Der mobile Stellungskrieg

Im umkämpften Markt des mobilen Zugangs zum Web entwickelt sich alles zu einem statischen Stellungskrieg. Apple und Google positionieren sich in den Schützengräben mit einer Artillerie an Patenten. Aktuell hat Google leichte Vorteile, denn Apple hatte zusammen mit Microsoft und einigen anderen Firmen neulich noch 4,5 Milliarden Dollar für läppische 6000 Patente hingelegt, von denen einige auch das mobile Web betreffen. Google bekam 17.000 Patente, die fast alle im mobilen Bereich einsetzbar sind. Zusätzlich läuft das Geschäft mit Milestone und Defy nicht rosig, aber beide Smartphones haben ihre Fans…

Das Problem an Stellungskriegen ist allerdings, dass sich nichts bewegt. Und so unken die Auguren der New York Times nicht zu unrecht, dass dieses Geld nun für echte Innovationen fehlt. Der vielgescholtene Begriff des Wachstums bekommt nun Knüppel zwischen die Beine, wo man es nicht erwartet hatte: aus dem Markt. Es wäre nun sicher Zeit, das Patentunwesen in den USA und teilweise auch in Europa etwas innovationsfreundlicher zu gestalten.

Der Flurschaden wird erst auf den zweiten Blick deutlich. Denn solche Käufe in Zeiten knapper Kassen, drohender Rezession und drastisch sinkender Immobilienpreise setzen ein Signal für das Kapital. Und all die Milliarden, die seit der letzten Krise einen sicheren Hafen suchen, werden sich nun auf all die Firmen setzen, die im Patentunwesen ihr Geschäft finden.

Und so werden wir bald andere Heuschrecken erleben. Patent-Kellerasseln. Sie werden unterbewertete Firmen mit Tradition und großem Patentfundus aufkaufen und Mitarbeiter, Immobilien und Maschinen entsorgen. Der volkswirtschaftliche Schaden könnte besonders in Europa beträchtlich sein, denn hier gibt es viele alte Firmen mit vergilbten Papieren im gußeisernen Panzerschrank, die man der angeschlossenen Anwaltssozität mit einem kalten Lächeln überreichen wird. Wer heutzutage im Bereich Technologie produziert, sollte eine gut gefüllte Kriegskasse haben, damit er seinerseits genug Patent-Artillerie auffahren kann. Ein unheilige Zukunft droht der Welt der Ingenieure. Ich möchte nicht mit ihnen tauschen. Jetzt sitzt jede Firma auf einem Schleudersitz.

Photo: Lt. J. W. Brooke Quelle: Wikimedia

Jörg Wittkewitz

  ist seit 1999 als Freier Autor und Freier Journalist tätig für nationale und internationale Zeitungen und Magazine, Online-Publikationen sowie Radio- und TV-Sender. (Redaktionsleiter Netzpiloten.de von 2009 bis 2012)


Artikel per E-Mail verschicken
Schlagwörter: ,

2 comments

  1. wo man auch hinschaut, letzte zuckungen. oder wie schon walter serner anno 1926 wusste: letzte lockerung. also auf, freunde, zum großen geldverbrennen. es zuckt noch.

    1. Wahrscheinlich ist es doch nicht so, dass man beim Geldverbrennen nachher die Wirtschaftsdelegationen hinschicken kann, die alles hübsch und neu wieder aufbauen. Irgendwas ist bei den Wirtschaftskriegen um unkörperliche Güter und Vermögensbestände anders…was war es noch? Richtig: Es gibt keine Realwirtschaft mehr, die investive oder konsumtive Schulden aufnehmen kann…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.