Reaktion auf PRISM: Sichere Chats und Messenger geplant

In Reaktion auf PRISM, TEMPORA, NSA und Co. wollen MEGA-Gründer Kim „Dotcom“ Schmitz und Pirate Bay-Mitgründer Peter Sunde je Apps und Dienste schaffen, die sichere Kommunikation ermöglichen.

Im Fall von Peter Sunde handelt es sich um eine per Crowdfunding finanzierte WhatsApp-Alternative, die er mit zwei Kollegen umsetzen möchte. Kim Schmitz möchte bei MEGA verschlüsselte Mails und Chats anbieten, mit einiger Verzögerung sollen auch passende Apps folgen.

Wie groß in Zeiten von PRISM und TEMPORA der Wunsch nach sicherer Kommunikation ist, zeigen die Zahlen von heml.is: In nur drei Tagen sind 152.300 US-Dollar von über 10.000 Menschen gespendet worden. Die Zielsetzung lag bei 100.000 US-Dollar, um mit der Produktion der App zu beginnen. Hinter heml.is, vom schwedischen Wort „hemlis“ für „geheim“, stehen Pirate Bay-Mitgründer Peter Sunde, Flattr-Mitgründer und -Geschäftsführer Linus Olsson und Flattr-Mitarbeiter Leif Högberg. Das Ziel: Eine schicke App, die ihren Dienst eher einstellen würde, als ihn für Unternehmen und Regierungen zu öffnen.

Alles über die eigenen Server

Funktionieren soll das mit einer End-to-End-Verschlüsselung („End-to-End-Encryption“, „E2EE“), bei der die gesendeten Nachrichten beim Sender verschlüsselt und erst beim Empfänger wieder entschlüsselt werden. Dadurch bleiben die Nachrichten auch bei Zwischenstationen in der Übertragung verschlüsselt.

Am Beispiel von WhatsApp sieht man, dass ein verschlüsselter Datenweg dringend nötig ist. Die gesendeten Nachrichten nehmen bis zum Empfänger einen Umweg über Frankfurt, Dallas und Ashburn – können also sowohl vom Bundesnachrichtendienst (BND) als auch von der National Security Agency (NSA) abgefangen werden. Das zeigt eine sehenswerte App der „OpenDataCity“ zu diesem Thema. Der Dienst von heml.is wird komplett über die eigenen Server laufen.

heml.is soll kostenlos für iOS und Android kommen, ein genauer Veröffentlichungszeitpunkt ist noch nicht bekannt, Anfang 2014 scheint aber realistisch zu sein. Da – logisch – keine Daten verkauft und auch keine personalisierte Werbungeanzeigen eingeblendet werden, wird sich die weitere Arbeit an heml.is über in-App-Käufe finanzieren.

Für die Domainendung .is gibt es übrigens auch eine recht simple Erklärung. Jene werden sie verstehen, die damals WikiLeaks auf ihrem Weg durch Nordeuropa verfolgt haben: In Island ist der Datenschutz besonders ausgeprägt.

Auch Kim „Dotcom“ Schmitz kündigte an, einen „Mega-Messenger“ zu programmieren. Vorerst soll dieser nur im Browser funktionieren, in wenigen Monaten auch via Apps. Zudem sei, so auch MEGA-CEO Vikram Kumar, ein Mail-Client geplant, der aber noch sechs bis neun Monate auf sich warten lassen wird.

Ähnlich wie Peter Sunde und sein „Flattr-Team“ will Schmitz auf eine End-to-End-Verschlüsselung setzen und die bestehenden Verschlüsselungen des Mega-Netzwerks weiter verfeinern. Man darf gespannt sein.

Endlich genügend Öffentlichkeit

Es ist eine erfreuliche Entwicklung im Netz erkennbar. Seit Edward Snowden vor wenigen Wochen die PRISM-Affäre ins Rollen gebracht hat, starten viele Initiativen in Richtung Gegenangriff. Man hat das Gefühl, es sei endlich eine solide Grundöffentlichkeit und eine stärkere Sensibilisierung für das Thema Datenschutz vorhanden und nicht nur die alteingesessenen Netzbewohner realisieren Probleme und Risiken. Damit dürfte Edward Snowdens Ziel erreicht sein.


Image (adapted) „Geschäft“ by BarnImages (CC0 Public Domain)


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Tobias Gillen

Tobias Gillen

ist freiberuflicher Medien- und Technikjournalist und Blogger. Nebenher schreibt er Bücher und E-Books und ist bei Twitter, Facebook und Google+ zu finden.

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