Helden-Web: Blut, Schweiß und Tränen für Berlin!

Helden-Web: Blut, Schweiß und Tränen für Berlin!Titelbild-Quelle (Screenshot-Montage) © www.s-f.com

Die Boulevardzeitung „B.Z.“ wirbt in Berlin für ehrenamtliches Engagement. Dumm nur, dass die Werbeplakate an Bus- und Bahnhaltestellen so gar nicht zur freiwilligen Arbeit motivieren. Dreck an der Wange und Blessuren im Gesicht. Die schweißgebadeten Gesichter auf den Porträtfotos haben eher ein Trainingslager oder Boxkampf hinter sich, als dass sie an Schulen Pausenbrote für Kinder geschmiert hätten. Auch Blut spenden oder Obdachlose vor dem Erfrieren rettet, sieht wohl anders aus. Gänzlich unverständlich bleibt auf den Plakaten der Appell an Hilfsbereitschaft und Nächstenliebe. Die „taz“ empfindet die Schmerzensmänner und -fau zum Davonlaufen.

Tatsächlich wirbt so die „B.Z.“ für die eigene Aktion „Berliner Helden“. Der Bär in Heldenkostüm, unten rechts auf den Plakaten, verweist auf das Ehrenamtsprojekt, das Freiwilligen- und Ehrenamtsverbände untereinander verknüpft und Berlinerinnen und Berliner dazu aufruft, sich für ihre Stadt einzusetzen. Mit einer Erwähnung in der Zeitung ernennt die „B.Z.“ ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu Helden.

Eigentlich doch eine tolle Sache. Sind der Werbeagentur also nur die Plakate missraten?

Berliner Helden

Ob Müll im Wald sammeln oder Kindern beim Hausaufgaben helfen, seit Oktober 2009 vermittelt der Internetauftritt www.berliner-helden.com engagierte Bürgerinnen und Bürger an Projekte, die ehrenamtliche Unterstützung suchen. Jeden Tag stellt die Webseite einige dieser ehrenamtlichen Mitarbeiter vor. In den letzten zwei Jahren haben sich rund 2.000 freiwillige Helfer gemeldet, und bereits über 15.000 Stunden wurde ehrenamtlich gearbeitet. Trotz aller Imagepflege ist die „B.Z.“ für den Erfolg ihrer Aktion zu loben. Warum also der Ärger um die Plakate? Alles nur Neid der kleinen Konkurrenten, denen das Budget für solche Kampagnen fehlt?

Keine Bescheidenheit

Es ist wohl eher die Art, wie die „B.Z.“ ihre Kampagne inszeniert. Ganz nach Gewohnheit wird aus der Mücke ein Elefant gemacht. An die ganz große Glocke hängt die Boulevardzeitung ihre Aktion zu Weihnachten. Am Sonntag, den 25. Dezember veröffentlicht sie ein Sonderheft zur Helden-Aktion. Die Bescheidenheit der ehrenamtlichen Mitarbeiter steht dazu völlig im Kontrast. „Es macht einfach Spaß, anderen Menschen etwas Gutes tun zu können“, sagt Alexander Crasselt über sein Ehrenamt. Zwölf Stunden pro Woche hat er Bereitschaft als Rettungssanitäter für das Rote Kreuz. Ist er ein Held?

Das Ehrenamt als sportliche Leistung

Wo werden Helden denn geboren, wenn nicht auf dem Schlacht- oder Spielfeld? Wir lieben den Sport. Er ist lebensnah und eindeutig, denn entweder gewinnt oder verliert man. Der Sport bietet klare Werte, gut und schlecht, Erfolg und Misserfolg. Sportereignisse erleben wir emotional mit, auch wenn es vor dem Fernseher ist. Die Ergebnisse sind in Toren oder Punkten vergleichbar. Gewinner und Verlierer werden übersichtlich in Tabellen zusammengefasst. Ganz nach der Manier des Sport-Ressorts inszeniert die „B.Z.“ ehrenamtliche Arbeit als Heldentat vor dem Hintergrund eines Gut-Gegen-Böse-Kampfszenariums. Sollte die ehrenamtliche Arbeit wirklich von der Gewinner-Verlierer-Mentalität geprägt sein? Vielmehr geht es doch um das Miteinander als das Gegeneinander. Auch müssen es keine jungen und gut aussehenden Athletinnen und Athleten in Feinrippunterhemden sein, die sich das Gesicht lädieren. In den letzten zehn Jahren stieg vor allem in der Generation 65+ der Anteil der ehrenamtlich Tätigen.

Blut, Schweiß und Tränen

Stellt sich die Frage, gegen wen unsere Berliner Helden kämpfen? Weiß auf rotem Grund tragen die Plakate die Aufschrift: „Dein Blut für Berlin“, „Dein Schweiß für Berlin“ und „Deine Tränen für Berlin“. Die Aufzählung erinnert an die Rede von Winston Churchill. Mit der Blut-Schweiß-und-Tränen-Rede bereitete Churchill das britische Unterhaus und die Bevölkerung auf die Härten, Nöte und Entbehrungen des Zweiten Weltkrieges vor.

Gegen wen führen wir Krieg, wenn nicht gegen die Rücksichtslosigkeit einer Leistungsgesellschaft, die Menschen als Verlierer abstempelt und die Teilhabe an der Gemeinschaft verweigert. Dagegen können wir etwas tun, auch wenn wir uns gar nicht so heldenhaft fühlen. Mein Wunsch ist Zivilcourage, egal ob stark oder schwach, jung oder alt. Gegenseitige Unterstützung und Anteilnahme, weil wir Menschen zusammen gehören und aufeinander angewiesen sind, auch wenn es manchmal gar nicht so scheint.


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