Selbst ist der Musiker – heute: SoundCloud

Über SoundCloud haben die Netzpiloten in den vergangenen Jahren immer mal wieder berichtet – heute gibt es hier eine aktuelle Bestandsaufnahme. SoundCloud ist wie Bandcamp oder Jamendo ein populärer Online-Musikdienst, auf dem Künstler ihre Werke unabhängig veröffentlichen können. Label, Vertrieb, Promotion – auf all das kann man hier theoretisch verzichten. Den Plattformen gemeinsam ist, dass sie ähnlich wie Flickr für Bilder oder Vimeo für Videos immanent Creative Commons-Lizenzen anbieten und im Basisangebot umsonst sind. Werden so genannte „Pro-Accounts“ beziehungsweise weitere Features genutzt, wird es kostenpflichtig.

Die 2007 von den Schweden Alexander Ljung und Eric Wahlforss in Berlin gegründete Firma ist einer der populärsten Musikdienste im Netz. Kaum eine Website, die auch nur am Rande mit Audio zu tun hat, kommt ohne den orange-weißen Player mit der Wellenform aus. „YouTube für Audio“ hat CEO Alexander Ljung seine Firma einmal genannt, und es stimmt: SoundCloud hat MySpace regelrecht vom Markt gefegt und ist mit angeblich 40 Millionen registrierten Nutzern und 200 Millionen Zuhörern Marktführer in seinem Segment. Verifizieren lassen sich diese Zahlen allerdings nicht – SoundCloud geht mit derlei Informationen spärlich um: Ganze sechs Presseinformationen wurden seit Anfang 2012 veröffentlicht und auch der Blog gibt wenig Auskunft. Meine vor einigen Tagen gestellte Anfrage bezüglich genauer Nutzerzahlen und „unique listeners“ wurde seitens der für die Medienarbeit zuständigen PR-Agentur leider noch nicht beantwortet.

Eric Wahlforss, als „Forss“ selbst unabhängiger Musiker, lud vor sechs Jahren den ersten Track auf SoundCloud hoch. Diese Tatsache unterstützt den Eindruck, dass die Plattform zunächst eher für Independent-Künstler und –Hörer konzipiert wurde, sich in der jüngeren Vergangenheit aber mehr und mehr dem Mainstream öffnete. Dies erscheint insofern nachvollziehbar, als Investmentfirmen wie Kleiner Perkins Caufield & Byers, die 50 Millionen Euro in Soundcloud steckten und in der Vergangenheit bereits in Facebook und Twitter investierten, sicher irgendwann ihr Geld wiedersehen wollen. Jedenfalls sind neben DIY-Netlabels wie Bad Panda Records, Brennnessel oder den Netaudio-Podcasts Machtdose und FreeQuency seit einiger Zeit beispielsweise auch Größen wie Hans Zimmer oder Beyoncé auf SoundCloud zu finden.

Was aber hält SoundCloud für den Independent-Musiker bereit? Da wäre zunächst einmal der recht großzügige „Free„-Account, mit dem man zwei Stunden hochqualitatives Audiomaterial kostenfrei hochladen und der Welt zur Verfügung stellen kann. Für drei Euro im Monat oder 29 Euro im Jahr gibt es „Pro“ (vier Stunden Audiomaterial) und für neun Euro im Monat oder 99 Euro im Jahr „Unlimited„.

Im Gegensatz zu Bandcamp oder Jamendo ist SoundCloud ein echtes soziales Netzwerk – und das war von vorneherein so geplant: „Wir haben beide einen Musik-Hintergrund und die musikalische Zusammenarbeit mit anderen Leuten war einfach extrem nervig für uns – ich meine eine einfache Zusammenarbeit, einfach Stücke an Leute in einem privaten Umfeld schicken zu können, Feedback von ihnen zu bekommen, und ein Gespräch über dieses Musikstück zu führen„, sagte CEO Alexander Ljung im Sommer 2009 dem Wired Magazin. Entsprechend kann man als Musiker seinesgleichen folgen, einen Stream zusammenstellen und hören, Tracks kommentieren, „liken“ und einiges mehr. Ob das allerdings dabei hilft, ohne weitere Promotion in der Masse der Nutzer und Hörer wahrgenommen zu werden, ist sicher fraglich.

Neben den oben beschriebenen Features der Plattform gibt es auch SoundCloud-eigene Promotionmaßnahmen, beispielsweise den am 4. Oktober 2010 gestarteten „SoundClouder of the Day“ (#SCOTD) via Tumblr und Twitter. Wie hier allerdings die Kriterien aussehen bleibt ein Geheimnis.

Creative Commons-Lizenzen (CC) gegenüber war man von Beginn an aufgeschlossen. Auf Nachfrage dazu, warum CC-Lizenzen auf Soundcloud zur Verfügung gestellt werden, teilt die für PR zuständige Agentur im Namen der Firma mit: „Von Beginn an hatten die Rechte und Interessen unserer Community Priorität. Das Creative Commons-Lizenzsystem gibt jedem – vom individuellen Künstler bis zu großen Firmen und Institutionen – eine standardisierte Möglichkeit, um Nutzungsrechte für ihre kreativen Werke zu vergeben und sicherzustellen, dass die Lizenzgeber den Credit bekommen, den sie verdienen. Insofern passten SoundCloud und Creative Commons einfach perfekt zusammen – und das wird auch so bleiben.“

Das freut Remixer, Video-Produzenten und sonstige Kreative, die über die „Erweitere SoundCloud-Suche“ entsprechend einfach CC-lizenziertes Material finden können. Ein schönes Beispiel für einen prominenten Einsatz von CC-Lizenzen auf SoundCloud ist der (leider bereits vergangene) Remix-Wettbewerb der US-amerikanischen Forschungs- und Bildungsorganisation Smithsonian.


Image (adapted) „DSC_0126“ by Thomas Bonte (CC BY 2.0)


Marco Trovatello

schreibt die monatliche Kolumne 'Netzmusik' für die Kölner Stadtrevue und hilft das Kölner Netaudio-Label 'Der kleine grüne Würfel' zu betreiben. Beruflich beschäftigt er sich mit der Kommunikation von Wissenschaft und Technologie im Rahmen der Weltraumforschung und ist für die für Online-, Social- und Cross-Media Kommunikation beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) zuständig. Privat bloggt Marco auf Superpolar.org.


Artikel per E-Mail verschicken
Schlagwörter: , , ,

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.