Handyschrott (Bild: MikroLogika [CC BY-SA 3.0], via Wikipedia)

Nachhaltigkeit: Zu viele offene Fragen beim Ranking

Wie nachhaltig produzieren eigentlich die Elektronikhersteller? Eine Untersuchung zur Nachhaltigkeit gibt darüber nur bedingt Aufschluss. // von Tobias Gillen

Handyschrott (Bild: MikroLogika [CC BY-SA 3.0], via Wikipedia)

Das EU-Parlament hat im März beschlossen, dass sich die Hersteller von Smartphones und Tablets bis spätestens 2017 auf ein einheitliches Ladekabel einigen müssen. Grund dafür ist hauptsächlich der Umweltschutz, denn durch die Ladekabel-Redundanz werden jährlich viele Tonnen überflüssigen Elektro-Schrotts produziert. Nun hat ein Ranking-Portal ermittelt, welche Tech-Konzerne am nachhaltigsten produzieren.


Warum ist das wichtig? In der wachsenden Elektronikbranche muss etwas für den Umweltschutz getan werden, leider sind die Unternehmen da noch nicht sehr weit.

  • Das Fairphone liegt beim rankabrand-Ranking zur Nachhaltigkeit weit vorne.
  • Apple und Nokia erzielen in dem Nachhaltigkeit-Ranking nur durchschnittliche Ergebnisse.
  • Schlecht abschneiden tut Microsoft in fast allen Bereichendes Nachhaltigkeit-Rankings.

Fairphone weit vorne

Die Seite rankabrand.de hat 20 Technik-Unternehmen auf ihre Nachhaltigkeit untersucht. Die Unternehmen – Fairphone, Nokia, Apple, Sony, Acer, HP, Samsung, Dell, Motorola, Philips, BlackBerry, Lenovo, Toshiba, LG, ASUS, HTC, Microsoft, ZTE, Huawei und Nintendo – wurden einmal in einem Gesamtranking und in den Kategorien Klimaschutz, Ökologie und Arbeitsbedingungen bei der Produktion bewertet.

Es fällt auf, dass Fairphone im Gesamtranking ziemlich weit vorne liegt. Hier seien, so die Begründung im Sustainable Electronics Report, nicht nur Ziele gesetzt, sondern bereits erreicht worden. Auf den Plätzen Zwei und Drei liegen Apple und Nokia, die bereits „einige gute Ergebnisse“ erreicht hätten. Mehr gehe aber dennoch, so der Bericht.

Microsoft mit schlechter Figur

Im Durchschnitt liegen unter anderem Dell, Mototola und Lenovo, ganz schlecht schneiden Microsoft, HTC, Nintendo, ZTE und Huawei ab. Sie liegen noch hinterher und seien „weit davon entfernt, gute Leistungen zu zeigen„, so rankabrand. Auch BlackBerry und Samsung liegen im Ranking unter dem Durchschnitt.

In Sachen Klimaschutz verschiebt sich das Bild dann noch einmal: Hier liegt Nokia weit vorne auf dem ersten Platz. Apple, Dell, HP, Philips und Sony liegen noch über dem Durchschnitt auf dem zweiten Platz. Schlecht sieht es auch hier aus für Huawei, ZTE und HTC. Auch BlackBerry und Microsoft machen nicht die beste Figur.

Nokia beim Klimaschutz vorne

So auch beim Thema Ökologie, wo erneut Fairphone die Nase weit vorne hat. Apple liegt hier nur im Durchschnitt und Acer, BlackBerry, Dell, HTC, ZTE, Huawei, LG, Microsoft und Nintendo bilden die Schlusslichter. Erwähnenswert ist, dass es noch keines der Unternehmen geschafft hat, giftige Stoffe wie PVC in Gänze aus der Produktion herauszuhalten. Von den fünf untersuchten Stoffen haben Nokia und Motorola aber wenigstens drei verbannt.

Beim Thema Arbeitsbedingungen sind wir sensibel geworden, seitdem immer wieder neue Fälle von schlechten Bedingungen etwa bei Foxconn bekannt wurden. Foxconn produziert unter anderem für HP, Dell, Apple, Nintendo und Microsoft – wenngleich in der Regel immer nur vom Apple-Zulieferer gesprochen wird. In diesem Ranking liegen Fairphone, Apple und HP auf den ersten drei Plätzen, im Ranking hinten liegen HTC, Mircosoft, ZTE, Asus, Huawei und Nintendo. Ganz klar wird aber auch festgehalten, dass es immer noch kein Unternehmen schafft, wirklich fair zu produzieren.

Zu viele offene Fragen

Ein Fazit lässt sich demnach einfach ziehen: Der Weg der Elektronikhersteller zu fairen und umweltfreundlichen Produktionsbedingungen sei noch sehr weit. „Erste Schritte in die richtige Richtung sind zwar gemacht. Mehr als ein Anfang ist das allerdings bei weitem nicht„, so die Initiatoren. Der stärkste Impuls gehe letztlich immer von den Verbrauchern aus: „Gebt den Marken daher euer Feedback. Teilt ihnen mit, dass ihr faire und saubere Elektronik wollt„, so der Ratschlag.

Zu viele offene Fragen, zu wenig Antworten und durch die internationalen Produktionen und Standorte zu wenig Möglichkeiten für die Politik – vor diesen Herausforderungen steht die wachsende Branche der Elektronikhersteller. Die Entscheidung des EU-Parlaments, eine einheitliche Lösung zu finden, war ein erster guter Schritt. Bei den Fragen, die Rankabrand untersucht hat, müssen aber die Unternehmen selbst in die Verantwortung treten.


Teaser & Image by MikroLogika (CC BY-SA 3.0)


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Tobias Gillen

Tobias Gillen

ist freiberuflicher Medien- und Technikjournalist und Blogger. Nebenher schreibt er Bücher und E-Books und ist bei Twitter, Facebook und Google+ zu finden.

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