One Spark: Welche Rolle spielt Crowdfunding in der Kunst?

Welche Rolle spielt Crowdfunding in der Kunst? Darüber sprachen wir mit One Spark-Jurorin Leah Stuhltrager. // von Gina Schad

Leah Stuhltrager

Am 13. September findet in der Berliner Platoon-Kunsthalle das internationale Crowdfunding-Festival One Spark statt. Die Netzpiloten sind als Medienpartner live vor Ort dabei und berichten, aber bis dahin sprechen wir mit den Experten auf dem Event, welche Rolle Crowdfunding in ihrem Bereich spielt. Leah Stuhltrager ist Mitgründerin von THE WYE, einem besonderen Ort im Berliner Stadtteil Kreuzberg, der Technologie mit Kunst verbindet. Sie wird am One Spark Crowdfunding Festival als Jurorin in der Kategorie „Art“ über eingereichte Projekte ihr Urteil fällen. Im Interview spricht sie mit uns über die Rolle von Crowdfunding in der Kunst und das es auch ohne geht.

Gina Schad: Hallo, Leah. Stellt dich doch bitte kurz vor. Wer bist du?

Leah Stuhltrager: Ich bin Mitbegründerin von THE WYE. Meine kurze Biografie können Sie hier nachlesen: thewye.de/who-are-we

Was machst du mit Crowdfunding?

THE WYE hat keinen Cent aus staatlicher Förderung erhalten und entwickelte/unterstützte die eigene Programmierung durch private Aufbringung von Mitteln von dessen Klienten und Netzwerk. THE WYE engagiert sich für das Entfalten greifbarer Möglichkeiten für die kreative und technische Industrie, die diese erschafft. Dass One Spark eine Plattform für junge Talente bietet, um ihre eigene zahlende Zielgruppe aufzubauen oder zu erweitern, ist etwas, das bei mir und THE WYE Anklang findet.

Du bist ein Juror beim Berliner Crowdfunding-Festival One Spark. Warum brauchen wir deiner Meinung nach für die Kunst- und Kulturbranche ein Crowdfunding?

Leiter des Innovationsbereichs (sowohl kulturelle als auch technische Branchen) verändern nicht nur die physischen Städte, in denen sie leben, sondern die Gesellschaft als Ganzes. Es ist wichtig, alle Möglichkeiten offen zu halten für Menschen/Ideen, damit sie wachsen und außerhalb des Rahmens der Unternehmens- oder Staatsabhängigkeit eigenständig werden.

Welche Gründe gibt es für Projekstarter, sich bei einem Crowdfunding-Festival anzumelden?

One Spark bietet eine Plattform, damit die teilnehmenden Projekte gesehen werden. Projekte können auf Festivals und Messen Aufmerksamkeit auf sich ziehen und damit auch ein größeres Publikum, Presse, mehr Chancen.

Würde deiner Meinung nach eine Crowdfunding-Plattform für digitale Kulturprojekte Sinn machen?

Es gibt viele Crowdfunding-Plattformen. Der Erfolg bei allen hängt davon ab, was sie anders als die Konkurrenz machen und wie das jene unterstützt, die sie nutzen. In meinen Augen ist es unwahrscheinlich, dass die vielen durch eine Crowdfunding-Plattform entstandenen Vorteile das Publikum nur auf die beschränkt, die sich für digitale Kulturprojekte interessieren.

Könnte man Crowdfunding-Projekte überhaupt auch ohne Plattform starten?

Ja – es gibt viele Beispiele in diesem vordigitalen Zeitalter. Crowdfunding ist nur ein neuerer Begriff, der auf ältere Gemeinschaftsinitiative-Finanzierungsmodelle gesetzt wird.

Ist das Crowdfunding eine echte Alternative für die nationale Kulturförderung? Oder eher eine Ergänzung?

Crowdfunding (Aufbringen von Kapital durch Bürger) für Kultur ist etwas völlig Anderes als öffentliche Finanzierung (staatliche Förderung des Volksfonds) der Kultur. Crowdsourcing ist stark darauf angewiesen, dass das Projekt direkt zum Publikum liefert bzw. dem Publikum gegenüber verantwortlich ist, welches es unterstützt. Das ist weder Struktur noch Standard bei öffentlicher Finanzierung. Es ist wichtig, beides zu haben, und vielleicht auch für jedes Finanzierungsmodell, von den Vorteilen des jeweils anderen zu lernen.

Es gibt immer noch Menschen, die dem Crowdfunding gegenüber skeptisch sind. Was könnte negativ daran sein?

Ich persönlich weiß nichts von irgendwelcher Skepsis gegenüber Crowdfunding… Die Fruchtbarkeit und Macht des Online-Konsumerismus ist nicht wirklich etwas, dessen Existenz und dass wir ein Teil davon sind, man in heutigen Zeiten leugnen kann.

Gina Schad

hat Medienwissenschaft an der Humboldt-Universität Berlin studiert. Ihre Masterarbeit hat sie zum Thema „Risiken und Chancen der Digitalisierung für Gesellschaft und Kultur“ verfasst. Derzeit forscht sie weiter zu den Themen Privatsphäre und Öffentlichkeit in der Digitalen Welt. Auf ihrem Blog medienfische bloggt sie über Menschen, Ideen und Netzkulturdings. Privat schreibt sie mit einem Stift auf Blätter, bei Twitter ist sie unter @achwieschade zu finden. Mitglied des Netzpiloten Blogger Networks.


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