sueddeutsche.de im Netzpiloten-AdCheck

Der freie Medienjournalist Tobias Gillen schaut sich im Netzpiloten-AdCheck fünf große Nachrichtenseiten an. Heute: sueddeutsche.de // von Tobias Gillen

internet-werbung_SZ

Bei der Frage, wie sich Online-Journalismus finanzieren kann, stößt man immer wieder auf das Thema Werbung. Und ein großes Problem: Die einen, die Verlage, möchten möglichst viele Einnahmen durch Anzeigenkunden generieren. Die anderen, die Leser, nutzen zunehmend AdBlocker, um diese Anzeigen auszublenden. In einer fünfteiligen Artikelserie untersucht Tobias Gillen für uns das Werbeverhalten von fünf großen Nachrichtenseiten.

Welche Werbeformen gibt es auf sueddeutsche.de?
 
Bildschirmfoto 2013-09-26 um 11.47.28Einige. Die Internetseite der „Süddeutsche Zeitung“ setzt auf diverse Werbemittel und -anbieter, um sich zu finanzieren. Dazu gehören Google AdSense, Werbung von Performance Advertising, Plista-Anzeigen und Eigenvermarktung über die Quality Alliance (eine Vermarktungskooperation von „Süddeutsche Zeitung“, „Frankfurter Allgemeine Zeitung“, „Die ZEIT“ und „Handelsblatt“).
Die Werbeformate sind grundsätzlich schlicht platziert. Google AdSense- und Performance Advertising-Anzeigen sind in den einzelnen Artikeln zu finden, die etwas aufdringlichen und wenig ansehnlichen Plista-„Empfehlungen“ darunter. Auf der Startseite sind die Anzeigen schlicht in der Sidebar versteckt und fallen nicht weiter auf. Größer wird es dann um die Seite herum. Aktuell schaltet IBM etwa ein Rundum-Wallpaper, das durch sein aufdringliches Bling-Bling zum Weggucken zwingt. Die Performance Advertising-Anzeigen am Rand und über dem redaktionellen Hauptteil sind nicht sehr störend.  Nervig wird es, wenn der Hintergrund eingefärbt wird und ein „zufälliger Klick“ direkt zur Anzeige führt. So etwa bei einem Toyota-Skyscraper, der gerne mal die gesamte Seite rundum schwarz färbt.
 
Ist die Werbung passend zum Inhalt?
 
Eher nicht. Allerdings ist der Anteil der eigenvermarkteten Werbeplätze nicht gerade hoch. Dementsprechend gering ist auch der Einfluss auf die Anzeigen, die Google und Co. aus Cookies respektive Surfverhalten zusammensetzen und offenbar nicht sonderlich am Inhalt orientieren. In der Debatte um einen Spitzensteuersatz eine BMW-Werbung, neben einem Artikel über Migrantenanteil eine Hörgerätberatung – wirklich passend ist das nicht. 
 
Sind die Werbekunden seriös?
 
Meistens. IBM, Toyota, Aldi und BMW sind große, seriöse Firmen. Anders sieht es, ähnlich wie bei der vorherigen Frage, bei den fremdausgespielten Werbeplätzen aus. sueddeutsche.de hat wenig Einfluss auf AdSense und Performance Advertising. Das ist der Grund, warum einem häufig „Top Rendite“ und „Top Girokonto“ und um 36 Prozent reduzierter „Knipser Riesling vom Loess im 6 Flaschen Kennenlernpaket für nur 54,90 €!“ entgegenlächelt. 
 
Wie schaut es mit mobiler Werbung aus?
 
Im mobilen Bereich hat auch sueddeutsche.de noch nicht das passende Rezept für Werbefinanzierung gefunden. Eine Anzeige zu Beginn und eine Google AdSense-Anzeige am Ende der mobilen Seite sind alles – gut für den Leser, schlecht für die Kassen.
 
Das AdCheck-Fazit?
 
sueddeutsche.de ist ein feines Beispiel für eine gute Mischung aus Werbung, die man akzeptieren kann und werbefreier Zone. Einzig die blinkenden und rotierenden Skyscraper und Wallpaper und die den gesamten Hintergrund in Beschlag nehmenden Anzeigen sind störend. Auf einen AdBlocker kann man bei diesem Angebot aber durchaus guten Gewissens verzichten – und damit die Redaktion unterstützen. 

Anmerkung: Der Netzpiloten-AdCheck bildet nur eine Momentaufnahme der jeweiligen Website ab. Wie die Seite vor und in drei Wochen aussah und aussieht wird nicht berücksichtigt. Beim Test wurde Safari ohne Plugins und mobiles Safari verwendet.


Teaser by Ben Chams (via Fotolia.com)


Image by senoldo (via Fotolia.com)

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Tobias Gillen

Tobias Gillen

ist freiberuflicher Medien- und Technikjournalist und Blogger. Nebenher schreibt er Bücher und E-Books und ist bei Twitter, Facebook und Google+ zu finden.

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