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Seltsamer Startup-Streit: Orderbird und Airfy gehen getrennte Wege

Vergangene Woche war ich mit Freunden in einem koreanischen Restaurant auf der Alten Schönhauser Allee zum Mittagessen. Das Restaurant nutzt wie so viele gastronomische Betriebe in Berlin-Mitte das iPad-Kassensystem des Anbieters Orderbird, das seinen Kunden durch eine Kooperation mit dem WLAN-Provider Airfy ermöglicht, öffentliches WLAN rechtssicher anzubieten. Doch bei dem Besuch ging das Kassensystem nicht, die Kellner konnten keine Bons ausdrucken und aufgrund des ausgefallenen Airfy-WLANs auch keine elektronische Bezahlung akzeptieren. Nur mit Mühe konnten die Kellner die Bestellungen durch ihre Notizen wieder aufschlüsseln und so zumindest eine Bezahlung mit Bargeld akzeptieren. Zum Teil mussten Kunden bis zu 30 Minuten warten, um bezahlen zu können.

Was in dem Moment wie ein kaum zu beachtender Vorfall erschien, scheint nur die Vorgeschichte zu einem handfesten Streit zwischen den beiden Unternehmen zu sein, die seit rund zwei Jahren kooperierten. Mittwochabend schrieb Orderbird an seine Kunden, dass die Partnerschaft mit Airfy beendet ist. Airfy wiederum hat, laut Orderbird widerrechtlich, bei einigen Orderbird-Kunden das WLAN abgestellt, so dass die Kassensysteme nicht mehr funktionieren konnten und sie auch ihren Gästen kein Zugang zum Internet anbieten konnten. Welche Unternehmen diesmal davon betroffen waren, ist unserer Redaktion noch nicht bekannt. Orderbird geht davon aus, dass die für Airfy handelnden Personen sich hierdurch strafbar gemacht haben und kündigt rechtliche Schritte an.

Gegen diesen massiven Eingriff in das Orderbird-Kassensystem zulasten unserer Kunden werden wir konsequent rechtlich vorgehen. Dies beinhaltet sowohl die Geltendmachung von Regressansprüchen gegenüber Airfy, als auch die Zusammenarbeit mit den zuständigen Strafverfolgungsbehörden. Wir weisen Euch darauf hin, dass auch Orderbird-Kunden Regressansprüche gegenüber Airfy zustehen können.

– Aus einer Mail von Orderbird an seine Kunden

Etwas später am Mittwochabend schrieb auch Airfy die gemeinsamen Kunden von Orderbird an und berichtete von einem Betriebsausfall der Kassensysteme. Als Grund gab Airfy die Vertragsbeendigung zwischen Orderbird und Airfy an. Eine dafür von Airfy eingerichtete Webseite verrät nicht wie versprochen weitere Details zu dem Streit zwischen Airfy und Orderbird, bewirbt aber das eigene Angebot, welches durch die beendete Kooperation jetzt auch durch eine direkte Vertragsbeziehung mit Airfy angeboten wird, ohne einen Umweg über Orderbird, wie Airfy schreibt.

Orderbird wies schon in seiner ersten Mail daraufhin, dass ihr ehemaliger Kooperationspartner Airfy nun offenbar die gemeinsamen Kunden anschreiben wird, um sie zum Abschluss eines neuen Vertrages zu bewegen. Sie bezeichnen das Vorgehen von Airfy als unberechtigte Forderungen, auf die die Kunden nicht eingehen sollte. Sowohl Orderbird als auch Airfy bieten bereits technische Hilfe an, wie die Kunden wieder online gehen können, entweder ohne Orderbird oder eben ohne Airfy. Die eigentlichen Gründe für die Streitigeiten sind noch nicht bekannt, das Vorgehen der Unternehmen aber alles andere als professionell. Streitigkeiten zwischen kooperierenden Startups sollten nicht zu Lasten der gemeinsamen Kunden derartig eskalieren.

Wenn wir mehr zu dem Streit zwischen Orderbird und Airfy erfahren, werden wir den Artikel aktualisieren und neu über unsere Accounts auf Facebook und Twitter teilen.

Update 1 (10.11.2016, 8:39 Uhr):

 

Airfy nutzt offenbar auch noch das Oderbird-Kassensystem, um die gemeinsamen Kunden zu kontaktieren:


Image „Dispute“ by geralt (CC0 Public Domain)


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