Memrise: E-Learning mit GIFs

„Learning, powered by imagination“, heißt die Devise beim Online-Lernkurs Memrise*. Und damit setzt Memrise bei einem bekannten Prinzip des Einprägens und des Speicherns von Informationen, in dem Fall einer Sprache oder Geschichtsdaten, an.

Denn mit Bildern können wir uns – insofern wir ein visueller Lerntyp sind sehr deutlich sogar – Dinge einfacher merken. Wie ernst es Memrise bei dieser Idee ist, wird deutlich, wenn man mal einen Grundkurs belegt hat – nur zu ernst darf man die ganze Sache vermutlich nicht nehmen.

Memrise richtet sich nicht nur an visuelle Lerntypen, sondern auch an netzaffine GIF-Liebhaber, die das ein oder andere Internet-Meme schon kennen (ohne geht es natürlich auch, ist aber sicher nicht ganz so lustig). Die einzelnen Übungen werden von der Crowd angelegt und die GIFs demnach auch zusammengestellt. Und so kommt es, dass man schnell mal das irre Gesicht von Nicolas Cage auf dem Bildschirm hat, um sich das Wort „Hallo“ zu merken – süße (oder müde) Kätzchen sind natürlich auch nicht weit.

Bei jedem Wort, Begriff oder Datum hat man eine Vielzahl von GIFs, Bildern oder Videos, von denen man pro Einheit eins auswählen kann. Memrise speichert es und beim nächsten Mal kann man das Medium als eine Art „Tipp“ hinzuziehen, wenn man mal nicht weiter weiß. Woher das „Mem“ in Memrise kommt, ist nun bekannt. Aber auch „-rise“ hat eine nähere Bedeutung.

Denn der Motivationssatz von Memrise ist „Ready to grow“. Passend dazu findet man auf der Seite überall Baum- und Pflanzen-Symbolik. Und auch die in einem Kurs gespeicherten Wörter bekommen ähnliche Zusätze. „Ready to plant“ oder „Ready to water“ sind die Anfänge – ist ein Wort schon ziemlich gut eingeprägt, wächst (to rise) der Baum entsprechend mit.

Natürlich darf auch bei einer E-Learning-App die Portion Gamification nicht fehlen. Bei Memrise kann man für gemerkte Begriffe Punkte sammeln und sich so mit seinen Freunden battlen – fraglich ist aber, ob die Lust auf Vokabelnpauken haben oder eher den Bolzplatz vorziehen würden (Pro-Tipp: Einfach mit Catcontent argumentieren!).

Schön ist, dass die meisten Kurse eine Sprachausgabe anbieten und so auch die audiovisuellen Lerntypen bedient werden. Insgesamt ist das Konzept aber ein bisschen holprig. Das liegt hauptsächlich an der Idee, die einzelnen Kurse von der Crowd erstellen zu lassen. Die ist zwar bekanntlich sehr intelligent, aber manche nehmen die Idee hinter Memrise einfach nicht ernst genug. Schnell steckt man dann in einem Kurs, dessen Mehrwert gleich Null ist – unpassende GIFs oder einfach falsche Angaben sind die Folge. Hier sollte man ein wenig auf die Statistiken vertrauen, die unter jedem Kurs eingebunden sind. Ist ein Kurs mehrere Tausend Mal benutzt worden, spricht viel dafür, dass er auch gut ist.

Wenn man Memrise nicht allzu ernst nimmt, kann es fast schon Spaß machen, sich durch die einzelnen GIFs zu klicken. Wer Sprachen wirklich lernen will, sollte aber auf professionellere Alternativen zurückgreifen. Memrise-Apps gibt es für iOS– und Android-Geräte.


Image (adapted) „hackNY 2011 Spring Student Hackathon“ by hackNY.org (CC BY-SA 2.0)


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Tobias Gillen

Tobias Gillen

ist freiberuflicher Medien- und Technikjournalist und Blogger. Nebenher schreibt er Bücher und E-Books und ist bei Twitter, Facebook und Google+ zu finden.

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