Französische Datenschutz-Behörde rügt 13 Dating-Websites

Die Commission nationale de l’informatique et des libertés (CNIL), die nationale Datenschutzbehörde von Frankreich, hat einen Bericht veröffentlicht, indem 13 französische Dating-Websites aufgelistet sind, die aufgrund ihrer kritikwürdigen Verwendung von Nutzerdaten eine Verwarnung erhielten. Doch der missbräuchliche Umgang mit Nutzerdaten ist ein größeres Problem als der Bericht es vermuten lässt.

Im Rahmen der Veröffentlichung erklärte die CNIL, dass insgesamt acht Unternehmen, die in Frankreich 13 Dating-Websites betreiben, untersucht wurden und die CNIL festgestellt habe, dass diese Unternehmen mehrere Gesetze im Bezug auf den Datenschutz gebrochen haben.

Unter den beanstandeten Vergehen befanden sich:

  1. Nutzer wurden nicht explizit über die Speicherung von sensiblen Daten benachrichtigt, welche ihre Vorlieben innerhalb des Schlafzimmers, religiöse Einstellungen und politische Meinungen enthielten.

  2. Profile wurden nicht gelöscht oder für längere Zeit stillgelegt, obwohl Nutzer explizit darauf bestanden haben.

  3. Nutzer wurden nicht ausführlich über ihre Rechte, in Bezug auf die Nutzerdaten, aufgeklärt.

Neben größeren Dating-Websites wie „Meetic“ , „Adopte un Mec“ und „Attractive World“ , wurden auch weniger bekannte Websites wie „Rencontre Obese“ (Dating für Übergewichtige), „Gauche Rencontre“ (sozialistisches Dating) und einige andere erwischt.

Wenn die acht Unternehmen, die die Dating-Websites betreiben, die Kritikpunkt der CNIL schnellstens beheben und den Anforderungen de Datenschutzbehörde nachkommen, die CNIL keine rechtlichen Maßnahmen ergreifen wird.

Offene Frage zu den Themen Vertrauen und Privatsphäre

Der Bericht der CNIL stellt aber nur die jüngsten Enthüllung im Fall von missbräuchlich verwendeten Nutzerdaten auf mobilen Apps dar. Anfang August wurde bekannt, dass die Fahrten vermittelnde App Uber, seine die Positionen von Taxis anzeigende Karte gar nicht in Echtzeit abspielt. Ein Uber-Sprecher bezeichnete diese eher als Bildschirmschoner, als eine Echtzeit-Karte.

Vorfälle wie diese, werfen Fragen über Nutzerrechte auf, insbesondere im Bereich Vertrauen und Privatsphäre. Wenn eine App mich glauben lässt, dass etwas in Echtzeit passiert, ist es dann in Ordnung, wenn sich herausstellt, dass es gar nicht stimmt?

Ist das nicht genauso schlimm, wie falsche Werbung?

Täuschung von Nutzern und ihren Entscheidungen

Wenn ich meinen Account von einer Dating-Seite lösche und meine Informationen von deren Server nicht entfernt werden, oder gar schlimmer, die App benutzt meinen Account weiterhin, um es so aussehen zu lassen, als würde ich mich dennoch auf dem Portal befinden, ist dann noch in Ordnung?

Ist das die Art und Weise der Handhabung, wie wir sie uns in 15 Jahren wünschen? In der analogen Wirklichkeit kann man darauf bestehen, den Preis zu bezahlen, mit dem geworben wird, auch wenn er niedriger ist als gewollt.

Wenn eine App für eine bestimmte Funktion wirbt und es sich herausstellt, dass diese falsch ist, sollte diese App dann nicht auch zur Rechenschaft gezogen werden?

Apps verraten uns, wann unsere Freunde sich das letzte Mal eingeloggt haben, sie lassen uns wissen, was sie auf der Plattform machen und liefern uns immer mehr detaillierte Informationen. Diese Infos werden als wertvoll wahrgenommen und beeinflusst Entscheidungen von Kunden, ob sie ein Produkt nun nutzen sollen oder nicht. Welche Konsequenzen tragen wir, wenn diese Funktionen und inhaltlichen Aspekte uns zum Handeln aufrufen und uns so in deren Service locken und diese Dienste sich dann als gefälscht entpuppen?

Dieser Beitrag erschien zuerst auf Rudebaguette.com.


Image (adapted) „an evening playing ’smartphone‘ pub quiz with the exeter twitterati!“ by Phil Campbell (CC BY 2.0)


 

Liam Boogar

ist gebürtig aus dem Silicon Valley, wohnt aber seit Jahren in Frankreich. Er ist Mitgründer und Herausgeber von Rude Baguette, eines englischsprachigen Tech-Blogs aus Paris, das über die französische Startup-Szene berichtet.


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