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  • FACEBOOK t3n: Fake-Accounts: Zuckerberg lässt Manipulation von Bundestagswahl prüfen: Facebook macht einen Schritt in Richtung für mehr Transparenz auf seiner Plattform. Gründer Mark Zuckerberg hat sich jetzt mit einer Videobotschaft bezüglich Fake-Accounts an die Nutzer der Plattform gewendet. In dem Video kündigte er jetzt Gegenmaßnahmen an, die vor allem mutmaßliche russische Drahtzieher betreffen, die die US-Wahl im verganegenen Jahr beeinflusst haben sollen. Facebook hatte vor zwei Wochen mitgeteilt, dass im Zuge von Untersuchungen zum möglichen russischen Einfluss auf die US-Präsidentenwahl rund 470 Profile identifiziert worden seien, die zwischen Juni 2015 und Mai 2017 etwa 3.000 Werbeanzeigen auf Facebook geschaltet hätten. Alle solche Anzeigen, die russische Akteure während des amerikanischen Präsidentschaftswahlkampfs geschaltet haben, sollen nun dem Kongress ausgehändigt werden.

  • BUNDESTAGSWAHL welt: Diese Web-Angebote helfen bei der Wahlentscheidung: Die Bundestagswahl steht an und am Sonntag den 24. September ist es so weit und jeder der noch nicht die Briefwahl beantragt hat, kann in den Wahlzentren seine zwei Kreuze machen. Nur noch ein wenige Tage also, sich zu entscheiden, wem man denn nun bei der Bundestagswahl seine Stimme gibt. Für die noch unschlüssigen Bürger bzw. sogenannte Spontanwähler gibt es im Netz diverse Angebote, die diese Wähler bei der Meinungsbildung unterstützen sollen. Der Wahl-O-Mat sollte ja altbekannt sein und konfrontiert den Nutzer mittels eines Umfrage-Konzepts mit 38 Thesen. Aber auch für die Geneartion Tinder gibt es eine App, die der Dating-App gar nicht so unähnlich ist und in der man anstelle von möglichen Partnern, die Thesen der Parteien swiped.

  • GOOGLE n-tv: Google macht bei Smartphones Ernst: Google will es nochmal wissen – der Internetkonzern übernimmt nach einem Deal mit HTC jetzt einen großen Teil des Smartphone Departments der Taiwenesen. Nachdem sich Google eigentlich groß aus dem Mobile-Geschäft zurückgezogen hatte scheint dieser Schritt nochmal wie ein letztes “hurra” auf dem Smartphone-Markt. Google und HTC haben schon vor diesem Deal zusammengearbeitet: HTC war der Auftragsfertiger des unter der eigenen Marke des Internetkonzerns verkauften Smartphones Pixel. Im Zuge der Transaktion soll dann auch genau dieses Team zu Google wechseln.

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Spieleentwickler gegen Fake News

Spiele (adapted) (image by Pexels [CC0] via pixabay)

Was ich toll an dem Spiel finde, ist, dass ich sehr schlecht darin bin und dass andere Leute sehr schlecht darin sind.“ Möchtest du deine eigenen Fake News erstellen? Ja, dafür gibt es eine App. Möchtest du Spaß dabeihaben, wenn du lernst, wie du Fake News von deinem Medienkonsum entfernst? Zum Glück gibt es dafür auch einige Apps.

Die Epidemie von Fake News während und nach der Präsidentschaftswahl in den USA brachte mehrere Spieledesigner und Journalisten dazu, über den Tellerrand hinauszuschauen, um gegen das Problem anzugehen. Sie sagen, dass große Geister ähnlich denken – und drei verschiedene Gruppen haben drei ähnliche Apps entwickelt, um Usern zu helfen, wie sie den Unterschied zwischen marktschreierischen Schlagzeilen und tatsächlichen Fakten erkennen können.

„Es ist heutzutage anstrengend, politisch aufmerksam zu sein”, meint Christopher Cinq-Mars Jarvis, der Entwickler eines Spiels, das auf überprüften Behauptungen von PolitiFact basiert. „Etwas, das es etwas erreichbarer macht und Hilfe anbietet. Dies funktioniert nicht nur mit Politik, sondern mit einer Vielzahl an Dingen.“

Nach der Wahl war Jarvis inspiriert, sich mit PolitiFact zusammenzutun, um das Handyspiel PolitiTruth zu entwickeln. Die Agentur für Digitale Medien ISL mit Sitz in Washington D.C. kreierte ‚Fake News: The Game‘ und veröffentlichte es als eine App und als Handyspiel für Spielautomaten, wie sie in manchen Bars stehen. Und Maggie Farley, ein Mitglied der JoLTan der American University und ehemalige L.A. Times-Korrespondentin, entwickelte das Konzept eines Fake News-Spiels mit Lindsay Grace, der Geschäftsführerin von AU Game Lab, sogar noch vor der Wahl – obwohl das Labor kurz vorher die Version 2.0 von Factitious veröffentlichte. Dabei handelte es sich um ein browserbasiertes Spiel.

Die Spiele haben alle etwa das gleiche Setup: Der Spieler bekommt eine Überschrift, einen Artikel oder eine Behauptung und muss dann den Wahrheitsgrad erraten. Nichts davon ist ausgedacht – alles ist irgendwo online veröffentlicht worden, entweder auf einer Website, die bekannt für Fake News ist, oder auf einer Seite einer wirklich existierenden Organisation. ‚Fake News: The Game‘ zeigt nur eine Überschrift und Facticious bezieht einen kleinen Ausschnitt eines Artikels mit einer Überschrift und einer Quelle ein, wenn man dies auswählt. (Factitious ist ein Open Source-Projekt, das mit der Knight Foundation entwickelt wurde, die für Gaming im Journalismus gewährt wird. Knight unterstützt auch das Nieman Lab.)

PolitiTruth bezieht aus dem Archiv von PolitiFact aus überprüften Behauptungen bestimmte Zitate und den Namen der Person, von der es stammt. Auch wird drn Kontext, der besagt, wann und wo das Zitate entstanden ist, angegeben. Der Spieler muss dann den Wahrheitsgrad der Behauptung des Zitats erraten. Man erhält Punkte für richtige Antworten. Bei manchen Spielen werden die auf einer weltweit einsehbaren Liste angezeigt.

Machen diese Spiele so süchtig wie Pokemon Go oder Candy Crush? Das ist zu hoffen. „Die globale Pandemie von falschen Informationen ist offensichtlich unvermeidbar und wahr und wenn wir auch nur eine winzige Rolle spielen können, um dagegen angehen zu können, dann sind wir erfreut und gespannt, dass wir etwas für die gute Seite tun können“, sagt D.J. Saul, Marketingchef und Geschäftsführer von ISL.

Gaming im Journalismus ist ein Konzept, das zunehmend Erfolg hat. Das bestätigt zumindest Rose Eveleth kürzlich in unsererem Schwestermagazin, den Nieman Reports:

Da die digitale Technologie es ermöglicht, immer mehr aus unserem Leben als Kunden mit einzubringen, zu spielen, Punkte zu sammeln oder gegen andere anzutreten, haben sämtliche Firmen Dinge wie Spiele in ihre Strategien eingebunden. Energielieferanten bewerten deine Energieeffizienz im Vergleich zu anderen Haushalten in deiner Nachbarschaft; Krankenversicherungen motivieren dich, Punkte zu sammeln, indem du Sport machst und aktiv bleibst. Foursquare motiviert seine Nutzer, regelmäßig ihre Lieblingsorte zu besuchen, um zu „gewinnen“ und Bester zu werden.

Für Journalisten bieten diese Art Spiele eine attraktive Möglichkeit, um Geschichten zu erzählen. Sie können komplexe System simulieren, bei denen verschiedene Entscheidungen unterschiedliche Enden bewirken können. Sie können Emotionen und Dringlichkeit in den Spielern hervorrufen. Und sie können die Menschen mit Erfahrungen in Verbindung bringen, die sie womöglich niemals im echten Leben haben werden. „Unser Job als Journalisten ist es, die Öffentlichkeit zu informieren“, sagt der Journalist und Spieledesigner Sisi Wie. „Indem wir Emotionen und Empathie nutzen, wird es durch das Spiel für den Leser möglich, sich auf eine neue Weise zu informieren, die die Leser sofort verstehen und sich auch später noch daran erinnern können.“

Nach links oder rechts zu wischen, um eine Entscheidung zu fällen, iwie es bei Dating Apps wie Tinder und Bumble üblich ist, kann hier genauso hilfreich sein. Ich habe mit Mitgliedern aus jedem Entwicklerteam gesprochen, um zu sehen, was sie wirklich aus ihren Fake News-Spielen gelernt haben. Dies haben sie herausgefunden:

Ein Fake-News-Spiel ist nicht so weit hergeholt

Lindsay Grace, der Geschäftsführer des AU Game Lab, ist fasziniert vom Konzept von Spielen in Nachrichtenproduktion. The Onion ist eine besondere Spieleform. Wo hat dies einen Platz im großen Mediensystem?“ sagt er. „Die Menschen verbinden Unterhaltungsnachrichten, Leute wie Jon Stewart und die vielen Daily Shows mit traditionellen Nachrichten und sie verschmelzen miteinander… Wir haben herausgefunden, dass es innerhalb der Spielewelt ebenfalls Verschmelzungen gibt. Wir haben das Konzept die ernsten Spiele verkauft. Hier glaubt man, dass Spiele uns helfen, uns anders zu entwickeln, Lernmöglichkeiten und Möglichkeiten bieten, um komplexe Systeme zu verstehen. Warum sollte man dies nicht miteinander verbinden?“

Jarvis, der Entwickler von PolitiTruth, ist als Programmierern geboren. Mit dem Journalismus hat er nicht so viel am Hut, obwohl PolitiFact ihm durchaus ein Begriff ist. „Es entstand eine abhängige Beziehung seit der letzten Wahl“, erzählt er. Seine Idee für ein Fake News-Spiel „entstand, als ich sah, dass sie eine offene Programmierschnittstelle haben. Ich dachte, dass dies eine optimale Gelegenheit ist, um etwas zu erschaffen, wo man die Menschen motivieren kann, sich diesem tollen Journalismus zu stellen und sie in gewisser Weise auszutricksen, indem es in einen Wettkampf umwandelt.“

Manchmal braucht man mehrere Versuche, um das richtige Spieledesign zu schaffen

Factitious von AU begann vor der Wahl als Gameshow Spiel. Aber es wurde schnell klar, dass für Personen, die nichts mit Nachrichten zu tun haben, das Spiel zu steuern, erläutert Grace. „Die erste Version dieses Spiels passte nicht wirklich zu dem, was wir über die Aufmerksamkeitsspanne von Menschen wissen, wie die Interaktion Spaß macht und wie man eine schnelle mobile Erfahrung designt. Die zweite Version hat all diese Punkte bereits eingebaut.“ Die Änderung zahlte sich aus: das erste Spiel hatte nur ein paar hundert Spieler, aber Grace meint, dass Factitious mehrere Millionen Mal in den wenigen Monaten gespielt wurde, in denen es live erreichbar ist.

Das Wischen wie bei Tinder funktioniert

Grace gab zu, dass die Einführung vom „Wischen nach links oder nach rechts, um zu sehen, ob ein Artikel echt ist oder unter Fake News fällt“, einen entscheidenden Unterschied für das neue Design machte. Jarvis von PolitiTruth bemerkte einen ähnlichen Erfolg: „Als wir das Spiel bei der E3 [die Electronic Entertainment Expo in Los Angeles] bekanntgaben, nannten die Menschen es gerne ‚Tinder für Fake News‘.“

Informationen wollen aufgesaugt werden

In den ersten drei Tagen von Factitious spielten sich die Teilnehmer laut Grace durch 1,6 Millionen Artikel. Das durchschnittliche Ergebnis für Menschen, die die 15 Artikel des Spiels durchspielten, liegt bei 82 Prozent richtigen Antworten. „Wenn man gut spielen möchte, kann man den Inhalt jedes Artikels überprüfen, bevor man wischt“, sagt er. „Das ist eine Verhaltensänderung, die sonst nur durch Twitter oder Facebook scrollen und nur teilen, ohne zu überprüfen, ob es wahr ist.“

Saul von ISL führt aus, dass die Daten von ‚Fake News: The Game‘ zeigen, dass die Menschen immer akkurater werden, je öfter sie spielen. Die Spieler haben einen Durchschnitt von 65 Prozent in der korrekten Identifizierung von realen oder falschen Überschriften.

Die Nutzer von PolitiTruth haben eine weltweite Erfolgsrate von 70 Prozent, meint Jarvis. „Das Spiel wäre kein nützliches Mittel, wenn man immer 100 Prozent erreichen würde.“ Er merkte an, dass die Ausschnitte in dem Spiel tatsächlich manche Nutzer informieren. „Die Menschen sollen nicht denken, sie müüssen den ganzen Artikel lesen, aber sie können es tun. Wenn etwas merkwürdig erscheint, können sie direkt auf die Nachrichtenseite weitergeleitet werden. Sie können sogar sehen, wie Kommentarschreiber und andere Menschen auf diese journalistische Erhebung geantwortet haben“, sagte er.

Die Menschen sind davon überrascht, wie schlecht sie abschneiden

“Es macht viel Spaß, den Menschen dabei zuzuschauen, wie sie das Spiel spielen. Sie können nicht glauben, dass manche Ergebnisse tatsächlich wahr sind. Sie glauben jedoch auch nicht, dass etwas falsch ist – auch wenn sie die Antwort bereits kennen“ berichtet Saul. (Zusätzlich zur App reist ‚Fake News: The Game‘ durch verschiedene Bars in der Region von D.C. im Stile eines Arcade-Spiels aus den Neunzigrn.)

“Was ich an dem Spiel wirklich toll finde, ist, wie schlecht ich darin bin und wie schlecht andere Menschen darin sind”, schlussfolgert Jarvis über PolitiTruth. „Sogar Menschen, die insgeheim denken, dass sie wissen, was passiert, wischen nach links und liegen komplett falsch. Es ist eine große Herausforderung für das politische Bewusstsein.“

Jedoch kann es Menschen frustrieren, weswegen sie das Spiel schnell verlassen. Grace schloss daraus, dass es einen deutlichen Unterschied zwischen Menschen gibt, die Zeit damit verbringen Factitious durchzuspielen und denen, die das Spiel vorzeitig verlassen. „Die Menschen, die aufgeben, erzielen meistens schlechte Ergebnisse und verlassen das Spiel vor dem vierten ALevel,“ erläutert er und bemerkt, dass diese Gruppe rund 20 bis 30 Prozent der Spieler ausmacht. „Sie sind frustriert und kriegen nicht die Antwort, die sie erwarten.“

Auch die Entwickler lernen – aus den Daten der Spieler

„Wir führen detaillierte Statistiken, die wir hoffentlich demographisch analysieren können, um gezielt zu sehen, woher die Fake News kommen und wer dafür am anfälligsten ist,“ fasst Jarvis zusammen. Aaron Sharockman, Geschäftsführer von PolitiFact, führt aus, dass diese Einblicke in das Verhalten der Nutzer dem zukünftigen Faktencheck behilflich sein können. „Die Menschen spielen das Spiel gerne, aber wir kriegen viele Informationen nebenbei, die wir nutzen können“, sagte er.

„Wir können darüber nachdenken, was wir auf Fakten überprüfen und wie wir das machen.“ Als Teil der Knight Foundation, die die Produktion des Spiels unterstützt, hat das Factitious Team vor, die Daten mit verschiedenen Nachrichtenorganisationen zu teilen. „Wir können es dort auslegen und unsere Zielgruppe das Spieldurchspielen lassen“, erklärt Grace. „Nachrichtenorganisationen können Dinge machen, wie das Bild tauschen… Überschriften bearbeiten, den Haupttext einsehen.“

Diese Spiele sind nicht das Ende

ISL überlegt, seine Sets zu verkaufen, sodass die Menschen die Arcadeversion von ‚Fake News: The Game‘ selbst aufbauen können, aber auch, dass Spieler das Spiel mit Alexa von Amazon mit einem von ISL entwickelten Skill zu nutzen. Saul erklärte, dass ein vorgeladener O-Ton von Donald Trump den Nutzern mitteilt, ob sie richtig oder falsch liegen.

Da Factitious ein Open-Source-Projekt ist, ist AU Game Lab vorsichtig in Bezug auf Fake News-Produzenten, die falsche Versionen des Spiels anbieten. „Wir haben es so gestaltet, dass es leicht erreichbar ist. Die Herausforderung ist, dass wir auch in Bezug auf Branding vorsichtig sein müssen,“ sagt Grace. „Wenn jemand ein Fake News Spiel entwickeln möchte und sämtliches schädliches Material einbauen möchte, müssen wir aufpassen.“ Andererseits ist PolitiFact gespannt PolitiTruth als ein neues Mittel für Reichweite zu haben. “Während wir alles versuchen, um so transparent und objektiv wie möglich zu sein, gibt es Teile in der Bevölkerung, die uns als voreingenommen betrachten,“ sagt Sharockman. „Das Spiel wäre ein neuer Weg, um Leser in einem anderen Format zu erreichen, mit ihnen in einer neuen Weise zu interagieren und langzeitig zu sehen, ob wir das Vertrauen in den Faktencheck und PolitiFact selbst verbessern können.“

Sharockman fügte in diesem Herbst hinzu, dass PolitiFact verschiedene Experimente veröffentlichen wird, um die Verbreitung von Fake News mit der Unterstützung der Knight Foundation zu bekämpfen. Dieses Spiel ist einer dieser Experimente und Sharockman hofft auch, dass das Spiel Einzug in die Schulen halten wird, um für mehr Nachrichtenkompetenz sorgen zu können.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „NiemanLab“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Spiel“ by Pexels (CC0 Public Domain)


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Warum Tinder uns zu boshaften Menschen macht

online dating (adapted) (Image by Thomas8047 [CC BY 2.0] via Flickr)

60 Prozent des digitalen Medienkonsums in Amerika geschieht nur noch über Handys oder Tablets und nicht mehr über Desktop-PCs. So wie Menschen und Technik zunehmend mobiler werden, sind es auch die Bemühungen der Menschen, Liebe und Sex zu finden. Laut der Analyse-Seite AppAnnie ist die Dating-App Tinder eine der beliebtesten Methoden, um eine Romanze im modernen Gewand einzugehen. Die App war zwei Jahre in Folge die am meisten heruntergeladene App in den USA.

Als Sozialpsychologe habe ich mich darauf spezialisiert, herauszufinden, warum Tinder – so wie es einer meiner Interviewpartner so schön sagte – uns „so boshaft, aber zufrieden“ macht. Während ich meine Dissertation zum Thema ‚Sexuelle Konflikte auf Tinder‘ beendete, analysierte ich hunderte von Umfragen, Interviews und Posts von Tinder-Nutzern, die deren Erfahrungen mit der App thematisierten. Mein vorläufiges Ergebnis lautete, dass Tinder-Nutzer in der Tat andere Charaktere treffen als die Nutzer anderer Online-Dating-Webseiten oder diejenigen, die gar keine Hilfe per Dating-App in Anspruch nehmen.

Genauer gesagt verursacht Tinder eine so genannte „Rückkopplungsschleife“, in der Männer weniger strenge Kriterien zum Finden eines Partners benutzen, weil sie die Teilnehmer oft nur schnell wegwischen. Frauen dagegen nutzen als Antwort auf die vielen Matches und Anfragen anspruchsvollere Kriterien. Aber wir sollten nicht schon jetzt Alarm schlagen, da das Wischen eventuell mehr über unsere geistigen Verknüpfungen aussagt als unsere unterschiedlichen romantischen Bedürfnisse.

Wie ein Spiel

Während die meisten Online-Dating-Webseiten wie Match oder eHarmony versuchen, die Nutzer auf Grundlage eines sorgfältig entworfenen Algorithmus miteinander zu verknüpfen, bedient sich Tinder keiner dieser Vorgaben. Stattdessen nutzt die App die Standortinformationen, um möglichst viele Fotos von möglichen Partnern aus der Umgebung aufzurufen. Die Nutzer wischen nach rechts, um die Profile der Personen, die sie interessieren, sehen zu können. Sie wischen nach links, um diejenigen, die sie nicht ansprechend finden, loszuwerden. Wenn zwei Personen nach rechts gewischt haben, nachdem sie das Profil des anderen gesehen haben, werden sie informiert, dass sie ein „Match“ haben und sich nun gegenseitig Nachrichten schicken können. Laut Tinder wird täglich 1,4 Milliarden Mal gewischt. Die App ist in fast 200 Ländern verfügbar, von Frankreich bis Burundi.

Die Art und Weise, wie Tinder mit Romantik umgeht, mag eher schlicht sein, ist aber sehr effektiv. Matches werden aufgrund von dürftigen Kriterien gemacht: Aussehen, Verfügbarkeit und Standort. Weil Menschen die Attraktivität mit nur einem kurzen Blick bemessen können, hetzen Tinder-Nutzer meist mit einer erstaunlichen Geschwindigkeit durch die Profile.

In Bezug auf psychologische Konditionierung ist die Oberfläche von Tinder perfekt geeignet, um die Geschwindigkeit der Suche zu unterstützen. Da die Nutzer nicht wissen, welcher Wisch ein Match ergibt, nutzt Tinder eine variable Anzahl an zufälligen Erfolgserlebnissen. Das bedeutete, dass potentielle Matches zufällig gestreut werden. Es ist dasselbe Belohnungssystem, das in Spielautomaten, Videospielen und sogar bei Experimenten mit Tieren, wie beispielsweise eines, bei dem Tauben trainiert wurden, kontinuierlich auf ein Licht an einer Wand zu picken, genutzt wird.

Bei einer Studie über die Gehirnaktivitäten von Drogensüchtigen fanden Forscher heraus, dass die Erwartung auf die Droge mehr von dem Wohlfühl-Botenstoff Dopamin freisetzt als die eigentliche Droge. Ganz ähnlich funktioniert die Erwartung auf Tinder, dass das nächste Wischen zu einem Match führen kann. Permanentes Wischen kann also schnell wie eine Sucht aussehen und sich auch so anfühlen. Es dürfte niemanden überraschen, dass Tinder seit 2015 für die Nutzer, die nicht die Premiumversion TinderPlus nutzen, die Wischbewegungen nach rechts auf 100 Mal pro Tag begrenzt hat. Manche sprechen bereits von Tinder-Entzugserscheinungen, wenn jemand seinen Tinder-Account deaktiviert hat.

Wenn es nun darum geht, einen Partner zu finden, wendet Tinder sich an unsere am einfachsten gestrickte intellektuelle Funktion: Ist jemand in der Nähe? Ist er frei? Ist er attraktiv? Wenn ja, dann wische nach rechts. Für kurze Affären ist das vielleicht genug.

Eine Geschlechterunterscheidung

Aber ist das wirklich alles, für das Tinder gut ist? Forscher haben gezeigt, dass Männer und Frauen eventuell verschiedene Motivation haben, die App zu benutzen. Während Frauen sich eher auf eine rasche Auswahlstrategie einlassen, zeigen Männern zunehmend mehr Interesse an Kurzzeitbeziehungen. Außerdem haben Studien ergeben, dass Männer eher hoffen, Partner für eine Beziehung zu finden, indem sie direkte und schnelle Anmachen benutzen. Sie wenden außerdem mehr Zeit und Energie als Frauen dafür auf, diverse Kurzzeitbeziehungen zu führen. Weil Tinder-Nutzer die App meistens benutzen, wenn sie allein sind, können sie bei potentiellen Partnern ablehnen oder Interesse zeigen, ohne sich ihrer Auswahl rechtfertigen zu müssen. Vielleicht lockt auch das schnelle Wegwischen gerade Männer besonders an.

Daraus resultiert, dass Frauen und schwule Männer mehr Matches erhalten als heterosexuelle Männer. In einer der ersten repräsentativen Untersuchungen erstellten die Forscher ein gleichermaßen attraktives männliches sowie weibliches Fake-Profil. Mit diesem wischten sie bei jedem erscheinenden Profil nach rechts. Daraufhin notierten sie die Anzahl von Matches und Nachrichten, die jedes Profil erhalten hat. Während das weibliche Profil eine Match-Quote von 10,5 Prozent hatte, hatte das männliche Profil nur 0,6 Prozent. Die meisten Matches waren hier von schwulen oder bisexuellen Männern.

Aber obwohl Frauen mehr Matches erhalten, genießen sie nicht unbedingt eine riesige Auswahl an vielversprechenden möglichen Partnern. Forscher fanden heraus, dass Frauen dreimal eher eine Nachricht nach einem Match verschicken als Männer und dass ihre Nachrichten fast zehnmal so lang waren (122 Zeichen bei Frauen verglichen mit dürftigen 12 Zeichen bei den Männern – was gerade genug ist, um „Hi, wie gehts?“ zu schreiben).

Männer schicken zwar mehr Nachrichten an potentielle Partnerinnen, geben sich aber weniger Mühe oder fühlen sich einfach weniger verbunden mit ihren Matches. Frauen fühlen sich zunächst geschmeichelt bei der Flut an Matches, sind später dann aber oft enttäuscht, wenn sie versuchen, die Kontaktanfragen weiterzuverfolgen und tiefergehende Gespräche zu führen.

Liebe an einem hoffnungslosen Ort?

Das bedeutete nicht, dass man auf Tinder nicht auch Liebe finden kann. Eine 2017 veröffentlichte repräsentative Studie untersuchte die Motivation der Tinder-Nutzer und fand heraus, dass Liebe ein größerer Motivator ist als Gelegenheitssex. Meine eigenen vorläufigen Daten (dies bedarf noch immer einer Überprüfung) spiegeln diese Ergebnisse wieder. Ich habe diese Umfrage an hunderte Tinder-Nutzer, Online-Dating-Nutzern und an andere Teilnehmer, die keines dieser Portale nutzen, geschickt und habe deren Erwartungen hinsichtlich Täuschung, Sex und romantischer Befriedigung verglichen.

Während ich keine statistischen Unterschiede zwischen Tinder-Nutzern und den anderen beiden Gruppen hinsichtlich der erwünschten Beziehungslänge und der Wahrscheinlichkeit für Sex beim ersten Date gefunden habe, haben Tinder-Nutzer jedoch berichtet, dass sie nach einem Treffen mit ihren Matches oft enttäuscht waren. Mehr noch, sie berichteten auch öfter, dass sie von ihren potentiellen Partnern, die sie mit Hilfe der App getroffen haben, getäuscht wurden, und dass sie mit ihren letzten Dates weniger zufrieden waren als die anderen beiden Gruppen. Anders gesagt unterscheidet sich die Motivation zur Nutzung von Tinder nach unseren Befragungen nicht nicht so sehr von dem, was wir vermutet haben. Der Spaß, den die Nutzer beim Wischen haben, kann nur vielleicht nicht immer auf ein Treffen in der echten Welt übertragen werden.

Obwohl Liebe und Sex meist mit dem Schlafzimmer in Verbindung gebracht wurden, bringen Untersuchungen von Matching-Systemen wie Tinder erfolgreiche Einblicke in das menschliche Paarungsverhalten. Während einige behaupten, dass Tinder den „Untergang des Datings“ hervorgerufen hat, scheint es, als würde es keine neuen menschlichen sexuellen Verhaltensmuster erzeugen, die wir nicht bereits vollziehen würden. Tatsächlich führt es nur dazu, dass sich Männer und Frauen eher geschlechtsstereotypisch verhalten – was durchaus auch als Rückschritt angesehen werden kann.

Doch wenn die Menschen immer weniger an konventionellen Beziehungen interessiert sind und sich mit bestimmten Arten von Technik in ihrem Alltag wohler fühlen, ist der Reiz des Wischens vielleicht zu befriedigend, als dass man es einfach lassen könnte.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „online dating“ by Thomas8047 (CC BY 2.0)


The Conversation

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  • YOUTUBE Business2Community: YouTube Launches Its Own Social Network Called “YouTube Community”: Es war nur eine Frage der Zeit, bis YouTube sein eigenes soziales Netzwerk startet. Nun ist es endlich so weit. Unter strenger Geheimhaltung wurde die Plattform entwickelt und von einigen wenigen YouTubern getestet. Das neue soziale Netzwerk mit dem Namen „YouTube Community“ soll nun als Betaversion in den kommenden Monaten eingeführt werden. Es soll die Kommunikation zwischen YouTubern und ihrer Community verbessern und persönlicher gestalten. Konkurrenz für Facebook, Twitter und Co. stellt die Plattform wohl kaum dar.

  • WHATSAPP Spiegel online: Verbraucherschützer mahnen WhatsApp ab: Verbraucherschützer versuchen zu verhindern, dass WhatsApp zukünftig Nutzer-Telefonnummern mit Facebook teilt. Das Unternehmen wurde von Deutschen Verbraucherschützern abgemahnt. Bei der Übernahme des Messenger-Dienstes 2014 hat Facebook noch beteuert, dass WhatsApp unabhängig bleiben soll. „Verbraucher vertrauten also darauf, dass ihre Daten allein bei WhatsApp bleiben und kein Datentransfer zu Facebook erfolgt. Ihr Vertrauen wurde enttäuscht“, heißt es. WhatsApp wurde nun eine Frist bis zum 21. September auferlegt, bevor eine Unterlassungserklärung abgegeben wird. Der vzbv (Verbraucherzentrale) rät WhatsApp-Nutzern, jetzt ihre Datenschutzeinstellungen zu prüfen.

  • Google GoogleWatchBlog: Hallo, Allo: Google veröffentlicht neuen Messenger ‚Google Allo‘ inklusive Google Assistant: Ganze vier Monate spannte Google uns auf die Folter! Heute veröffentlichte der Suchmaschinengigant schließlich endlich den neuen Messenger Google Allo. Es handelt sich dabei um einen simplen neuen Messenger mit den gewohnten Funktionen, die wir von WhatsApp und Co. kennen. Beim neuen Google Messenger geht es bunt zu. Die Nachrichten haben verschiedene Hintergrundfarben und neben Emojis stehen außerdem auch Sticker zur Verfügung. Google Allo bietet Smart Replys an und es ist eine Preview-Version des Google Assistant enthalten.

  • TINDER Horizont: Spotify und Tinder kooperieren: Dating-Plattformen wollen uns nach immer abstruseren Gemeinsamkeiten mit potenziellen Partnern zusammenführen. Nachdem Tinder nun eine Kooperation mit dem Streaming-Dienst Spotify geschlossen hat, können Tinder-Nutzer ihren zukünftigen Partner nun auch anhand des Musikgeschmacks aussuchen. „Fügt eurem Tinder-Profil einen Song hinzu, der euch beschreibt“, hieß es. „Denn manchmal sagt Musik mehr als tausend Worte!“. Aber auch Nutzern ohne Spotify-Konto ist es möglich ihren Lieblingssong ihrem Tinder-Profil hinzuzufügen.

  • SUNDISK t3n: Ordentlich Speicherplatz: Erste Terabyte-SD-Karte der Welt vorgestellt: Längst vorbei sind die Zeiten, wo viel Speicherplatz mit klobigen und unhandlichen Speichermedien in Verbindung stand. Sundisk präsentierte nun einen Prototyp der bislang größten SD-Karte der Welt mit einem Speichervolumen von einem Terabyte. Sundisk nutzte die Fotomesse Photokina 2016, wie bereits vor zwei Jahren, um einen neuen Rekord in Sachen SD-Karten aufzustellen. Verwendung soll die Speicherkarte vor allem bei der Produktion extrem hochauflösender Inhalte wie 360-Grad-Videos oder Virtual-Reality-Anwendungen finden.

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Online-Dating: Die Transformation zur Generation Unverbindlich

Hände [image by Takmeomeo [CC0] via Pixabay)

Auf zahlreichen Spaßartikeln liest man den Spruch „Wann kommt denn endlich der blöde Prinz auf seinem dämlichen Gaul!“ Dabei stellt sich die Frage, ob die unabhängige Frau und der moderne Mann von heute im Zeitalter von Tinder sich wie früher überhaupt noch auf einen einzigen Partner festlegen können. Schließlich vermitteln uns Online-Dating-Plattformen wie Tinder und OkCupid auf gewisse Art und Weise, dass ein noch besserer Partner sich bereits hinter der nächsten Ecke verstecken könnte. Passend auch Tinders Slogan: „Any swipe can change your life!“

Weitere ‚Modeerscheinungen‘ der gerne als ‚Generation Unverbindlich‘ oder ‚Generation Beziehungsunfähig‘ genannten Teil unserer Gesellschaft sind Ghosting und Benching. Beides stellt Verhalten dar, welches wir beim persönlichen Kontakt mit unseren Mitmenschen wohl eher nicht an den Tag legen würden. Während beim Ghosting der potenzielle Partner, mit dem man sich kurz zuvor noch blendend verstanden hat, ohne Vorwarnung von der Bildfläche verschwindet, schiebt man beim Benching seinen Flirt wortwörtlich auf die lange Bank. Es tritt wiederum das Phänomen des „sich-nicht-festlegen-wollens“ auf. In Wirklichkeit will aber wohl niemand von uns nur eine Option statt erste Wahl sein.

Zwischenmenschliche Beziehungen auf dem Prüfstand

Online-Dating Plattformen tragen einerseits dazu bei, dass wir mehr zwischenmenschliche Beziehungen eingehen. Andererseits scheint es jedoch, als würde uns die Fähigkeit, tiefgründige und sinnreiche Gespräche zu führen, durch die zunehmende Online-Vernetzung verloren gehen. Im Mittelpunkt steht oft nicht der intellektuelle Geist, sondern lediglich das oft geschönte optische Profil des Gegenübers. In der oberflächlichen Aufreißerkultur von Tinder schuf der Hype um die Dating-App sogar neue Geschäftsideen. So gibt es inzwischen Fotografen, die sich auf das Schaffen der perfekten Fassade bzw. Tinder-Profilbilder spezialisiert haben. Dabei ist es gar nicht zwingend gutes Aussehen, das jemanden für uns interessant macht. „Der Nutzer fragt sich, was er mit dem Menschen auf dem Bild gemein haben könnte“, erklärt die Tinder-Beziehungsexpertin Jessica Carbino in einem Interview mit der New York Times. Bereits der deutsche Philologe Friedrich Wilhelm Nietzsche merkte an, dass eine intellektuelle Anziehung eine tiefere und länger andauernde Basis für Beziehungen darstellen würde als die reine sexuelle Anziehungskraft.

Dating-Plattformen wollen uns nach immer abstruseren Gemeinsamkeiten mit potenziellen Partnern zusammenführen. Verkuppelt wird bereits nach Berufsgruppen, Essensgewohnheiten, Musikgeschmack oder nach dem Kriterium, ob jemand auf Bärte steht oder nicht. Das Prestige jemand habe guten Geschmack bekommt in Angesicht von ideenreichen Dating-Apps wie Sizzle ebenfalls eine ganz neue Bedeutung. Sizzle, was übersetzt brutzeln bedeutet, verspricht, Speckliebhaber zusammenzubringen, um ihre Liebe zu Speck miteinander zu teilen. Während Liebe bekanntlich durch den Magen geht, hat auch der Musikgeschmack des zukünftigen Partners eine hohe Relevanz, denn Musik verbindet Menschen. Auf Wunsch analysiert das Portal Tastebuds die eigene Musikmediathek und sucht anhand der gemeinsamen Hörgewohnheiten den passenden Partner aus. Im Endeffekt steckt jedoch wiederum ein Mensch mit einer individuellen Prägung hinter der Programmierung der kreativen Algorithmen auf Dating-Plattformen, die mutmaßliche Gemeinsamkeiten abgleichen.

Der ständig mitschwingende Gedanke, dass einem bereits der nächste ‚Swipe‘ oder das Hinzufügen eines neuen Interpreten in die Musikbibliothek den zukünftigen Traumpartner bringen kann, führt dabei zu einem gewissen Grad an Beziehungsunfähigkeit. Interessant ist auch das Ergebnis einer Studie, die ergab, dass unsere positive oder negative Bewertung eines Profil-Fotos von dem Vorgängerbild beeinflusst wird. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Studien, die auswerteten, was wir an dem anderen Geschlecht anziehend finden. Waren es früher bei Männern ihr Status und damit verbunden materielle Ressourcen und bei Frauen ihre Schönheit, so sind es in der immer stärker emanzipierten Welt von heute Eigenschaften wie Humor und Intelligenz, auf die Frauen Wert legen.

Gleich und Gleich gesellt sich gern! Oder?

Eine Flut an verschiedensten Faktoren beeinflusst also unsere Wahl des nächsten schnellen Flirts, Sexualpartners oder Lebensgefährten. Bei dem immer größer werdenden Zustrom, den Online-Dating-Plattformen erfahren, stellt sich die Frage, ob wir tatsächlich nach einem uns möglichst ähnlichen Partner suchen. Ist es nicht viel mehr so, dass sich Gegensätze anziehen oder bewährt sich doch das altbekannte Sprichwort ‚Gleich und Gleich gesellt sich gern‘? Bezieht man sich auf Letzteres, könnte man sagen, dass Menschen mit ähnlichen Gewohnheiten und Freizeitaktivitäten sich tendenziell öfter über den Weg laufen. Außerdem ist die Wahrscheinlichkeit, dass diese Personen unsere Ansichten teilen größer, wodurch wir uns in unserem Selbstbild bestätigt fühlen. Studien belegen, dass wir uns zu Gleichgesinnten mit ähnlichen Einstellungen, Werten und Gewohnheiten stärker hingezogen fühlen.

Unser Interesse wecken auch Menschen, die unserem idealen Selbst entsprechen. Sie verkörpern das, was wir anstreben zu sein. Betrachtet man das Ganze jedoch aus evolutionärer Sicht, ist es so, dass wir unsere eigenen Gene mit möglichst unterschiedlichen anderen Genen vermischen wollen, um die Vielfalt zu bewahren. Bereits durch das alleinige Gefallen oder Missfallen des Körpergeruchs einer Person sagt uns unser Instinkt, ob unser Gegenüber uns genetisch anzieht und damit konträr zu uns ist oder nicht. Dieses evolutionäre Überbleibsel sorgt somit für einen gesunden Fortbestand unserer Spezies.

Die Psychologie kennt das Geheimnis

Es zeigt sich, dass beide im Volksmund bestehenden Sprichwörter seine Existenzberechtigung haben. In der Psychologie nahm man sich der, auf den ersten Blick ambivalent wirkenden Thematik an und erkannte, dass es nicht die reale Ähnlichkeit ist, weshalb wir jemanden mögen. Vielmehr liegt es an Gemeinsamkeiten, von denen wir glauben, sie mit einer Person zu teilen. Treffend bringt es Dieter Frey, Professor für Sozialpsychologie an der Ludwig-Maximilians Universität München auf den Punkt: „Wir verlieben uns nicht, weil wir uns ähnlich sind, sondern glauben, dass wir uns ähnlich sind, weil wir uns verliebt haben.“

Verblüffend ist, mit welch großen Einfluss wir auf unsere eigenen Entscheidungen einwirken und uns quasi selbst manipulieren. Eine weitere Illusion, die durch Studien widerlegt wurde, ist die Annahme darüber, Menschen in einer Beziehung verbiegen oder – zumindest aus eigener Sicht – zum Besseren bekehren zu können. „Die Menschen ändern sich in Beziehungen nur in erstaunlich geringem Maße“, sagt Angela Bahns vom Wellesley College in Massachusetts. Außerdem sinkt unsere Toleranzschwelle für kleine Macken unseres Partners, die wir am Anfang der Beziehung eventuell sogar anziehend fanden.

Grundlegend ist es also gar nicht so verkehrt, dass Online-Dating-Plattformen mit ihren Algorithmen versuchen, uns anhand von Gemeinsamkeiten zu verkuppeln. Der Hype um Dating-Apps wie Tinder vermittelt den Anschein, dass wir nicht nur im Beruf nach immer größerer Flexibilität streben, sondern wohl auch in Sachen Liebe. Ob der Partner nun ein Seelenverwandter ist, uns ähnelt oder vielmehr das Salz in der Suppe darstellt, spielt schlussendlich wohl eher eine untergeordnete Rolle. Denn feststeht, dass niemand gerne alleine ist. Oder wie es der Autor und Blogger Michael Nast ausdrückt: „Wer sich ausschließlich auf sich selbst beschränkt, verpasst eben auch alles andere.“


Image „Hände“ by Takmeomeo (CC0 Public Domain)


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  • DROHNE t3n: 90 Minuten in der Luft: Facebooks Internet-Drohne „Aquila“ absolviert ersten erfolgreichen Testflug: Premiere! Auch wenn der Testflug drei Mal länger dauerte als geplant, gelang es dem Facebook Connectivity Lab erstmals eine Drohne in der finalen Größe in die Luft zu schicken. Dabei misst das Fluggerät eine Spannweite von 43 Metern, bringt ganze 900 Pfund auf die Waage und wird durch Solarenergie angetrieben. Ziel des Projekts ist es mit Hilfe von Drohnen die Erde flächendeckend mit Internet zu versorgen. Das Facebook Connectivity Lab will die Flughöhe und –dauer nun konstant steigern.
  • CONTENT Business2community: Long-Form Content vs. Short-Form: Which Gets the Results You Want?: Eine Studie von Microsoft aus dem Jahr 2015 ergab, dass sich unser Konzentrationsvermögen auf durchschnittliche acht Sekunden beschränkt. Selbst ein Goldfisch verfügt über eine längere Aufmerksamkeitsspanne. Aus diesem Grund stellt sich die berechtigte Frage, ob auch die Länge von Inhalten an diesem Aspekt ausgerichtet werden soll. Neueste Untersuchungen zeigen jedoch, dass lange Blogbeiträge nicht nur gelesen, sondern auch beliebter sind als Kurzbeiträge. Problem dabei: Sogenannter Long-Form-Content ist zeit- und kostenintensiv. Lies hier, ob es sich dennoch für dein Business lohnt, diesen zu produzieren.
  • TINDER Mashable: Tinder’s new feature may shake up your social life a little too much: Keep swiping! Tinder Social ist seit Dienstag in den USA, UK und Indien verfügbar. Während das klassische Tinder einem bisher nur potenzielle Partner im gewünschten Alter und in der Nähe des Nutzers anzeigte, ist es mit Tinder Social nun möglich ganze Personengruppen zu finden und gemeinsam etwas zu unternehmen. Voraussetzung dafür ist, dass man sich selbst zumindest mit einer Person aus dem persönlichen Freundeskreis zusammenschließt. Nicht so erfreulich für manche dabei ist, dass die App dafür auf die eigenen Facebook-Kontakte zurückgreift und die Nutzung, der von vielen verpönten Dating-App öffentlich sichtbar wird.
  • PERSONALAUSWEIS heise online: Neuer Personalausweis: Elektronische Identifikation von Auslandsdeutschen macht Probleme: Nicht immer bringt neue Technik die gewünschten Resultate. So haben Auslandsdeutsche, die im Besitz eines neuen Personalausweises mit eID-Funktion und der Ausweisapp 2 das Nachsehen bei der Nutzung der eID-Funktion. Dabei sollten eID-Dienste auch für Auslandsdeutsche verfügbar sein, um sich beispielsweise per elektronischen Antrag ein Führungszeugnis ausstellen zu lassen. Das Innenministerium kennt das Problem bereits und sieht Handlungsbedarf.
  • FACEBOOK allfacebook: Das neue Facebook Seiten Design im Überblick: An den immer wiederkehrenden Designwechsel von sozialen Netzwerken werden wir uns wohl nie gewöhnen. Kaum hat man sich auf eine Benutzeroberfläche eingestellt, wird diese von einer neuen Version abgelöst. So auch beim US-amerikanischen Unternehmen Facebook, welches vor Kurzem seiner Desktop Version ein neues Design verpasste. Welche Veränderungen das mit sich bringt, lest ihr zusammengefasst hier.
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Soeben gelandet – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

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  • APPLE wired: Apple’s iPhone Sales Just Fell for the First Time—It Won’t Be the Last: Das wertvollste Unternehmen der Welt zieht Bilanz für das erste Quartal 2016. Und Apple muss sich erst mal die Augen reiben, denn der Boom um das Produkt „iPhone“ scheint abzuklingen. Im Vergleich zum ersten Quartal 2015 fiel der Verkauf um 32 Prozent. Apples Problem – Geräte von anderen Herstellern können mit der Technik des iPhones mithalten, und das zum halben Preis. Es hört sich dramatisch für Apple an, aber der Konzern hat Anfang des Jahres trotzdem 51 Millionen Smartphones verkauft.
  • SMARTPHONE sueddeutsche: Was Smartphones über Unfälle verraten können: „Führerschein, Fahrzeugpapiere und Ihr Smartphone bitte“. So könnte bald ein Satz lauten, den Polizisten bei Unfällen im Straßenverkehr aussprechen werden. Ein New Yorker Senator hatte im Januar einen Gesetzesentwurf vorgestellt, der besagt, dass Polizisten bei einem Unfall noch vor Ort kontrollieren sollen, ob einer der Beteiligten von seinem Smartphone abgelenkt war. Möglich machen soll das ein Auslesegerät, das Passwörter umgeht und Apps auf ihre letzte Benutzung untersucht.
  • SOFTWARE faz: Die Software vom Cern spielt Orakel: Wie ist unser Universum entstanden? Diese Frage stellt sich jeden Tag eine Gruppe von Forschern des Kernforschungszentrum Cern bei Genf. Sie schießen Protonen in einem Teilchenbeschleuniger aufeinander, die irgendwann zusammenprallen. Dies wird gemessen und eine enorme Datenmenge entsteht. Hier hilft eine Software aus der Quantenphysik.
  • Elektro-Auto handelsblatt: 4000 Euro Förderung für Elektro-Neuwagen: Die Zahl der Elektro-Auto-Nutzer ist übersichtlich. Nun will die Bundesregierung mit Subventionen den Verkauf vorantreiben. Auch durch hohe Kaufprämien sollen Bürger gelockt werden. Summen von 4000-5000 Euro sind derzeit im Gespräch. Wirtschaftsminister Gabriel und Verkehrsminister Dobrindt wollen heute darüber informieren.
  • TINDER mashable: Tinder just launched a group dating option in Australia: Die Dating-App Tinder hat eine mögliche neue Funktion angekündigt. „Tinder Social“ soll das Update heißen und könnte einen neuen Tinder-Trend bringen. Gruppen-Dates. Man soll mit seinen Freunden eine Gruppe erstellen können und sich dann mit anderen Gruppen treffen. Ob das funktioniert, wird aktuell in Australien getestet.

chalabala / 123RF Lizenzfreie Bilder


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Können Dating-Apps Langzeitbeziehungen zerstören?

Holding Hands (Image: Unsplash [CC0 Public Domain], via Pixabay).jpg

Dating-Apps und Dating-Websites verändern Beziehungen. Mehr als zehn Prozent der amerikanischen Erwachsenen – und mehr als 40 Prozent der Personen, die über sich sagen, dass sie “Single und auf der Suche” sind – nutzen Dating-Websites und Apps. Was würde jemand aus dem 19. Jahrhundert über den Zusammenschluss von Technik und Romantik denken, den wir heute pflegen? Im späten 19. Jahrhundert hatte der deutsche Philosoph Friedrich Nietzsche viel zum Thema Liebe zu sagen. Er erörterte, dass sich die Gesellschaft in Richtung des Nihilismus – d.h. einer Gesellschaft ohne Bedeutung, Moral und Werten – bewegen würde. Nietzsche war der Ansicht, dass die romantische Liebe frivol wäre und dass Freundschaft eine wesentlich stärkere Grundlage für Beziehungen darstelle.

Aus Nietzsches Perspektive gesehen, könnte der Aufstieg von Dating-Apps wie Tinder, Hinge und Grindr, die uns dazu ermutigen, zu “wischen” und potentielle Liebhaber in einer Nanosekunde zu beurteilen, als Beispiele für eine Gesellschaft aufgeführt werden, die besessen geworden ist von Lust und sofortiger Befriedigung.

Nietzsche sagte außerdem, dass instinktive Beurteilungen irreführend seien, da “ein Ja oder Nein verkündet werden kann, bevor der Verstand zu Wort kommt”. Desweiteren sei eine impulsartige Handlung als dekadent und hedonistisch anzusehen und diese Eigenschaften sind “Wegweiser zum Nihilismus”.

Zeigt der Erfolg des Online-Dating in unserer Kultur damit also eine gewisse Maßlosigkeit auf? Und geschieht dies gar auf Kosten von Langzeitbeziehungen? Die Forschung zeigt unterschiedliche Ergebnisse, wobei einige Themen hervorstechen, wie Ergebnisse, die zeigen, dass “nach rechts wischen” möglicherweise nicht der beste Weg zu sein scheint, ein wirkliches Match zu erzielen.

Kurz gecheckt

Tinder zerstört mit Sicherheit nicht die Romantik – zumindest nicht die der eher flüchtigen Art. Mehr Auswahl, mehr Beziehungen und vermehrte Sozialisierung eröffnen neue Arten von Möglichkeiten, die ohne Dating-Apps und entsprechende Websites nicht existiert hätten. Eine Studie aus dem Jahr 2012 stellte heraus, dass das Internet Nutzern ermöglicht hat einfacher Partner zu finden. Im Besonderen trifft dies auf Homosexuelle und Menschen mittleren Alters zu, die sich auf einem “dünnen Markt” umschauen.

Die große Frage ist, ob Ehen, die ihren Ursprung im Netz haben, langfristig halten. An dieser Stelle sind die Forschungsergebnisse unterschiedlich. Einige Studien stellen fest, das amerikanische Ehen, die online beginnen, etwas weniger dazu neigen in die Brüche zu gehen als Beziehungen, die offline entstanden sind. Andere Studien kommen zu einem gegenteiligen Schluss. Dennoch gibt es ein inhärentes Problem mit der Tatsache, wie Online-Beziehungen beginnen – zumindest aus der Perspektive Nietzsches.

Da Nutzer instinktiv auf Fotos reagieren, wählen sie Dates oder Matches basierend auf der sexuellen Anziehung und geschönter Schönheit aus. (Studien zeigen auch, dass Anwender sich selbst in ihren Online-Profilen falsch darstellen.) Es kann also selbstverständlich ein initialer physischer Funke überspringen. Was ist aber mit den Dingen, die eine langfristige Beziehung ausmachen, wie Vertrauen, konstruktive Kommunikationund das Genießenvon gemeinsamen Aktivitäten?

Ermüdete Romantik

Das grundlegende Problem in modernen Beziehungen im Westen ist die Vorstellung davon, dass eine romantische Liebe zur Heirat führt – und diese für immer halten wird.

Sie ignoriert die Tatsache, dass romantische Leidenschaft über die Zeit vergeht. Nietzsche verglich dies mit einer Gravur, die vergeht, wenn bloße Finger sie fortlaufend berühren. Liebende ermüden voneinander. Gewohnheiten ziehen sie herunter. Die Leidenschaft der Liebe und die Schönheit schwinden.

Forschungen zur Dauer der Romantik variieren. Die meisten kommen jedoch zum gleichen Ergebnis: Sie hält nicht für immer an.

Eine Gruppe italienischer Wissenschaftler fand heraus, dass Neuropeptide – Moleküle, die mit dem Hochgefühl der Liebe in Verbindung stehen – 12-24 Monate nach Beginn einer romantischen Beziehung zurück auf ihr Normallevel fielen. Eine weitere Gruppe von Neurologen stellte fest, dass das Level von Hormonen wie Cortisol sich verändert, wenn Menschen sich verlieben, und sich nach 12-18 Monaten normalisiert. Andere Forscher entdeckten, dass Menschen, die sich seit 28,8 Monaten in einer Beziehung befanden, durchschnittlich weniger intensiv verliebt waren als solche, die seit 7,4 Monaten verliebt waren.

Auf der anderen Seite führten Wissenschaftler der Stony Brook Universität im Jahr 2009 eine Meta-Analyse von 25 Studien zu Paaren durch, die sich in den frühen Zwanzigern befanden, oder etwas älter waren. Sie ermittelten, dass, solange wir nicht die Besessenheit der frühen Phasen romantischer Liebe in unsere Definition mit einbeziehen würden, eine langfristige Romanze möglich wäre.

Was auch immer die magische Zahl sein mag, die Realität sieht so aus, dass mehr als ein Drittel der Ehen nicht bis zur Silberhochzeit nach 25 Jahren überdauern. Auch ohne die Arbeit von Sozialwissenschaftlern zur Hand zu haben, wusste Nietzsche, dass die romantische Leidenschaft oft einfach verschwindet. Als Lösung dieses Problems empfahl er die Ehe für Paare, die sich in den ersten Wehen romantischer Leidenschaft befanden, zu verbieten.

Er dachte darüber nach, was geschehen würde, wenn man zwei Liebenden eine besondere Brille geben könnte, so dass diese sehen könnten, wie der andere in 20 Jahren aussehen würde. Vermutlich würde diese dazu führen, dass ihre Anziehung erlischen würde – oder sie wären besser auf das gemeinsame Älterwerden vorbereitet.

Sexuelle Anziehung ist unzweifelhaft ein wichtiger Teil der Romantik. Aus der Perspektive Nietzsches gesehen genießen Menschen mit einem starken Willen zwar den Rausch der Liebe, jedoch haben sie ein größeres Bild vor Augen: Sie sind sich dessen bewusst, dass das Hauptkriterium für die Auswahl eines langfristigen Partners sein sollte, zu einer ordentlichen Unterhaltung fähig zu sein. Nietzsche merkte an, dass eine intellektuelle Anziehung eine tiefere und länger andauernde Basis für Beziehungen darstellen würde als die reine sexuelle Anziehungskraft.

Untersuchungen zeigen, dass die Fähigkeit zur Kommunikation von zentraler Wichtigkeit hinsichtlich der Dauer einer Beziehung ist. Eine im Jahr 2012 im Journal of Familiy Psychology veröffentlichte Studie führt an, dass negative oder nicht existierende Kommunikation eine der Hauptursachen für Scheidungen darstellt. Eine weitere Studie aus dem Jahr 2010 fand – wenig überraschend – heraus, dass Paare, die sich bereits früh in der Ehe kritisierten und anschrien, höhere Scheidungsraten aufwiesen.

Eine Über-Beziehung erschaffen

Apps behindern Freundschaften mehr als jede andere Form der Liebesbalz, da sie in ihrem Gegenüber nur knappe Entscheidungen von “Ja” und “Nein” hervorrufen. Zudem besteht die Basis dieser Entscheidungen aus Informationen, die enorm geschönt sind.

Nietzsche warnte davor, dass, wenn wir selbst uns zu sehr verstellen, wir riskieren, die Opfer unserer eigenen Schauspielkunst zu werden, da wir zu unseren Masken werden müssen, um die Illusionen, die wir erschaffen haben, aufrecht zu erhalten. Im Verlauf dessen opfern wir Authenzität. (Eine Studie aus dem Jahr 2002 fand heraus, dass die wenigen Personen, die ihr “wahres” Selbst online offenbarten, länger andauernde Freundschaften erschufen.)

Wenn Liebende besser Freunde wären, könnten Beziehungen gesünder sein. Gute Freunde ermutigen sich gegenseitig dazu, sich selbst zu hinterfragen, ihre Ziele zu erreichen und bessere Menschen zu werden. Nietzsche bezeichnete dies als das Streben nach dem Ideal des Übermenschen.

Die Ehe ist weiterhin nützlich, sofern sie ernst genommen wird. Sie stellt jedoch nicht die einzige Struktur von Wert dar. Verheiratet oder zusammenlebend, offen oder geschlossen, homo- oder heterosexuell, sexuell oder platonisch, kurz oder lebenslang – all diese Beziehungen können gleichermaßen gut funktionieren, so lange sie auf einer Basis von Vertrauen, Respekt und Freundschaft fußen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf “The Conversation” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image “Holding Hands” by Unsplash (CC0 Public Domain)


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Tinder im Wahlkampf: Wisch dir deine Wähler… oder so ähnlich

i saw you on tinder Trastevere 2014 (adapted) (Image by Denis Bocquet [CC BY-SA 2.0] via Flickr)

Tinder für den Wahlkampf. Wie eine Schweizer Politikerin die Dating-App für ihre Kampagne genutzt hat. Tinder ist eigentlich eine Dating-App für Smartphones. Doch immer mehr Politiker nutzen die App, um für Wählerstimmen zu werben. Dass Politiker soziale Netzwerke für ihre Wahlkampagnen nutzen, ist nichts neu. US-Präsident Barack Obama begeisterte Wähler mit seinen YouTube Videos, der aktuelle Präsidentschaftskandidat der Republikaner, Donald Trump, nutzt Twitter erfolgreich, um Wählerstimmen zu sammeln. Doch einige Politiker schrecken nicht davor zurück, auch die beliebte Dating-App Tinder für ihren Wahlkampf zu nutzen, um so vor allem junge Wähler zu erreichen. So hat auch die Schweizer Grünen-Politikerin Aline Trede Tinder für eine Wahlaktion genutzt – und damit viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen.

Aline Trede saß in gemütlicher Runde mit Freunden zusammen, als sie die Dating-App Tinder für sich entdeckte. Sie wollte sie allerdings nicht zum Flirten nutzen, sondern für ihren Wahlkampf. Denn Aline Trede ist Mitglied des Schweizer Nationalrats für die Grünen und Kandidatin für den Kanton Bern. “Eine Freundin erzählte, dass Tinder in den USA fast wie eine Info-App genutzt wird. Jede Firma habe ein Profil, jede Band gehe auf Tinder, wenn sie eine neue CD rausbringe […] und da sind wir auf die Idee gekommen, das wir das eigentlich auch für den Wahlkampf machen müssten.

Nur: Wie nutzt man eine Dating-App für den Wahlkampf? Im Normalfall laden Tinder-Nutzer ein Profilfoto von sich hoch und andere User können dann anhand der Fotos entscheiden, ob ihnen ein Profil gefällt oder nicht. Ein gutes Foto wird nach rechts gewischt, eins das nicht gefällt, nach links.

Lust auf ein Bier mit mir?

Genau das Gleiche hat Aline Trede auch für ihre Kampagne gemacht. Sie hat ein Profil mit ihrem Wahlbild sowie ihrem Slogan “Grünes Herz. Gegen Rechts.” hochgeladen und sich dann Profile aus ihrem Wahlkreis Bern anzeigen lassen. Und dann ging’s los: Sie verteilte wild grüne Herzen an alle. In der Tinder-Welt bedeutet das ungefähr so viel wie “Ich mag dich.” Wenn sie dann ein grünes Herz zurück bekam, redete sie dann nicht lange um den heißen Brei herum: “Ich habe es ganz transparent gemacht, dass es für die Wahlen ist und dass ich sie zu meiner monatlichen Bürgersprechstunde, also das ist ein Bier trinken, einlade.

Die Reaktionen waren fast durchweg positiv. Innerhalb kürzester Zeit konnte Aline Trede 30 Matches verbuchen und 20 Einladungen zur Bürgersprechstunde. Doch dann sperrte Tinder nach nicht einmal einer Stunde ihr Profil. Warum, weiß keiner. Vermutlich hatten sich einige Nutzer beschwert, doch Tinder wollte dies weder gegenüber Aline Trede noch auf Anfrage der Netzpiloten genauer erklären.

Für Aline Trede jedoch war die Tinder-Sperre eigentlich ein Glücksgriff. Zahlreiche Zeitungen berichteten über die Aktion, gerade weil ihr Profil gesperrt wurde, und rührten so die Werbetrommel für Tredes Wahlkampf. Dabei spalteten sich die Reaktionen in zwei Lager: die Fraktion, die Tredes Aktion “schmuddelig” fand und die Fraktion, die von einer “innovativen” Idee sprach. Trede hat die Aktion neben kostenloser Werbung sogar ein paar Wählerstimmen eingebracht: “Als ich auf Facebook gepostet habe, dass Tinder mich gesperrt hatte, haben mir einige direkt geschrieben, dass sie mich genau deshalb gewählt haben.

Auch wenn Tredes Aktion viel Aufmerksamkeit in der Schweiz auf sich gezogen hat, weltweit ist sie nicht die erste Politikerin, die Tinder für ihren Wahlkampf nutzt. In Kanada nutzte der Lokalpolitiker Conor Meade Tinder als Plattform, um für seine Politik zu werben und auch in Europa hat etwa die Bürgermeisterkandidatin Manuela Carmena in Madrid Tinder genutzt, um sich an junge Wähler zu wenden. Auch die niederländische Kandidatin Pauline Kastermans hat Tinder für ihren Europawahlkampf genutzt und in Österreich hat die linksliberale Partei NEOS ebenfalls Tinder für sich entdeckt.

Keine dieser Aktionen wurde im Übrigen von Tinder geblockt, aber in allen Fällen waren die Reaktionen ähnlich gespalten wie bei Aline Trede. Sie wurden entweder als unangebrachter Spam bezeichnet oder als kreativ und innovativ gelobt. Doch egal wie man nun zum Wahlkampf in einer Dating-App steht, Tinder scheint Politikern neue Möglichkeiten zu bieten, die andere soziale Netzwerke wie Facebook oder Twitter nicht haben.

Was hat Tinder was andere soziale Netzwerke nicht haben?

Tinder ist eins der beliebtesten sozialen Netzwerke bei jungen Menschen. Etwa 90 Prozent der Tinder-Nutzer ist zwischen 18 und 24 Jahre alt. Um genau diese junge Altersgruppe geht es den Politikern. “Bei Twitter ist es so: Die, die mich abonnieren, die wollen etwas von mir wissen oder sehen und bei Facebook ist es eingentlich das Gleiche. Aber bei Tinder hatte ich das Gefühl, dass ich Leute erreiche, die ich sonst nicht erreiche”, erklärt Aline Trede. Sie ist Jahrgang 1983 und hatte vor allem den Kontakt zu jungen Wählern ihrer Generation gesucht.

Darüber hinaus bietet Tinder Politikern die Möglichkeit, Nutzer ganz direkt im Chat anzusprechen. Bisher scheinen Politiker Tinder eher nur punktuell zu nutzen, um Nutzer auf spezifische Aktionen aufmerksam zu machen. Ob sich Tinder langfristig als politische Plattform etablieren kann, ob Nutzer davon eher abgestoßen werden, oder ob Tinder selbst die Plattform für politische Zwecke sperrt, ist noch unklar. Für Aline Trede war die Aktion selbst zumindenstens ein Marketingerfolg. Ob sie ihr politisch geholfen hat ist fraglich. Bei den jüngsten Parlamentswahlen am vergangenen Sonntag (18. Oktober) wurde sie aus dem Schweizer Nationalrat abgewählt.


Image (adapted) „„i saw you on tinder“ Trastevere 2014“ by Denis Bocquet (CC BY 2.0)


 

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Lovoo ist voller Machos und Stylerbubis

Love (of technology) (adapted) (Image by Matthew G [CC BY 2.0] via Flickr)

Wer zwischen 16 und 30 und auf Partnersuche ist, dem wird früher oder später Lovoo empfohlen. Wer es nicht kennt: Lovoo (sprich: La wuu) ist eine einfache Dating-App wie Tinder, Badoo (wer da wohl von wem geklaut hat?) und Co. Man lädt ein Foto hoch, macht ein paar Angaben über sich und zack – fertig ist das Profil.

Ich hatte mich da auch mal angemeldet. Warum, weiß ich nicht mehr genau. Vielleicht, weil ich neugierig war, ob die App wirklich so nutzlos ist, wie viele sagen. Weil ich wissen wollte, ob sich da wirklich so viele Gestörte rumtreiben.

Und: Tatsächlich habe ich es da nur eine Woche ausgehalten. Den schlechten Ruf hat die App zurecht. Den Männern geht es da nämlich wie erwartet nur um eins: Sex. Besonders denen, die auf ihrem Profilfoto lässig mit Sonnenbrille vor ihrem Auto zu sehen sind. Wenn man als Frau dann ablehnt und sich auch nicht von den Statussymbolen („Ich hab nen BMW, sieht man auch auf dem Foto“) beeindrucken lässt, kommt oft sowas wie : „Du bist aber prüde!“ oder auch „Bist du lesbisch oder was?“.

Die angenehmsten Konversationen waren noch solche wie diese hier:

Er: Hi

Ich: Hi

Er: Wie geht’s?

Ich: Gut und dir?

Er: Auch gut

Er: Was suchst du hier?

Ich: Nichts bestimmtes, wollt nur mal gucken, was hier so los ist

Er: Ach so.

Er: Ich suche hier Spaß ;)

Ich: Sex?

Er: Ja.

Ich: Da bist du bei mir falsch.

Er: Echt?

Ich: Ja.

Er: Ok.

Ich: Viel Erfolg noch

Er: Danke.

Auch wenig interessant für mich: Die vielen 16- bis 18-jährigen Jungs. Alles so kleine Metrosexuelle, die sich in lässiger Pose vorm Badezimmerspiegel fotografiert haben. Einer schrieb mir in Endlosschleife immer etwas wie „Hi Süße“ oder „Okii Süße :*“. Ein anderer erklärte „Ich steh auf ältere Mädels“. Ob das schlimm wäre?

Ich kam manchmal aus dem Lachen nicht mehr heraus. Was mach ich da eigentlich?

Von den Typen in meinem Alter wollte sich einer direkt am nächsten Tag mit mir in der Mensa treffen. Eine Art Blind Date also. Nein, danke. Mit dem nächsten war wenigstens ein halbwegs normales Gespräch möglich. Bis er dann behauptete, ich würde ja lügen: In der Stadt gäbe es keine Studentenwohnheime. Doch klar, schrieb ich. Ich wohne schließlich in einem. Antwort: Er würde bereits seit 5 Jahren in Mittweida studieren und wüsste es ja wohl besser als ich. Es gäbe keine.

Ich ließ ihn in dem Glauben. Die App ist jetzt gelöscht. Und ich bin um eine Erfahrung reicher. Lustig war’s. Aber muss ich jetzt nicht nochmal haben.


Image (adapted) „Love (of technology)“ by Matthew G (CC BY 2.0)


 

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Ohlala: Bezahlte Dates statt Sex-App?

Paar (image by Unsplash [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Seit der Gründung von Peppr Anfang 2014 ist Pia Poppenreiter nicht mehr aus der Berliner Startup-Szene wegzudenken. Nun folgt mit Ohlala der zweite und hoffentlich letzte Anlauf. Peppr, die Webapp für die Bestellung von bezahltem Sex, hat auf internationaler Ebene für Aufmerksamkeit gesorgt. Doch bei viel aufgewirbeltem Staub ist es vorerst geblieben. Die Betreiber von Peppr gingen schon vor einiger Zeit getrennte Wege. Wir haben jetzt Pia Poppenreiter kurz nach Eröffnung von Ohlala gefragt, was denn der entscheidende Vorteil ihres neuen Angebots sein soll.

Auch die Deutschen kennen jetzt Tinder. Diese App wird mittlerweile immer häufiger zur Anbahnung von One Night Stands statt von Partnerschaften benutzt. Wird einem eine neue Person im Umkreis angezeigt, wischt man in die eine Richtung, bei Wohlgefallen und in die andere, um die Person in den virtuellen Mülleimer zu befördern. Das Nutzungserlebnis von Ohlala wird von seinen Gründern irgendwo zwischen Tinder und Peppr verortet. Unkompliziert, ohne Schmuddel und vor allem fix soll es dort zugehen. Umso länger es nach der ersten Kontaktaufnahme bis zum Date dauert, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass dieses wieder abgesagt wird. Wer spontan Lust hat, will sofort aktiv werden und keinen Terminkalender zücken. Die selbsterklärende Vermittlung nach dem Vorbild von Tinder soll dabei helfen, Zeit und Frust zu sparen.

Ohlala – Was ist das Alleinstellungsmerkmal?

Gegenüber Netzpiloten sagt Poppenreiter, die beiden Gründer seien sich bei Peppr irgendwann nicht mehr einig gewesen, was die gemeinsame Strategie und Ausrichtung betraf. Mit „einem neuen Team und frischem Spirit“ will Poppenreiter mit Ohlala einen neuen Anlauf wagen. Mitgründerin Poppenreiter weiter:

Peppr ist eine App zum Buchen von sexuellen Dienstleistungen. Der Kunde sucht sich eine Dame aus und muss auf Rückmeldung warten; das kann dauern. Ohlala ist dagegen eine App zum Finden eines bezahlten Dates, und das möglichst schnell. Was bei dieser Verabredung genau passiert, ob die beiden schick essen gehen, einen romantischen Abend verbringen oder auch im Bett landen, geht uns nichts an.

Wahrscheinlich wird es in den meisten Fällen um nichts anderes als Sex gehen. Im Zentrum der Entwicklung des Vermittlungsportals stand von Anfang an der „On-Demand-Aspekt“. Der Kontakt sei ähnlich schnell hergestellt, wie mit WhatsApp oder einem anderen Chat-Dienst, erklärt uns die Wahl-Berlinerin. Im Gegensatz zu anderen Vermittlungsportalen soll dies aber eben keine virtuelle Bildergalerie von Escort-Damen sein.

Bei uns entscheiden die Frauen, wem sie sich mit ihrem Profil vorstellen. Damit gewährleisten wir auch eine größtmögliche Anonymität. Bei uns kann ein Mann nicht einfach in den Profilen aller Frauen stöbern, sondern nur in denen, die ?unsere? Damen für ihn freigeschaltet haben, die also, die wirklich an ihm interessiert sind.

Im Zuge der Einführung gibt die gebürtige Österreicherin nun bekannt, Sex sei „nie ein schlechtes Thema, erst recht nicht für Startups. Eine gute Idee findet Geld.“ Doch noch im Sommer 2014 erklärte sie gegenüber der Netzpiloten-Redaktion auf dem Tech Open Air, wie schwierig sich bei Peppr die Zusammenarbeit mit möglichen Investoren gestaltet hat. Mit der Vermittlung von Prostitution, so erfolgversprechend diese auch sein mag, möchte eben nicht jeder Investor in Verbindung gebracht werden. Bei manchen Geldgebern dürfte das anfängliche Interesse schnell abgekühlt sein.

Nicht mit gezinkten Karten spielen!

Nicht erst seit dem Hack von Ashley Madison ist klar, dass bei Seitenspung-Portalen einige Anbieter mit gezinkten Karten spielen. Die Auswertung des von Hackern veröffentlichten Datensatzes zeigt, dass bei diesem Dienst rund 30 Millionen Männer auf maximal 12.000 Frauen gekommen sind. Die Anzahl der aktiven Frauen, die wirklich ihre Post abgerufen haben, lag wohl nur bei etwa 1.500. Die Chance der zahlenden Männer auf einen Seitensprung war demnach astronomisch gering. Statt mit den Frauen tauschten die Herren Nachrichten mit den Fembots des Unternehmens aus, die sich als interessierte Damen ausgegeben haben.

Zu Abzocke kann es bei Ohlala naturgemäß nicht kommen. Die Vermittlung ist für die Besteller der Dates kostenlos. Auch durch die Anmeldung entstehen keine Gebühren. Wer sich trifft, bezahlt direkt nach Ankunft. „Bei uns kommen die Damen und die Herren direkt auf den Punkt“, ergänzt Pia Poppenreiter. Diesen Monat soll es in Frankfurt und München losgehen. Wie bei Peppr war das Angebot anfangs auf die Bundeshauptstadt ausgerichtet. Von Berlin aus soll sich das Sex-Projekt im Laufe der Zeit in ganz Deutschland ausbreiten. Man wolle zunächst die kritische Masse an Anbietern und Nutzern erreichen und sich erst ab Frühjahr 2016 um die Monetarisierung kümmern. Man wird sehen, wie gut dies gelingen wird.


Teaser & Image „Paar“ (adapted) by Unsplash (CC0 Public Domain)


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Trends des Monats – August

Screenshot New York Times

Die Medien- und Digitalbranche ist ständig in Bewegung. Fast im Tagesrhythmus gibt es neue, innovative Medienprojekte, praktische Gadgets oder neue digitale Geschäftsmodelle. Wir stellen euch dieses Mal Summer of Science, Ze.tt, Twitter Cards und EDGE vor. Außerdem zeigen wir euch, wie Stars Dating-Apps als Marketinginstrument nutzen.

Popstars bei Tinder – Wie Stars Dating-Apps als Marketinginstrument nutzen

Klassische Dating-Apps, wie man sie heutzutage kennt, sollen bei der Suche nach dem richtigen Partner helfen. Grindr, Match oder Tinder sind hierfür besonders bekannt. Seit Neuestem aber benutzen Stars wie beispielsweise Madonna diese Apps nicht zur Partnersuche, sondern um ihre Songs zu Promoten und mit ihren Fans zu interagieren. Besonders gut zu erreichen ist hier die 18- bis 34- jährige Zielgruppe. Auch der Hit „Want to Want Me“ von Jason Derulo wurde bereits bei Tinder veröffentlicht. Lediglich 3.99USD muss der Nutzer hier für ein neues Album bezahlen, statt 7.99 bei iTunes.

Summer of Science

Naturwissenschaftliche Themen können für die Leser oftmals kompliziert, trocken und unverständlich sein. Die New York Times möchte jedoch solche Inhalte mit Summer of Science modern und verständlich vermitteln. Unter modern wird verstanden, dass naturwissenschaftliche Themen nur anhand von kurzen und erklärenden Sätzen beschrieben werden, damit diese in Social Media Kanälen ebenfalls Anklang finden können. So können diese Artikel auch in verständlicher Form einem breiten Publikum zugänglich gemacht werden. Im Fokus stehen hier allerdings große Bilder, die den naturwissenschaftlichen Hintergrund genau erklären und die jungen Nutzer dazu verleiten, diese mit anderen zu teilen.

Ze.tt – Die neue Newsplattform für junge Leser

Unter Ze.tt versteht man eine News-Plattform, welches von Die Zeit angeboten wird. Das Ziel ist hierbei, ein jüngeres Publikum zu erreichen und um das zu schaffen, wird hier von sozialen Netzwerken Gebrauch gemacht. Ebenso wird den Nutzern ein Mix aus kuratierten und eigenen Inhalten geboten. Themen wie Kultur, Gesellschaft und Wissen sowie Tagesthemen werden hier von einem eigenständigen Team verfasst. Die Leitung des Teams erfolgt unter Sebastian Horn.

Artikelvorschau – mehr Klicks für Verlage

Um Verlagen auf Twitter mehr Tweets zu ermöglichen, wurden die neuen Twitter-Cards erfunden. Sie bieten Endnutzern mit iOS- oder Androidgeräten eine erweiterte Linkvorschau. Die User haben hier die Möglichkeit einen ersten Eindruck einer Geschichte zu bekommen, in dem sie auf ein großes Teaserbild aufmerksam gemacht werden und die ersten Wörter dieser Geschichte lesen können. Das Ziel von Twitter ist es hiermit mehr Medieninhalte auf der Plattform einzubauen. Anders als früher gibt es auf Twitter nun nicht mehr nur Textinhalte, sondern seit kurzem auch automatisch abspielende Videos und GIF-Dateien. Besonders profitieren Werbetreibende und Journalisten von dieser veränderten Anzeige bei Twitter.

EDGE-Browser – Der neue Windows Standardbrowser

Um verlorene Marktanteile von Firefox und Google Chrome zurückzugewinnen, hat Microsoft zum Start des neuen Betriebssytems Windows 10 den Browser EDGE auf den Markt gebracht. Er ist der Nachfolger des Internet Explorers. Nicht nur dass die Synchronisationsfunktion vereinfacht wurde, auch Websites lassen sich optisch einfrieren, um Notizen einzubauen. Außerdem wird dem Nutzer ermöglicht, PDFs auch ohne eine Extrasoftware bearbeiten zu können.


Screenshot by New York Times


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Was kann die neue Plattform Brigade?

Gedanke (adapted) (Image by stux [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Zwischen Social Network oder Polit-Tinder: Alexander Löser hat sich die neue Plattform Brigade mal genauer angesehen. Kann sie den Bürgern ein Raum für politische Statements bieten? In Deutschland scheint der Graben zwischen Politikern und Bürgern immer größer zu werden. Das liegt nicht zuletzt an den Bürgern, die ihre Meinung immer seltener kommunizieren. Weil das in den USA ähnlich ist, hat der ehemalige Facebook Präsident und Napster-Mitbegründer Sean Parker „Brigade“ vorgestellt. Das soziale Netzwerk soll durch griffige politische Statements Meinungsbilder der Bürger einfangen. Wir haben die Handy-Applikation getestet.

Noch immer ist Sean Parker eng mit Facebook-Gründer Marc Zuckerberg verbunden. Doch im Gegensatz zu seinem Kumpel ist Parker davon überzeugt, dass Facebook nicht das richtige Medium sei, um seine politische Identität preiszugeben: „Auf Facebook gibt es einfach bestimmte soziale Normen, die du befolgst, und sie bestimmen, was du teilst und wann du es sein lässt.“ Für die Wiederbelebung der öffentlichen politischen Debatte sei ein soziales Netzwerk dennoch die beste Möglichkeit, weshalb Parker nun mit Brigade aufwartet.

Der Zutritt zur Beta-Version erfolgt bisher zwar nur per Einladung, doch muss das niemanden abschrecken. Über www.brigade.com kann man unter Angabe seiner Emailadresse auch einen Einladungslink anfordern. Das funktioniert allerdings nicht automatisiert und so muss man eventuell ein wenig warten, bis die Entwickler in Kaliforniern ausgeschlafen haben.

Wer wie ich selbst den Bestätigungslink erst gegen Mitternacht unserer Zeit erhält, läuft Gefahr, das Licht mal wieder später als geplant auszuschalten, weil es überraschend Spaß macht sich zu positionieren. Nach Angabe einiger persönlicher Informationen (Name, Geschlecht, Geburtsdatum und Herkunftsort) geht es direkt los. Unter „Trending Topics“ findet man auf der Startseite Sammlungen von Statements zu aktuellen Themen wie dem von Republikaner Rand Paul vorgeschlagenen Einheitssteuersatz oder dem rassistisch motivierten Massaker in Charleston. Dabei stößt man unweigerlich auch auf Aussagen, zu denen man als Nicht-Amerikaner nicht allzu viel zu sagen hat. Aber nur weil ich über TTP (Der TTIP-Version für den Pazifik-Raum) noch weniger weiß als über TTIP, entscheide ich mich noch lange nicht für „unsure“, sondern gebe fleißig mein „agree“ oder „disagree“. Auch wenn man seine Enthaltung begründen kann (übrigens genauso wie eine Zustimmung oder Ablehnung), fühlt sich Meinungslosigkeit einfach nicht gut an. Und so klickt man sich immer weiter durch, bis es auf einmal wieder nach eins ist und die Augen vor Müdigkeit schwer werden.

Als Soziales Netzwerk enttäuscht Brigade bisher

Am nächsten Morgen werfe ich noch einen Blick in mein Profil und muss mit Bedauern feststellen, dass die Anzahl meiner Supporter noch recht übersichtlich ist, will sagen: Null. Aber wozu braucht man eigentlich Supporter? Gegenseitige Unterstützung ist dann sinnvoll, wenn man politisch auf einer ähnlichen Linie ist. Beim Besuch anderer Profile wird ein prozentualer Wert angezeigt, in welchem Ausmaß die Nutzer Meinungen teilen – ganz allgemein, aber auch auf Themenbereiche wie Außenpolitik, Minderheitenrechte oder Gesundheitssystem heruntergerechnet. Für die Statistiker unter uns ist auch ersichtlich, wie viele gleiche Statements bewertet wurden. Das erhöht die Aussagekraft deutlich. Wegen all dieser schönen Übersichten bin ich dann aber doch ein wenig enttäuscht, dass mir keine fremden Nutzer mit ähnlichen Anschauungen vorgeschlagen werden. Ein soziales Netzwerk mit beschränkten Möglichkeiten sich zu vernetzen? Das scheint mir nicht so ganz im Sinne des Erfinders, aber noch handelt es sich ja auch nur um eine Beta-Version. Um nicht ohne Supporter dazustehen, durchstöbere ich nochmal mein Telefonbuch (Wo habe ich eigentlich mein Einverständnis zum Zugriff gegeben?) und schicke Einladungen raus. Sobald ich ein paar Bekannte zur Teilnahme motiviert habe, werfe ich nochmal einen Blick auf den sozialen Charakter der als Social Network angepriesenen Applikation.

Hoffnung für unpopuläre Kampagnen

Wer in einem Themenbereich bestimmte Zustimmungswerte überschreitet, erhält automatisch Vorschläge für passende Kampagnen, die es sich zu unterstützen lohnt. Deshalb unterstütze ich nun „Defend the Free and Open Internet“ und „End Climate Change Denial“. Beide Kampagnen haben mit Unterstützern im unteren dreistelligen Bereich vermutlich noch nicht allzu viel Gewicht in Washington, das sollte bei einer Beta-Version allerdings nicht verwundern. Auf meiner Startseite werden mir jetzt Posts oder Links zu Unterschriftenaktionen angezeigt. Es ist gut vorstellbar, dass Brigade bei entsprechender Nutzerzahl eine formidable Möglichkeit für Kampagnen bieten wird, sich einer breiteren Öffentlichkeit zu präsentieren.

Die „Trending Topics“ arbeite ich mittlerweile schneller ab als neue erscheinen. Deshalb nehme ich mir für die einzelnen Statements mehr Zeit und kommentiere meine Meinung hin und wieder. Das tun auch einige andere Mitstreiter und so entwickeln sich unter besonders kontroversen Thesen regelrechte Diskussionen. Statt des von Facebook bekannten „Like“-Systems, kann man Begründungen der Nutzer hochwählen, sodass sie in der Anzeige weiter nach oben rutschen. Trotz der drei Supporter aus meinem Freundeskreis, die ich mittlerweile anwerben konnte, liegt mein „Impact Score“ (Bewertung des Einflusses des Nutzers im Netzwerk) noch immer konstant bei Null. Dabei wurden immerhin schon vier Begründungen von mir hochgewählt. Nicht dass mir mein Einfluss sonderlich wichtig wäre, aber eine transparente Erklärung, wie genau man an Einfluss gewinnt, wäre auch zur Evaluierung hilfreich gewesen.

Meinungsfang Hui, Social Network Pfui

Brigade wird mit dem Ziel entwickelt, die Amerikaner zu größerer politischer Teilhabe zu motivieren. Das geht laut Parker am einfachsten mit einer Online-Plattform, auf der die Bürger bereitwillig ihre Meinung kundtun. Die Erfahrungen mit der Beta-Version haben den Eindruck vermittelt, dass Brigade dieses Ziel erreichen kann. Je kontroverser das Statement, desto mehr Begründungen waren darunter zu finden. Das Konzept motiviert allerdings auch diejenigen, die ihre Meinung nicht ausschweifend begründen möchten. Der Neugier reicht meist schon der Vergleich mit den übrigen Wählern. Wie von selbst erhält man als Bürger einen Überblick über Themenbereiche, die aktuell von Bedeutung sind oder das noch werden könnten. Gewinnt Brigade ausreichend Nutzer, ist es nicht nur für Kampagnen interessant sondern auch für Meinungsforschungsinstitute und sogar Politiker, die mit relativ wenig Aufwand ein Meinungsbild einfangen können.

Doch das Netzwerk offenbart auch eklatante Schwächen. Im jetzigen Entwicklungsstand ist es leider nicht möglich, unbekannte Nutzer mit gleichen Interessen aufzutun und zu unterstützen. Es ist auch nicht offensichtlich, wie genau man seinen Einfluss im Netzwerk erhöhen kann. Der soziale Charakter des Netzwerks wird letztendlich jedoch der entscheidende Faktor sein, Brigade auch für eine breitere Öffentlichkeit attraktiv zu machen. Gelingt es den Entwicklern noch, an den richtigen Stellschrauben zu drehen, wird Brigade zwar nicht den politischen Diskurs auf ein neues Level haben. Doch kann das Netzwerk dabei helfen, den Bürgern wieder mehr Mut zu politischen Statements im öffentlichen Raum zu geben. Ob es Brigade tatsächlich zu Relevanz bringen wird, hängt dann jedoch ganz stark davon ab, dass sich nicht nur politisch interessierte Bürger durch die Statements klicken, sondern auch diejenigen, die sich der politischen Teilhabe bisher weitgehend entzogen haben.


Zuerst erschienen auf politik-digital.de und steht unter CC BY-SA 3.0.


Image (adapted) „Gedanke“ by stux (CC0 Public Domain)

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Netzpiloten-Special: 5 Lesetipps für den 31. Dezember

In den Lesetipps zeigen wir heute unsere meistgelesensten Artikel des Jahres, in denen es um die Boerse.bz, WhatsApp, SIMSme, Tinder und Journalismus ging.

  • BOERSE.BZ Lars Sobiraj: Boerse.bz-Piraten schießen sich selbst ab: Eine der größten Herausforderungen in der digitalisierten Medienbranche ist es, sein Publikum wirklich zu kennen. Unser meistgelesenster Artikel des Jahres 2014 behandelt eigentlich ein Thema, dem ich es nicht zugetraut habe, bei uns auf so breites Interesse zu stoßen. An dem deutschsprachigen Filesharing-Forum Boerse.bz zeigt sich aber nahezu perfekt, dass es zwar vielleicht den Nutzern beim Thema unautorisiertes Filesharing um den Zugang zu Inhalten geht, den Betreibern solcher Portale aber ums Geld verdienen. Ein sehr unromantischer Widerspruch, den Lars Sobiraj akribisch herausarbeitet. Die Geschichte ist spannend, informativ dargestellt und scheinbar deshalb der diesjährige Liebling unserer Leser. Es geht in erster Linie um Qualität, eine mich für nächstes Jahr motivierende Lektion.

  • WHATSAPP Jakob Steinschaden: 18 Tipps, die die Messaging-App erträglich machen: Warum Facebook ungefähr 19 Milliarden US-Dollar für den stets viel kritisierten und alles andere als seriös mit Nutzerbeschwerden umgehenden Messenger-Dienst WhatsApp zahlte, wird bei den vielen Nutzern klar. Inzwischen nutzen pro Tag über 500 Millionen Menschen den Dienst, um sich kurze Texte und Fotos hin und her zu schicken. Die BBC, der SFR und auch wir verschicken inzwischen Nachrichten via WhatsApp, denn an dem Messenger kommt zur Zeit niemand vorbei. Kein Wunder, dass Jakob Steinschadens Artikel mit 18 Tipps für den Messenger, unser zweitbeliebteste Artikel im Jahr 2014 wurde.

  • SIMSME Tobias Gillen: Deutsche Post scheitert an überflüssiger „E-WhatsApp“: Deutschland, wo das Internet in diesem Jahr sich erst langsam aufmachte, dass Merkelsche Neuland zu entdecken, gehört sicher nicht zu den Vorreitern der Digitalisierung. Es verwundert deshalb eigentlich auch nicht, dass der eben besprochene Messenger WhatsApp nicht von hier kommt. Nationale Konkurrenz sollte der Messenger SIMSme machen, eine Entwicklung der Deutschen Post. Doch die App floppte und das wohl aus guten Gründen, wie der viel diskutierte Testebericht von Tobias Gillen zeigte. Ähnlich wie schon die De-Mail, zeigte die Post nur, dass große Unternehmen kein Hort an Innovation sind, Datenschutz zwar in der Presse viel diskutiert wird, aber kein Feature ist, dass die Nutzer wirklich haben wollen, wenn es immer noch schneller, besser und schicker geht.

  • TINDER Jakob Steinschaden: Die Flirt-App, die deinen Daten schöne Augen macht: Die Flirt-App Tinder gehört zu den bekanntesten Anwendungen beim Thema Flirten, über die im Jahr 2014 gesprochen wurde. Meist findet sich in meiner Twitter-Timeline eine sarkastische Bemerkung zur Tinder-App, zu der es aber auch so viel mehr zu erzählen gibt, wie der sehr beliebte Artikel von Jakob Steinschaden zeigt. Tinder ist nämlich ein Musterbeispiel dafür, wie eine sehr leicht zu bedienende App, dem Nutzer scheinbar ein so zufriedenstellendes Nutzunsgerlebnis bringt, dass das Thema Datenschutz auch hier vernachlässigt wird. In den Daten liegt aber der eigentliche Wert für die Eigentümer von Tinder, wie u.a. die New Yorker Internet-Firma IAC/InterActiveCorp,die überhaupt nur auf datensaugende Unternehmen setzen. Es geht nicht um Liebe, es geht um Daten. Das wird sich auch im nächsten Jahr nicht ändern.
  • JOURNALISMUS Martin Hoffmann: Die neuen Nachrichtenkonkurrenten im Netz: Den fünften Platz belegt der Artikel „Journalismus: Die neuen Nachrichtenkonkurrenten im Netz“ von Martin Hoffmann, der damals noch für den MDR arbeitetet und heute Leiter der Social Media-Abteilung bei Welt.de ist. Die lesenswerte Auflistung über die zu erwartenden Trends im Journalismus, entstand aus einem Vortrag bei der „Zukunftswerkstatt Radio-Nachrichten“ im MDR-Landesfunkhaus Magdeburg, der zeigte dass die Zukunft des Journalismus nicht aus Deutschland kommen wird, denn es fehlt hierzulande an wirklichen Innovationen. Das Zeit Online mit Memes experimentiert oder auf Stern.de schon einmal ein GIF zu sehen war, ist nämlich nicht wirklich ein sogenannter Game Changer. Hoffen wir, dass das Jahr 2015 uns vielleicht doch noch überrascht.

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„Vom Suchen und Tindern der Liebe“ Miriam Pielhaus neuste Kolumne

Cloudcuckoohome – Geschichten aus der digitalen Wolke! Hier resümiert die Netzpiloten Kolumnistin Miriam Pielhau regelmäßig über ihr tagtägliches Leben in der digitalen Welt. Nine hat das Unmögliche geschafft. Würde es „Wetten, dass…“ noch etwas länger als für drei Ausgaben geben, ich hätte gewettet, dass das niemand jemals hinbekommt. Und: ich hätte mit schlingernden Pauken und jammernden Trompeten verloren. Denn Nine hat es tatsächlich geschafft. Nine ist eine wundervolle Frau aus meinem nahen Umfeld und „Medienmensch“-Kollegin sozusagen. Sie alle kennen Nine vermutlich aus Ihrem Fernseher oder aus Zeitschriften. Nine heißt natürlich in Wirklichkeit nicht Nine. Aber das ist nebensächlich. Das Unmögliche, das ihr gelungen ist: Nine hat mich zu einem Online-Dating-Portal gebracht. Und da bin ich nun. Schon seit 6 Wochen. Und so fing alles an. Nine hat eine Cousine, die kurz davor ist, ein endlos langes Studium zu seinem hoffentlich glanzvollen Ende zu bringen. Diese Cousine schreibt für ihren Bachelor in Soziologie über ein sicherlich hochtrabendes Thema, für das sie Kennenlern-Netzwerke, Dating-Portale und entsprechende Apps testet. Testen muss. Zufälligerweise ist die Cousine auch gerade alleinstehend – aber auch das ist bitte nur eine Randnotiz der Geschichte, die Sie hoffentlich schmunzeln lässt. Nun. So landete die Cousine bei einem dieser Dienste Tinder. Und so war auch meine (im Berufsleben „berühmte“) Freundin Nine, kurze Zeit später mit eigenem Profil dort vertreten. Zunächst kichernd, halb beschämt, halb belustigt. Ein Stück weit „aus purer Neugier, haha“. Weil die App fix geladen ist, so simpel funktioniert und „alles kann – nichts muss“ vermittelt. Aber – der Vollständig- und Ehrlichkeit halber sei angemerkt: Nine trug auch ein kleines Brötchen Hoffnung im Rucksack. Denn Nine ist seit einigen Jahren Single. Nicht ungern, nein nein. Dennoch nicht mit dem Ziel, es für immer zu bleiben. So. Und jetzt halten Sie sich fest: Seit Nine die App am Start hat (2 Monate), hat sie fast schon ein Dutzend Dates gehabt. Echte Dates. Kaffee trinken, Spazieren gehen, Dinner for two, Kino. Und immerhin einmal hat sie sogar geknutscht. Und das sogar „äusserst vielversprechend“. Ich war baff, als sie mir das erzählte. Wie sie es online angestellt habe, dass nicht jeder sofort kapierte, dass sie die Madame aus der Glotze sei, und sie allein aufgrund dieser Tatsache mal „in echt“ treffen wolle, mag ich wissen. Anderer Vorname und nur schemenhafte oder etwas weich gezeichnetere Profilbilder, sagt sie. Sich selbst ein wenig verschlüsseln. Das ginge schon. Außerdem seien ihr sogar einige männliche TV-Kollegen über das Display geschliddert. Also, dieses Dating-Ding, das sei offenkundig Massen- und äääh Medienmenschen-kompatibel. Ich weiß, was sie meint. Und nicke beeindruckt. Sie berichtet. Wer sich anmeldet, erstellt ein Profil. Mit Fotos, Alter und bei Bedarf irgendeinem schlauen Satz oder Absatz zu sich selbst. „Allein das.“ sagt sie, während sie mir die Funktionsweise zeigt, „Wer Carpe Diem oder PartyPartyParty als Lebensmotto angibt oder irgendein Schrott-Zitat aus einem Blümchen-Roman rauskopiert, wird direkt weggeklickt.“ Das Auswahlprinzip ist einfach und erinnert an MTVs „Hot or not“. Wen man nicht sympathisch, spannend oder wenigstens irre attraktiv findet, der wird per „X“ zur Seite gewischt. Jemand, der einen auf irgendeine Art interessiert, den kann man mit einem Klick aufs „Herz“ versehen. Das kriegt dieser Jemand aber nicht mit. Genauso wenig bekommt er die manchmal garstige Ablehnung zu spüren, die mit einem „Nope“-Stempel versehen auf dem eigenen Display erscheint, sobald ein Anti-Kandidat eben für „Anti“ befunden wurde. Erst, wenn ein „Herz“-Mann beim eigenen Profil auf „Herz“ drückt, erscheint das magische „It‘s a match“. Und ab da darf es losgehen. Die App hat eine eigene Kommunikationsplattform, wo gechattet wird. „Und das ist enorm aufschlussreich. Enooorm! Wenn du nur ein bisschen genauer hinliest“, erklärt Nine. Wie einer mit Worten umgehe. Welche Fragen er stelle. Mit welchem Tempo er sich der wildfremden Person nähere. Welche Interessen er habe. Was er von sich preisgebe. Und auf welche Art. Wie fix er ein echtes Treffen und vor allem wo und auf welche Art einfordere und so weiter und so fort. Etliche „matches“ habe sie relativ schnell auslaufen lassen, harte/hartnäckige Fälle könnten blockiert werden, oder aber sie sei freundlich aus der Konversation ausgestiegen. So zum Beispiel bei einem, dem es nur um das Eine ging. Der das Social Network eher als Social Bedwork verstand. Das habe jener aber relativ bald mit immerhin größtmöglichem Stil und in aller Höflichkeit tatsächlich offensiv abgefragt. Nachdem sie die Absicht nicht teilte, wünschten sich beide viel Erfolg bei der weiteren Suche und „einen schönen Sommer in Berlin.“ „Das kann ich gar nicht glauben,“ entfährt es mir. Ich muss ein reichlich dämliches Gesicht gemacht haben seinerzeit. „Dann probiere es halt aus. Du merkst recht schnell, ob das zumindest theoretisch passen könnte. Bis zum Date musst du keine Telefonnummern austauschen. Und selbst dann – eigentlich auch nicht. Verabreden geht auch so diskret über diese App, wie alles davor.“ Soweit war ich damals noch nicht. Ich ließ Nine daten. Und mir von den Erlebnissen erzählen. Nun, was sie kund tat, machte, dass die Augenbrauen in die Höhe stiegen. Bis auf eine Ausnahme waren es ausschließlich kluge, geistreiche, höchst angenehme Typen, die Nine kennengelernt hatte. Schöne Nachmittage verbrachte sie oder Abende. Kein Funkensprühen zwar. Aber auch keine vergeudete Zeit. Ein paar „Huch“-Momente gab es wohl, als die Herren der Schöpfung realisiert hatten, wen genau sie da zum grünen Tee einladen. Aber ansonsten: keine nennenswerten Aussetzer. Keine! Wow. Im Gegenteil. Schönes-neue-Leute-Kennenlernen. Jenseits von „Noch‘n Sektchen?“-Promiparties. Nur mit „ich hatte höhere Erwartungen, vermutlich.“ Was das Scheitern erklärte.Höhere Erwartungen? Tja. Die Erwartungen. Das ist – laut der Cousine, die sich wissenschaftlich mit dem Thema auseinandersetzt – das „kleine, aber entscheidende“ Problem an der Sache. Eine Psychologin, die sie befragt hat, beschreibt das so: wer online kennenlernt, sich über die schriftliche Kommunikation annähert, sehr exklusiv – im Chat-Tète-à-Tète – der baut sich ein Bild auf. Ob er will oder nicht. Und das wird immer bunter und blumenreicher, manchmal auch idealisierter, je länger oder intensiver der Austasuch, das Kennelernen andauert. Das Erkunden des Anderen hat nur das Wort. Kein bewegtes Bild, keinen Klang der Stimme, kein Geruch, keine Stimmung, keinen menschlichen Eindruck. All das wird erst hinzugefügt, wenn sich die beiden Hauptdarsteller der Romantic Comedy im wahren Leben treffen. Und anders als bei der gelernten Analog-Variante (zum Beispiel: Partynight – Boy/Girl meets Girl/Boy in der Bar – beide sehen sich – entscheiden sich dafür, dass genau sie sich die Nacht gemeinsam um die Ohren schlagen wollen – Drama oder Happy End) hat der Erstkontakt im Leben – eine „Vorgeschichte“. Er ist eben nicht jungfräulich. Und daher ist die Fallhöhe groß. Und gewissermaßen das häufige Scheitern vorprogrammiert. Aber – selbst wenn? Ist das verwerflich? Macht es das Daten wertloser? Und erst recht, wenn es das ehrliche Stück Brot im Gepäck dabei gibt – die Hoffnung auf die große Liebe… Ich meine: Wer lernt schon 11 ansatzweise aufregende Menschen in 6 Wochen kennen. Und trifft diese auch noch zum meist höchst entspannten, individuellen Stelldichein. Sie erinnern sich? „Alles kann – nichts muss“ – das war das Angebot. Und dieses Versprechen wurde gehalten, augenscheinlich. Meine Ausbeute zu früheren Single-Zeiten war deutlich ärmer. Insofern: warum eigentlich nicht?! Zack. Nine hatte es geschafft. Ich habe mich angemeldet. 4 Wochen bin ich nun dabei. Sortiere X-se von Herzen. Plaudere mit „It‘s a maaatch“-Kerlen manchmal tagelang nur über gähnend langweiliges Zeug (und sehne das Einschlafen des Chats herbei) oder tausche mich über wirklich faszinierendes aus. Getroffen habe ich noch keinen. Schüchternheit? Rest-Respekt vor der ungewohnten Flirtform? Oder noch keiner, der zu hohe Erwartungen erfüllen oder enttäuschen könnte? Man wird sehen. Denn: ich wurde bereits äusserst kreativ (viele, viele Bonuspunkte vorab) um ein Treffen gebeten. Ich gebe zu: das macht mir ein wenig Flirren ums Herz. Und dabei ist es (fast) egal, wie das Date, das ich ziemlich sicher annehmen werde, wird. Allein dafür, finde ich, hat es sich schon gelohnt. Nine hat sich übrigens vorgestern aus dem Portal abgemeldet. Das jüngste Meet&Greet, dem sehr schnell 3 weitere folgten, scheint vorerst der letzte neue Mann in ihrem Leben zu sein. Vorerst? Oder aber für immer. Ich halte das mittlerweile für mehr als möglich. Unmöglich? Ich würde nicht darauf wetten. (Schlussbemerkung: Bitte, dass Sie das nicht falsch verstehen – ich bekomme kein Geld von diesem kostenlosen Dienst, dessen Namen ich im Text bewusst nur ein einziges Mal erwähnt habe. Das musste nur sein, um die Funktionsweise zu verstehen. Und es gibt bestimmt tausend ähnliche – und mindestens genauso gute. Insofern: daten Sie. Daten Sie, wo und wen Sie wollen. Es war nur ein Beispiel, das mich staunen ließ. Und daran mochte ich Sie gerne teilhaben lassen. Dankesehr.)

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5 Lesetipps für den 28. Februar

In unseren Lesetipps geht es um die Internet-Macht China, das Wachstum von Tinder, einen WLAN-Virus, ein Gerichtsurteil gegen Google mit Wirkung und die Absage der Implosion von Facebook. Ergänzungen erwünscht.

  • CHINA DerStandard.at : Präsident Xi will China zur Internet-Macht ausbauen: Der chinesische Präsident Xi Jinping macht die weitere Entwicklung des Internets in seinem Land zur Chefsache. Er werde die Leitung eines Regierungsgremiums zur Koordinierung der Internet-Sicherheit übernehmen, sagte Xi nach einem Bericht der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua.
  • TINDER Marketing Land: Seit Dezember haben sich die „Macthes“ auf Tinder verdoppelt: Die Dating-App Tinder zählt derzeit 750 Millionen “Swipes” im Monat und rund 10 Millionen tatsächliche “Matches” zwischen den angemeldeten Nutzern. Das sind nach Tinder-CEO Sean Rad doppelt so viele im Vergleich zu Dezember 2013.
  • VIRUS CNET: Uh-oh, this computer virus can spread via Wi-Fi: Forscher an der englischen Universität von Liverpool haben einen Computervirus namens Chameleon entwickelt, der Eigenschaften eines Erkältungsvirus hat. Genauso beeindruckend wie besorgniserregend ist, dass sich der Virus über WLAN-Verbindungen verbreiten kann. In gesicherte Netzwerke konnte aber auch er noch nicht eindringen.
  • GERICHTSURTEIL PandoDaily: Can this copyright ruling against Google help revenge porn victims?: Ein Gericht in Los Angeles hat Google dazu verurteilt, den Anti-muslimischem Film „The Innocence of Muslims“ von seiner Video-Plattform YouTube zu löschen. Geklagt hatte die Schauspielerin Cindy Lee Garcia, die in dem Film mitspielt, der aber in Post-Produktion so geändert wurde, dass er sich vor allem gegen Muslime richtet. Damit wollte Garcia nichts zu tun haben. David Holmes glaubt, dass das Urteil auch Auswirkungen auf sogenannte „Rache-Pornos“ haben kann.
  • FACEBOOK Medienrauschen: Die Vorhersage der Implosion Facebooks als neuer heißer Scheiß?: Im Medienrauschen-Blog fragt sich Thomas Gigold, was an den Vorhersagen des Endes von Facebook dran ist und kommt zu dem Schluss, dass Facebook das Google unter den sozialen Netzwerken ist, also auch einen Misserfolg vertragen kann, denn das Unternehmen erfindet sich auf so vielen Ebenen immer wieder neu.

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Tinder: Die Flirt-App, die deinen Daten schöne Augen macht

Eine ziemlich simpel gestrickte Smartphone-Anwendung namens Tinder hilft Nutzern auch im deutschsprachigen Raum beim Aufreißen – und saugt Nutzerdaten Richtung USA. // von Jakob Steinschaden (aktualisiert am 23.01.2015)

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Dating, Flirten, Quickies – das Thema Sex ist auch nach tausend und einer Single-Plattform so heiß, dass man eine kleine App wie Tinder schnell groß machen kann. Reduziert aufs Wesentliche, kann man mit der kostenlosen Smartphone-Anwendung schnell und einfach Flirt-Willige in der eigenen Umgebung finden. Doch Tinder möchte nicht nur eine reine Dating-App bleiben, sondern feilt bereits daran sich zur „Social Discovery App“ zu entwickeln.

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5 Lesetipps für den 16. Januar

In unseren Lesetipps geht es heute um die Debattenkultur von Trollen, die Dating-App Tinder, die Debatte um Datenschutz in der Wikipedia, die Macht von Google und interessante Nutzerzahlen von Facebook. Ergänzungen erwünscht.

  • FACEBOOK DailyFinance: Facebook’s Teen Users Down 25% During the Past 3 Years: Es ist langsam ein Fakt, dass Facebook unter Jugendlichen immer unpopulärer wird. In den letzten 3 Jahren ist der Anteil bei Teenagern um 25 Prozent gesunken, bei Studenten sogar um bis zu 60 Prozent. Doch die Aktie steigt, denn Facebook verdient mit Werbung auf dem sozialen Netzwerk sehr viel Geld und auch wenn die jungen Menschen sich abmelden, hat Facebook gesamt betrachtet über 22 Prozent Zuwachs an Mitgliedern zu verzeichnen.
  • WIKIPEDIA Hyperland: Streit über Datenschutz bei Wikipedia: Die Wikipedia-Community diskutiert über eine neue Datenschutzrichtlinie der Wikimedia Foundation. Christiane Schulzki-Haddouti erklärt auf Hyperland den Streit zwischen der deutschsprachigen und englischsprachigen Community, bei dem es vor allem darüber geht, wie mächtig Analyse-Tools sein dürfen, die die Daten angemeldeter Wikipedia-Autoren auswerten.
  • GOOGLE Techland Blog: Google Is Powerful — But Not as Powerful as an Angry Mob: Die Debatte um den Kauf von Nest durch Google geht weiter. Offensichtlich sind viele Menschen besorgt, dass in dem vernetzten Heim der Zukunft bald überall das Google-Logo auftauchen wird, ein klares Zeichen für viele Kritiker, dass ihnen dieses Heim nicht mehr gehört. Henry McCracken setzt sich mit der Kritik auseinander und fragt sich, ob auch ein so mächtiges Unternehmen wie Google sich durch eine kritische Masse ändern kann und wenn, ob das Google nicht erst wirklich mächtig macht.
  • TINDER PandoDaily: Will Tinder users put up with native advertising?: Tinder ist eine Dating-App, die für einen heraus findet, wer in deiner Nähe auf einem steht und verbindet die zwei Personen dann miteinander, wenn beide aneinander interessiert seid. Doch zuletzt kam die viel gelobte App immer mehr in Kritik, denn scheinbar ist es Teil der Monetarisierungsstrategie, manche Accounts von Marken für Werbezwecke mit menschlichen Nutzern in Kontakt zu bringen. Carmel Deamicis fragt sich auf Pando Dialy, ob dies innovative Werbung ist oder nur heimtückisch von dem Unternehmen.
  • TROLLE W&V: Troll-Psychologie: Wann der Ton im Social Web umschlägt: Werden wir im Social Web immer nörgliger? Warum das so ist, erklärt Leonard Reinecke. Er ist Psychologieprofessor an der Uni Mainz und forscht über Kommunikation im Social Web. W&V Online sprach mit ihm darüber, was User dazu bewegt, überhaupt einen Kommentar abzugeben und unter welchen Umständen der Ton abgleitet.

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