Microsoft veröffentlicht sein neues Betriebssystem Windows 10

Mit Windows 10 möchte Microsoft mehr als nur ein Betriebssystem anbieten, doch die Erwartungen sind wohl etwas zu hoch gesteckt. // von Tobias Schwarz

Microsoft Windows 10 (Image by Microsoft)

Seit gestern ist Windows 10 weltweit verfügbar. Persönlich anschauen konnte ich es mir bisher nur auf dem Surface meiner Freundin, denn ich bin vor sechs Jahren zu Ubuntu und anderen Linux-Distributionen gewechselt und nie wieder zurück gekommen. Mein Mailfach wird aber gerade mit Microsoft-Pressemitteilungen nur so zu geflutet, weshalb ich mir die Neuerungen an dem “mehr als ein neues Betriebssystem” mal in der Theorie anschaue.

Es ist eine neue Generation von Windows, die den Zugang zu Technologien verändert, zukunftsweisende Neuerungen mitbringt und erstmals auch als kostenloses Upgrade verfügbar ist.” Starke Worte, die meiner Meinung nach kein Betriebssystem jemals einhalten kann, aber dieser Satz ist sicher auch nicht von einem Entwickler formuliert, sondern von der Marketing-Abteilung. Nehmen wir mal an, bei Microsoft haben sich viele Menschen sehr viel Mühe gegeben.

Hier sind laut Microsoft die zehn wichtigsten Gründe für das Upgrade auf Windows 10:

1. Kostenlos für Windows 7 Nutzer

Das Upgrade auf Windows 10 startet weltweit in 190 Ländern und 111 Sprachen und besonders Windows 7 Nutzer profitieren: Windows 10 ist für qualifizierte Windows 7 PCs innerhalb eines Jahres nach dem Start der Verfügbarkeit als kostenloses Upgrade erhältlich. Damit das Upgrade funktioniert, sollte auf dem Rechner das Service Pack 1 installiert und Windows Automatisches Update aktiviert sein.

Kommentar: Als Ubuntu-Nutzer finde ich es überhaupt nicht beeindruckend, dass ein Betriebssystem weltweit und kostenlos erhältlich ist. Apple-Kunden geht es wahrscheinlich ähnlich. Und im Zeitalter mobiler Betriebssysteme sind auch Android-Nutzer eher verwundert, dass das der erste Grund für das Upgrade sein soll. Das Update spielte sich gestern unauffällig auf das Tablet, als wäre es eine ganz normale Aktualisierung.

2. Vertraute Anwendung, auf dem neuesten Stand

Mit Windows 10 müssen Windows 7 Nutzer nicht auf das bekannte Startmenü verzichten. Es bietet weiterhin die Möglichkeit, schnell auf wichtige und bekannte Elemente zuzugreifen. Beim Upgrade auf Windows 10 bleiben hierbei alle persönlichen Daten und Einstellungen erhalten. Neu ist ein Bereich für den direkten Zugriff auf favorisierte Apps, Programme, Kontakte und Webseiten, so dass die Navigation noch einfacher wird. Mit Windows 10 bringen Windows 7 Kunden ihren Rechner in Punkto Bedienkomfort, Sicherheit und auch Schnelligkeit auf den neuesten Stand.

Kommentar: Siehe Kommentar zu Punkt 1, ergänzt um die Frage, warum das so lange gedauert hat? Und dem Fakt, dass es sich dann doch noch ab und zu aufhängt, aber das ist wahrscheinlich die “vertraute Anwendung“, die versprochen wurde.

3. Einheitliche Nutzererfahrung über alle Geräte

Windows 10 berücksichtigt die spezifischen Eigenschaften von Tablets, Notebooks, Smartphones über das Internet der Dinge bis hin zur Xbox. So kommt es mit nur einem Windows Store und dank Universal Apps erstellen Entwickler nur noch eine Anwendung für die Nutzung auf allen Windows Geräten. Für Anwender läuft diese Universal App dann auf mehreren Devices, das ermöglicht eine einheitliche Nutzererfahrung. Dafür sorgt auch die Continuum-Funktion: Das Betriebssystem passt sich an das jeweilige Gerät an und erkennt, ob der Nutzer mit Tastatur, Maus oder per Touch arbeitet und wechselt automatisch in den dafür vorgesehenen Modus.

Kommentar: Klingt nett, ist aber auch schon länger State of the art. Microsoft hat aufgeholt ohne zu überholen.

4. Office Mobile Apps: Überall produktiv

Windows 10 unterstützt die neuen Office Word, Excel und PowerPoint Mobile Apps für eine konsistente und für die Touch-Bedienung optimierte Nutzererfahrung über alle Devices – vom Smartphone bis zum Surface Hub. Zudem kommt Windows 10 mit integrierten Universal Apps wie Fotos, Karten, Mail, Kalender, Musik und Video.

Kommentar: Also die Betonung der integrierten Universal Apps ist mal wieder so ein Marketing-Witz, aber wenn es Microsoft wirklich geschafft hat, dass mobile Apps wie Office Word, Excel und PowerPoint auch per Touch leicht zu bedienen sind, wäre das eine wirkliche Verbesserung und würde sie von der Konkurrenz etwas abheben. Zumindest bin ich persönlich mit den ähnlichen Google-Diensten auf Android gar nicht glücklich, wenn es um die Touch-Bedienung auf dem Smartphone geht.

5. Microsoft Edge: Die nächste Browser Generation

Microsoft Edge ist ein von Grund auf neu konzipierter Browser, dessen Funktionen über das bekannte „Surfen“ hinausgehen: Er ermöglich das einfache Einfügen und Teilen von Kommentaren per Stift oder Tastatur direkt auf der Webseite. Darüber hinaus bietet Edge einen neuen Lesemodus und die Integration von Cortana für eine vereinfachte Web-Suche. Als erster Browser unterstützt er das neue Audio-Format Dolby Advanced Audio, wodurch besonders solche Nutzer profitieren, die regelmäßig Videos im Browser schauen.

Kommentar: Microsoft hat also ungefähr 10 Jahre gebraucht, um zu kapieren, dass der Internet Explorer einfach nur Mist war. Wenn man bedenkt, wie weit schon damals Browser wie Opera, Firefox und auch Chrome waren, fragt man sich, was da los war. Was Edge wirklich kann, wird sich zeigen. Die Unterstützung des Audio-Formats Dolby Advanced Audio ist nett, aber gerade mobil nutzen die meisten Kunden wohl eher eine App anstatt den Browser, um sich Videos anzuschauen.

6. PC Gaming & Xbox: Die beste Plattform für Gamer

Windows 10 verbindet die Gaming-Welten von PC und Konsole wie keine zweite Plattform. Die integrierte DirectX 12-Technologie ermöglicht die bisher beste Spielegrafik für PC Spiele. Spiele auf der Xbox One Konsole lassen sich in Zukunft auf Windows 10 Tablets oder PCs streamen. „Cross-Device Gameplay“ sorgt dafür, dass Spiele zukünftig mit Freunden auf verschiedenen Windows 10 Geräten sowie der Xbox gespielt werden.

Kommentar: Ich habe eine Playstation, kann zu diesem Punkt also nichts Wesentliches schreiben. Klingt aber nett.

7. Cortana: Erstmals auf PCs & Tablets verfügbar

Microsofts persönliche digitale Assistentin Cortana ist dialogorientiert und kann Themen vorausschauend behandeln. So gibt sie Nutzern bei Bedarf Empfehlungen und bietet wichtige persönliche Informationen auf einen Blick. Cortana ist über Sprach- und Tastatureingabe nutzbar und unterstützt Anwender im täglichen Leben, beispielsweise per umfassender Suchfunktion oder bei dem Erinnern von Terminen. Über das Notizbuch bestimmt dabei der Anwender, was Cortana wissen darf.

Kommentar: Ich habe seit sechs Tagen ein Windows Phone im Einsatz und muss sagen, dass mich Cortana bis jetzt nicht sehr beeindruckt hat. Bis jetzt gefällt mir der digitale Assistent von Googles Android noch besser. Vielleicht ändere ich aber diese Meinung in naher Zukunft, wenn ich vertrauter mit dem Gerät und seinen Möglichkeiten bin.

8. Hologramme & mehr: Für die Zukunft gerüstet

Windows 10 ist vorbereitet für die aufregendsten IT-Trends unserer Zeit: von der Mensch-Maschine-Interaktion, über das Internet der Dinge bis hin zu holografischen Erlebnissen in der realen Welt. Windows 10 ist die Basis von Microsoft HoloLens, dem weltweit ersten ungebundenen, holographischen Computer. Dieser erlaubt eine neue Erfahrung bei der Erstellung und dem Zugang zu Informationen sowie in den Bereichen Unterhaltung und Kommunikation.

Kommentar: Wenn ich das richtig verstehe, brauche ich wohl eine HoloLens, um die aufregenden Möglichkeiten von Windows 10 erleben zu können. Warum das dann mein Update des Betriebssystem auf dem PC oder Notebook verbessern soll, vermag ich noch nicht zu sagen. Demnächst werde ich mir wohl auch keine HoloLens kaufen.

9. “Windows as a Service”: Stets auf dem neuesten Stand

Die neue Windows Generation folgt dem neuen Prinzip „Windows as a Service”: Geräte, auf denen ein Upgrade von Windows 10 installiert ist, erhalten kostenlose Aktualisierungen. Windows 7 dagegen kommt langsam in die Jahre, für moderne IT-Trends ist es nicht vorbereitet und in Punkto Sicherheit ist es nicht mehr auf dem neuesten Stand.

Kommentar:

You Dont Say Meme

10. Höchste Sicherheit, flexible Verwaltung, einfaches Ausrollen: Das beste Windows für Unternehmen

Windows 10 bietet Unternehmen eine einheitliche Plattform für alle Geräte, die höchsten Sicherheitsanforderungen gerecht wird. In Kombination mit flexiblen Modellen im Bereich der IT-Verwaltung sowie erweiterten Optionen für effiziente Migrations-Prozesse profitieren Unternehmen jeder Größenordnung. Zudem bietet Windows 10 erhebliche Potentiale zur nachhaltigen Kostenreduzierung, beispielsweise durch einen einzigen Business Store und die einmalige Entwicklung und Bereitstellung von Universal Apps.

Kommentar: Das ist mal ein wirklich ernst zu nehmender Punkt, denn gerade in Betrieben ist Windows noch das verbreiteste Betriebssytem. Die meisten privaten Nutzer wird das zwar nicht direkt betreffen, aber gerade im Business-Segment weiß Microsoft, wie sie Geld verdienen können.

Überzeugt? Wer bereits Windows 7 oder Windows 8.1 besitzt, kann sich auf dieser Website das kostenlose Update reservieren: http://www.microsoft.com/de-de. Mit der Reservierung wird die Kompatibilität des Rechners überprüft. Diese stellt laut Microsoft auch sicher, dass der PC in der vordersten Reihe steht, sobald das Upgrade ausgerollt wird. Die Reservierung erfolgt über die Get Windows 10-App. Nutzer gelangen zur App, indem sie auf das kleine Windows Symbol auf der rechten Seite der Taskleiste klicken. Das Symbol erscheint bei Rechnern, die mit Windows 7 SP1 laufen und Windows Automatisches Update aktiviert haben. Es zeigt an, dass der PC für das Windows 10 Update vorbereitet ist. Nach dem Klick auf das Symbol öffnet sich ein Fenster, dort wählen Nutzer einfach “Jetzt kostenlose Aktualisierung reservieren”.

Viel Spaß mit Windows 10.


Teaser & Image by Microsoft Deutschland.


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Tobias Kremkau

Tobias Kremkau

ist Coworking Manager des St. Oberholz und als Editor-at-Large für Netzpiloten.de tätig. Von 2013 bis 2016 leitete er Netzpiloten.de und unternahm verschiedene Blogger-Reisen. Zusammen mit Ansgar Oberholz hat er den Think Tank "Institut für Neue Arbeit" gegründet und berät Unternehmen zu Fragen der Transformation von Arbeit. Mitglied des Netzpiloten Blogger Networks.

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3 comments

  1. auch wenn ich persönlich jetzt nicht der OS Spezialist bin und auch nicht der MS-Fan, so muss ich sagen, dass bspw. die o.g. Punkte jeweils nur mit einem alternativen OS verglichen werden sollte und nicht bunt durcheinander.

    Wie manchen Foren zu entnehmen ist, sind bspw. manche Linux-User garnicht in der Lage deren System aktuell zu halten. Auf der anderen Seite sind die iOS-User nicht in der Lage, die Daten aus deren Ökosystem in andere (Massensysteme) zu übertragen.
    Dh. wenn man nur exotisch bzw. schick sein möchte iO. wenn es jedoch produktiv eingesetzt werden soll, gibt es aktuell keine Alternativen.

    1. Mit diesem „bunt durcheinander“ Vergleich verschiedener Betriebssysteme erreicht man mehr LeserInnen. Ich hatte mir dabei schon etwas gedacht, denn ich kenne Leute, die haben nur Android-Geräte im Einsatz, ein Vergleich mit iOS oder Ubuntu bringt denen also gar nichts. Und jeder vergleicht Windows 10 eben mit dem ihm bekannten Betriebssystem, deshalb auch der breitere Vergleich mit anderen Betriebssystemen. Und dein Fazit von „exotischen“ Betriebssystemen kann ich gar nicht teilen, bzw. ich halte es sogar für groben Unsinn. Linux-Systemen können eine stets spannende Herausforderung sein, aber das von mir erwähnte Ubuntu ist es gerade nicht. Deshalb sind Ubuntu als Linux-Distribution (informiere dich mal über LiMux) und iOS sehr wohl Alternativen zu Windows, die genauso sicher und bequem sind.

  2. Also ich nutze jetzt Xubuntu und es macht alles, was ich auf der Kiste und von der Kiste will.

    Betriebssysteme sind wie andere Elektrogeräte, sagen wir mal Toaster, irgendwie ausgereift. Jetzt kommt es darauf an sich so wenig Stress wie möglich damit zu machen.

    Microsoft hat den Anschluss an die „Open“ Welt verpasst, weil es sich idiotisch ideologisch verbohrt haben. Ob sie den IE-next in Edge umbenennen oder wieder ein schwachsinniges Startmenü ergänzen ist für mich als Nutzer einigermaßen wumpe, ich will vom Betriebssystem in Ruhe gelassen werden.

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