Qipit: Kopiergerät trifft Document Sharing

Logo qipitEs ist ein Allgemeinplatz: die Welt wird zunehmend digital. Zu blöd, dass man manche Dinge immer noch mit der Hand aufschreibt. Zumindest einige von uns. Dabei können solche Notizen so einfach verloren gehen: das Haus brennt ab, man lässt den Block igendwo liegen usw. Wie schön wäre es, sie auch digital zu haben…

Glücklicherweise hat der halbwegs moderne Mensch von heute immer eine Digitalkamera in irgendeiner Form dabei. Qipit macht sich das zu Nutze: Fotos von Dokumenten können hochgeladen werden, anschließend macht qipit den Rest. Es analysiert die Dateien, schneidet unnötige Ränder ab, begradigt die Dokumente und setzt sie als einfache Schwarz-Weiß-Umsetzung zum tonerschonenden Ausdrucken oder Faxen um. Eine sehr spezielle Aufgabe mit einem begrenzten Einsatzgebiet. Aber taugt qipit auf diesem begrenzten Gebiet?

Wie funktioniert qipit?

Nach der Anmeldung muss man angeben, ob man ein Mobiltelefon oder eine Digitalkamera zum Upload von Dateien nutzen möchte. Anschließend gelangt man in die qipit-Übersicht und kann Dateien hochladen. Qipit kann man mit jeder Kamera (inklusive Mobiltelefonen) verwenden, die eine empfohlene Auflösung von 1 Megapixel bieten kann. Die Bilder können direkt beim Import gedreht und verschlagwortet werden. Nach dem Upload muss man ein wenig warten und erhält dann eine Schwarzweiß-Umsetzung seines hochgeladenen Dokuments. Dabei handelt es sich um wenig mehr als eine einfache Anwendung eines Schwellenwerts: Qipit analysiert die Kontrastwerte des Bildes und betrachtet alles Helle als Papier und alles Dunkle als Information. Alle Pixel über einem bestimmten Wert erscheinen schwarz, alle darunterliegenden weiß. Zusätzlich schneidet der Dienst jedoch unnötige Ränder weg und begradigt die Schrift. Qipit warnt automatisch vor Fehlern, die etwa durch ein unscharfes Dokument entstehen können. Jedes Dokument kann öffentlich gemacht und über eine eigene URL an Bekannte weitergegeben werden. Alternativ können Dokumente über ein einfaches Menü per E-Mail verschickt oder gefaxt werden.

Screenshot qipit
Qipit digitalisiert abfotografierte Dokumente, ohne das Original zu löschen.

Für wen ist qipit gedacht?

Qipit richtet sich an alle, die eine einfache Möglichkeit suchen, handgeschriebene oder ausgedruckte Dokumente zu archivieren. Technisch macht Qipit einen guten Job, wenn es um die Erkennung der Information dient. Damit ist der Dienst prädestiniert für Menschen, die ein einfaches digitales Kopiergerät suchen. Sehr sinnvoll für Menschen, die viele Dokumente kopieren oder handgeschriebene Notizen archivieren möchten, zum Beispiel auf Tagungen.

Blogpiloten-Urteil

Qipit besetzt eine Nische: während sich Fotos von Dokumenten problemlos über andere Dienste wie Flickr sichern lassen, bietet qipit den Vorteil einer automatischen Reduzierung des Fotos auf die essentielle Information. Professionelle Anwender werden sicherlich vermissen, auf diese Umwandlung Einfluss nehmen zu können. Dennoch lässt sich der Dienst uneingeschränkt empfehlen – innerhalb seiner Nische. Diese Beschränkung ist qipits große Stärke, aber zugleich auch seine Schwäche. Wer unterwegs Dokumente schnell digitalisieren möchte und einfach nur auf die Informationen aus ist, findet alles, was er braucht. Eine große Verbreitung dürfte qipit damit jedoch nicht finden. Doch wer weiß: vielleicht finden wir in Deutschlands Universitäten demnächst Studierende, die lieber Bücher mit ihrer Handykamera abfotografieren, anstatt sich in die Schlange vorm Kopierer einzureihen.

Björn Rohles

ist Medienwissenschaftler und beobachtet als Autor („Grundkurs Gutes Webdesign“) und Berater den digitalen Wandel. Seine Themenschwerpunkte sind User Experience, anwenderfreundliches Design und digitale Strategien. Er schreibt regelmäßig für Fachmedien wie das t3n Magazin, die Netzpiloten oder Screenguide. Mitglied des Netzpiloten Blogger Networks.


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