Tobias SchwarzWie ein New Yorker Viereck die Zukunft von Social Media wird

Foursquare ist mit seinen weltweit 30 Millionen Nutzern ein eher kleines soziales Netzwerk, doch durch die mehr als 5 Millionen Check-ins pro Tag verfügt das Unternehmen aus New York über eine der wertvollsten Datenbanken der Welt.

Foursquare (Bild: Julien Gong Min [CC BY 2.0], via Flickr)

Die mit Ortsangaben aus aller Welt gefüllte Datenbank wird immer mehr zum wichtigsten Kapital des Unternehmen, ungeachtet der vergleichsweise geringen Anzahl an Nutzern. Schon jetzt bauen die meisten sozialen Dienste im mobilen Internet auf das Wissen von Foursquare – selbst Konkurrenten wie Facebook und Twitter.

Vor fast genau vier Jahren startete Foursquare-Gründer Dennis Crowley seinen Location-Dienst, der weder der erste, noch der erfolgversprechendste seiner Art war. Mit Foursquare ist es den Menschen möglich, ihren Aufenthaltsort anzugeben und was sie da machen. Dies schafft in erster Linie eine räumliche Nähe, zeigt aber auch Gemeinsamkeiten auf. Innerhalb weniger Monate kam Foursquare nach Deutschland, doch erreichte das Startup aus New York, dass heute auch einen Sitz in San Francisco hat, nie mehr als die digitalen Early Adopters – das aber weltweit. Im Falle von Foursquare war das Grundstein genug für den späteren Erfolg.

Early Adopters zeichnen sich durch ein größeres Bedürfnis nach sozialer Mobilität, einer positiveren Einstellung zu Wandel und Risiko und einer besseren Integration in sozialen Systemen aus. Der hauptsächlich auf einer Smartphone-App basierende Dienst ermöglicht es seinen Nutzern über all auf der Welt ihren Aufenthalt an einem bestimmten Ort bekannt zu geben. Dieser moderne Umgang mit Datenschutz und Privatsphäre liegt noch nicht jedem, wird aber von Menschen, die sowohl unbewusst als auch bewusst mit ihren persönlichen Daten umgehen, genutzt. Die offene API ermöglicht es den Nutzern, diese Ortsangaben in verschiedenen anderen sozialen Netzwerken anzeigen zu lassen. Sie ist das Tor von Foursquare in die Welt.

Die offene API-Policy

Nicht die Check-ins an sich oder die Werbemöglichkeiten für Unternehmen sind die Grundlage für eine Monetarisierung, sondern das von den Nutzern immer detaillierter gestaltete Kartenmaterial mit seinen über 50 Millionen Orten, im Englischen ″Points Of Interest″ (POI) genannt. Von Interesse sind diese Daten vor allem für andere soziale Netzwerke, wie Twitter und sogar Facebook, die die POI-Datenbank als Dienstleistung in die eigenen Apps einbauen. Twitter zeigte bisher immer nur die Längen- und Breitengrade von Tweets an, in der Video-App Vine werden die Ortsangaben von Foursquare geliefert. Facebook, dass mit Facebook Places einen eigenen Location-Dienst besitzt, setzt mit Instagram auch weiterhin auf Foursquare. Das gleiche gilt z.B. für Foodspotting, Tumblr, und Quora. Apple und Google brauchen Foursquare, um Apps von Drittanbietern in den eigenen Stores attraktiv zu halten.

Auf dem Mobile World Congress verkündete Dennis Crowley, dass über 40.000 Entwickler Zugriff durch die API auf die Foursquare-Daten haben. Und mit Check-in, jedem verorteten Foto auf Instagram oder jedem Video eines Vine-Nutzers, wird die Datenbank besser und wertvoller. Foursquare hat Karten und Orte sozialer gemacht und Konkurrenten wie Google Maps oder Microsofts Bing beinahe den gesamtem mobilen Bereich abgenommen. Auf Foursquare lassen sich Öffnungszeiten, Tipps, Sonderangebote und Freunde finden. Jede neue Anwendung mit Location-Funktion hat im Tausch mit den Nutzerdaten Zugang und kann von Beginn an auf die gleiche Grundlage wie Marktführer aufbauen.

Grundlage des Ökosystem App

Gestartet als wenig innovative App für Check-ins, ist Foursquare zum Atlas des mobilen Internets geworden. Wäre Foursquare über Nacht verschwunden, würden Tausende von Apps mit den Ortsangaben eine wichtige Funktion und damit an Bedeutung verlieren. Das Kapital von Foursquare ist enorm und kaum in Zahlen auszudrücken. Das ist auch zugleich das Problem, denn Geld ließ sich bisher kaum aus diesem einmaligen Kapital ziehen. Foursquare lebt von seiner offenen API-Policy, die es zur Grundlage des Ökosystem App macht. Ein restriktiveres Verhalten im Umgang mit der API, wie es Twitter macht, würde nicht nur in ähnlicher Weise dem Ruf des Unternehmen schaden, sondern zugleich auch die Zukunft gefährden. Nicht nur von Foursquare, sondern von sehr vielen Diensten im mobilen Internet.


Teaserimage by Jazz Guy (CC BY 2.0)


Image by Julien Gong Min (CC BY 2.0)



Über den Autor / die Autorin
schreibt seit Oktober 2012 für die Netzpiloten. Zuerst als freier Blogger und seit März 2013 als Projektleiter für das Online-Magazin. Neben den Netzpiloten hat er auch auf seinem Blog und den Online-Medien Politik-Digital.de, Carta.info und Netzpolitik.org veröffentlicht. Tobias ist als Isarmatrose auf Twitter, App.net und Facebook sowie Google+ zu finden.

 

4 Kommentare zu “Wie ein New Yorker Viereck die Zukunft von Social Media wird”
| Links anne Ruhr (03.04.2013) » Pottblog schreibt:

[…] Foursquare: Wie ein New Yorker Viereck die Zukunft von Social Media wird (Netzpiloten.de) – […]

 
| Maik Meid schreibt:

Viel wichtiger: Wo gibt’s die Aufkleber? :-)

 
| Tobias Schwarz schreibt:

Gute Frage. ;-) Am 16. April ist Foursquare-Day und auch in Deutschland wird es an dem Tag Treffen von Foursquare-Nutzern geben. Die Treffen, die über 100 bestätigte Gäste haben, bekommen von Foursquare ein Promo-Paket zugeschickt. Unseres Wissens hat die Berlin-Gruppe (19 Uhr im St. Oberholz) das schon erreicht.

 
| Wie ein New Yorker Viereck die Zukunft von Social Media wird schreibt:

[…] “Foursquare ist mit seinen weltweit 30 Millionen Nutzern ein eher kleines soziales Netzwerk, d… […]

 
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