Fake News und Falschinformationen im Netz erkennen

„Glaubt nicht alles, was ihr im Internet lest!“ Das hat uns mein Deutschlehrer in der 11. Klasse recht eindrücklich gesagt. Und auch wenn das so ziemlich alles war, was ich in meiner Schulzeit zu dem Thema gelernt habe, hat sich dieser Satz doch in meinem Kopf eingebrannt. Tatsächlich sind Fake News und Falschinformationen im Internet und den sozialen Medien ein ziemlich großes Problem. Facebook, Twitter und Co versuchen zwar dem Problem beizukommen, aber so richtig gelingt das nicht immer. Auch im Hinblick auf die Coronakrise und die etlichen Verschwörungstheorien, die dazu kursieren, sind Fake News extrem problematisch. 

In diesem Artikel geben wir euch einen Überblick über das Thema, zeigen euch, was Fake News sind, woher sie kommen, was das Problem damit ist und was man gegen solche gezielten Falschinformationen tun kann!

Was sind Fake News?

Fake News oder Falschinformationen sind nicht bloß falsche Nachrichten. Denn hier ist ein Detail sehr entscheidend. So zeichnen sich Fake News und Falschinformationen in erster Linie dadurch aus, dass sie gezielt manipuliert werden. Das Redaktionen und Medien hin und wieder inhaltlich Fehler machen, ist natürlich nicht gut, aber normal. Fake News sind solche Nachrichten noch nicht. Auch wird der Begriff Fake News laut eines Papers von Matthias Zimmermann und Matthias Kohring häufig falsch verwendet. Denn neben der Bezeichnung für vorsätzliche gefälschte Nachrichten wird dieser Begriff teilweise analog zu Begriffen wie “Lügenpresse” genutzt, um beispielsweise unliebsame Informationen abzutun. Diese negative Verwendung sorgt dafür, dass in dem Paper auch von aktuellen Desinformationen gesprochen wird. Die Faktencheck-Organisation Correctiv.org spricht dagegen von Falschinformationen.

Es gibt allerdings Menschen und Organisationen, die gezielt gefälschte Nachrichten in Umlauf bringen. In der Regel geschieht das mit einem Ziel, nämlich dem, dadurch die öffentliche Meinung zu beeinflussen.

In welcher Form treten Fake News auf?

Fake News können in allen möglichen Formen auftreten. Egal ob Videos, Bilder oder Artikel – alles lässt sich fälschen oder in völlig obskure Zusammenhänge bringen. Dabei sind die Falschinformationen oft sehr gut gefaked. Artikel, Video-Beiträge, Info-Grafiken oder Bilder sind zumindest auf den ersten Blick nicht von richtigen Meldungen verlässlicher Quellen zu unterscheiden. Was sie eint, ist die vermeintliche Seriosität, die sie ausstrahlen. Sie versuchen professionelle und verlässliche Nachrichten nachzuahmen.

Woher kommen Fake News?

Fake News, also gezielt manipulierte falsche Informationen, sind schon sehr viel älter als das Internet. Auch Kriegs-Propaganda kann beispielsweise als Falschinformation bezeichnet werden. Der Unterschied zu heute: Früher gab es das Internet noch nicht. Das Phänomen hat einen extremen Aufschwung bekommen. Nicht zuletzt durch die US-Präsidentschaftswahl 2015, bei der Donald Trump zum Präsidenten der USA gewählt wurde. Das geht auch aus einem Whitepaper von Facebook hervor, in dem der Konzern 2017 eingesteht, dass die Plattform bei der Verbreitung von Falschnachrichten und Desinformation einen großen Schauplatz darstellt. Tatsächlich sind gerade die sozialen Medien prädestiniert für die Verbreitung von Fake News und Falschinformationen. Denn hier kann jeder ohne Kosten Inhalte online stellen.

Die Algorithmen der Plattformen zur Verteilung der Inhalte lassen sich ebenso ausnutzen. Facebooks Schlüsselrolle bei der Verbreitung von Fake News zeigte übrigens auch eine Studie der Politikwissenschaftler Brendan Nyhan, Jason Reifler und Andrew Guess. Dieser Studie zufolge gehört Facebook bei 15 Prozent der Teilnehmer zu den letzten drei besuchten Webseiten, bevor diese auf ein unseriöses Online-Medium gelangt sind. Das legt natürlich die Vermutung nahe, dass Facebook hier der Einstiegspunkt war.

Trolle und Social Bots

Dabei spielen auch Trolle und Social Bots eine große Rolle. So wird beispielsweise versucht, gewissen Inhalten gezielt mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen. Indem zum Beispiel viele Accounts unter einem Beitrag kommentieren, wird dieser als relevanter eingestuft. Auch Hashtags auf Twitter können so mit bestimmtem Inhalten überschwemmt werden. Trolle, also Personen, die mit bestimmten Zielen Inhalte durch “gefakte” Interkation pushen, versuchen so, Einfluss auf die öffentliche Meinung zu nehmen. Das bezieht sich allerdings nicht bloß auf die Verbreitung von Falschinformationen, sondern wird ebenso gemacht, um rechte Inhalte zu fördern und den Anschein von mehr Relevanz erwecken. Hinter diesen Trollen stecken häufig auch organisierte und politisch motivierte Gruppen. Diese Dokumentation von Rayk Anders, Journalist und Webvideoproduzent aus Berlin, können wir euch sehr ans Herz legen. Die Doku Lösch Dich! zeigt, wie der rechte Hass im Netz organisiert ist und versucht, die öffentliche Meinung zu beeinflussen. 

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Wieso sind Fake News ein Problem?

Es ist in diesem Artikel vermutlich schon durchgeklungen, aber trotzdem wollen wir uns der Frage noch einmal widmen. Wieso sind Fake News oder Falschinformationen denn nun ein Problem? Die Antwort darauf ist mehrteilig und sicher komplexer als wir sie hier darstellen. Ein wesentlicher Aspekt ist der, dass durch die große Verbreitung falscher Information das generelle Vertrauen in Nachrichten sinkt. Was stimmt den nun? Welchen Nachrichten können wir glauben? Welchen nicht? All das sind Fragen, die Fake News aufwerfen. 

Bedeutend gefährlicher wird es aber dann, wenn Menschen anfangen, den Inhalt falscher Nachrichten zu glauben. Hier ein kleines Beispiel, das zeigt, wie einfach Falschinformationen sich verbreiten können und welchen Einfluss das in politischen Debatten haben kann: 

Im Sommer 2016 machte ein Statement die Runde, in dem es hieß: Der Papst unterstütze die Präsidentschaftskandidatur von Donald Trump. Die Meldung ging in den US-Amerikanischen Medien viral, ohne dabei wahr zu sein. Ob sie nun einen wirklichen Einfluss auf die Wahl hatte, lässt sich aber schlecht mit Sicherheit überprüfen. 

Laut einer Studie der Oxford University werden Falschinformationen oder “Junk News”, wie sie hier genannt werden, etwa viermal so oft geteilet, wie Nachrichten aus verlässlicher Quelle. Das ist erschreckend. Junk News werden hier wie folgt definiert. Es handelt sich um reißerische und populistische Nachrichten, die das Design seriöser Quellen nachahmen und ohne Quellenbelege schreiben. Dass sich gerade populistische Statements zu brisanten Themen besser teilen und mehr Aufmerksamkeit generieren, wundert zumindest mich nicht.

Was kann man gegen Fake News tun?

Da es hier offensichtlich ein Problem gibt, bleibt noch zu klären, was wir denn eigentlich gegen dieses Phänomen tun können? Hier müssen wir zwischen dem unterscheiden, was Konzerne wie Facebook, Google oder Twitter tun können und was wir als Nutzer tun können. 

Facebook selbst unternimmt bereits eine ganze Menge und geht aktiv gegen die Verbreitung falscher News vor. So arbeitet die Plattform mit verschiedenen Fakten-Check-Organisationen zusammen und markiert Beiträge, wenn diese von Organisationen wie Correctiv.org überprüft wurden. Allerdings zeigt sich, dass es bis jetzt noch keinen Ansatz gibt, der das Problem wirklich vollends eindämmt. 

Ein großer Teil der Verantwortung liegt daher noch bei uns Konsumenten. Wir sollten nicht einfach jede Nachricht, die wir im Internet lesen glauben. Gerade bei sehr reißerischen oder kontroversen Aussagen ist es immer ratsam, die Fakten zu checken. Hier sind einige Anhaltspunkte, nach denen ihr selbst schauen könnt.

Quellen überprüfen

  • Was hat die Quelle bisher veröffentlicht?
  • Wie glaubhaft oder populistisch sind bisherige Veröffentlichungen der Quelle?
  • Ist die Quelle von der Plattform verifiziert (blauer Haken)?
  • Gibt die Quelle ein Impressum an?
  • Gibt die Quelle selbst Quellen für die veröffentlichten Inhalte an?

Der Faktencheck

  • Berichten auch andere Quellen über dieselbe Nachricht?
  • Finden sich in der Berichterstattung anderer Quellen mehr oder kontextgebende Informationen?
  • Werden Belege für die Informationen angegeben?
  • Von wann ist die Veröffentlichung?
  • Haben Faktencheck-Organisationen wie Correctiv.org, Mimikama.at oder Hoaxmap.org die Nachricht bereits überprüft?

Tools für den Faktencheck

Für den Faktencheck gibt es online einige Angebote, die ihr nutzen könnt, um eine mögliche Falschmeldung zu überprüfen. Hier haben wir eine kleine Liste mit guten Tools:

  • Es mag profan klingen, aber mit der Umgekehrten Bildersuche von Google könnt ihr schauen, wo und in welchem Kontext ein Bild noch verwendet wurde. 
  • In Googles Fakt Check Explorer könnt ihr außerdem nach Nachrichten suchen. In den Ergebnissen wird euch dann die Nachricht angezeigt, die von einer Faktencheck-Organisation überprüft wurde.
  • Das Chrome-Plugin InVID ist auch ein extrem nützliches Tool um Fakten zu überprüfen. Hier könnt ihr einfach eine Video- oder Bild-URL einfügen. Das Tool gibt euch dann die Möglichkeit Infos und Metadaten auszulesen oder verschiedene Suchen wie die umgekehrte Bildersuche mit Google oder TinEye durchzuführen.  
  • Mit TinEye könnt ihr eine bessere umgekehrte Bildersuche durchführen. Dabei ist die Plattform aber deutlich besser, um den Ursprung eines Bildes herauszufinden. So könnt ihr euch hier die Ergebnisse beispielsweise chronologisch sortiert anschauen.

Press Play! – Podcasts zum Thema Fake News 

Falls euch das Thema jetzt noch mehr interessiert – und ich hoffe dem ist so nach diesem Artikel – dann haben wir hier für euch noch einige weitere Informationsquellen, Podcasts und Videos zu dem Thema! So können wir zum Beispiel eine Folge des FAZ Podcast zu Fake News und dem Coronavirus empfehlen! Auch hat der Bayrische Rundfunk einen ganz tollen Podcast, der sich ausschließlich dem Thema Fake News widmet, sie erklärt, ergründet und sich mit Lösungen beschäftigt. Der Fakecast ist auf jeden Fall eine gute Anlaufstelle, um sich mit dem Thema weiter zu befassen!


Bilder von rcfotostock via stock.adobe.com

Moritz Stoll

kann ALLES, aber nichts so richtig. Hat außerdem Medieninformatik studiert, ist als Redakteur fester Bestandteil der Netzpiloten-Redaktion, macht den Netzpiloten-Podcast Tech und Trara und arbeitet nebenbei als freiberuflicher Programmierer. Die Digitale Welt ist für ihn ein Ort voller Möglichkeiten und spannender Technologien, um damit Neues zu erschaffen, ganz viel auszuprobieren und sich in den vielen Ideen manchmal auch etwas zu verheddern.


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