Lovoo ist voller Machos und Stylerbubis

Wer zwischen 16 und 30 und auf Partnersuche ist, dem wird früher oder später Lovoo empfohlen. Wer es nicht kennt: Lovoo (sprich: La wuu) ist eine einfache Dating-App wie Tinder, Badoo (wer da wohl von wem geklaut hat?) und Co. Man lädt ein Foto hoch, macht ein paar Angaben über sich und zack – fertig ist das Profil.

Ich hatte mich da auch mal angemeldet. Warum, weiß ich nicht mehr genau. Vielleicht, weil ich neugierig war, ob die App wirklich so nutzlos ist, wie viele sagen. Weil ich wissen wollte, ob sich da wirklich so viele Gestörte rumtreiben.

Und: Tatsächlich habe ich es da nur eine Woche ausgehalten. Den schlechten Ruf hat die App zurecht. Den Männern geht es da nämlich wie erwartet nur um eins: Sex. Besonders denen, die auf ihrem Profilfoto lässig mit Sonnenbrille vor ihrem Auto zu sehen sind. Wenn man als Frau dann ablehnt und sich auch nicht von den Statussymbolen („Ich hab nen BMW, sieht man auch auf dem Foto“) beeindrucken lässt, kommt oft sowas wie : „Du bist aber prüde!“ oder auch „Bist du lesbisch oder was?“.

Die angenehmsten Konversationen waren noch solche wie diese hier:

Er: Hi

Ich: Hi

Er: Wie geht’s?

Ich: Gut und dir?

Er: Auch gut

Er: Was suchst du hier?

Ich: Nichts bestimmtes, wollt nur mal gucken, was hier so los ist

Er: Ach so.

Er: Ich suche hier Spaß ;)

Ich: Sex?

Er: Ja.

Ich: Da bist du bei mir falsch.

Er: Echt?

Ich: Ja.

Er: Ok.

Ich: Viel Erfolg noch

Er: Danke.

Auch wenig interessant für mich: Die vielen 16- bis 18-jährigen Jungs. Alles so kleine Metrosexuelle, die sich in lässiger Pose vorm Badezimmerspiegel fotografiert haben. Einer schrieb mir in Endlosschleife immer etwas wie „Hi Süße“ oder „Okii Süße :*“. Ein anderer erklärte „Ich steh auf ältere Mädels“. Ob das schlimm wäre?

Ich kam manchmal aus dem Lachen nicht mehr heraus. Was mach ich da eigentlich?

Von den Typen in meinem Alter wollte sich einer direkt am nächsten Tag mit mir in der Mensa treffen. Eine Art Blind Date also. Nein, danke. Mit dem nächsten war wenigstens ein halbwegs normales Gespräch möglich. Bis er dann behauptete, ich würde ja lügen: In der Stadt gäbe es keine Studentenwohnheime. Doch klar, schrieb ich. Ich wohne schließlich in einem. Antwort: Er würde bereits seit 5 Jahren in Mittweida studieren und wüsste es ja wohl besser als ich. Es gäbe keine.

Ich ließ ihn in dem Glauben. Die App ist jetzt gelöscht. Und ich bin um eine Erfahrung reicher. Lustig war’s. Aber muss ich jetzt nicht nochmal haben.


Image (adapted) „Love (of technology)“ by Matthew G (CC BY 2.0)


 

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