Moia im Test: Mit dem Sammeltaxi 2.0 von VW auf großer Tour

Ich lebe zwar gern in der Stadt, aber der Autoverkehr nervt mich. Lärm und Stau zu Stoßzeiten sowie zugeparkte Bürgersteige in Wohngebieten, sind nur einige der Übel, die damit einhergehen. Trotzdem ist ein Auto mitunter die beste Lösung, um von A nach B zu kommen. Nicht zuletzt deswegen verfolge ich begeistert den neuen Trend zu bekannten Mobilitätskonzepten wie Ridesharing, bei denen die Digitalisierung für frischen Fahrtwind sorgt. Ein Vorreiter für das Sammeltaxi 2.0 ist Moia, ein Dienst des VW-Konzerns. In Hamburg fährt er derzeit im Testbetrieb, in Hannover schon regulär. Dort, an meinem Wohnort, habe ich ihn über mehrere Wochen ausprobiert. So schneidet Moia im Test ab.

So funktioniert das Ridesharing mit Moia im Test

Das Prinzip an sich ist bewährt. Auf Abruf befördern Kleinbusse Fahrgäste mit ähnlichen Zielen innerhalb eines festgelegten Gebiets. Als moderne Variante davon lässt sich der Ridesharing-Dienst von Moia per Smartphone buchen. Fahrgäste markieren in einer App Startpunkt und Ziel. Außerdem geben sie an, ob sie allein fahren oder auf eigene Rechnung noch jemanden mitnehmen wollen. Bis zu fünf Passagiere passen in einen der derzeit über 70 VW-Kleinbusse von Moia in Hannover. Die App errechnet daraufhin einen festen Preis, der sich selbst bei Stau und Umwegen nicht erhöht. Ist der Nutzer mit diesem Angebot einverstanden, bucht er das Fahrzeug verbindlich. Es holt ihn nicht direkt vor der Haustür ab und lässt ihn auch nicht exakt am Wunschort heraus, sondern an bestimmten Haltepunkten im Geschäftsgebiet. Derzeit deckt der Ridesharing-Dienst in Hannover mit rund 200 Quadratkilometern fast das gesamte Stadtgebiet ab.

In der Praxis: Praktischer als Bus und Bahn, günstiger als ein Taxi

Moia-App für iOS oder Android herunterladen, E-Mail-Adresse und einen Verifizierungscode sowie Bezahldaten eingeben – schon kann es losgehen. Beim Buchen lege ich nach Start, Ziel, Personenanzahl und Kindersitzbedarf noch fest, ob ich sofort oder in bis zu zehn Minuten aufbrechen möchte. Anschließend kalkuliert die übersichtliche und einfach bedienbare App Route, Dauer und Kosten. Für die günstigste meiner zehn Fahrten zwischen Januar und März 2019 verlangt Moia 4,30 Euro. Die „teuerste“ schlägt mit 7,84 Euro zu Buche, in diesem Fall fuhr aber meine Frau noch mit. Das ist deutlich günstiger, als ein Taxi zu nehmen und gleichzeitig praktischer, als mehrfach mit Bus oder Bahn umsteigen zu müssen.

Kinobesuch, Steuerberatertermin, Kneipentreff mit dem Kumpel – für diese und ähnliche Alltagsfahrten habe ich Moia im Test verwendet. Etwa zwischen drei und sieben Kilometer beträgt die Distanz zwischen meinem Standpunkt und dem Zielort. Bis zum Haltepunkt muss ich mal 50, mal 500 Meter zu Fuß gehen. Selbst für einen lauffaulen Menschen wie mich ist das vertretbar.

Und die Fahrt selbst? Alle meine zehn unangekündigten Test-Fahrten sind mustergültige Beispiele für erstklassige Kundenerlebnisse im Mobilitätsbereich. Denn mir begegnen picobello gepflegte Fahrgasträume, bequeme Einzelsitze sowie freundliche Fahrer, die nett grüßen und kein Gespräch aufdrängen. Ein Monitor informiert die Fahrgäste kontinuierlich über die nächsten Ausstiegspunkte. Die Namen sind darauf mit Anfangsbuchstaben abgekürzt. In meinem Testzeitraum gibt es allerdings wenig Grund zur Anonymisierung, denn meistens bin ich der einzige Fahrgast. Selbst zu vermeintlichen Stoßzeiten an Wochenenden fährt nicht mehr als ein weiterer Passagier mit.

Beim Fahrtende muss ich kein Geld in die Hand nehmen, nicht mal die Zahlung per App freigeben. Stattdessen kann ich einfach aussteigen. Den vereinbarten Betrag bucht Moia daraufhin automatisch ab. Einen Beleg darüber erhalte ich per E-Mail.

Eine Fahrt mit Moia in Bildschirmfotos

Planbarkeit, Betriebszeiten und mehr setzt Moia im Test noch Grenzen

Als Zahlungsmittel akzeptiert Moia derzeit nur Kreditkarten von Visa und Mastercard. Wer keine davon hat oder generell keine Zahlungsdaten in einer App hinterlegen möchte, kann den Ridesharing-Dienst also nicht nutzen. Per Bargeld wie im Taxi oder Bus lässt sich die Fahrt nicht bezahlen. Mich stört das nicht. Aber als ich einer interessierten Passantin auf Nachfrage davon berichte, winkt sie ab.

Der Mangel an alternativen Zahlungsmitteln ist nicht der einzige Aspekt, der die Praxistauglichkeit des Dienstes für so manchen Nutzer begrenzt. Wer beispielsweise ins ländliche Umland zur Arbeit pendelt, hat von Moia nichts. Denn dort fährt der Fahrdienstleister nicht hin. Auch partyfreudige Nachteulen müssen sich eine andere Mitfahrgelegenheit suchen, weil Moia um 24 Uhr den Motor ausstellt und erst um 6 Uhr den Betrieb wieder aufnimmt.

Kommt es auf die Minute an, ist Moia ebenfalls nicht die erste Wahl. Während ich mich auf die pünktliche Abfahrt eines Busses oder vorbestellten Taxis relativ gut verlassen kann, muss ich bei der Vorausplanung mit Moia etwas Spielraum einkalkulieren. Denn staut sich auf einer großen Ausfallstraße der Verkehr, kommt das gebuchte Fahrzeug schon mal fünf bis zehn Minuten später bei mir an, als ursprünglich prognostiziert.

Wer ferner mit großzügigem Urlaubsgepäck zum Bahnhof oder Flughafen reisen möchte, kann sich nicht darauf verlassen, genügend Stauraum dafür vorzufinden. Der kleine Kofferraum der Fahrzeuge in Hannover ist nämlich schnell voll. In Hamburg ist laut Webseite zwar ein Gepäckfach vorhanden, dessen Platzangebot aber ebenfalls nur „je nach Verfügbarkeit“ bereitsteht. Gegen einen kleinen Handgepäckkoffer neben dem Sitzplatz spricht aber nichts, versichert mir ein Fahrer, den ich darauf anspreche.

Fazit zu Moia im Test: Dieses Sammeltaxi 2.0 kommt wie gerufen

Für mich erweist sich Moia im Test als ideale Ergänzung zu öffentlichen Verkehrsmitteln. Den Ridesharing-Dienst per Smartphone zu buchen, ist praktisch für Strecken, für die eine Fahrt mit Bus und Bahn sonst mehrfaches Umsteigen mit ungünstigen Taktungen bedeuten würde. Auch für Touren von Stadtrand ohne Anschluss an die U-Bahn ins Zentrum ist der Dienst von Volkswagen gut geeignet. Besonders preissensibel dürfen Nutzer allerdings nicht sein, denn teurer als Bus und Bahn ist Moia eben schon. Flatrates in Form eines Tagestickets sind dabei nicht buchbar.

Das Kundenerlebnis ist erstklassig. Gegen Wagenzustand, Freundlichkeit der Fahrer und App-Bedienung gibt es nichts einzuwenden. Vor diesem Hintergrund kann ich den Ridesharing-Dienst unbedingt empfehlen. Angesichts der dringend nötigen Verkehrswende, ist er zudem absolut begrüßenswert. Damit ein Dienst wie Moia einen wirklichen Unterschied macht, müssen ihn aber noch viel mehr Menschen nutzen als jetzt in Hamburg und Hannover. Meine Testfahrten und stichprobenartige Umfragen in meinem Bekanntenkreis verdeutlichen, dass Nachfrage und Bekanntheitsgrad noch gering ausgeprägt sind. Für zukunftsfähig halte ich dieses Konzept angesichts der gebotenen Leistung allemal. Wünschenswert wäre nur noch, dass Moia wie in Hamburg auch die Flotte in Hannover alsbald vom Verbrennungsmotor auf Elektroantrieb umstellt.

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Images by Moia, Berti Kolbow-Lehradt

Berti Kolbow-Lehradt

ist Freier Technikjournalist. Für die Netzpiloten sowie unsere Geschwisterseiten Netzpiloten Apple und Netzpiloten Android befasst er sich mit vielen Aspekten rund ums Digitale. Dazu gehören das Smart Home, die Fotografie, Smartphones, die Apple-Welt sowie weitere Bereiche der Consumer Electronics und IT. Mitglied des Netzpiloten Blogger Networks.


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