Jahresrückblick 2008: Web und Fernsehen

Weihnachten 2008. Wie jedes Jahr schneit es in Deutschland. Die weihnachtlich gestimmten Familien versammeln sich vor den heimischen Fernsehgeräten und betrachten das eigens für mehr oder weniger auf sie zugeschnittene Zielgruppen-Programm. Im Internet herrscht indes gähnende Leere. Vergessen sind die Tage, als die ominösen Blogpiloten arrogant den Tod des Fernsehens hinausposaunten. Das Leitmedium hat die besinnlichen Tage fest im Griff. Aber dennoch: das vergangene Jahr hat gezeigt, wie gut sich Internet und Fernsehen vertragen können – und dass WebTV nicht einfach TV im Web ist.

2008: Von der Röhre in die Glasfaser

Es gab einmal eine Zeit, da sahen die Webpräsenzen hiesiger Fernsehsender aus, als seien sie von Zeitungen gemacht. Da gab es Texte, Texte, Texte und hin und wieder einmal das eine oder andere Bild. Doch weil die Webianer so artig waren, durften sie sich immer schneller und günstiger im Netz fortbewegen. Nun betrachtet es jeder anständige Sender als Pflicht, sein Programm mehr oder weniger vollständig ins Netz zu stellen. Und die Zeitungen versuchen ihrerseits, ein bisschen Fernsehen zu werden: Videos und Streams, wohin das Auge reicht.

Nichts dabei in den Mediatheken? Kein Ding, denn Zattoo kann seit April 2008 deutsche (öffentlich-rechtliche) Programme über das Internet streamen und setzt dabei voll auf Peer-to-Peer. So wird das gesamte Programm live im Netz verfügbar, wenn auch nur in geringer Auflösung.

Screenshot Hobnox Audiotools
Hobnox: Fernseh- und Audioproduktion in deiner Hand

Schon 2007 gestartet, hat der Kreativ-Dienst Hobnox eine rasante Entwicklung in den vergangenen zwölf Monaten hinter sich. In einem zweiteiligen Testbericht, der die Blickwinkel von Konsumenten und Produzenten eingenommen hat, konnte der Dienst überzeugen wie kaum ein anderer. Seitdem konnten Daheimgebliebene die erste deutsche Twitterlesung oder das Berliner Barcamp verfolgen. Wenig überraschend sahnten die Macher dann auch eine ganze Reihe von Awards ab.

Telewebber Chat Telewebber ist ein spezialisierter Chat mit allem rund ums Fernsehen

Einen anderen Weg geht Telewebber: Das Fernsehen bleibt raus aus dem Netz, aber für die Interaktion und Kommunikation schafft der Dienst mit witzigen Features einen fernsehbezogenen Chatraum. Im Test wurde diese Idee gewürdigt, Telewebber-Macher Andreas Dittes stand danach Rede und Antwort.

Das Fernsehen ist im Web angekommen und zeigt sich von seiner interaktiven Seite. Es bleibt spannend, was 2009 in diesem Bereich geschehen wird. Ein heißer Tipp: putpat. Das neue Projekt von VIVA-Gründer Dieter Gorny und Ex-MTV-Moderator Ray Cokes möchte dem Musikfernsehen im Web neue Lebensenergien einhauchen. Die Web-Gemeinde ist gespannt…

Björn Rohles

ist Medienwissenschaftler und beobachtet als Autor („Grundkurs Gutes Webdesign“) und Berater den digitalen Wandel. Seine Themenschwerpunkte sind User Experience, anwenderfreundliches Design und digitale Strategien. Er schreibt regelmäßig für Fachmedien wie das t3n Magazin, die Netzpiloten oder Screenguide. Mitglied des Netzpiloten Blogger Networks.


Artikel per E-Mail verschicken
Schlagwörter: , , , , , ,

1 comment

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.