Digitale Spielzeit für Kinder

Katrin Viertel von medienlotse.com beantwortet Fragen rund ums Thema Erziehung und digitale Medien. Heute geht es darum, ob und wie Eltern die Zeit, die jüngere Kinder mit Videospielen verbringen, begrenzen müssen.

Mein Sohn ist fünf Jahre alt, kann noch nicht lesen, aber tadellos seinen Nintendo bedienen. Und das über viele Stunden, wenn wir ihm das Ding nicht aus der Hand nehmen. Was lautstarken Protest zur Folge hat. Können wir ihn nicht einfach daddeln lassen – das wird doch irgendwann von allein langweilig, oder?

Damit würde ich in nächster Zeit nicht rechnen. Ob Nintendo oder PSP, welche tragbare Konsole auch immer gespielt wird – das große und abwechslungsreiche Angebot an Spielen wird dafür sorgen, dass es eine ganze Weile dauert, bis Ihr Sohn sein Spielzeug leid wird.

Zunächst ist es – wie bei allen Medienprodukten – eine gute Idee, ihm nur die Spiele zu gestatten, die auch tatsächlich für sein Alter freigegeben sind. Für Ihren Sohn fallen dann schon mal die Star Wars-Spiele und andere actionreichere Spiele weg. FIFA, Mario und Pokémon bleiben zugänglich, laut KIM-Studie (Kinder + Medien, Computer + Internet 2010 des Medienpädagogischen Forschungsverbands Südwest, S. 49, ) ohnehin die beliebtesten Spiele bei Kindern zwischen sechs und 13 Jahren.

Ein Kind immer so lange spielen zu lassen, wie es möchte, sorgt zwar zunächst für Ruhe im Haus, aber der Preis kann hoch sein: es wird nicht einfacher, mit der Medienerziehung zu beginnen, wenn das Kind älter geworden ist. Ist es zunächst nur der Nintendo, kommt womöglich bald noch etwas dazu. Wenn Sie jetzt nicht damit anfangen, Zeiten und Umgang zu regeln, könnten sie bald größere Probleme bekommen. Spätestens wenn Ihr Sohn beginnt, neben der Konsole noch andere Medien zu nutzen, addieren sich die Stunden vor den Bildschirmen von Spielekonsole, Fernseher, PC und Handy. Dann könnten Sie in Not geraten, weil Ihr Kind kaum noch Zeit mit etwas anderem verbringt.

Natürlich macht es kein Vergnügen, mit einem starrsinnigen Vorschulkind darum zu kämpfen, was man für sein Wohl hält, was das Kind jedoch als Schikane begreift. Und genau hier könnte der Ansatzpunkt zur Lösung liegen: Wenn Sie vermitteln können, dass Sie an dem interessiert sind, was das Kind spielt, wenn Sie eventuell mitspielen, auch wenn die Mario-Tonspur Sie wahnsinnig zu machen droht, wenn auch Sie einen Nintendog adoptieren, haben Sie geklärt, dass Sie nicht pauschal jedes Spiel verurteilen. Lassen Sie sich erklären, warum das eine oder andere Spiel so viel Freude bereitet, dass man kaum damit aufhören mag. Dann finden Sie auch Gelegenheit, darüber zu sprechen, warum Sie manche Spiele für ungeeignet halten und, wenn es soweit ist, auch gemeinsam den Multiplayer-Modus ausprobieren und begleiten.

Meine Empfehlung für den zweiten Schritt: Eröffnen Sie ein Medienzeit-Konto. Für einen Fünfjährigen bietet sich am ehesten eine Regelung an, die sich auf die Zeit pro Tag bezieht – meist werden für dieses Alter maximal 30 Minuten täglich empfohlen (https://www.klicksafe.de/themen/spielen/medienerziehung/familie/tipps-fuer-eltern.html). Mit einem Wochenkonto können Kinder im dem Alter meist noch nicht umgehen, ab etwa zehn Jahren ist das jedoch auch ein Modell, das man ausprobieren kann. So regelt das Kind innerhalb eines festen Rahmens eigenverantwortlich seine Medienzeit. Damit nicht jeden Tage wieder das Gespräch darüber losgeht, wie viel mehr alle anderen gucken und spielen dürfen (nur Ihr armes Kind nicht!), sollten diese Regeln verbindlich und nachvollziehbar sein. Ausnahmen dürfen sein, wenn die Windpocken wüten oder wenn es ein neues Spiel zum Geburtstag geschenkt gab, sie sollten jedoch Ausnahmen bleiben.

Verbote ohne Erklärung sollten tabu sein, auf die Einhaltung der gemeinsam getroffenen Verabredungen zu bestehen ist aber unvermeidlich. Und wenn es wieder lautstarken Protest gibt – trösten Sie sich: Irgendwann zofft man sich mit seinen Kindern ohnehin, ob es um die Konsole geht, die Überraschungseier an der Supermarktkasse oder das Aufräumen des Kinderzimmers. Das gehört zum Familienleben dazu.

Und: Drüber reden hilft!

Katrin Viertel

ist promovierte Kommunikationswissenschaftlerin, arbeitete viele Jahre als Journalistin für gedruckte und Online-Medien sowie für das Fernsehen, hauptsächlich zu Medienthemen, bis sie ihre neue Berufung fand. Seitdem berät und informiert sie als Medienlotse.com (http://www.medienlotse.com) Eltern, die sich fragen: Was machen unsere Kinder mit digitalen Medien? Und wie sollen wir damit umgehen?


Artikel per E-Mail verschicken
Schlagwörter: , , , , , ,

1 comment

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.