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Digitalpakt so gut wie beschlossen

Die damalige Bundesbildungsministerin Johanna Wanka kündigte im Oktober 2016 ein milliardenschweres Programm an. Schule soll endlich moderner werden, mit WLAN, neuen Computern und digitalen Lernmethoden der heutigen Zeit gerecht werden. Zweieinhalb Jahre später einigt sich der Vermittlungsausschuss von Bundesrat und Bundestag auf eine gemeinsame Formulierung zur Grundgesetzänderung, die diese wichtige Milliardenhilfe ermöglichen soll.

Das umfasst der Digitalpakt

Mit dem Digitalpakt soll der Bund die Länder mit fünf Milliarden Euro bei der Ausstattung der Schulen mit WLAN, Computern und digitalen Lerninhalten unterstützen. Da Bildung allerdings laut Grundgesetz Ländersache ist, ist für eine Förderung durch den Bund eine Änderung des Gesetzes nötig.

Kofinanzierung

Der ursprüngliche Ansatz schrieb eine 50:50-Finanzierung für Projekte vor. Länder sollten also selbst ebenfalls einen finanziellen Anteil in Höhe der Bundesförderung leisten. Stattdessen soll nun aber für jedes Projekt eine eigene Quote zwischen Bund und Länder festgelegt werden. Außerdem sieht die Verfassungsänderung schwächere Kontrollrechte des Bundes vor. Den vorigen Entwurf lehnten die Länder noch geschlossen ab, aus der Gefahr zu viele Kompetenzen an den Bund zu verlieren.

Personal für befristete Ausgaben

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Möglichkeit des Bundes, auch Finanzhilfen für Personal an Schulen zur Verfügung zu stellen. Damit lassen sich unter anderem Systemadministratoren für die Digitalisierung einstellen.

Geld auch für Nahverkehr und sozialer Wohnungsbau

Die Gesetzesänderung soll übrigens nicht nur der Bildung zu Gute kommen. Auch sozialer Wohnungsbau und der Nahverkehr können durch die Änderung vom Bund entsprechend unterstützt werden. Unter anderem plant man Pendler durch den Ausbau des regionalen Schienenverkehrs zu fördern.

Entscheidung schon am 15. März?

Der erzielte Kompromiss muss nun erst einmal von Bundestag und Bundesrat mit Zwei-Drittel-Mehrheit gebilligt werden. Die Gesetzesänderung könnte damit bereits bei der nächsten Sitzung der Länderkammer am 15. März entschieden werden.

Politiker zuversichtlich

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Schwesig, zeigte sich nach der nur 21-minütigen Sitzung erleichtert. Mit der Einigung sei es möglich, dass der Bund nicht nur stärker in Bildung, sondern auch in den sozialen Wohnungsbau investiert. SPD-Vorsitzende Andrea Nahles sprach von einer „sehr großen Annäherung“, die es im Vorfeld gegeben habe. „Ich bin da sehr zuversichtlich“. Auch Alexander Dobrindt, Vorsitzender der CSU-Landesgruppe teilt diese Einschätzung. „Man ist da auf der Zielgeraden“.


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Die Netzpiloten sind Partner der LEARNTEC

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Die digitalen Lerntrends live erleben – auf der LEARNTEC, der Leitmesse für digitale Bildung, können Besucher genau das tun. Der Startschuss fällt am 30. Januar in Karlsruhe und endet am 01. Februar 2018.

Auf dieser Messe erwartet die Teilnehmer neben Themen zu Mobile Learning, Gamification, Lern-Nuggets oder auch Virtual Reality alles rund um das E-Learning. Dieses Thema wird besonders in Unternehmensprozessen, Schulen und Hochschulen immer bedeutsamer. Auf der Learntec soll es um die zunehmende Bedeutung von E-Learning auf 16.000 qm, mit rund 280 Ausstellern aus 14 Nationen gehen.

Ein vielseitiges Programm

Hierfür stehen Bildungsexperten und Entscheider aus allen Wirtschaftsbranchen und öffentliche Träger bereit, um in Kombination von Fachmesse und Kongress ihr Wissen zu teilen. Den Besuchern stehen die verschiedensten Programme zur Auswahl.

    • Das Rahmenprogramm mit Workshops, dem IHK-Tag und dem Medienkompetenz-Tag.
    • Das Messeprogramm mit unter anderem spannenden Fragen wie „Was macht Lernen mit digitalen Medien wirksam?“ von Gabriele Irle und Prof. Dr. Johannes Moskaliuk vom Leibniz-Institut für Wissensmedien.
    • Das Kongressprogramm mit interessanten Vorträgen wie unter anderem „Impulsvortrag: Arbeitswelten der Zukunft: Lernen im Zeitalter von Industrie 4.0“ von Bernd Dworschak vom Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation.

Die Messe erstreckt sich über drei Tage. Sie bietet für Unternehmen, Schulen und Hochschulen mit Sicherheit die passenden Antworten auf die vielen spannenden Fragen. Also nicht lange warten und ran an die Tickets!

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Bildungsethik jenseits der Zeigestock-Pädagogik

Classroom (adapted) (Image by Wokandapix)(CC0 Public Domain) via Pixabay

Was Schulen und Hochschulen den Lernenden vermitteln, hat wenig mit Ethik zu tun. Aus Verärgerung über die Vermischung von Moral und Ethik hat Christoph Schmitt ein Buch geschrieben. Titel: „Die Moral ist tot. Es lebe die Ethik – Warum ethische Bildung Schule machen muss.

Der Sinn der Ethik besteht darin, dass wir aus der Differenz zwischen Moral und Ethik lernen, wie wir in Zukunft unsere Gemeinschaft einigermaßen sinnvoll gestalten können.“ Bildungsinstitutionen verharren in einem moralischen Korsett und beflügeln nicht die Weiterentwicklung von Demokratie, Menschenrechte, Ökologie, Gerechtigkeit und Ökonomie.

Moralischer Ablasshandel

Moralvermittlung in Schulen und Hochschulen heißt vor allem, dass wir in der Erziehung lernen, was man tut und was man nicht tut. In der Schule lernen wir ganz bestimmte gesellschaftliche Strukturen, Hierarchien, wir lernen, wer das Sagen und die Macht hat. Und wir lernen eigentlich, dass gut begründetes Argumentieren nicht wirklich weiterhilft“, so Schmitt im ichsagmal.com-Autorengespräch.

Am Ende bleibt nur Fatalismus übrig oder ein moralischer Ablasshandel, den Wissenschaftler wie Professor Karl Homann als Ethik verkaufen. Bewege Dich in den Bahnen der Machbarkeit und schere Dich nicht um utopische Ziele zur Verbesserung der Welt. Dabei könnte eine kritische und reflektierte Haltung in kleinen und großen Zusammenhängen schon eine Menge verändern.

Autonom agierende Menschen sind unerwünscht

Hier setzt der Autor seine Kritik am Bildungssystem an. Welchen Sinn macht es, soviel Energie reinzustecken, um autonom agierende und ethisch handelnde Individuen hervorzubringen, wenn das Entscheidungspotenzial vor allem in der digitalisierten Gesellschaft immer kleiner wird? Wenn uns Maschinen und die großen Konzerne mit ihrem Röntgenblick durchleuchten, digitalisierte Werkzeuge selbst die WC-Zeiten von Mitarbeitern überprüfen und immer weniger Entscheidungsspielräume vorhanden sind. Da hilft dann auch New Work-Propaganda als Beruhigungsmittel nicht weiter. Die Dressur und die von mir so bezeichnete digitale Käfighaltung in Organisationen fangen schon in der Schule an.

Selbstdenker gefährden ihre Karriere

Schülerinnen und Schüler lernen nicht, wie sie selbst zu normativ bewertbaren oder begründbaren Aussagen oder Handlungsoptionen kommen. Wenn mir im Verlauf meiner ganzen Schulkarriere immer vorgebetet wird, was ich zu tun habe, wenn ich also nicht für das verantwortlich bin, was ich mache, sondern nur entscheidend ist, wie ich es mache, dann zählt eben nur die Bewertung der Ausführung von statischen Lernzielen“, kritisiert Schmitt. Da klingeln seine Ohren. Schulen und Hochschulen züchten heteronome, also fremdbestimmte Subjekte heran und nicht autonom denkende und autonom handelnde Menschen. Wer aus diesem Schema ausbricht, riskiert schlechte Noten und seine Karriere.

Wie sich Bildung aus den Fängen des Bildungssystems befreit

Was könnte helfen? Schmitt bringt einen radikalen Schritt ins Gespräch: Er fordert den Abschied vom klassischen Bildungssystem. Wir selber müssten verstehen, dass wir zur Wissensvermittlung keine Schulen, keine Unterrichtsstunden, keine Fächer, keine Noten und keine Lehrpläne mehr brauchen. Dieser Kulturwandel lässt sich nicht verordnen und dürfte in der Kultusminister-Konferenz schwer vermittelbar sein. In einem verfilzten System werde es da keine Umkehr geben. Schmitt erkennt aber immer mehr Initiativen, die die Bildung aus dem Bildungssystem befreit. Das Notiz-Amt sieht das positiv. So steigt der Außendruck auf die Bildungspolitiker und die Spielräume erhöhen sich, um sich von der Zeigestock-Pädagogik zu lösen.


Image (adapted)“Classroom“ by Wokandapix (CC0 Public Domain)


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Vorsicht vor digitalen Unternehmern, die ihre eigenen Schulen eröffnen

classroom-laptops-computers-boy.jpg (adapted) (Image by r. nial bradshaw [CC BY 2.0] via flickr)

Für die Kinder, die Computerspiele lieben, könnte ein Traum wahr werden. Anfang Februar hat die britische Bildungsministerin Nicky Morgan verkündet, man plane die Eröffnung von zwei neuen, freien Schulen im Jahr 2017. Die Schulen in London und Bournemouth würden sich auf Programmierkenntnisse spezialisieren, da sie von Ian Livingstone, einem Unternehmer für Videospiele, der auch wichtiger Akteur bei der kürzlichen Einführung von Informatik als Fach im Lehrplan war, gegründet werden. Livingstones Mitwirkung an Schulen zeigt wieder einmal, wie Bildungspolitik von hochkarätigen Geschäftsleuten beeinflusst wird. Dabei verändern sie die Rolle der Schulen und machen daraus eher ein Geschäft als eine demokratisch geführte öffentliche Einrichtung. Laut der umstrittenen Veröffentlichung des Bildungsministeriums, welche alle Schulen ermutigt, sich großen Konzernen anzuschließen und Elternsprecher durch Profis zu ersetzen, sind die zwei neuen Schulen – genannt Livingstone-Akademien – typisch für die zukünftige Richtung, in die die Schulen sich entwickeln: es gibt mehr privaten Einfluss und weniger demokratisches Bürgerengagement.

Lobbyismus in der Bildung

Livingstone ist bekannt für seine Rolle als Unternehmer für Videospiele. Als er Vorstandsvorsitzender von Eidos war, brachte er die erfolgreiche Spieleserie Tomb Raider auf den Markt. Das Wired Magazine benannte ihn als einen der einflussreichsten Personen in der digitalen Wirtschaft im Vereinigten Königreich. 2011 hat Livingstone einen Bericht namens „Next Gen“ (deutsch: Nächste Generation) mit Forschern der Nesta-Stiftung verfasst, der das Wachstum des digitalen Sektors unterstützt. Ihr Bericht forderte mehr “konsequenten Informatikunterricht in den Schulen” und empfahl, Informatik auf den nationalen Lehrplan für englische Schulen zu setzen. Beauftragt von Ed Vaizey, dem Minister für Kultur, Kommunikation und Kreativbranchen, sollte der Artikel einen Überblick über die notwendigen Fähigkeiten in der Videospiele- und Spezialeffekteindustrie geben, welche schon lange als ökonomisch wertvoller Sektor der Wirtschaft des Vereinigten Königreichs gesehen wird. Die anschließende Bildung einer Lobbyismusvereinigung, die sich des Themas der Studie annahm, bestehend aus Nesta, Google und Microsoft, überzeugte das Bildungsministerium letztendlich im Jahr 2013, die Entwicklung eines neuen Informatiklehrplans zu unterstützen. Livingstone selbst bleibt Vorsitzender der Gruppe und arbeitet mit Nesta zusammen daran, Kooperationen zwischen Industrie, Politik und Lehrkräften herzustellen. Livingstones Lehrstätten erweitern seinen Einfluss vom Politiklobbyismus auf der Nachfrageseite auf die direkte Angebotssteuerung von Bildungseinrichtungen.

Schulgründungen

Während ihre Eröffnung in Kooperation mit dem Aspirations Academies-Konzern, einem erfolgreichen multiakademischen Konzern und Partner des Quagila Institute, geplant ist, konzentrieren sich die Livingstone-Akademien auf die “kreative Anwendung von digitalen Technologien”. Ihr Ziel ist es, Schüler mit “den erforderlichen Fähigkeiten und Qualifikationen, die es für das Spielen einer aktiven und erfolgreichen Rolle in der heutigen wissensbasierten, unabhängigen, hart umkämpften, sich schnell verändernden digitalen Welt bedarf”, auszustatten. Auf der Website der Schulen steht, dass sie in einer “Kooperation mit der digitalen Industrie” geführt werden “damit sichergestellt ist, dass die Schüler die Fähigkeiten und das Wissen, das besonders wichtig für ein erfolgreiches Leben als ein digitaler Bürger im modernen Europa ist”, erwerben. In der Praxis zeichnen sich die Schulen durch fachspezifische Einrichtungen wie wissenschaftliche Labore, Designstudios und sogar vor Ort als “Wirtschaftsstandorte für das Start-up und High-Tech-Geschäft” aus. Der Schwerpunkt, junge Leute auf die Arbeit und ihr Bürgertum in der digitalen Wirtschaft vorzubereiten, untermauert viele der wesentlichen Forderungen, die Livingstone selbst erstellt hat, während er den Bericht überwacht hat. Aus politischer Sicht handelt es sich eindeutig um eine erfolgreiche Kampagne. In der Pressemitteilung der Regierung, die die neuen Schulen ankündigt, sagt Morgan:

Das Programm der freien Schulen erweist sich als ein wichtiger Schmelztiegel für die kreativsten und innovativsten Köpfe unserer Gesellschaft, sodass ihre hervorragenden Leistungen an zukünftige Generationen weitergegeben werden können.

Livingstone sagte, er hofft, dass sein Spielzug “andere digitale Unternehmer ermutigt, die Gelegenheit, die sich durch das Programm der freien Schulen anbietet, zu ergreifen, um Kindern zu helfen, eine passende Ausbildung für die Arbeitsplätze und Möglichkeiten in der digitalen Welt erhalten.

Politische Unternehmer

Die Errichtung der Livingstone-Akademien ist Teil einer umfassenderen Reformbewegung, die sowohl in den USA als auch im Vereinigten Königreich stattfindet. Unternehmen und Unternehmer springen momentan auf eine neue Schulpolitik auf, um ihre eigenen Interessen in der Bildung voranzutreiben. Dies findet oft durch gemeinnützige Stiftungen und Konzerne oder auch durch Lobbyorganisationen statt. Da ihnen die Geschwindigkeit, mit der sich Bildung verändert, zu langsam ist, haben US-Unternehmer, beipsielsweise Computerfirmen wie Google und IBM sogar stattdessen begonnen, eigene alternative Schulen zu gründen. Die Livingstone-Akademien zeigen, wie freie Schulpolitik und Unternehmensvorschläge unternehmerischen Einfluss in englischen Schulen immer mehr möglich machen. In diesem politischen Kontext werden gemeinnützige Geschäftsleute wie Livingstone wichtige politische Unternehmer. Sie können die nationale Politik durch Lobbyarbeit beeinflussen und gleichzeitig Schulen ganz nach ihren Privatinteressen betreiben. Wie der Informatiklehrplan werden Livingstone-Akademien generell so aufgebaut, dass sich staatliche Programme nach der Digitalwirtschaft richten. Diese Programme werden von Unternehmern wie Livingstone gesteuert und dadurch verwirklicht, dass Schulen eher als Unternehmen geführt werden, die die Schüler zu kleinen digitalen Unternehmern der Zukunft erziehen. Gegenwärtige Richtlinien macht es zunehmend möglich und erstrebenswert für Unternehmer, Bildungsreformen sowohl zu nachzufragen als auch zur Verfügung zu stellen. Die Privatwirtschaft hält so über gemeinnützige Konzerne und Stiftungen Einzug, um die demokratische Debatte und Zusammenarbeit in der Schulbildung zu verdrängen. Dieser Artikel erschien zuerst auf “The Conversation” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „classroom-laptops-computers-boy“ by r.nial bradshaw (CC BY 2.0)


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Bombendrohung: Der Terror am Telefon

Man_speaking_on_mobile_phone (Image by Tim Parkinson [CC by 2.0] wikipedia commons

Vor einigen Tagen haben 85 Schulen in den USA und Großbritannien Anrufe bekommen, in denen behauptet wurde eine Bombe befände sich im Schulgebäude. Ein Anrufer einer Schule in Cambridge behauptete, die Bombe würde „Kindern den Kopf abreißen“.

Die Schulen wurden evakuiert, was in Panik und Unterrichtsausfall für Mitarbeiter und Schüler mündete – einige sollten an diesem Tag ihre GCSE- und A-Level-Prüfungen (analog zum Realschulabschluss oder dem Abitur in Deutschland) schreiben. Die Polizei durchsuchte die Schulen, doch Bomben wurden nicht gefunden und die Anrufe wurden dementsprechend als Streiche eingestuft.

Diese Art Anrufe sind eine Thema, bei dem viele Menschen, die solch einen Anruf annehmen, denken, sie könnten den Unterschied zwischen einem Streich und einer echten Bedrohung ausmachen – nicht nur dadurch, was der Anrufer sagt, sondern auch durch die „Tonlage“ der Stimme. Aber wie realistisch ist das wirklich?

Im alltäglichen Sprachgebrauch lässt die Stimmlage Rückschlüsse auf die Absichten des Sprechers zu. Allerdings können wir nie absolut sicher sein, dass die Person genau das meint, was sie sagt – oder ob sie überhaupt die Wahrheit sagt. Forschungen haben ergeben, dass es nicht zuverlässig möglich ist, aus Sprachhinweisen zu schließen, ob eine Person lügt oder nicht. Demnach ist es auch unmöglich, anhand des „Tons in der Stimme“ zu erkennen, ob ein Anrufer eine echte Bombendrohung abgibt oder nicht.

Was verrät die Stimme?

Mit einer tiefen Stimme wird eine Person assoziiert, die physisch tendentiell stärker und bedrohlicher ist. Die Forschergruppe „Phonetics of Threat Speech“ aus York, die sich mit Sprachgebrauch in bedrohlichen Situationen auseinandersetzt, berücksichtigt genau dies in ihren Experimenten. Es wird getestet, ob Zuhörer anhand von Manipulationen der Stimme (Tonlage, Geschwindigkeit, Lautstärke) dazu tendieren, dem Sprecher ein höheres bzw. geringeres Bedrohungslevel zuzuordnen.

Obwohl die Ausarbeitung noch in den Kinderschuhen steckt, zeigen erste Untersuchungen, dass Zuhörer in der Tat Stimmaspekte wie Tonlage und Geschwindigkeit als Indikatoren für das Bedrohungslevel eines Sprechers benutzen. Unsere ersten Ergebnisse zeigen, dass Zuhörer persönliche Einschätzungen des Sprechers vornehmen, die allein auf Sprachhinweisen beruhen.

Gibt es so etwas wie eine bedrohliche Stimmlage?

Ein Teil dieser Forschung beruht darauf, dass Teilnehmer Aufnahmen hören und diesen eine Bewertung zwischen eins und sieben zuordnen – basierend auf der wahrgenommenen Bedrohung. Außerdem werden persönliche Attribute des Sprechers notiert. Diese Attribute umfassen Größe, Körpermaße und andere Beschreibungen, die den Zuhörern in den Sinn kommen, wenn sie die Aufnahmen hören.

„Indirekte“ Drohungen wie: „Das würde ich nicht tun, wenn ich Sie wäre“ und „Ich weiß, wo du wohnst“ werden von einem Sprecher mit einem Londoner Cockney-Akzent mit tiefer Stimme als „bedrohlicher“ eingeschätzt als von einem Sprecher mit einer klassischen „BBC-Englicsh“-ähnlichen Artikulation. Beides gilt auch für die äußerlichen Beschreibungen. Alle Teilnehmer beurteilten letzteren Sprecher als „nicht bedrohlich“. Ein Teilnehmer beschreibt die äußerlichen Attribute gar als „studentisch“. Sprecher mit tieferer Stimme wurden auch eher als physisch stärker eingestuft als die Sprecher mit höheren Stimmen.

Wenn man betrachtet, dass das Gesprochene in beiden Fällen identisch war – und in diesem Fall die Akzente künstlich von dem gleichen Schauspieler imitiert wurden – zeigt sich, dass der Akzent und Ton zusammen den Eindruck von zwei verschiedenen Sprechern vermitteln kann.

Das zeigt deutlich, dass linguistische Analysen nicht immer ein geradliniger Prozess sind. Phonetische Analysen können ein besseres Verständnis von „Hinweisen“ geben, welche genutzt werden, um zu bestimmen, wie bedrohlich ein Sprecher wirkt. Allerdings muss dies ohne Beurteilung von psychologischen Profilen und einer Einschätzung der „Aufrichtigkeit“ geschehen, die allein von Sprachhinweisen abgeleitet wurden.

Nur weil ein Zuhörer dazu neigt, zu denken, ein Sprecher klinge aufgrund der unterschiedlichen Aspekte der Stimme bedrohlicher, bedeutet dies keinesfalls, dass der Sprecher mit größerer Wahrscheinlichkeit die Tat ausführt, mit der gedroht wird. Je weniger wir uns auf stereotypische Eindrücke von Stimmen in möglicherweise hochriskanten Situationen verlassen, desto besser.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image „Man speaking on mobile phone“ (Image by Tim Parkinson [CC by 2.0]


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Kostenlose Tablets für Schüler: In Nürnberg keine Utopie

Portrait (Image by Martin Kotulla)

Moderne Technik ist in vielen Schulen noch ein großes Fremdwort. Idealzustand und Realität liegen heute noch meilenweit auseinander. Nicht so an der Friedrich-Staedtler-Grundschule in Nürnberg. Dort hat das mittelständische Software-Unternehmen „SoftMaker“ zu Beginn des Schuljahres in einem Pilotprojekt zwei Klassen mit insgesamt 60 Android-Tablets, der nötigen Infrastruktur, Lernsoftware sowie dem hauseigenen Office-Programm kostenlos ausgestattet. Und mithilfe der Netsupport-Software haben die Lehrerinnen und Lehrer stets im Blick, was die Schüler gerade so auf ihren Tablets treiben. Die Arbeit mit den Tablets dient vor allem der Vertiefung bereits bekannter Lerninhalte. Laut „SoftMaker“ bemerkten die beiden verantwortlichen Lehrerinnen eine Leistungssteigerung bei den Schülern. Das wissenschaftlich begleitete Projekt wurde von Eltern, Lehrern, Schulleitung und auch Schülern begeistert aufgenommen. Also eine Win-win-Situation für alle Beteiligten? Wir haben mit SoftMaker-Gründer und -Geschäftsführer Martin Kotulla darüber gesprochen, warum seine Firma digitale Bildung unterstützt, wie das Projekt funktioniert und ob digitale Kompetenzen in Deutschland ausreichend gefördert werden.

Robert Meyer (RM): Herr Kotulla, warum unterstützt SoftMaker Schulen mit kostenlosen Programmen und die Friedrich-Staedtler-Grundschule mit Tablets?

Martin Kotulla (MK): Für SoftMaker war und ist die Unterstützung des Bildungsbereichs schon lange ein wichtiges Anliegen: Wir waren bereits im Jahr 1997 eine der ersten Software-Firmen, die Bildungseinrichtungen ihre Programme zu einem deutlich niedrigeren Preis oder sogar kostenlos zur Verfügung gestellt hat. Daran hat sich seither nichts geändert. In das Tablet-Projekt sind wir so ein bisschen hineingeschlittert. Eigentlich wollten wir Schulen nur unser Office-Paket bereitstellen. Wir bieten seit einigen Monaten unsere Office-Software unter Windows für Schulen und Lehrkräfte kostenlos an. Der nächste Schritt war die Ausweitung auf Tablets. Wir haben dann aber gesehen, dass kaum eine Schule die passende Hardware dafür hat. Daraufhin haben wir ein Sponsoring-Projekt zusammengestellt, um der Schule etwas Gutes zu tun.

RM: Das Projekt ist laut SoftMaker bisher einmalig in Deutschland. Was ist das Besondere daran? Was hebt es von anderen digitalen Bildungsprojekten ab?

MK: Viele reden – wir haben ein Projekt auch durchgezogen. Natürlich hatten wir uns vorab informiert, welche anderen vergleichbaren Projekte es bereits gibt. Da hörten wir: „Ihr seid ja gar nicht die Ersten. Die oder die Schule hat das auch schon gemacht!“ Dann fragten wir bei den Schulen an und hörten wiederholt, dass die Projekte, die dort angeblich existieren sollen, oft noch im Planungsstadium sind. Eine Besonderheit des Projekts ist, dass es sich gezielt an die bislang vernachlässigten Grundschulen richtet, in späteren Jahrgängen hat sich der Computereinsatz längst bewährt. Dieses Projekt bietet Kindern frühzeitig die Chance, unabhängig vom Geldbeutel ihrer Eltern ihre schulische Leistung zu verbessern und gleichzeitig Spaß mit Tablets zu haben. In diesem Alter wird die Mediennutzung geprägt. Wer in diesem Alter lernt, dass ein Tablet kein reines Konsumgerät ist, kann sein ganzes Leben lang davon profitieren.

Student 2 (Image by Devon Christopher Adams (CC BY 2.0) via Flickr)
Wer früh beginnt, kann die Chancen der Digitalisierung noch besser nutzen. Image (adapted) „20111105-student2-2“ by Devon Christopher Adams (CC BY 2.0)

RM: Was erwarten Sie sich von der Bildungsförderung, die sie betreiben? Ist das im Endeffekt der Wille, sein eigenes Produkt bekannter zu machen?

MK: In erster Linie geht es uns darum, unserer gesellschaftlichen Verantwortung als Firma ernsthaft nachzukommen. Wir wollen dazu beitragen, optimale Voraussetzungen für das Lernen der Schüler zu schaffen. Zugleich wollen wir Schulen ermutigen und sie dabei unterstützen, allgemeine Computerkenntnisse zu vermitteln – nicht nur speziell die Produkte einer einzigen Firma zu schulen. Insofern profitieren die Bildungseinrichtungen wie wir als Softwarefirma gleichermaßen – eine klassische Win-win-Situation.

RM: Das Projekt wird wissenschaftlich von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg begleitet. Auf welche Fragen will man Antworten finden?

MK: Das Projekt soll aus pädagogischer Sicht folgende Fragen beantworten: Wie reagieren die Schüler darauf? Kommen alle Schüler damit zurecht? Gibt es Schüler, die außen vor sind? Werden in Zukunft verstärkt immer mehr Computer und Tablets in Klassen eingesetzt? Gibt es Schüler, die dann hintenüberfallen? Versuchen die Schüler, Sachen zu nutzen, die nicht freigegeben sind?

RM: In welchen Bereichen lassen sich die Tablets wirklich als Stütze für den Unterricht einsetzen?

MK: Nehmen wir zum Beispiel den Heimat- und Sachunterricht. Die Schüler können auf den Schulhof gehen und sich eine Pflanze nehmen, fotografieren und dann versuchen, über das Internet zu bestimmen, was für eine Pflanze das ist. Klärungsbedarf besteht zudem aus wissenschaftlicher Sicht, welche Voraussetzungen seitens der Lehrkräfte gegeben sein müssen: Inwieweit müssen die Lehrer trainiert werden? Wie müssen sie vorgebildet sein? Welche Voraussetzungen müssen die Lehrkräfte erfüllen? Wie sorgt man dafür, dass so ein Projekt, das ja doch eine Stange Geld kostet, eben nicht dazu führt, dass die Tablets nach drei Wochen irgendwo in der Ecke liegen, sondern wirklich gut in den Unterricht eingebaut werden, sodass Schüler und Lehrkräfte etwas davon haben?

RM: Wurden die Lehrkräfte in das Projekt eingeführt oder ging das von selbst?

MK: Wir haben wiederholt mit ihnen gesprochen. Das Projekt und die Ideen dahinter wurden vorgestellt und es hat eine intensive Diskussion stattgefunden. Die Software-Auswahl haben die beiden sehr engagierten Lehrerinnen vorgenommen. Wir haben nicht vorgegeben, welche Software genommen werden soll. Wir von „SoftMaker“ haben den administrativen Teil übernommen. Wir sind die Computerfirma, damit kennen wir uns natürlich besser aus. Wir haben die „Netsupport“-Software installiert, mit der die Fernsteuerung und Administration möglich ist, aber auch die Antivirus-Software und die Firewall. Das war natürlich auch eine Forderung der Schule, die vermeiden wollte, dass die Schüler wild auf Facebook posten. Also es war letztlich ein gegenseitiges Geben und Nehmen, ein gegenseitiges Befruchten. Die Lehrerinnen haben auch sehr viel private Zeit eingesetzt, um die Geräte kennenzulernen, die Software auszusuchen und sie in das Unterrichtskonzept einzubauen. Beide Lehrerinnen haben sich großes Lob verdient. Die machen das sehr, sehr gut.

RM: Oft sind Lehrer digital nicht versiert genug, um digitale Kompetenzen zu vermitteln. Hätte das Projekt mit jeder Lehrkraft stattfinden können?

MK: Jeder Lehrer kann heutzutage zumindest mit einem Computer umgehen. Es hätte natürlich auch mit anderen Lehrern funktioniert. So ein Projekt ist auch an anderen Orten machbar, mit anderen Lehrern. Es muss einfach der Wille und die Freude dazu da sein, etwas Neues auszuprobieren.

RM: Was passiert nach dem Schuljahr mit dem Projekt?

MK: Das Projekt wird auf jeden Fall fortgesetzt. Es kommen neue Schüler, Klassen und Lehrer. Die Bereitschaft dazu ist da. Es ist schon als Dauerprojekt gedacht.

RM: Sind denn jetzt schon weitere Projekte für die Zukunft geplant?

MK: Wir wollen erst mal das Projekt an der Friedrich-Staedtler-Grundschule weiterführen. Wir sind auch gespannt zu sehen, wie lange die Geräte insgesamt durchhalten werden, ob man die Geräte jetzt wirklich über einen Zeitraum von fünf Jahren einsetzen kann oder sie bereits vorher kaputt sind. Wenn sich andere Schulen und Sponsoren finden, beispielsweise Tablet- oder Computer-Hersteller, dann sind wir auch gerne bereit, die Software bereitzustellen. Für uns als mittelständiges Unternehmen ist das Tablet-Projekt in Nürnberg schon ein Ausnahme-Projekt. Die Bereitstellung der Software für Schulen und für Lehrer geschieht dagegen weiterhin weltweit. Im Einzelfall unterstützen wir auch künftig gezielt einzelne Bildungsprojekte auf allen Kontinenten.

RM: Ist es nicht eigentlich auch Aufgabe des Staates, die Schulen digital auszurüsten? Warum müssen Sie das machen?

MK: Der Staat gibt viel Geld für viele Dinge aus. Und für die Bildung bleibt immer zu wenig übrig. Ich habe mal einen Aufruf von einer Schule in Nürnberg gesehen, die um Geld gebettelt hat, damit sie endlich ihre Fenster reparieren kann.

RM: Wie reagieren Sie auf kritische Stimmen, die vor einem zu großen Einfluss von Unternehmen auf öffentliche Bildungseinrichtungen sprechen?

MK: Niemand will in Deutschland Verhältnisse wie in den USA, wo im Klassenzimmer massiv Werbung stattfindet. Wo dann am besten noch Rechenaufgaben gestellt werden wie: „Wie viel Coca-Cola passt in welchen Behälter rein?“ Das ist nicht Sinn der Sache. Wir machen ja auch keine Werbung im Klassenzimmer. Wir stellen Tablets bereit. Da wird nicht groß auf „SoftMaker“ hingewiesen, sondern die Schüler lernen damit. Es geht nicht um Werbung im Klassenzimmer, sondern nur darum, diese spezielle Schule hier zu unterstützen und alle Schulen langfristig zu erinnern: Ihr sollt allgemein an Computer heranführen und nicht speziell eine Firma bevorzugen.

RM: Glauben Sie, dass die Schülerinnen und Schüler in Deutschland gut genug auf die digitale Welt vorbereitet werden?

MK: Bis jetzt noch nicht. Da muss man natürlich aufpassen. Man will die Kinder ja grundsätzlich nicht sechs Stunden am Tag nur vor dem Computer sitzen lassen. Aber es geht darum, dass der Computer ein wichtiger Bestandteil des alltäglichen Lebens, des Privatlebens und des Berufslebens ist. Er sollte in vernünftigen Umfang auch in der Schule zum Einsatz kommen. Dank der hervorragenden Kooperation mit den zwei Lehrkräften, der Schulleitung und der Stadt Nürnberg ist genau das jetzt im Rahmen des Pilotprojekts möglich.


Image Portrait by Martin Kotulla 


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„IT‘s APP2you“: Wichtige Einblicke in die IT-Branche

Der Ideenwettbewerb „IT‘s APP2you“ hilft Schülern eine funktionsfähige Android-App zu entwickeln, um ihnen so die Vorzüge von IT-Berufen näher zu bringen.

Es ist in Deutschland nicht nur an der Theodor Storm Schule in Husum, die „Netzpiloten“-Kolumnist Nico Lumma in seinem Beitrag „Das Digitale macht Schule anders“ beschreibt, an der Regel, dass den Schülern jegliche Mediennutzung verboten wird. Kein Handy, kein MP3-Player, keine digitalen Spielereien. Wer sich dem widersetzt, bekommt die jeweiligen Geräte abgenommen. Weiterlesen »

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