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Warum Tinder uns zu boshaften Menschen macht

online dating (adapted) (Image by Thomas8047 [CC BY 2.0] via Flickr)

60 Prozent des digitalen Medienkonsums in Amerika geschieht nur noch über Handys oder Tablets und nicht mehr über Desktop-PCs. So wie Menschen und Technik zunehmend mobiler werden, sind es auch die Bemühungen der Menschen, Liebe und Sex zu finden. Laut der Analyse-Seite AppAnnie ist die Dating-App Tinder eine der beliebtesten Methoden, um eine Romanze im modernen Gewand einzugehen. Die App war zwei Jahre in Folge die am meisten heruntergeladene App in den USA.

Als Sozialpsychologe habe ich mich darauf spezialisiert, herauszufinden, warum Tinder – so wie es einer meiner Interviewpartner so schön sagte – uns „so boshaft, aber zufrieden“ macht. Während ich meine Dissertation zum Thema ‚Sexuelle Konflikte auf Tinder‘ beendete, analysierte ich hunderte von Umfragen, Interviews und Posts von Tinder-Nutzern, die deren Erfahrungen mit der App thematisierten. Mein vorläufiges Ergebnis lautete, dass Tinder-Nutzer in der Tat andere Charaktere treffen als die Nutzer anderer Online-Dating-Webseiten oder diejenigen, die gar keine Hilfe per Dating-App in Anspruch nehmen.

Genauer gesagt verursacht Tinder eine so genannte „Rückkopplungsschleife“, in der Männer weniger strenge Kriterien zum Finden eines Partners benutzen, weil sie die Teilnehmer oft nur schnell wegwischen. Frauen dagegen nutzen als Antwort auf die vielen Matches und Anfragen anspruchsvollere Kriterien. Aber wir sollten nicht schon jetzt Alarm schlagen, da das Wischen eventuell mehr über unsere geistigen Verknüpfungen aussagt als unsere unterschiedlichen romantischen Bedürfnisse.

Wie ein Spiel

Während die meisten Online-Dating-Webseiten wie Match oder eHarmony versuchen, die Nutzer auf Grundlage eines sorgfältig entworfenen Algorithmus miteinander zu verknüpfen, bedient sich Tinder keiner dieser Vorgaben. Stattdessen nutzt die App die Standortinformationen, um möglichst viele Fotos von möglichen Partnern aus der Umgebung aufzurufen. Die Nutzer wischen nach rechts, um die Profile der Personen, die sie interessieren, sehen zu können. Sie wischen nach links, um diejenigen, die sie nicht ansprechend finden, loszuwerden. Wenn zwei Personen nach rechts gewischt haben, nachdem sie das Profil des anderen gesehen haben, werden sie informiert, dass sie ein „Match“ haben und sich nun gegenseitig Nachrichten schicken können. Laut Tinder wird täglich 1,4 Milliarden Mal gewischt. Die App ist in fast 200 Ländern verfügbar, von Frankreich bis Burundi.

Die Art und Weise, wie Tinder mit Romantik umgeht, mag eher schlicht sein, ist aber sehr effektiv. Matches werden aufgrund von dürftigen Kriterien gemacht: Aussehen, Verfügbarkeit und Standort. Weil Menschen die Attraktivität mit nur einem kurzen Blick bemessen können, hetzen Tinder-Nutzer meist mit einer erstaunlichen Geschwindigkeit durch die Profile.

In Bezug auf psychologische Konditionierung ist die Oberfläche von Tinder perfekt geeignet, um die Geschwindigkeit der Suche zu unterstützen. Da die Nutzer nicht wissen, welcher Wisch ein Match ergibt, nutzt Tinder eine variable Anzahl an zufälligen Erfolgserlebnissen. Das bedeutete, dass potentielle Matches zufällig gestreut werden. Es ist dasselbe Belohnungssystem, das in Spielautomaten, Videospielen und sogar bei Experimenten mit Tieren, wie beispielsweise eines, bei dem Tauben trainiert wurden, kontinuierlich auf ein Licht an einer Wand zu picken, genutzt wird.

Bei einer Studie über die Gehirnaktivitäten von Drogensüchtigen fanden Forscher heraus, dass die Erwartung auf die Droge mehr von dem Wohlfühl-Botenstoff Dopamin freisetzt als die eigentliche Droge. Ganz ähnlich funktioniert die Erwartung auf Tinder, dass das nächste Wischen zu einem Match führen kann. Permanentes Wischen kann also schnell wie eine Sucht aussehen und sich auch so anfühlen. Es dürfte niemanden überraschen, dass Tinder seit 2015 für die Nutzer, die nicht die Premiumversion TinderPlus nutzen, die Wischbewegungen nach rechts auf 100 Mal pro Tag begrenzt hat. Manche sprechen bereits von Tinder-Entzugserscheinungen, wenn jemand seinen Tinder-Account deaktiviert hat.

Wenn es nun darum geht, einen Partner zu finden, wendet Tinder sich an unsere am einfachsten gestrickte intellektuelle Funktion: Ist jemand in der Nähe? Ist er frei? Ist er attraktiv? Wenn ja, dann wische nach rechts. Für kurze Affären ist das vielleicht genug.

Eine Geschlechterunterscheidung

Aber ist das wirklich alles, für das Tinder gut ist? Forscher haben gezeigt, dass Männer und Frauen eventuell verschiedene Motivation haben, die App zu benutzen. Während Frauen sich eher auf eine rasche Auswahlstrategie einlassen, zeigen Männern zunehmend mehr Interesse an Kurzzeitbeziehungen. Außerdem haben Studien ergeben, dass Männer eher hoffen, Partner für eine Beziehung zu finden, indem sie direkte und schnelle Anmachen benutzen. Sie wenden außerdem mehr Zeit und Energie als Frauen dafür auf, diverse Kurzzeitbeziehungen zu führen. Weil Tinder-Nutzer die App meistens benutzen, wenn sie allein sind, können sie bei potentiellen Partnern ablehnen oder Interesse zeigen, ohne sich ihrer Auswahl rechtfertigen zu müssen. Vielleicht lockt auch das schnelle Wegwischen gerade Männer besonders an.

Daraus resultiert, dass Frauen und schwule Männer mehr Matches erhalten als heterosexuelle Männer. In einer der ersten repräsentativen Untersuchungen erstellten die Forscher ein gleichermaßen attraktives männliches sowie weibliches Fake-Profil. Mit diesem wischten sie bei jedem erscheinenden Profil nach rechts. Daraufhin notierten sie die Anzahl von Matches und Nachrichten, die jedes Profil erhalten hat. Während das weibliche Profil eine Match-Quote von 10,5 Prozent hatte, hatte das männliche Profil nur 0,6 Prozent. Die meisten Matches waren hier von schwulen oder bisexuellen Männern.

Aber obwohl Frauen mehr Matches erhalten, genießen sie nicht unbedingt eine riesige Auswahl an vielversprechenden möglichen Partnern. Forscher fanden heraus, dass Frauen dreimal eher eine Nachricht nach einem Match verschicken als Männer und dass ihre Nachrichten fast zehnmal so lang waren (122 Zeichen bei Frauen verglichen mit dürftigen 12 Zeichen bei den Männern – was gerade genug ist, um „Hi, wie gehts?“ zu schreiben).

Männer schicken zwar mehr Nachrichten an potentielle Partnerinnen, geben sich aber weniger Mühe oder fühlen sich einfach weniger verbunden mit ihren Matches. Frauen fühlen sich zunächst geschmeichelt bei der Flut an Matches, sind später dann aber oft enttäuscht, wenn sie versuchen, die Kontaktanfragen weiterzuverfolgen und tiefergehende Gespräche zu führen.

Liebe an einem hoffnungslosen Ort?

Das bedeutete nicht, dass man auf Tinder nicht auch Liebe finden kann. Eine 2017 veröffentlichte repräsentative Studie untersuchte die Motivation der Tinder-Nutzer und fand heraus, dass Liebe ein größerer Motivator ist als Gelegenheitssex. Meine eigenen vorläufigen Daten (dies bedarf noch immer einer Überprüfung) spiegeln diese Ergebnisse wieder. Ich habe diese Umfrage an hunderte Tinder-Nutzer, Online-Dating-Nutzern und an andere Teilnehmer, die keines dieser Portale nutzen, geschickt und habe deren Erwartungen hinsichtlich Täuschung, Sex und romantischer Befriedigung verglichen.

Während ich keine statistischen Unterschiede zwischen Tinder-Nutzern und den anderen beiden Gruppen hinsichtlich der erwünschten Beziehungslänge und der Wahrscheinlichkeit für Sex beim ersten Date gefunden habe, haben Tinder-Nutzer jedoch berichtet, dass sie nach einem Treffen mit ihren Matches oft enttäuscht waren. Mehr noch, sie berichteten auch öfter, dass sie von ihren potentiellen Partnern, die sie mit Hilfe der App getroffen haben, getäuscht wurden, und dass sie mit ihren letzten Dates weniger zufrieden waren als die anderen beiden Gruppen. Anders gesagt unterscheidet sich die Motivation zur Nutzung von Tinder nach unseren Befragungen nicht nicht so sehr von dem, was wir vermutet haben. Der Spaß, den die Nutzer beim Wischen haben, kann nur vielleicht nicht immer auf ein Treffen in der echten Welt übertragen werden.

Obwohl Liebe und Sex meist mit dem Schlafzimmer in Verbindung gebracht wurden, bringen Untersuchungen von Matching-Systemen wie Tinder erfolgreiche Einblicke in das menschliche Paarungsverhalten. Während einige behaupten, dass Tinder den „Untergang des Datings“ hervorgerufen hat, scheint es, als würde es keine neuen menschlichen sexuellen Verhaltensmuster erzeugen, die wir nicht bereits vollziehen würden. Tatsächlich führt es nur dazu, dass sich Männer und Frauen eher geschlechtsstereotypisch verhalten – was durchaus auch als Rückschritt angesehen werden kann.

Doch wenn die Menschen immer weniger an konventionellen Beziehungen interessiert sind und sich mit bestimmten Arten von Technik in ihrem Alltag wohler fühlen, ist der Reiz des Wischens vielleicht zu befriedigend, als dass man es einfach lassen könnte.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „online dating“ by Thomas8047 (CC BY 2.0)


The Conversation

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FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

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  • APP handelsblatt: Die App gegen den Terrors: Gerade jetzt, nach den Anschlägen in Paris am 13. November 2015, ist die Terror-Angst zur Fußball Europameisterschaft größer denn je. Während sich der Staat und Einsatzkräfte in Frankreich für jede Situation wappnen, wissen viele Besucher im Augenblick nicht so richtig, was auf sie zukommen wird. Mit einer App will Frankreich seine Bürger bei einem Terroranschlag warnen. Eine gute Idee – doch ganz rund läuft das Programm noch nicht.

  • JOURNALISMUS carta: Aufklärung oder Animationsarbeit? Zur Deformation des Journalismus: Das Geschäftsmodell vieler Medienhäuser basiert längst nicht mehr auf dem Verkauf von Information, sondern auf dem Verkauf von Aufmerksamkeit. Dies zu vertuschen und weiter darauf zu bestehen, hier werde journalistische Arbeit geleistet, liegt im ureigenen Interesse dieser Unternehmen. Desorientierung des Publikums und Ansehensverluste sind die Folge. Neun Thesen über eine Industrie am Scheideweg.

  • DATENSCHUTZ sueddeutsche: Warum Passwörter abgeschafft werden müssen: Muss die Passwortfrage überdacht werden bzw. ist es möglich, auch ohne Passwort-Wahn zu leben? Wohl kaum. Doch wenn, wie der jüngste Fall zeigt, schon der große Mark Zuckerberg ein Passwort wie: „dadada“ nutzt, wie gehen dann Menschen auf dem Rest des Planeten mit dem Datenschutz um?

  • TESLA golem: Tesla Model S wird günstiger: Tesla Motors hat mit dem Model S 60 ein neues Einsteigermodell seines Elektroautos vorgestellt, das mit einem 60-kWh-Akku und Heckantrieb ausgerüstet und daher vergleichsweise günstig ist. Gegen Aufpreis schaltet Tesla beim Akku auch 75 kWh nachträglich frei.

  • ONLINEDATING gründerszene: So zocken Onlinedating-Betreiber ihre Nutzer ab: Aktuell sorgt Lovoo für großes Aufsehen in der Onlinedating-Szene. Das Unternehmen soll gefälschte Profile von Personen angelegt haben. Kein Einzelfall allerdings. Viele Dating-Plattformen gehen solche Wege. Ob Fakeprobile, Abofallen oder Probleme beim Austritt aus dem Vertag. Im folgenden Beitrag sind 5 weitere Plattformen aufgelistet, welche genau auf solche Machenschaften abspielen.

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Soeben gelandet – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

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  • APPLE wired: Apple’s iPhone Sales Just Fell for the First Time—It Won’t Be the Last: Das wertvollste Unternehmen der Welt zieht Bilanz für das erste Quartal 2016. Und Apple muss sich erst mal die Augen reiben, denn der Boom um das Produkt „iPhone“ scheint abzuklingen. Im Vergleich zum ersten Quartal 2015 fiel der Verkauf um 32 Prozent. Apples Problem – Geräte von anderen Herstellern können mit der Technik des iPhones mithalten, und das zum halben Preis. Es hört sich dramatisch für Apple an, aber der Konzern hat Anfang des Jahres trotzdem 51 Millionen Smartphones verkauft.
  • SMARTPHONE sueddeutsche: Was Smartphones über Unfälle verraten können: „Führerschein, Fahrzeugpapiere und Ihr Smartphone bitte“. So könnte bald ein Satz lauten, den Polizisten bei Unfällen im Straßenverkehr aussprechen werden. Ein New Yorker Senator hatte im Januar einen Gesetzesentwurf vorgestellt, der besagt, dass Polizisten bei einem Unfall noch vor Ort kontrollieren sollen, ob einer der Beteiligten von seinem Smartphone abgelenkt war. Möglich machen soll das ein Auslesegerät, das Passwörter umgeht und Apps auf ihre letzte Benutzung untersucht.
  • SOFTWARE faz: Die Software vom Cern spielt Orakel: Wie ist unser Universum entstanden? Diese Frage stellt sich jeden Tag eine Gruppe von Forschern des Kernforschungszentrum Cern bei Genf. Sie schießen Protonen in einem Teilchenbeschleuniger aufeinander, die irgendwann zusammenprallen. Dies wird gemessen und eine enorme Datenmenge entsteht. Hier hilft eine Software aus der Quantenphysik.
  • Elektro-Auto handelsblatt: 4000 Euro Förderung für Elektro-Neuwagen: Die Zahl der Elektro-Auto-Nutzer ist übersichtlich. Nun will die Bundesregierung mit Subventionen den Verkauf vorantreiben. Auch durch hohe Kaufprämien sollen Bürger gelockt werden. Summen von 4000-5000 Euro sind derzeit im Gespräch. Wirtschaftsminister Gabriel und Verkehrsminister Dobrindt wollen heute darüber informieren.
  • TINDER mashable: Tinder just launched a group dating option in Australia: Die Dating-App Tinder hat eine mögliche neue Funktion angekündigt. „Tinder Social“ soll das Update heißen und könnte einen neuen Tinder-Trend bringen. Gruppen-Dates. Man soll mit seinen Freunden eine Gruppe erstellen können und sich dann mit anderen Gruppen treffen. Ob das funktioniert, wird aktuell in Australien getestet.

chalabala / 123RF Lizenzfreie Bilder


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Können Dating-Apps Langzeitbeziehungen zerstören?

Holding Hands (Image: Unsplash [CC0 Public Domain], via Pixabay).jpg

Dating-Apps und Dating-Websites verändern Beziehungen. Mehr als zehn Prozent der amerikanischen Erwachsenen – und mehr als 40 Prozent der Personen, die über sich sagen, dass sie “Single und auf der Suche” sind – nutzen Dating-Websites und Apps. Was würde jemand aus dem 19. Jahrhundert über den Zusammenschluss von Technik und Romantik denken, den wir heute pflegen? Im späten 19. Jahrhundert hatte der deutsche Philosoph Friedrich Nietzsche viel zum Thema Liebe zu sagen. Er erörterte, dass sich die Gesellschaft in Richtung des Nihilismus – d.h. einer Gesellschaft ohne Bedeutung, Moral und Werten – bewegen würde. Nietzsche war der Ansicht, dass die romantische Liebe frivol wäre und dass Freundschaft eine wesentlich stärkere Grundlage für Beziehungen darstelle.

Aus Nietzsches Perspektive gesehen, könnte der Aufstieg von Dating-Apps wie Tinder, Hinge und Grindr, die uns dazu ermutigen, zu “wischen” und potentielle Liebhaber in einer Nanosekunde zu beurteilen, als Beispiele für eine Gesellschaft aufgeführt werden, die besessen geworden ist von Lust und sofortiger Befriedigung.

Nietzsche sagte außerdem, dass instinktive Beurteilungen irreführend seien, da “ein Ja oder Nein verkündet werden kann, bevor der Verstand zu Wort kommt”. Desweiteren sei eine impulsartige Handlung als dekadent und hedonistisch anzusehen und diese Eigenschaften sind “Wegweiser zum Nihilismus”.

Zeigt der Erfolg des Online-Dating in unserer Kultur damit also eine gewisse Maßlosigkeit auf? Und geschieht dies gar auf Kosten von Langzeitbeziehungen? Die Forschung zeigt unterschiedliche Ergebnisse, wobei einige Themen hervorstechen, wie Ergebnisse, die zeigen, dass “nach rechts wischen” möglicherweise nicht der beste Weg zu sein scheint, ein wirkliches Match zu erzielen.

Kurz gecheckt

Tinder zerstört mit Sicherheit nicht die Romantik – zumindest nicht die der eher flüchtigen Art. Mehr Auswahl, mehr Beziehungen und vermehrte Sozialisierung eröffnen neue Arten von Möglichkeiten, die ohne Dating-Apps und entsprechende Websites nicht existiert hätten. Eine Studie aus dem Jahr 2012 stellte heraus, dass das Internet Nutzern ermöglicht hat einfacher Partner zu finden. Im Besonderen trifft dies auf Homosexuelle und Menschen mittleren Alters zu, die sich auf einem “dünnen Markt” umschauen.

Die große Frage ist, ob Ehen, die ihren Ursprung im Netz haben, langfristig halten. An dieser Stelle sind die Forschungsergebnisse unterschiedlich. Einige Studien stellen fest, das amerikanische Ehen, die online beginnen, etwas weniger dazu neigen in die Brüche zu gehen als Beziehungen, die offline entstanden sind. Andere Studien kommen zu einem gegenteiligen Schluss. Dennoch gibt es ein inhärentes Problem mit der Tatsache, wie Online-Beziehungen beginnen – zumindest aus der Perspektive Nietzsches.

Da Nutzer instinktiv auf Fotos reagieren, wählen sie Dates oder Matches basierend auf der sexuellen Anziehung und geschönter Schönheit aus. (Studien zeigen auch, dass Anwender sich selbst in ihren Online-Profilen falsch darstellen.) Es kann also selbstverständlich ein initialer physischer Funke überspringen. Was ist aber mit den Dingen, die eine langfristige Beziehung ausmachen, wie Vertrauen, konstruktive Kommunikationund das Genießenvon gemeinsamen Aktivitäten?

Ermüdete Romantik

Das grundlegende Problem in modernen Beziehungen im Westen ist die Vorstellung davon, dass eine romantische Liebe zur Heirat führt – und diese für immer halten wird.

Sie ignoriert die Tatsache, dass romantische Leidenschaft über die Zeit vergeht. Nietzsche verglich dies mit einer Gravur, die vergeht, wenn bloße Finger sie fortlaufend berühren. Liebende ermüden voneinander. Gewohnheiten ziehen sie herunter. Die Leidenschaft der Liebe und die Schönheit schwinden.

Forschungen zur Dauer der Romantik variieren. Die meisten kommen jedoch zum gleichen Ergebnis: Sie hält nicht für immer an.

Eine Gruppe italienischer Wissenschaftler fand heraus, dass Neuropeptide – Moleküle, die mit dem Hochgefühl der Liebe in Verbindung stehen – 12-24 Monate nach Beginn einer romantischen Beziehung zurück auf ihr Normallevel fielen. Eine weitere Gruppe von Neurologen stellte fest, dass das Level von Hormonen wie Cortisol sich verändert, wenn Menschen sich verlieben, und sich nach 12-18 Monaten normalisiert. Andere Forscher entdeckten, dass Menschen, die sich seit 28,8 Monaten in einer Beziehung befanden, durchschnittlich weniger intensiv verliebt waren als solche, die seit 7,4 Monaten verliebt waren.

Auf der anderen Seite führten Wissenschaftler der Stony Brook Universität im Jahr 2009 eine Meta-Analyse von 25 Studien zu Paaren durch, die sich in den frühen Zwanzigern befanden, oder etwas älter waren. Sie ermittelten, dass, solange wir nicht die Besessenheit der frühen Phasen romantischer Liebe in unsere Definition mit einbeziehen würden, eine langfristige Romanze möglich wäre.

Was auch immer die magische Zahl sein mag, die Realität sieht so aus, dass mehr als ein Drittel der Ehen nicht bis zur Silberhochzeit nach 25 Jahren überdauern. Auch ohne die Arbeit von Sozialwissenschaftlern zur Hand zu haben, wusste Nietzsche, dass die romantische Leidenschaft oft einfach verschwindet. Als Lösung dieses Problems empfahl er die Ehe für Paare, die sich in den ersten Wehen romantischer Leidenschaft befanden, zu verbieten.

Er dachte darüber nach, was geschehen würde, wenn man zwei Liebenden eine besondere Brille geben könnte, so dass diese sehen könnten, wie der andere in 20 Jahren aussehen würde. Vermutlich würde diese dazu führen, dass ihre Anziehung erlischen würde – oder sie wären besser auf das gemeinsame Älterwerden vorbereitet.

Sexuelle Anziehung ist unzweifelhaft ein wichtiger Teil der Romantik. Aus der Perspektive Nietzsches gesehen genießen Menschen mit einem starken Willen zwar den Rausch der Liebe, jedoch haben sie ein größeres Bild vor Augen: Sie sind sich dessen bewusst, dass das Hauptkriterium für die Auswahl eines langfristigen Partners sein sollte, zu einer ordentlichen Unterhaltung fähig zu sein. Nietzsche merkte an, dass eine intellektuelle Anziehung eine tiefere und länger andauernde Basis für Beziehungen darstellen würde als die reine sexuelle Anziehungskraft.

Untersuchungen zeigen, dass die Fähigkeit zur Kommunikation von zentraler Wichtigkeit hinsichtlich der Dauer einer Beziehung ist. Eine im Jahr 2012 im Journal of Familiy Psychology veröffentlichte Studie führt an, dass negative oder nicht existierende Kommunikation eine der Hauptursachen für Scheidungen darstellt. Eine weitere Studie aus dem Jahr 2010 fand – wenig überraschend – heraus, dass Paare, die sich bereits früh in der Ehe kritisierten und anschrien, höhere Scheidungsraten aufwiesen.

Eine Über-Beziehung erschaffen

Apps behindern Freundschaften mehr als jede andere Form der Liebesbalz, da sie in ihrem Gegenüber nur knappe Entscheidungen von “Ja” und “Nein” hervorrufen. Zudem besteht die Basis dieser Entscheidungen aus Informationen, die enorm geschönt sind.

Nietzsche warnte davor, dass, wenn wir selbst uns zu sehr verstellen, wir riskieren, die Opfer unserer eigenen Schauspielkunst zu werden, da wir zu unseren Masken werden müssen, um die Illusionen, die wir erschaffen haben, aufrecht zu erhalten. Im Verlauf dessen opfern wir Authenzität. (Eine Studie aus dem Jahr 2002 fand heraus, dass die wenigen Personen, die ihr “wahres” Selbst online offenbarten, länger andauernde Freundschaften erschufen.)

Wenn Liebende besser Freunde wären, könnten Beziehungen gesünder sein. Gute Freunde ermutigen sich gegenseitig dazu, sich selbst zu hinterfragen, ihre Ziele zu erreichen und bessere Menschen zu werden. Nietzsche bezeichnete dies als das Streben nach dem Ideal des Übermenschen.

Die Ehe ist weiterhin nützlich, sofern sie ernst genommen wird. Sie stellt jedoch nicht die einzige Struktur von Wert dar. Verheiratet oder zusammenlebend, offen oder geschlossen, homo- oder heterosexuell, sexuell oder platonisch, kurz oder lebenslang – all diese Beziehungen können gleichermaßen gut funktionieren, so lange sie auf einer Basis von Vertrauen, Respekt und Freundschaft fußen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf “The Conversation” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image “Holding Hands” by Unsplash (CC0 Public Domain)


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Übers Dating via Internet: Jungfrau (19), männlich, sucht…

Smartphone (image by DariuszSankowski [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Wer als Mann zu nett ist, landet bekanntlich schnell in der Kumpelschiene. Ich habe einen Bekannten – nennen wir ihn Michael – auf den das zutrifft. Michael hat viele Freundinnen, ist beliebt, nett, intelligent und sieht auch nicht aus wie Quasimodo. Trotzdem hatte er noch nie eine Beziehung. Nun ist Michael fast 20. Höchste Zeit also, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen. Was also tun? Man(n) heult sich bei seinen Freunden und Bekannten aus. Eine davon bin ich. Seufz.

Verzweifelt auf Partnersuche

Fest steht, dass Michael wirklich sehr verzweifelt auf Frauensuche ist. Anfang des Jahres hatte er mich um ein Date gebeten, ich lehnte ab. Dann war erstmal Ruhe. Vor ein paar Monaten kam er dann wieder auf mich zu. Immer mal wieder schreibt er mich nun an, jammert über sein Single-Dasein und fragt mich, welche meiner Freundinnen denn keinen Freund hätten. Die wolle er kennenlernen. Wieso denn meine Freundesliste auf Facebook nicht für ihn zu sehen wäre? Seufz.

Je länger ich mit Michael schreibe, desto sicherer weiß ich, wieso es mit den Frauen einfach nicht klappen will. Er ist einfach viel zu unreif. Sein Verhalten kommt vielleicht bei 16-jährigen Mädchen an, aber bestimmt nicht bei gleichaltrigen Frauen.

Gerade deshalb tut er mir leid. Also hatte ich ihm vor ein paar Wochen angeboten, ihm beim Aufsetzen eines Profils bei einer Partnerbörse zu helfen. Keine App wie Lovoo, mit der ich keine guten Erfahrungen gemacht habe, sondern eine Seite, auf der sich Leute tummeln, die eine feste Beziehung suchen. Das kann ich mit Sicherheit sagen, weil ich da selbst angemeldet bin und bis jetzt nur wenige Sexanfragen bekommen habe. Und Idioten gibt es ja überall. Wie es als Mann ist, konnte ich natürlich nicht einschätzen.

Als Mann auf einer Dating-Seite

Michael war begeistert von der Idee. Ich habe ihm also ein Profil aufgesetzt.

Chat zum neuen Profil in einer Dating-App

Dann ging es ans Kontakt-Aufnehmen. Michael setzte seine Favoriten auf die Merkliste und bat mich, diese Frauen anzuschreiben – denn: „Du bist ja so kreativ“. Bin ich das? Hm… Ich habe erstmal überlegt, was mir gefallen würde. Als Frau möchte ich eine persönliche Nachricht erhalten, die speziell auf mich bzw. mein Profil bezogen ist. Das ist auch ein Zeichen von Wertschätzung, finde ich. Nichts ist schlimmer als ein unpersönliches „Hi, wie geht’s? Was machst du so?“.

Ich habe also versucht, auf jedem dieser Profile einen interessanten Anknüpfungspunkt zu finden. Das war gar nicht so einfach. Viele hatten kaum Angaben über sich gemacht. Ein, zwei Stunden saß ich dran, dann hatte ich keine Lust mehr, mich in Michael hineinzuversetzen und möglichst geistreiche Nachrichten über Volleyball und Theaterbesuche abzuschicken. Nur damit der arme Junge mal ein Date bekommt.

Es war aber auch wirklich zum Verzweifeln: Von zehn angeschriebenen Frauen, schrieben vielleicht zwei Frauen zurück. Keine Profilaufrufe, gähnende Leere im Postfach. Man hört ja so einiges, aber dass das so krass ist, hatte ich auch nicht gedacht. Ich meine nun ein Stück weit verstehen zu können, wieso viele Männer vorgefertigte Nachrichten verschicken: Es ist einfach und spart Zeit. Der Streuverlust ist eben so hoch, da muss man gleich 50 Frauen anschreiben, um Erfolg zu haben.

Nie wieder als Frau im Namen eines Mannes schreiben

Vielleicht macht das der Michael inzwischen ja genauso. Nun hat er sein Passwort geändert. Tja. Da investiert man Zeit und Mühe und der Junge beschwert sich auch noch („Du hast ja nur welche angeschrieben, die nicht mein Typ sind!“). Blond soll sie sein, eventuell noch brünett. Aha. Er schickt mir Fotos von Mädels, die sein Typ sind, darunter seine beiden besten Freundinnen. Und wieder einmal empfinde ich Mitleid mit der Spezies Kumpeltyp. Es muss deprimierend sein, für die Frauen nie mehr als das zu sein.

Trotzdem: Das war das erste und definitiv auch das letzte Mal, dass ich online von einem männlichen Profil aus Frauen anschreibe. Das ist so unehrlich. Umgekehrt fände ich es nämlich auch nicht toll, wenn ein Typ, mit dem ich schreibe, in Wirklichkeit eine Freundin für sich schreiben lässt. Sollte man nicht gerade bei der Partnersuche von Anfang an aufrichtig sein, wenn man es ernst meint?! In diesem Sinne: Viel Erfolg noch, Michael!


Image „Smartphone“ by DariuszSankowski (CC0 Public Domain)


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Lovoo ist voller Machos und Stylerbubis

Love (of technology) (adapted) (Image by Matthew G [CC BY 2.0] via Flickr)

Wer zwischen 16 und 30 und auf Partnersuche ist, dem wird früher oder später Lovoo empfohlen. Wer es nicht kennt: Lovoo (sprich: La wuu) ist eine einfache Dating-App wie Tinder, Badoo (wer da wohl von wem geklaut hat?) und Co. Man lädt ein Foto hoch, macht ein paar Angaben über sich und zack – fertig ist das Profil.

Ich hatte mich da auch mal angemeldet. Warum, weiß ich nicht mehr genau. Vielleicht, weil ich neugierig war, ob die App wirklich so nutzlos ist, wie viele sagen. Weil ich wissen wollte, ob sich da wirklich so viele Gestörte rumtreiben.

Und: Tatsächlich habe ich es da nur eine Woche ausgehalten. Den schlechten Ruf hat die App zurecht. Den Männern geht es da nämlich wie erwartet nur um eins: Sex. Besonders denen, die auf ihrem Profilfoto lässig mit Sonnenbrille vor ihrem Auto zu sehen sind. Wenn man als Frau dann ablehnt und sich auch nicht von den Statussymbolen („Ich hab nen BMW, sieht man auch auf dem Foto“) beeindrucken lässt, kommt oft sowas wie : „Du bist aber prüde!“ oder auch „Bist du lesbisch oder was?“.

Die angenehmsten Konversationen waren noch solche wie diese hier:

Er: Hi

Ich: Hi

Er: Wie geht’s?

Ich: Gut und dir?

Er: Auch gut

Er: Was suchst du hier?

Ich: Nichts bestimmtes, wollt nur mal gucken, was hier so los ist

Er: Ach so.

Er: Ich suche hier Spaß ;)

Ich: Sex?

Er: Ja.

Ich: Da bist du bei mir falsch.

Er: Echt?

Ich: Ja.

Er: Ok.

Ich: Viel Erfolg noch

Er: Danke.

Auch wenig interessant für mich: Die vielen 16- bis 18-jährigen Jungs. Alles so kleine Metrosexuelle, die sich in lässiger Pose vorm Badezimmerspiegel fotografiert haben. Einer schrieb mir in Endlosschleife immer etwas wie „Hi Süße“ oder „Okii Süße :*“. Ein anderer erklärte „Ich steh auf ältere Mädels“. Ob das schlimm wäre?

Ich kam manchmal aus dem Lachen nicht mehr heraus. Was mach ich da eigentlich?

Von den Typen in meinem Alter wollte sich einer direkt am nächsten Tag mit mir in der Mensa treffen. Eine Art Blind Date also. Nein, danke. Mit dem nächsten war wenigstens ein halbwegs normales Gespräch möglich. Bis er dann behauptete, ich würde ja lügen: In der Stadt gäbe es keine Studentenwohnheime. Doch klar, schrieb ich. Ich wohne schließlich in einem. Antwort: Er würde bereits seit 5 Jahren in Mittweida studieren und wüsste es ja wohl besser als ich. Es gäbe keine.

Ich ließ ihn in dem Glauben. Die App ist jetzt gelöscht. Und ich bin um eine Erfahrung reicher. Lustig war’s. Aber muss ich jetzt nicht nochmal haben.


Image (adapted) „Love (of technology)“ by Matthew G (CC BY 2.0)


 

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Französische Datenschutz-Behörde rügt 13 Dating-Websites

an evening playing 'smartphone' pub quiz with the exeter twitterati! (adapted) (Image by Phil Campbell [CC BY 2.0] via Flickr)

Die Commission nationale de l’informatique et des libertés (CNIL), die nationale Datenschutzbehörde von Frankreich, hat einen Bericht veröffentlicht, indem 13 französische Dating-Websites aufgelistet sind, die aufgrund ihrer kritikwürdigen Verwendung von Nutzerdaten eine Verwarnung erhielten. Doch der missbräuchliche Umgang mit Nutzerdaten ist ein größeres Problem als der Bericht es vermuten lässt.

Im Rahmen der Veröffentlichung erklärte die CNIL, dass insgesamt acht Unternehmen, die in Frankreich 13 Dating-Websites betreiben, untersucht wurden und die CNIL festgestellt habe, dass diese Unternehmen mehrere Gesetze im Bezug auf den Datenschutz gebrochen haben.

Unter den beanstandeten Vergehen befanden sich:

  1. Nutzer wurden nicht explizit über die Speicherung von sensiblen Daten benachrichtigt, welche ihre Vorlieben innerhalb des Schlafzimmers, religiöse Einstellungen und politische Meinungen enthielten.

  2. Profile wurden nicht gelöscht oder für längere Zeit stillgelegt, obwohl Nutzer explizit darauf bestanden haben.

  3. Nutzer wurden nicht ausführlich über ihre Rechte, in Bezug auf die Nutzerdaten, aufgeklärt.

Neben größeren Dating-Websites wie „Meetic“ , „Adopte un Mec“ und „Attractive World“ , wurden auch weniger bekannte Websites wie „Rencontre Obese“ (Dating für Übergewichtige), „Gauche Rencontre“ (sozialistisches Dating) und einige andere erwischt.

Wenn die acht Unternehmen, die die Dating-Websites betreiben, die Kritikpunkt der CNIL schnellstens beheben und den Anforderungen de Datenschutzbehörde nachkommen, die CNIL keine rechtlichen Maßnahmen ergreifen wird.

Offene Frage zu den Themen Vertrauen und Privatsphäre

Der Bericht der CNIL stellt aber nur die jüngsten Enthüllung im Fall von missbräuchlich verwendeten Nutzerdaten auf mobilen Apps dar. Anfang August wurde bekannt, dass die Fahrten vermittelnde App Uber, seine die Positionen von Taxis anzeigende Karte gar nicht in Echtzeit abspielt. Ein Uber-Sprecher bezeichnete diese eher als Bildschirmschoner, als eine Echtzeit-Karte.

Vorfälle wie diese, werfen Fragen über Nutzerrechte auf, insbesondere im Bereich Vertrauen und Privatsphäre. Wenn eine App mich glauben lässt, dass etwas in Echtzeit passiert, ist es dann in Ordnung, wenn sich herausstellt, dass es gar nicht stimmt?

Ist das nicht genauso schlimm, wie falsche Werbung?

Täuschung von Nutzern und ihren Entscheidungen

Wenn ich meinen Account von einer Dating-Seite lösche und meine Informationen von deren Server nicht entfernt werden, oder gar schlimmer, die App benutzt meinen Account weiterhin, um es so aussehen zu lassen, als würde ich mich dennoch auf dem Portal befinden, ist dann noch in Ordnung?

Ist das die Art und Weise der Handhabung, wie wir sie uns in 15 Jahren wünschen? In der analogen Wirklichkeit kann man darauf bestehen, den Preis zu bezahlen, mit dem geworben wird, auch wenn er niedriger ist als gewollt.

Wenn eine App für eine bestimmte Funktion wirbt und es sich herausstellt, dass diese falsch ist, sollte diese App dann nicht auch zur Rechenschaft gezogen werden?

Apps verraten uns, wann unsere Freunde sich das letzte Mal eingeloggt haben, sie lassen uns wissen, was sie auf der Plattform machen und liefern uns immer mehr detaillierte Informationen. Diese Infos werden als wertvoll wahrgenommen und beeinflusst Entscheidungen von Kunden, ob sie ein Produkt nun nutzen sollen oder nicht. Welche Konsequenzen tragen wir, wenn diese Funktionen und inhaltlichen Aspekte uns zum Handeln aufrufen und uns so in deren Service locken und diese Dienste sich dann als gefälscht entpuppen?

Dieser Beitrag erschien zuerst auf Rudebaguette.com.


Image (adapted) „an evening playing ’smartphone‘ pub quiz with the exeter twitterati!“ by Phil Campbell (CC BY 2.0)


 

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5 Lesetipps für den 5. August

In unseren Lesetipps geht es heute um Microsoft’s neue Website, Apple, Drohnenkameras, die wie Facettenaugen funktionieren, eine Smartwatch für Sehbehinderte und das neue Dating-Portal Unverblümt. Ergänzungen erwünscht.

  • MICROSOFT Golem.de: Docs.com: Microsoft eröffnet mit Docs neue Dokument-Sharing-Plattform: Microsoft hat eine neue Website mit dem Namen Docs.com vorgestellt: Hier geht es vor allem darum, die eigenen Office Dokumente zu veröffentlichen, die dann auf Websites eingebunden und verlinkt werden können. Das funktioniert mit Word-, Powerpoint- und Excel- , sowie mit PDFs und Sway-Dokumenten. Da die Plattform nur für das Veröffentlichen der Dokumente gedacht ist, steht es auch nicht in Konkurrenz zu Onedrive, was eher eine Cloudspeicherlösung ist.

  • APPLE STERN.de: iPhone-Nutzer kriegen Edel-Netz: Apple will Mobilfunk-Revolution: Apple hat ein neues Feld im Auge: den Mobilfunkmarkt. Der Konzern will sich selbstverständlich kein eigenes Netz aufbauen, er verhandelt aktuell mit verschiedenen Mobilfunkbetreibern darüber, ihre Netzt zu mieten. Apple würde damit ein ähnliches Geschäftsmodell anstreben, wie es hierzulande viele Discounter und kleinere Mobilfunkmarken machen. Höchstwahrscheinlich würde sich Apple’s Ansatz trotzdem von der Masse absetzen.

  • DROHNEN UBERGIZMO DE: Neue Drohnenkamera funktioniert wie Facettenauge: Ein Forscherteam der École Polytechnique Fedérale de Lausanne (EPFL) hat ein kleines Set elektronsicher Augen für Drohnen gebaut, die den Facettenaugen von Insekten nachempfunden sind. Diese Technik soll vor allem bei winzigen Überwachungsdrohnen eingesetzt werden. So eine Makroaufnahme von Insekten ist wohl für die wenigsten von uns etwas schönes, aber an Funktionalität sind diese kaum zu übertreffen. Denn sie generieren keine hohe räumliche Auflösung, also Pixeldichte eines Bildes, sondern basieren auf schneller Reaktion auf Veränderungen von Lichtreflexionen und die Erscheinung von Objekten, und genau so soll dann auch die neue Kamera funktionieren.

  • BRAILLE-SMARTWATCH Bluewin: Dot – Eine Smartwatch für Blinde: In der Zeit der Digitalisierung scheint die Blindenschrift Braille für manche als altbacken und undynamisch, das möchte die Firma “dot” aus Seoul, Südkorea, jetzt ändern: Sie möchten die Braille-Technologie jetzt an die Handgelenke der sehbehinderten Menschen bringen. Von außen sieht das Gerät aus wie ein Fitness-Tracker, in seinem Modul befinden sich aber vier sogenannte “Zellen” mit je sechs Braille-Blindenpunkten, was reicht, um gleichzeitig vier Braille-Zeichen anzuzeigen. Dabei kann ein Text als Abfolge von Zeichen abgespielt werden, von einer bis 100 Erneuerungen pro Minute.

  • UNVERBLÜMT Gründerszene: Jetzt gibt es auch Babys per Smartphone: Getreu dem Motto: “Verguckt, verliebt, verheiratet”, gibt es eine neue Dating-Plattform mit dem Namen Unverblümt – hier geht es aber nicht nur darum, einen tollen Partner zu finden, sondern vor allem einen Partner mit Kinderwunsch. Direkt bei der Registrierung muss der User ankreuzen, ob er beziehungsweise sie sich ein Kind wünscht – ja, vielleicht, oder nein, das sind die Antwortmöglichkeiten. Das soll vor allem für Frauen wichtig sein, denn wenn sie auf der Suche nach dem Mann fürs Leben sind, aber es immer nur in One-Night-Stands endet, ist das nicht das Gelbe vom Ei. Ob das wohl ein richtiger Erfolg wird?

CHIEF-EDITOR’S NOTE: Wenn Ihnen unsere Arbeit etwas wert ist, zeigen Sie es uns bitte auf Flattr oder indem Sie unsere Reichweite auf Twitter, Facebook, Google+, Soundcloud, Slideshare, YouTube und/oder Instagram erhöhen. Vielen Dank. – Tobias Schwarz

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OKCupid macht Nutzer zu Versuchskaninchen

Online romance (adapted) (Image by Don Hankins [CC BY 2.0] via Flickr)

Nicht nur Facebook macht Experimente an den Nutzern, auch die Dating-Seite OKCupid gibt nun zu, die Nutzer als Versuchskaninchen einzusetzen. Facebook ist vergangenen Monat für ein Experiment an den Nutzern in die Kritik geraten, in dem die Stimmung einiger Nutzer gezielt manipuliert wurde. Nun hat auch die Dating-Seite OKCupid zugegeben, mehrere Experimente an den Nutzern durchgeführt zu haben. Dabei wurde Nutzern unter anderem eine höhere Übereinstimmung angezeigt, als der Algorithmus tatsächlich errechnet hatte. Doch in diesem Fall gibt es deutlich weniger Empörung, als im Falle Facebook – doch woran liegt das?

Letzten Monat war die Aufregung groß, als bekannt geworden ist, dass Facebook ein Experiment an den Nutzern durchgeführt hat. Kritisiert wurde vor allem, dass Nutzer ohne ihr Wissen manipuliert wurden, indem ihnen Posts angezeigt wurden, die ihre Stimmung beeinflussen. Nachdem sich nun der aufgewirbelte Staub wieder etwas gelegt hat, setzt die Dating-Webseite OKCupid nach und beschreibt in einem Blogpost drei Experimente, die an den Nutzern durchgeführt wurden.

Im ersten und harmlosesten Experiment hat OKCupid nach einer Ankündigung für sieben Stunden die Bilder aus den Nutzerprofilen entfernt, um zu sehen, welche Auswirkungen dies auf das Nutzerverhalten hat. Zwar ist sind die Nutzerzahlen generell massiv eingebrochen, gleichzeitig gab es aber deutlich mehr Antworten auf erste Kontaktaufnahmen. Die Konversationen sollen zudem deutlich tiefer verlaufen sein und die Nutzer haben deutlich schneller weitere Kontaktdaten wie Telefonnummern oder E-Mail-Adressen ausgetauscht. OKCupid schien also besser zu funktionieren – zumindest bis nach den sieben Stunden die Bilder wieder erschienen und 2.200 Nutzer die blind begonnenen Konversationen verstummen ließen. Liebe ist also nicht blind, die Nutzer dafür aber Oberflächlich.

Die Experimente verdunkeln sich

Im zweiten Experiment hat man sich entschlossen, das vorhandene Bewertungssystem auf zwei Kategorien für Erscheinung und Persönlichkeit zu erweitern. Solch ein Bewertungssystem gab es bereits in der Vergangenheit und die Seitenbetreiber haben herausgefunden, dass die Bewertungen weitestgehend übereinstimmen. Nun hat man allerdings einer Gruppe von Nutzern das Profil ohne Text angezeigt um zu sehen, ob bei den Bewertungen ausschließlich Punkte für die Attraktivität oder auch für die tatsächliche Persönlichkeit vergeben werden. Das Ergebnis ist wenig überraschend und deckt sich mit dem des ersten Experiments, die Nutzer sind sehr oberflächlich.

Das dritte Experiment sitzt dagegen etwas querer im Magen, da hier die Nutzer gezielt belogen wurden. OKCupid basiert auf einem Matching-System, in dem ein Algorithmus errechnet, zu wie viel Prozent zwei Nutzer zusammenpassen. Natürlich sucht man hauptsächlich Nutzer, die eine möglichst hohe Übereinstimmung aufweisen und so nach Ansicht der Webseite besonders gut zu einem passen. In diesem Fall hat OKCupid allerdings die Matching Scores bewusst falsch angezeigt – zum Beispiel eine Übereinstimmung von 90 Prozent, obwohl es tatsächlich nur 30 Prozent sind. Die Wahrscheinlichkeit einer Kontaktaufnahme stieg dadurch von 14,2 auf 16,9 Prozent und die Konversationen wurden zudem auch eher weitegeführt. Die Wahrscheinlichkeit lag damit zwar höher als wenn beide Nutzer die wahre Punktzahl gekannt hätten, allerdings wiederum auch niedriger, als wenn beide tatsächlich einen hohen Matching Score gehabt hätten.


Bridget Carey erklärt die Experimente im CNET-Podcast:


Denn sie wissen nicht, was sie tun

OKCupid ist als Online-Dating-Plattform unter anderem aufgrund des Matching-Algorithmus überaus beliebt. Doch im Rahmen der Experimente haben die Betreiber der Seite nun zugegeben, dass sie selber gar nicht so genau wissen, wie dieser eigentlich funktioniert. Und genau aus diesem Grund wurden diese Experimente überhaupt erst durchgeführt, um nämlich besser zu verstehen, ob und wie der Algorithmus eigentlich funktioniert.

Natürlich hinterlässt vor allem das dritte Experiment dabei einen bitteren Nachgeschmack, da die Nutzer gezielt belogen wurden. Allerdings wird sich kaum ein Nutzer, der herausfindet, dass sein Partner, mit dem er glücklich ist, eigentlich gar nicht so gut zu ihm passen soll – und für alle, die aus diesem Experiment ohne Partner hervorgegangen sind, hat sich eigentlich nichts gegenüber der normalen Nutzung von OKCupid geändert. Natürlich kann man sich nun fragen, warum man eine Dating-Seite nutzen soll, wenn diese einem eventuell völlig unpassende potenzielle Partner vorschlägt – da kann man auch in jede x-beliebige Bar gehen. Doch genau das soll mit den Experimenten ja verbessert werden. Wie Christian Rudder, einer der Seitenbetreiber selber zugibt, sind derartige Experimente nötig, um den Algorithmus besser zu verstehen und die Plattform generell zu verbessern, denn das Internet existiert noch nicht lange genug, als dass man bereits eine Formel oder Blaupause entwickelt hätte, wie Webseiten funktionieren. Als Nutzer sind wir also letztlich nicht nur auf OKCupid Versuchskaninchen, sondern auf allen anderen Seiten auch, da diese ebenfalls noch versuchen herauszufinden, was sie eigentlich machen.


Image (adapted) „Online romance“ by Don Hankins (CC BY 2.0)


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Tinder: Die Flirt-App, die deinen Daten schöne Augen macht

Eine ziemlich simpel gestrickte Smartphone-Anwendung namens Tinder hilft Nutzern auch im deutschsprachigen Raum beim Aufreißen – und saugt Nutzerdaten Richtung USA. // von Jakob Steinschaden (aktualisiert am 23.01.2015)

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Dating, Flirten, Quickies – das Thema Sex ist auch nach tausend und einer Single-Plattform so heiß, dass man eine kleine App wie Tinder schnell groß machen kann. Reduziert aufs Wesentliche, kann man mit der kostenlosen Smartphone-Anwendung schnell und einfach Flirt-Willige in der eigenen Umgebung finden. Doch Tinder möchte nicht nur eine reine Dating-App bleiben, sondern feilt bereits daran sich zur „Social Discovery App“ zu entwickeln.

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Gayromeo – ein Hidden Champion im deutschen Internet

Bei einem Hidden Champion steht die öffentliche Aufmerksamkeit in keinem Verhältnis zum Ausmaß der tatsächlichen Erfolgsgeschichte. Ein solcher unterschätzter Gigant ist das ursprünglich deutsche Gayromeo. Es steht auch international gut da, und ist weit über die Grenzen seiner Zielgruppe hinaus bekannt.


Quelle: „Ein Gayromeo für Heteros?“ (Ausschnitt)

In seiner Zielgruppe hat das Portal eine beispiellose Marktdurchdringung. Und Karteileichen sind eher die Ausnahme, das „schwule Einwohnermeldeamt“ wird von den meisten Mitgliedern rege genutzt. Laut einer Marktforschungsstudie aus dem Jahr 2010 liegt die durchschnittliche monatliche Nutzungsdauer bei zwölf Stunden pro Monat – und damit mehr als doppelt so hoch als bei Facebook oder StudiVZ…

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