Welches Smartphone ist richtig für mich?

Die Frage nach dem richtigen Telefon beschäftigt längst nicht mehr nur Technik-Freaks. Einige klammern sich noch immer an ihrem handlichen Handy fest und behaupten: „ich möchte doch nur telefonieren!“ Mag sein, mag sein. Aber wer sich erstmal daran gewöhnt hat, unterwegs einen Straßenplan aufzurufen oder in der S-Bahn eine Email zu schreiben, der möchte kaum noch zurück in die Zeit, als Telefone noch in erster Linie zum Telefonieren da waren. Aber welches Gerät ist richtig für mich? Ein kurzer Überblick für diejenigen, die nicht erst endlose Reviews vergleichen möchten. Eines vorweg zur Klarstellung: Bei der Frage nach dem richtigen Smartphone (Klartext: was ist ein Smartphone?) gibt es immer zwei Punkte zu bedenken, die Hardware (das Telefon selbst) und die Plattform (also die Software, die es betreibt). Ich werde versuchen, beides zu betrachten, soweit das in der Kürze möglich ist. Dabei werde ich mich auf die wichtigsten Punkte beschränken, Ziel dieses Texts ist, einen schnellen Überblick zu geben!  iPhone: der schicke Alleskönner Das iPhone aus dem Hause Apple ist ein feines Gerät, keine Frage. Sieht top aus, funktioniert stets einwandfrei und bietet Hilfsprogramme („Applications“) für jeden Bedarf, von der ToDo-Listenverwaltung über den Wehen-Timer bis hin zum simulierten Lichtschwert. Kein anderes Phone hat so ein stylishes Interface, kaum ein anderes Handy ist so leicht zu bedienen. Der Touchscreen ist beeindruckend einfach zu bedienen. Wer mit iPhonebesitzern spricht merkt schnell: sie würden das Gerät nie wieder hergeben. Doch auch beim iPhone ist nicht alles Gold, was glänzt. Das iPhone hat (im Gegensatz zu Blackberry und Googlephone) keine feste Tastatur, getippt wird auf dem Touchscreen – gewöhnungsbedürftig. So ist die Akkulaufzeit eher jämmerlich – bei intensiver Nutzung übersteht ein voll aufgeladenes iPhone kaum einen ganzen Tag. Wer sich nicht 100% auf Apples weitgehend in sich geschlossenes Ökosystem verlassen will (inklusive iTunes etc.), der wird mit dem iPhone seine Probleme haben. Die eingebaute Kamera ist schwach. Nicht zuletzt gibt es das iPhone im Laden in Deutschland ausschließlich mit einem Vertrag von T-Mobile. Wer ein iPhone mit einem anderen Anbieter nutzen möchte, muss es erst hacken („jailbreaken“), womit zumindest die Garantie verfallen dürfte. Nichts für empfindliche Gemüter. Derzeit ist das iPhone in der zweiten Generation (genannt 3G), im Juni wird ein neues Modell erwartet. Vorteile: Stylish, intuitive Bedienung, macht einfach Spaß Nachteile: keine Tastatur, schwache Batterie, im Gespräch wirken iPhonebesitzer oft wie Sektenmitglieder  Blackberry: Arbeitstier & Emailmeister Der Blackberry wurde für Firmen entwickelt, hat sich aber längst auch im privaten Bereich etabliert. Die absolute Stärke: Niemand toppt Blackberries in Sachen Email. Die meisten Blackberries (allen voran der Blackberry Bold und der Blackberry Curve) kommen mit einer Tastatur, die das Tippen zum Kinderspiel macht. (Ja, auch mit dickeren Fingern.) Die Email wird im sogenannten „Push-Verfahren“ geschickt, so jede Nachricht immer sofort im Posteingang auftaucht, wenn sie geschickt wurde. Wo liegen die Schwächen? Der Blackberry ist nicht so sexy wie das iPhone. Besonders das Interface, wenn auch sehr gut zu bedienen, ist kein Vergleich zum super-intuitiven iPhone. Der Emaildienst von Blackberry erfordert – zusätzlich zum Datentarif, den jedes Smartphone braucht – einen extra Blackberry-Vertrag (grob €10/Monat). Vorteile: leistungsfähig, Spitzenkeyboard, funktioniert mit jedem Anbieter Nachteile: teilweise unschönes Interface, Zusatzkosten durch Blackberry-Vertrag  Google Phone: der Netzbewohner Es gibt eine ganze Reihe von Google Phones und dieses Jahr werden noch über 20 weitere Modelle erwartet. Allen gemeinsam ist, dass sie auf dem Google-Betriebssystem Android laufen, das auf komplette Integration mit den Google-Netzanwendungen setzt. Das bekannteste Modell dürfte das G1 sein (s. Bild). Das Besondere am Google Phone ist die starke Verzahnung mit dem Internet. Google setzt von jeher auf rein netzbasierte Anwendungen. Die Daten werden ständig mit Google abgeglichen. Das bringt natürlich Vor- und Nachteile. So sind stets alle Kontakte synchronisiert, Emails etc sind sowieso kein Problem, Google Maps, Google Search und was es nicht alles gibt runden das Angebot ab. Das Interface entwickelt sich – von seiner Benutzerfreundlichkeit her – kräftig in Richtung iPhone. In der neuesten Version funktioniert der Touchscreen einwandfrei und super flüssig, die Bedienung macht richtig Spaß. Beim G1 – derzeit in Deutschland nur mit T-Mobile-Vertrag zu haben – hervorragend gelöst ist die Verbindung von Hard- und Software-Interface. So kann das Smartphone per Touchscreen gesteuert werden, aber unter dem Bildschirm verbirgt sich auch noch ein richtiges Keyboard, auf dem es sich bequem tippen lässt. Ein Trackball ergänzt das Ganze, so dass dem Nutzer stehts die beste Option offen steht. Entwickler freuen sich, dass Android komplett als Open Source angelegt ist, die Plattform also kollaborativ weiterentwickelt werden kann. Die größte Stärke ist gleichzeitig die größte Schwäche des Google Phones: Alles an diesem Gerät ist ausgelegt auf die Nutzung mit Googlediensten. Wer die geringsten Zweifel an Google hat, ist hier falsch. Die Batterie ist so schwach wie beim iPhone, wenn nicht sogar etwas kurzlebiger. (Intensivnutzer berichten, dass sie täglich mehrfach nachladen müssen. Das neueste Softwareupdate soll die Batterieleistung massiv verbessert haben.) Android ist als Betriebssystem noch sehr neu, es gibt noch einige Punkte, die weiter poliert werden müssen. Die derzeitig erhältliche erste Generation von Google Phones hat – vor allem in der Hardware – noch ihre Schwächen. Noch in diesem Jahr kommt aber die zweite Generation auf den Markt, die einige der Probleme lösen dürften. Vorteile: auf das Leben im Netz ausgelegt, Open Source, sehr flexibel Nachteile: stark von Google abhängig, sehr schwache Batterie  Alternativen? Gibt es Alternativen? Natürlich, einige sogar. So hat Nokia mit Symbian eine eigene Softwareplattform und einigen schönen Endgeräten. Die Nokias sind technisch sehr ausgereift, wenn auch in der Regel als Alleskönner ausgerichtet und nicht so spezialisiert wie die oben beschriebenen Modelle. (Ich persönlich nutze ein Nokia E71, mit gemischten Gefühlen.) Noch in den nächsten Wochen wird der neue Palm Pre erwartet, der in direkte Konkurrenz mit dem iPhone treten will und auch stark auf die Open Source Entwickler-Community setzt. Vermutlich kommt der Palm Pre noch vor Juni auf den (amerikanischen) Markt, damit der Neuling auch noch etwas mediale Aufmerksamkeit bekommt, bevor das erwartete neue iPhone rauskommt. Die Geeks sind sich einig: Das perfekte Smartphone gibt es noch nicht. Jedes einzelne Modell hat deutliche Schwächen. Dieses Jahr dürfte daher spannend werden: Inzwischen hatten die Hersteller Zeit, zu experimentieren und Erfahrungen zu sammeln. Doch jetzt sind Smartphones absolut im Mainstream angekommen und Daten-Flatrates für’s Mobiltelefon sind auch für Privatpersonen durchaus günstig zu haben. Das Internet wird endlich mobil. Genügt das nicht als Ausrede, sich endlich ein schönes neues Telefon zu gönnen? Bildquellen: Choking Sun (some rights reserved) Steven Hackett (some rights reserved) Edans (some rights reserved) Romainguy (some rights reserved) Splorp (some rights reserved)

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Peter Bihr

Peter Bihr

war Netzpiloten-Projektleiter von 2007-2010. Heute hilft er als freier Berater Unternehmen, ihre Strategien erfolgreich ins Netz zu übertragen. Über Social Media und digitale Kultur schreibt und twittert Peter auch privat unter TheWavingCat.com.

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