und es gibt viel mehr Firmen als hier, obwohl der Markt nicht so groß ist wie unserer. Es geht auch nicht darum, noch etwas zu entwickeln, dass uns unser Essen schneller liefert, sondern darum, dass uns eine strategische Entwicklung entgeht. Wir brauchen endlich mehr Forschung, mehr Kapital und mehr Unternehmen in Deutschland und Europa, um eine strategisches, wirtschaftliches und politisches Gegengewicht herstellen zu können. Nur dann können wir auf Augenhöhe miteinaner verhandeln.


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Die Jugendmedientage 2016 – „Medien- oder Märchenland?“

Vom 27. – 30. Oktober 2016 fanden zum 15. Mal die Jugendmedientage in Dresden statt. Die Jugendmedientage sind einer der bundesweit größten Medienkongresse für junge Menschen zwischen 16 und 27 Jahren. Das diesjährige Motto der verschiedenen Workshops und den Podien war „Medien- oder Märchenland?“.

Am ersten Tag diskutierten bereits Robert Kuhne, Chefredakteur der Morgenpost Sachsen; Hubertus Koch, freiberuflicher Filmemacher; Boris Eichler, ehem. Chef vom Dienst des Debattenmagazins liberal, heute Leiter Kommunikation der Friedrich-Naumann-Stiftung und Dirk Benninghoff, ehem. Nachrichtenchef und Chef vom Dienst bei BILD, Stern und Financial Times Deutschland, heute Chefredakteur bei fischerAppelt, beim Auftaktpodium über das Thema „§5 (1) Presse ist frei: Intransparent, einseitig, verharmlosend – wie viel Freiheit steckt in unseren Medien?“

„Wenn wir uns fragen wie frei Medien sind, dann müssen wir uns fragen, wie frei der Mensch ist, der hinter den Medien steht.“

Das stellte Hubertus Koch, Journalist und Filmemacher, im Auftaktpodium der Jugendmedientage 2016 in Dresden desweiteren zur Diskussion. 

dpa-preisverleihung
Image by Florian Timpe

Im Anschluss des Auftaktpodiums verlieh die Deutsche Presse-Agentur (dpa) den news talent award an herausragende journalistische Talente unter 28 Jahren. 

Am Freitag war das zweite Podiumsgespräch. Boris Reitschuster, Journalist; Philip Oltermann, The Guardian; Cornelius Pollmer, von der Süddeutschen Zeitung und Rayk Anders, freier Journalist und Youtuber, haben über das Thema „Blogging, Posting, Mailing. Informations(un)gewissheit im Zeitalter voranschreitender Digitalisierung in Europa?“ diskutiert.

Das letzte Podium fand am Freitag statt. Es wurde über das Thema „360° Objektive Berichterstattung trotz gesellschaftlicher Vielfalt?“ diskutiert. Mit dabei waren Claudia Hammermüller, Chefredakteurin von politikorange; Alexej Hock, arbeitet für „Straßengezwitscher“; Thomas Krüger, Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung und Moritz Gathmann, freier Osteuropakorrespondent.

mdr
Image by Jonas Walzberg

Wer in die Branche reinschnuppern oder im Bereich der Medien Fuß fassen möchte, der war dort genau richtig. Bei dem umfangreichen Programm bestehend aus Workshops, Diskussionen und Praxiseinblicken, wie zum Beispiel beim MDR oder der DDV Mediengruppe, konnten viele neue Eindrücke mitgenommen werden.

Teilnehmer und Teilnehmerinnen sind mit den Profis ins Gespräch gekommen, konnten sich praktisch ausprobieren und mit anderen Medieninteressierten vernetzen.

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Netzpiloten sind Partner der „Gründen, Fördern, Wachsen“

Zum 5. Mal lädt die Gründen, Fördern, Wachsen Gründer, Start-ups und Gründungsinteressierte nach Frankfurt am Main ein. Die Veranstaltung findet am 16. November von 16:30 bis 21 Uhr im THE SQUAIRE und im Rahmen der „Gründerwoche Deutschland“ für Hessen statt.

In mehr als 1.000 Workshops, Seminaren oder Planspielen wird sich im Rahmen der Aktion bundesweit rund um das Thema berufliche Selbstständigkeit ausgetauscht. Die „Gründen Fördern, Wachsen“ entsteht unter anderem in Zusammenarbeit mit dem Hessischen Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung entsteht und richtet sich an Gründer, Start-ups und Gründungsinteressierte und potentielle Entrepreneure aus den Bereichen schnell wachsende Technologien und Dienstleistungen sowie Partner, Investoren, Coaches und Akteure der Gründerszene.

Die Teilnahme ist für Gründer, Start-ups, Studenten und Gründungsinteressierte kostenfrei und einen Überblick über das Programm gibt es auf der Website.

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Sechs Software-Lösungen für bessere Debattenkultur im Netz

Kommentar (Image by pixelcreatures(CC0 Public Domain)via Pixabay

Viele Verlagsangebote schließen ihre Kommentiermöglichkeiten und klassische Foren gleichen seit Jahren Geisterstädten. Die Debattenkultur im Netz scheint auf einem Tiefpunkt angelangt zu sein. Dabei gibt es durchaus technische Lösungen, die diesen Trends entgegen wirken möchten. Manche der angesprochenen Projekte sind durchaus bekannt, andere sind sicher für viele neu. Seit Jahren gibt es quer durch das Netz Ansätze, die Art und Weise, wie Diskussion und Diskurs in der digitalen Sphäre funktionieren können, zu überdenken. Klassisch verschachtelte Kommentare erscheinen dabei genauso wenig zeitgemäß wie hierarchische Foren (bzw. Message Boards oder auch Bulletin Boards genannt).

Die Entwicklung dieser Ansätze und Neuerungen geht aber in ihrer Komplexität über reine UI/UX (User Interface bzw. User Experience) Aspekte hinaus. Zwei Probleme haben dazu geführt, dass längere Konversationen im Netz für “kaputt” erklärt werden. Zum einen gibt es das kulturell-politische Problem der Polarisierung und der verhärteten Fronten im öffentlichen Diskurs. Hasskommentare, Trolle und Mobbing lassen viele Kommentarspalten zum unkontrollierten Spiegelbild unserer Gesellschaft verkommen.

Hinzu kommt das Sichtbarwerden von gesellschaftlichen Spaltungen, politischen Ideologien und das Fehlen von Netiquette. Die Konsequenz: Manche Onlineportale haben darauf keine Lust mehr, können und wollen sich eine Moderation nicht mehr leisten, und verzichten einfach ganz darauf.

Zum anderen hat der Erfolg sozialer Medien und Netzwerke dazu geführt, dass über die Jahre viele der klassischen Diskussionskanäle ausgestorben scheinen. Eine Vielzahl der Nutzer sind von Mailinglisten, Foren und Blogs abgewandert und diskutieren nun mehr auf Facebook und Co. Nur wenige der alten Kanäle haben das überlebt, entweder durch bessere Benutzerführung und technische Innovation oder mit einem inhaltlichen Alleinstellungsmerkmal.

Man “quatscht” eben doch lieber dort, wo sich ohnehin schon alle aufhalten und die Bequemlichkeit in der Bedienung von Facebook ist den etablierten Forensoftware-Baukästen weiterhin Lichtjahre voraus.

Diese Herausforderungen belasten Webmaster, Community Manager, Moderatoren sowie Experten im Bereich des sogenannten Public Engagement, also unter anderem der Bürgerbeteiligung an politischen Verfahren. Alle stehen vor dem gleichen Problem: Wie können online konstruktive Debatten funktionieren?

Im Folgenden werde ich sechs unterschiedliche Projekte vorstellen, die zeigen, dass sich trotz der genannten Ernüchterung zumindest auf Software-Ebene einiges getan hat und neue Lösungen entwickelt wurden, die allesamt versuchen, die Debattenkultur im Netz zu verbessern.

Discourse

discourse (Screenshot by Sebastian Haselbeck)

Von verstaubten alten Message-Boards hatte der StackExchange-Mitgründer Jeff Atwood irgendwann die Schnauze voll. Aus den Erfahrungen seiner Arbeit begann er mit Kollegen vor einigen Jahren die Entwicklung von Discourse – einer auf die Konversationen, nicht auf die Forenstrukturen fokussierten Software – die mit moderner Technologie genau das bieten soll, was Nutzer schon von überall im Netz kennen (zum Beispiel “Likes”, ordentliche Mobiltauglichkeit oder das einfache Einbetten von YouTube-Videos).

Discourse ist eine Open Source-Software und benötigt in der Regel eine halbwegs kräftige Serverumgebung, die gut mit Ruby/Rails und Javascript-Frameworks umgehen kann. Die empfohlene Standardvariante läuft in einem Docker-Container. Wer nicht selbst hosten kann oder will, greift zu managed Lösungen von Discourse.org (eher teuer) oder von einer sehr langsam anwachsenden Zahl an Drittanbietern, wie zum Beispiel das niederländische Discoursehosting.com, die auch europäische Serverstandorte anbieten.

Ich habe einige Erfahrungen mit Discourse gesammelt und bin begeistert, außerdem befindet es sich sehr aktiv in der Entwicklung (ein Release etwa alle sechs Monate) und wird von immer mehr namhaften Projekten genutzt (BoingBoing, Freifunk, Ubuntu). Es ist einfach zu benutzen, bietet umfangreiche Features und sieht nett aus – auch auf dem Handy. Ein Userlevel-System, schrittweise Onboarding und gute Spam- sowie Adminfunktionen erleichtern den Aufbau einer funktionierenden Community.

Alternativen zu Discourse gibt es allerdings auch, allen voran das auf NodeJS aufbauende NodeBB. Weitere innovative Ansätze findet man unter anderem bei Flarum, Plush, Codoforum oder dem Spirit-Project.

Zilino

zilino (Screenshot by Sebastian Haselbeck)

Ein ganz anderes Problem versucht die Firma Intellitics mit Zilino zu lösen: Wie kann man die aus Workshops bekannten Diskursformate wie World Cafe und Co auf die Online-Welt übertragen? Große Gruppen müssen in kleinere Gruppen aufgeteilt werden, sie sollen konstruktiv zusammenarbeiten, wieder in die große Gruppe zurückkehren und berichten, und so weiter.

Ein Facilitator oder Convener ist normalerweise ein Experte oder eine Expertin, die solche Prozesse begleiten. Zilino will diese Prozesse online abbilden, ob in kleinen Gruppen (beispielsweise innerhalb von Seminaren) oder in der Masse (beispielsweise bei Anwohner-Konsultationsverfahren).

Erste Projekte, unter anderem mit universitärer Forschungsbegleitung, sind vielversprechend. Wie stark das Konzept skalieren kann (auch ohne Convener), muss sich zeigen. Zilino richtet sich vor allem an größere (und auch staatliche) Organisationen und wird als SaaS Lösung bezogen.

Coral

coral(Screenshot by Sebsatian Haselbeck)

Aus der Misere der Tageszeitungen geboren, ist Coral ein Joint-Venture aus New York Times und Washington Post, sowie der Mozilla Foundation und unterstützt von der Knight Foundation. Der primäre Fokus der ersten Förderphase von Coral ist ein Tool, mit dem Newsplattformen Leserkommentare besser verstehen und analysieren können, also erst einmal zuhören lernen. Das will man unter offener Lizenz dann verbreiten. Coral nutzt im Projekt selbst übrigens auch Discourse.

Zu einem späteren Zeitpunkt will man hier Technologien entwickeln, um mit nutzergenerierten News-Inhalten besser umgehen zu können und diese Inhalte mit Kommentatoren verbinden. Es geht dem Projekt also nicht darum, die Kommentarspalte zu reparieren, sondern gänzlich neu darüber nachzudenken, wie eine inhaltsbezogene Interaktion zwischen einem News-Medium und seiner Zielgruppe aussehen kann. Höchst spannend.

Civil

civil (Screenshot by Sebastian Haselbeck)

Civil versucht das Problem schlechter Debattenkultur mit einer Art “Peer Review” und Selbsteinschätzungsmechanismen zu kontern. Das Ziel des Startups: “Civility and quality”, ein Ansatz der besser zu skalieren verspricht als menschliche Moderation alleine. De facto findet ein Crowdsourcing an Qualitätskontrolle der Kommentare statt, womit jeder der kommentiert, gleichzeitig auch über die Qualität anderer Kommentare zu urteilen hat.

Der Clou ist aber, dass man vor dem Abschicken seiner eigenen Beiträge eine Art Selbstevaluation zu treffen hat. Trage ich etwas Sinnvolles bei? In welchem Ton schreibe ich? Zusammen mit algorithmischen Einblicken in das Kommentierverhalten der Besucher will das Team von Civil Comments die Qualität der Kommentarspalten auf Onlineplattformen verbessern und testet dies aktuell mit für US-amerikanische Verhältnisse kleineren Tageszeitungen.

Wer von Disqus immer etwas genervt oder traurig darüber war, dass IntenseDebate nie weiterentwickelt wurde, der findet hier vielleicht künftig einen Ansatz.

Economist Debates

economist (screenshot by Sebastian Haselbeck)

Nicht zwingend eine existierende Software, aber ein ganz anderes Präsentationsformat einer Pro-Contra-Debatte  präsentiert die britische Wochenzeitschrift The Economist (Beispiel). Besonders interessant sind die visuellen Darstellungsoptionen der Debatte, die Statistiken (Geschlechterverteilung, Abstimmungstrends) sowie die Phasen.

Die Seite steht in der Tradition der angelsächsischen Debattenformate, in denen beide Seiten jeweils in Runden auch Argumente der Gegenseite erwidern können (Rebuttal). Das Ganze hat einen stark inhaltlichen Fokus, ist personenbezogen (Namen und Bilder von teils namhaften Autoren) und wird proaktiv moderiert. Die Hürde ist somit etwas höher.

Das Magazin verspricht sich von diesen intensiven Debatten unter anderem Stoff für eigene Berichterstattung. Dass bisher noch kein deutsches Portal einen ähnlichen Aufwand gestartet hat, finde ich schade. Das könnte ich mir zum Beispiel beim Cicero gut vorstellen, oder auch bei The European.

Adhocracy & DemocracyOS

democracyos (Screenshot by Sebastian Haselbeck)

Ganz in der Welt der Beteiligungssoftware angelangt sind wir mit zwei weiteren Open-Source-Projekten, die anstreben, eine Art digitales Betriebssystem unserer Demokratie zu werden. Adhocracy wird vom Berliner Verein Liquid Democracy vorangetrieben, DemocracyOS von der argentinischen NGO Democracia en Red. Beide Plattformen erlauben zielorientierte (politische) Debattenprozesse, inklusive kollaborativer Textarbeit, Diskussionen und Abstimmungsmodalitäten.

Vor allem durch letzteres hatte sich Adhocracy in den letzten Jahren einen Platz in den Herzen netzdemokratischer Pioniere erobert. Neben der Piratenpartei kam das Tool unter anderem während der “Enquete Kommission Internet und Digitale Gesellschaft” des Bundestags zum Einsatz. Stimmendelegation war nur eines der Features, die im Großen dazu beitragen könnten, eine sehr offene, transparente und inklusive Basisdemokratie auch innerhalb von Parteiorganisationen zu erlauben. Wie alle anderen Debattenplattformen auch besteht die primäre Hürde für aktive Mitarbeit in zeitlichen Ressourcen.

Delegation sollte das Problem zwar abmildern, aber letztendlich konnte außerhalb der Piratenpartei das Tool noch nicht in der Breite Fuß fassen, in der man es sich theoretisch vorstellen könnte. Gerade das ist nämlich auch Ziel des Vereins, denn Liquid Democracy steht eben nicht nur für die Postadresse des Tools, sondern ein beforschtes Demokratiekonzept, dessen Ziel es ist, konventionelle Formen von Demokratie mit webbasierten Beteiligungsmodellen zu ergänzen, zu stärken und zu vervollständigen.

Der fortschreitende Reifeprozess beider Projekte könnte in der nahen Zukunft noch einiges an Potential bergen, vor allem, wenn diese langfristig in einer Art “Internet of the People” eingebettet sind und weit jenseits des Webbrowsers funktionieren. Es wird spannend bleiben.

Fazit

Die Art und Weise, wie wir online miteinander reden, begründet sich auch im Design. Ob chaotische Kommentarkultur oder strukturierte Diskurse – in welche Richtung es sich bewegt geben auch die Technologien vor, die uns zur Verfügung stehen. Ich persönlich glaube nicht, dass die Lösung für zivilisierten Diskurs oder soziale Probleme alleine in der Software zu suchen ist. Dennoch hoffe ich, dass die Debattenkultur im Netz erwachsener wird und bin guter Dinge, dass der Einsatz neuer Tools dabei behilflich sein kann. Das Abschalten oder die Zensur von Kommentar- und Debattenbereichen ist jedenfalls die schlechteste aller Lösungen. Über weitere Tipps – passenderweise hier unten in den Kommentaren – freue ich mich.


Image “Kommentar” (adapted) by pixelcreatures (CC0 Public Domain)

Images by Sebastian Haselbeck


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Cates Holderness, die BuzzFeed-Mitarbeiterin hinter „The Dress“

Cates Holderness

Cates Holderness von BuzzFeed hat mit einer simplen Fragen das virale Highlight „The Dress“ entfacht und die Medienwelt etwas ratlos zurückgelassen. // von Lucia Moses

Cates Holderness

Das Foto von dem Kleid, oder The Dress, kommt ursprünglich von einer Frau aus Schottland, welche dieses auf Tumblr postete mit einer simplen Frage: Welche Farbe hat es? Aber erst nachdem Cates Holderness, die Community Growth Manager bei BuzzFeed, es gegen 18 Uhr online gepostet hat, hat es das Internet in Brand gesetzt. Es schien nach eine simplen Frage zu sein – denn bestimmt sind wir uns alle einig, welche Farbe das Kleid hat.

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5 Lesetipps für den 28. August

In unseren Lesetipps geht es heute um die Kommunikation von Ai Weiwei, Debatten über Netzkonzerne, unabhängigeren Datenschutz, Journalismus und Selbstzensur in sozialen Netzwerken. Ergänzungen erwünscht.

  • NETZPOLITIK Spiegel Online: Sascha Lobo über die Dämonisierung der Netzkonzerne: Die SPON-Kolumne von Sascha Lobo als Lesetipp zu verlinken ist irgendwie zu sehr stating the obvious, da das sowieso eine Form von Pflichtlektüre ist, aber der Mann schreibt mir heute mal wirklich Wort für Wort von der Seele: „Die Dämonisierung der Netzkonzerne erschwert die notwendige differenzierte Kritik und damit auch die wirksame politische Regulierung.“ So ist es. Wer sich netzpolitisch engagiert, bei Themen wie das Leistungsschutzrecht für Presseverlage oder populistische Monopolkritik (Ja, ich meine Sie, Sigmar Gabriel!), ist nicht automatisch auf der Seite von Google, Amazon, Facebook & Co., denn in anderen Punkten, sagen wir mal dem Datenschutz, sind diese Unternehmen wirklich zu kritisieren. Und dem Internet würden konstruktivere Debatten als politische Schwarzweißmalerei wirklich gut tun.

  • DATENSCHUTZ Zeit Online: Datenschutzbeauftragte wird unabhängig vom Innenressort: Es ist ein Beispiel für die in der Politik oft typische Ironie: die seit einem Jahr kaum in Erscheinung tretende Bundesdatenschutzbeauftragte Andrea Voßhoff (CDU) wird künftig wohl auch die unabhängigste Vertreterin ihres Amtes werden. Das Bundeskabinett hat beschlossen, dass das Amt ab 1. Januar 2016 eigenständig und weisungsfrei agieren wird. Diese Unabhängigkeit vom Bundesinnenministerium hat ihr Vorgänger Peter Schaar lange gefordert, er hätte sie auch zu nutzen gewusst. Bei Voßhoff wirkt das wie ein schlechter Witz.

  • SOCIAL MEDIA ReadWrite: Why We Self-Censor On Social Media: Wir hatten zwar erst gestern einen Artikel von Selena Larson in unseren Lesetipps, aber die Frau hat gerade einen kreativen Lauf oder so, zumindest ist sie wieder einmal sehr informativ: Social Media spielt in unserer Kommunikation eine größere Rolle, aber wer etwas ins Internet schreibt, sollte gut überlegen, was er da tut. Oft wird in diesem Moment die Schere im Kopf aktiv und wir zensieren uns selber. Kontroverse Aussagen führen oft zu heftigen Gegenreaktionen, über unbehagliche Themen wird seltener diskutiert und wenn, dann meist nur mit Leuten, die die gleiche Meinung haben. Das sind gefährliche Muster in unserer Kommunikation, die wir gerade bei den Vorteilen von sozialen Netzwerken überwinden sollten.

  • JOURNALISMUS Gigaom: Journalism is doing just fine, thanks — it’s mass-media business models that are ailing: Auf Gigaom geht Mathew Ingram lesenswert der Frage nach, ob Massenmedien denn den Journalismus zerstört haben, also noch vor dem Internet, aber beides ist nach kurzer Überlegung wirklicher Unsinn. Gerade das Internet ermöglicht Journalismus in den unterschiedlichsten Formen und das oft mit nur wenigen Ressourcen. Aber was wirklich kaputt ging sind Geschäftsmodelle und dadurch traditionelle Arbeitsplätze. Trotzdem geht es, Leser und Leserinnen von Netzpiloten.de können das seit 16 Jahren beobachten, der Journalismus nicht kaputt. Se einen Gedanken muss man heutzutage klar und deutlich formulieren.

  • AI WEIWEI NZZ.ch: Ein Versuch, sich dem Phänomen Ai Weiwei zu nähern: Auf der Website der Neuen Zürcher Zeitung hat Minh An Szabó de Bucs einen lesenswertes Porträt über den chinesischen Künstler Ai Weiwei geschrieben, der zwar ein politischer Verfolgter in China ist, aber alles andere als ein Opfer zu seien scheint. Deinn Ai kennt, wie kaum ein anderer Künstler oder politischer Aktivist, die Macht von Bildern und des Internets, die er beide wirkungsvoll für seine Sache einsetzt. Letzteres ist ein Spielfeld, dass nicht nur die chinesische Regierung fürchtet, Bilder die viralste Art der Kommunikation. Von Ai kann man eine Menge über moderne Kommunikation lernen, was ihn auch außerhalb der Kunstszene zu einer interessanten Figur machen.

Nutze Netzpiloten 1-Klick: Mit nur einem Klick werden dir bequem alle 40 Sekunden die hier besprochenen Seiten „vorgeblättert“ START.

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Urheberrecht schützen: löschen, sperren, abmahnen?

PubTalk (Bild: Andrea Tschammer, CC BY 4.0)

Beim Berliner Pub Talk diskutierten Thomas Robl (Büro Dr. Günter Krings MdB) und Videothekenvertreter Jörg Weinrich (IVD) mit dem Publikum über das Urheberrecht. // von Alexander Schröder und Matthias Bannas

PubTalk (Bild: Andrea Tschammer, CC BY 4.0)

Urheberrecht und das Netz, wahrlich keine neue Debatte. Seit Napster im Jahr 1999 online gegangen ist, tobt der Streit zwischen Urhebern und Verwerter auf der einen und Internetwirtschaft und Netz-Community auf der anderen Seite. Eine politische Bestandsaufnahme – was kann getan werden um den Schutz der Urheber zu verbessern? Und geht das in dieser Legislaturperiode? – standen im Zentrum einer intensiv geführten Diskussion. Konkrete Forderungen waren mehr Informationspflichten für Provider inklusive der Weitergabe von Zahlungsdaten und eine bessere Strafverfolgung.

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Die Zukunft der Arbeit in der digitalen Welt

Eine aktuelle Studie zum richtigen Umgang mit unseren digitalen Möglichkeiten möchte keine Leitfaden sondern eine Diskussionsanregung sein // von Florian Ertel

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„Die Datei, die find ich nie, ist sie benannt mit Fantasie“ – eine Beispiel-Empfehlung der vorgestern erschienenen Telekom-Studie „eEtikette@work“. Auf Basis einer sich wandelnden digitalen Arbeitswelt, in der klassische Arbeitsplätze zunehmend an Bedeutung verlieren werden, wurden aus den Untersuchungsergebnissen 30 Empfehlungen für den Arbeitsalltag abgeleitet und vorgestellt. Julia Leihener, verantwortlich für die Durchführung der Studie sowie Ulrich Klotz, Arbeitswissenschaftler und Experte zu Arbeitsformen der Zukunft, waren vor Ort, um einen persönlichen Einblick in die Ergebnisse zu geben und einen Denkanstoß zu liefern. Weiterlesen »

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#SMWHH: Diskussion über Startups in Hamburg

Was macht Startups aus Hamburg aus und wie steht es um das Gründertum in der Hansestadt? Diese Fragen diskutierten die Netzpiloten mit Gästen auf der Social Media Week Hamburg. // von Lara-Louisa Vöge

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Unter dem Titel „Hamburger Startupkultur. There, I’d said it.“ fand auf dem Start-Up-Day der Social Media Week Hamburg eine spannende Podiumsdiskussion statt, zu denen die Netzpiloten geladen hatten. Sina Gritzuhn von Hamburg Startups, Lars Brücher vom Hamburger Betahaus, Ana Cristina Agüero Murillo von Brightup und Adrian Korte von Stuffle gaben unter der Moderation von Netzpiloten-Projektleiter Tobias Schwarz einen spannenden Einblick in die Hamburger Startup-Kultur.

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Bundesinnenminister Thomas de Maizière diskutiert die zukünftige Netzpolitik

Thomas de Maizière (Bild Christliches Medienmagazin pro [CC BY 2.0], via Wikimedia Commons).jpg

Heute diskutiert Bundesinnenminister Thomas de Maizière mit Vertreterinnen und Vertretern aus Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft über Deutschlands zukünftige Netzpolitik. // von Tobias Schwarz

Thomas de Maizière (Bild Christliches Medienmagazin pro [CC BY 2.0], via Wikimedia Commons).jpg

Im Dialog mit Vertretern verschiedener gesellschaftlicher Gruppen möchte De Maizière über die Chancen und Risiken der digitalen Gesellschaft diskutieren und Themen identifizieren, die wichtig für die fortschreitende Digitalisierung der Gesellschaft sind und daher gesellschaftspolitischer Bestandteil der Digitalen Agenda der Bundesregierung werden sollten. Ob das so kommt, hängt aber von seinem Verhandlungsgeschick ab, denn Sigmar Gabriel und Alexander Dobrindt werden in vielen Punkten eigene Vorstellungen einbringen wollen. Ein ständiger Kampf um die Deutungshoheit der Netzpolitik ist vorprogrammiert.

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Journalismus – Die Vierte Gewalt im Tumult

Turmoil (adapted) (Image by marcusrg [CC BY 2.0], via flickr)

Das Jahresende endete mit einer neuerlichen Debatte über den Journalismus und auch im neuen Jahr 2014 wird viel über den Medienwandel diskutiert werden. Edward Snowden hat nicht nur den Datenhunger der Geheimdienste enthüllt. Seine Enthüllungen haben auch eine Debatte über den Journalismus in Gang gebracht. Sind Journalisten als Vierte Gewalt nicht immer auch Aktivisten? Oder ist Aktivismus mit Journalismus nicht mit einander vereinbar? Was hat das Handwerk des Journalisten mit einer politischen Haltung zu tun? Die alte Schule grummelt: „Macht Euch doch nicht gemein mit einer Sache! Das dürft Ihr nicht! Meinung und Fakten müssen getrennt bleiben!“ Inzwischen haben haben auch die Journalistenschulen Abstand davon genommen, die Idee der reinen Objektivität als handwerkliche Leitidee zu vermitteln. Warum? Weil ihre Schüler nicht mehr daran glauben? Oder weil diese Idee blind gegenüber der tatsächlichen Praxis des Meinungsmarkts scheint?

Journalismus ohne Haltung unterscheidet sich kaum mehr von interessengeleiteter Öffentlichkeitsarbeit. Warum ist das so? Hinter der Idee der Objektivität verschwindet die Idee der Kritik. Wenn Kritik aber ausgeblendet bleibt oder nur zu ein paar Sorgenfalten im Bratenrock des Leitartiklers führt, dann macht sie sich selbst überflüssig. Oder lächerlich.

Das Gegenmodell dazu klärt auf, scheut nicht davor zurück, politisch und wirtschaftlich Mächtige scharf zu kritisieren, kann Fehlverhalten und Verantwortlichkeit bei Skandalen durch gute Recherchen dokumentieren.

Die betagte Verwunderung darüber, dass jeden Tag genau so viel passiere, wie in die Zeitung passt, illustriert den Sachverhalt ganz gut. Was nicht rein passt, kommt nicht rein – oder wird passend gemacht, hier etwas weglassen, da etwas hinzufügen, vor allem den Mus mit dem subjektiven Touch – und fertig ist eine gewisse Tageszeitung als Blutsuppe mit Titten.

Die Wiki-Leaks, die Chelsea Mannings und Julian Assange ermöglichten, brachten Bewegung ins Spiel. Die Enthüllungen kamen nicht dadurch zustande, dass ein kompetentes Recherche-Team viele Monate ermittelte. Plötzlich stand ein riesiges Paket an Originaldaten online. Assange hatte zwar mehreren Zeitungen das Recht des ersten Zugriffs eingeräumt, aber schon bald, als das dicke Paket der Daten komplett online durchsuchbar war, brach etwas zusammen. Plötzlich war es nicht mehr das Privileg (oder Monopol) der etablierten Medien. Plötzlich konnte auch ein aufgeräumter Datenanalyst in seiner Hackerbude einen Beitrag dazu leisten, den Skandal weiter aufzuklären.

Die Gatekeeper standen dem zunächst fassungslos gegenüber: So weit offene Scheunentore zu relevanten Daten stellten ihre Rolle der Auswahl und Gewichtung in Frage. Kein Wunder, dass sofort professionelle Sekundärtugenden ins Spiel kamen: das Gewichten, das Bewerten, das Kontextherstellen, also auch das Relativieren. Suspekt erscheint den Vertretern der traditionellen Medien das Selbstverständnis der Aktivisten. Suspekt erscheint ihnen das Zusammenspiel mit den Crowds im Netz. Bringt ihre verteilte Intelligenz mehr an analytischer Kraft in die Waagschale als die Old School Jungs und Mädels? Die Aktivisten konnten plötzlich die eigene Agenda durchsetzen – und das gelang ihnen mit lächerlich bescheidenen Finanzmitteln im Vergleich zu den Redaktionsbudgets der großen Medien. So etwas bringt nicht nur gelernte angesehene Redakteure ins Grübeln. Darüber denken auch Controller und Eigentümer und Aufsichtsgremien der Medien in privatem Eigentum nach.

Der Sturz Christian Wulffs

Ein interessanter Fall ist der Sturz Christian Wulffs. Bekannt ist heute, dass Journalisten über viele Monate eine Story recherchierten und schließlich Gerichtsbeschlüsse darüber herbeiführten, um an den Grundbucheintrag für das Haus von Wulff in Großburgwedel zu gelangen. Bekannt wurde eine nicht im vollen Umfang den Tatsachen gerecht werdende Antwort Wulffs an den niedersächsischen Landtag. Bekannt wurde schließlich auch eine Nachricht Wulffs auf dem Anrufbeantworter des Bild-Chefredakteurs. Hatte da jemand bloß die Nerven verloren? Hatte da die „gebende und nehmende“ Pressearbeit versagt? Oder gibt es Gründe dafür, den Fall Wulffs als neues Beispiel für eine mediale Hetzmeute zu lesen, die am Ende ihr Opfer zur Strecke gebracht hat? Man muss keine sonderlich große Sympathie für Christian Wulff oder das eine oder andere deutsche Presseerzeugnis haben, um das Zusammenwirken von etablierten Medien und einer netzbasierten Meute problematisch zu finden. Am Ende wurden durch die Frau des Bundespräsidenten selbst der Suchalgorithmus von Google und die Default-Antworten im Suchfenster zu einem Fall für die Gerichte.

Haben im Fall Wulff die etablierten journalistischen Techniken der Gatekeeper funktioniert oder versagt? Ist der Fall Wulffs ein medialer Erfolg? Oder dokumentiert er ein Versagen der viel gepriesenen alten journalistischen Sekundärtugenden? Ist den Klassikern die Kontrolle über die von ihnen angestiftete Jagd entglitten? Oder ging es gar nicht mehr um Kontrolle, sondern um die Exekution eines Exempels: Seht her, wie wir einen zur Strecke bringen, und fürchtet diese Macht?

Der Held Edward Snowden

Die Enthüllungen Edward Snowdens schreiben inzwischen ebenfalls Geschichte. Ein Auftragnehmer der CIA und der NSA kommt den Diensten abhanden. Als Systemadministrator hat er über Monate Beweismaterial dafür gesammelt, was die Dienste tun, wie sie über die Stränge schlagen, welche Mittel sie verwenden und wie sie damit gegen Verfassungsgrundsätze der USA verstoßen. Heute sitzt Snowden in Moskau und genießt den zweifelhaften Schutz Wladimir Putins.

Erst wurde er zu einem Outlaw, zu einem Verbrecher abgestempelt. Sein Pass wurde ihm entzogen. Der Präsident von Bolivien musste in Wien zwischenlanden, damit seine Maschine nach dem flüchtigen Snowden durchsucht werden konnte.

Heute leitartikelt die New York Times, dass Edward Snowden ein klassischer Whistle-Blower sei und dafür rechtlichen Schutz verdiene. Warum ist sein Fall beispielhaft für die Diskussion um neue Medienformate, neue Medienrollen? Die erste Lektion erteilt uns das Schweigen der Bundeskanzlerin. Die Exekutive versucht, durch windige Erklärungen bzw. eisernes Schweigen den Überwachungsskandal auszusitzen. Die Pflege der deutsch-amerikanischen Freundschaft, das heißt, das Ziel, selbst auf die von den Amerikanern erhobenen Daten Zugriff zu behalten, hat für die Bundesregierung höhere Priorität als der Schutz des Grundrechts der informationellen Selbstbestimmung.

Wichtige deutsche Medien berichten seit Juni 2013 täglich über den Skandal. Demoskopen aber stellen fest, dass der Skandal die Bürger mehr oder weniger nicht berührt. Bestätigen die Demoskopen die robuste Haltung der Bundesregierung? Bestätigen ihre Befunde nicht auch den Machtverlust der Medien? Wirkt die Agenda von Spiegel, Zeit und FAZ nicht faktisch wirkungslos?

Die Legislative hat zwar mehrfach in aktuellen Stunden über den Skandal debattiert. Gregor Gysi erhielt sogar den Preis für die beste Rede des Jahres 2013. Aber das Parlamentarische Kontrollgremium, von Ausnahmen abgesehen, folgte der Regierungsmehrheit und wiegelte ab.

Die Judikative nahm – nach ersten Strafanzeigen beim Generalbundesanwalt – widerwillig und nur pflichtschuldig Ermittlungen gegen unbekannt auf und scheint ebenso unwillig, den Sachverhalt der massenhaften Ausspähung privater Daten als Straftat energischer untersuchen zu wollen.

Nur die Vierte Gewalt gibt keine Ruhe. Jeden Tag werden neue Details bekannt, über welche Hintertürchen jedes Smartphone und jeder Computer scheunentorweit für die NSA zum Abschnorcheln offen stehen. Seit dem 30C3-Kongress des Chaos Computer Clubs hat sich die Debatte um die Rollen des Journalisten zugespitzt. Den Anstoß dazu gab durch Videozuschaltung der Vortrag Glenn Greenwalds am Eröffnungstag des Kongresses. Sind Journalisten durch ihren professionspolitischen Kodex nun ausschließlich der Objektivität ihrer Berichterstattung verpflichtet – oder hat der NSA-Überwachungsskandal die Vierte Gewalt dazu genötigt, sich stärker, als bisher für zulässig erachtet, auf die Seite der Aktivisten zu stellen? Denn was wäre das Recht der freien Meinungsbildung noch wert, wenn schon die Suche nach unabhängigen Quellen unter Verdacht gerät?

 

Schließlich müssen wir uns auch mit dem Sachverhalt einer Kränkung beschäftigen. Das Interview Barton Gellmans mit Edward Snowden in der Washington Post illustriert diese Kränkung subtil. Ein Mann aus dem Zentrum der Dienste, ein Ex-Schlapphut mit eigener Agenda („mission accomplished“), zieht an den etablierten Medien vorbei und nutzt sie als Vertriebspartner für eine Botschaft, die seit sechs Monaten von Tag zu Tag an Brisanz gewinnt. Die Gatekeeper-Rolle ist ramponiert. Der Wert der Nachricht wird nicht mehr allein durch die Medien bestimmt. Aktivisten wie Glenn Greenwald und Jacob Appelbaum bezeugen durch ihre Vorträge auf dem 30C3-Kongress die Kraft eines global orientierten zivilgesellschaftlichen Engagements. Es gehört nicht viel Phantasie zu der Annahme, dass damit auch die bisher den Medien unterstellte Macht, Skandale unter dem Teppich zu halten, dahinschwindet. Das Whistle-Blowing macht Schule. Wer im Spiel der alten Eliten diesen Sachverhalt übersieht, läuft Gefahr, sich lächerlich zu machen. Während die Vertriebsabteilungen der Printmedien fieberhaft über neue Vertriebswege und Online-Geschäftsmodelle nachdenken, schaffen manche Netzaktivisten, oft nur mit Minimalbudgets, neue Tatsachen.

Weit weg von den etablierten ehrwürdigen medialen Plattformen entsteht etwas Neues. Das muss nicht auf Verdrängung hinauslaufen. Die Idee wäre vermessen, aber der Sachverhalt selbst lässt sich auch nicht mehr verdrängen.


Discloser: Der Text ist ein Beitrag von Tilo Jung und Hans Hütt zur neuerlichen Debatte über den Journalismus und erschien zuerst auf wiesaussieht.de. Tilo Jung ist Erfinder des neuen Web-TV-Formats Jung & Naiv. Hans Hütt arbeitet als Redakteur bei Jung & Naiv.


Image (adapted) “bildtitel“ by marcusrg (CC BY 2.0)


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Komm mit mir ins Neuland

Katharina Große, Tinka genannt, schreibt in ihrer Kolumne über den digitalen Wandel in unserer Gesellschaft. Diesmal sinniert sie über die Neuland-Metapher von Bundeskanzlerin Merkel nach. #Neuland ist inzwischen fast ein alter Hut, aber ich möchte ihn mir noch einmal aufsetzen. Ob das jetzt eine gut oder schlecht gewählte Aussage war von unserer Bundeskanzlerin und warum oder warum nicht man sich darüber aufregen sollte, darum geht es mir nicht. Verschiedenste Artikel haben sich dazu positioniert. Cicero hat sogar einen Neulandsreaktionskompass angelegt.

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In eigener Sache: Politik-Aufklärung per Hangout-Videoreihe

Netzpiloten.de, das Online-Magazin der Netzpiloten AG, kooperiert mit den beiden renommierten Polit-Magazinen Carta.info und Politik-Digital.de: Gemeinsam starten sie die mehrteilige Video-Reihe „Berliner Hinterhofgespräche“. Ziel ist es, aktuelle netzpolitische Themen verständlich zu vermitteln. Auf die übliche TV-Studio-Atmosphäre wird dabei bewusst verzichtet.

Hangout-Bild

Stattdessen nehmen per Google Hangouts bis zur Bundestagswahl am 22. September in unregelmäßigen Abständen interessante Köpfe aus Politik, Wirtschaft und Medien an einer Diskussion per Videochat teil. Ein jeweils wechselnder Moderator befragt pro Folge zwei bis drei Experten zu einem aktuellen Thema. Angesprochen werden Themen rund um den Wandel zur digitalen Gesellschaft wie Online-Journalismus und Arbeit 2.0.

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