Francesca Pick

Francesca Pick (OuiShare): „Teilhabe kann nicht von oben kommen“

In einer europaweiten Veranstaltungsreihe stellt die OuiShare-Community neue Formen der Collaborative Economy vor. Heute Abend sind sie in Berlin. // von Tobias Schwarz

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Mitglieder der Teilhabe bejahenden OuiShare-Community sind Startups, Akteure mit Visionen oder den Wandel mitegstaltende Organisationen und Projekte. In einer Europatour wollen sie über die Collaborative Economy informieren und neue Wege des Arbeitens und Zusammenlebens aufzeigen. Heute Abend findet die letzte Veranstaltung in Deutschland statt: im Berliner Veranstaltungsraum Supermarkt findet unter dem Titel „OuiShare DeTour“ eine Informationsveranstaltung statt. Vorher aber haben wir uns auf ein Interview mit Francesca Pick vom OuiShare-Magazin getroffen:

Netzpiloten: Was ist die Ouishare-Deutschland-Tour und worum geht es dabei?

Francesca Pick: Die OuiShare Deutschland Tour ist eine Eventreihe über die Collaborative Economy, bei der Mitglieder des OuiShare Teams innerhalb von 2 Wochen 6 Deutsche Städte besuchen. Dabei geht es darum, lokale Akteure aus dem wachsenden Collaborative Economy Sektor in Deutschland zu fördern, vernetzen und Aufmerksamkeit für dessen Potenziale und Herausforderungen zu schaffen. Als Teil einer 30-Städte OuiShare Europatour ist diese Tour nach Latein Amerika und Frankreich nun bereits die dritte OuiShare Tour seit letztem Jahr.

Teilen die Menschen in Deutschland anders als im Rest von Europa?

Das kann man so nicht sagen. Deutsche sind zwar keine Early Adopter von Sharing Konzepten und in manchen Bereichen zwar etwas vorsichtiger was das Teilen von Privatgegenständen oder das Treffen Fremden Personen angeht, aber die größten Unterschiede sieht man in Europa nicht unbedingt zwischen Ländern oft auf Stadtebene, je nachdem, was von den lokalen Verwaltungen und Unternehmen gefördert wird. In Deutschland ist aus diesem Grund vor allem das Carsharing weit entwickelt. In Paris oder Barcelona ist hingegen Bikesharing sehr verbreitet, da dies von der Stadtverwaltung gefördert wurde. In Ländern, die von der Wirtschaftskrise schwer betroffen waren, wie zum Beispiel Spanien, haben sich auch viele Arten des Sharings aufgrund ihrer ökonomischen Vorteile deutlich schneller als in Deutschland verbreitet.

Haben Sie Unterschiede im Teilen zwischen den Menschen in verschiedenen Städten festgestellt?

Die Unterschiede sind nur klein aber auffallend war schon, dass in jeder Stadt das Thema Collaborative Economy von anderen Gruppen aufgegriffen wird. In München kamen viele Besucher aus der „klassischen“ Wirtschaft, in Karlsruhe und Berlin ging es mehr um Tech Startups, und in Köln und Wuppertal waren viele Künstler, Freischaffende und Personen von Plattformen für offline Teilen unter den Besuchern.

Über diese neue Form der Teilen-Kultur wird viel geschrieben. Wie weit sind wir in Deutschland wirklich?

Es wird deutlich mehr geschrieben als getan. Viele finden die Ideen gut, aber setzen sie noch nicht in die Tat um. Das liegt unter anderem auch daran, dass manche Konzepte noch nicht ausgereift sind, und der Aufwand, um z.B. einen Mixer über eine online Plattform zu teilen, noch sehr groß sein kann. Zudem gibt es noch einen Mangel an gesetzliche Regularien, durch den das Nutzen mancher Plattformen, noch in rechtliche Grauzonen fällt. Kollaboratives Denken und das Teilen ist schon in den Köpfen vieler verankert, aber bis zu einer Umsetzung in der breiteren Bevölkerung ist noch ein weiter weg.

Was muss sich ändern, damit unsere Gesellschaft mehr auf Teilhabe setzt?

Der Wunsch nach Teilhabe muss sich bei jedem Menschen selbst entwickeln, es kann nicht von oben kommen. Zudem braucht unsere Gesellschaft mehr Mechanismen, die Kooperation statt Konkurrenzdenken fördern.

Wo sehen Sie Grenzen dieser Entwicklung?

Die Grenzen sind dort, wo sie jeder persönlich für sich sieht. Natürlich kann nicht alles geteilt werden, aber wie viel hängt von jedem persönlich ab. Unser Ziel ist es, dass es in 10 Jahren den Begriff „Collaborative Economy“ nicht mehr gibt, weil die Wirtschaft kollaborativer sein wird. Denn die Wirtschaft muss kollaborativer werden, um Zukunftsfähig zu sein.

Heute endet die Tour nach 10 Tagen in Berlin. Welches Projekt hat Sie am meisten beeindruckt?

Ein Projekt, dass mich sehr beeindruckt hat war die Utopiastadt: ein Ort, an dem alle Aspekte der Collaborative Economy unter einem Dach vereint werden sollen, von Coworking, über Fablab (offene Werkstatt), Kunst, Restaurant und mehr. Weitere Projekte, die mir gefallen sind der Leerstandmelder, eine Plattform auf der von jedem leerstehende Gebäude eingetragen werden können, und die Plattform Foodsharing, auf der übrige Nahrungsmittel verschenkt werden.


Was: OuiShare Get-Together: Paneldiskussion + Drinks

Wann: 25.10.2013, 18:30 Uhr

Wo: Supermarkt, Brunnenstrasse 64, 13355 Berlin


Teaser & Image by Francesca Pick

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Tobias Schwarz

Tobias Schwarz

ist Coworking Manager des St. Oberholz und als Editor-at-Large für Netzpiloten.de tätig. Von 2013 bis 2016 leitete er Netzpiloten.de und unternahm verschiedene Blogger-Reisen. Zusammen mit Ansgar Oberholz hat er den Think Tank "Institut für Neue Arbeit" gegründet und berät Unternehmen zu Fragen der Transformation von Arbeit.

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