Bombendrohung: Der Terror am Telefon

Vor einigen Tagen haben 85 Schulen in den USA und Großbritannien Anrufe bekommen, in denen behauptet wurde eine Bombe befände sich im Schulgebäude. Ein Anrufer einer Schule in Cambridge behauptete, die Bombe würde „Kindern den Kopf abreißen“.

Die Schulen wurden evakuiert, was in Panik und Unterrichtsausfall für Mitarbeiter und Schüler mündete – einige sollten an diesem Tag ihre GCSE- und A-Level-Prüfungen (analog zum Realschulabschluss oder dem Abitur in Deutschland) schreiben. Die Polizei durchsuchte die Schulen, doch Bomben wurden nicht gefunden und die Anrufe wurden dementsprechend als Streiche eingestuft.

Diese Art Anrufe sind eine Thema, bei dem viele Menschen, die solch einen Anruf annehmen, denken, sie könnten den Unterschied zwischen einem Streich und einer echten Bedrohung ausmachen – nicht nur dadurch, was der Anrufer sagt, sondern auch durch die „Tonlage“ der Stimme. Aber wie realistisch ist das wirklich?

Im alltäglichen Sprachgebrauch lässt die Stimmlage Rückschlüsse auf die Absichten des Sprechers zu. Allerdings können wir nie absolut sicher sein, dass die Person genau das meint, was sie sagt – oder ob sie überhaupt die Wahrheit sagt. Forschungen haben ergeben, dass es nicht zuverlässig möglich ist, aus Sprachhinweisen zu schließen, ob eine Person lügt oder nicht. Demnach ist es auch unmöglich, anhand des „Tons in der Stimme“ zu erkennen, ob ein Anrufer eine echte Bombendrohung abgibt oder nicht.

Was verrät die Stimme?

Mit einer tiefen Stimme wird eine Person assoziiert, die physisch tendentiell stärker und bedrohlicher ist. Die Forschergruppe „Phonetics of Threat Speech“ aus York, die sich mit Sprachgebrauch in bedrohlichen Situationen auseinandersetzt, berücksichtigt genau dies in ihren Experimenten. Es wird getestet, ob Zuhörer anhand von Manipulationen der Stimme (Tonlage, Geschwindigkeit, Lautstärke) dazu tendieren, dem Sprecher ein höheres bzw. geringeres Bedrohungslevel zuzuordnen.

Obwohl die Ausarbeitung noch in den Kinderschuhen steckt, zeigen erste Untersuchungen, dass Zuhörer in der Tat Stimmaspekte wie Tonlage und Geschwindigkeit als Indikatoren für das Bedrohungslevel eines Sprechers benutzen. Unsere ersten Ergebnisse zeigen, dass Zuhörer persönliche Einschätzungen des Sprechers vornehmen, die allein auf Sprachhinweisen beruhen.

Gibt es so etwas wie eine bedrohliche Stimmlage?

Ein Teil dieser Forschung beruht darauf, dass Teilnehmer Aufnahmen hören und diesen eine Bewertung zwischen eins und sieben zuordnen – basierend auf der wahrgenommenen Bedrohung. Außerdem werden persönliche Attribute des Sprechers notiert. Diese Attribute umfassen Größe, Körpermaße und andere Beschreibungen, die den Zuhörern in den Sinn kommen, wenn sie die Aufnahmen hören.

„Indirekte“ Drohungen wie: „Das würde ich nicht tun, wenn ich Sie wäre“ und „Ich weiß, wo du wohnst“ werden von einem Sprecher mit einem Londoner Cockney-Akzent mit tiefer Stimme als „bedrohlicher“ eingeschätzt als von einem Sprecher mit einer klassischen „BBC-Englicsh“-ähnlichen Artikulation. Beides gilt auch für die äußerlichen Beschreibungen. Alle Teilnehmer beurteilten letzteren Sprecher als „nicht bedrohlich“. Ein Teilnehmer beschreibt die äußerlichen Attribute gar als „studentisch“. Sprecher mit tieferer Stimme wurden auch eher als physisch stärker eingestuft als die Sprecher mit höheren Stimmen.

Wenn man betrachtet, dass das Gesprochene in beiden Fällen identisch war – und in diesem Fall die Akzente künstlich von dem gleichen Schauspieler imitiert wurden – zeigt sich, dass der Akzent und Ton zusammen den Eindruck von zwei verschiedenen Sprechern vermitteln kann.

Das zeigt deutlich, dass linguistische Analysen nicht immer ein geradliniger Prozess sind. Phonetische Analysen können ein besseres Verständnis von „Hinweisen“ geben, welche genutzt werden, um zu bestimmen, wie bedrohlich ein Sprecher wirkt. Allerdings muss dies ohne Beurteilung von psychologischen Profilen und einer Einschätzung der „Aufrichtigkeit“ geschehen, die allein von Sprachhinweisen abgeleitet wurden.

Nur weil ein Zuhörer dazu neigt, zu denken, ein Sprecher klinge aufgrund der unterschiedlichen Aspekte der Stimme bedrohlicher, bedeutet dies keinesfalls, dass der Sprecher mit größerer Wahrscheinlichkeit die Tat ausführt, mit der gedroht wird. Je weniger wir uns auf stereotypische Eindrücke von Stimmen in möglicherweise hochriskanten Situationen verlassen, desto besser.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image „Man speaking on mobile phone“ (Image by Tim Parkinson [CC by 2.0]


James Tompkinson

ist Doktor der Psychologie und forscht aktuell für die University of York. Seine Forschungen konzentrieren sich auf die Sprachwissenschaft der Forensik, Phonetik und den Variationen und Veränderung in Sprachen.


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James Tompkinson

ist Doktor der Psychologie und forscht aktuell für die University of York. Seine Forschungen konzentrieren sich auf die Sprachwissenschaft der Forensik, Phonetik und den Variationen und Veränderung in Sprachen.

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