Interview Björn Waide: Das neue Xing

Anläßlich des baldigen Auftritts von Xing im neuen Gewand haben wir Björn Waide, den Senior Product Manager bei Xing befragt, was alles in Zukunft anders wird.

Björn, als Senior Product Manager bei Xing, was macht man da eigentlich? Welche Produkte betreust Du?

Als Produktmanager für das neue XING sorge ich dafür, dass vom Konzept bis zum Design ein Produkt entsteht, das unseren Mitgliedern wirklich etwas bringt und unseren Ansprüchen gerecht wird. Neben diesem ganzheitlich orientierten Anliegen verantworte ich mit meinem Team speziell noch die Startseite und das XING-Profil, also wesentliche Bestandteile unserer Plattform.

Im Einzelnen zählt es zum Aufgabenbereich der Product Manager bei XING unter dem Dach langfristiger strategischer Überlegungen konkrete Ideen und Vorschläge (zum Beispiel in Kundengesprächen, durch Supportanfragen oder ein klassisches Brainstorming im Team) zu katalogisieren und zu priorisieren, und daraus ein kohärentes Produkt zu entwickeln. Gemeinsam mit den Designern werden die anliegenden Features entsprechend spezifiziert und in unserer User-Experience-Abteilung mit Nutzern getestet, ehe man sie im engen Kontakt mit den Entwicklern das Licht der XING-Welt erblicken lässt. Alle arbeiten dabei auf diesen Punkt hin.

Wie sind die Zugriffs- und Nutzerzahlen bei Xing. Seid Ihr zufrieden?
Wir sind gegenwärtig sehr zufrieden – wie bei unseren Quartalszahlen Q1/2011 gezeigt: So stieg die Zahl der Nutzer in Deutschland, Österreich und der Schweiz um 215.000 auf rund 4,7 Mio. – das stärkste Mitgliederwachstum seit acht Quartalen.

LinkedIn gewinnt aktuell weltweit viele neue Nutzer hinzu, nach langer Stagnation. Ist das Euer direkter Konkurrent oder positioniert Ihr Euch eher an Facebook?

Unsere Positionierung ist glasklar: Wir sind ein berufliches Netzwerk und spielen damit auf einem anderen Feld als private Netzwerke. Die Trennung zwischen einer beruflichen und einer privaten Existenz im Netz ist klar im Interesse unserer Zielgruppe. Unser Kernmarkt ist der deutschsprachige Raum. Hier sind wir mit deutlichem Abstand Marktführer und wachsen weiterhin schneller als alle anderen beruflichen Netzwerke.

Sicher werden jetzt alle sagen, dass Euer Design sich an Facebook orientiert, weil ihr oben die Mitteilungsfunktion positioniert habt, genau wie dort. Auch einige andere grundlegende Strukturelemente erinnern an Facebook. Das ist seltsam, wo doch gerade Facebook selbst als schlechtes Beispiel für Benutzerfreundlichkeit gilt…

Grundsätzlich bleiben wir auch beim neuen XING in der großen Interaktions- und Informationsarchitektur komplett eigenständig und folgen dem „mentalen Modell“ der Nutzer, wie wir es in zahlreichen Interviews und Nutzertests. Das Layout ist aufgeräumt und trennt in seinem klaren Aufbau persönliche Inhalte (XING-Leiste) von der allgemeinen Seitenstruktur. Wir haben bei der Entwicklung Prinzipien des mobile Designs verwendet: Jede Seite hat /einen/ zentralen Inhalt, mögliche weiterführende Aktionen sind in einem dedizierten Bereich abgelegt. Darüber hinaus haben in letzter Zeit schlicht state-of-the-Art-Funktionen, welche die Nutzer in social media gewohnt sind, auch auf das berufliche Netzwerken in XING übertragen.

Ist das Design eine Vorstufe zu HTML5 oder zu einem einheitlichen Design, sodass man keine App mehr braucht, sondern der Inhalt, der links und rechts neben dem Hauptinhalt ist, der wandert bei kleineren Screens auf dem iPad oder Smartphones einfach automatisch nach unten? Oder werdet Ihr weiterhin parallele Apps entwickeln.

HTML 5 und CSS 3 stellen ja ein ganzes Konvolut an verschiedenen Features und Techniken, von denen wir einige schon derzeit einsetzen. Selbstverständlich stehen wir als Business-Netzwerk mit einer breiten Zielgruppe auch vor der Herausforderung, dass unsere Infrastruktur auf möglichst vielen Browsern mit unterschiedlichen Standards funktional sein und bleiben muss.

Für Smartphones haben wir wahlweise native Apps (Android, iOS) oder eine plattformübergreifende Lösung auf jquery-mobile-Basis (touch.xing.com). All diese Lösungen werden von einem dedizierten Team stetig weiterentwickelt. Mit unserem Plattform-agnostischen Ansatz liefern wir für jene Dienste, die unsere Mitglieder nutzen, ohne uns in eine Richtung zu verbeißen.

Eine der Grundideen für das neue XING war es, die Benutzung auch auf touch-basierten Geräten zu vereinfachen, indem zum Beispiel eine Breite von 1024 Pixeln (iPad-Format) genügt und Mouseover-Effekte weniger dominant zum Einsatz kommen.

Diese skizzierten Wege werden wir auch künftig weiter einschlagen: Ein sinnvoller Einsatz moderner Technologie, der möglichst viele unserer Mitglieder erreicht und jeweils das bestmögliche Erlebnis für die jeweilige Plattform erzielt.

Habt Ihr besondere Aktivitäten oder Produkte in der Pipeline, die das mobile Web adressieren. Ich denke dabei auch an die ganzen Location-Based-Services zum Beispiel beim Unterstützen von Events wie Messen etc.

In dem Bereich gibt es sicher viele sinnvolle Anwendungen – wir haben mit unserem HTML5-basierten mobile Handshake im September 2010 schon eine solche auf den Weg gebracht, die plattformübergreifend mobile Vernetzung ermöglicht. Gerade in diese Richtung werden wir sicher weiter gehen. Aber: Konkrete Produkte kündigen wir erst an, wenn es so weit ist.

Wie siehst Du die Entwicklung sozialer Netzwerke im Allgemeinen? Neben der Diskussion rund um Privacy und Urheberrechten wird das Netz ja immer mehr zur Plattform für Kommunikation UND Information. Kann das auch das Zusammenleben beeinflussen oder ist es einfach „nur“ ein Zusammenwachsen vorher getrennter Kanäle?

Der Boom sozialer Netzwerke ist weiter ungebrochen und setzt sich quer durch die Gesellschaft fort, und es gibt verschiedene Anwendungsszenarien und -bereiche, auch bei XING.

Siehst Du ein next big thing? Vor allem in Bezug auf enterprise 2.0…

Was genau ‚das nächste große Ding‘ sein wird, kann ich mangels Kristallkugel gerade nicht sagen. Wir richten uns darauf aus, die kurzfristigen wie langfristigen Trends in der social media Welt und ihre Relevanz für unsere Kunden zu erkennen. Wir sehen, dass Menschen Ihr berufliches Profil dort pflegen und nutzen wollen, wo sie es beruflich benötigen – also zum Beispiel mobil oder im Outlook-Postfach. Unternehmen suchen nach Möglichkeiten, Kunden oder Mitarbeiter dort zu erreichen, wo sie sind. Das ist unser Umfeld, hier bauen wir unser Angebot auch künftig weiter konsequent aus.

Jörg Wittkewitz

  ist seit 1999 als Freier Autor und Freier Journalist tätig für nationale und internationale Zeitungen und Magazine, Online-Publikationen sowie Radio- und TV-Sender. (Redaktionsleiter Netzpiloten.de von 2009 bis 2012)


Artikel per E-Mail verschicken
Schlagwörter: , , ,

1 comment

  1. Interessantes Interview! Ich bin gespannt, wie schnell sich HTML5 verbreiten und etablieren wird. Mich persönlich nervt es manchmal schon fast, wenn ich auf meinem Handy nur die mobile Version einer Seite anzeigen lassen kann, manchmal wäre mir die klassische Variante lieber…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.