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Interview mit Christian Jakubetz über „Universalcode 2“

Der Journalist Christian Jakubetz spricht im Interview über sein Projekt „Universalcode 2“, das er mit Hilfe von Crowdfunding realisieren möchte. // von Gina Schad

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Wie verändert sich der Journalismus unter den neuen Finanzierungs- und Produktionsbedingungen? Mit „Universalcode 2“ will Christian Jakubetz Antworten bieten. Dafür sucht er Geld via Crowdfunding – mithilfe von Krautreporter. Gina Schad hat sich mit Christian Jakubetz auf ein Interview getroffen und über das Projekt gesprochen.

Dein erstes Buch war eine Art Anleitung für den Journalismus im digitalen Zeitalter. Inwieweit wird sich das zweite Buch vom ersten unterscheiden?

Christian Jakubet: Ich glaube, dass es unerlässlich ist, nicht nur zu verstehen, wie journalistisches Handwerk im digitalen Zeitalter geht. Mindestens genauso wichtig ist, dass man begreift, warum sich die Dinge ändern – und in welche Richtung es geht. Der zweite Teil von „Universalcode“ soll deshalb zweierlei. Zum einen: erklären, wie und warum sich Journalismus und Medien verändert haben bzw. sich noch weiter verändern. Zum anderen: Menschen in den Blickpunkt rücken. Das Buch soll also keine Sammlung von Besinnungsaufsätzen sein, sondern anhand von Protagonisten aufzeigen, was passiert ist, was gerade passiert und was noch passieren könnte. Mir ist ganz wichtig, dass vor allem die Dinge, die jetzt gerade entstehen, einer Art „Machbarkeitstest“ unterzogen werden. Wenn es also beispielsweise um die Finanzierung von Journalismus geht, dann soll das nicht einfach stehen, was man theoretisch machen könnte. Sondern dann muss jeweils ein Beispiel dabei stehen von Menschen, die so etwas schon mal gemacht haben.

Und was mir ebenfalls wichtig ist: „Universalcode 2“ soll kein unreflektiertes Jubelbuch werden. Wenn es bei einem Thema nichts zu beschönigen gibt, dann wird auch nichts beschönigt.

Warum soll die Crowd entscheiden, ob Bedarf an einem zweiten Buch besteht?

Weil ich damit schon beim ersten Teil sehr gute Erfahrungen gemacht habe. Nicht nur wegen der Finanzierung, sondern auch wegen der Inhalte. Es macht ja herzlich wenig Sinn, ein Buch zu schreiben, das entweder gar keiner will. Oder das Inhalte hat, die zielsicher an den Wünschen und Bedürfnissen potentieller Leser vorbei geht. Ich will mich ja damit nicht selbst verwirklichen. Davon abgesehen: ich glaube, dass Journalismus der Zukunft sehr viel stärker von der Crowd beeinflusst wird als heute. Da wäre es ja dann leicht widersprüchlich, wenn ich diese These vertrete und mich gleichzeitig bei einem eigenen Projekt in meinen Elfenbeinturm setze und niemanden an mich heranlasse.

Das Crowdfunding-Projekt steckt sowohl finanziell als auch inhaltlich noch in den Startlöchern. Das heißt, inhaltlich ist die Richtung noch nicht klar definiert?

Doch, inzwischen schon sehr viel stärker. Ist ja auch schon wieder eine Woche vergangen… Aber im Ernst, ich empfinde das nicht als Manko, im Gegenteil. Schon beim ersten Teil war das Buch ein fließender Prozess und sehr stark von Anregungen von außen beeinflusst. Ich wollte damals beispielsweise ein Kapitel über Audio-Slideshows machen. Das Feedback durch die Crowd hat dann aber gezeigt, dass das gar nicht nötig war. Am Ende mündete es in einem Kapitel über Multimedia-Reportagen. Diese inhaltliche Offenheit möchte ich mir gerne auch für dieses Projekt bewahren. Und bitte, man darf ja Offenheit nicht mit Beliebigkeit verwechseln. Ich weiß schon, wohin ich mit diesem Buch will.

Ich fand das auch bei Dirk von Gehlens Projekt „Eine neue Version ist verfügbar“ vorbildlich, wie dort Einflüsse von außen aufgenommen und von Dirk auch transparent dokumentiert wurden. Ich wäre begeistert, wenn das auch bei „Universalcode 2“ so funktionieren könnte.

Worum wird sich das neue Buch inhaltlich drehen?

Der Untertitel des Buchs soll programmatisch sein: Wie wir wurden, was wir sind. Es wird drei Blöcke geben: Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft. Beim Block „Vergangenheit“ wollen wir nicht in Nostalgie schwelgen, sondern einfach nur zeigen, wie Medien im analogen Zeitalter funktioniert haben. Das ist vor allem für die interessant, die das aus eigener Erfahrung gar nicht mehr erlebt haben. Und die sich vielleicht gerade deshalb jetzt schwer tun zu verstehen, warum das Publikum jenseits des digitalen Grabens solche Probleme hat, den digital natives in die neue Medienwelt vorbehaltlos zu folgen.

Der zweite Bereich „Gegenwart“ ist eine Bestandsaufnahme. Wo stehen wir jetzt? Salopp ausgedrückt: Haben wir das Schlimmste schon hinter uns oder stecken wir gerade erst mittendrin? Da haben wir ja aktuell mit der Insolvenz der „Abendzeitung“ wieder einen hochaktuellen Fall. Und dazu gibt es sicher sehr kontroverse Auffassungen, die sich im Buch auch gerne widerspiegeln sollen.

Du arbeitest überwiegend mit Deinem bisherigen Autorenteam, aber ein paar neue Autoren werden bei dem zweiten Projekt dabei sein. Möchtest Du uns den Grund verraten?

Das ergibt sich fast schon zwingend aus dem Prinzip, das auch beim ersten Buch galt: Ich hätte gerne die an Bord, die zu einem Thema am meisten zu sagen haben. Nachdem „Universalcode 2“ andere Themen abbildet, geht es gar nicht anders, als dass auch andere Autoren mit an Bord sind.

Wie viel Zeit rechnest Du für den Entstehungsprozess ein? Du hast uns verraten, dass Du eventuell kurze Video-Interviews veröffentlichen möchtest, um den Prozess zu veranschaulichen. Ist diese Idee noch aktuell?

Das mit den Zeitplänen ist ja immer so eine Sache. Ich wäre gerne Ende 2014 mit allem fertig. Aber wenn es denn dazu kommt, ist „Universalcode 2“ mein viertes Buch. Und es wäre das Erste, das genau im Zeitplan fertig wäre. Also, die Taktik ist die: Jahresende als Ziel setzen, damit ich Frühling 2015 fertig bin. Die Idee mit den Videos bleibt allerdings natürlich bestehen. Ich glaube, dass das ein guter Weg wäre, die Entstehung des Buchs zu begleiten und später auch eine Art Dokumentation des Projekts zu haben.

Spannend finde ich, dass Du nicht nur darauf schauen möchtest, was z.B. mit einem Verlag passiert, wenn er sich nicht länger finanziell über Wasser halten kann, sondern was ein 50-jähriger macht, der seinen Job im Printbereich verliert. Wie wichtig ist Dir der menschliche Aspekt bei dem Projekt?

Naja, in erster Linie geht es doch immer um Menschen, oder? Ich glaube, dass viele Medientheoretiker, Wissenschaftler, Berater und auch solche Digital-Menschen wie ich immer wieder daran scheitern, dass wir vergessen, es mit Menschen zu tun haben. Es nutzt uns nichts, tolle Theorien aufzustellen und Modelle zu entwickeln, wenn wir dabei nicht im Auge haben, dass Menschen manchmal ganz anders ticken als jede Theorie. Wenn jemand durch die Digitalisierung seinen Job verliert oder auch sich einfach nur überfordert fühlt, kann man kaum von ihm erwarten, dass er diese Sache mit dem Internet toll findet.

Was macht Dein Projekt in diesem Zeitalter einzigartig?

Wenn alles klappt – dann ist es das einzige Buchprojekt, bei dem die beiden Teile zusammen genommen nicht nur den Medienwandel erklären, sondern auch gleich noch die praktische Bedienungsanleitung mit dazu liefern.

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Gina Schad

Gina Schad

hat Medienwissenschaft an der Humboldt-Universität Berlin studiert. Ihre Masterarbeit hat sie zum Thema „Risiken und Chancen der Digitalisierung für Gesellschaft und Kultur“ verfasst. Derzeit forscht sie weiter zu den Themen Privatsphäre und Öffentlichkeit in der Digitalen Welt. Auf ihrem Blog medienfische bloggt sie über Menschen, Ideen und Netzkulturdings. Privat schreibt sie mit einem Stift auf Blätter, bei Twitter ist sie unter @achwieschade zu finden.

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